Ausgabe 
14.5.1910 Erstes Blatt
 
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timcy herabsetzt, um ftc in Aufnahme zu bringen, uitb daß schließlich die bisher für Senatoren und Abgeordnete von Der Manufaktur in Chäteauroux hergestcllten Cen­times-Zigarren, um die sich d<rs Publikum riß, mit einer Leibbinde versehen für 15 Centimes in allen Tabaks- Trafitcn zum Verkaufe gestellt werden, ohne daß die Volks­vertreter im Palais Bourbon und im Luxembourg sie billiger bekommen könnten.

Paris, 13. Mai. Infolge der auf Antrag des Finanz- ministers Dom Parlament beschlossenen Bcsteuernng der Z i garten und d c s Tabaks hat sich eineN a t i o n a l e L i g a -zur Verteidigung der Rancher" gebildet, deren Ziel eS ist, gegen die Verteuerung zweier vovulärer Tabakssorter Caporal n'nd Luperieur Mainland Einspruch zu erheben. Für morgen abend ist eilte große Widerspruchsversammlung cinberufcn Worten.

Die erste Versammlung öes Professors van Soifer.

Z- Fr iedberg, 14. Mai.

Mit einer außerordentlich gut besuchten öffentlichen Ver sarnrnlung trat gestern die nationalliberale Partei in den Wahlkampf ein. Der hiesige Saalbau war dich! besetzt. Der Kandidat der natlib. Partei Professor van Caller führte zunächst aus, wie er zur Annahme de: Kandidatur gekommen sei und legte dann seine politischen Grundanschauungen har. Sie gipfelten in dem Satz, das alle Stände "des Volkes dazu berufen seien, an der Entwickelung der Geschicke des Staates mitzuarbeiten.Ver­trauen zum Volle" müsse das Stichwort der glücklichen Zu kunft unseres Vaterlandes sein.

Nack' diesen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ans sührungen erklärte namens der fortschrittlichen Votkspartei unseres Wahlkreises Dr. S t r e ck e r - Bad-Nauheim seine Zu­stimmung zu diesen Ausführungen und sicherte die tat kräftige Unterstützung zu.

" Landragsabg. Korell suchte die .Haltung des Bundes der Landwirte zu rechtfertigen und warnte die Wähler de nationalliberalen Partei vor dem Linksabmarsch der Partei

Der Generalsekretär der nationalliberalen Parte Br eit Haupt aus Berlin rechtfertigte unter stürmischen' Beifall der Versammlung die Haltung Der Nationalliberalen deren Kampfesstellung nach rechts in der Ersatzwahl nur ein Ausfluß der politischen Situation im Reiche nach den. Scheitern der Blockpolitik sei. Der Kampf zwischen den. Feudalismus der konservativen Partei und dem modernen Staate müsse ausgetragen werden.

Deutsches Heid»,

Das Reichsschatzamt beabsichtigt, wie. uns aus Berlin geschrieben wird, auf Grund der Beschlüsse des Reichstags ausschusses zur Vorberatung des Zuwachs st euer g e s e tz es P r o b e e i n s ch ä tz u n g e n vorzunehmen, um di Wirkung der Beschlüsse zu erproben. Diese Einschätzungen sollen in Hessen und durch größere Kommunen erfolgen und im Herbst soll dieses Material nebst dem Ergebnis über Erhebungen über die Wertsteigerung von Grundstücken sowie Berechnungen über die Entschädigungs­pflicht des Reichs den Gemeinden gegenüber dem Ausschuß porgelegt werden.

Tie deutschen Lande-zversicherungsanstalten traten am 12. Mai in Berlin unter dem Vorsitz von Tr. Freund-Berlin zu einer Vollversammlung zusammen, um zu dem Entwurf der Reichs-Versicherungs- ordnung Stellung zu nehmen. Die Versammlung be­schloß, unverzüglich dem Reichstage Abänderungsvor­schläge zu unterbreiten.

