hing de- Hessisch-Nassauischen Zweigvereins der Gesellschaft für soziale Reform statt, in der Beigeordneter Ncgiernngsrat Dominicas auS Straßburg einen Vortrag über ,5)ic Arbeitslosenversicherung^ halten wird.
** Vom Alldeutschen Verbund schreibt man uns: An den Freitag, 18. Febr., in Steins Garten statt- findcnden Vortrag des Professors Sch Wally über die j u n g t ü r k i s ch e Bewegung wird sich e nc Vorführung farbiger Lichtbilder anschließen. Die armenische Reihe derselben ist aus einer Hilfsexpedition des deutschen Hilfsbundes für christliches Liedeswerk in Armenien in den Jahren der Christenvcrsolgungeu 1825—1898 ausgenommen: eine zweite Reihe wird Land und Leute Palästinas zur Anschauung bringen. Es wird wohl vielen willkommen sein, die aus der biblischen Geschichte bekannten Stätten des heiligen Landes im .Bilde, so wie sic sich jetzt darstellen, kennen zu lernen.
** Vortrag. Auf Anregung der „Freunde der christlichen Welt" (Herausgeber Prof. Rade) wird am Dienstag, 22. d. M., Seminardirektor D. Eger aus Friedberg hier sprechen über „Theologische Wissenschaft und Volksfrömmiakei t".
** D as Christ entu m b ei den Na tu r v ö l ke rir Zu dem am Donnerstag abend im großen Höriaal der Universität stattsindenden Vortrag des Herrn Missionar Gsell über „das Christentum unter den Naturvölkern" sei mitgeteilt, daß die Vorträge des Herrn Gsell in weiteren Kreisen sehr geschätzt werden. So war er in Frankfurt von der angesehenen Anthropologischen Gesellschaft zu einem Vortrag gebeten. Ebenso hat er vor Kurzem dort im großen Saale der Loge zur Einigkeit vor einer großen geladenen Gesellschaft geredet. Das Arbeitsgebiet unserer Basler Mission aus der Goldküste, auf der Herr Gsell tätig war, umfaßt ja auch unsere wichtige und ertragreichste Kolonie Togo.
**■ Der Evangelische Bund veranstaltete am Sonntag einen sehr gut besuchten Vortragsabend. Es sprach Pastor Mahler aus Ostrowo i. Posen über „Ein evangelisches Licb'cswerk an deutsch-russischen Rückwanderern in der Ostmark". Der Vortragende zeigte seinen Zuhörern einerseits die Not, die über die zwei Millionen evangelischen Deutschen, die zu verschiedenen Zeiten nach Rußland (Ostseeprovinzen, Russisch-Polen, Wolgagebiet und Kaukasus) ausgewandert, infolge des russisch-japanischen Krieges und der im Zusammenhang damit stehenden russischen Revolution gekommen ist, andererseits die Hilfe, die die Stammes- und Glaubensgenossen ihren bedrängten Brüdern gewährt haben und iwch gewähren müßen. Während dir kerndeutschen Balten trotz der harten Bedrängnis von den Esten und Letten im Jahre 1905 in den Ostseeprvvinzen auäharren unb sich ans den Wolgakolonien deut:che Arbeiter holen, macht sich unter dem Druck der Notstände und infolge der fast völlig rechtlosen Sage der Deutschen in Rußland eine Rückwanderung der,elben bemerkbar. Da durch die Abwanderung vieler Deutscher auS Rußland nach Amerika (Kanada und Argentinien) viel deutsche Kraft dem deutschen Volk verloren ging, genügte nicht der im Jahre 1905 in Berlin ins Leben gerufene „Hilss- ausschuß zur Unterstützung der notleidenden Deutschen in Rußland". Der weitausschauende Pfarrer Rosenberg, der als Pfarrer an