Ausgabe 
14.11.1910 Zweites Blatt
 
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Leidiger rollt das gon&e Material noch einmal aus und weist darauf hin, das; Ort und Zeit einiger Fälle ganz verschieden seien. Lor allen: müßten die Fälle abgetrennt werden, in denen jugend­liche Angeklagte in betracht kommen. Es sei nicht zweifelhaft, daß diese Angeklagte als Jugendliche nach dem Geschäftsplan vor die 7. Strafkamemr gehören. Es sei auch nicht richtig, daß sämtliche Kämmen: sich zustimmend geäußert batten. Der Vor­sitzende der 1. Kammer habe erklärt, es könne sehr zweifelhaft sein, ob alle Fälle vor die dritte Kammer gehörten. Aehnlich hätten sich einige mrdere Vorsitzende geäußert. Marr könne also nicht sagen, daß die erkermenden oder eröffnenden Kammern mit der Ver­bindung der Strafsachen einverstanden gewesen seien. Auch ein Präsidialbeschluß werde daran nichts mtdern. Im laufenden Jahre entscheide lediglich der Geschäftsplan. Auel) der hier amtiereirde Vorsitzende der 3. Kammer habe zunächst lebhafte Zweifel gehabt uird diese in einem längeren wissenschaftlichen Gutachten begründet. Daher sei es zum mindesten zweckmäßig, wenn die Abtrennung stattfinde. Niemand könne sagen, daß er als Anwalt juristtschen Nonsens vortrage, und da die Möglichkeit bestehe, daß das Ver­fahren später von dem höchsten Gerichtshof annulliert werde, so müsse man schon aus bloßen Zweckmäßigkeitsgründen die Ab- trennuirg vornehmen.

Hierauf begründet Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld erneut den Antrag, drei von ihm namhaft gemachte Fälle abzutrennen. Es handle sischj dabei um Vorfälle, die in ganz anderen Gegenden passiert seien.

R.-A. Dr. Cohn tritt aus rein menschlichen Erwägungen für die Abtrennung ein. Die nicht in Hast befindlichen An­geklagten seien durchweg keine reichen Leute und müßten schwer um ihr tägliches Brot arbeite::. Es sei außerordentlich un­günstig für sie, hier wochenlang vor Gericht zu sitzen.

R.-A. Bahn tritt dann für Abtrennung auch im Falle Bock ein. Für die Tatsache, daß man die Absicht hatte, die Sache vor die dritte Strafkammer zu bringen, spreche der Um­stand, daß im offiziösen Lokal-Anzeiger stand: Die Staatsanwalt­schaft sei mit Erfolg bemüht gewesen, die Sache vor die dritte Strafkammer zu bringen.

R.-A. Ulrich: Mein Name steht zwar nicht unter den Verteidigern, welche neulich für die Abtrennung eintraten. Aber das kann ich aufrichtig sagen, daß auch mein Mandant Schulz und ich sehr zufrieden wären, wenn die Sache abgetrennt werden könnte. Nur vom rein juristischen Standpunkte aus kann man aber nichts für die Abtrennung sagen, da das ganze Milieu berück­sichtigt werden muß. Mein Mandant, der nur eine Laterne, und zwar auch nur zur Hälfte zertrümmert haben soll, wird zwar die hohe. Ehre, aber das zweifelhafte Vergnügen haben, bis Weihnachten wegen dieser halbzertrümmerten Laterne hier zu sitzen. Juristisch läßt sich dagegen freilich nichts einwenden.

Bert. R.-A. Coßmann weift darauf hin, daß sein Mandant Georg Metzer der Sohn armer achtbarer Leute sei, die er zu unterstützen habe.

Er st er Staatsanwalt Steinbrech t erwidert, es sei wiederholt behauptet worden, die Sache Hagen sei zuerst zum Abschluß gekommen, damit das ganze Verfahren vor die dritte Strafkammer gehöre. Der Staatsanwalt weist in längeren Aus­führungen darauf hin, daß die Sache Hagen am 6. Oktober zuerst abgeschlossen wurde und daß, um eine Beschleunigung herbei­zuführen, die ganze Sache mit dem RubrumHagen und Ge­nossen" hersehen worden sei. Wenn eine Notiz im Lokal-Anzeiger unwidersprochen geblieben sei, so liege es daran, daß man un­möglich auf jeden Zeitungsartikel eingehen könne.

