160. Jahrgang
Zweites Blatt
Dienstag LF.J-ebrnar 1810
Nr. 38
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Idm
Damit ist ein seit Jahren gehegter
später abfahren.
Wunsch verwirklicht worden, der nicht nur dem Vogelsberg, sondern allen beteiligten Kreisen zu gute kommt und jeden- falls auch auf die Einnahmen der Eisenbahn einen günstigen Einfluß ausüben wird.
*’ Der Verband Hessischer Privat-Architekten teilt mit, daß er vom 22. Februar bis 28. März dss. Js. in der Großh. Zentralstelle für die Gewerbe in Darmstadt, Neckarstraße 3, eine Ausstellung von Entwürfen und Photographien ausgeführter Pcivatbauten, Innenausstattungen rc., Perspektiven und Modelle von Kauf- und Landhäusern, vollständig ausgebauten Zimmern, kunstgewerblichen Gegenständen und Grabdenkmälern veranstalten wird.
** Gesellschaft für soziale Reform. Samstag, 19. Februar, findet in Frankfurt a. M. (Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften) eine öffentliche Versamm-
Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen Universiläts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Dienstag toutk '.Hos nach i>w : (Summiidmi rl. Finder ww qeg. öclobnurs
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion:«^ 112. Test-Adr.: AnzeigerGießen.
berufen, daß diese Einwirkung sich in dem auch von den Nationalliberalen gebilligten Rahmen der besonderen Stellung der ostmärkischen Beamten vollzogen habe. Herr von Moltke führte il a. aus:
Der deutsche Wahlverein im Wahlkreise Czernikow-Filehne trat nach dem Tode des Abg. Zindler zur Vorberatung über eine Neukandidatur zusammen. Dieser Wahlverein ist schon im Jahre 1902 aus Konservativen, Freikonscrvativen und Nationalliberalen gebildet. Im § 7 der Satzung dieses Vereins heißt es: Die Generalversammlung der sämtlichen Vereinsmitglieder hat nicht nur über innere Vereinsangelegenheiten, sondern auch über die Kandidaturen über die Parlamentär i,ck)e Vertretung und über das Zusammengehen mit anderen Wahlvereinen endgültig zu beschließen. Weitere Verhandlungen führten dazu, einem sreikonser- vativen Landgerichtspräsidenlen das Mandat anzubicten, für den auch die Stimmen der Freisinnigen in Aussicht gestellt waren. Dieser hat indessen das Mandat ausgeschlagen. Gleichzeitig erschien aber die Resormpartei int Wahlkreis auf dem Plan und stellte einen eigenen Kandidaten auf, und nun stellte die Mitgliederversammlung des Wahlkreises ihrerseits einen Gutsbesitzer auf. Gymnasialdirektor Braun und Kreisschulinspektor Funck verlangten vergeblich Abtretung des Reichstags- oder eines Landtagsmandats an die nationalliberale Partei. Die Genannten und der ebenfalls wiederholt von dem Herrn Vorredner bezeichnete Postdirektor aus Schneidemühl nebst einer Anzahl anderer Beamter sägten sich dem Beschlug der Generalversa.mmlung nicht und grünte.en einen selbständigen nationalliberalen Verein. (Hört! Hört!) ©ie' stützten sich dabei in erster Linie auf die Beamtenschaft. Unter den 84 Unterschriften dieses Aufrilses beianöen sich nickst weniger als 52 Namen von Beamten, größtenteils unter Bezeichnung des Amislltels. Die WahlbetänntmackMig wurde vom Gymnasial- direltor Braun und Postdirektor Funck