Ausgabe 
16.2.1910 Erstes Blatt
 
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ibiefc für btc Finänzen der EmzelpaateN günstige Wirkung hin- LUweisen, und brr preußisch« Finanz Minister hat in seiner Etat- rede hervorgehoben, das,

vom Standpunkt der Einzelstaaten mit Danke dem Reichs­tage gegenüber anerkannt werden muß, daß der Reichstag diese geradezu unerträglichen und wie ein Damoklesschwert über den Einzclstaabeii hängenden gestundeten Matrikularbeiträge von den Einzelstaaten abgebürdet und aus die Reichskaffe übernommen bat".

Der Finanzausschuß der 1. xiainnrer beklagt es, daß eine feste Begrenzung in dem finanziellen Verhältnis des Reiches zu den Einzelstaateir nicht hat herbeigesührt werden können, daß das Reich immer noch Kostgänger der Bundesstaaten geblieben ist und daß der Artikel 70 der Reicks Verfassung, nach welchem die Eiirzelstaaten verpflichtet sind, die Schulden zu tilgen, weiter besteht.

Durch btc neugeschaffenen Reichs-Einnahmen darf wenigstens für die nächste Zukunft auf eine stabile Gestaltung des Finanz­verhältnisses gerechnet werden.

Den Vorschlag, die preußische Progression in das hessische E i n k o m m c n st e u e r g f e tz cinzuführen, muß der Finanzausschuß aus prinzipiellen Gründen ablehnen, da Preußen erst jetzt die Einkommensteuer zu dem bei uns längst eingesührten Höchstsatz von 5 Proz. gesteigert hat: dabei aber die mittleren Einkommen stufen stärker als Hessen heranzieht. Die jetzige Ge­staltung der hessischen Einkommensteuer entspricht iricht den sozial­politischen Anträgen, welche bei der Bewilligung des hohen Satzes von 5 Proz. in der Progression als Gegenleistung in der 1. .Kammer vorgeschlagen waren: hiernach) sollten nämlich die un­teren .Klassen bis zu 900 Mark von der Einkommensteuer überhaupt befreit bleiben. Aus prinzipiellen Gründen muß deshalb eine Aenderung der Bestimmungen des Artikels 67 der Verfassung und des Artikels 13 des Einkommensteuergesetzes, wonach eine Er­höhung und Ermäßigmrg sämtlicher Steuersätze nur gleichmäßig erfolgen kann, abgelehnr werden. Da die bloße Entlastung der Stufen bis zu 900 Mart von dein allgenteinen Zuschlag rech­nerisch kaum fühlbare Erleichterungen bringen dürfte, so muß auch für die Zukunft, soweit die wachsenden finanziellen Ergebnisse der bestehenden Steuergesctze cs gestatten, an dem früher auf- aestellten Programm der 1. Kammer fcsrgehalten und die voll­ständige Entlastung der untersten Stcuerstufen, die das Existcnz- mininuim nicht erreichen, ins Auge gefaßt werden.

Von einer Beurteilung der Finanzlage st'ir das Jahr 1911 bis 1912 glaubt der Ausschuß absehcn zu sollen, weil zuver­lässige Schätzungen hierfür nicht zugrunde gelegt werden können. Im Hinblick aber auf die ge'unde wirtschaftliche Entwickelung des Landes, die «ich in den wachsenden Einnahmen der direkten Steuern offenbart, und im Hinblick auf die steigende Konjunktur unseres Wirtschaftslebens überhaupt, die in ihren Wirkungen auch auf die Eisenbahneinuahmcn fühlbar werden wird, hält der Finanz­ausschuß c-3 für geboten, pessimistischen Erwägungen insoweit keinen Raum zu geben, als sie darauf zielt, die Steuerzahler schon heute über das Maß des Erträglichen hinaus zu belasten.

Der Rückgriff in die auf der Steuerkrast des_Landes beruhen­den Reserve bleibt zu jeder Zeit offen. Es ist aber nicht an­gebracht, diese Reserve in Anspruch zu nehmen, wenn nicht die dringendste Notwendigkeit Zu diesem Schritte unbestreitbar und sicher erwiesen ist.

Zur Balancierung des Etats 1910 ist der Finanzausschuß der hohen ersten Kammer bereit, in der Frage der Steuererhöhung enlgegcnzlltommetl, wenn diese auf die Einkommensteuer beschränkt wird und sich in der weiter unten zu erörternden erträglichen Grenze hält, die das Belastungsverhältnis zu dem Nachbarstaatc Preußen nicht zu stark verschiebt.