R.-A. Heine: Niemand von uns hat bestritten, daß die Sache Hagen an: 6. Oktober abgeschlossen wurde. Das wußte ich genau io gut wie der Herr Staatsanwalt. Aber verwunderlich ist es, daß die Sache Hagen ausgerechnet eine Stunde früher ab­geschlossen wurde als die Sache Trenkowski. Wir schließen aus der ganzen Beharrlichkeit der Anklagebehörde heraus und aus der Tatsache, daß man, nachdem alle Versuche gescheitert waren, für eine Verbindung aller Fälle eintrat, auf den Umstand, daß der Staatsanwaltschaft daran gelegen war, die Sache vor die dritte Kammer zu bringen.

Der Erste Staatsanwalt weist darauf hin, daß die Staatsanwaltschaft überhaupt keine bestimmten Anträge stellen konnte und daß die dritte Strafkammer sich für die Verbindung der einzelnen Fälle ausgesprochen habe, was allein maßgebend gewesen sind.

Staatsanwalt Hansen geht auf die verschiedenen Fälle rin, die die Verteidiger als abtrennungsnötig bezeichnet haben, und vertritt die .Ansicht, daß bei allen diesen Fällen ein Zu­sammenhang mit den Moabiter Unruhen bestehe.

Verteidiger R.-A. Liebknecht: Wenn dec Herr Erste Staatsanwalt dein Gericht die Akten überreicht hat, aus denen hervorgehe, daß die Staatsanwaltschaft ganz korrekt verfahren sei, so will ich das nicht bestreiten. Aenßerlich mag ja alles sehr korrekt &u gegangen sein.

Erster Staatsanwalt: Dem nmß ich noch einmal ganz entschieden widersprechen. R.-A. Liebknecht hat wenigstens anerkannt, daß äußerlich alles korrekt bei der Staatsanwaltschaft zugegangen sei. Er deutete aber gewisse Schiebungen an. Ich betone demgegenüber ganz entschieden: Es hat bei mir nicht die geringste Absicht Vorgelegen, die Sache vor die dritte Strafkammer zu bugsieren. Mir waren die Mitglieder der dritten Kammer aus meiner amtlichen Tätigkeit garnicht bekannt, ich habemichihnenersthier im Saale vorft eilen müssen. Maßgebend war für das ganze Ver­fahren die Eröffnung des Hauptverfahrens.

Staatsanwalt Hansen bestätigt, daß ihm nichts von einer Absickst, die Sache vor die dritte Strafkammer zu bringen, be­kannt gewesen sei. Wenn Liebknecht gemeint habe, er habe ihn, den Stachsanwalt öfter beim Untersuchungsrichter gesehen, so sei das richtig. Es gebe in so großen Prozessen mancherlei zu besprechen. Mit demselben Recht, mit dem R.-A. Siebhiedjt beim Untersuchungsrichter erschienen sei, habe er das auch getan. Sollte man annehmen, daß bei seinen Besuchen Heimlichkeiten vor- gekomn:en seien, so ersuche er, den Untersuchungsrichter als Zeugen zu laden.

Um 121/4 Uhr zieht sich der Gerichtshof zur Beratung über die Abtrennungsairträge zurück. Nach a:U>erthalb Stunden erscheint der Gerichtshof wieder und der Vorsitzende verkündet: Soweit der Fall der Frau R e i n h a r d t in Frage kommt, hat der Gerichts­hof bereits die Abtrennung beschlossen. Im übrigen haben mir die Ausführungen der Verteidigung nochmals geprüft und sind zu demselben Resultat gekommen wie das vorige Mal. (Be­wegung.) Es ist der Verteidigung zuzugeben, daß nicht alle Kammern zur der Verbindung aller Fälle ihre Zustimmung ge­geben haben. Tas ist aber auch nicht erforderlich. Der Gerichts­hof stützt sich auf § 236 der Strafprozeßordnung und beruft sich im übrigen auf berühmte Rechtslehrer, wie Löwe und Steuglein, glaubt eine Reichsgerichlsentscheidung in einem ähnlichen Falle für sich zu haben. Somit bleibt die angeordnete Verbindung be­stehen. Ob ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Sachen besteht, unterliegt dem Ermessen des Gerichtshofes. Es erscheint im höchsten Maße unzweckmäßig, in jedem einzelnen Falle die ganze Beweiserhebung aufzurollen.

