Hr. 108 Zweites Blatt
160» Jahrgang
Donnerstag 18, August 1910
Erscheint täglich mH Ausnahme des Sonntags.
Die „Elehener Lamtliendlätler" werden dem , Sinniger* vierrnal wöchentlich beigelegr,chaZ „Kreisbialt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zelt- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
General-Anzeiger für Gberheffen
Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen UniversitatS - Buch- und Stemdruckerei.
R. Lange, Eießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktionre-^ 112. Tel.-Adru AnzeigerGreßen.
Das Zorntönigreich.
Ist es eigentlich nur Großmannssucht und Eigendünkel, die den Fürsten von Montenegro, Nikita, jzetzt veranlassen, sich die Königskrone auss Haupt zu setzen, trotzdem sein Land, arm wie es ist, nur 8430 Quadratkilometer und gan^e 250000 Einwohner zählt? Ist nicht vielmehr diese Erhebung Montenegros zum Königreich eine Fotze der Balkanereignisse, wie sie sich seit dem Berliner Kongreß abgespielt haben? Rumänien wurde Königreich, ihm folgte Serbien und bei den letzten Balkanwirren auch Bulgarien. Weshalb also soll Nikita Petrowitsch Njegusch hinter seinen Kollegen zurückstehen? Denn so klein und arm Montenegro auch ist, das eine wird man ihm jedenfalls zubilligen müssen, daß es auf dem Balkan eine politische Bedeutung hat, die toeit über die Serbiens hinausgeht. Ist doch Fiirst Nikita der Schwiegervater nicht nur zweier russischer Großfürsten, sondern auch des Königs von Italien, und verfügt überdies über ein Heer, das mit feinen 36000 Mann bei der anerkannten Kriegstüchtigkeit der Montenegriner im Falle eines Balkankonfliktes sehr ins Gewicht fallen würde, ganz abgesehen von den v.ulturtaten, deren sich Fürst Nikrta bei der Enttoicklung seines Landes rühmen darf. Und sauer genug ist es ihm geworden, Montenegro diejentze Stellung unter den Bal- tanlandern zu sichern, deren es sich jetzt erfreut. Fünfzig lange Jahre hat er daran gearbeitet, ehe es ihm gelang, dem Land der Schwarzen Berge seine jetzige politische Bedeutung zrr geben.
Es ist im Auslande nur wenig bekannt, daß Montenegro, das seiire Entstehung vor dem Einbruch der Türken in Europa flüchtenden Serben verdankt, vom Jahre 1516 an während dreier Jahrhunderte von geistlichen Herrschern, den Vladiken, regiert wurde, zu denen auch die Dynastie VetroNntsch gehörte. 1(197 gelangte Danilo Petro- witjch, der Ahnherr Mkitas, zum Vladikat, daß er 1711 in seiner Familie erblich machte und somit zum Begründer der jetzt über Montenegro herrschenden Dynastie wurde. Im Jahre 1852 verzichtete Danilo I. auf die geistliche Würde, die er einem Verwandten übertrug, und erwirkte von Oesterreich und Rußland seine Anerkennung als weltlicher Fürst Montenegros. Freilich ging damals die Sache nicht glatt ab. Eine Verschwörung folgte der andern, und auch das Geld, das Napoleon III. damals nach Cetinje schickte, konnte nicht verhindern, daß Danilo I. am 12. Aug. 1860 in Cattaro von einem der Verschwörer, Todoro Ka- dich, meuchlerisch niedergeschossen wurde.
Da nun die Ehe Danilos mit der Tochter eines Triester Großkaufmanns, Darinka Kockitschewa, kinderlos geblieben war, folgte ihm Nikita, der älteste Sohn seines Bruders Mrko, den Danilo adoptiert hatte, auf den inonienegri- nischen Fürstenthron, aber die Verschwörungen gegen ihn wollten keine Ende nehmen, und erst die Internierung der Verschwörer in Agram brachte es mit sich, daß der jetzige Herrscher Montenegros von den 70er Jahren an eine einigermaßen ruhtze Existenz zu führen vermochte. In Paris und Triest exogen, ließ es Fürst Nikita an nichts fehlen, was ihm und seinem Lande von Nutzen sein konnte. Durch Verehelichung mit der damals erst dreizehnjährigen Tochter Milena des hochangesehenen Senators .und Woiwoden Vukotitsch sicherte er sich (1860) einen Rückhalt an den in Montenegro einflußreichen Familien, und die Verheiratung seiner Töchter Miliza und Anastasia an russische Großfürsten, sowie seiner Tochter Helena an den König von Italien brachte es neben der Verehelichung des Kronprinzen Danilo mit der Herzogin Jutta zu Mecklenburg- Strelitz mit sich, daß die Dynastie Petrowitsch-Njegusch trotz ihrer etwas sehr dunklen Abkunft von Schweinezüchtern und Wegelagerern in den Verband der europäischen Fürstenfamilien aufgenommen wurde, der sich ihr um so weniger verschloß, als bei ihr körperliche Schönheit, geistige Regsamkeit und Begabung eigentlich erblich sind.
