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Frankfurter Börse,
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4°/<
111.80
Berliner Börse, 14, ApriL A-iUiyic t’ii.
S«W
14. April, 1.1) Uhr. Elektriz. Lahmeyer . Elektriz. Sdiuckert . EscUweiier Bergwerk
49.70
91.40
65.70
66.95
100.25
100.00
238.80
109.10
20.75
160.40
130.50
Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union U. Dresdner Bank . . -
Tendenz: fest
. 100.20
99.00
, 95.70
. 183.70
. 134.70
. 250.50
. 93.20
. 159.60
Märkte.
Ic. Wiesbaden, 14. April. Heu- nnb Strohmarrt. Angesahren waren 23 Wagen mit Heu und Stroh. Dian notierte: Heu 10.60 bis 12.00 Mk., Stroh (Rlchtstroh) 6.40—7.10 s»lf. Frucht markt. Hafer 16.00—16.40 9)1 f. Alles für 100 Kilo.
9345
84.45
93.35
84 35 92-20
112.40
152.90
200.40
208 10
141.50
198.50
173.00
103.70
96.00
176.7"
134.50
250.75 155.25 188J0 159 50 208.70
4"/0 Ungar. Goldrente 4°/e Italien. Bente J
Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Pakctf. Haruener Bergwerk . .. . Lanrahütte .
Nordd. Lloyd .
Obcrscblcs. Eisen-Industrie Berliner Handelsges. x . . Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank . . . . Deutsch-Asiat. Bank . . Diskonto-Kommandit . . Dresdner Bank . . . -. Kreditaktien . .
Baltimore- und Oliio-*•&£•
Eisenbahn7 Gotthardbahn ... .H.»; . Lombard. Eisenbahn . g. Oesterr. Staatsbahn Printe - Henri - Eisenbahn y.
3% Portugiesen Serie I Portugiesen „ III .
4°/0 Griech. Monopol-Anl.i 4°/0 äussere Argentinier /
3°/e Mexikaner ... ■. .
4'/*% Chinesen . > . :. J"
(N... - Aktien
Bochum Guss .>.». ».. r.'s?
Buderus E. W. «*. : ,
Tendenz: fest.
Der allgemeine Ausstand im Baugewerbe.
Berlin, 14. April. Die Lage in per Bangewerbekrisis hat sich gestern nicht verbessert. In den Vergleichsverhandlungen zwischen dem Verbände der Bangeschäfte Berlin und dem Zentralverbande der Zimmerer handelte es sich um die Anerkennung der Akkordarbeit durch die Arbeiter. Die Beratungen mußten abermals vertagt werden.
Teiefonische Kursberichte
des Giessener Anzeigers, .mitgeteilt von der^Bank fUr: Hnudel und IndustrieV'Giessen.
Der Aufstand in Albanien.