Rechtsamvalt H e: n e: Ich wiederhole nun meinen Ableh­nungsantrag und zwar in bezug auf die ständige:: Mitglieder der 3. Kammer. Der Verteidiger begründet dann den Ab­lehnungsantrag in demselben Sinne wie vorgestern. Auch das ungewöhnlich strenge Vorgehen gegen Rechtsanwalt Bahn recht­fertige ein gewisses Mißtrauen. Tie Verteidigung sei der Ansicht, daß die Erörterungen in der Presse, das Vorgehen der Staats­anwaltschaft, die dadurch notwendig gewordenen Anträge der Verteidigung und die ga:rze Sachlage überhaupt die Richter nicht mehr als unbefangen erscheinen lasse.

Hierauf begründet Reckstsamvalt Bahn den bereits dem Sinne nach mitgeteilten Ablehnungsantrag. Er fügt noch hinzu, daß er nie mit den Mitgliedern der 3. Kammer irgend welche Zerwürfnisse hatte und daß auch der Vorsitzende Lteber ihm gegenüber stets die urbansten Formen gewahrt habe. Er wolle auch nicht behaupten, daß die Richter befangen seien, aber Die Besorgnis der Befangenheit genüge schon.

Vorsitzender: Wird auch der Ersatzrichter Assessor T o o st abgelehnt? Rechtsanwalt Hein e; Nein. Rechtsanwalt Ulrich:

Ich kann in meinem Namen und in dem meines Mandanten Schulz erklären, daß wir keine Veranlassung haben, an der Obieklioität der Richter zu zweifeln. Vorsitzender: Es ist natürlich un­möglich, über den Ablehnungsantrag heute noch zu befinden. Ich vertage daher die Verhandlung auf Montag mittag 12 Uhr.

Aus S*taöt uhO Land.

Gießen, 14. November 1910.

*' Ordensverleihung. Dem Ratsdiener und Schloß­aufseher Ochs zu Gießen wurde von dem Kaiser von Ruß­land die goldene Medaille ain Band verliehen.

