Nr. LS«
Zweites Blatt
160. Jahrgang
Erscheint täglich mtt Ausnahme des Sonntags.
General-Anzerger für Gberheßen
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Verlag: e^ä# 5L Redaktion:S-?AlI2. Tel.-Adr^ AnzeigerGießen.
Die Gießener FaiLilienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Ureisblatt für dm Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Freitag 1 ».August »»10
Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universüäts - Buch- und Stemdruckerei.
R. Lange, Gießen.
politische Tagesscha«.
Eine freisinnige Kandidatur in Wetzlar-Altenkirchen.
Nach Blättermeldungen sollen die Freisinnigen im 1. Koblenzer Neichstagswahlkreis Wetzlar-Altenkirchen den Pfarrer Erwin Gros aus Esch im Taunus als Reichs- ragskandidaten ausgestellt haben. Dazu schreibt die „Natl. Korr.": Das muß zunächst schon deswegen auffallen, weil die Freisinnigen noch nie im Besitz dieses Wahlkreises waren. Der Kreis war vertreten 1867—1869 durch einen Freikonservativen, 1869—1871 durch einen Wildliberalen, 1871 bis 1874 durch einen Konservativen, 1874—1881 durch einen Nationalliberalen, 1881—1890 wieder durch einen Konservativen und 1890—1907 durch den nationatliberalen Abg. slraeuier. Bei den Blockwahlen 1907 siegte dann der Christlich-Sozialen Behrens mit 15 319 Stimmen über Kraemer, aus den 11027 Stimmen entfielen. Bei der damaligen Haupt Wahl wurden abgegeben 8726 ncrtionalliberale, 7730 christlich-soziale, 7193 konservative und 2579 sozialdemokratische Stimmen; unter den konservativen stecken dabei auch die Zentrumsstimmen, die etwa 6200 betragen. Betrachtet man diese Zahlen, so geht daraus unwiderleglich bervor, daß durch die Aufstellung einer Sonderkandidatur der Fortschrittlichen Volkspartei der Liberalismus, der in der Hauptwahl 1907 noch am meisten Stimmen erzielte, aus de ^Stichwahl völlig ausgeschaltet würde. Bei einem geschlossenen Vorgehen aller Liberalen ist dagegen begründete Aussicht vorhanden, den Wahl- lreis zurückzuerobern. Daß die Nationalliberalen dazu berufen sind, den liberalen Kandidaten zu stellen, lehrt ein Blick auf die Geschichte des Kreises. Die Freisinnigen haben ihren Kandidaten nur einmal in die Stichwahl gebracht, nämlich 1890, wo der nationalliberale Kandidat, eben der langjährige Abgeordnete Kraemer, mit 12131 Stimmen über den Freisinnigen siegte, der 9342 Stimmen erhielt. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß dem freifinnigen Kandidaten nur die Unterstützung des Zentrums zur Sttch- wahl verholfen hatte. Die völlige Zwecklosigkeit der fortschrittlichen Kandidatur liegt daher auf der Hand, und wir haben allen Anlaß, an der Richtigkeit der Blättermeldung zu zweifeln. Sollten aber die Vertrauensmänner der fortschrittlichen Vollspartei im Kreise Wetzlar-Altenkirchen nrirmd) eine Sonderkandidatur beschlossen haben, so hoffen wir zuversichtlich, daß im Interesse oes Gesamtliberalismus die Zentralleitung der Partei dazu auch noch ein Wort sagen wird.
Wer und was war Rektor Bock?
