Ausgabe 
15.2.1910 Erstes Blatt
 
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Statwnaföfonofren Papanastasion übertragen werden soll, ieine Vorlage über bi? Reorganisation der Universität, ein Gesetz beti ei« . ub die Unvereinbarkeit der Funktionen eines Deputierten mir denjenigen eines Mitgliedes des Aussichts­rates oder der I^rertion von Fimanzgesellschasren und end­lich eine Vorlage betresjend den Schutz der Arbeit. Ein .Antrag ans Verfassungsreoision wird kurz vor Schluß der -L-ession eingebracht werden.

Tie Meldung, Raisu l i fei durch Gift getötet worden, wird aus Tanger dementiert; er soll sich bester Gesundheit erfreuen.

Zn Schujia bei Naplus in Palästina kam es bei der Verhaftung einiger Christen zu einem Kampf zwischen Soldaten u n d d e r ch ri st l i ch e n B e v ö l k e r u n g. Die türlischen Soldaten schossen auf Frauen und Kinder, wobei sieben Personen getötet und auf beiden Seiten viele ver­wundet irmrdeu.

Wie aus Kanton gemeldet wird, sind die auf­rührerischen Truppen, die von Japanern ausge­bildet wurden, von Admiral L i ch u n in die Flucht geschlagen worden, wobei mehr als 100 von ihnen gefallen sind. Der Bizekönig erließ, eine Bekanntmachung, nach welcher er für den Schutz der Fremden in dem beunruhigten Gebiet nicht garantieren könne. Die Missionare und die Beamten der Kanton-Kowloon-Bahn flüchteten sich in die Fremdenniederlassung von Kanton.

Msitzung des Zanitätrvereins.

* Gießen, 15. Febr.

Aus Anlaß des 25 jährigen Bestehens des Sanitätsvereins und des gleichzeitigen silbernen Jubiläuems seines Vorsitzenden«' I. Bräutigam füllten die Mitglieder des Vereins und deren. Frauen gciiern abend die Turnhalle des Turnoeierns, um den Abend festlich ,311 begehen.

Herr Bräutigam gab ein Bild, wie Anfang des Jahres 1885 aus dem bn.it im heraus, daß es kleinen Beamten, Handwertern usw. im Erkrcmkungsfalle schwer fallen würde, einen Arzt zu bezahlen, der humane und soziale Verein ins Leoen gerufen wurde, dem Ui seiner Gründung 53 Mitglieder und 14 Tage später weitere 62 Mitglieder beitraten. Als er,ter Vereürswrzt wurde Dr. Aiarll- wald gewählt, zu dem, als der Verein nach einjährigem Bestehen auf 211 Mitglieder angewachfen war, Dr. Haupt tarn. Jin Jahre "1890 kam Tr. SchlicplMte hinzu, der nach lOfähriger Tätigkeit als VereinSarzt fein Amr niederlegte, während die beiden anderen Aerztc bis zu ihrem Ableben tätig waren, Dr. Markwald 22 Jahre und Dr. Haupt 21 Jahre. An Stelle von Tr. Schliephake trat Dr. Meyer ho ff. Den größten Bestand an Mitgliedern er­reichte der Verein im Juni 190Ö mit 717, auf welchem Stand er fich mehrere Jahre erhalten hat, bis die Ortskrankenkasse dazu überging, die ärztliche Hilfe auch ans die Angehörigen ihrer Mit- gliebcr anszndrhnen. Heute hat der Verein 586 Mitglieder. Einen schweren Berlüg hat der Verein durch das vor wenigen Wochen erfolgte Ableben seines Mitbegründers Aug. Boek erlitten, de» leit Bestehen desselben. das Amt des Rocl)ners verwaltet hat. Von den Männern, die vor 25 Jahren den Verern mir begrünoen hülfen, sind noch 18 dessen Mitglieder, darunter außer dem ersten Vorsitzenden Bränrigam Karl Bonarius, der 25 Jahre als Bei­sitzer dem Vorstand angehört.

