>,Alexandria" nach Kronstadt unb'- wird von dort die Weiter- reise nach dem Baltischen Meer antreten.
Aus S c r o j e w o wird gemeldet: Als der Landeschef Gcireral Va rc s an i n v. Ba res von der Eröfsnungches Landtages zurück- Vehrtc, feuerte aus der Kaiscrbrücke der S o z i a l d e in 0 k ra 6 Bodd an Karajic gegen den Wagen des Landeschefs fünf R c v o I v e r s ch ü s s c ab, jedoch ohne den Landeschef jjit treffen. Mit bcm sechsten Schubse entleibte sich der Täter selbst und war auf der stelle tot.
Provinzialtag der Provinz Gberhessen.
# Gießen, 16. Juni.
Anwesend waren im NegierungZgcbände die Mitglieder des o b c r l) e s s i s ch e n P r o v i n z i a l t a g e s versammelt.
Gestern waren außer dein Vorsitzenden Provinzialdirektor Dr. Nsinger imb dessen Stellvertreter Regierungsrat Wclcker folgende Mitglieder des Provinzialtages: Bürgermeister Alles - Rieder- Florstadt, Hermann Bauich-Rieder-Wöllstadt, Hch. Brauer-Niedcr- Ofleiden, Riühlenbesitzer Erck-Ridda, Atützlenbesitzer Falk-Friedberg, Gel). Justizrat Dr. Gulfleisch-Gießen, Koinmerzienrat Heuligenstaedk- Gießen, Bernhard Hoos-Laulerbach, Geh. Jnstizrat Jöckel-szried- berg, Hch. Koch VII.-Alsseld, Bürgermeister 9!eeb-Rieder-Dhmen, Bürgermeister Risvel-Gcdcrn, Geh. Justizrat Rabenau-Büdingen, Jobs. Reiblinq-BrallersÄ)ivend, Gral Wilhelm zu Solins- Laubach, Forstmeister Dr. Weber-Konradsdori, Apotheker Welckcr-Allendorf a. d. Lda., Bürgermeister Zimmer-Grünbcrg und Bürgermeister Zinser-Schlitz: ferner die Mitglieder des Provinzial-Ausschusses, die Kreisräte der Kreise Friedberg,'Schotten, Büdingen und Lauterbach, Baurat Diehm-Gießen, Baurat Schwveberl und Geheimerat Kittlcr von Darmstadt, und andere Sachverständige.
Previnzialdirektor Dr. U s i n g c r eröffnete die Sitzung und stellte den Bcrwaltungsbcricht des Provinzial- Ausschusses für 1908 zur Beratung: Er ergibt in Einnahme 1 215 063,84 Mk., denen 1 182 706,27 Mk. Ausgabe gegcnübcr- ftchen. Die Rechnung wird genehmigt und die Entlastung des Rechners ausgesprochen. Hierauf folgt die Beratung des Voranschlags der P r o v i n z i a l ka s s c 19 10, die in Einnahme und Ausgabe mit 656 497,57 Mk. abschließt. In der Einnahme befindet sich als Beiträge der Kreise der Betrag von 406 000 Mk. und ein Kassevorrat von'32 357,57 Mk., dem gegenüber ein Ausgabeposten als Reservefonds von 4514,57 Mk. und an Betriebskapital in bar von 23 000 Mk. steht. Außerdem! zeigt die Ausgabe als Belastungs- oder Uebcrschußposten nach den Betrag von 36 015,50 Mk. Bei der Position Straßcnuntcr- haltung 281457,35 Mk., der um rund 21 000 Mk. gegen den Voranschlag überschritten ist, bemerkt Dr. Usinger, daß dies daher rühre, daß im Kreise Schotten im kommenden Jahre mit den Walzarbeiten vorgegangen werden soll. Für außerordentliche Herstellungen bei Straßen sind 10 341,75 Mk. und für Neubau von Kreisstraßen 52 524,40 Mk. in den Voranschlag eingestellt. Kreis- rat Dr. Schönfeld-Schotten bedauert, daß nicht auch für einige andere Straßen im Kreise Schotten Mittel zur Verfügung gestellt sind. Baurat Die hm erklärt, daß es hierzu einer rechtzeitigen Einreichung von Vorschlägen unter Vorlage von Plänen bedarf, ebenso sei die Zustimmung der Gemeinden zur unentgeltlichen Geländestcllung erforderlich, diese Vorbedingungen seien nicht erfüllt. Der Voransclstag wird nach Vorlage vom Prrwinzial- tag sonst ohne Debatte gutgeheißen mit dem Zusatz, daß für das laufende Jahr das erstemal ein Beitrag von 300 Mk. für die historische Kommission des Großhcrzogtums Hessen in Ausgabe gestellt wird. (Rheinhessen und Starkenburg geben für