Eine weitere Erhöhung der Vernrögenssteuer würde den Charakter dieser Steuer als Ergänzungssteuer verwischen. Ein Hinweis auf Baden, das hier ähnlich hohe Steuersätze hat, wie sie die Großh. Regierung fordert, wäre nicht schlüssig, weil dort die Vermögenssteuer zur Hauptsteuer geworden und die Ein­kommensteuer in den Hintergrund gedrängt ist.

Eine Aenberung dieser auf Gesetz beruhenden Stellung der Vermögenssteuer im hessischen Steuersystem hast der Finanz- jausschuß aus den nachfolgenden Gründen für nicht erforderlich -und wegen der seither erfolgten, als drückend empfundenen hohen Schatzungen der Vermögenswerte nur dann für diskutabel, wenn die Einführung der neuen preußischen Bestimmungen über die .Schätzung des Vermögens damit verbunden wird.

Vor dieser Inanspruchnahme der Stcnerreserve des Landes aber sind zum Ausgleich des Defizits 1910 alle bereiten Mittel .heranzuziehen:

1. Nach den Erläuterungen zu Kapitel 123 des Haupt- ,Voranschlags 1910 soll ait-ä deinErneuerungsfonds Bad Raub e im", der sich Ende 1909 auf mindestens rund 1,47 Mill. Mark stellen wird, die diesjährige ,Bausumme von rund 674 000 Mark gedeckt loerden, ohne daß die Regierung die Befürchtung hegt, seine Zweckbestimmung mit den Ueber- -schüsseii des Bades zusammen den für Bad-Nauheim bereits ver­wendeten Staatstredit zu verzinsen und zu tilgen --- durch diese Entnahme zu gefährden.

Der Finanzausschuß hält es in Uebereinstimmuug mit dem wben ausgesprochenen und schoit bei Beratuirg des Ausgleichsfonds­gesetzes 1907 aufgestellten Prinzip für nicht angängig, freie Ver- mögensmittcl, die zur Minderung der Steuerlast herangezogen werden können, anderweit aufzubrauchen, wenn diese Verwendung reicht als besonders dringlich erscheint. Dies ist hier nicht der Fall: denn sämtliche Badehäuser sind soweit fertig gestellt, daß sie 1911 in Betrieb genommen loerden kömren.

durch den Bau der Kolonnaden in bet Parkstraße ist auch für die Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten des Badepublikums in hervorragender Weise Sorge getragen: eine Verschiebung der weiteren Kolonnadcnbauten in einem Augen­blick, in welchem dein Lande erhebliche Steuerlasten neu auf­gebürdet loerden, erscheint sonach durchaus angebracht. Selbst wenn man die sehr hoch erscheinende Anforderung, von 34 000 Mark für das Varkwärtcrhaus bewilligen sollte, so bleibt bei dem Aufschub weiterer Kolonnadenbauten ein Betrag von 640 000 Mark für die Staatskasse verwendbar, der zur Deckung des De­fizits 1910 herangczogen werden kann, ohne daß hiertmrch Die Lage des Bades verschlechtert wird, und der Zuschuß an die Staatskasse von 100 000 Mark gefährdet ist.

2. Die Eisenbahncinnahme für 1910 ist nach den Zahlen des preußischen Etats nicht auf 12 Mill. Mark, sondern auf 12 650 000 Mark wenn man sehr vorsichtig einstellt festzusetzen, wo­durch sich eine weitere Besserling des Etats um mindestens 650 000 Mark ergibt.

3. Auf der Ausgabenseite des Etats 1910 kommen unter Kapitel 12 mindestens 300 000 Mark, die als Ausfall bei der von der Regierung vorgcschlagenen Steuererhöhung in Ansatz gebracht waren, in Wegfall.

4. Aus der Einkommen- und Vermögenssteuer kann über den Ansatz des Hauptvoranschlags hinaus eine Mehreinnahme von etwa 500 000 Mk. eingestellt werden, wenn man die in den stati- stiscklcn Mitteilungen über die -Ltaatsrechnung 1908 veröffent­lichten Zahlen über den natürlichen Steuerzuwachs zu Eirunde legt.

5. Eine Verminderung des, unter Kapitel 65 aufgeführlcn Fonds für öffentliche Zwecke wäre äu erwägen, da im jährlick'en Budget der Regierung genügende Mittel zur Verfügung gestellt werden, welche die Zinsen dieses Fonds weit übersteigen: eine besondere Reserve bedürfte deswegen besonderer Begründung.