den Kolonisten-Gemeinden in Russisch - Polen mit eigenen Augen gesehen hat, wie der Deutsche in der zweiten Generation gewöhnlich sein Deutschtum aujgiebt und Pole wird und in der dritten Generation zur katholischen Kirche übergeht, wanderte mit seinen sieben Kindern, obgleich sich um mehr als die Hälfte in seinem Einkommen verschlechternd, von Russisch- Polen nach der Ostmark aus und erließ im August 1905 einen Aufruf „zur Gnmdung eines Hilfskomitees zur Rückwanderung", dessen Ausgabe es fein sollte, die 1 -_> Millionen evang. Deutscher in Russisch-Polen ins Deutsche Reich bezw. in die deutschen Kolonien zu ziehen, zumal, da wir in Deutschland 5 000 000 Arbeiter auS Galizien, Russisch-Polen usw. jährlich beschäftigen, welche jährlich zirka 50 Millionen Mark an Löhnen und Ersparnissen aus Deutschland ausführen. Greifbare Gestalt gewannen die Pläne des „Hilfskomitees zur Rückwanderung" in der im April 1906 gegründeten „Deutschen Kleinsiedlungs-Genossenschaft" (e. G. in. b. H.), die weniger bemittelte deutsch-russische Rückwanderer, sowie überhaupt deutsche Landarbeiter in der Ostmark ans kleinen Landparzellen unter Aussicht der Königlichen Generalkommission in Brom berg ansiedelt. Bisher sind über 8700 Deutsch- Russen aus diese Weise in der Ostmark festgehalten worden. Diese verteilen sich auf 15 Kolonien, zu deren Errichtung 482 Hektar aufgekauft worden sind. Verkauft sind bisher 146 Rentenstellen für eine Million Mark. Unter den Erwerbern dieser Rentenstellen befinden sich auch zahlreiche Industriearbeiter aus dem Westen und einige aus Württemberg, die die günstige Gelegenheit ergriffen haben und an ihrem neuen Wohnsitz gut vorwärts kommen. Da die Genoßenschast, die am 1. Oktober d. I. 605 Mitglieder aus allen Teilen Deutschlands mit 853 Anteilen zählt, ihr Kapital nur langsam aus den Verkäufen zurückhält und doch infolge des überraschend günstigen Verlaufs ihrer Arbeit zu lueiterm Länderaufkanf über stößige Geldmittel verfügen muß, bittet sie um Beitritt zur „Deutschen Kleinsiedlungs-Genossenschaft", fei es durch U'bernahme eines Anteils von 300 Mk., die auch in zehnjährigen Raten gezahlt werden können, ober einer Schuldverschreibung von 50, 500 oder 1000 Mk. Das angelegte Kapital wird mit 4 Proz. verzinst. Die Sicherheit ist durch die in Grundbesitz und Gebäuden festgelegten Werte garantiert. Wer also Geld anlegen kann, versäume nicht, dieses Liebeswerk, das zum Wohle unglücklicher Volksgenossen und zum .Heile des Vaterlandes geschieht, tatkräftig zu unterstützen. — Für die klaren Ausführungen, die besonders den scharfen Kontrast zwischen dem einigen, geschlossenen, starken Polentum und dem zersplitterten beutj'd}en Volkstum hervorkehrten und die Augen für eine große Volksgefahr im Osten unseres Reiches öffneten, wurde dem Vortragenden reicher Beifall gezollt. — Umrahmt war der Vortrag von muäkalischen Darbietungen. Tie Lieder des Damen- Qn artett's, aus Mitgliedern des Evang. Kirchengesangvereins, wurden ebenso dankbar und beifällig ausgenommen, wie die Klaoier- unb Violin,ott von sind. phil. Seel und sttid. Math. Otto, standen doch Gesang- und Instrumental-Vorträge auf beachtenswertester Höhe.