Der Hausabund har eine Abteilung zur Förderung der Interessen des gewerblichen Mittelstandes gebildet, deren Aufgabe die Krediravganisation für den Mittelstand, ins besondere die Beleihungen offener Buchforderungen, bildet.

Zwischen Vertretern des Vereins der Brauereien von Berlin und Umgegend und Vertretern der Ar- jbeiter-Organisationen wurde ein neuer Tarifvertrag unterzeichnet, durch den der Friede im Berliner Brau-Ge- toerbe endgültig gesichert ist .

Aus Berlin wird gemeldet: Zur Ermittelung der Kosten, welche durch die Errichtung der V e r s i ch e - rungsämter nach der Reichsversicherungsordnung ent­stehen würden, hat sich ein Ausschuß unter dem Vorsitz des Direktors der sozialpolitischen Abteilung im Reichs­amt des Innern nach der Rheinprovinz begeben. Wad) Pfingsten soll die Provinz Pommern besucht werden.

Aus Colmar wird gemeldet: Tie vor 6 Monaten von der Regierung gegen den Agenten Wegelin in Mül-

SBorriditintg zur Ausnahme einer Kassette mit der photographischen Platte angebracht. Nur eine Schwierigkeit ist dabei zu über­winden. Die Himmelskörper stehen nicht ruhig, sondern bewegen sich und selbst die sog, Fixsterne beschreiben im Laufe eines Tages einen Kreis. Man verwendet deshalb Uhrwerke, die das photographische Fernrohr den auszunehmenden Himmelskörpern nachdrehen. Die Bewegung selbst der größten und feinsten Uhr­werke ist aber nicht sein genug, und so muß durch ein weitcrgs mit dem photographischen Fernrohr verbundenes sog. FührungS- fernrohr der Gang genau überwacht und u. U. nachgestcllt werden.

Da bet lichtschwachen^Objekten, z. B. den weißen Kometen, die Platte häusig 12 Stunden belichtet werden muß, ist das ost sür den betreffenden Astronomen eine harte Geduldsprobe.

Das photographische Fernrohr findet auch Verwendung zur findung neuer Himmelskörper, z. B. neuer Planeten oder Kometen. Stellt man nämlich das Fernrohr auf die Fixsterne ein, so daß cs deren Bewegung genau folgt, so fällt das Licht stets auf die­selbe Stelle: die Fixsterne erscheinen dann als Punkte. Hat aber ein Himmelskörper eine andere Bewegung wie die Fix­sterne, z. B. ein Planet, so wird er nach und nach andere Stellen der Platte belichten und als Strich erscheinen. Dadurch mache er sich dann auf dem Bild deutlich bemerkbar.

Etwas ähnliches beobachtet man beim Photographieren eines Planeten oder Kometen. Da der Apparat auf sie eingestellt ist und mit ihnen gedreht wird, erscheinen die sich anders bewegen­den Fixsterne auf der Platte als Striche.

Neuerdings hat man auch das Stereoskop in den Dienst der Astronomie gestellt. Besonders Prof. Max Wolf in Heidelberg hat dies durchgeführt. Er machte zwei geeignete verschiedene Auf­nahmen, die durch das Stereoskop betrachtet ein körperlich Bild gaben.

Durch die Photographie werden auch die Messungen außer­ordentlich viel genauer.

In erster Linie handelt es sich da um genaue Ortsbestim­mungen. Sie beruhen auf demselben Grundsatz wie die Orts­bestimmungen auf der Erdkugel, wo ein Ort genau durch die geo­graphische Länge und Breite bestimmt wird. Der geo­graphischen Länge entspricht da die Rektaszension - AR, ge­messen vom sog. Frühlingspunkt aus, und der Breite die Dekli­nation.

Aus einer genauen Ortsbestimmung beruhen noch andere wich­tige Berechmingen, wie z. B. die Berechnung seiner Bahn, die Berechnung seiner Geschwindigkeit, der Länge des Schweifes uiro._ Die Angaben geschehen dabei im Bogenmaß, d. h in der Größe des Bogens, unter dem sie von dem Ort des Beobachters aus am Himmel erscheinen.

häufen wegen der bekannten Vorkommnisse int Zentral- Hotel verfugte Ausweisung ist laut Mitteilung des Bezirks­präsidenten von Colmar vom 15. Mai an aufgehoben worden.