6. .Bleibt es bei der durch das geltende Tilgungsgesetz vvrgs- scheuen Tilgungsrate, und werden bei bat einzelnen Budgetposten so weit als möglich Ersparnisse angestrebt, so glaubt der Finanz­ausschuß auf Grund einer unter oHgcmehteii Gesichtspunkten er­folgten Prüfung des Staatsvioranschlags wie sie seither nur möglich war,: die Palanzierung des Etats 1910 durch einen auf ein Jahr zu bemessenden Zuschlag zur Einkommensteuer von etwa 10 Prozent herbei führen zu können.

Ter Finanzausschuß hat sich zu dieser eingehenden Erklärung auf Munich des verehrt. Ausschusses Zweiter Kammer für, ver­pflicht erachtet, und gibt sich gerne der Hoffnung hin, daß bac icnseitige Auch chuß neuerbing-3 in Erwägungen darüber ein treten möge, ob nicht die bereits mitgeteilte Absicht, einen Zuschlag zur Einkommensteuer von 25 Prozent und zur Vermögenssteuer von 4-62/3 Prozent zu bewilligen, sowie dem vorgelegten Amortisattons- prinzipe zuzustimmen, aufzugeben ist.

Eine Auch Pracks über diese Vorschläge fand nicht statt, sondern nur eine Besprechung über die weiter zu unternehmenden Schritte. 50?an einigte sich schließlich! dahin, am Donnerstag, den 24. Febr. nochmals eine gemeinsame Sitzung abzuhalten und zu dieser Sitzung auch die Regierung einzuladen.

R.B. Darmstadt, 15. Febr. Der Finanzauss chu ß der Zweiten Kammer hielt heute vormittag eine Sitzung ab, in welcher die Berichte der Abgg. Tr. Osann, M v l t ha n und Ulrich über die von ihnen übernommenen Haushaltskapitel verlesen und genehmigt wurden. Abg. Tr. Weber wird bv- antragen, beim Kapitel 2, Einnahmen aus Bau-, Nutz- und Brennholz, statt der angesetzteit SumMr von 4 3-30 000 Mark 80 000 Mart mehr als Einnahme einMstellen, d. i. zusammen bei- Ertrag, den die Einttahmc aus den Holzverkäufen im vorigen Jahre in Wirklichkeit ergeben hat. Weiter wurde noch vom Abg. Brauer über die Besichtigung im Arbeitshause zu Dieburg berichtet und die Forderung von 11 550 Mark für die Errichtung! einer Wohnung für den Verwalter befürwortet, dcächstr Sitzung : Mittwoch vormittag.

Deutsches Reich.

Prinz Heinrich von Preußen überwies dem Zentralkomitee für die Annäherun g Mischen Deutsch­land und Frankreich, das unter dem Präsidium des Präsidenten des .Herrenhauses steht, Zu Händen des Schatz- nreisters des Komitees, Bankdirektor Leopold Steinthal in Berlin, eine namhafte Summe zum Besten der Ueber- schwemmtcm in Paris. Mehrere inaktive preußische Staats­minister und Staatsminisrer der Bundesstaaten sowie viele hervorragende Persönlichkeiten, etwa 300, schlossen sich gleichfalls deut Komitee an.

Dem preußischen Abgeordneten hause ging der Entwurf über die Reis er ost en der Staatsbeamten Zu. Darnach betragen die Tagegelder für aktive Staats­minister 35 Mk., für Beamte der ersten Rangklasse 28 Mk., der zweiten und dritten Rangklasse 22 Ml., der vierten und fünften Rangklasse 15 Mk., für Beamte, die nicht zu