** K o uferen z der hessischen Bergwerks- betet c b s l e i t c r. Vm einer gut besuchten Versammlung sprach am 12. d. Mts int Hörsaal des mineralogischen Instituts der Landesuniversität zu Gießen Stieringemeur Dr. Hanfs- flcitgc i über „N eucrungen in Transport- und Verla d e e i n r i :l. tu n g . n s ü r E r z e". An Hand zahlreicher Licht- bilder erläuterte Vortragende die modernen Konstruktionen, die dem Massentransvort auf kurze und mittlere Entfernungen mit und ohne Niveauunterschiede dienen. Das roef entlüfte aller dieser Anlagen ist die Verbilligung der Transport tosten, selbst bei verhältnismäßig hohen Anlagebosten, infolge der Massen.eistung, die der mer;-anifdjc Antrieb ermöglicht. Tie Anwendungsgebiete der verfck iedenen Arten mechanischer Transportmittel jinb-ett in den SelbstlostensätzLN für die Rtengeneinheit prattisch ihre Grenzen, derart, daß jede Transportart ihr unbestrittenes Anwendungsgebiet, hat. Sv ist die. Wirtschaftlich leit des Eisenbahntransports Tür weite Entfernungen von beit übrigen mechanischen Transportmitteln bisher nickt erreicht worden. Ans kurze Entfernungen stellt sich die Drahtseilbahn für Massenbewegung erheblich günstiger, auf nahe Entfernungen endlich ist die E le k t r o h ä n g e - bahn auch ihr überlegen, besonders buref, eine Anpassungsfähigkeit an räumlich intgünfugc Verhältnisse, die mit anderen mechanisit/en Transportmitteln nick-, in gleichem Grade zu erreichen ist. Der Eleklrohäng-.balm widmete der Vortragende deshalb einen erheblichen Teil seines Vortrags und er brachte mit ben Bildern aus- gesührtLr Anlagen und sck einatischen Darstellungen ben überzeugenden Nack weis ton ihrer Leistnngsiähigkeit. Daß, es fick batet nicht um theorelisck.. Vorzüge hand.lt, erweist die große Zahl der Anlagen, die die Firma Ad. Bleichert u. Co. in Leipzig, die der Vortragende vertritt, sck>n gebaut Hai. Leo Hafter Bestall dankte- d-em Redner für fernen l.-hrrrichen, mehr als cinftünbigen Vortrag. — Im Anschluß hieran wurde im Hotel Vietoria die übliche
Literatttrüberlicht aus den Fachzeitschrift.-n gegeben. Die nächste Konferenz wird am 9. April in Friedberg gehalten werden.
** Gabelsberger Geburtstagsfeier. (Verspätet cinge^angrn.) Der Gabelsb.rger Stenographen- Verein unb der Dame rt per ein Gabelsberge r ver- sainmclten ihre Mitglieder am Donnerstag,' 10. d. M., int unteren Saale des Eafe Ebel zur Begehung des Geburtstages Gabelsbcrgers. Nach einer Begrüßungsansprache feierte der zweite Vorsitzende Meister Babelsberger als den Begründer der deutschen Kurzschrift und nnes auf deren Bedeutung hin. Anschließend folgte ein Fcstvortrag des Lehrers Zicprecht über „eine Reise nach den Fjorden o r to e g e n s". An Hand zahlreicher gut ausgeführter Lichtbilder verstand es der Vortragende, den mir sichtlichem Interesse folgenden Hörern ein getreues Bild des von ihm bereisten überaus reizvollen nordischen Landes und seiner Bewohner zu geben.
** Das Arbeits-Jubiläum feiert am 16. d. Mts. Herr Christoph Hahn, Schiffenberber Weg 69. Er ist ununterbrochen seit 30 Jahren im Hause Tribus & Sundheim tätig. Die lange Dauer dieses Dienstverhältnisses zeugt für das beste Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
** Für bic Lesehalle. Wie bekannt, veranstaltet Frau A. .Bering-Locarno in Gießen am Donnerstag, 17. Februar, einen Re z i t a t i o n s a b e n d , bei dem Werke von Heinrich von Stein zum Vortrag gelangen, lieber den gleichen, von Frau B. schon in einigen andern Städten veranstalteten Abend liegen uns nun einige Berichte vor. So schreibt z. B. die „Wei- marische Zeitung": „Dann las sie dramat. Szenen aus seinen Werken. Dabei entwickelte sich die Vortragskunst von Frau Bering auf das schönste. Ohne eine theatralische Bewegung der Glieder, nur mit dem Ausdruck ihres höchst charakteristtschen Kopses und der Modulattvn des schönen, tiefen, weichen Organs wußte sie die Hörer zu fesseln, zu packen, zu rühren und das Vorgettagene eindringlicher zu gestalten. Manchmal schien die kleine Gestalt zu wachsen, die Augen leuchteten und um den Mund sprach sich icbc Empfindung aus." Ferner: „Frau Bering besitzt ein schönes, angenehmes Organ und ihre hohe dramatische Begabung befähigt sie, ihren Darbietungen und den darin enthaltenen Gestalten und Dingen Leben und Bewegung einzuhauchen."
.— Hausen b. Gieren, 14. ^ebr. Am Sonntag hielt der E v a n g. B u n d hier seinen 2. F a m i l i e n a b e n d ab, der einen sehr schönen Verlauf nahm. Der Vortrag von Psarr- assiftent H a n st e i n aus Gießen über „I n n e r e M i s s i o n" mit Lichtbildern wird den zahlreich erschienenen Zuhörern noch lange unvergessen bleiben.