Der 2. Vorsitzende Herr Stimmer dankte darauf .Herrn Bräutigam für das, was er in dem verflossenen Vierteljahrhundert getan har und überreichte dem Jubilar eine silberne Uhr mit Kette. Bescheiden erklärte 5tzerr Bräutigam, daß, er hasse und Wünsche, der Sanitätsverein möge weiter blühen und gedeihen.

Hieraus sprach Dr. med. H. Fulda-Frankfurt a. M. über Ä ypnv tismus und Su g g e ft i0 it. Der Redner wies darauf hin, daß um dieselbe Zeit, als der Sanitätsverein sich gründete, ein Däne, Professor Hansen, nach Deutschland gekommen "sei, um Vorträge mit Experimenten über dasielbe Thema zu halten, bas die Versammlung heute beschäftigt. Hansens Experimente erregten großes Aufsehen, die Wisienschaft hat sich damit beschäf- ttgeit müßen und stellte die natürlichen Ursachen des Hypnotismus und der Suggestion fest. Dr. Fulda besprach dann Ursachen und Wirkungen. Er erklärte, daß, der Arzt durch die Hypnose bei gewissen Krankheiten lindernd oder gar heilend wirken könne; er warnte aber, fich. unter keinen Umständen Nichtärzten für der­artige Experimente anzuvertrauen. Es meldeten sich dann 40 Personen int Alter zwischen 1840 Jahre, von denen nach etwa 30 Minuten vorn Redner 8 als taugliche Objekte bezeichnet wurden. Dr. Fulda berührte sie nur hin und wieder leicht mit den Finger- f pitzen und es machte einen originellen Eindruck, als die ganze Gesellschaft plötzlich wie leblos dafaß.. Das Experiment, daß einer jungen Dame in der Hypnoü der Auftrag wurde, einem Herrn, ber ihr namhaft gemacht wurde, einen Pelzkragen, der auf einem Tisch im Saale lag, zu überbringen, gelang überraschend. Ebenso führte ein junger Mensch den Auftrag ans, zu einem im Saale anwesenden Herrn zu gehen, diesen zu fragen wie spät es ist, und wenn Lieser fehle Antwort gibt, dessen Uhr aus der Tasche zu holen und selbst danach zu schauen, um baint vom Podium zu verkünden, was dessen Uhr zeigt. Nur zwei von den vielen vorgenommenen interessanten Experimenten beringten. Mit großem Interesse maren die Zuhörer den Vorträgen nnd den Erklärungen, die frer Redner dazu gab, gefolgt nnd mit aufrichtigem Tau le für Las Gebotene schieden die Festteilnehmer erst gegen 12 Uhr aus ^er Tem halle.

Aus uns Land.

Gießen, 15. Februar 1910.

Tageskalender für Dienstag, 15. Febr.: Stadt- Theater:Stranbfinber." Ansang 8 Uhr.

: Der Ehrenbürger der Stadt Gießen, Geh. Obermedizinalrat Tr. med. Georg Gassky, seil 1904 Robert Modju Nachfolger als Direktor des Kgl. Instituts für Jnsclt'onskranlheiten in Berlin, begeht am 17. ds. seinen 0 0. 0 cbirrt2tag. Er ist 511 Hannover geboren, promo­vierte 1873 in Berlin und war dann mehrere Jahre als Militärarzt tätig. Als Stabsarzt wurde er 1880 zum Kais. Gesundheitsamt tommanbicri, wo er ein eifriger Schüler Robert §vch2 wurde. 1883 nahm er an der unter Kochs Leitung ausgesührten CholerverpedUiou nach Aegypten unb Ostindien teil und wurde 1885 Leiter des balteriologifchen Laboratoriums im Gesundheitsamt. 1888 wurde Gajsiy ordentlicher Prosessor der Hygiene an der Universität Gießen. Einen Ruf, in den Hamburgischen Staatsdienst lehnte er 1893 ab. 1894.95 war er Rektor der Gießener Hoaszchule. 1897 leitete er die von der deurschen Regierung zur Erfor­schung der Pest nach Indien gesandte Expeoition. Mit Beginn des Wintersem. wers 1904/05 übernahm Gassky die Leitung des Kgl. preuft.chcu J.isti.urs für J.^erUomkrank- l>cireii in Berlin als Nachfolger Kochs. Geheimrat Gasfty hui sich um die Entwicklung der Bakteriologie hervorragende Verdienste erworben. Seine Arbeiten sino vornehmlich ex- perimenteller Natur und beziehen sich hauptsächlich auf baktcriologi che Untersuchungen über DeSinsetiion, Milz­brand, Bwrst- und Fleisch'vergi.tilng, Typhus, Cholera, Pest u. a. Geheimrat Tr. Gasfty geyörle betanutiich längere Zeit der hiesigen StadtverordnerenversamiNtUng an und ( rivarb sich namentlich bei unserer Kanaii,ation große Ver­dienste. Bei seinem allgemein bedauerten Weggang von hier wurde et. zum Ehrenbürger ernannt, eine Ehre, die er nur mit dem Finanzminister Tr. Gnauty teilt.