271 dem alten Fclsenlandc Don ttpiruS und Illyrien summt und saust es, wie in einem aufgestort^i Bienenstöcke. Zeder auf unzugänglichen Höhen gelegene Bauernhof, der froh seiner Lehmwände bet dem unruchgen Charakter des Landes schon ohnehin zu Verteidtguugszwccken ctngertchtet ist, wird zu einem Kastell, aus dessen kleinen Fenstern sich die lanqcm Flinten der Albanier, der Arnauten, wie fte die Türken, der Schkipetaren «Felsbewohner), wie sie sich selW neunen, verderbendrohend auf bte osmanischen Kompagnien Nichten. Es ist ein eigentümliches Völkchen, diese vom üörper des türkischen Reiches gehörigen Albamer, em Holk von ^unbestimmtem vollspshchischen Charakter, das neben romanischen und stavischen Elementen auch einen starten germanischen Einschlag zeigt. An Reibungen mit den Türken, die sich trotz alles Frethertsdranges der Albanier, wie er namentlich unter Georg Kastriota gen. Skan- derbeg zum Ausdruck lernt, Mitte des 15. Jahrhunderts des Landes bemächtigten, hat es seitdem nie gefehlt. Immer hat ein latenter Kriegszustand in Albanien geherrscht; nur verstand es der jeweilige Padischah am Goldenen Horn, diesen Kriegszustand nicht zum offenen Ausbruch werden zu lassen, indem er aus den kräftigen Söhnen des Landes seine Leibwache bildete und diese Söldlinge mit Geldgeschenken, Vorrechten (Steuerfreiheit) und Bevorzugungen in öffentlichen Aemtern in jeder Weise ausstattete. So gab Abdul Hamid seiner albanesischen Leibwache mit vollen Händen/ ja, er ließ sich sogar durch die Vorliebe, die er für diese ihn allein stützende Truppe hegte, bestimmen, auch dem albanesischen Volke die größten Ver- günstigungen einzuräumen, so daß es keine Steuern zu bezahlen hatte, nicht der Rechtsprechung der türkischen Gerichte unterstand Und seine eigenen eingewurzelten Traditionen, wie Fehderecht, Blutrache, Straßenraub usw., nach wie vor au fr echt er halt en konnte.
Mit diesen Herrlichkeiten hatte es ein Ende, als der .Sultan Abdul Hamid im Frühjahr 1909 entthront wurde, ohne daß seine albanische Leibwache zu seinen Gunsten den mazedonischen Truppen unter Schefket Pascha irgend welchen erfolgreichen Widerstand hätte entgegensetzen rönnen. Damit fielen auch die Privilegien der bisher verhätschelten Lieb- lingstinder in Albanien selbst. Sie sollten nunmehr Steuern bezahlen, sich bei ihren Familien-, Stammes- und Raub- fchden der türkischen Gerichtsbarkeit unterordnen und, was für die albanische Kultur von hervorragender Bedeutung ist, auf das arabische Alphabet und die arabische Unterrichtssprache zugunsten der lateinischen Schriftzeichen und der türkischen Unterrichtssprache verzichten. Von alledem wollten natürlich die Albanier nichts wissen. Schon im Sommer 1909 nahmen sie eine für die neue Türkei gefahrdrohende Haltung ein, welche die Machthaber in Stonftantinopel veranlaßte, Truppen nach Albanien zu senden, ohne damit bei dem kriegerisch en Volke wirtliche Erfolge zu erzielen. Vielmehr spitzte sich die Lage in Albanien immer mehr zu. Am 2. April d. I kam es zu dem Mordanschlag in Ipek gegen den Major Rudschi Bei, der sich in Begleitung des Mutessarifs Zsmail Hain Bei befano, der leicht verwundet wurde, während der Major Rudschi Bei sofort tot war. Znfolgcdessen sah sich die Pforte genötigt, größere Truppenaufgebote unter dem energischen Dschavio Pascha in das aus ständische Albanien zu entsenden.
Saloniki, 14. April. Obwohl der Höchsttommandierende Scheitel Target Pascha aus Prischtina die völlige Auflösung der Arnaulenbauden und die Unterweisung mehrerer Ulemas meldet, werden die m i l i t ä r i s ch e n V.o r b e r e i t u n g e n s o r t g e s e tzt, um die Gegend von Berlsovitsch von Rebellen gänzlich zu säubern und deren Führer einzniangen. Ter Transporldainpier ,Haleb" trifft morgen mit weiteren vier Bataillonen Regierunastruppen aus Konstantinopel in Saloniki em. — Nachdem die Regierung sich dafür entschieden hat, den serbischen Wünschen in Betreff des Baues der Tonau-Adria°Bahn möglichst zu entsprechen, werden jetzt Widerspruchs-Versammlungen in Ueskueb und Monasiir vorbereitet. Für den Fall, daß der Bau tatsächlich begonnen wird, werden crnstliche Konflikte b e f ji rchtet. Tie albanesischen Führer sind bei der Regierung dringend wegen der Herstellung einer Bahn- verbindung Alonastir°Zamna vorstellig geworden.