Ausland.

Im österreichischen A b g e o r d n c t e n h a u f e wurde die Regierungsvorlage betreffend die endgültige Reform der Gefchäftsordnung dem Gefchäftsordnungsausschusse über­wiesen. Tie nächste Sitzung findet am 18. Mai statt.

Aus London wird gemeldet: Längs des Wegs, den der Leichenzug nehmen wird, inerten enorme Preise für Fensterplätze bezahlt. Ein Balkonzimmer im ersten Stock in der St. James-Street kostet 175 Guineas. Desgleichen sind ui Windsor die Preise weit höher als beim Begräbnis ter Königin Victoria.

Ter Ausschuß ter russischen Kammer für die Finn- landvortagc beendete die Beratung und,nahm folgende Ab­änderungen an. Die Frist der Mandate der finnischen Mitglieder des Relchsratcs wird von neun auf drei Jahre herab­gesetzt. Die Zahl der finnischen Mitglieder des Reichsrates .vird auf zwei statt auf eins festgesetzt, dagegen wird die Zahl der finnischen Mitglieder der Duma von fünf auf vier herabgesetzt, indem ein Vertreter ter russischen Bevölkerung Finnlands ge- richen wird. Der von dem Mitglied der extremen Rechten, Markow, cingebrachte Antrag, das Gouvernement Wiborg Ruß­land einzuverleiben, wurde mit sieben gegen fünf Stimmen ab­gelehnt.

Aus C h r i st i a n i a wird gemeldet: DaS Odel st hing nahm mit 71 gegen 10 Stimmen einen Antrag betreffend die Erwcitc- nng das letzt bestehenden kommunalen Wahlrechts für die z-rauen, zum allgemeinen kommunalen Wahlrecht für Frauen an. Durch die Erweiterung des Wahlrechts wird die Zahl der wahlberechtigten Frauen um über 200 000 erhöht.

Aus Santiago de Chile wird gemeldet: Tie Regierung »erciubarte mit einer englischen Firma den Bau einer 500 Kilometer langen Eisenbahn st recke, durch die das Zentrum des Landes mit der .Salpetergegend verbunden werden soll. Die Kosten betragen vier Millionen Pfund Sterling.

Heer und Llotte.

Berlin, 13. Mai. (Amtlich.) Das Torpedoboot S 142", Kommandant Prinz Adalbert von Preußen, berührte nachts auf einer Marschfahrt gelegentlich eines Ausweichs- manöversleichtS14 0". Der Bug wurde auf zwei Meter Länge etwas eingedrückt und leicht verbogen. Das Boot ist ,ur kurzen Repcratur nach Kiel gegangen. Tie Kosten sind gering. S 140" ist unbeschädigt. Niemand wurde verletzt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 14» Mai 1910.

Vogelschutz.

