gewählt worden war, ist gestern gestorben. Er hatte am Abend des Wahltages einen Schlaganfall bekommen, der den rüstigen Mann rasch dahmraffte. Herr Bretz tvar sehr beliebt, weshalb er bei der Wahl in der vergangenen Woche die meisten Stimmen auf sich vereinigte.
Kreis Wetzlar.
-z-. Wißmar, 14. Nov. Infolge der äußerst regen Bautätigkeit ist die Bahn Hofs st raste soweit ausgebaut, dazu ist an dem Weg nach Launsbach manches schöne Haus entstanden. Dank des Gcmeindemaldcs von 690 Hektaren, der die Haupteinnahmequelle abglbt, wurden Güterverlade- stelle, QueUwasserversorgung uff. angelegt, welche segensreiche Einrichtungen niemand mehr entbehren möchte.
x Hohensolms, 15. Nov. Die Zusammenlegung der hiesigen Feldmark ist zum Abschluß gekommen und die 'Uebergabe der Ländereien cm die neuen Besitzer erfolgt. Unsere Gemarkung ist bergig und daher die Ausführung der Regulierung mit großen Schwierig.erten verbunden. Hohensolms hat bei 463 Einwohnern ein Sollaufkommen an >StaatsLrnlommcnsteui;r von 659 Mk., aus den Klopf der Bevölkerung 1.42 Mk., 250 Proz. Zuschläge zur Staatseinkommensteuer und 200 Proz. zu den Realsicuern.
Hefscn-Nasfau.
( ) Marburg, 14. Nov. Zu dem Konflikt zwischen der hiesigen Ortsrrankenkasse und dem M a g i st r a t als Auftichtsbehörde, welche bei dec Jahresabrechnung etwa 490 Mk. für Beschickung von Delegiertentagen usw. verwandte Gelder als nicht zu den Vecwaltungstosten gehörig, für die Kasse zucückverlangt und den Vorstand regretzpfliQ)- tig macht, haben jetzt auch die Stadtverordneten 'Stellung genommen. Sie gaben heute abend der Führung eines Prozesses gegen den Vorstand der Kaste die Zustimmung, um eine endgültige Entscheidung in dieser Frage herbetzusühren. (In einer Smdt Thüringens ist türzlrch ein solcher Prozeß zu Ungunsten der Auffrchtsbehörde aus- gefallen. Hat doch das Kammergericht am 12. Dezem- iber 1907 entschieden, daß zu den Verwaltungstosten eurer 1 Krankenkasse auch solche Ausgaben zu rechnen sind.)
W .Wieso aoen, 14. Nov. Gräfin nertha von 'Keyserling ist gestern im Alter von 102 Jahren gesrorben. Dre Verstorbene, eine geborene Hameler, ist eine Tante des Generarfetdmarschalls und eine Großtante des Generalintendanten Grafen Hülsen-Häseler.
Sängerkranz-Uonzert.
G re tz en> 15. Nov.
Aus Anlaß des 100jährigen Geburtstages von Rob. Schumann gelangte am letzten Sonntag im Konzert des „Sänger- kcanzes" ein Wert dieses großen Meisters zur Aufstchr^no, d.s unveroienterwelse falt volluniujig in oergenenheit geraten ifi. ,Der Rose Pilgerfahr t", komponiert für Soli, Ehor und Klavierbegleitung in im Jahre 1851 entuanden, und wurde 1852 zum eilten Male in Düsseldorf int kleinen Kreise aufgesührt. Die auveroroenuuye rwirtuug. Die oas Wert leinerzeit aus die Zuhörer und aucy auf Schumann selbst ausübte, veranlaßte ihn, ein halbes Jahr ipäter aucy Orchesterbegleitung dazu zu schreiben., .