Auch Fürst Nikita verfügt über diese Familieneigew- schasten in hohem Maße. Körperlich trotz seiner 69 Jahre noch überaus rüstig, dichterisch veranlagt und mit poli- tifdjem Scharfblick begabt, hat er es verstanden, das montenegrinische Schifflein durch alle Fährnisse der inneren und äußeren Politik hindurchzusteuern. Er gab Montenegro eine Verfassung, ihm hat eS manche Reformen auf dem Gebiete des Heeres-, Schul- und BerwaltungSwesens zu danken, die Montenegro aus seinem Halbasiatenttrm befreiten und es, wenn auch noch nicht ebenbürtig, in die Reihe der europäischen Kulttrr- ftaaten stellten. Auf dem Gebiet der äußeren Politik bewies Fürst Nikita auch im großen und ganzen eine glückliche Hand. Im Berliner Vertrage 1877 erhielt Montenegro auf Kosten der Türkei einen Gebietszuwachs von 5100 qkm, vergrößerte sich also um das Doppelte, und das Zugeständnis, das ihm Oesterreich-Ungarn vor einem Jahre hinsichtlich der freien Schiffahrt für den Hafen von Antivari machte, beweist zur Genüge, daß Fürst Nikita, trotzdem es Montenegro aus Mangel an Mitteln an jeder diplomatischen Vertretung im Auslände fehlte, die Interessen seines La «des wohl zu wahren wußte.
Das aber war ihm nur möglich durch eine rückhaltlose Hingabe an Rußland. Wenn der Zar vor einigen Jahren den Fürsten Nikita als „einzigen und treuesten Bundesgenossen Rußlands" feierte, so hatte er damit nur zu sehr recht. Nur soll man bedenken, daß Montenegro Rußland gegenüber nicht die Rolle eines gleichwertigen Bundesgenossen spielt, sondern eines Lakaien, dem Rubel und Aaffensendimgen gut genug sind, um dafür auf dem Balkan im russischen Interesse zu wirken. Diese rückhaltlose Anlehnung an Rußland mußte natürlich — und hierin, liegt der Fehler der auswärtigen Politik Montenegros —i zu einer Verstimmung mit Oesterreich Ungarn führen. Zwar sah Fürst 5tikita ein, daß die österreichischen Kronen ebenso brauchbar sind, wie die russischen Rubel, und wurde, als die Einverleibung Bosniens und der Herzegowina durch Oesterreich Ungarn den Balkan wieder in Alarm setzte, schließlich friedfertigen Sinnes, aber die Tatsache^ daß Oesterreich Ungarn den Herrscher der Schwarzen Berge nur dadurch zur Raison bringen konnte, daß es die Grenze gegen .'Nontenegro sperrte, weist zur Genüge darauf hin,
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daß Fürst Nikita hier nur widerwillig einem gelinden Zwange nachgab und nach; wie vor als der treueste Verbündete Rußlands aus dem Balkan bezeichnet werden muß.
Allerdings der einzige ist Montenegro jetzt nicht mehr. Hat es doch Rußland verstanden, nicht nur Griechenland, sondern auch Bulgarien und Serbien völlig an seine Politik zu ketten und auch vielleicht Italien seinen Balkanabsichten bis zu einem gewissen Grade gefügig zu machen. Und wenn auch König Peter von Serbien augenblicklich über die Rangerhöhung seines montenegrinischen Kollegen verstimmt ist, weil er weiß, daß seins Dynastie nichtldie Achtung im Serbenvolk genießt, wie die der Petrowitsch, mithin zu seinem' Schaden eine Verschmelzunb Serbiens mit Montenegro zu befürchten wäre, so läßt sich die Tatsache doch nicht aus der Welt schaffen, daß die jetzige Erhebung Montenegros nim Königreich ihre letzte politische Ursache darin findet, daß es par inter Pares dem unter englisch-russischer Aegide zu gründenden Balkanbund beitreten soll. Ein solcher Bund (Bulgarien—Serbien—Montenegro) ist natürlich in erster Linie dazu bestimmt, der neuerwachten Türkei, der man in englischen und russischen Kreisen nicht traut, auf dem Balkan ein Paroli zu bieten, in zweiter aber richtet er sich auch gegen Oesterreich-Ungarn. Nicht Größenwahn ist es, daß sich jetzt Fürst Nikita die Königskrone aufsetzt, sondern er folgt damit Anregungen aus Petersburg und London, die das Verhetzungswerk der Ententenpolitik König Eduards krönen sollen zum Schaden Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und der Türkei, und wahrscheinlich auch zum Schaden des allgemeinen Völkerfriedens.
politische Tagesschau.