** Ter Verein für Säuglingssür sorge, der bisher eine Abteilung des Armen- und Krankenoereins war, hat sich als besonderer Verein gegründet. Hierdura) har die

Vereinigung mehr Bewegungsfreiheit erhalten und kann sich ihren Aufgaben nachdrücklicher als bisher widmen. Ferner wurde beschlossen, eine Aenderung im Betriebe des Säuglingsheims eintreten zu lassen. Es sollen nur ge simde, höchstens schwächliche, aber keine kranken Kinder für die Folge aufgenommen werden. Säuglinge, die in der Anstalt erkranken, werden auch fernerhin ärztlich behandelt. Nachdem Prof. Dr. Hans Koeppe fein Verhältnis als ärzt­licher Berater des Säuglingheims bereits früher ge'öst hat, wählte der Vorstand des Vereins den prakt. Arzt Tr. Karl Richter. Durch die neue Organisation wird der Betrieb der Milchtüche so wenig wie der der Anstalt überhaupt beein­trächtigt. Der Verein, der die soziale Seite der Säuglings­fürsorge in unserer Stadt und soweit als tunlich darüber hinaus energisch fördern wird, wird nunmehr in erster Linie seine Tätigkeit darauf richten, neue Mitglieder zu werben, um noch mehr leisten zu können als bisher. Bisher reichten die Mittel für etwa 20 Kinder hin, doch hat sich das Bedrüsnis ergeben, für die doppelte Zahl sorgen zu lönnen.

** Erledigte Lehrer st ellen. Eine mit einem kath. Lehrer zu besitzende Lehrerslelle an der Gememdcschule zu Seligenstadt. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerslelle an der Gemeindeschule zu Haßloch. 9)ht der Stelle ist Organißendienst verbunden. Eine mit einem coang. Lehrer zu besetzende Lehrerslelle an der Gemeindeschule zu Groben-Linden. Mit der Stelle kann Organistenbienft verbunden werden.

* * Krankenversicherung in Hessen 1908. Die durchschnittliche Zahl der Krankenkassen auf öffentlich recyt- licher Grundlage betrug 1908: 1003 Kassen mit 292165 Mitgliedern (204 473 m., 8<" 692 w.). Gemeindekrankenkassen gab es 700 mit 65 452 Mitgliedern, Ortslrankenkajsen 91 mit 119 317 Mitgliedern, Belriebsirantenla.sen 99 mit 51692 Mitgliedern, Bauiraukema.se 1 mit 93 Mitgliedern, Jitnungsüranlenkassen 5 mit 1411 Mitgliedern, eingeschrie­bene Hilfsta,sen 100 mit 51271 Mitgliedern, landesrecht­liche Hilfslaften 7 mit 2923 Mitgliedern. Die Einnahmen aller Krankeilla.scn betrugen 9 709 483 Mk., davon Beiträge 7 268 758 Mk. Tie Ausgcwen befiefeu sich auf 9 179 367 Mk., davon für ärztliche Beyandlung 1598130 Mk., für Arznei usw. 896 061 Mk., für Krankengelder an Mitglieder 362o 918 Mark, an Angehörige 74 035 Mk., für Unterstützung an Schwangere und Wöchnerinnen 107 266 Mk., für Sterbe­gelder 144 317 Mk., für Kur ko st en usw. 640 221 Mk. und für Rekonvaleszenten 4579 Mk. Die Verwaltungsausgaben betrugen 462034 Mk.