den gleichen Zweck je 1000 Mk. jährlich. Es folgen daraus Anträge des Provinzial-Ausschusses, betreffend die Nutzbarmachung der Wasser schätze der Provinz Oberhessen durch Errichtung einer elektrischen Zentrale bei L i ß b c r g. Den Mitgliedern des Provinzialtagcs ist hierzu eine umfangreiche Druckschrift zugcgangen, die folgende Anträge des Provinziale Ausschusses enthält: 1. das elektrische Werk Lißberg nach dem vorliegenden Projekt zu bauen, unb den Provinzial-Ausschuß zu ermächtigen, die nötigen Grundcrwerbsvcrträge abzuschließen, 2. von den Anlagekosten in der Gesamtsumme von 3100 000 Mk. a) ücut der Provinz Obcrhessen den Betrag von 2 500 000 Mk., b) von den übrigen Beteiligten (Kreise Gemeinden) den Betrag von 600 000 Mk., denk Werk gegen eine Verzinsung zur Verfügung zu stellen, die nickst rveniger als 3 Proz. beträgt und nicht über 5 Proz. steigt, 3. dem elektrischen Werk Lißberg bis zum 11. Betriebsjahre aus Provinzmitteln einen Barzuschuß zu geben, im Betrage von jährlich 25 800 Mk., 4. den beteiligten Kreisen und Gemeinden, Gemarkungen und Großalmehmcrn die von ihnen aufzubringenden Anlagekosten auf Wunsch zum Selbstkostenpreis darzulcihcn und demgemäß die (summe von 3 100 000 Mk., insoweit sie nicht aus Ersparnissen des Wasserwerkes Inheiden gedeckt werden kann, durch ein Provinzanlehen aufzichringen, welches mit höchstens 4 Proz. zu verzinsen und vorn 6. Betriebsjahr an mit mindestens 1 Proz. zu tilgen ist. 5. den Provinzial-Ansschuß zu ermächtigen, alles zum Bau und zur Ausführung des Werkes Notwendige zu veranlassen, sobald nach Ansicht des Provinzial- Ausschusses die für Erzielung der voranschlagsmäßigen Einnahmen erforderlichen Anschlüsse gesichert sind.
Der Provinzialdirektor von Rheinhessen, Geheimerat Dr. B r e i d e r t, begründet die Vorlage. Von Anfang an sei beabsichtigt gewesen, mit dein Wasserwerk Inheiden auch die elektrische Zentrale Lißberg zu schaffen. Wenn mit letzterem bis jetzt gewartet wurde, so lag dies daran, daß man durch das Werk Inheiden die Mittel gewinnen wollte, um das Licht und Kraftwerk Lißberg für die ersten Jahre unterstützen zu können. Die lieber« schlisse des Wasserwerks seien voranschlagsmäßig zweifellos zu erwarten. Man habe über die elektrische Zentrale schon seit Jahren beraten und könne nrtt der Ausführung des Werkes nicht länger zögern, wenn man sic nicht überhaupt in Frage stellen wolle. Jetzt sckwn stehe fest, daß die Erbauung des Wasserwerks Inheiden erheblich weniger erfordere, als man annahm. Man hat dabei gespart und wird weitere Ersparnisse beim Bau machen, damit wachse aber auch der llcberschuß des Werkes, durch die Ersparnisse gewinne man Mittel, die man bei Lißberg verwenden könne. Geh. Justizrat I ö ck e l - Friedberg erklärt, er könne sich heute nicht für die Annahme der Vorlage entscheiden. Die vorgesehene Reserve Dmnpfanlage beweise, daß die vorhandene Wasserkraft nick ans- reick-e, nm die. nötige Energie zu erzeugen. Die bei der Rentabilitätsberechnung vorgesehenen Absckweibungen seien viel zu gering. Der angegebene Energieverbrauch beruhe lediglich auf einer Schätzung. Dann spreche die Vorlage von einer zu bildenden Aktiengesellschaft, an der sich außer der Provinz die Kreise und Gemeinden beteiligen sollen. Es fehle aber an jeder Handhabe, wie Man sich die Bildung einer wichen Gesellschaft denkt. Die Sache sei noch nicht spruchreif. Es fehle dem Projekt noch jede Grundlage und es sei nicht geschäftsmäßig, einfach ja zu sagen, deshalb stelle er den Antrag, die Vorlage an den Provinziäl- Aussckstih noch einmal zurück zu verweisen.