-l. G a r b e n t e i ch, 14. Febr. Am Samstag abend hielt der G e s a n g v e r e i n V i k t o r i a seinen Familienabend verbunden mit Theater, Gesang und Tanz ab. Der Vorsitzende Wilh. Happel eröffnete die Feier und hieß alle herzlich willkommen. Schriftführer Mohr schilderte den Verlaus des Vereins vom vergangenen Jahre. Die Theaterstücke endigten mit einem lebenden Bild „Das Zigeuneriind", das sehr großen Beifall fand. Dann hob Lehrer Völsing den Gesang besonders hervor und brachte dem Dirigenten Harnisch und dem Verein ein Hoch aus. Zum Schluß übergab der Schriftführer Mohr dem Dirigenten ein Diplom, das der Verein in Grüfenhaufen bei Darmstadt errang.
X Nidda, 12. Febr. Heute wurde unter großer Beteiligung einer unserer besten Bürger zur Erde bestattet, Herr Heinr. Lehr VII. Er hatte ein Alter von 75 Jahren erreicht. 60 Jahre lang war er als Schriftsetzer in der Buchdruckern von L. ClooS hier beschäftigt und wiederholt gefeiert worden. Er gehörte dem Vorstand des Turnvereins lange Jahre an, weshalb ihm auch der Verein die letzte Ehre erwies. Ebenso war er lange Jahre Mitglied der Kirchengememde-Vertretung lind als solches stets eifrig für kirchliche Angelegenheiten interessiert. — Die Unterführungen an unserer Bahnstation sind fertiggestellt und ist dadurch einem lange gehegten Bedürfnis abgeholfen. Die Ueberdachnng der Aufgänge wird alsbald in Angriff genommen werden. Der Verkehr auf unserer Station hebt sich täglich; besonders zahlreiche Ausflügler nach dem Vogelsberg passieren sie bei einigermaßen günstiger Witterung.
O Lau b a ch, 13. Febr. Gestern abend sand ein Vortrag des Lehrers Kayser auS Groß-Zimmern aus Veranlassung des Gewerbevereins statt. Der Vortrag war leider nicht so zahlreich besucht, wie er es verdient hätte; anscheinend war der Besuch durch die Fastnachtswoche, in die auch noch der Maluritälslommers )icl, ungünstig beeinflußt worden. Herr Kayser verstand es, in allgemein verständlicher Weise die Zuhörer zu fesseln. Einleitend wurden die magischen Wirkungen der elektrischen Hochfrequenzströmc von sehr hoher Spannung gezeigt, dann folgten die prächtigen Lichterscheinungen in luKoerdünnten, sogenannten Geißler- schen Röhren, auch das von dem Ungar (jetzigen Amerikaner) Tesla erfundene Tcslalicht und zum Schluß dann die geheimnisvollen Röntgenstrahlen mit praittschen Durchleuchtungen wurden demonstriert und nut großer Einrichtung gezeigt. Eine wahre Wunderwelt bekam man zu sehen.
O Hohensolms, 14. Febr. In stark besuchter Versammlung wurde angeregt, die Fahrpost Wetzlar- Hohensolms aufzulösen und ihr Anschluß an die Bahn Herborn-Gladenbach nach Station Bischoffen zu geben. Es wäre dadurch möglich, auch für die größeren Gemeinden Erda, Niederweidvach, Altenkirchen usf. den Paketverkehr zu erleichtern. Dagegen könnte Blasbach an die neu errichtete Postyilfsftelle Hermannstein angejchlofien werden.