sowie anderen Beamten mit dem Amtstitel gezeichnet, was nach parlamentariscl-en Gepflogenheiten als Wahlbeeinflussung gilt. (Unruhe bei bett Natl.) Der Erwlg ist ja bekannt, der Kandidat des deutschen Wahlvereins lam in die Stichwahl gegen den Polen. Die Folge der national liberalen Sonderkandidatur ist gewesen, daß der deutsche Wahlverein im Kreise znnäa-st für die Zell der Wahl ausgeschaltet wurde und damit das Bond zerrissen wurde, das gerade im kritischen Moment die im Kampf gegen die Polen eng verbündeten deutschen Parteien hier wie in ü.eien anderen Wahlkreisen der Provinz Polen zusammenhalten sollte. (Hört! Hört! rechts.) Dadurch ist in der Tat der nationale Besitzstand gefährdet worden. (Sehr richtig! rechts. — Oho! bei den Natl.) Nun zu dem Verhalten der politischen Beamten. Die ganz verworrene Sachlage gab dem Oberpräsidenten Anlaß, den Reg.erungsrat Daniel, übrigens Vorstandsm.tglied des nationalliberalen Vereins, zu ver- anlaisen, die Angelegenheit mit dem Gymnasialdirektor Braun in Schneidemühl zu besprechen. Regierungsrat Daniel wies den Gym"uasialdtrektor daraus hin, daß die nationalliberale. Kandidatur doch keinen anderen Erfolg ljahen könne, als den, die Aussichten der Polen auf den Wahlkreis zu verstärken. (Sehr richtig! rechts.) Von einem Druck auf die Wahlfreiheit, den der Herr Vorredner behauptete, ist dabei keine Rede gewesen. Regierungsrat Daniel hat ausdrücklich betont, daß den Beamten aus der Zugehörigkeit zur nat.oualliberalen Partei fein Vorwurf gemacht wird. Gym- nasialdirettor Braun stimmte schließlich den Ausführungen des Rcgierungsrats Daniel zu und erklärte sich bereit, in diesem Sinne mit seinen politischen Freunden zu sprechen. Als er aber nicht lange darauf wiederum für die Sonderkandidatur öffentlich austrat, bat ihn der.Oberpräsident zu sich, um ihm seine Be- denken nochmals ans Herz zu legen. Von irgenb einer Drangsalierung ist bei dieser Gelegenheit keine Rede gewesen. Als weller durck) das Verhalten der Beamten die deutsche Wählerschaft zersplittert wurde, hat der Regierungspräsident in Bvomberg dem genannten Kreisschulinspektvr Nugel eröffnet, daß es ihm gewiß vollständig überlassen sei, ob er ben nationalliberalen Kandidaten, wählen wolle oder nicht, daß aber durch sein agitatorisches Auftreten die Mahl des deutsckjen Abgeordneten in Frage gestellt wird. In einem Schreiben vom 15. August hat der Oberpräsident den Oberpostdirektor Funck auf den Zwiespalt im deutschen Lager hingewiesen und ihm anheimgegeben, die Beamten bei geeigneter Gelegenheit auf die Notwendigkeit eines einheitlichen Zusammenstehens der Deutschen in der Provinz Posen hinzumc.sen.
Ein Gymnasialprosessor, den der Herr Vorredner genannt hat, aus Schneidemühl, ist am 1. April 1909, also Hs Jahr nach der Reichstagswahl, von Schneidemühl versetzt worden. Die Versetzung war aus innerdienstlichen Gründen erfolgt. Der Betreffende war
21 us Stadt und Land.
Gießen, 15. Februar 1910.
** Von der Landes-Universität. Die philosophische Fakultät der Landes-Universität hat dem Professor Dr. Armin Schäfed in Darmstadt, der am 13. d. M. sein goldenes Dottorjubiläum beging, aus diesem Anlaß das Diplom erneuert.