Ein großer Teil unserer nützlichen Singvögel ist bereits eingetroffen. Andere, wie Grasmücken, Laubsänger, werden in Kürze nachtommen. Schon sieht man die lieben Sommer­gäste bei der Arbeit, sich Nest und Kinderwieae zu bereiten. Fröhliche Locktöne schallen herüber und hinüber, damit sich die Vogelgatten über die Auswahl eines geeigneten Nest- orres verständigen. Wenn's nur auch immer die richtige Wahl wäre! Wenn das Nest nur auch immer so angelegt wäre, daß all die grausamen Feinde der kleinen Sanger nicht beilommen könnten? Die Zahl der von der Haus­katze grausam hingemordeten Vogeljungen ist Legion! Und wieviel treue Vogelmütter hat schon der Moloch Katze vom Nest hinweg geholr und zerfleischt! Jetzt zu Beginn der Brutzeit ergeht an alle Katzenbesitzer seitens der Natur­freunde die inständige Birte: Habt acht auf eure Katzen! Wenn ihr denn durchaus Katzen halten wollt es gibt bessere, wirksamere' und auch humanere Drittel sür die Ver­tilgung der Mäuse, so hütet eure Katzen, daß sie nicht in fremde Gärten bringen und Vögel morden! Jedenfalls sorgt dafür, daß eure Ka tz e des Nachts in der Scheuer, im Stall oder im Haus eingesperrt i st und nicht in fremdes Gebiet eindringen kann. Erfah­rungsgemäß treiben sich gerade des Nachts die wildernden Katzen mit Vorliebe in den Gärten und Anlagen herum, um bei hereinbrechendem Morgen, durch das Zirpen der hungernden Vogeljungen angelockt, die Nester zu plündern. Und wer eine Haustatze halten will, der halte und pflege sie auch wie man sonst seine Haustiere füttert und Pflegt. Es liegt doch auf der Handl daß eine ewig hungrige Katze lüsterner ist nach Vogelfleisch, als eine woh/- gepflegte und gutgehältene. Es gibt aber Häuser, in denen man gar nicht dran denkt, daß man auch eine Katze als Haustier zu füttern hat. Endlich: Wo eine Katze sich nur im Herbst wieder int Haus einstellt, nachdem sie im Früh­jahr zur Jagd auf Vögel ausgezogen undaushäusig" ge­worden war, da mache man kürzen Prozeß und schaffe eine solcheHauskatze" ab.

** Tageskalender. Stadtthearer: Montag abend 8 Uhr: 1. Operettenoorslellung:Tic Fledermaus*.

Kolosseum: Samstag abend Vorstellung; 2. Feiertag Programmwechsel (Damen-Rmgkamps).

K i n e m a t o g r a p h : Täglich Vorstellung.

Biograph: Täglich Vorstellung.

Militärkonzert am 2. Feiertag in Steins Garten. Anfang 41/, Uhr.

Militär konzert am 3. Feiertag auf der Liebiqshohe. Anfang 43/< Uhr.

*

* Lehrerpersona l ien. Ernannt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Butzbach Karl Benner zum Lehrer an der Ernst Ludwigs-Schule zu Bad-Nauheim unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer. Erledigt sind eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Ast heim, die mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Stangenrod. Mit der Stelle ist Organisten- und Lektor­dienst verbunden.

" Reichst« gsersatzwahlinFriedberg-Büdingen. Zum Wahlkommisiär für die am 14. Juni stattfindende Ersatzwahl ist vom Staatsministerium Kreisrat Schliephake in Friedberg bestellt worden.

** Auch eine P fingstfreude. Eine Freundin des Blattes schreibt uns folgende wahre Begebenheit: In einer kleinen Stadt Norddeutschlands war es. Eine brave Bürgers­frau hatte ein neues Dienstmädchen vom Linde noch gerade am Tage vor Pfingsten bekommen. Eifrig war die Hausfrau den ganzen Tag bemüht gewesen, mit ihrer neuen Gehilfin den Glanz deS Hanfes aufzufrischen und alle Räume waren geputzt bis aus die Küche. Müde zog die S?audfrau sich ins Wohnzimmer zurück mit den Worten:So Trina, jetzt kannst du die Küche aufnehmen (scheuern)." Nach einer ganzen Weile kam Trina ins Wohnzimmer und sagte freudigen Auges:Madam, ik hew de Flisen an de Wand .stellt!"

* Auch ein Opfer des Sturmes. Dem Unwetter am Mittwoch abend fiel auch die Wartehalle der Halte­stelle Krofdorf-Gleiberg der Biebertal-Bahn zum Ovfcr. Sie liegt umgestürzt in dem benachbarten Felde. Ihren ehe­maligen Standort ziert nur noch eine Holzbank.

(Silberne Hochzeit feiert am 1. Feiertag Oscn- setzermeister Hch. Sommerlad und Ehefrau.

* * Unfug. In verflossener Nacht wurden an einer Laden- scheite die F i r rn c n b u ch st a b e n Don roter Hand abgestoßen.

