Ausgabe 
15.7.1910 Drittes Blatt
 
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Nr. 163

Drittes Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

General-Anzeiger für Gberheffen

160. Jahraana

DieGtetzener Zamillenblätter" werden dem .Anzeiger* vrermal roödientlicb beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Freitag IZ.Juli 1910

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedttion und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Vertag: e±g^5L Redaktion: 112. Tell-Adru AnzeigerGießen.

nctssra

Erste GberhessiMe Zuchtviehauktion in Alsseid.

Der Ausschuß der Landwirtschastskammer für Oberhessen schreibt uns:

llIsfeld, 14. Juli.

Begünstigt von dem schönsten Weiter, verlief die sorgfältig vor­bereitete erste Zuchtviehauktwu in benfbar bester Weise, sowohl für die Veranstalter, als auch für die Käufer und Besucher. Durch ein­mütiges Zusammengehen von Landwirtschaftskammer-Ausschuß und Zuchtvercinsnntgliedern und durch sehr bereitwillige Unterstützung seitens der Stadt Alsfeld, sowie der Kreisverwaltung, war es mög­lich, der Veranstaltung gleich bei dem ersten Versuche einen durch­schlagenden Erfolg zu sichern.

In großen Scharen stellten sich Kaufliebhaber aus allen Teilen der Provinz Oberhessen, nn5 den benachbarten preußischen Streifen und aus weit entfernten Gegenden ein. Die Marktbeschicker brachten mit einigen wenigen Ausnahmen sämtliche zur Auktion angemeldeten Tiere iri bester Verfassung auf den Markt und ganz programmäßig wickelten sich ohne jegliche Störung die Geschäfte ab.

Es waren zur Auktion erschienen insgesamt 58 Simmentaler Bullen, von denen 42 älter und 10 jünger als 15 Monate waren; hiervon wurden versteigert 37 ältere und 10 jüngere, so daß nur 11 Tiere wegen zu jugendlichen Alters oder wegen geringer Ent­wickelung keine Kaufliebhaber fanden. Die vor der Auktion mit den Züchtern vereinbarten Mindestpreise, die auch als Ausgebots- preise bei der Auktion zu Grunde gelegt wurden, schwankten bei den älteren Bullen zwischen 350600 Mk. und bet den jüngeren Bullen zwischen 325700 Mk.

Für ältere Bullen wurden bei der Versteigerung Preise von 350715 Mk. und bei jüngeren Bullen von 3751010 Mk. erlöst. Die Gesamtsumme der Ausgebotspreise für die 47 versteigerten Bullen betrug rund 24 000 Mk., welcher em Gesamt-Derneigerungs- erlös von rund 26 000 Mk. gegenübersteht. Es wurde also ein Mehrerlös von zirka 8 Prozent der Ausgebolspreise ober durch­schnittlich auf ein Tier ein Betrag von 43 Alk. erzielt.

Der Auftrieb der Eber bestand in 8 körfähigen und 9 jüngeren Tieren, von denen die ersten sämtlich abgesetzt rourben, während 4 jüngere Tiere unverkauft blieben. Die Ausgebotsvreije schwankten bei ben älteren Ebern zwischen 100145, bei den jüngeren zwischen 60 und 125 Mk. Die Steigerlöse bei den älteren Tieren betrugen 90- -200 Mk. und bet den jüngeren 60165Mk. Tie Gesamtsumme der Ausgebotspreise belief sich auf 1530 Mk., während der Gesamt­erlös rund 1750 Mk. auSmachte; dieses bedingt einen Mehrerlös von 220 Mk. ober zirka 14 Proz. der Ausgebotspreise, oder 17 Mk. pro Tier.

Von den 51 aufgetriebenen Ziegenböcken waren 6 ältere und 45 jüngere Tiere; hiervon blieben nur 2 wegen geringer Ent­wickelung und Qualität uiiüerfauft. Die Ausgebotspreise bei den älteren schwankten zwischen 45 und 60 Mk., bei den Bocklämmern zwischen 1570 Mk.; erlöst wurden dagegen 4690 Mk., bezw. 10 97 Mk. Den Ausgebotspreisen im Gesamtbeträge von 2000 Mk. stehen Steigerlöse von 2600 Mk. gegenüber, so daß der Mehrerlös 30 Proz. oder durchschnittlich 12 Alk. pro Tier beträgt.

Der Vorzug der neu eingeführten Verkaufsmethode besteht vor allem darin, daß man es in der Hand hat, nur planmäßig ge­züchtete Tiere zuzulassen, daß die Käufer eine reichhaltige Auswahl angeboten erhalten und in der Lage sind, bei der Emzelvorführung der Tiere Vorzüge und Mängel genau abzuwägen und das Tier erwerben zu können, welches am meisten den jeweiligen Anfor­derungen entspricht. Auf einem Markte ist die Aufrechterhaltung der Ordnung, die ungestörte Auswahl der Tiere und die Fern- Haltung unerwünschter Geschäftsbeeinflussungen nicht entfernt in dem Maße durchführbar, rote aus einer Zuchtviehauktion.

Ermutigt durch diesen Erfolg, idud der ^anowirtschanskaminer- Ausschuß seinen anderen Zuchtviehmärkten in Butzbach und Schotten in Zukunft ebenfalls die Form der Zuchtviehauktion geben.

Landwirtschaft.