Bei dem Schlachtgedenktag in Mars la-Tour gab, so wird nnS aus Paris geschrieben, die Dekorierung deLAbbs Faller, der bekanntlich ein Museum mit den auf dem Schlachtfelde gefundenen und durch Zuwendungen erhaltenen Erinnerungen an das gewaltige Ringen zusammen- gestellt hot, zu einer von den Zeitungen stark hecvorgehobenen patriotischen Rührszene Anlaß. Am Fuße deZ Denkmals von MarS-la-Tour hatte sich der KleruS aufgestellt und ringsum waren die Fahnen der Abordnungen zufammen- geschicht'.'t worden. Der General Couturier stellte sich dem alten Geistlichen gegenüber, der unter einem rot ausgeschlagenen Baldachin saß und den junge Elsässerinnen und Lothringerinnen in Lan.deskostümen umringten, zog seinen Degen und rief:
„Achtung 1 Im Namen des Präsidenten der Republik und aut Grund der erteilten Vollmachten schlagen wir Sie zum Ritter der Ehrenlegion 1"
Daraus wurde daS Kreuz auf die Brust deS Priesters geheftet; der General umarmte ihn und rief:
„$m Namen der Ehrenlegion, im Namen der zwanzigtausend Tap-eren, die auf diesem Kriegsfelde gefallen sind und die dort oben sich unserem Feste anschließen, im Namen von Tausenden von Franzosen, die hierher gekommen sind und die Millionen anderer vertreten, begrüße ich den Apostel der Erinnerung und der Hoffnung I*
Die Frau im Erwerbsleben.
Recht verschiedenartig ist der Anteil, den die weib- lvche Bevölkerung in den einzelnen Staaten an der @r* ttfertiS tätigfeit nimmt. Nach den Berufszählungen, die in den Jahren 1897 (Rußland) bis 1907 (Deutschland) vor- gjenommen wurden, sind im Deutschen Reich 30,4 Protz, b er weiblichen Bevölkerung in einem Hauptberufe tätig, die Dienstboten für persönliche (häusliche) Dienste sind dabei mitgezählt; in Oesterreich beläuft sich der Anteil der weiblichen Bevölkerung an der Erwerbstätigkeit auf 42,8 Prozu, in Ungarn wiederum nur auf 26,7 Proz,, in Rußland gar nur auf 8,4 P.roz. Dabei sind in Rußland allerdings die unselbständigen erwerbstätigen Angehörigen nicht mitgezählt. Höher als im Deutschen Reich ist der Prozentsatz in Italien mit 32,4 Proz., in Frankreich mit 34,8 Proz., niedriger dagegen in der Schweiz mit 29,5 Proz., in Belgien und Dänemark mit 28,1 Proz., in Großbritannien und Irland mit 24,9 Proz., in Norwegen mit 24 Proz., in Schweden mit 21 Proz., in Holland mit 16,8 Proz., in den .Vereinigten Staaten mit 14,3 Proz. und in Sp anien mit 14,2 Protz. Die Ziffern schwanken also, wenn man von Rußland absieht, zwischen 14,2 und 42,8 Proz.
Die Erwerbstätigen überhaupt (männliche und weibliche) machen im Deutschen Reich 45,5 Proz., in Oesterreich dagegen 51,5 Proz., in Frankreich 51,3 Proz, in Italien 50,1 Proz., iu Rußland (ohne Einrechnung der unselbständigen erwerbstätigen Angehörigen) nur 24,9 Proz., in Holland 37,8 Proz., in Schweden und Norwegen zwischen 38 und 40 Proz., in Großbritannien und Irland 44 Proz. der Ges am tb ev ölker un g aus. Der Anteil der männlichen Erwerbstätigen an der gesamten männlichen Bevölkerung beträgt in Deutschland 61,1 Proz., in Italien steigt er auf 68, in Frankreich auf 68,2 Proz.; Großbritannien und Irland ist mit 64,4 Proz., Amerika mit 61,3 Proz., Rußland nur mit 41,6 Proz. Vertretern
Aus Stadt und Laud.
Gießen, 18. August 1910.