** D i e K o n g o f r a g c, so führte P. R a m b a u d in seinem am Freitag im großen Hörsaal der Universität gehaltenen Vor­trag aus, ist eine' internationale Frage. Auf Grund der Kongoakte der Berliner Konferenz der Großmächte von: Jahre 1885 über­nahm König Leopold II. von Belgien die Regierung des Kongo­staates unter folgenden Bedingungen: 1. Vollkommene Handels­freiheit für alle Nationen, 2. keinerlei Staatsmonopol, 3. be­sonderen und gleichen Schutz für katholische und evangelische Mis­sionen, 4. kräftige Förderung des Wohles der Eingeborenen, sowie ibrer materiellen und moralischen Entwickelung. Von allen diesen Bedingungen hat die Kongoregierung keine erfüllt. Der Elfenbein- und Kautschukhandel, um den sich in Kongo alles dreht, ist durch immer steigende Zölle dem Handel anderer Na­tionen nahezu verschlossen und ist zum Monopol des Staates oder der von ihn: konzessionierten Gesellschaften, deren größter Aktionär der König ist, geworden. Alles Land außerhalb der Dorfgemar­kungen ist einfach als Staatseigentum erllärt, und damit den Eingeborenen jeder Betrieb der Jagd, des Fischfangs und der Kautschukgewinnung unmöglich gemacht. Jede Uebertretnng wird mit grausamen Strafen betroffen. In der Form der Arbeitssteuer werden die Eingeborenen ßu unentgeltlicher Arbeit gezwungen, oft Tagereisen weit, ohne jede Fürsorge. Auf die sich diesem Zwang Entziehenden wird Jagd gemacht wie auf £icrc. Ver­stümmelungen, besonders Abhauen der rechten Hand, sind an der Tagesordnung. Die Zahl der seit 1892 dort so getöteten Menschen wird auf drei Millionen geschätzt. Sein Material zu diesen An­klage:: entnahm der Vortragende den Veröffentlichungen der prote­stantischen Missionare, und Awar nicht nur englischen, sondern auch schwedischen und holländischen, und vor allem den schrift­lichen unlb mündlichen Mitteilungen des belgischen Richters Stanis­laus Lefranc, der, lange im Kongostaat tätig, weil er es< nicht mehr mit feinem Gewissen verantworten konnte, zu diesen durch die Gesetze sanktionierten Greueln die Hand zu bieten, sein Amt niederlegte und als Ankläger gegen die Regierung auftrat. Durch die Veröffentlichungen der Missionare wurde König Leo­pold II. gezwungen, eine llntersuchungskomniission einzusetzen, deren Berichte die Angaben der Missionare bestätigten, aber vom König nie veröffentlicht und nur durch die stenographischen Nach­schriften der Verhandlungen seitens der anwesenden Missionare bekannt wurden. Drei Missionare wurden ins Gefängnis ge­worfen, aber nach glänzender Verteidigung durch den Sozialdemo- I'ratcn Vandervelde, der den Wahrheitsbeweis führte, frei- gesprochen. Warum geschah nichts ernstliches gegen dieses rechts­widrige und menschenunwürdige Verhalten der Kongoregierung? Die Großmächte ließen sich durch politische Gründe hindern. Jetzt, nachdem König Leopold II. gestorben ist, scheint die starke Be­wegung in Deutschland die belgische Regierung zu Re­formen zu zwingen. Sollen sie aber wirklich zur Durch­führung kommen, so bedarf es einer Verstärkung des Ein­flusses der protestantischen .Mission, die allein den Mut gehabt hat, gegen diese Greuel auszutreten. Die kleine belgische prote­stantische Kirche hat sich darum entschlossen, dort auch in die Missionsarbeit einzutreten, ein Grund mehr, ihr die wärmste Teil­nahme zuzuwenden.

* * Stad11h eater. Es sei nochmals auf den am Donners­tag stattsind enden M o l i 6 r e - A b e:: d der Pariser Gesellschaft A. Roubeaud hingewiesen, an demle bourgeois gentilhomme" undles precieuses ridicules" aufgesührt werden. Tie französischen Gäste verfügen bekanntlich über eine so vorzügliche Sprachtechnik, daß auch der weniger Sprachkundige verhältnismäßig leicht folgen kann. Uebrigeiis werden im Theaterbureau kurzgefaßte fran­zösische Inhaltsangaben umsonst abgegeben. Zur morgigen Erstaufführung des effektvolle:: neuen SchauspielsTaifun" dürfte einiges aus einer Berliner Kritik am Berliner Theater inteteffiren: Das Stück verdankt feinen Erfolg feinen theatralischen Effekten, die mit kluger Berechnung und mit einem den Großstädtern von heute zusagendenkultivierten" Geschmack herausgearbeitet ind. Lengyel ist einer der nachdenklichsten unb originellsten Theatraliker aus der Schule Sardous. Es war ein aufregendes Schauspiel; es erhob sich über die gewöhnlichstenReißer" durch manchen feineren Zug in der Menschenbeobachtung und in der Lebenswertung; es gab der Bühnenkunst Gelegenheit au inter­essanten und bewegten Bildern, besonders aber einige sehr schwierige und dankbare Rollen."

Landkreis Gießen.

|| Heuchelheim, 13. Nov. Bei der gestrigen Bei­geordnetenwahl rourbe Fricdr. Wilh. Kreiling von bürgerlicher Seite mit 212 Stimmen gewählt. Sem Gegen­kandidat Rips, von der Sozialdemokratie aufgestellt, erhielt 172 Stimmen. Leider machten sehr viele Wähler keinen Ge­brauch von ihrem Wahlrecht.

