müssen, um uns gegen Angriffe solclyr Nationen zu schützen, loddn? mit sck^celen Augen auf unierc wirtschaft!id>en Erfolg-: baden. Nur die stritte Turchsührung des FlotiengesetzeS in allen seinen Teilen kann uns den bered# igtcn Anteil an Geltung auf dem freien Weltmeer schaffen, den wir für uns in Einspruch nehmen müssen.
Gegen dieses Flvttengesetz iverden aber in letzter Zeit verschiedene Argumente ins Feld geführt. Zunächst der Einwand, baß wir eine dopr.lte Rüstung zu Lande und zu Wasser »idyt zu ertragen ücrmcd.tc.. So bedeutend die Ausgaben für diese Rüstung nun aud> gewesen sind, hat sich dank dem Fleiß, der Tüchtigleit und der Intelligenz des deut,d>en Boltes unser Wohlstand in nicht geahnter Weise gehoben. Mit dem ständigen Anwachsen unserer Bevölkerung — 65 Millionen gegen 11 Millionen im Jalire 18iO -- und eilte)1 jährlichen Zunahme von rund 800OLO Seelen muhten wir uns aber weitere Ziele stecken und uns aus einer Kontinentalmacht zu einer Weltmacht entwickeln. Unser Welthandel, der sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt hat, der seit dem Inkrafttreten des letzten 3-tottcn* gesetzis — in einem Zeitraum von 10 Jahren — von 10 auf 16 Milliarden angewachsen ist, von benen allein etwa 12 Milliarden auf den Leel-anbcl anzured>nen sind, kann nur gedeihen, wenn ihm der nötige Sckxutz zuteil wird.
Der Zeitpunkt für eine allgemeine Ab rü st u n g , nur um eine solche könnte es sich handeln, ist rroch nid)t gekommen, eine Einschränkung der Rüstungen ist aber eine Halbheit, die unmöglid; zum Ziele führen kann und durch die die freie Entwicklung eines Volkes verkümmert werden muß. Es gäbe noch den Weg des Bündnisses, aber der Bundesgenosse wird erst geschätzt, wenn er etwas mitbringt, und es bleibt hierbei zu berücksichtigen, daß Bündnisse über Nacht vergehen können, während die Schaffung und der Ausbau einer wohlorganisierten Flotte so manches Jahrzehnt erfordern.
Zur Ersparung von Kosten wird weiter auf die „billigen Unterseeboote" hingewiesen. Es wird behauptet, daß dia gestiegene Bedeutung der Tauchboote die Unfehlbarkeit der „Dreadnoughts" erschüttere. Frankreich, die Wiege der Unterseeboote, betreibt seit Jahresfrist, trotz der als so bedeutend hingestellten Erfolge dieser Boote bei den vorjährigen Manövers, die Beschaffung einer starken Hochseeflotte. England, das Land, welches in bezug auf Seeerfahrnug an der Spitze der Nationen marschiert, fährt unentwegt mit dem Bau seiner Niesenschiffe fort. Das praktische Amerika mißt, qleidj uns, den Unterseebooten nur eine Bedeutung für die Kühenvertcidigung bei und baut die schwersten Schiffe, die bisher überhaupt vom Stapel gelaufen sind.
Sicherlich wird das Vorhandensein von Unterseebooten auf die Entwicklung der Seestrategie unb Seetaktik von nicht zu uilterschätzender Bedeutung fein. Auch können Zweifel darüber nicht bestehen, daß durch die Existenz dieser Boote die Durchführung einer Blockade erschwert wird, dock; vermag ich, der ich mich dock) auch etwas mit Seetaktik beschäftigt habe, der Behauptung, daß man sich als Folge des Auftretens der Tauchboote kaum eine Seeschlacht in der südlichen Nordsee vor- stellen könne, nicht zu folgen. Ich komme vielmehr zu dem Schluß, daß trotz der nicht zu unterschätzenden Wichtigkeit der Unterseeboote, die Hochseeflotte nach keiner Richtung hin an ihrer Bedeutung verloren hat.