* * P 0 st n 0 t i z e n. Der am 10. Februar auf der Reise von Marseille nach Algier beiden Bcuearen gesunkene fran­zösische D a in p s erG e n e r a l Ch an z y" hat an Briefpost aus Deutschland vermutlich die Sendungen für Algier an Bord gehabt, die in Deutschland im Lause des 7. Februar zur Post geliefert worden sind. Die Postsachen sind infolge­dessen verloren. Bei den amtlichen Postkarten soll nunmehr in Verfolg des Beschlußes des letzten Postkongresses in Rom die linke Hülste der Vorderseite dem Absender für schriftliche Mitteilungen freigegeben werden. Tie amtlichen Karten erhalten ebenfalls einen senkrechten Trennungs­strich. Das Muster für diese Formulare ist jetzt vom Reichs­amt endgültig festgesetzt worden und der Reichsbruckerei zur Herstellung der Karten ^gegangen. Der senkrechte Trennungsstrich kommt 6,3 cm rechts vom linken Rand zu stehen. Da die Postkarten 14 cm breit sind, so wird also nicht ganz die Hülste für Mitteilungen freigegeben. Der AusdruckPostlar.e" fällt aber nicht mehr a.is den linken Teil der Karte für die Mitteilungen, sondern kommt rechts von dem Trennungsstrich zu stehen. Dieselbe AnordnunL er­halten die Weltpostkarten zu 10 Psg.

Die Hessische Vereinigung für Volkskunde veranstaltete gestern abend im großen Hörsaal der Universität einen sehr gut besuchten Vortiagsabend, an dem Sanitätsrat Dr. Maurer aus Darmstadtüber unseren Oden­wald" sprach, an der Hand einer großen Anzahl von Lichtbildern, die mit zu dem schönsten gehören, ioa§ vom Odenwald seither m die Oeffentlichteit gelangte. Nicht nur die Naturschötiheiten dieses eigenartigen Gebirges führte der Redner, der als eifriger Vorkämpfer für den Odenwald be­kannt ist, in seinen schönen Lichtbildern vor, sondern auch, und zwar m ganz besonderem Maße, die vielartige, aber jetzt immer mehr zurückgehende Hausindustrie und er ließ uns in biese abgeschiebenen Winkel reger Betriebsamkeit manchen er» staunten Blick tun. Da gibt es noch Nagelschmiebe, Tuch­weber,, die ihre Stoffe mit der Hanb bebaicfen, Schachtel- macher, Töpfer, Uhrmacher, Schinbelschnitzer, Besenmacher, Elfenbeinschnitzer, Spielivarcnschreiner u. s. w., bie trotz der mobernen Großbetriebe noch ein flottes und teilweise auch sehr gut bezahltes Geschäft machen. Auch viele eigenartige Bauwerke, wie bie Einharbsbasilika, die Trümmer der Burg Rodenstein, Schloß Fürstenau mit seinem kühn gespannten Torbogen und viele volkstümliche Kiinstbenkmäler sahen wir in prächtiger Wiedergabe. Auch das Leben und Treiben der Bevölkerung führte uns der Redner vor, und nicht zuletzt eine Reihe prächtiger Charaklcrköpfe aus dem kräftigen Bolksschlage des Odenwaldes. Dic zahlreichen Anwesenden bankten für ben außerordentlich interessanten, nahezu zweistündigen Vortrag mit starkem, ehrlichem Beifall.