- l. Klein-Linden, 13. Nov. Einen Kursus in erfter Hilfeleistung bei Unglücks fällen hat die Gießener Sanitätskolonne vom Roten Kreuz gestern abend im Saale derDeutschen Eiche" begonnen. Tie Teil­nehmerzahl, die sich zum Kursus meldete, war befriedi­gend, so daß sofort mit dem Unterricht begonnen wurde. Der Leiter des Unterrichts Dr. Schäffer und Kolonnen- ührer Grünig von Gießen waren erschienen.

Kreis Friedberg.

- l. Butzbach, 12. Nov. Tie G e m e i n d e r at s - itzung am Freitag eröffnete Beig. Flach mit einer Würdigung der Verdienste des verstorbenen Mitgliedes Bauunternehmer Arnold Oehlschlägel. Hierauf wurde das Tanischreiben der Familie Oehlschlägel bekannt ge­geben. lieber die Festlegung der Straßenfluch t- Linie längs des Bahnkörpers zwischen Taunus- und Gießener Straße und der der Parcklcl^raße zur iüuiferftraß: zwischen Taunus- und Hochweiseler Straße wurde bi> chlofsen, da nach neuerlicher Mitteilung der Bahnverwal­tung eine Verbreiterung des Bahnkörpers nach Westen zu in absehbarer Zeit nicht zu erwarten steht, soll der für die Verbreiterung desselben vorgesehene Getändeftreifen i.i der Breite von durchweg 8 Meter zwischen der Taunus- und der Kaiserstraße nach Gießen in Wegfall kommen und di: östliche Flucht der längs des Bahn.örpers vorzusehenden Straße mit der westlichen Bahngrenze zufammenfallen, da- ür aber die Strafe zur Minderung der durch den Bahn­betrieb möglichen Belästigungen der Anwohner statt einer Breite von 10 Meter eine solche von 12 Meter erhalten. Da für das Gelände zwischen der Taunus- uno der Hochweiseler Straße von den Grundstücken Fmr VIII Nr. 692 an der Taunusstraße bis zu den Parzellen Nr. 721 und 733 an der Hochweiseler Strafe bislang feine Baulust besteht und ein größerer Teil der Parzellen mit umfangreichen Fabrik­gebäuden besetzt ist, soll vorläufig von Festsel'.ung einer Straße abgesehen werden. Zu Kommissionsmitgeiedern für die Bürgermeisterwahl wurden die Gemcknderats- mitglieber Wil^e.m H i a.s Vorsigender, Wil.,etm Bra..buch als Stellvertreter des Vorsitzenden, Heinrich Küchel und I. F. Tern als Beisitzer gewühlt. Xie Wahl wurde auf den 24. Novernoer 1910, von vormittags U dis > und nachmittags von 2 bis 0 Uhr, sestgeje^t. Es wurde

bekannt gegeben, daß das Kriegsministerium die Erstattung der Kosten für die versuchsweise Trockenlegung des Exer­zierplatzes abgelehnt habe und die übrigen Kosten bereits : von der Garnisonverwaltung an die Stadtkasse bezahlt feien. Tie Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. hat eine W e g ü b e r f ü'h r u n g etwa im Zuge der B a d b r u n n en -- st raße vorgeschlagen und stimmt nur einer Unterführung | am Bahnübergang zu, wenn die Stadt die Gesarntkosien im Betrage von 35 000 Mk. übernimmt. Der Gemeinde- ' rat ist jedoch der Ansicht, daß der Bahnverkehr sich von Jahr zu Jahr gesteigert habe, und deshalb der Bahn- fiskus wegen des ständig steigenden Verkehrs die Gefam - losten zu tragen habe, ist aber bereit, damit das Projekt zur Ausführung komme, 20 Prozent der wirklich eiligem denen Kosten der Unterführung zu übernehmen. Tas j Ferbersche Haus auf dem Marktplatz soll als Lehrerwoh­nung an den Kugelhausfonds vermietet werden. Ter Geflügel- und Kaninchenzuchtverein Bubbach beabsichtigt ü am 11. und 12. Februar 1911 eine Ausstellung zu ver- | anstalten und bittet um unentgeltliche Ueberlasstrug do Turnhalle mit den beiden Schicksalen der Kleinlinderschuw für die Zeit vorn 8. bis 14. Februar. Tas Gesuch wurde genehmigt. Der Garten des Johannes Rumpf VII. tut ! der Taunusstraße soll für die Stadt angekauft werden. i Der Ankauf des Grundstücks Flur VIII Nr. 208 531 qm . für die Stadt wurde genehmigt. Zur Verbreiterung der merstraße sollen Nr. 209 34 qm, Nr. 210 34 qm, Nr. 211 225 qm für die Stadt angekauft werden. Wegen Einstellung de - >;