Wäre der Fall Bock nicht so überaus bedauerlich und traurig, so könnte man über das Pressenachspiel, bei welcheni gar zu eifrige Freiheitskämpen auf der einen und die Zentrumsblatter auf der anderen Seite beteiligt sind, lachen. Ein Teil der sozialdemokratischen und demokratischen Blätter hatten in allerdings unangebrachter Weise den Fall Bock zu Angriffen auf oie konfessionelle Schule und Kirche benutzt. Daraus antwortet die „Germania":
Wer ist der Rektor Bock? Nominell gehört er allerdings der katholischen Kirche an, aber hören wir, was uns über seine religiösen Anschauungen und sein „katholisches" Bewußtsein aus unanfechtbarer Quelle — nicht von geistlicher Seite — berichtet wird:
Das Leib- und Magcnblatt des Rektors Bock war die im Mosseschen Verlag des Berliner Tageblattes erscheinende jüdischradikal-atheistische BerlinerVolkszeitung; katholische Zeitungen waren ihm „Wurstblätter". Jede wirkliche und erfundene Skandalgeschichtc aus dem katholischen Lager, deren Verbreitung die Berliner Volkszeitung geradezu professionell betreibt, bereitete ihm besonderes Wohlgefallen. Derlei Artikel machte er, blau angestrichen, stets mit höhnenden Bemerkungen dem Lehrpersonal zugängig. Brachten katholische Blätter dann eine Berichtigung beziehungsweise Richtigstellung solcher Geschickten, so tat er sie mit überlegenem Lächeln ab. Seine Denkweise, mit überlegenem Dünkel über katholisches Glaubensleben sich hinweg zu setzen, war längst bekannt. Gegenüber dem Lehrpersonal hat er zu wiederholten Malen die katholische Kirche abfällig kritisiert, ihre Einrichtungen lächerlich zu machen gesucht und über die Kirche und die „Pfaffen" geschimpft! 'Daß ein solcher Mann kein Freurrd der Leichte war und auch über diese Einrichtung der katholischen Kirche höhnische Bemerkungen machte, kann wahrhaftig nicht Wunder nehmen. Mehr wollen wir hierüber heute nicht sagen. Bock war weiter Mitglied des „Liberalen Wahlvereins", er hat mit seinen Schülerinnen noch vor kttrzem bei der Feier des 80. Geburtstages des freisinnigen Abg. Träger gesungen. Ebenso gehörte er den: liberalen „Berliner Lehrerverein" an. Dagegen stand er dem „Verein katholischer Lehrer" schroff ablehnend gegenüber und hat diesen in der gehässigsten Weise bekämpft. Bock hat sich also durchaus als „Liberaler" gefühll und betätigt.
Wir denken, daß diele Mitteilungen ausreichen, um auch den verbohrtesten Katholikenhasser zu überzeugen, daß es schlechterdings nicht angeht, den „batholischen" Rektor Bock der katholischen Kirche und dem „Ultramomtanismus" zur Last zu legen — er ist ein unverfälscht Liberaler, Geist vom Geiste des Berliner Tageblatts und der Berliner Volkszeitung, und er hat bisher jedenfalls auch der diesen beiden Blättern gesinnungsverwandten^ Sozialdemokratie weit näher gestanden, als der katholischen Kirche und dem „Ultramontanismus". Das möge vor allem der Vorwärts sich merken, der sein Mundwerk über den „Fall Bock'' und den „Verfall" der katholischen Moral, der daraus resultieren soll, nicht weit genug aufreißen kann.
Präsident Monti ch.
Um Heilung von einem Herzleiden zu suchen, verließ Präsident Pedro Montt von Chile vor einigen Wochen die' Heimat. Die Reise ging über Nordamerika. Auf demselben Llonddampfer, auf dem unmittelbar vor der Abfahrt der Mordanschlag auf den Bürgermeister Gaynor von New-Port geschah, schiffte sich Montt nach Europa ein. Der herzkranke Mann ivar Augenzeuge des aufregenden Vorfalls. Sein Ziel war das Bad Nauheim. Er hat es aber nicht mehr erreicht. Wenige Stunden nach seiner Ankunft in Bremen machte, wie wir schon kurz meldeten, ein Herzschlag seinem Leben ein Ende.