** L 0 rträae in französischer Sprache. Man chreibt uns: Interessenten bür'ten etmge Vorbemerkungen zu ben ongehmbtnien Vorträgen tu französischer Sprache willkommen sein, Die ui nächster Zeit in Gießen liakfmben. Samstag Den 19. und Montag den 21. Februar wird Tr. üueien Thomas, Lektor an der Universilät, sprechen über:Deux conceptions de la vie humaine: Victor Hugo et Maurice Maeterlinck." Im erflen Vortrag, über V. Hugo, ivirb Dr. Thomas nnmenilicl) von dem ,,Tli6atre des großen Dichters baubcln, unb zwar von einem neuen, überaus an­ziehenden Gesichtspunkte aus. Bel Maeterlinck wird die erste Periode lemes Schaffens, dlchterifch rote phtlosophiieh seine bedeutendste, im Mittelpunkte flehen; kurze Zitate deutscher Satire auf Maeterlinck roerden den Ernst dieser Ausführungen mildem. Tie beiden Vor­träge bilden insofern ein Ganzes, als das Schroergeivichl auf einer Parallele zrot,chen Den O'ebenemiffaffungen der beiden Dichter liegen wird, die je tn ihrer Art tKepräieninntcn zweier Vielten, zweier Epochen, zweier wejenllith verschtedenen Gefühlsvernrögeit sind. Monsieur Jules Berryer, Professeur de francais, Directeur du cercle fran^ais de Darmstadt, vereinigt m seinem Borlrage drei Themen: «Le th6atre francais ä travers les äges. Les sports antiques et modernes en Frame. Voyage ä travers la Belgique." Zahlreiche Vuliibilöcr werden seine Ausführungen llluslrieren. Alons. Berryer ist schon seit einigen Jahren in Darmstadt und Umgebung als Ridner bekannt und beliebt und wird sich auch hier freunde er­werben. SeineConference ist auf Donnerstag den 24. Februar angesetzt; eine Aenderung ist wegen des Zusammenfalles mit der Aufführung der 9. Symphonie nicht ausgejchlosien.

Bes 1 tzwcchfe 1. Rentner Paul Enn und Architekt Philipp NicolauS kauften das Bott'schc Anwesen am Seltecsweg zum Preise von 200 000 Bit. Die neuen Be­

sitzer beabsichtigen, darauf Geschäftshäuser zu erbauen. Ter Verkauf erfolgte durch Vermittelung deS Herrn Gerson Katz.

* 3000 Mark Belohnung. Auf die Ergreifung des wegen Unterschlagiing flüchtigen slaufmannS Bernhard Blick cu§ Frankfurt a. M. ist außer der bereits zugesagten Belohnung von 1000 Mark eine weitere Belohnung von gleicher Höhe für den ^Nachweis von Spuren zugestcherl worden, die zu feiner Ergreifung führen. Auch für die Auf- finbung greifbarer Depots aus ben unterschlagenen Summen sind 1000 Mark Belohnung gesetzt, falls diefe den Betrag von 10 000 Mark übersteigen.

** Äenn man Pech hat. Ein Mainzer Wirt kgu kürzlich eine Metzgerrechnung in einen leeren Zigarren kästen, der, ohne nachgesehen, einem Kinde geschenkt nnirbc. Als ehrlicher Finber brachte bie Kleine bie Rechnung zurück und übergab sie, da ber Wirt abwesend war, den Stammgästen. Diese lieferten die Rechnung ordnungsgemäß dem Wirt ab, selbst redend aber nicht ohne darauf aufmerksam gemacht zu haben, daß die Rechnung vom Pferbemetzger stammte.

(?) Hungen, 14. Febr. Am Samstag ging die Metz­gerei und Gastwirtschaftzum Löwen", Besitzer Hch. Seibert, nm beit Kaufpreis von 38 000 Mark in ben Besitz eines Herrn Daabs aus Groß-Bieberau über. Die Ueöernahme erfolgt am 1. April.