Der Großadmiral führte noch aus, daß auch die Dieb gepriesene Billigkeit der Unterseeboote nicht bestehe, und schloß mit einer wirksamen Vorstellung an die Weitsichtigkeit und die Vaterlandsliebe des deutschen Volkes.
Lin Ausruf an das ungarische Volk.
Ofenpest, 14. Febr. Das Organisationskomitee der Re gierungspartei erläßt einen Aufruf an b i c Nation, in welchem darauf hin gewiesen wird, daß die Parteiunterscheidung zwisckien den Gegnern und Anhängern der 67 er ausgleiche und zwischen der Unabhängigkeitspartei und der Ausgleichspartei vollkommen inhaltslos geworden sei, da die Unabhängigkeits
versäumt habe, die geigneten Schritte zu einer Vertretung der deutschen Kunst auf der Brüsseler Ausstellung d. I. zu tun. Der Hauptausschuß der Kunstgenossenschait erklärt dagegen, auch in dieser Angelegenheit seine volle Pflickst getan zu haben und- verweist auf den Rechenschastsbericht, der auf der Hauplversamm- Untg der Kunstgeiwssensdwit am 21. 9Närz bekannt gegeben tvirb. Jedenfalls hat das Vorgehen ber Kunstgenossenschajt keinen Erfolg gehabt, und sie ist diesmal, vielleicht nickK nur diesmal, au&= geschaltet. Für Brüssel hat nur eine kleine Reihe von M a l e r n unb Bildhauern unmittelbar Einladungen zur Ausstellung erhalten. Mit Reckst will man mehr auf die Güte der Werke, die die deutschie Kunst im Auslande zu vertreten berufen sind, sehen, anstatt wie früher unter größeren Mengen das vor- bandene Gute verichivinden zu Jaffen. Nicht viel mehr als 50 Werk deutfcyer KünsUer werden in Brüssel zu sehen sein.
— Die neuesten Facher. Aus Paris wird geschrieben: Ter Jäcl-er, das tolette Sinnbild weiblicher Grazie, ist in feinen leidsten, schnell wech-selnden Formen stets em Spiegelbild der Zeitströmungen gewesen, die diesem zarten Gebilde ihre Prägung zu verleihen wußten. Wiederum tauchen die neuesten Errungen- schäften unserer Zeit in vergnüglicher Zierlichkeit in den Fäckfern auf,_J>ie Gestalt einer Flugmasastne wird geschickt angedeutet und die Taten der berühmtesten Zlieger erhalten eine hübsche Verzierung in Goldstickerei. Andere Fächer werden in Perlmutter künstlerisch geschnitzt und mit koßoaren Spitzen malerisch hergerichtet. Ihren erlesenen Reiz bewahren jene Fächer, die aus dem einfachsten unb vergänglichsten Material, dem Papier, gefertigt, eben d.eser leicht zerstörbaren Grazie ihren Dust verdanlen, wie der Schmetterling dem flüchtigen Zauber des Blütenstaubes, unb die doch ihre unersetzliche Kostbarkeit durch Namensunterschrist berühmter Dichter empsangiu. Viel beneidet sind Damen, bie auf ihren Papiersäck-ern eigenhändig geschriebene und unterzeichnete Verse Edmond Itostands tragen, des Poeten, den die Pariser Gesellschaft in der Erwartung seines neuen Werkes am meisten vergöttert. Freilich wirb dies hohe Glück nur roeiligen zuteil. Die Fächer sind in diesem Jahre Meiner geworden,, als sie es in den vergangenen Wintern waren. Sie müssen |idj in Form, Zeichnung und Farbe der Kleidung anpassen, und die elegante Dame legt großen Wert darauf, in ihrem Fächer die Ornamente unb das Material zu wiederholen, das ihr Anzug außveist. Neben diesen ganz modernen und in Uelxremilinunung mit der Geiaintersd/einnng berge,tettten fächern erscheinen bann die kostbaren Nachahmungen alter Facher, besonders der Rokoko- und Empiresormen, die mit Entwürfen eines Watteau, Fragonard, Bouu,«r verziert sind. Doch treten solche Glanzstücke enter Kunstfertiglsit gegen die neuesten Arten der Mode zurück, in denen bet Geist u-er Gegenwart funielt, der Witz und.die Ersindung oes Tages lachen, die <^eele der Frau von heute sich entfaltet.