Hch. B r a u e r - Ober-Ofleiden ist für die Anträge des Provinzial-Ausschusses. Es sei richtig, daß nur ein Teil der Provinz von dem Werk Vorteil habe, aber es könne nicht ausbleiben, daß man ein gleicher Weise auch für andere Telle Oberhessens sorgt.«
Geheimerat Dr. Br ei dort widerlegt die Einwendungen Jöckels. Mit der Annahme des Antrages Jöckel sei das Projekt begraben, denn wenn man die Beschlußfassung vertage, so sei die Geduld der Städte und der Gewerbetreibenden, der Großabnehmer, zu Ende und das Projekt werde unausführbar oder nur mit sehr großen Opfern möglich. Geh. Baurat Schoeberl erklärt, daß die vorgesehenen Abschreibungen reichlich benteffen sind. Abschreibungen für Wasserbauten, die mich vorgesehen sind, merben vielfach überhaupt nicht vorgenornmen, weil der Wert der Wasserkraft, durch die fortgesetzte Preissteigerung der Kohlen, im Werte steige. Mühlenbesitzer Falk- Friedberg sprickst gegen die Vorlage. Er l)ält die Lage nicht für günstig. Der Bezirk, den man mit clcklrisck-er Energie versorgen wolle, sei wenig lohnend für ein solches Werk, cs liegen viele Heine Orte darin, die keine Energie gebrmlchen. Besonders fehle cs an einer genügenden Anzahl von Lichtabnehniern. Dr. W c b e r - Konradsdors lstilt die Annahme der Vorlage für richtig. Mit dem größeren Rest des Ucberschusses vom Wasserwerk wird man einen Provrnzialfonds bilden, dessen Zinsen zu den allgemeinen Ausgaben dienen können, um die
Lasten der Provinzbewohner zu vermindern. Professor Dr. B i c r- m e r erklärt, daß er vom rein kaufmännischen Standpunkt sich sagen müsse, wir- übernehmen mit der Annahme der Vorlage ein gewisses Risiko, aber er habe trotzdem im Provinzial-Ansschuß für den Antrag gestimmt, weil er sich gesagt habe, die Provinz könne dieses Risiko übernehmen. Das Unternehmen in Lißberg sei dazu beftimmt, der Landwirtschaft zu helfen und dies sei nur möglich mit Hilfe der Städte.
Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch erklärt, man solle die Gelegenheit benutzen, um durch Annahme der Vorlage zu zeigen, daß keine Gegensätze zwischen Stadt und Land vorhanden sind, sondern daß die Interessen die Glxick-en sind. Jedes Unternehmen ist mit Risiko verbunden, die Gefahr eines Verlustes müsse man übernehmen.
Die Abstimmung ergibt die A ii n o b m c der Vorlage gegen vier Stimmen von Mitgliedern aus dem Kreise Friedberg.
Ein weiterer Antrag betrifft das Provinzial-Wasserwerk Inheiden.