-1. Ober -Seemen, 14. Febr. Mit großer Erbitte­rung mürbe heute in unserem sonst so friedlichen Ort die Burg erme ist er wähl vorgenouiuien. Die Gegner des jetzigen Bürgermeisters brachten es trotz aller Anstrengungen nur aus 84 Stimmen, die auf ihren Kanbidaten H. Bach VIII. entfielen. Unser seitheriger, überall sehr beliebter Bürger­meister Joh. Peppet ging mit 114 Stimmen als Sieger hervor. Herr P. ist damit 5um vierten Mal als Bürger- meister gewühlt.

rm. Darmstadt, 15. Febr. Äer Landesoer ein vom Roten Kreuz hielt seine Hauptverfummlung unter Vorsitz des Oberkonsistorialprä;identen a. T. Buchner hier ab. Ter BZuch war aus allen Landcsteilen gut. Der Vorsitzende gab einen Ueberblick über die Tätigkeit des Vereins, uns dem Sie stete Weiter­entwicklung zu ersehen ist. Nene Zmeigvereine wurden in Baben­hausen, Gernsheim und Groß-Umstadt gegründet. Zu Ehren der verstorbenen Viitglieber v. Grolmann, Fröhlich, Oberbürgermeister Morneweg und Leydecker erhob man sich von den Sitzen. Dann folgten bie Wahlen. Gewühlt wurden in den Verwaltungsrat neu: die Herren Oberhofmur'chall von Westerweller, Oberst Becker, Hauptmann Waldecker, Beigeordneter Müller, in ben Vorstand Dr. Happel, , Oberkonsistorialpräsibent Nebel, Hauptstaatskassc direktor Dexheimer, Geireralarzt a. D. Liirdemann und General- Leutnant Kvrwan. Der von Herrn Dexheimer vorgetrageire Kassen­bericht wurde genehmigt nnd dem Rechner Entlastung erteilt. Auch der Voranschlag für 1910, der mit 21900 Mark in Ein­nahme und Ausgabe abschließt, findet Annahme. Kommerzienrat Hickler erstattete dann einen eingehenden Bericht über die Tätig feit der Magazins-Kommission für Messina, der Magazin-Ver Wallung und der weiteren Ausgabe des Depots. Danach gingen nach Messina zwei Sendungen int Werte von 9205 Mar, und 11 942 Mark. Tas Magazin ist in der Lage, nunmehr 612 Betten zn stellen, doppelt 1'0 viel, als 1870 benötigt wurden. Der Redner schlägt vor, für die Ausstattung eines vollständigen La zaretzuges zu sorgen. Er führt eine nach seinen Angaben an gefertigte neue Tragbahre vor, die den Kranken und Verwun­deten mehr Schutz gewährt und dabei viel billiger ist. Ter Vor stand wird sich demnächst mit dem Vorschlag befassen, zu diesem Zwecke 300 Tragbetten für den Sanitätszug zu dem Betrage von 7500 Mark zu beschaffen. Weiter sollen 200 Mattazen für 2(500 Mark beschafft werden. Der Geschäftsbericht fall im Druck er scheinen. General Korwan berichtet dann über Vervandstellen und Ersrtschungsstätten int Kriegsfälle, an bie sich eine Besprechung anschloß.

se. Mainz, 14. Febr. Ter Wagenführer Helm, ber den Zusammenstoß ber Straßenbahn nach Gonsenheim verschnl- bete und von ber Strafkammer, wie wir seinerzeit berichteten, zu einem Monat Gefängnis verurteilt worben war, ist im G na ­ben Wege biese Strafe in eine Gelbstrase von 150 M a r k umgewandelt worben.

(SerictytsBaciL

München, 14. Febr. Wegen fortgesetzter schwerer. M i ß h a n b l u u g eines Rekruten hat bas Kriegsgericht ber ersten Division ben 19 jährigen Fähnrich Flügel vom 2. Infanterie-RegimentKronprinz" in München zu fünf Mo naten Festung verurteilt. Von einer Degradation wurde nur mit Rücksicht auf die Jugend des Angeklagten abgesehen.