** Staats Mini st er Ewald wird am Freitag, den 19. d. M., aus seinem Urlaub zurückkehren und die Dienstgeschäfte wieder übernehmen.
• * Ein Preisaufschlag für Ochsen- und Rindfleisch steht auch in Gießen bevor. Wie wir hören, verhandeln unsere Metzger untereinander wegen eines gemeinsamen Vorgehens. Es ist allerdings richtig, daß die Ladenpreise für Ochsen- und Rindfleisch, die in Gießen bezahlt werden, den augenblicklich sehr hohen Viehpreisen nicht entsprechen, so daß das Verlangen der Metzger um eine Preiserhöhung gerechtfertigt erscheint. Allerdings wird bei noch höheren gieifil)* preisen ein Rückgang im Verkauf, über den heute schon geklagt wird, nicht auSbleiben.
* * Ki n d e s p f l e g e. Die Zahl der im Jahre 1909 in entgeltliche Pflege gegebenen Kinder unter 6 Jahren betrug 2552, darunter 314 eheliche und 1860 uneheliche, die von ihren Eltern.in Wege gegeben wurden, 3Waisen,
die durch den Vormund und 60, die auf Kosten der Landeswaisenkasse in Pflege kamen. 161 eheliche und 149 uneheliche Kinder unterstanden der öffentlichen Armenpflege und 889 Kinder wurden in entgeltliche Pflege gegeben. Von den Eltern wurden in Pflege gegeben in Starkenburg 1095, in Oberhessen 368, in Rh ein Hess en 711 Kinder. Die höchsten Zahlen weisen auf: Mainz 457, Offenbach 453, Darmstadt 294, Gießen 165, Gr.-Gerau 141, Friedberg und Worms 110.
* • Von der Post- und Eisenbahnkarte be5 Deutschen Reichs, die im Kursbureau des Reichs-Postamts neu bearbeitet wird, ist jetzt das Blatt VII erschienen, das den größten Teil der Provinzen Sachsen und Hannover, weiter u. a. das Herzogtum Braunschweig und das Fürstentum Lippe umfaßt.
- r- Heuchelheim, 17. Aug. Die Frühkartoffel- Ernte hat bis jetzt schlechte Ergebnisse gezeigt. Fast alle Kartoffeln sind faul. Hoffentlich wird die Hauptkartoffelernte bester. — Die Wählerliste zu der demnächst stattfindenden Gemeinderatswahl liegt bereits auf der hiesigen Bürgermeisterei offen.
— Lollar, 17. Aug. Das PreiSschießen des Kriegervereins, daS am 14. d. M. begann, soll am nächsten. Sonntag, dem 21., beendet werden. 'Polizeidiener Häuser, Mühlenbesitzer Christ, Baumwart Fuchs und Forstastestor Baader sind bis jetzt mit 92, bezw. 87, 85, 83 Ringen auf die 20 er Ringscheibe Schützenkönige. Außer Ehrenscheiben kommen 20 wertvolle Preise zur Verteilung.
— Großen-Linden, 18. Aug. Im hiesigen Turnverein wurde vor kurzem eine Fechta bteilung gegründet, die bereits 15 ausübende Fechter zählt. Die Leitung und Ausbildung wurde dem Turner Ludwig Weiß übertragen, der schon mehrfache Erfolge im Fechten aufzuweisen hat.
<t> Holzheim, 17. Aug. Welch ungeheure Verbreitung der H a m st e r in unserer Gemarkung genommen, geht aus der Zahl der seit vier Wochen gefangenen Tiere hervor, sie beträgt 2300. Die Gemeinde zahlt für jedes ausgewachsene Tier 15 Pfg., für die Jungen 10 Pfg. Die Buben lassen sich diese lohnende Jagd nicht entgehen und oft kehren sie aus dem Felde zurück, eine ganze Reihe Hamster zu zweien an einem Strick tragend. — Eine hiesige Frau stach sich bei den Erntearbeiten, eine Distel in die Hand. Die Verletzung, anfangs gering er- fdjeinenb, zog Blutvergiftung nach und die noch junge Frau verstarb in der Klinik zu Gießen. Eine andere Frau Der* letzte sich mit der Hacke leichl. Auch hierdurch entstand Blutvergiftung. Die Frau schwebt noch in Lebensgefahr.