Partei, als sie die Majorität erlangte, und zur Regierung gelangte, genötigt gewesen sei, ihre Gegnerschast gegen das Aus gleichsge,etz aujzugeben unb den Dualismus anzuerkennen. Die Regime bet Koalition habe in einem Zwiespalt zwisdren der Na tion unb Krone geendet, welches das Land den größten Erschütterungen aussetze.
In dieser schwierigen Lage ergehe der Appell a n d i e N a t i o n z u r B i l d u n g e i ne r P a r te i, die die Harmonie zwischen dem König und der Nation herstelle unb bie Politik der produk tiven Arbeit und reellen Ziele ün Auge behalte An die neue Partei könnten sich alle ohne Mcksichl auf ihre frühere Zu gehörigkeit zu der alten Partei anschließen. Die Konstituierung finde am 19. Februar statt. Der Aufruf trägt die Unterschritten aller Minister, der Grafen Tisza und Csaki), zahlreicher No- tiibilitäten sowie Mitgliedern der früheren liberalen Partei. Die Verfassungspartei beschloß heute, sich anszii lösen.
2lus Hessen.
Ein her Zweiten Kummer jugcgaiißencr Antrag von Abg. Dr. Osann und Genossen ersucht int Sinne der auf Vereinfachung und Verbilligung der Staatsverwaltung gc richteten Bestrebungen um eine alsbaldige Vorlage über einheitliche SDi gan i f a 1 i o-n sämtlicher ft aa t licher Baubehörden, einschließlich des kulturtechui scheu Dienstes. In der Begründung des Antrages sind im wesentlichen die Gründe angegeben, bie in den letzten Wochen im „Gieß. Anz." mehrfach zum Ausbruck kamen
Eine Regierungsvorlage sieht einige Aenberungen bes Gesetzes über das Notariats- und Kastenwesen vor. IL a. soll dadurch die Möglichkeit der Abnahme von Versicherungen an Eid es statt durch 'Notare eingeführt und die Vertretung von Laren bei plötzlich cintrctenbcn Ver hin berungen geregelt werden. Weiter sind einige Notariats- gebühren neu fe,.gestellt worden.
Jür die Herstellung einer schmalspurigen del irischen Nebenbahn von K r e u z n a ch (Lanbesgrenzc i über Bosenheim, P^aifeusu/wabenhe.in, Bödenheim und Sprendlingen nach S L I o I) a n n wird die Be.villigung eines Staatszuschusses von 13000 Mk. für den Kilometer für die 11,5 Kilometer lange hessische Strecke bei den Ständen beantragt. Es handelt sich um eine Fortsetzung der ftäbt. elektrischen Straßenbahn in Kreuznach.
Der Wahlprüsungs Ausschuß trift am kom menben Donnerstag, 17. b. Mts., unter dem Vorsitz des Abg. Breidenbach zusammen, um über die Wcchl des ÜÜjg. Frenay im *3. Rheinh. Wahlbezirk, soiuie des Abg. E i b a ck im 3. Rheinh. Wahlbezirk zu beraten.
rlusland.
Die Blätter melden aus Wien: Eine Verschlimmerung in dem Befinden des Bürgermeisters Dr. Lueger machte einen operativen Eingriff notwendig. Die entzündete Stelle am Rücken wurde geöffnet und es erfolgte die Ablassung von Eiter. Da Bürgermeister Dr. Lueger an Diabetis leidet, ist diese Operation nicht ganz unbebenf lich.