**WichtigeVerkehrsverbesserungmitSchotten. Seither hatte der Frühzug von Gießen nach Nidda keinen Anschluß nach Schotten, da der entsprechende Zug in Nidda vor Ankunft des Gießener Zuges abging. Es war deshalb nicht möglich, Schotten vor 10.20 Uhr zu erreichen, wodurch viele Naturfreunde davon abstanden, den Vogelsberg zu be- snchen. Aber auch im allgemeinen Verkehr wurde dieser Zustand seit Jahren bedauert. Da nun der Vogelsberg auch ein ausgezeichnetes Schneeschuhgelände ist, hat sich der Schiklub Wintersport in Gießen in einem von den meisten hiesigen Tourislenvereinen unterzeichneten Gesuch an die Eisenbahndirektion gewandt und um Verlegung des Niddaer Frühznges gebeten. Daraufhin lief der Bescheid ein, daß die Züge 1081 und 1084 vom 20, d. Mts. ab 34 bezw. 16 Mm. später gelegt werden. Der Zug 1081 wird von dem angegebenen Tage ab den Anschluß vom Zuge 504 (Nidda an 6.50 vorm.) aufnehmen und Nidda um 6.54 vorm. verlassen; Ankunft in Schotten 7.38 vorm. Der Ziig 1084 fährt alsdann 7.46 vorm. von Schotten ab und trifft 8.30 vorm. in Nidda ein. Zur Sicherstellung des Anschlusses an Zug 503 nach Gießen wird dieser 2 Minuten
Tie „Gießener ZamilienblStter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das „Krcisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit fragen" erscheinen monatlich zweimal.
— Hinter de n Kuli s s e n be i m „E h an t e cl e r". Eine interessante Schilderung der Aühnengeräusche, mit denen der berühmte Prolog zu „Chantecler" begleitet toirD, den Jean Loquelin vor Aufgehen drs Vorhanges an der Rampe spricht, gibt ein Mitarbeiter der Eomedie. der während des Prologs hinter den Kulissen iveilen durste. Wenn Coquelin im Prolog bte Einzelheiten des noch hinter dem Vorhang verborgenen Bauernhofes schildert, haben Regisseur, Inspizient und Bühnenarbeller rastlos zu tun. Coquelin spricht braunen die Worte: „Ein Flügel? Jst's em Garten?" In diesem Augenblick öffnet und schließt ein Bühnenarbeiter einen seidenen Sonnenschirm, um das Rauschen der Flügel darzustellen. „Mit heiserem Ruf erhebt die Elster sich zum Fluge." Dasür ist ein Vogelstimmen-Jmitator, Mr. Harry Geak, engagiert, Der nach besten Kräften den Ruf der Elster nackwhmt. „Und man vernimmt das Sästürfen großer Holzpantoffeln." lieber die Bühne tappen schwielige Arbeiter fünfte in mächtigen Holzschuhen. „Der I dauere Laut d.s wasser über füllten Eimers." Der Inspizient stößt energisch einen bis an den Rand mit Wasser gefüllten Kübel auf den Boden._ „Die Grille? Schön ist der Dag. llnd Glocken? Ter Sonntag ist s." Das Zirpen der Grille erzeugt ein Bühnenarbeiter, der mit einem Stück ScurüPapier über Eisen reibt. „Nolzhaher lachten? Der Wald ist naye." Den Ruf des Holz- Hähers gibt der Vogelstimmen-Jmitator. „Ein Fenster öffnet sich, die Düre wird geschlossen. Die schellen des Geschirrs hört man leise Hingen." Hinter der Bühne ösinet ein Arbeiter ein Fettster, schl.egt geräu.chvoll cme Tur, greift dann zu Schellen, ihr Klmgeln >vird leiser, mit einem Hu>eisen sch.ägt man apf die Bühne und über dll Bretter rollt man Rä^er. „Sonntag. Die Bauern zogen fort zum Feste. Eine zottige Hummel hüllt.sich m ihr Summen." Das Summen der Hummel ist lmederuyr Mr.