§§ Vom Vogelsberg, 17. Aug. Nachdem das Heer der Mäuse und Hamsterratten im Kornfelde gehaust, hat es sich nun nach dem Wegsahren des Korns in die anderen Getreidefelder gezogen und richtet hierin großen Schaden an. In welcher Unmenge diese Nager auftreten, erhellt daraus, daß tarnte arbeitet ihre Kleider, deren sie sich entlebigt, abends beim Anziehen zernagt und zerbissen fanden. Anderen hatten sie das Vesperbrot angenagt. Aus den heimgefahrenen Garben springen oft die Mäuse noch dutzendweise beim Abladen. Am schlimmsten werden die Getreideäcker in der Nähe der Wälder heimgesucht. Auch in den Kcnckoffelfeldem beginnt das Nagerheer seine Zerstörungs- arbeit. Ein Vemich-tungskampf gegen diese Plage scheint für den Herbst unumgänglich zu werden.
Friedberg, 17. August. Der Großherzog wird am 22. August hier eintreffen, um das Schloß zu besichtigen. Am 23. reist er wieder nach Wolfsgarten zurück, wo am gleichen Tage die Zarenfamllie eintreffen wird. Am 25. August werden dann die beiden fürstlichen Famtlieu hierherkommen. Die neuen Beleuchtungsanlagen, die auf Kosten der Stadt eingerichtet wurden, find nahezu vollendet. Das Schloß ist bis auf die innere Einrichtung fertig* /»^gestellt, zu der fast täglich Möbelsendungen hier ankommen. Äe 70 Uhren im Schlosse, unter denen sich alte prächtige Stücke französischer Herkunft beftnden, wurden nachgesehen. Au chder St. Georges-Brunnen hat ein neues Kleid bekommen, und auch der alte schmiedeeiserne Brunnen* trog, ein herrliches Wert, wurde jetzt gereinigt und erhält auch sein Plätzchen an der Sonne. Der Hirschgraben ist durch gewaltige Stacheldrahtgeflechte gesichert. Die Bürgersck-aft auf der Kaiser- und Franffurterstraße wird an den Allee-Bäumen Draht spannen, woran bunte Papierlaternen befestigt werden, dfe Mittwochs und Sonntags brennen sollen.
Aus der Wetterau, 17. Aug. Der Feldarbeiter Konrad Gräf in Dauernheim stürzte von einem hochbeladenen Getreidewagen und blieb mit gebrochenem Genick tot liegen. — Zum Anschluß an das Lißberger Elektrizitätswerk haben sich bis jetzt allein schon aus dem Kreise Büdingen 25 Gemeinden gemeldft und 200 000 Mark Aktien gezeichnet. — Sein 50jähriges Amtsjubiläum beging der Gemrinde- rechner Hofmann zu B o d e n r o d. Zahlreiche Auszeichnungen von Behörde und Gemeiride wurden dem jetzt 80 jährigen Mannc zuteil. — Das gestrige Gewitter hat vielfach Schaden verursacht. In Nieder-Bessingen wurde die Sck)eune des Landwirts G. Stein dmch Blitzschlag eingeäschert; in Pohl- Göns brannte die Schnme des Anton Will ab.
§ Aus dem oberen Ohmtal, 17. Aug. Zwei Tiere kommen in diesem Sommer in unserer Gegend vor, in ber sie seither nicht beobachtet worden sind, die Kreuzotter und der Hamster. Ein Fortschreiten gewisser Tierllassen, d. b ein Wandern in andere Gegenden, ist von der Wissenschaft allerdings festgestellt worden, immerhin bleibt dasselbe bemerkenswert. Als Schreiber dieses die erste Mitteilung von dem Vorkommen der Kreuzotter in inifcrem Tale erhielt, bezweifelte er die Richtigkeit, allein die Beschreibung der gesehenen Otter ließ alle Zweifel schwinden (?). Der Hamster tritt wohl nur vereinzelt neben seiner Dertvandten, der Hamstermaus, auf, aber früher kam er überhaupt hier nicht vor.
rm. Darmstadt, 17. August. Die betagte Lehrerin i. P. Elise Ne ßlin g wurde heute früh tot vor ihrem Bette aufgefunden. Ein Schlaganfall bat ihrem Leben ein Emde bereitet. '
ch. Bingen, 17. Aug. Die Versuche der Larcdwirtschafts- fautntcr für Rheinhessen, in der Lage Morschfeld unfern OH' marknng den Heu- und Smienvunn -ut bekämpfen, hatten einen guten Erfolg. In den Weinbergen wurden 80 Motten lampen und 60 Flicgengläser ausgestellt und aufgchänch, ferner mmiV die Lage von durchschnittlich 70 Schullmdent mit Leumächun zwölf mal abgesucht. Dabei wurden 30 000 Mmten gefangen Der erste Fang brachte 18 000 Motten, so daß also insw'samt m der einen Lage 48 000 Motten des Heu- und Siuenwaur» ge- fanacu. werden sinü Das Ergebnis tont fteüich jn bew Jahre