Aus Triest wirb gemeldet: Am Montag vormittag wurde in Gegenwart des Hairdelsministers der neue Franz-Josef-Hafen, ein Tool her groß angelegten Hasenerweiterung, feierlich eröffnet und dem Verkehr über geben.
Nachdem die Wahl des Liberalen Wason von Orknev and Shetland gemeldet worden ist, liegen jetzt alle eng lischen Wahlresultate vor, nad) denselben setzt sich das Haus der Gemeinen wie folgt zusammen: 273 Kon ferbatibe, 274 Liberale, 41 Mitglieder der Arbeiterpartei und 82 Nationalisten.
Aus London wird amtlich gemeldet: Churchill wurde zum Minister des Innern, Buxton zum Handels Minister, P e a f e zum Kanzler des Herzogtums Lancaster Herbert Samuel zum Minister für Post und Telegraphie unb Master of Elibank zum Parlamentssekretär des SchatzamIlZ ernannt
Dem Vernehmen nach entarten sich die englische und die russische Regierung nach länger als zwei Monate dauern den Verhandlungen bereit, das Ersuchen Persiens um Gewährung eines Vorschusses dahiu zu beantworten, daß unter gegriffen Bedingungen 400 000 Pfund gewährt werden sollen. In Anbetracht der kürzlich eingetretenen Verschlechterung in den Beziehungen zwischen Rußland und Persien ist es, so wird aus Teheran gemeldet, freilich nicht ausgeschlossen, daß der Medschlis die Bedingungen, die er vor einem Monat für nicht zu hart gehalten haben dürfte, nicht annimmt.
Die Vollversammlung des Komitees der S ch a f f u n g einer russischen Kriegsflotte durch freiwillige Bei träge hat nach einer Petersburger Meldung beschlossen, den Restbestand der gesammelten Gelder in Höhe von 900 00<i Rubeln unverzüglich im Interesse zur Errichtung einer Luftschifflotte zu verwenden und die kaiserliche Genehmigung für eine über ganz Rußland auszudehnende Sammlung für den gleichen Zweck nachzusuchen. Das Ko mitee errichtet eine Sektion Luftschifflotte, in welcher der Großfürst Alexander Michailowirsch den Vorsitz übernimmt.
Das Befinden des Königs v o u N o r w e g e n hat sich soweit gebelfert, daß die Mitglieder der lönigliaieu Familie jetzt zum Besuche Hugelasfen werden. Die Königin ver bringt seit ihrer Rückäehr den größten Teil des Tages im Krankenzimmer.
D.e S^puriertenlammer in Ko nstantinopel gencl) mißte den Gesetzentwurf, nach welchem für Marinebau teu fünf Millionen Pfund, auf 10 Jahre ver teilt, ausgesetzt werden.
Wie die '-blader aus Athe n melden, befinden sich unter den Vorlagen, die der Kammer unterbreitet werden sollen, eine solche über bie Gründung eines Ministeriums |ür Handel, Industrie und Ackerbau, das dem
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160, Jahrgang
Dienstag 1». Februar 1910
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Schulstrahe X. A.lzej'genieck^ 'H "Äck.
Annahme von Anzeigen
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Nr. 38//
:r Gießener «nzeiyer crfcheint täglich, außer Loinitags. - Beilagen: ntermal wöcbentlicki GiehencrZamilienblätter, jDCirnalivöcbentl.Kuis-- dlattsürdenUreisGietzen i lienstag und Freitag);
•neimal monatl. Land wirtschaftliche Seitftagen .xerniprech - Anschlüsse: tiir die Redaktion 112, ■Jerlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen
Anzeiger Gießen.
Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten.
Aur dem Gesetzgebungrausschutz der Hess. Kommet.