* Was kostet das gesprochene Wort im Reichstag? Natürlich kann sich diese Frage, so plaudert ein Mitarbeiter der „N. G. C.", nur aufjnc mehr oder minder gewichtigen Worte beziehen, die von der Trivüne des Reichstages aus im Sitzungsiaale ge>puschen werden. Ihre finanziellen Wirkungen aus die Berbülweten Regierungen bei Ersillumg von geäußerten Wünschen sollen hier auch niajt berechnet werden, sondern nur die Kosten, die es erfordert, die weisheüssck-weren Äußerungen unserer Reichsboten für die Nackstvelt festzuhaltcn. In diesem Falle bedeutet das Reden Gold, d. h. es sind gewaltige Summen nötig. Ein ganzer Stab von Stenoguaiphen mit Hilfskräften' aller Art ist bereit, die Reden der Abgeordneten wortgetreu den kommenden Geschlechtern zu übermitteln. Dieses Aufgebot kostet mit allen technischen Bedürfnissen jährlich rund 600 000 Mark. Im Jahre finben nun nach ber^Uebung der letzten Zeit etwa 150 bis 175 Plenarsitzungen statt. Jede Sitzung erfordert mithin ungefähr einen zlostenaupvand von 3500 Mk. In der Regel dauert )üld) eine Sitzung 5—6 Stunden, so daß. man die Kosten für eint Rejchstagsfttutde etwa auf 600 Mark veranschlagen kann. Eine Minute 3tc betätigtet! im Reichs hause lostet uns mit Inn zehn Mark. Nun kann man annehmen, daß. in der Minute im Mittel 200 Silben gesprochen werden. Rechnet man <us Durchschnitt das Wort zu zwei Silben, so lostet ;edes von der Reichstagsttibüne gtlpwchene Wort bare zehn Pfennig. Die langen Reden mancher Abgeordneten, bic allzu,ehr mitteilsam sind, zwingen also das Reich, einen recht hübi a, en Batzen auszugeben. — Noch teurer sind übrigens die Worte, bie im preusstuacn Herreuhause gesprochen werden. Dort kostet der stemigraphi!ck)e Betrieb rund 80 000 Mark. Da aber jährlich nur etwa 20 Sitzungen stattfinden, er
fordert eine Sitzung 4000 Mar^ Kosten. In der preußischen Pairskammcr sind aber auch die Sitzungen erheblich kürzer. Sic dauern durchschnittlich nicht länger als vier Stundeir. Ein Wort kommt bann nach der vorigen Art der Berechnung auf etwa 16' -■ Pfennig zu stehen. Das gesprochene Wort im preußischen Herr en Hause ist also noch erheblich „wertvoller" als das im Reichstage.
v Der Kinern atograph als Mittel zur Deut scheu Hetze. Das Kinematograpl)entHeater hat fick in kurzer Zeit bic Welt erobert. Bei der Vorliebe breiter Volksmassen und zumal der Jugend für feine Vorführungen kann es einen uh gehen reu Einfluß im guten wie schlimmen ausübeu. Auch in Deutschland schießen bic „Kinemas" wie Pilze aus dem Boden. Ein Blick auf ihre Ankündigungen unb Auslagen zeigt, daß unter den porgeführteu Films das französische Fabrikat vorherrscht, und zwar ist es die französische Firma Paths, bic auch in Berlin eine Niederlassung besitzt, und die, wie es scheint, ein Weltmouopol auf diesem Gebiete anftrebt. Die deutsche Oesfeutlickr feit muß; daraus hiugewiesen werden, daß diese Firma auf der ganzen Welt durch ihre Films eine systematische Teutschenbehe betreibt. Wie die „Mitteilungen des Vereins für das Deutsch tum im Ausland" verbreiten, ist in der Berliner „Internationalen Film- und Kiuematographeuiudustric", einem angesehenen Aach- dl all, ein geradezu erbrückendes Beweismaterial nach dieser Snte hin gegen Paths zusammeugetragen. Danach liefert diese Firma in alle außerdeutscheu Länder Films, bic durch Darstellung frei- erfundener Brutalitäten, ja Bestialitateu beutidjci Soldaten aus dem Kriege von 1870/71 die Zuschauer gegen Deutschland verhetzen. Solche Vorführungen würben gemeldet aus Antwerpen, wo bic deutsche Wochenzeituug für die Niederlande unb Belgien bitteren Protest erhob unb, aber wohl vergeblich, das Eingreifen der Behörden forderte, aus Neapel, asts Smyrna, aus Odessa, aus Kairo, aus Rom, Petersburg unb Konstantinopel, wo die Darbietungen einen so ekelhaft gehässigen Charakter trugen, daß sich die bortige französische Kolonie selbst bic weitere Vorführung verbat! Wie systematisch die Verhetzung betrieben wird, zeigt unter anderem die auch für die internationale polnische Propaganda bezeichnende Vorführung von freierfunbenen Szenen aus dem Wreschener Schulstreik. Man soll ben Einfluß derartiger Hetzereien auf die politischen, kulturellen unb wirtschaftlichen Beziehungen der Völker nicht unter-- schätzen. Die deutschen amtlichen Vertretungen unb bie deutschen Kolonien im Ausland haben allen Anlaß, diese Dinge zu kontrollieren und durch geeignete Schritte ihnen entgegenjuarbeiten. Der Firma Paths sollte vor allem gründlich klar gemacht werden, daß man nicht gleichzeitig in Berlin fein Geschäft betreiben, seine Haupteinnahmen aus Deutschlaitb ziehen und außerhalb der deutschen Grenzpfähle Dentschk^lhetze betreiben darf.