Luslschiffahtt.

Berlin, 14. Febr. Nach derVoss. 3tg/' flog heute bet Flieger B e hrend bei den Flugversuchen in Rummelsburg in­folge Versagens ber. Höhensteuernng in einer Höhe von etwa 20 Metern in die Bäume. Der Apparat wurde vollständig zertrümmert. Die Bäume mußten gefällt werden um bie Trüm mer frei zu bekommen. Behrenb würbe nicht verletzt.

London, 15. Febr. Der Zweibecker ber Gebt. Sanbers wurde üt der Nähe von Lowestoft von einem schweren Un­fall betroffen. In der Höhe von 20 Fuß mit einer Stundcn- geschwinbigkeit von 25 5Neilen stießen bie Flügel ber Maschine gegen Telegraphenbrähte. Die Maschine kippte um unb stürzte mit großer Gewalt zu Boben. Sie würbe vollkommen zertrüin- mert. Kempton Sanbers wurde nicht verletzt.

Ocrinischtes.

* Die Goldmine ber A ztei e n id icbcrcn tbed t. Sic berühmte Schatzkammer ber allen Azteken, bie große Goto- mine in ben Bergen Mexikos, bie ben Spaniern in ber Zeil, da sie über Mexiko herrschten, eine Galbquelie Don unerschöpftiaj. in Reichtum war, ist wieder ausgefunden worden, unb eine Gcsellschaü unternehmender Engländer hat bcrcild alle Bortehrungcn ge rro'sfcn, um die Ausbeutung der Mine zu beginnen. Frank Camv dell,, ein englischer Reisender, gibt im World Magazine eine in ter en ante Schilderung von dem Reichtum und ber wechselrwllen Geschichte dieser goldenen Höhle. ?or 200 Jabren war bie Mine von Tayapa Eigentum der spanischen Krone. In den Gemeinde- archiv^n von Hermonillo hat Campbell alte Totumente gesundem, aus denen hervorgeht, daß die Mine dem spanischen Herrscher ein Einkommen von 200 Millionen verschaffte.Unter der Auf- sick't der Spanier wurde bas Bergwerk von Indianern betrieben. Tann kam ein Aufstunb, sämtliche Spanier wurden ermordet, unb bie Jnbiancr wußten ben Eingang zu der Mine so glücklich zu verbergen, baß ein Jahrhundert verstrich, ehe ein Goldsucher ben Weg zu dem Schatze wieber entdeckte. Al^r der kühne Psabsinbcr, Robert d'Aumalie, mußte seinen Fund mit seinem Leben bezahlen: anck) er würbe von den >->iidianern ermyrott." In Beglcckung sein r Freunbcs hat Eampbell bic toicberaufgeTuiiLcnc Stätte besucht ,,3n der Diese eines Abgrundes sahen wir eine rund 240 Fuß tiefe Aushöhlung, bic alle Anzeichen trug, daß hier in vergangenen Zellen em Minenbetrieb gewaltet hatte. Wir sanden die Uebcr refte alter Bauten, Leiter unb aurgebäufte Schnttmengen. D.is iw die Glätte der allen Tayapaminc unb hier Liegen bic riesigen 0'0ld- unb <oilberftlber, bie einst eine Haiiftquclll des Reichtums ber ipannüen Krone waren." Tic Pläne zum Bau einer Eisen­bahn, bie von bent füblichen Enbpmikt der Southern Pacificdahn von Tonochi bis zu ber Mine sichren soll, sind bereits ansgear beitet, unb binnen kurzem wirb eine'-ar von Arbeitern beir fpröben Fels wieber bearbeiten.

lerne Tagcechronik.

Stuf der ZecheWestenb" ber Phoenix-BergbaugefÄlschaft ging, wie aus ruisburg gemeldet oirb, ein Teil des Haupl- I ch 1 a g e 2 z u B r u ch. Zwei Arbe.ter wurden foport getötet, zwei andere zwar gerettet, aber schwer verletzt.