R. B. Darmstadt, 14. Febr. Der Gesetzgebungs- a u 6 i d? u B der Zweiten hmmeu beschäftigte sich heute nachuiiltaq unter Vorsitz des Abg. Justizrat v. Brentano zu- ,-rft mit ber Frage ber W a h l k r c i S e i u t e i l u n g. Diese bildet bekanntlich den letztcu der drei Gesetzentwüife der Wahlrechtsvorlage. Es hatte bisher Unklarheit darüber gcherrsdst, ob sich die Erste Kammer schon mit der Beratung der beiden vom Ausschuß ber Zweiten Kammer fertig gestellten Gcsetzeiittoürfe über die Vei> laiiuiigyänberung unb bas eigentliche Wahlgesetz beschäftigen, ober norersi auch bie Erlebigung bes britten Gesetzentwurfs abwarten ir-ürbc. 'Nachdem nun der Ausschußpräfibent Gewißheit über die Bereitwilligkeit der Ersten Kammer erhalten hat, id)on vor Erledigung der Wahlkreiseintcitung burd) ben Ausschuß in die Be- rfltung der beiden anderen Gesetzentwürfe einzutreten, wurde heut beschlossen, vor Feststellung des Sdncksals der Entwürfe in der Ersten Kammer von der zweifellos sehr mühsamen Beratung der Rcgierungsvorschläge über die neue Wahlkreiseinteilung vorerst abzusehen. Es sollen aber die verschiedenen Fraktionsvorstäiidc ersucht werden, ihre event. Wünsche und Anträge bis zuni 5. März dem Ausschuß zu unterbreiten, Damit er sich alsbald nach dem voraussichtlich am 1. März erfolgenden Zusammentritt der Kammer damit beschäftigen kann.
Eine längere Ausiprache entwickelte fich dann über den Antrag Noack auf Einführung zweijähriger Budget- Perioden. Der Antrag wurde schließlich cüifLmmig als untunlich verworfen, doch wurde allgemein die Notwendigkeit an- t ri'Qnnt, bie jetzigen langen Erörterungen bei ber Haushaltsberatung möglichst einzuichranken unb fold)c nur etwa alte Drei Jahre ftattfinben zu lassen. Der Ausschuß wirb seine Beratungen morgen vormittag sortfetzen.
(Ein Reichzkontrollgesetz.
Der Entwurf eines Ncichskontrollgcsetzes, der dem Reiche •_age zugegangen ist, bestimmt, wie man uns aus Berlin schreibt, daß die Kontrolle des Reichshaushalts, des Kolonial- haushalts unb ber Lanbeshaushaltc für bie Reichslanbc ber preutzischen Ober-Nechnungskaniiner unter ber Benennung „Rech> nungshof bes Deiitschcn Reichs" nach Maßgabe bes Gesetzes, von 1868 übertragen wird. Der Entwurf gibt ferner dein Rechnungshof Dirciliven für bie Prüfung einzelner Arten von Rechnungen und Ueberlassung ber Prüfung an bie Verwaltungsbehörden unb über bie Einkassierung fehlender Beträge. Im übrigen schließt ich der Entwurf den früheren gleichartigen Gesetzen an. Der Entwurf Hal provisorischen Eharakter unb soll in Kraft bleiben bis zum Erlasse bes nodi ausstehenden Gesetzes über den Rech- EgShof. Das Gesetz stellt eine Vereinfachung des bisherigen Kom rollwesens dar, indem die Verwaltungsbehörden einen Teil er Kontrolle übernehmen.
Line Tagung öt$ bayerischen Zloltcnvereinr.
Iu M ü n ch e n fand am Sonntag eine Delegierten- ' oerfommlunfl des bayerischen Landesverbands ck>es deutschen ! Floitenvereins statt. Der Vorsitzende, Fürst Castell, begrüßte den als Gast erschienenen Präsidenten des Flotten- Vereins, G r o ß a o m i r a l v. Kö ft e r, nut besonderer 5?>erz- lichkeit und gaD seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß umer v. Koshers Leitung der Friede im Ftottenvereüw wieder eingecehrt sei. Großadmiral v. Koster hielt darauf eine längere floltenpolitische Rede, auis der wir die folgenden bemerkenswerten Ausführungen wiedergeben:
Wir verfolgen mit der Durchführung des Fottuigesctzes, das <me starke — aber bei weitem nicht die stärkste — Flotte zu Berteidigungszwecken schaffen will, bod; nur ben Weg, den andere Evoßstoaten schon Der uns eingeschlagen haben und den wir gehen
(Ein berühmter Lupserstecher.