Er lautet:
In der Sitzung des Provinzialtags vom 21. Dezember 1908 wurde der Antrag gestellt, für den etwaigen Ausfall, der durch das Wasserwerk Inheiden an der W a s s e r m e n g e de r^H o r - Io ff entstehen könnte, Ersatz in Natur durch Anlage von Stau- >v e i h e r n im oberen Laufe der Horloff zu schaffen. Dieser Antrag ist von dem Provinzialtag nicht grundsätzlich abgclehnt worden, sondern nur deshalb nicht zur Annahme gelangt, weil man ihn damals für verfrüht hielt. Wenn auch jctzt^kcinc Erfahrungen vorlieqen, welche die Notwendigkeit solcher Stauweiher beweisen, so muß doch aus Zweckmäßigkeitsgründen dafür Vorsorge getroffen werden, daß, wenn demnächst tatsächlich ein Wasserausfall in der Horloff entstehen sollte, dafür Ersatz geschaffen werden kann. Ter Provinzialausschuß hat sich deshalb ein, sich zur Anlage eines Stauweihers eignendes Gelände oberhalb Hungen gesichert. Dieses Gelände gehört der Fürstlich Solms-Brannsels- i'chen Standesherrschaft und ist zurzeit an die Landwirtschasts- kammer verpachtet. Durch Verträge, die mit beiden abgeschlossen worden sind, ist cs der Provinz möglich, jederzeit dieses Gelände in Besitz zu nehmen. Der Provinzialausschuß beantragt daher, diesen Verträgen vorsorglich die Genehmigung zu erteilen.
Der Antrag findet einstimmig Annahme.
Es folgen darauf
Wahlen die bis auf einen Fall durch Wiederwahl der auS den betreffenden Körperschaften ausscheidenden Mitglieder erledigt werden.
Geh. Justizrat Dr. Schäffer hat fein Amt als Mitglied des Provinzialausschusses niedergelegt. Geh. Justizrat Rabcnau- Büdingen schlägt an dessen Stelle Prof. Dr. Biermer vor, der seither 6 Jahre hindurch dem Provinzialausschuß als stellv. Mitglied angchört bat. Braucr-O.-Ofleiden schlägt Forstmeister Dr. Weber vor. Dieser sei der eigentliche Urheber der wasserwirtschaftlichen Vorlagen und deshalb sei er im Provinzialausschuß an der Stelle, wo er für die Sache weiter Mitarbeiten könne. Falk-Friedberg tritt für die Wahl des Prof. Dr. Biermer ein. Man habe wegen Lißberg wieder mit den Banken zn verhandeln und durch Dr. Biermers Erfahrung in solchen Geldsachen hat man der Provinz bei der Geldbeschaffung für Inheiden 68 000 Mark erspart. Wenn man Dr. Weber wähle, so fei dies eine Ungerechtigkeit gegen Gießen, denn diesem gehört seinem Steuerkapital nach der Sitz.
Bei der Abstimmung werden für Professor Dr. Biermer 12 Zettel und für Dr. Weber nur 7 Zettel abgegeben. Dr. Biermer ist somit gewählt. Der Provinzialtag wählt an Stelle Biermers als Ersatzmann für den Provinzialausjchuß Landgcrichts- rat Dr. Friedrich-Gießen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 16. Juni 1910.
** Tageskalen der für Donnerstag, 16. Juni: 3. 91 b o n- n ein e n ts k o n z e r t der Regimentsmusik in Steins Garten. Anfang 8 Uhr.
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**§cffifcf)cr(5täbtctag. Die llirzlich einberufene und wegen Verhinderung einzelner Städteverwaltungen ver- schobene Besprechung von Vertretern der Bürgermeistereien und der Stadtverordneten-Bersammlungen der fünf größten hessischen Städte über die Frage der Besteuerung des landwirtschaftlich b c n u tz t e u G r u n d b e s i tz e s und über die Einführung der B i l l c t t st e u e r soll nunmehr crnr Samstag, 18. Juni, zu Mainz stattfinden.