Montt ist als amtierender Präsident der Republik Chile, zu deren Oberhaupt er am 18. September 1906 vom chilenischen Kongreß auf fünf Jahre, also bis zum 18. September 1911, zum Präsidenten gewählt worden war, gestorben. Ec
war 1846 geboren als Sohn des späteren Präsidenten der Republik Montt, der von 1851 bis 1861 die Geschicke seines Landes leitete. Zu seiner Ausbildung hat sich der junge Pedro u. a. in den Vereinigten Staaten und Europa ausgehalten und ließ sich 1870 als Rechtsanwalt in Santiago nieder. Von 1876 bis 1900 war er Mitglied der Kammer und mehrfach Minister. Im Jahre 1891 vertrat er Chile als Gesandter in Washington in einer sehr schwierigen Zeit, da gerade damals die Beziehungen zwischen den beiden amerikanischen Republiken sehr gespannt waren. A
In seiner ganzen politischen Tätigkeit hatte er H) derartig das Vertrauen seiner Mitbürger erworben, daß im Jahre 1906 ihn alle Parteien mit Ausnahme der Klerikalen als Präsidentschaftskandidaten proklamierten; er wurde denn auch gewählt und hat aus das segensreichste sür die Republik Chile gewirkt. Ihm ist es wesentlich mit zu verdanken, daß die Schäden des großen Erdbebens vom 16. August 1906, dem Valparaiso zum Opfer fiel, bald beseitigt, Reformen zur Festigung der Währung eingeleitet und die Staatsverwaltung reorganisiert wurde.
Montt galt als ein Freund der Deutschen, deren Sprache er völlig beherrschte. Die „Nordd. Allg. Ztg." hat ihm darum den gestern mitgeteilten Nachruf gewidmet. Auch sein Vater war als Freund des Deutschtums bekannt, denn er war es, der den Süden Chiles hauptsächlich durch Deutsche besiedeln ließ, die zum Dank den von ihnen angelegten Hafen Puerto Montt nannten.
Bremen, 18. Aug. Witwe Montts und ihre Schwägerin reisten heute nachmittag uml 4 Utyr| 3 Minuten in dem ihnen vom Senat zur Verfügung gestellten Salonwagen in Begleitung des Generals Körner und des Leibarztes Dr. Münnich stach Berlin ab. Zur Verabschiedung am Bahnhof waren beide Bürgermeister erschienen.
Bremen, 18. Aug. Der Kaiser hat an die Witwe des Präsidenten Montt heute ein Telegramm in fraw- zösischer Sprache gerichtet, dessen deutsche Uebersotzung lautet: „Ties bewegt durch die Nachricht von dem plötzlichen Tode Ihres Gemahls, des Präsidenten der Republik, beehre ich mich, Ihnen meine aufrichtige Anteilnahme an Ihrem grausamen Verluste zum Ausdruck zu bringen."
Peer und Flotte.