* * Gefunden. Auf dem Marktplatz wurde teilte^ natft von einem Unbekannten ein neuer amerkani scher Füll- o f c u niederstellt. Ter Ofen befindet sich auf der Polizeiwache, jedenfalls handelt es sich um einen Unfug.

= Großen-Littdett, 14. Mai. Ter Gesang, vereinGermania" veranstaltet am 2. und 3. Pfingst­tag aus Anlaß seines 30jährigen Bestehens einen Gesangs­wettstreit. Die Wettgesänge finden am Vormittag des 1. Festtages in der Turnhalle und im Saale des Herrn Schaum statt. (S. Inserat.

Büdingen, 13. Mai. Die 16 israelitisches Rcligionsgemeinden unseres Kreises erheben tm lausen­den Rechnungsjahr zur Bestreitung ihrer Religionsbedürfnissie 9567 Mk. Umlagen, durchschnittlich 43,307 Prozent der dow pellen Grundzahlen und der ganzen Einkommensteuerbeträge. Den höchsten Ausscklag erhebt die Gemeinde Nidda mit Geiß-Nidda, nämlich 98,972 Proz. (2000 Mk.); er folgen Ortenberg fcnit Bleichenbach mit 83,172 Proz. (600 Mk.), Echzell mit Gettenau 62,898 Proz. >800 Mk.), Wenings 62,449 Proz. (850 Mk.), Lind- beim 58,02 Proz. (450 Mk.., Altenstadt 48,825 Proz. (700 Mk.), Büdingen mit Lorbach 45,848 Proz. (2130 Mk ), Altwintermus 42,102 Proz. (250 Mk.), Düdelsheim 41,055 Proz. (250 MkJ Rohrbach 38,77 Proz. (300 Mk.), Höchst a. d. N. 35,928 Proz. (120 Mk.), Glauberg mit Stockheim 32,078 Proz. (213 Mk.), Nieder-Mockstadt 25,25 Proz. (184 Mk.), Himbach mit Hainchen 24,949 Proz. (160 Mk.), Bindsachfcn 2,601 Proz. (10 Mk.). Gar keine Umlagen erhebt die Gemeinde Eckartshaufen mit Calbacy.

Bad - Nauheim, 13. Mai. Bis zum 12. Mai sind 43 6 2 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 2973 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 12. Mai 36 616 abgegeben.

X Bad-Nauheim, 14. Mai. Eine neue Zierde unseres Badeortes sind die K o l o n n a d e n - N e u b a u t e n geworden. Am Rante tes großen Parkes, unter dem mächtigen grünen Blätterdach der Parkallce gelegen und im Stil der landschaftlichen Umgebung und den nate« übrigen Neubauten angepaßt, machen sie gerate jetzt einen überaus freundlichen und einladenden Ein­druck und haben so die Einwände zahlreicher Krittler, die eS vor der Vollendung an kritischen Aeußerungen nicht fehlen ließen, vollkommen widerlegt. Das wird von vielen jetzt selbst zugegeben. Seit dieser Woche sind die reichhaltig ausgestatteten Verkaufsläden sävitlich geöffnet. Besonders ein Salon, dessen künstlerische Aus­stellung japanischer Schmucksachen und Industrie-Erzeugnisse mit den größten derartigen Unternehmungen in Wettbewerb treten tarnt, findet viel Beachtung. Nachdem seit einigen Tagen auch das neue (Safe durch den Pächter tes Kurhauses, .Hoflieferant Ferd. Moder, eröffnet worden ist, spielt sich cm guter Teil des Bote- lebens an den neuen Kolonnaden ab, besonders in beit Nach­mittagsstunden.