Tie Handlmrg ist, kurz gefaßt, folgende: Eine Elfe (Rosa) bie den Wunsch hegt, der Liebe Lust kennen zu lernen, wird auf ihre Bitte zur Joyanniszeit von der Ellenfürstin in eine liebliche Jungfrau verwandelt. Gleich zu Anfang ihrer Pilgerfahrt macht sie eine bittere Erfahrung: Eine alte Frau weist |ie von ihrer Tür, als Rofa sie um Obdach bittet Ihr nächster Weg führt sie zum Friedhof, auf dem ein Greis ein Grab gräbt Bon ihm erfährt sie, daß das Grab für des Müllers Töchterlein j— das an „georocyenem verzen' geiwrven ift — bestimmt sei. Der Leichenzug naht und unter Trauergesang findet das Begräbnis statt. Wie festgebannt bleibt Rosa am Grabe ihrer Schwester, deren Schicksal sie tief beklagt. Auf dringendes Bitten des Totengräbers bringt sie die Nacht in seinem Häuschen zu. Am nächsten 'Tage wird |ie von ihm den Müllersleuten als Ersatz für ihre Tochter zugeführt; letztere nehmen sie mit Freuden auf, da ste der Verstorbenen auffatlenb ähnlich sieht. Dato lernt sie den Sohn des Forsters kennen; beide verlieven sicy und reichen zum Bunde des Lebens einander die Hände. Uebers Jahr wird Rosa von einem Töchterchen entbunden. Das höchste irdische Glück ' wird ihr hierdurch zuteil und sie scheidet „beseligt" aus dem Leben. Pon Engeln wird sie zur ewigen Seligkeit eingeführt.
Auyerordenuich üerounbetsiuert qt, was Scyumann aus diesem immerhin etwas fadenscheinigen Märchen gemacht hat. Verdient „Der Rose Pilgerfahrt" dock) ebenso wie „Paradies und Peri" zu i feinen Meisterwerken gezählt zu werden. — lieber die Aufführung , herrschte wohl nur eine Stimme: die des uneingeschränkten Lobes. Es war aber auch alles getan, das Werk würdig zu gestalten. Sämtliche Solopartien waren vorzüglich besetzt; die Partie der Rosa sang Frau Emmy K ü ch l e r - Weitzbrod ans Frankfurt a. M. in idealer Weise mit lieblicher Stimme und völligem Aufgehen in ihrer Rolle. Als Partnerin stand ihr Frau Landgericytsrat Schudt aus Gießen, — die schon so oft in liebenswürdigster .Weise eine Aufführung ermöglichen half — ebenbürtig zur Seite. ! „Im Wald gelehnt am Stamme" war eine Glanzleistung ersten ,Ranges. Ferner wurden die herrlichen Tuette der beiden Damen, besonders „Ei Mühle, liebe Mühle" herzinnig gesungen; beide Stimmen paßten sich vorzüglich einander an. Die Partie des Erzählers sowie des Fürftersohnes hatte Herr Alb. Münch aus Frankfurt a M. übernommen. Herr Münch verfügt über einen schönen, lyrischen Tenor und wurde seiner schwierigen Aufgabe völlig gerecht; den Höhepunkt bildete das Liebesduett mit Rosa, in welchem beide Solisten ihr Bestes gaben. Als Totengräber kam die Stimme des Herrn K a u s (Baß-Bariton) aus Wiesbaden nicht recht zur Geltung, jedoch war auch die Leistung dieses Solisten sehr anerkennenswert. Nicht vergessen sei das erste
Terzett, in dem Frau K u d) I d r, Frau Schnd't un5 Frl. L effr das Lob des Frühlings mit heller Stimme fangen, ferner das Soloauartett, bei dem Herr Loy, der die Partie des Müllers übernommen, sich in vortrefflicher Weise den Übrigen Solisten anpaßte. Die rhythmisch schwierigen Chöre wurden sämtlich fein ausgearbeitet vorgetragen und umrahmten die Sologesänge in würdiger Weise. Ganz besonderes Lob gebührt dem Damenchor, dem die lieblichen Elfenchöre in vollendet schöner Weise gelangen. Auch der gemischte Chor „Hock-zeit wird gefeiert", der durch seine eigentümliche synkopische Deklamation besondere Schwierigkeit bereitet, war sehr zu loben.