meiner Arbeit erinnert mich immer an die Schafsensweise des Blldhauers. Tann ftmunt das Problem der Farbe. Ich „spiele" mit verschiedenem Material, mit Spitzen, mit Bändern und Stickerei und mit Fransen. Sie werden gefaltet und gerafft, gegeneinander gehalten, getrennt, alle Möglichkeiten des Effektes müifen studiert werden. Nach und nach drangt sich mir bann das Richtige wie von selbst auf, der Zusammentlang des Linienspiels mit der Farbenharmonie: plötzlich steht vor meinem Auge eine neue Idee: das neue Modell." Eine besondere Freude bereitet es Mine. Paquin, Bühnenkünstlerinnen zu kleiden, denn in diesen Fällen gilt es nickst allein, die Kleidung mit der Persönlichkeit in Ein- llang zu setzen, sondern zugleich mit der Rolle. Die Schwierigkeit dieser Aufgabe reizt die Modeschöpferin immer von neuem. „Ich muß dem besonderen Schönheitstyp der Schauspielerin folgen unö doch zugleich die Farbe, den Charakter, die Tendenz drS Stückes terüd|ici;-tigen und vor allem die Rolle meiner Kundin. Das sind Doppelte Sxmmungen,' die überwunden werben müssen und die dann überwunden zii haben eine Freude und ein Genuß ist."
br trag ibtw »nbtd tt* Häfen.
) Pia. -----
5©n, tefoj ’
*sC
‘-'M iOtS- ' Klhih,
1 iu
Antritt v,
’iäts.T,
1 im cn Wtt
übetAWSI löertnbeT®61 I tsm n der Aichal ichild verloren- iirißobyigeb^ steröveg-^ Altill
liesse« Altz
■ . Untern* '"-'ltvn. joJJ (Uten Derlei? W?U^auci
Ph
iatr. 54
Vorstand. I
Wasch-ll-M | Wolleiig. 1211- ■ näbüfl- erLmbt I
Siimmuitgsbilb aus dem preutz. Adgesrdnetenhanr.
:: Berlin, 14. Februar.
Eine merkwürdige Ansrage-Erörlerung, diese Aussprache im Abgeordnetenhause über die Wahlbevormundung natio- nalliberaler Beamten in Posen! Während sonst am Schlüsse einer solchen Besprechung dem unbefangenen Beurteiler die Entscheidung nicht schwer fällt, wer im Recht ist, die Ve- ichwerdeführer oder die Regierung und ihre Gefolgsleute, • io ist diesmal ein Non liquet auch für den Gesinnungsgenossen der Anfrager der letzte Spruch. Herr v. Moltle hatte wohl recht mit seiner auch von dem Freisinnigen Aronsohn geteilten Auffassung, daß von einer Maßregelung oder auch nur von einer unzulässigen Bevormundung nationalliberaler Beamten in Posen wenigstens in diesem konkreten Falle nicht gesprochen werden könne. Und so kam es, daß am Schluß dieser Erörterungen es weder Sieger noch Besiegte gab, und daß die Linke ebenso wie Regierung und Rechte das Feld behauptet zu haben sich rühmen durfte Dr. Friedberg begründete dre nationalliberale Anfrage:
Im Streife Bromberg waren früher alle nationalen Wähler im deutschen Wahlverein gegen die Polen bereinigt. Dieser Verein hat immer mit Unterstützung der Nationalliberalen konservative Kandidaten ausgestellt, Nachdem jedoch der Verein immer mehr ms agrarische Fahrwasser geriet, baten die dtationalliberalen in diesem deutschen Wahlverein, von Den beiden Landtagsmandaten ein Mandat den Nationalliberalen zu überlassen. Das wurde aber aber abgellhnt. Infolgedessen tarn es zu einer Aufstellung eines nationalliberalen .Kandidaten für die Reichstagswahl. Der natio- nalliberale Wahlaufruf wurde von verschiedenen Beamten unter» ichrieben. Diesen wurde daraufhin vom Regierungspräsidenten; und auch tarn Oberpräsidenten bekanntgegeben, daß es mit den Forderungen nickst vereinbar wäre, welche an das dienstliche und äuserdienstliche Verhalten eines Beamten zu stellen wären, wenn Beamte dazu beitrügen, durch ihr Auftreten das Zusammengehen Der deutschen staatserhaltenden Parteien gegenüber Dem Pvlentum zu stören und dadurch das Deutschtum zu gefährden. (Lebhaftes Hört! Hört! links.) Man hat ihnen auch angedeutet, daß, wenn sie nickst die nationalliberale Kandidatur behelligten« iie mand>c Unannehmlichkeiten hätten. (Hört! Hört! links.) 3m Interesse dos Deutschtums in der Ostmark hätten die Beamten ihre eigene politische lieber zeugung zurücktreten zu lassen.