Ein würdiger Nachfolger Ehodowiciis, des berühmten Kupferstechers, von dessen Hand wir eine große Anzahl bemerkenswerter Kunstwerke besitzen, war Eduard Mandel, dessen 100. Geburtstag heute ist. Eduard Mandel, der am 15. Februar 1810 in Berlin geboren wurde, war der hervorrageiidste Kupfersted)er seiner Zeit. Sd)vn als Kind zeigte er ein so hervorragendes Talent un Zerckmeu, daß sein Vater, ein geschickter Instrumentenmacher, alles für seine Ausbildung tat, obgleich ihm dies nicht leicht wurde. Auf der Kunst'russtellnng von 1826 erregte ein von dem Sohn mit der g-eder gezem/iirtes fogcnanutes Quodlibet atlgemeuies Aufsehen unb ein kopierter SchGu und ein nachgezeid>neter Kupfer- stich machten and) den König Friedrich Wül-elm III. auf den talentvollen jungen 9)1 amt ausmertsaiu, so daß er ihm die Mittel zu feiner ferneren Ausbildung bewilligte. Mairdel wurde in die Kupsersted-ecschule aufgenomnien und sa-on 1828 wurden Arbeiten bon ihm ausgestellt, bie als vollenbete Kunstwerke gelten konnten; darunter eine Zeichnung in schwarzer Kreide nad) Guido Reni. Für den König führte er einen Stich seines Bildes aus, unb zwar WL etile größere Arbeit in Linien-Manier nad) eigener Zeichrrnng. Nun trat er aus ber Schule, arbeitete aber nach w.e vor rastlos an seiner Ausbilbung. 1835 vollendete er einen Stich nach dem Bilde des Düffeldvrfers Hildebrandt „Der Krieger und sein Kind". Tas Bild wurde damals sehr gerühmt unb bas nach ihm gestochene Blatt sanb große Verbreitung. 1837 nahm ihn bie Berliner Akademie unter ihre Mitglieder auf unb Par.s, wo er ausstellte, verlieh ihm die goldene Medaille. Zwei Jal)re studierte er in Par.s bei Dupont und übernahm zurückgerehrt eine Professur an der Berliner Akademie. Die Reihe von vortrefflidien Arbeiten, bie rr lieferte, brachten ihm Geld uni> Ehren in glcidjcr Weise. Tie höchsten Orden aller deutschen Staaten schmückten ihn. Von seinen Blättern sind besonders bekannt geworden: der Hirtenknabe m der Eampagna und die Stiche nach der 9Nadonna della Sedia und nad) dem van Tyckschcn Porträt König Karls. Für die Ausgabe ber Werke Friedrichs bes Großen in 40 Quartbänden stach er unter anderen ein meisterhaftes Bildnis des Großer: Kürrfürsteni, «n dem leider nur wenige Abzüge vorhanden sind. Im Jahre 1873 begaint er sein Hauptwerk, den Stw> der Sixti n isdie n M abonna. Sieden Jahre hat er ber Herstellung bes Blattes gewidmet unb als er 1882 starb, war cs bis auf gauz geringe Aeinigteiten vollendet. So groß Oouarb Mandel a,s Künstler i ™är, so liebenswürdig war er als Me^ifd) unb in ber Geschichte £ec Berliner Kunst unb in ber Berliner GesellfchMt hat er ein oLuerndes Andenken hinterlassen.
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~ Die deutsche Kunst aus Der Brüsseler Weltausstellung. Ter Allgemeiuen Deutschen Kunstgenossenschait craren lebhafte Vorwürfe gemacht worden, daß ber Veroaud es