Die Seeoffizierlaufbahn. Die amtliche Berliner Korr. schreibt: Die vor einigen Jahren erlassene Bestimmung, daß gut beurteilten Leutnants zur See, die als Abiturienten in dis Marine eingetreten sind, bei der Beförderung zum Oberleutnant zur See durch Borpatentterung ein Vorteil gewährt werden soll, wird in Kreisen, welche mit Marineverhältnissen nicht näher vertraut sind, hinsichtlich ihres praktischen und tatsächlichen Effekts weit überschätzt. Infolgedessen scheint sich die Ansicht herausgebildet zu haben, daß Seekadetten, die als Primaner eintreten, nur fdjr geringe Aussichten für eine erfolgreiche Laufbahn hätten unb gegenüber den gleichzeitig eintretenden Abiturienten unter allen Umständen zwei Jahre verlören. Deshalb ist darauf hinzuweisen, daß nach wie vor gut gualifizierte Primaner stets Aussicht auf Einstellung haben und daß die etwaige Schädigung durch Vorpatentierung von Mbiturienten bedeutend geringer ist, als vielfach angenommen wird, da ja nur die gut qualifizierten Abiturienten für eine solche in Frage kommen. Außerdem ist in der .oben erwähnten Bestimmung ausdrücklich vorgesehen, daß vorzüglich beurteilte Primaner ebenfalls patentiert werden können. Diese hätten dann den gleichzeitig eingetretenen Abiturienten gegenüber noch den Vorteil jüngeren Lebensalters, wozu noch die günstigeren Beförderungsverhältnisse in der Marine kommen, die besonders infolge des planmäßigen Ausbaues der Torpedostreitkräfte und des Unterseebootswesens auch jüngeren Offizieren gute Aussicht für selbständige Stellungen bieten. Auch läßt die beabsichtigte Entsendung S. M. S. „Gneisenau" in das Ausland daraus schließen, daß mit der durch das Flottengesetz vorgesehenen allmählichen Vermehrung der Auslandsschiffe der Anfang gemacht wird. Die Zahl der Auslandskommandos, zumal für jüngere Offiziere, würde sich dadurch erhöhen.
Paris, 18. Aug. Die Einweihung des zum Andenken an die berühmte französische Kavallerieattacke auf bem Schlachtfeld vonSedan bei dem Orte Floing errichtete Denkmal, genannt: „Monuments des braves gents wird am 1. September stattfinden. König Wilhelm hat jenen verzweifelten Ausfall der französischen Truppen mit den Worten: „Ah, diese braven Leute" charakterisiert. Tas Denkmal wird diese Worte des Königs als Inschrift tragen. Die Gedenkrede hält der ehemalige kommandierende General des 20. Armeekorps, Bailloud, der eigens zu diesem Anlaß aus Algerien eintrifft.
Deutschs Kolonien.
— Koloniale Selbstverwaltung in Deutsch- Ostafrika. Das amtliche „Deutsche Kolonialblatt" enthält eine Verordnung des Staatssekretärs (in Vertretung des Reichskanzlers) vom l8. Juli 1910 über die Stadtgemeinden, als welche Daressalam und Tanga sürs erste bezeichnet werden. Die Ausgaben dieser Gemeindeverwaltungen werden im einzelnen als die der öffentlichen Arbeiten, des Unterrichtswesens, der Wotzlfahrt usw. umschrieben, dazu kommen mit Bezug auf diese Gegenstände Polizeiverordnungen, die der Genehmigung des Gouverneurs bedürfen. Für ihre materiellen Einrichtungen kann die Gemeinde von den Grundeigentümern und Gewerbetreibenden, die daraus Nutzen ziehen, entsprechende Beiträge, für die von ihr unterhaltenen Veranstalumgen Gebühren erheben; sodann erhält sie das direkte und indirekte Steuerrecht. Der st ä d t i s ch e R a t besteht aus dem Vorsteher des Bezirksamts und vier reichsangehörigen Mitgliedern oder deren Stellvertretern. Eines dieser Mitglieder ernennt der Gouverneur, die übrigen wählen auf zwei Jahre die 25 Jahre alten deutschen Gemeindeangehörigen und die ansässigen Erwerbsgesetlschasten nach folgender Einteilung: ein Mitglied die Hausbesitzer, die Häusersteiier zahlen, das zweite der Gewerbeslaiid, das dritte die übrigen Gemeindecmgehörigen. Mehr als fünf Stimmen darf kein Wähler abgeben. Tie Angehörigen der Schutztruppe wählen für das dritte Mitglied nicht mit. Das passive Wahlrecht ist an daS Alter von 30 Jahren gebunden, der Gewählte, außer unmittelbaren Beamten, muß die Wahl nnnebmen. Ter Vorsitzende ist Leiter und Vertreter der Stadt, er ernennt die Beamten nach Maßgabe des Wirtschastsplanes, der der Beschlnß- faffung des Rats in erster Linie unterliegt. Die allgenieine Dienstaussicht führt der ©ouuerneur, der die Ortssatzungen, die Gebühren und Steuern, den Wirtschaftsplan, die Aufnahme von Darlehen usw. genehmigt unb auch die Jahresrechuungen prüft Ten Zeitpunkt für die Jnkrafttretung der Verordiiung in den einzelnen Gemeinden beftinunt der Gouverneur.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 19. August 1910.