Der Direktor Braun in Schneidemühl hat die Mitteilung erhalten, daß er im Interesse des Dienstes versetzt reerben sollte. (Hört! Hört!) Ein Professor Ger lach, ber ebenfalls hier in Frage kommt, wurde durch seins Versetzung ge- wissermaßen die Treppe hinaufgeworfen, aber fort mußte er unter allen Umständen. (Hört! Hört! bei den Natl.) Als unser Parteifreund Witzmann zur Gründung eines nationalliberalen. Vereins in Brvmberg aufforderte, und ein Postdirektor lebhaft dafür eintrat, wurde diesem angedroht, daß die Agitation den Interessen der Staatsregierung so widerstreite, daß er seine Verletzung zu erwarten hätte. Im Kreise Czarnikow-Filehne ist der Oberpräiident von Posen ganz einseitig für die Konservativen gegtn etc Nationalliberalen eingetreten. Das beweist doch am besten Las konservative Parteircgiment in Preußen. Wir müssen in dieser (j-cage eine Auskunft haben, eine Aus must Darüber, ob die Re- merung gegen uns Front machen will. Wir werden fortan alle -fälle von Bedrückung nationalliberaler Beamten, Die wir erfahren, frier mit rücksichtslosester Schärfe zur Sprache bringen.
Alle Welt war begierig, zu vernehmen, wie sich Herr v. Moltke, der alles andere als ein Sprechminifter ist, dem alle Register parlamentarischer Rhetorik beherrschenden Führer der nationalliberalen Landtagsfrattion gegenüber aus der Affäre ziehen würde, und alle Welt sah eine Niederlage des Ministers voraus. Aber sie blieb ihm erspart: Ter Minister tonnte nachweisen, daß Herr Dr. Friedberg von seinen Posener Gewährsmännern gerade in den Punkten, die den Nationalliberalen den Anlaß zu ihrer Beschwerde geliefert hatten, nicht ganz zuverlässig informiert worden war, und wenn er auch eine Einwirkung der politischen Beamten in Posen, insbe,ondere des Oberpräsidenten, auf die nationalliberalen Beamten im Kreise Czar- niiau-Kolmar-Filehne nicht in Abrede stellen konnte, so dürste der Minister sich doch mit einigem Grund darauf
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesien
als Altsprachscr in Schneidemühl entbchrllch und ist versetzt worden durch einen anderen, der die Fakultas für Deutsch, Englisch und Geschichte hatte. Uebrigens ist er, feinem persönlichen Wunsche ent sprechend, statt nach Fraustadt nach Bromberg versetzt roorben. Der Gymnasialdirektor ist U/s Jahre nach dem Wahlkampf auf seinen Wunsch unter Verleihung einer Auszeichnung in den Ruhe stand versetzt worden, weil seine Kräfte den Anforderungen des Dienstes nicht mehr entsprechen. Er war 67 Jahre alt. Sic werden mir zugeben, daß es etroaö Gewaltsames an sich hat, diese Vorgänge parteipolitisch auszubeuten. Von Maßregelungen kaim man überhaupt nicht reden. Den Ausbau der nationallll'. Partei in der Provinz Posen hindern, liegt selbstverständlich nicht in der Absicht der Regierung. Ja, ich erkläre ausdrücklich, daß es ungehörig und unzulässig wäre, wenn die politischen Beamten die nationalliberale Organisation mit anderem Rtaße messen würden, wie die andern Parteien. Die nationalliberale Partei ist in der Ostmarkenpolitik der Regierung von jeher eine treue Stütze gewesen. (Sehr richtig! rechts.)