* Ländlich. Tourist: „Was soll die alte Zeitung lster auf dem Teller ?" — Dorf wirt: „Tas ist doch die Papier- fervictte."
* Von der Schmiere. „Derr Direktor, ich bitte um fünf Mark Vorschuß." — „Ja, Mensch, was fällt Ihnen ein; wollen Sie etwa ein neues Theater gründen?"
Literarisches.
— B i s nr a r ck. Sein Leben und Lebenswerk. Nach feinen Brieten, Aufzeichnungen und Reben geschildert von Paul Hage. Verlag von P. Hobbing in Darmstadt. In drei Haupt- Ubschnitlen: 1. Bismarcks Lebensgang, 2. Bismarcks Persönlichkeit, 3. Bismarcks Lebeiiswerk, wird der Beriasser dem großen üliaune von allen Seiten gerecht. Was er darbietet, ist aber nicht nur ein vielseitiges, sondern auch em lebenswahres und fesselndes Bild. Seme ganze Schilderung ist belebt durch Auszüge ans Bismarcks meislcrlichem Briefwechsel, seinen Aufzeichnungen und Reden; kurze geschichtliche Tarstellungen bilden den zeitgemäßen Rahmen, in dem das Wirken Bismarcks erscheint. Flotter Stil und freimütiger, patriotischer Geist zeichnen bie Darstellung aus. Tas; der Verfasser auch die von vielen Seiten behutsam umgangene Entlassung Bismarcks quellengetreu darstellt, fei nebenher erwähnt.
TeMomscke Kurs^spichte
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und IndustrieV'Giessen.
Frankfurter Börse, 14. Februar, 1.15 Uhr.
3'/»°/o Reichsanleihe .u. ..
3°/ - • do. . ------
3'/,0/o Konsols -5 -. / . :.
3°/„ - do. •
3'/,"/„ Hessen .EI'. ».
3*/,°ln Oberhessen - . ..
4°/0 Oesterr. Goldrente .
Oesterr. Silberrente.
4UO Ungar. Goldrente
4C 0 Italien. Rente . .
3°/0 Portugiesen Serie I '.' 30/0 Portugiesen „III . 4'/,% russ. Staatsaul. 1905 4‘/.0/o Japan. Staatsanleihe 4°/0 Conv.Türken von 1903 Türkenlose . . . . •». r.
94-10 L5.25 94.20 85.30 9345 91.80 100 25
09.00 95.70
64.75 66.00
100 00 98.20
94.80
179.60
4°/0 Griech. Monopol-Anl. . 47.00 4°/0 äussere Argentinier ,. 91.70 3°/0 Mexikaner . .. ... ... 69.10 4‘/i% Chinesen . ■ '. 100.05
• Aktien
Bochum Guss . ... ...«r.^7 245.40 Buderus E. W. *. Hb.25
Elektriz. Lahmeyer . . . Elektri?. S<*huckert . . . Eschweiler Bergwerk . :■. Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg - Amerik. Paketf. Harpener Bergwerk Laurabütte ........
Nordd. Lloyd .
Obcrachles. Eisen-Industrie Berliner Handelsges. < . . Darmstädter Bank . ... Deutsche Bank . . . . Deutsch - Asiat. Bank . . Diskonto - Kommandit .-. Dresdner Bank . . .
Kreditaktien . . . .
Baltimore- und Ohio- -ja5
Eisenbahn . f.
Gotthardbahn . . .
Lombard. Eisenbahn.. f-. Oesterr. Staatsbahn .
Prince - Henri - Eisenbahn ?.
Tendenz fest.
107.20
135.b0
206.25
-16.30
136.30
206.30
185.50
104.20
109.00
183.20
137.70
258.80
157.50
1V7.60
167 00
212.60
114.30
‘.8*70
162.75
135.00
Berliner Börse, 14, Februar. A.nfau»s'cir«.
Canada E. B......182.09
Darmstädter Bank ... . 137.70 Deutsche Bank .... 258.96 Dortmunder-Union C.v. . 91.60 Dresdner Bank . 167.00
Tendenz: fest.
Harpener Bergwerk . . . —•— Laurabütte..... 186.50
Lombarden E. B. . _. . . f. 22.70 Nordd. Lloj-d... . f. - . -. 104.40 Türkeulvsc 179.20
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