mation und schablonenmäßige Mimik, z. B. in rasch hinter­einander wiederholtes Nicken des Kopfes. Herr T aub al gab dem ungebändigten und herrischen Gregor den durch­schlagenden Ton und war auch im Spiel mit Brigolla von guter Wirlung. Am besten spielten die beiden Damen Frau Daumeister-Felsegg als Brigolla und Frl. Sybil Van e, ein Gast aus München, als Melide. J't Brigolla die menschlich am wenigsten glaubhafte Figur des Stückes, so entwickelte doch die Darstellerin eine glänzende und sichere "Natürlichkeit. Sehr eindrucksvoll und geistvoll er­schöpfte sie ihre Rolle namentlich im Wohnhaus der Rynke, wo die sehr dramatischen und spannenden Auftritte muster­gültig in Szene gefetzt wurden. Frl. Van e schuf in Melide das mädchenhaft stolz sich in fein Schicksal fügende Strand­kind, mit hingebungsvoller Anhänglichkeit an seinen Be­schützer, und treuer Teilnahme für seine ärmeren Schicksals­genossen. Sie mied sorgfältig das Zuviel und Zuwenig und blieb in ihrer innerlich wenig entwickelten Rolle mit einer sympathischen, klaren Sprache wahr und n türlich. Vor­züglich spielte auch Herr G ü h n e als Knecht Kasper; tiLIici . t hat er an manchen Stellen aus der Figur mehr gemachr als er sollte. Dem greisen Komtur hätte Herr Äakof ein klein wenig mehr Ernst und Würde geben können. Das Doppelspiel des egoistischen Paters Deodat gliederte sich durch das taktvolle und angemessene Auftreten des Herrn Rudolf Goll vorteilhaft der Handlung an. Bei dem inter­essanten Bühnenbild, das bei der Gerichtssitzung im Hof der Rynie prächtig zur Geltung kam, haben auch die statt­lichen Erscheinungen der Deutschordensritter und die ängst­lich gespannteil Fischer von Hela ihre Schuldigkeit getan. Jedes einzelneStrandkind" verdient gleichfalls ein Lob, .denn daß derRacheakt" im Schlußakt so laui und stürmisch chewegte Auftritte ergab, könnte man nur der Schuld Suder­manns selbst beilegen. Wir find davon überzeugt, daß dem ernsten künstlerischen Streben der Theaterfti.ung, die das .neue Werk Sudermanns gestern zu einem interessanten und unterhaltenden Abend erhob, der lebhafte Beifall auch in öen Wiederholungen nicht fehlen wird. > -z.

Heinrich von Stein.

Wie schon mitgeteilt, wird auf Veranlassung des Akade­mischen Türe rbun des am kommenden Donnerstag Frau A. Bering (Lucariw) einen Rezitationsabend veranstalten, dessen Reingewinn dem hiesigen Lcschalleverein überwiesen lucr^ den soll. Zum Vortrag gelangen Dichtungen timt Heinrich von Ste in.

Heinrich vo n Stern ist wenig bekannt, obwohl er, ein Freund Richard Wagn e r s, außer einem Werk über Schicker und Goethe und einer Geschichte der neueren Aesthetik auch als Dickster hervorgetreten ist.

Ein rücksichtsloser, glühender Wahrheitsdrang, ein ruheloses Streben nach Selbstvertiollkommnung, eine heiße Sehnsucht, sein Teil zum Fortschritt der Menschheit auf dem Wege nach auswärts beizutragen und ein uneinschränkbarer Mitteilungsdrang sind die Grundzüge seines Wesens.

Was Stein, der kaum 30jährig int Jahre 1887 gestorben ist, von der Zukunft ersehnt und erhofft, stellt er in seinen D i a -- logen dar, di« er den Helden und Heiligen der gangen hott in den Mund legt, den ö vof.cn, die die Angst des Irdischen von sich geworfen, die mit Siegerblick die steileiü Küsten des Landes der Vollendung erblicken und uns aussordcrn, mutig selbst den Weg dorthin zu suchen. Die Großen der Welt- gesch.chte und namentlich die Heiligen der Kirche führt er uns ut der ganzen Tragik ihres Schicksals vor. Mitten im Getriebe der Welt stehen sie und ihr Wille steht dem der Welt gegenüber, bricht sich an ihm, wendet sich gegen sich selbst und erhebt sich so weit über allen Zwang aus reinster ethischer Kraft.

Frau Bering, die sich die Verbreitung ber Stcinschen! Werke iur besonderen Aufgabe gewachst hat, geniesst den Ruf einer bedeutenden Rczitatorin und so darf man, namentlich auch im Hinblick ans den Zweck der Veranstaltung, einen guten Besuch des Vortrags erwarten.