Bei der folgenden Erörterung beteiligten sich noch der Kow servative Rogalla v. Bieberstein, der Freikonservative Viereck, bei Freisinnige Aronsohn, der Pole Switala und der Zentrums- abgeordncte Bell.
rn.
eitettwO tglieöer et»'- i öS var!, ii niaiail eiv PrälUlsss
Geats Sache. „Schl! Der Vorhang muß sich heben, denn drei mal schlug des Spechtes Schnabel seine Schläge." Des Spechtes Schnabel ist ein hölzerner Hammer, den eine geschickte Hand dreimal gegen einen Holzpfosten schlagen läßt.....
— Die nahrhaften Pfannkuchen. Von den zahlreichen Berliner Pfannkuchen-Anekdoten, die im Umlauf sind, ist eine von einem namhaüen Dichter in Verse gebracht roorben. Tac Gedicht befindet sich unter Dem Titel .Tie nahrhaften Pfannkuchen- in dem von O. F. Gruppe heransgegebenen „Deutschen Müsen-Almanach" vom Jahre 1854 und rührt von Gruppe, dem einlt geschätzten Tramatiter und langjährigen Sekretär der Berliner Akademie, selber her. Zum besseren Verständnis sei vorausgeschickt, daß Stehely, ebenso rote der noch jetzt bestehende Josty,' Die bekanntesten Konditoreien Berlins waren, und baß mit Lachmann der berühmte Phtlolog und Nibelungenforscher dieses Namens (1763—1851) gemeint ist, dessen Witz sich in Berlin großer Berühmtheit erfreute. Das Histörchen lautet:
,Es weiß es, roer in Berlin gewesen,
Wer nicht, der hat es vielleicht gelesen, So nehm' ich denn also an, ihr wißt, Wer Stehely und wer Josty ist.
Bei Stehely findet sich mehr der Lehrstand, Bei Josty Dagegen der Nähr- und Wehrstand. Bei Stehely hört man Witze machen, Und als Lachmann noch lebte, auch wirklich lachen, Bei Stehely trifft man die fremden Journale, Soweit nicht verboten, ullzurnale;
Pfannkuchen dagegen, wer Die mag essen, Ter muß zu Josty - ihr sollt's ermessen;
N a h r l) a \ t e r mindestens sind sie da, Wie ein Herr aus Mecklenburg klar ersah. Er hatte bet Stehely manches erlesen
Von Staats- und Kirchen- und Kammerwesen, • Dabei ein Weniges auch genossen,
Nicht bloß ein Glas Wasser hinunter gegossen, Er hatte genosseii em paar Glas Eis, Pfannkuchen aber ein Dutzend mit Fleiß. Tann hat er sich flugs auf den Weg gemacht Und feinen Leib zu Josty gebracht, Und prüfend genießt er hier, zum Vergleich, Pfanukiicheii — nur fechs — wovon bann sogleich Der ebele mecklenburgische Mann
Von Jostys Wert Ueberzeugung gewann:
y „Demi," sprach er, „„ich finbe sie gut bei beiden, z Und will nichts über ihren Geschmack entscheiden;
Doch diese jättgen: von halb s o viel
Bin ich satt, ja satter nach meinem Gefühl!"*
>en.
.. SW* ^btiiar191
‘piel Agne B öctt-
0le; Jf
.Fcbrual
*
Die Bekenntnisse der Madame Paquin.