Ter prachtvolle Jägerchor, der in der gesamten Musikliteratur nicht seinesgleichen hat, wurde vom Männerchor frisch und klangvoll zu Gehör gebracht. Tie schwierige Klavierbegleitung führte Herr Fischer aus Gießen in bester Weise aus. Zu Beginn des Konzertes sang Frau Küchler drei weniger bekannte Lieder von Schumann, von denen „Sturmnacht" und „Flügel, Flügel, um zu fliegen!" am besten gefielen, und wobei sie Gelegenheit hatte, ihre klangvolle Stimme voll zu entfalten. Vor allem aber sei des Dirigenten Musiklehrer Kasten mit besonderem Tank gedacht. Er hat das interefsante Werk ausgesucht im Vertrauen auf die Leistungsfähigkeit des von ihm geleiteten Chors und es ist ihm gelungen, das schwierige Unternehmen durch seine hingebende Tätigkeit in bester, allfeitig hoch befriedigender Weise durchzuführen. Alles in allem ein Konzert, von dem viele Zuhörer be- behaupteten, daß es das bestgelmigenste war, das je im Sängerkranz aufgesührt wurde.
Ter große Saal des Gesellschaftsvereins war völlig besetzt und der überaus reiche Beifall, den die Zuhörer spendeten, legte Zeugnis davon ab, daß das reizende Werk feine Wirkung getan hat.
Ter Sängerkranz würde sich den Dank vieler Muiikfreulide verdienen, wemi er sick) zu einer Wiederholung — etwa als Volks- k o n z e r t — verstehen würde.
<ßcrid>tsfaal.
Insterburg, 14. Novbr. Das Schwurgericht verurteilte wegen Raubmordes, begangen im August an dem ruf fischen Saisonarbeiter Sekelowski, die angeklagten Arbeiter M o r a w s k i und Galat zum Tode.
vermischtes.
* Das das Regieren kostet. Ein französischer Statistiker hat herausgebracht, daß in dem Maße, in dem alles teurer geworden ist, auch das Regieren sich verteuert hat. Währeno noch unter dem Konsulat und Kaiserreich die Staatsausgaben 115 000 Franken in der Stunde ausmachten, stiegen sie zur Zeit der Restauration aus 119 LOO Franken, um unter Louis Philippe die Summe von 150000 Franken zu erreichen. Zur Zeit der Republik, im Jahre 1848, kostete eine Stunde Regierungszeit schon 172 000 Franken. Doch selbst diese Summe ist noch gering im Vergleich zu der heutzutage auszuwendenden, die 4u3 000 Franken in oer Stunde beträgt.
* Galgenhumor. Zuschauer: „Wie ist's möglich, daß Sie sich nicht verletzt haben, der Sturz sah recht gefährlich aus!" — Sonntagsreiter : „Wissen Sie, das macyt bei mir die Gewohnheit!"
Kleine Tageschronik.
In Berlin vernichtete am Sonntag ein großes S ch ad en- f e u e r bie Mälzerei der Weißbierbrauerei Gabriel & Jäger, wobei gegen 40 000 Zentner Malz ein Raub der Flammen wurden.
In dem Waadländischen Marktslecken B o z (Rhonetal) sind in der Nacht auf Montag infolge Brandstiftung bei heftigem Föhnsturm 25 Häuser niedergebrannt. 30 Familien sind obdachlos. Fast gleichzeitig wurden in dem Dorfe Biere mehrere Häuser durch Brandstiftung eingeäschert, darunter das Haus des Gemeindevorstehers.
Aus M o n e a l i e r i wird gemeldet: Die Vermählung des Prinzen Viktor Napoleon mit der Prinzessin Clementine von Belgien hat am Montag vormittag im Schlosse der Prinzessin Klotilde, der Mutter des Prinzen, statt- gesunden. An der Feierlichkeit nahmen teil: die Königin-Mutter von Italien mit mehreren italienischen Prinzen und Prinzessinnen, Prinzessin Laetitia Bonaparte, die Gräfin von Flandern, sowie in Vertretung des Königs der Belgier Herzog v. Signe.
Aus Gent wird gemeldet: Der morgens 5 Uhr 50 Min. von hier abgegangene Personenzug stieß am Montag bei Wetteren a. d. Schelde mit einem Güterzug zusammen. Die Lokomotive wurde auf das Nachbargeleise geworsen in dem Augenblick, wo der S ch ne11 z u g Kö ln—O stende einfuhr. Tödlich verletzt wurde niemand; der zweite Zusammenstoß verursachte großen Materialschaden. Der Verkehr ist völlig gestört.
In Petersburg wurden ein Schneidermeister, seine Ehefrau und seine drei Gesellen ermordet und beraubt.