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Kleine Chronik aus KunstundWissenschaft. Ter Professor der Dermatologie Tr. Samuel Rone in D fe.n- vcst ist infolge von Rotlausinfcktion im Alter von 53 Jahren gestorben. Tas amctifamidj-c Staatsdepartement hat den Mitbesitzer derMilwanker Abend-Post" Brumber zum Ge- nerackommissar für die amerikanische "Ausstellung in Berlin ernannt; zu Kommissaren: .Hermann Metz, John' Osborne, Laughlin, Selrctär bei der amerikanisckien Botschaft in Berlin und Hughmiller. Als Eröffnungstag ist der 4. Jul> 1910, der amerikanische Nationalfeicrtav bcftititr,

Vorstehenden Kategorien gehören, soweit sie bisher zu diesem Satz berechtigt ivaren, 12 Mk., für Subalternbeamie 8 Mk , für andere, fmueit sie bisher zu diesem Satz berechtigt waren, 6 Mk. und im übrigen 4- Mk.

Der verstärkte GemeiudranSsckmß des preußischen Ab- georduetenluruses hat den Gesetzentwurf betreffend die Er- Weiterung der Stadt Frankfurt a. M. mit ist gegen 9 Stimmen angenommen.

Zur zweiten Lesung des Haushalts für das Reichsamt des Inner?! beantragt die Wirtschaftliche Vereinigung des Reichstags, den Reichskanzler zu ersuchen, lraldupst einen Entwurf vorzitlogeu, durch welchen eine gesetzliche Regelung des Verkehrs mit Haudels-Dünge- und Futtermitteln herbei- geführt wird, ferner noch in dieser Reichstagssession einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach zum Zwecke eines besseren Schutzes der Jugend gegen die Schmutz - und Schund­literatur die Bestimmungen der 56 Ziffer 1.2 und 42 a der Gewerbeordnung ergänzt und entsprechend erweitert werden, sowie durch Perh/.idlungen mit den Bundesstaaten darauf hinzuivirken, Rbaßregeln zur Herbeiführung eines wirksamen Sck>utzes gegen die schweren Schädigungen zu treffen, die unserem Volksleben, insbesondere der heran- ivachsenden Jugend durch die überhandnehmende Schmutz- und Sehundliteratur zugefügt werden.

DieNordd. Allgem. Ztg." meldet: Wie wir hören, sah sich der kaiserliche Gesandte in Brüssel Graf v. Wall­witz durch seinen Gesurtdheitszustand veranlaßt, sich in das Privatleben zurückzuziehen. Nach fast zehnjähriger erfolg­reicher Tätigkeit in Brüfsel wird sein Ausscheiden aus dem Neichsdienste int Auswärtigen Amte mit lebhaftem Bedauern begleitet. Als Zeichen äußerer Anerkenuung für die von dem Gesandten geleisteten Dienste verlieh der Kaiser ihm den Roten Adlcrorden 1. Klasse mit'Eichenlaub Zum Nach­folger ist der Gesandte und Vortragende Rat in der polfti- schen Abteilung des Auswärtigen Amtes v. Flotow in Aussicht genommen. Er wird im Auswärtigen Amte durch den königlichen Gesandte?? in Weimar Grafen Botho von Wedel ersetzt. Den erledigten Posten eines ersten Sekre­tärs bei der kaiserlichen Gesandtschaft in Brüssel erhielt der bisherige zweite Sekretär bei derselben Gesandtschaft, Le- gationsrat Kräcker von Sch war tz e n f e l d t. Dein kaiser­lichen Ministerresidentei? il D. Freiherrn v. Mutzen­becher ist her Rang und Titel eines kaiserlichen Gesaiidten verliehen worden.

Entgegen anderweitigen Meldungen betont derSchw. Merkur", daß die Verhandlungen mit bem Auslände bezüg­lich der S ch if sah rts ab g ab e i? erst nach Erledigung der Abgabenfrage i?n Deutschen Reiche ein geleitet: werden sollen, lieber die dem Gesetzentwurf betreffend die Schiff- fahrtsabgaben auf Grund des Bundesratöbstschlus es vom 2. Februar im eirrzelnen zu gebende Fassung sind in Berlin in letzter Woche kommissarische Perhandlunge?? gepflogen worden, die einen befriedigenden Verlauf geuommeu haben.

Die Morgeriblättcr melden aus Berlin: E ne Stunde vor Mitternacht zog ein aus mehr als hundert .Köpfen be­stehender Trupp durch die Friedrichstraße nach der Moritz- ftraße und veranjstaltete Kündgetungen zugunsten deS all gemeinen gleichen Wahlrechtes. An der Ecke dec Leipzigerstraße wurde die Menge durch Polizeibesmte zer­streut. Ein großer Zug, der'aus Moabit ka?u, ivurde an dem Vorhaben verhindert, vor das Reichskanzlerpalais zu ziehen.