Frankfurt a. M., 14. Juli. Am Dienstag fand hier die Generalversammlung der Zentralstelle für O b st v e r tv e r t u n g statt. Aus dem Geschäftsbericht ging her­vor, daß feit der Umgestaltung der Zentralstelle durch Auglieberung an ben Deutschen Pomologenvecein in Eisenach bie Zentralstelle zurückgegangen ist. Da sich nun schon seit längerer Zeit das Be­dürfnis eiiier Reiigestaltung ober einer Rückgestaltuitg als unbedingt iwtroenbig herausstellte, so haben durch den erweiterten Vorstand umfangreiche Vorarbeiteit ftattgefunbeu. Heute konnte die Re­organisation ber Zentralstelle uorgenomineu werben, bie um so leichter durchgeführt werben ivirb, als sich die Stadt Frankfurt uni) vor allem auch die Landwirtschaftskammern Hessens unb Nassaus der Zentralstelle annebmen und sie wesentlich unterstützen. (Sine den Franks. Verhältnissen angepaßte neue Marktordnung wurde angenommen. Durch die rege Arbeit des neuen Vorsitzenden Sauerwein-Frankfurt und durch die Mitarbeit vieler anderer Herren, die zum Teil ihre Kraft von neuem der Zentralstelle widmen, werden wöcheiitlich uni) zwar Donnerstags in einer städtischen Markthalle Obstmärkte abgehalten werden. Die neue Marktordnung ist in nächster Zeit von ber Zentralstelle ober ber Geschäftsstelle des Ober hessischen Obstbauvereins zu beziehen. Die von früher her befannien Angebots- unb Nachfragelisten werben voraussichtlich wieder erscheinen.__

lürcbc unö Schute*

Die Turnstunden in der Woche.

Ein Lehrer schreibt uns vom Lande:

Ich las vor einigen Tagen im Gießener Anzeiger die Notiz, das preußische Kultusministerium habe eine Verfügung erlassen, wonach in allen Schulen der preußischen Monarchie drei Turn­stunden gehalten werden sollen bei Verkürzung des Deutschunter­richts.

Diese Anordnung ist, ohne Zweifel zu bedauern. Sie bedeutet nicht Fort- sondern Rückschritt. Warum 3 Turnstunden? Gewiß ist der alte Satz: mens fana in corpore sano sehr gut, sehr richtig und sehr zu beachten. Aber vielleicht sollen die Engländer nachgeahmt werden. Wir verfallen heute sehr leicht in einen hygienischen Ueberschwang: alles, auch besonders in der Schule, wird oft nur nach diesem Gesichtspunkte beurteilt.

Meines Erachtens sind 2 Turnstunden vollkommen ausreichend. Uebrigens haben die Kinder noci) genügend Zeit, sich beim Spiel turnerisch zu betätigen, die Kinder finden auf dem Land dazu leider oft zu viel Gelegenheit ... i den landwirtschaftlichen Ar­beiten. Ich meine also, auf den Körper wird genug Rücksicht genommen. Immerhin könnten auch 3 Turnstunden ein­geführt werden ' aber eine Stunde Deutsch wegnehmen? Herr bewahre uns vor diesem Uebel, könnten wir da sagen. Die Mutter­sprache Deutsch soll gekürzt werden! Viele können ihre Muttersprache weder schriftlich noch mündlich so, wie's ihr zu­kommt. Ich glaube, die Post kann davon ein Liedchen fingen. Anstatt um 1 Stunde zu kürzen, chllrc r.wn den deutschen richt um 2 Stunden vermehren, wenn nur Zeit wäre. Wir Lehrer besonders auf dem Lande machen leider in jedem Jahre folgende traurige Erfahrung: Unsre an Ostern aus der Schule entlassenen Jungen haben bis zum Winter, wenn sie zur Fortbildungsschule kommen, schon furchtbar viel verlernt, sowohl im schriftlichen als mündlichen Deutsch, Mr sind auf alle mög­

liche Weise bestrebt, den Deutschunterricht zu heben, zu verbessern. Der preußische Kultusminister hätte sichs doch genauer überlegen sollen mit der Kürzung des deutschen Unterrichts. Bei uns in Hessen werden ja die technischen Fächer auch bevorzugt, hoffentlich wird jetzt Preußens Beispiel nicht nachgeahmt!

2ürd?16d? Nachrichten«

Evangelische Gemeinoe.

8. Sonntag n ach Trinitatis, ben 17. Juli: Gottesdienst.

In der Ztadtkirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Matthäusgemeinde.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Schwabe.

Beichte und heil. Abendmahl für Matthäus- und Markus» gemeinbe gemeinsam. Anmelbung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde.

Pfarrer Schwabe.

In der Iohanneskirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukas- gemeinbe.

Vormittags 97, Uhr: Professor D. Schian.

Die Kinberkirche für die Johannesgemeinde fällt aus.

Abends 8 Uhr nn Konfirmandenfaal der Johanneskirche: 93er* sammlung und Bibelbesvrechung.

Nächstkünftigen Sonntag, dem 24. Juli, wird die alljährliche Kollekte für innere Mission erhoben werden!

katholische chememde.

Gottesdienst.

Samstag den 16. Juli:

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.

Sonntag den 17. Juli, 9. Sonntag nach Pfingsten:

Vormittags von 67, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. '

um 7 Uhr: Die erste heil. Messe.

um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.

, um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

um 11 Uhr: Heil. Messe mit Predigt.

Militärgottesdienst.

Nachmittags nm 2 Uhr: Christenlehre; darauf sakramentalische Bruberschafts-Andacht.

Meteorologische Seobachtungen der Station Sretzen.

Juli

Wetter

1910

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9

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17.6 13,2

15,5 112,1

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Höchste Temperatur am 13.

Niedrigste , , 13.

NNW

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SSE

2

9

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2

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bis 14. Juli 14. v =

Sonnenschein Bew. Himmel Nebel

am Horizont

22,5 0 0.

15,1 cC.