Au; den Reich;tag;au;schüsseil.
:: Berlin, 14. April.
Der Kaliaus schuß des Reichstages führte auch heute die Aussprache noch nicht zu Ende. Die zweistündige Sitzung wurde vollständig ausgcfüllt durch die Rede eines fortschrittlichen Mitgliedes gegen den Gesetzentwurf der Regierung, sowie gegen die von dem gestrigen Zentrumsredner neu oorgeschlagene Zwangskontingentierung. Vor der Vertagung auf Freitag sand eine kurze lebhafte GeschästSordnungaussprache statt. Von sozialdemokratischer Seite wurde dagegen Einspruch erhoben, daß über einen Zentrums- antrag gesprochen werde, der noch gar nicht dem A u s- schutz gedruckt borliegc. Es scheine, als ob, genau so wie bei der Finanzreform, die Regierung sich mit der Mehrheit hinter den Kulissen verständige. Auch ein nationalliberaler Redner bemerkte, er habe gehört, daß andauernd Verhandlungen zwischen dem preußischen Handelsministerium und Zentrumsabgeordneten stattsänden. Da solle man lieber die Verhandlungen abbrechen und zunächst abwarten, was bei den Verhandlungen draußen heraus- tomme. Ein Zentrumsmitglied bestritt diese Behauptungen. Er habe eine „Privatarbeit" sertiggcstellt, ein Gesetzentwurf sei das nicht. Die Aussprache wird morgen fortgesetzt.
♦
Der Wahlprüsungsaus schuß des Reichstages verhandelte heute die Wahl des Abg. Sievers (Natl., Lüneburg-Winsen- Bleckede). Es wurde derselbe Beschluß gefaßt wie bei der Wahl des Abg. Wehl, daß die Agitation in Kriegervereinen unzulässig sei. Demnach ist die Ungültigkeitserklärung auch dieser Wahl durch den Ausschuß zu erwarten.
Ter Ausschuß für das Hausarbeitsgesetz verhandelte heute über die Einrichtung von Lohnämtern. Ein Antrag der Sozialdemokraten wurde abgelehnt Dagegen wurde gegen die Stimmen der Konservativen, der Reichspartei, der Nationalliberalen und der Freisinnigen, mit Ausnahme eines freisinnigen Mitgliedes, folgender Zentrumsantrag angenommen:
§ 16 a. Durch den Reichskanzler oder die Landeszentralbehörden oder die höheren Verwaltungsbehörden können für bestimmte Gewerbezweige, in denen Hausarbeiter in größerer Zahl zu einem im Vergleich zu anderen Arbeitern außergewöhnlich niedrigen Lohn beschäftigt werden, ganz allgemein oder für bestimmte Gruppen von Hausarbeitern, oder für besondere Bezirke Lohnämter, die zu gleicher Zahl aus gewählten Vertretern der Gewerbetreibenden nnb der Arbeiter unter einem vom Bundesrat ernannten Vorsitzenden zusammengesetzt sind, errichtet nnb die zur Durchführung dieser Bestimmung erforderlichen Anordnungen getroffen werden. Mit den Ausgaben des Lohnamtes können auch Gewerbegerichte oder Arbeitskammern betraut werden. Diese Lohnämter haben tunlichst sür die in der Hausarbeit beschäftigten Arbeiter, für welche sie errichtet sind, nach
Ermittelung der orts- und landesüblichen Löhne Mindestzeil- oder Mindeststücklöhne für einen bestimmten Zeitraum sestzu- setzen. Sobald die solcherart festgesetzten Löhne die Zustimmung der Behörde, welche die Einsetzung des Lohnamtes vorgcschrieben hat, gefunden haben, sind sie als Mindestlöhne rechtsverbindlich. Entgegenstehende Vereinbarungen zum 'Nachteile des Hausarbeiters sind nicht rechtsverbindlich. Die so festgesetzten Mindestlöhne können auch für solche Betriebe eines nach Satz 1 geregelten Gewerbezweiges vorgeschrieben werden, in welchen Personen beschäftigt sind, die als gewerbliche Arbeiter im Sinne der
Vermischtes.