HandeU
** Spanische Zolltarifreform. Nach dem Gesetze vom 20. März 1906 betr. Grundsätze für die Zolltarifreform sollen die Zollsätze von 5 zu 5 Jahren unter Berücksichtigung der Aenderungen, die die ihnen zugrunde liegenden Werte erfahren haben, einer Revision unterzogen werden. Die Handelskammer macht darauf aufmerksam, daß die 5 Jahre des geltenden Tarifs im näajften Jahre ablausen und daß nach einem Erlasse des spanischen Finanzministers vom 18. Oktober d. I. Interessenten ihre Wünsche und Beschwerden Vorbringen können. Die Eingaben find unter Beifügung von Bewelsunterlagen innerhalb einer Frist von 2 Monaten vom Tage des Erlöstes an bei dem Finanzministerium in Madrid einzureichen.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Als Gießener Bürger kann ich es nicht unterlassen, an dieser Stelle einen Uebelstand zu rügen, der sich der Entwicklung unserer.Haupt- und Univeriitacssiad^ nicht gerade anpaßt. — Wer durch die Neustadt und Marktstraße geht, kann dort des öfteren beobachten, wie Passanten, hauptsächlich Landleute, von einigen Ladeninhabern der Manufaktur- und Konfektionsbranche in einer Weise zum Kaufen animiert werden, die jeder Beschreibung spottet. Es wird dabei nicht nur die Güte der Waren usw. auf die Straße hin angeprie^-n, sondern die Leute werden auch zu Kaffee und Kuchen oder sonstigen Leckerbissen eingeladen, und wenn dies nicht zieht, sogar mit Gewalt von der Straße in den Laden transportiert. Solche Szenen sind keine Seltenheit, und wirken auf jeden reell denkenden Menschen geradezu abstoßend.
Jeder Geschäftsmann wird und muß f. .hen seine Ware an den Mann zu bringen,, jedoch darf dies nicht in einer Weise gejchehen, die jeden anständigen Menschen verletzen muß.
Könnte hier nicht, wie in anderen Städten auch, ein Ortsstatut geschaffen werden, wodurch ein solches Treiben unmöglich gemaa.. würde, im Interesse des Ansehens und guten Rufes unst Stadt. —
merken will ich noch, daß ein persönliches Interesse nicht in Frage kommen kann, da ich Handwerksmeister bin.
Gin Gießener Bürger.
biiiihcqcr
Verlauf der Wltleruiig seit gestern früh: Tas gestern über England lagernde Ties yal sich unter Verflachung ausgedehnt. Aui feiner Nordieue wehen in Teulfchland sudönliche Winde. Infolge eines nusgebelmien Hochdruckgebiets über Rußland gewinnt es keinen Einfluß auf unsere Witterung Wir können höchstens mit zunehmender Bewöckung und strichweise geringem Regen rechnen.
Wetteransuchten m peilen um Mulwoch dem 16. viovbr. 191u: Wolkig, nur strichweise geringe Reg^n, südliche Winde, etwas wärmer.
Letzte Nachrichten.
Auslösung deS eugltscyen Parlaments.
London, 15. Nov. „Daily Chronicle" ist zu der Mib« teilung ermächtigt, daß die Regierung beschlossen habe, das Parlament unverzüglich aufzulösen.
*
Wien, 15. Nov. Wie die „Neue Freie Presst aus P o l a meldet, wurde ein Torpedoboot, das aus Patrouille war, vom Sturme überrascht. Eine Welle riß drei Mann ins Meer. Einer konnte gerettet werden, da er sich an einer Kette festhielt, brach jedoch beide Beine. Die anderen Matrosen tonnten bisyer trotz aller Nachforschungen nicht gefunden werden.
London, 15. Nov. Wie das Reutersche Bureau aus Teheran erfährt, bot die K a i s e r l i ch P e r s i s ch e B a n k der Regierung eine fünfprozentige Anleihe im Betrage von 1250 000 Pfund Sterling zum Kurs von 8?y2 an. Die Operation umfaßt die Konvertierung der gegen- wärttgen konsolidierten Schuld. Außerdem hat die Bank der Regierung bereits 100 000 Tomans geliehen; man glaubt, daß die Summe unverzüglich dazu verwendet wet>. den soll, die Ruhe im Süden wieoer herzustellen.
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