** Gegen die Lehrlingsziüchterei. Die Süddeutsche Schuhmacherzeitung berichtet, daß ein Meister 5 Gesellen und nicht weniger als 15 Lehrlinge hält. Einer der! 15 lies weg, da er zur Handwerksarbeit nicht herangezogen wurde. Das Gewerbegericht entschied, daß ein Lehrling- unter allen Umständen Anspruch darauf habe, sein Hand^- werk genau kennen zu lernen und sorgfältig unterrichtet zu werden. Das sei aber bei 5 Gesellen und 15 Lehrlingen unmöglich. Der Lehrling habe also zu Recht das Lehrlings Verhältnis gelöst.
** Elektrische Kraft für Wieseck. Wir erhalten von der Bürgermeisterei Wieseck folgende Zuschrift: In Nr. 192 Ihres Blattes wurde unter Eingesandt gewünscht, daß zuerst einmal von einem Fachmann ein Vortrag über Elektrizität in einer Bürger-Versammlung gehalten würde. Wir teilen deshalb mit, daß ein solcher bereits für September l. Js. geplant ist. Was den Inhalt der Anmeldebogen anbelangt, so ist er bezüglich des Kostenpreises derart ausgearbeitet, daß er bei genauerer Durchsicht jedem Laien verständlich sein muß. Die Anmeldungen dienen hauptsächlich dazu, festzustellen, wieviel Energie gebraucht wird, da dieses bei Aufstellung deS Voranschlags erforderlich ist. Sollte einer oder der andere Abnehmer eine stärkere oder geringere Kraft gebrauchen, als wie er auf dem Anmeldebogen angegeben hat, so kann das zu jeder Zeit noch umgeändert werden.
** In Amerika gestorbene Hessen. Adam Pörtner, 93 Jahre alt, aus Eppelsheim, in Milwaukee; Peter Ortmiller, 83. Jahre alt, aus Hessen-Darmstadt, in Pittsburg; Michael Dingeid ein, 73 Jahre alt, aus Reichelsheim i. O., in Fise Station; Frau Elisabeth Kempf, geborene Rühl, 66 Jahre alt, aus Vilbel, in Forest Park; Frau Marie Matthäi, geborene Schneider, 28 Jahre alt, in Omaha, Nebr.
** Die erste Zuch t des Grevy -Zebras in Deutschland ist im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. geglückt. Die „Grevhs" sind die größten und schönsten Zebras. Sie erschienen erst im Frühjahr 1908 im Tierhandel und waren vorher nur in einzelnen Stücken nach London und Paris gekommen. Auch heute noch gehören sie zu den größten Seltenheiten in den zoologischen Gärten. Durch einen bewährten Gönner erhiell der Zoologische Garten im Vorjahr ein prachtvolles Paar dieser wertvollen Tiere, das schon seit April 1908 hier eingestellt war, als Geschenk. Am Mittwoch früh 4 Uhr erfolgte die Geburt eines starken Fohlens und bereits eine Stunde später stand das reizende Tierchen auf den Beinen. Schon 4 Stunden nach der Geburt tollte das niedliche Zebra-Baby neben der Mutter int sonnenbeschienenen .Außenpark umher.
K. Ettingshausen, 18. Aug. Die bei den bevorstehenden Feldbereinigungsarbeiten nötigen Drainagen wurden gestern zu rund 20000 Mk. vergeben. Die Arbeiten werden im Herbst ausgesührt.