* Wie die Lava ein Haus verschlingt. Luigi Barzini, der bekannte italienische Journalist, gibt in seinem neuesten Bericht aus dem Ausbruchsgebiet des Aetna im „Eorricre della Sera" ein erschütterndes Bild vom Untergänge des ersten Hauses in den heißen Lavasluten, der Casa Fra dtapolo, eines Gehöftes des Barons Corvaia: Tags vorher, als die Lava etwa 300 Meter entfernt war, sah es aus, als- ob sie abbiegen und das Haus verschonen wolle; dann jedoch änderte sie ihren Weg, und nun begann man eilends Möbel, Geräte und Vorräte weg- zuschaffen. Es War, so schildert Barzini seine Ankunft, 614 Uhr abnids; in diesem Augenblick berührte die Lava gerade den Fuß der Umfassungsmauer. Ter Lava ström nxii; höher als das Haus und näherte fick; wie ein Gebirge, grau, rauchend, mit feurigen Flecken untermischt: fortgesetzt veii'choben sich seine Ränder: man ühlte bereits den Gluthauch und hörte seine Stimme. Sobald ein Block abbröckelte, sah man glühende Massen fallen. Ein Paar Blumen gehen in Flammen ans und verbreiten ein Helles, irrendes Licht, das durch die Fenster in die leeren Zimmer eindringt. Innen im Hause herrscht bereits die Glut eines Lfens: die Tapeten platzen von den Wänden und rollen sich vor Hitze zusammen. Durch die Fenster sieht man nichts melw als den heran- nahenden Larastrom: diese höllische Säst:anke, die mit grausamer Langsamkeit vorrückt, bildet den Horizont. Man riecht ai^ch bereits den Geruch von angesengtem Firnis; die Holzpfosten rauchen, und wenn man fclie Hand an die eisernen Balkonstäbe legt, verbrennt man sich. Die Hitze wird unerträglich. Von draußen erdröhnen dumpfe Schläge: die Lava verlangt Einlaß. Tastend schiebt sie sich vor, sie findet die Pforte in der Mauer. . Es ist, als ob «ein hartnäckiger und schweigsamer Angreifer seinen Belagerungswidder gegen die 9Jlauern einer Festung vorschiebt. Tie Pforte stöhnt und biegt sich. Plötzlich schreit einer: „Der Brunnen !!" Eine große Wasser menge bedeutet für ein von der Lava angegriffenes Haus dasselbe, wie Dynamit bei einem Brande, denn wenn die Lava den Brunnen zudeckt und das Wasser plötzlich verdampft, erfolgt eine gewaltige Explosion. Sogleich stürzen einige Männer vor, die die Eisenteile von dem Brunnen reißen, seinen Rand zerstören und ihn verschütten. Endlich hört man ein lautes Krachen und sieht eine dichte Staubwolke. Unter dem gewaltigen Druck hat die Umfassungsmauer nachgegeben, nachdem sie sich eine volle Stunde lang tapfer gehalten pat. Ihre Trümmer rollen, bis gegen die Wand des Hauses. Mit heftigem Getöse stürzt zuletzt das überdachte Tor der Plauer ein. Ein Gefühl des Schreckens bemächtigt sich aller, einen Augenblick werden die Rettungsarbeiten nn Hause unterbrochen, um dann beim Fackellicht — denn es ist längst dunkel gelrorden — mit erneuter Eile wieder ausgenommen zu werden. Der langsam herannahende Feind schleudert fortgesetzt kleine Lavabäche und große Trümmer vor, bereu Anprallen gegen die Wand in den leeren Räumen widerhallt. Jetzt kann nichts mehr das Haus retten. Die Easa Fra diavolo zeigt plötzlich Sprünge in den Mauern; von unten her klettert die Lava in die Höhe. Man hat Zeit gehabt, alles zu retten, das Haus kann also untergehen. Ganz langsam verbreitert sich ein Riß in der Mauer; dann sieht man plötzlich, wie sich das Haus auf der einen Seite neigt und fast geräuschlos in den Lavastrom hineinsinkt: nur die brechenden Balken krachen. s)hm ist das Schicksal des Hauses besiegelt, und nm Mitternacht ist das Gehöft nichts mehr als eine finstere, stumme, rauchende Ruine.