„Durch welche Zaubenünste erschaffen Sie die Aioden? Was sind die Geheimnisse Ihrer Kunst? Aus welcheir verborgenen Ouellen schöpfen Sie die Ideen zu jenen Kunstwerken der Kleidung, die den Namen Paquin im Reiche der Moden so berühmt gemacht l-aben?" Immer wieder, so erzählt die führende Pariser Atode- künslleriil in einer englischen Wochenschrift, richtet malt diese Frage an sie, und immer wieder muß sie erwidern, daß Zauber-- künsie ihr fremd sind und daß es keine gel-eimen Quellen gibt, aus denen ihr die Ideen zu neuen Kreationen Der Frauenlleidung zu fließen. „Sie werden lächeln, wenn ich verrate, woher einige der erfolgreichsten Moden stammen, die ich eingeführt habe: ein reizender kleiner Halsrragen," so verrät Atme. Paquin, „bei1 zwei ober drei Saisons lang von den Damen so viel getragen wurde, war nichts anderes als eine Replik des Wafsenrocktragens eines öfierreicljiidien Regiments. Aus der Bluse der deutschen Gepäckträger, die man überall auf den deutschen Bahnhöfen sehen iann, entstand eine völlig neue Art moderner Roben, und das lose, sliesiende Gewand der ägyptischen Feilahs war der Ursprung eines lastanartigen KostümeS, das eine Zeitlang in der Näodeweli Furore machte."
Mme. Paquin erzählt dann von ihren Reisen, die ihr zu einer Art riesigen Skizzenbuck>es werden. Ueberall ist sie auf der Suche, nach Ideen. Dann lammt die langwierige Arbeit, die verschieden-, artigen Anregungen zu neuen Modellen zu verarbeiten; bisweilen verstteichLn Wochen ruhelosen Probierens, während Deren die '.Modellpuppe nicht zur Ruhe kommt, bis dann endlich die neues Schöpfung fertig dasteht. Unzählige Male müssen Form und Farbe verändert werden, bis endlich ein glücklicher Zufall jene Harmonie imb, jenes Linienspiel erstehen läßt, das den Ehrgeiz der Atode- lünstlerin befriedigt. Doch nicht immer werden Geduld und Ausdauer auf so harte Proben gestellt ; manchmal fügt es ein Wunder, daß sck-on bei dem ersten Versuch das Erträumte gelingt. Es ist nickst die moderne Kleidung allein und das Gewand^ des Alltages, mrs denen -Dime. Paquin ihre Ideen scksäpsi. Sie erzählt, wie ihre Forschungsreisen sie durch die Gemäldegalerien führen, wie aus dem Faltenwurf alter Statuen Anregungen zu ihr überströmen oder wie aus alten, unsckMnbaren Gegenständen des Kunstgewerbes 3,^0eilen moderne Roben entstehen. „Tie Kostüme der Vergangenheit interessieren mich leideinchastlieh, aber sie dienen mir nur chazu, meine Inspiration w»uf zu stacheln, denn bei allem Interesse für vergangene Zeiten habe ich stets einen Ehrgeiz, neue Moden feil schaffen." Sie arbeitet an einem Kleide, ime ein Maler an I nnern Bilde und wie ein BilDhauer an seiner Statue. Aber statt dch Meißels oder des Pinsels sind ihre einzigen Handwerlsgeräte die Schere und Stecknadel. „Zunächst siizziere ich die Idee an der Modellpuppe selbst. Jck> gebrauche bauri weiche, zartfließende estofie, die sich leicht den Konturen anschmiegen, denn cs gilt, Linie zu studieren, zu verändern, zu verbessern. Dieser Teil
Äklll
ig Gaben m i erbeten.
Hoffet.
er
orband
aWben^.|
•m in. iilb. I li.liafeW| d gebeten, We
- 0121t
■amm.
1 dem grobe» I