§ Schotten, 18. Aug. Die von Frau Lehrer Clarius- Langen angeregte Sammlung „Frauendank an Vater BackeS" zum Besten des Lehrerheims „Vogelsbergs hat den Betrag von 1445 Mk. ergeben. — Zu Gemeinderatsmitgliedern wurden gewählt: Konrad Schlörb VIII. mit 251, Georg Konrad Hofmann II. mit 249, Karl Weitz mit 225, August Schlitt mit 173 und Karl Schlörb V. mit 172 Stimmen. — In Bisses gewann ein Landwirt in der Weimarer Geldlotterie 15 000 Mk.
x Ba d-Nauheim, 18. Aug. Der 80. Geburtstag des Kaisers von Oesterreich wurde heute von der Kurverwaltung durch ein Festkonzert begangen. — Am Samstag abend veranstaltet die Kurkapelle im neuen Konzetthaus ihr 9. Künstlerkonzett unter Mitwirkung der Kammersängerin Frau Minnie Nast-Dresden.
L. Bad-Nauheim, 18. August. Hier ist der große, silberne Humpen der Deutschen Genossenschaftler ausgestellt. Der Humpen wurde 1863 von den deutschen Genossenschaften gesttftet und Schulze-Delitzsch, dem! Beapünder des Genossenschaftswesens, überreicht. Schulze-» Delitzsch gab chn später dem allgemeinen Verbände zurück, mit der ^Bestimmung, ihn bei den Jahresversammllrngen kreisen zu lassen. In den nächsten Tagen wird der Deutsche Genossenschaftstag hier abgehalten.
Friedberg, 18. August. 700 Passierscheine wurden ausgestellt. An den Eingängen zur Burg, wie zu den Burgberg anlag en sind Plakate angebracht mit „Eingang Verbote n".
-Mainz, 18. Aug. Kommt da gestern ein „feiner" Herr in eine hiesige Wirtschaft, trinkt sein Gläschen Wern unb legt beim Bezahlen ein Geldstück ans den Tisch, das einem Zehnmarkstück verzweifelt ähnlich sieht. Die Wirttn hält es auch dafür und gibt darauf heraus. Als sie das Geldstück jedoch einstceichen will, ift es verschwunden unb statt seiner liegt ein 50Pstrmigftück auf dem Tisch, das die Wirtin vorher nicht bemerkt hatte. Ter Viann bechruptete, fie habe das Geldstück eingesteckt und ging rasch fort. Nach langem Suchen erst bemerkte die Frau, daß das 50 Pfennigstück auf der Rückseite mit Goldbronze bestttchen war. — Für die gelegentlich der Kaiserparade öfters erwähnte Eigenart der Mainzer boten gestern aus dem Martte ztom'Frauen ein schl agenbes Beispiel: Eine Frau batte bet, einer Händlerin Zwei scheu gekauft, die sie wieder zurückgeben wollte, da sich eine jaule darunter befand. Dadurch verletzte sie „natürlich^^ das Ehrgefühl der biederen Bauersfiau unb eine „Mords- schimpferei" ließ die Leute sich um die Beiden scharen, die durch die Zuschauer gereizt, sich bald in den Haaren lagen. Als ihnen das nicht mehr genügte, bewarfen sie sich zum grenzenloseit Jubel der Umstehenden mit „Kummern". Nachdem sich die beiden genügend ermüdet hatten, zogen sie wie begossene Pubelümen ab.
X Fritzlar, 18. Aug. Kreisarzt Dr. Scherb wurde im Walde auf dtzm Anstand von einem Herzschlag betroffen. Ein Waldaufseher fand seine Leiche.
ff Marburg, 18. Aug. Heute fand das Königspreisschießen des Jägerbataillons statt. Den Ehrenhirschfänger erhielt der Rekrut Cramer von der 4. Kompagnie, der mit 68 Ringen der beste Schütze blieb.