F. E. Wiesbaden 14. April. Die Aussperrn n g ün Baugewerbe dahier wird am 16. April, Samstag früh, ihren Anfang nehmen. 3000 Ard eiter werden davon betroffen.
X Hanau, 14. April. Der Arbeitgeberverband für >as Baugewerbe hat beschlossen, am 15. April sämtliche Geschäfte zu schließen und die Bauarbeiter auszusperren. Von dieser Maßregel werden etwa 500 Arbeiter betroffen. Mißlich ivird sich die Sache bei den von der Stadt auszuführenden militärischen Bauten, der Kaserne für das 3. Eisenbahnregement und dem Garnisonlazarett, gestalten, falls eine längere Stockung eintritt. Die Kaserne für das Eisenbahnregiment muß. am 1. Oktober d. Js. für das Belegen mit dem Regiment fertig »stehen.
Karlsruhe, 14. April. Auch hier werden die Bauarbeiter am Freitag abend um 6 Uhr ausaesperrt; ursprünglich wollte man die Arbeiter ohne Kündigungsfrist weiter arbeiten lassen.
Straßburg, 14. April. Die.heutige, zahlreich beuchte außerordentliche Hauptversammlung des Deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe (Landesverband für Elsaß-Lothringen) hat den einstimmigen Beschluß gefaßt, ämtliche Betriebe am Freitag, 15. April, abends, zu schließen.
Mannheim, 14. Apvil. Wie der „Mannheimer Ge- neralanz." meldet, wurde in der gestern abgehaltenen Ver> ammlung der Verbände der hiesigen Bau-, Maurer- und Zimmermeister beschlossen, am kommenden Freitag >ie Geschäfte zu schließen.
3'/,"/<> Reicbsanleihe .
3°;0 • v-mu do.
37,6/o KonsolsS^.f.f.
3°,'o - - do.
3'.V'n kessen
3*/,"In Oberhessen-y .w 4u/n Oesterr. Goldrente .-r. d*/50/o Oesten. Silberrentc.
3°/
4'/°"/» rass. Staatsanl. 1905
4*/t°/o Japan. Staatsanleihe 98.50
4°/e Couv.Türken von 1903 94.90
Türkenlose . . . . ■*. 7178.00
Gewerbeordnung gelten, soweit ohne Einbeziehung dieser Personen der mit der Festsetzung von Mindestlöhnen für die Haus- arbciter beabsichtigte Zweck nicht erreichbar ist. Tie Verordnungen des Bundesrats sind durch das Reichsgcsetzblatt zu veröffentlichen und dem Reichstage bei seinem nächsten Zusammentritt zur Kenntnisnahme vorzulegen.
Der Justizausschuß des Reichstages beschäftigte sich gestern und heute mit der Zustellung der Entscheidungen (dritter Abschnitt des ersten Buches) und erledigte nach Zurückweisung einer Anzahl von Zentrumsanträgen nur drei Paragraphen. Einige Zentrumsanträge, die geringe Abänderungen der Regierungsvorlage enthielten, wurden angenommen. Im wesentlichen blieb cs bei den §§ 26, 27, 28 der Regierungsvorlage.
Vollversammlung der Deutschen Handelstages.