2 Uhr-Zuges der Butzbach-Licher-Bahn in den Fahrplan während der Zeit vor Weihnachten soll mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Bahn, Altbürgermeister ii Küchel, Rücksprache genommen werden, daß er das Er­forderliche bei der zuständigen Stelle veranlasse.

L. Friedberg, 13. Nov. Weite Kreise unserer Stadt tragen sich mit dem Gedanken, auch am hiesigen Platze ein evang. Vereins Haus zu erbauen. Der Feier­abend für Jünglinge ist in einem Saale über den städtischen Pserdeställen untergebracht. Die evangelische Vereinigung tagt gewöhnlich in der Herberge zur Heimat. Tie neu - gegründete Männervereinigung kommt in einem Restaurant zusammen, das alles könnte vereinigt in einem eigenen Gebäude sein, in dem man auch eine Bibliothek und einen Lesesaal ein richt en könnte. Bereits sind 1200 Mk. für Er­bauung eines Gebäudes als Grundstock da und bei der Lutherfeier am 10. November fand die Anregung zur Er­bauung allseitigen Widerhall und sofort sand eine Teller- sammlung für diesen Zweck statt.

-m. Friedberg, 13. Nov. Die Einführung des ; neuen Direktors an der Gewerbe-Ak ad emie Dr. Jng. Krön er gestaltete sich zu einer schönen Feier. Sämtliuye Chargierten der verschiedenen Korporationen machten vor­her eine Rundfahrt durch die Stadt, nach deren Beendi­gung sie in den großen Saal zogen, wo sie sich rund um die mit Girlanden und Fahnen geschmückte Rednertribüne gruppierten. Auch die übrigen Besucher der Anstalt waren vollzählig erschienen. Kreisrat Schliephake, der erste Bei­geordnete sowie der gesamte Stadtvorstand, einschließlich der Mitglieder des Stadtteils Fauerbach wohnten der Feier bei. Der Antrittsvortrag des neuen Direktors behandelte das ThemaDie Entwickelung des Turbinenbaues". Der Vortragende bewies durch seine Ausführungen, daß die Stadt mit feiner Wahl einen glücklichen Griff getan hat. Dem Redner wurde reicher Beifall zuteil. Nach beendig­tem Vortrag sprach Beig. Win deck er dem Redner Herz- j lichen Dank aus. Er sprach die Hoffnung daß die Ge- - werbe-Akademie unter der Leitung des Herrn Dr. Kröner \ sich gut entwickeln möge. Zum Schlüsse sprach noch ein Mitglied des Ausschusses; jein Hoch, galt der Stadt Friedberg. , j. < '

Hessen-Nassau^

Q Marburg, 13. 9iov. Bei der gestrigen endgültigen Immatrikulation der Studierenden wies der Rektor der Universität, Geh. Konsistorialrat Pros. O. Budde, in seiner Rede besonders auf die in letzter Zeit so viel genannte aka­demische Freiheit hin, die in der Immunität und Selbst­ständigkeit unserer Hochschulen, einschließlich der akademischen' Gerichtsbarkeit, gipfele. Er mahnte zu eifrigem, zielbewußtem! Streben, zur Pflege de§ Spieles und der studentischen Traditionen und zur Vaterlandsliebe. Schließlich forderte der Rektor zum Beitritt zur Genossenschaft freiwilliger Kranken­pflege im Kriege auf, und dann traten die jungen Leute ein­zeln an ihn heran und nahmen unter Handschlag ihre Matrikel m Empfang.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

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Nov.

1910

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Höchste Temperatur am 12. bis 13. November --- 5,3° 3.

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