Dem elsaß-lothringischen Landesausschuß iu ein von sämtlichen Mitgliedern unterschricbcncr Antrag, be» treffend die Gewährung einer Autonomie an ElsoZ- Lothringen zngegangen, der folgenden Wortlaut hat:

Ter Landes ausschuß wolle beschließen: die Regürurtg zu ersuchen, mit aller Kraft darauf hinzuwirken, Saß die Verbün­deten Regierungen dem Reichstage alsbald einen Gesetzentwurf vorlegcn, durch ivclchen bestimirst wird: daß die Verfassung iv? Teutsckcn Reiches sonste das ReichSgesetz b-etresfend die Verfassung und die Vettvalkung Elsaß-Lvthriiigens' dahin abgcändert loerden, daß Eckaß-Lothringen zum' selbständigen Bundesstaate er Iw bei i und als solcher den deutschen Buitdesstaalen verfassimgsrechtlich böili-? gleichgestellt lverdc."

Ergänzt wird dieser Antrag durch einen ziveüen, der wie folgt lautet:

,,Ter Landesausschuß wolle beschließen: Tie Regierung zu ersuchen, mit aller Kraft daraus hrnzuwirken, daß die Verbündeten Regierunge?! alsbald deni Reichstage einen Gesetzentwurf vorlegen, durch welchen bestimmt luirb, daß der Landesausschuß von Elsaß- Lothringen oder die bei der Erhebung zum Bundesstaate zu schuf sende Volksvertretung aus dem allgemeinen, gleichen, geheimen und direktem Wahlrecht unter Anwendung des Proportion al malst verfahrens hervvrgehen soll."

Dieser letzte Antrag ist von bei Mehrzahl bei Abgeord­neten unterzeichnet. Angesichts der politischen Verhältnisse in Elsaß-Lothringen wird wohl noch viel Wasser den Rhein hinuntcrsließen, ehe an die Veuvirklichung bei beiden Anträge gedacht werden kann.

2lit5lanö.

Wie aus At hen gemeldet wird, ist dort der kretische Agitator Venizelvs wieder eingetroffen. Trotz brr Auffoideruug.ni der 50?ilitärliga an die Zeitungcn, sich cinei" Kritik üben die Einberufung der Nationalveriammlung ;u enthalten, beab­sichtigten fünf Zeitungen, im Namen der Freiheit einen Appell tut das Volk zu ridyten. Als darauf die Militärliga die Absicht kundgab, diese Zeitungen zu unterdrücken, stellten diese ihr Er. scheinen ein.

Tie Blätter melden ans; W i e n: Im Laufe des Abends trat im Befinden des Bürgermeisters Tr. Lueger eine B e r f ch l i m - merung ein, die als Besorgnis erregend angesehen wird.

Aus London wird gemeldet: Ter frühere Staatssekretär des Innern, Gladstone, dcr vor kurzem auf den Posten eines Generalgoiwerneurs der südaftikanifchen Union berufen wurde, ist zum Peer ernannt morden.

Tas englis cke Parlament wurde am Dienstag form- Ncheröffnet. Jmt Unter(}aufc wurde Lowther einstimmig zum Sprecher miedergcwählt. Alsdann vertagte sich das Haus auf Mittwoch.

21 us Staöi und Lund.

Gießen, 16. Februar 1910.

V om Hessischen StaaLSschuldbuch. Die Reichsbank gewährt vom 1.Januar 1910 ab Lombard- darlehen gegen Verpfändung von Schiildbuchsordcrungen. Hierfür kommen auch die sm hessischen StaatSschuldbuch ein getragenen Forderungen in Betracht. Nähere Auskunft erteilt daß Staatsfchuldbuchbüro, Darmstadt. Tie Benutzung dcL StaatSschuldbuchcs nimmt in steigendem Maße zu. Allein in den verstossenen zehn Monaten deS laufenden Rechnungs­jahres beträgt der Zugang nach Abzug der 2luSreichungeu 9 141 400 Mark. Derzeit sind unter 1560 Konten 57 550 800 Mk, d. h. etwa 13Proz. der eintragsfähigen Staatsschuld in? Schuldbuch eingetragen. Tie Benutzung des Staatsschuldbuches ist wesentlich erleichtert ivorden durch dic inzwischen beschlossene Gebührenfreiheit für alle Eintragungen und die Stemvelfreibeit für alle im Jnlcwde ausaeüellten