4. Berlin, 14. April.
Heute wurde zunächst die Frage der
Fernsprechgebühre nordnung
beraten. Berichterstatter hierüber war Geh. Kommerzienrat B 0 gel (Chemnitz), der im Namen des Ausschusses folgende Erklärung vorlegte: ......
„Der Deutsche Handelstag hat sich in ferner Vollversarnm- lung vom 20. März 1908 einstimmig gegen den Vorschlag des Rcichspostamts erklärt, die Pausckigebühren zu beseitigen und nur noch Grund- und Gesprächsgebühren zu erheben. Dieser Erklärung hat der Bundesrat keine Beachtung geschenkt, vielmehr jenen Vorschlag in dem Entwurf einer Fernsprechgebührenordnung, der am 8. Februar 1909 und von neuem am 29. ychvember 1909 dem fsteichstag Porgelegt wurde, zu den {einigen gemacht. Der Deutsche Handelstag hält an der Anschauung fest, daß die oorgeschlagene Maßregel eine wesentliche Verteuerung eines unentbehrlichen Verkehrsmittels und eine, neue, durchaus u ngerechte Belastung und Belästigung von Handel und Industrie darstellt und schrickst Vie Erwartung ans, daß der Reichstag der Vorlage des Bundesrats seine Zustimmung versagt. Nach wie vor ist er jedoch damit einverstanden, das; bei größerer Gcsprächszahl eine gestaffelte Erhöhung der P a u sch g e b ühren ftatt- sindet und bei Ueberbürbung eines Anschlusses, die bei einer Zahl von über 10 000 Gesprächen im Jahre anzunehmen ist, die Anbringung eines weiteren Anschlusses verlangt werden kann."
Die Entschließung wurde einstimmig angenommen.
An zweiter Stelle berichtet Generalsekretär Dr. Soetbeer (Berlin) über die
Aenderung der Gewerbeordnung.
Der Ausschuß hat hierzu folgende Entschließung borgelegt:
„Nachdem die Gewerbeordnung zur Regelung des Verhältnisses zwischen Unternehmer und Arbeiter schon in vielen Beziehungen den Zwang des Gesetzes an die Stelle des freien Vertrages gesetzt hat, warnt der Tetttsckre Handelstag davor, in dieser Richtung zu weit zu gehen. — In dem vom Bundesrat beschlossenen und dem Reichstag am 11. Februar 1910 vor- gelegten Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung der Gewerbeordnung sind insofern Verbesserungen des geltenden Rechts enthalten, als die nutzlosen und lästigen Lohnzahlungsbück)er für minderjährige Arbeiter beseitigt und die Lohnbücher, die für bestimmte Gewerbe vorgeschrieben werden können, zu Abrech- nungsbüchern umgestaltet werden sollen. Dagegen ist der Vorschlag des Entwurfes abzulehnen, daß nicht nur dem Bundesrat, sondern auch den Landeszentralbehörden und den Polizeibehörden die Befugnis zustehcn soll, Lohnbücher vorzuschreiben und die Arbeitszeit zu regeln. Auch ist in höherem Maße Gewähr dafür zu leisten, daß vor dem Erlasse so erscheinender Maßregeln die Beteiligten gehört werden. Die Bestimmung, nach der es den Gemeinden freistehen würde, für alle weiblichen Arbeiter unter 18 Jahren die Pflicht zum Besuch einer Fortbildungsschule und zwar auch innerhalb der Geschäftszeit cin- zuführcn, ist als eine schwere Gefährdung der auf rveiblichc Arbeiter angewiesenen Gewerbezweige zurückzuweisen. Die Ver- sckiärfung einiger Strafbestimmungen kann zugestanden werden. — Bedarf hiernach schon der Gesetzentwurf des Bundesrats erheblicher Einschränkungen, so muß der Deutsche .Handelstag den schärfsten Einspruch erheben gegen Beschlüsse, die