** Evang. Bund. Man schreibt uns: Für die morgenabcndin Steins Garten stattsindende Protest- Vcrsammlung gegen die B o r r o m ä u s - E n z st k l i k a har sich ein reges Interesse geltend gemacht, was freilich bei der tiefgehenden Erregung über die päpstliche Kundgebung kaum verwunderlich sein kann. Es sind drei Ansprachen vorgesehen, wie aus dem Anzeigenteil zu entnehmen ist. Geh. Kirchenrat Professor D. Dr. Krüger wird die Enzyklika besprechen im Lichte der Geschichte, Landgerichtsrat Dr. Friedrich ihre Bedeutung für das staatliche Rechtsleben zeigen und Professor D. Dr. Schian sie in Beziehung setzen zur kirchlichen Gegenwart. Die Namen und Themata der Vortragenden bieten von vornherein eine Gewähr dafür, daß auch die Gießener Versammlung sich würdig allen übrigen evangelischen Protest-Versammlungen in der Angelegenheit der Enzyklika anschließen wird: gilt doch auch sie nicht irgendwie dem Kampf, sondern lediglich der M- wehr und damit dem konfessionellen Frieden. Auch in anderen oberhessischen Gemeinden 'hat man zu der Sache Stellung genommen. Protezterklärungen nahmen u. a. die Deka- natssynode des Bezirks Grünb erg undder Zweigvcr- ein Alsfeld des Evang. Bundes an.
** Schülerwetturnen. Der Vorsitzende des Ausschusses für das Schülerwetturnen, Oberlehrer Prof. Dr. Kraus müller, bittet uns um Aufnahme folgender Feststellung:
!Tas hiesige sozialdemokratische Organ bringt in seiner Dienstag-Nummer einen Artikel über „das 25 jährige Jubiläum des Gießener Männerturnvereins", der in seinen Schlußsätzen sich auch mit dem Schülerwetturnen beschäftigt. Ich würde auf die Ausführungen, deren Zweck nur der ist, verhetzeitd zu wirken, prinzipiell nicht eingehen, wvnn sie nicht direkte Unwahrheiten) und Ungenauigfeiten brächten, die geeignet sein könnten, den Lesern ein gänzlich falsches Bild zu geben.
Es heißt dort: „Tie Zulassung (d. h. zu dem Schülerwctturnenl war davon abhängig, daß die Eltern die Jungens mit einem einheitlichen, vom Turnausschuß vorgeschriebenen Tumkostüm aus- rüftetcu. Hatten die Eltern nunmehr geglaubt, damit aller übrigen Verpflichtungen enthoben zu sein, so hatten sie die Rechnung ohne den Festausschuß gemacht, der heute von lebem mitwirkenden Schüler 20 Pfg. Eintrittsgeld verlangte. Ist das richtig, und wir haben keinen Grund, an dieser uns wiederholt gewordenen Mitteilung zu zweifeln, dann verdient die Handlungsweise des Festausschusses die allerfckstirfstc Verurteilung."
Gegenüber diesen Ausführungen stelle ich fest:
1. Ter Ausschuß für das Schülerturnen beschloß nach wieder- hpltcn Beratungen, den Anzug für das Schülerturnen in das Belieben des Einzelnen zu stellen und nur Turnerhemd und Gürtel einheitlich zu fordern. Gleichzeitig wurden aber von Freunden des Schulertrirnens namhafte Beträge zur Verfügung gestellt, um dadurch unbemittelten oder wenig bemittelten Schülern Gelegenheit zu geben, sich Turnhemd und Gürtel,, ja auch Turnschuhe anschaffen zu tonnen. Diese Beträge fanden durch Vermittlung der betr. Lehrer in sehr diskreter Weise in vorstehendem Sinn Verwendung. Die Teilnahme an dem Schülerwetturnen war aber außerdem vollständig freiwillig. Kein Süler, der sich anfangs gemeldet und dem dann die Anschafsungskosten von Turnhemd und Gürtel vielleicht zu hoch gewesen wären, war verpflichtet, am Turnen tcilzunehmen. Noch in letzter Stunde tonnte er sich abmelden.