im Jahre 1909 von einer Kommission des Reichstags bei Beratung eines früheren Gesetzentwurfs gefaßt worden sind. Die Reglementierung der Lohnzahlung, die Herabsetzung der zulässigen Höhe der Geldstrafen nebst umständlichen Vorschriften über ihre Verwendung, der Zwang zur Einführung von Arbeiterausschüssen ebenfalls mit umständlichen, zum Teil auch sonst nicht gerechtfertigten Vorschriften über diese Einrichtung, den Eingriff in den Vertrag zur Vermietung einer Wohnung an den Arbeiter; hinsichtlich der technischen Angestellten das Verbot, ihnen auf das bei Dienstnnfähigkeit fortgewährte Gehalt den Betrag anzurechnen, der ihnen aus einer auf Grund gesetzlicher Verpflichtung bestehenden Kranken- oder Unfallversicherung zukommt, ferner die übermäßige Erschwerung, sie in ihrer künftigen gewerblichen Tätigkeit zu beschränken (Konkurrenzklausel); hinsichtlich der Angestellten des Handels die Schließung der offenen Verkaufsstellen um 8 Uhr abends, die Regelung der Arbeitszeit in Kontoren und die Einführung von Handelsinspektoren — alles das sind Maßregeln, die nicht durch ein Bedürfnis geboten sind und verderbliche Wirkungen ausüben würden. — Betritt man diesen Weg, so wird der Grundsatz der Gewerbeordnung, nach dem die Festsetzung der Verhältnisse zwischen den Unternehmern und den Arbeitern Gegenstand freier Uebereinkunft ist, immer mehr preis gegeben und in den Fesseln gesetzlicher Bestimmungen und be> hördlicher Anordnungen wird die Unternehmungslust zu Schaden kommen, die ohnehin schon durch die vielfach unerquicklichen Ar- beiterverhältnisse gehemmt wird. Im Reichstag sollte man sich hüten, auf Kosten nicht nur der Unternehmer, sondern des Gewerbes selbst einen Wettbewerb mit gesetzlichen Vorschriften zu treiben, die nicht zur Abstellung erheblicher Mißstände erforderlich sind. 'Der Deutsche Handelstag spricht die Erwartung aus, daß der Bundesrat solchen Bestrebungen einen unerschütterlichen Widerstand entgegensetzt."
Auch diese Leitsätze wurden einstimmig angenommen.
Zum letzten Punkt der Tagesordnung:
Auskunftsstelle für den Außenhandel berichtete Hermann Hecht von der Handelskammer Berlin und Generalsekretär Dr. Brandt (Düsseldorf). Ter Ausschuß legte hierzu folgende Entschließung vor:
„Der Deutsche Handelstag spricht sich dafür aus, daß eine Austunftsstelle für den Außenhandel von der Reichsverwaltung auf Kosten des Reichs errichtet und verwaltet werde. iDieses Unternehmen soll folgende Gebiete in den Bereich seiner Tätigkeit ziehen:
A. Die Sammlung von Gesetzen, Verordnungen und bergt., die sich auf Steuerwesen, Zollwesen, Gewerbe- und Handelsrecht, Patent-, Muster- und Zeichenschutz usw. fremder Staaten beziehen.
B. Die Pflege der Statistik, insbesondere der Handels- und Produktionsstatistik fremder Länder.
C. Die zweaeiUsprechende Verarbeitung und Rutzbarmachung der Konsulatsberichte usw.
Aus diesen Gebieten soll eine Auskunftserteilung an die Handelskammern und bergt, stattfinden.
Der Antrag des Ausschusses gelangt schließlich mit großer Mehrheit zur Annahme. Dann wurde die Vollversammlung geschlossen. .
Harpener Bergwerk '.'S ■ , . 198.20 L.uuahütte.....■" . i. 172.90
Lombarden E. B.'s. ? . 21.—
Nordd. Lloyd . .'-.-8. 104.00
Turkculusc , 1, 178<5u