2. Geradezu unerhört ist aber die Behauptung des sozialdemokratischen Blattes, daß „von jedem mitwirkenden Schüler 20 Pfg. Eintrittsgeld verlangt" worden sei. Diese 'Behauptung ist eine grobe Unwahrheit, die umso schlimmer ist, als auf allen! Plakaten und in den Annoncen auch für die Redaktion des sozialdemokr. Organs ausdrücklich gesagt tvar, daß nur. die „nicht- m’itturnenben" Schüler am Montag 20 Pfg. Eintrittsl- geld zu zahlen hatten. Die „m itwirkcnde n" Schüler hatten freien Eintritt, aber nicht nur für den Montag- sondern für das ganze F e st.
** Der Kriegervereins Bezirk Gießen hält fein B e z i r k s f e st am 3. Juli in Londorf ab. Es sollen auf der Strecke Gießen—Lollar—Londorf zwei Extrazüge gehen: Gießen ab 12 Uhr, Londorf -ab abends 1/28 Uhr. An dem Feste' werden etwa 40 Vereine aus dem K'reiis^ Gießen und den angrenzenden preußischen Orten teiluehmen.
** Der Vortragsabend der Schülerinnen der Gesanglehrerin Fräulein JdaStammler, der am Mittwoch in der Lage stattfand, hat einen erfreulichen Verlauf genommen. Den zahlreich anwesenden Hörern wurden schöne, abgerundete Vorträge geboten, und wenn auch die Leistungen, wie sich das bei Schülern ganz von selbst versteht, auf den verschiedensten Stufen der Ausbildung standen, so hatte es die verständige Auswahl der Anfaabe ermöglicht, daß die jungen Damen in zwei gebotenen Rahmen Gutes, teilweise sogar Vorzügliches ooten. Besonders angenehm überraschte die gleichmäßige Ausbildnug der Stimmen, die gute Aussprache und namcittlich in den Ensemble- gefangen die schöne Tonreinheit. Herr Julius Haht^ hatte die Beglcittnig am Flügel übernommen, ihm unterstützte, mit bestem Gelingen, Herr Dr. med. Mueller.
**Giit 7 5 0Psund schweres Rind, das 21/»Jahre alt war, wttrde heute morgen von Metzgermeistcr S. Rothschild im hiesigen Schlachthaus geschlack>tet.
-r. Ulrichstein, 15. Juni. Die Ausstellung, die der „Geflügelzuchtvercin von Ulrichstein und Umgegend am kommenden SainStag und Sonntag hier veranstaltet, verspricht stark beschickt unb besucht zu werden. Es wurde eine große Anzahl wirklich ivertvoller Preise gestiftet, die im Schaufenster des Uhrmachers Scheid in Ulrichstein ausgestellt sind'. An beiden Ausstellungstagen tuirb die Kapelle des Jnf.-Regts. Nr. 116 (Gicßcu) konzertieren.
R.-V. Darmstadt, 15. Juni. In einer heute abend abgehaltenen Versammlung der freien Vereinigung der Bau- Unternehmer, sowie der Maurer- und Zimmermeister ist be- schlosscu worden, die Sperre im Baugetvcrbe auf- zuheben und die Arbeit morgen früh im vollen Umfang wieder aufzunehmen. Ter Schiedsspruch geht dahin, daß allen im Baugewerbe Beschäftigten sofort 1 Pfennig, vom 1. April 1911 ab 2 Pfennige und vorn 1. April 1912 ab weitere 2 Pfennige Zuschlag zürn Stundenlohn gezahlt tuerben sollen. — Die Arbeitnehmer haben in einer heute abenb abgehaltenen Sitzung dein Schiedsspruch noch nicht zugestimmt.
w Offenbach, 15. Juni. Die Schuh- und Schäfte- f a b r i k c n kündigten sämtlichen 9( r b e i t e r n, 1000 an der Zahl, zum 21. Juni, weil in einer Schuhfabrik ein Streik ausbrach und eine Einigung nicht herbcigeführt werben konnte.
F. C. Dietzenbach, 15. Juni. Der evang. Pfarrer Marr. Äilh. Hotz hier, ist gestern im Kranken Hause in Wiesbaden gestorben. Der Verblichene, der ein Alter von. 36 Jahren erreicht hat, wirkte früher in Schlitz als Seelsorger. Auf dem Gebiete der Volkskunde war Hotz besonders tätig und ein eifriges Mitglied der „Hessischen Vereinigung sür Volkskunde". Eine Santmlnng von Flur- und Gewann-Namen im Schlitzerland ist sein Werk.
ff M a r h u r g, 15. Juni. Die Anregung, daß Studenten während der großen Ferien bei Landwirten Beschäftigung finden, dürfte in diesem Sommer hier zum erstenmal erprobt werden. Wie di? hiesige Freie Studentenschaft mitteilt, steht sie wegen dieser Frage mit einer Anzahl Gutsbesitzer in Unterhandlung.
w. Frankfurt a. M., 15. Juni. Gestern abend gegeti 11 Uhr wurde an der Villa des Bankiers Alexandey Maser, Unterlindau 2, im vornelimsten Viertel des J-rcmk- furter Westens ein Attentat, a n s ch e i it e n d mittels einer Bombe, verübt. Tie Explosion, die in der ganzen Stadt gehört wurde, war so heftig, daß mehrere Seiten be» Hauses stark demoliert wurden und in weitem Umkreise Fensterscheiben zersprangen. Verletzt wurde N-iemWid. Der Schaden soll etwa 5000 Mk. betrage». Polizei und Staatsanwaltschaft sind mit der Untersuchung des Vorfalles be- schäftigt.
tzochwaffer.
Gießen, 16. Juni.
Die schweren Gewitter, die in den letzten Tagen Süd- und Westdeutschland betroffen haben, haben größtenteils unabsehbaren Schaden angerichtet. An manchen Orten ist die Ernte vollständig vernichtet, und die Bewohtter, die nur knapp ihr Leben retten konnten, haben im besten Falle nur ihre .Habe verloren; viele Familien aber betrauern ertrunkene oder vermißte Angehörige, lieber das Schicksal von 70 Menschen ist man noch vollständig im Unklaren. Genaue Angaben über die Zahl der Ihn gefönt men en lassen sich noch gar nicht machen, da es sich meistens um ausländische Bahnarbeiter handelt. Militär ist eifrig nm Werk, um die Brücken und Wege wieder in Stand zu setzen, damit vor allem die abgeschnittenen Ortschaften mit Lebensrnitteln versehen werden können.
Schreckliche Einzelheiten werden einem Berliner Berichterstatter von Augenzeugen mitgeteilt. Bei Erpel landete man ein Mädchen, das mir einem Strick an einer Kuh festgebunden war und gleichzeitig mit ihr den Tod gefunden hatte. Oberhalb dieser Stelle warf die Ahr die Leiche einer Fran und eines Kindes ans Land, das seine Mutter fest umschlungen hielt. Ein Ingenieur sah sechs seiner Leute auf einem Giebel beranlreibeu. Sie schrien unaufhaltsam um Hilfe, die ihnen aber nicht gebracht werden konnte. Vor den 9£ugen des Ingenieurs versank die Gruppe, als der Giebel gegen eine Felswand anprallte.
Im preußischen Abgeordnetenhause sprach der nationalliberale Wgeordnete Engelsmann über die Sckiäden und forderte unter dem Beifall des Hauses von der Regierung sofortige und ausreichende Hilfe. T^r M i - nister des Innern, v. Moltke, der das betroffene Gebiet bald nach der ersten Katastrophe im Kraftwagen bereift hat, schilderte seine Wahrnehmungen und sagte soforttge Hilfe zu.
Nachdent der Ort Adenau wieder einigermaßen frei geworden, habe ich, so führte der Minister aus, das Gebiet im Automobil bereift und folgendes festgestellt: In dec Nacht war der Ort Adenau vollständig überflutet und von jeglichem Verkehr abgeschnitten. Telephonische und telegraphische Verbindung war nicht zu erhalten. Am gefähr-