R. B. Darmstadt, 13. Mai. Der Plan der Er­bauung einer großen K' o n z e r t h a 1 t e oder eines F e st h a u s e s in Darmstadt ist nunmehr seiner Verwirk­lichung näher gerückt. In einer von Interessenten aus allen Kreisen, namentlich den Vorständen der größeren Musikvereine, besuchten Versammlung legte Pros. Pützer einen Plan ^ur Errichtung eines solchen Baues auf dem frei werdenden Grundstück des alten Bahnhofsgebäudes vor, während RegierungSrat Bastian von der Landeshypo- thckenbank die ftnanziellc Seite der Sache näher erörterte. Tarnach nahm die Versammlung einstimmig eine Ent­schließung an, worin das Projekt mit großer Sympathie begrüßt und beschlossen wurde, in einer neuen ^rfantni- hing die Gründung eines rechtsfähigen F e ftha u s-Bau« vereint in die Wege zu leiten.

= Gleiberg, 13. Mai. Tiefer Tage fand im festlich geschmückten Rittersaale inib in den angrenzenden Nebcnsälcn der Burg eine große Feier statt, an welcher sich, ohne Ausnahme, das ganze Dorf beteiligte. Sie galt unserem allvcrehrtcn Lehrer W. Loch an, ter in diesen Tagen auf eine 25 jährige Tätigkeit als Lehrer unserer einklassigen Schule zurückblicken konnte. Um 9 Uhr abends füllten sich die Säle mit festlich geschmückten Gästen bis auf den letzten Platz. Tie Feier begann mit einem Konzert­stück ter Krofdorser Kapelle. Hierauf hielt Kreisschnlinspcktor Geibel aus Dutenhofen, welchen Vorsteher Valentin zu ter Feier eingeladcn hatte, die Festrede, die sehr zu Herzen, ging und sich in sehr ehrender Weise um ten Jubilar drcbtc. Krcisbürger- meifter Braun von Krofdorf überreichte unter launigen Wotten namens ter Gemeindevertretung von Krofdorf-Gleiberg, die voll­zählig vertreten war, einen Rnhesessel und eine Pfeife. Pfarrer Knieper von Krofdorf gedachte des Wirkens deS Jubilars als Organist, Kantor und Kirchenvorftondsmitglied. Hauttlehrcr Hoffmann von Krofdorf rühmte die Kollegialität feines Nach­barkollegen. Fräulcüi Frieda N i e b c r g a 11 sprach einen schönen Prolog. Für alle diese Ehrungen dankte Herr Lockau recht herzlich. Nun ^wechselten gemischte Chöre, Männergesang, gemeinsame Lieder, Konzettstücke mit einander ab und 16 jungen Mädchen führten einen schneidigen Reigen auf. Die Feier gestaltete sich so immer- mehr auch zu einem Volksunterhaltungsabendc. Schließlich folgte ein flotter Ball, an dem sich alt und jung sehr rege beteiligte, Dabei ging alles in schönster Ordnung her, kein Mißwn wurde laut.

= Wetzlar, 13. Mai. Die Erweiterung deS Bahnhofes wird in der Weife betrieben, daß auf dem linken Lahnufer nach Gießen zu ein besonderer Rangier- bahnhof angelegt und das jetzige BahnhosSgelände südlich vom Empfangsgebäude ausschließlich für die Einrichtung deS OrtS-GüterbahnhofS in Anspruch genommen werden soll. Dies führt dazu, die gesamten Bahnsteiganlagen auf der Nordfeite des Empfangsgebäudes anzuordnen, wodurch für die Reisenden von der Stadt her ein schienenfreier Zugang zum Empfangs- gebäude geschaffen wird.

w. Frankfurt, 13. Mai. Heute abend gegen 6 Uhr wurde die dreijährige Elise Weber beim Ueberschreiten des Fahrdammes in der Frankenallee überfahren und sofort getötet.

Veemischte».

* Gewitter st ürme haben vielfach großen Schaden angerüchtet. In Siegen wurde bei dem schweren Wetter, das im ganzen Siegerlande großen Schaden an» richtete, die sechs Kilometer lange Seilbahn von Brett- scheid nach Nicder-Dressclndors zerstört. Ungewöhnlich schwere Gewitter richteten an 'der Unteretbe großen Schaden cm. Im Kehdingcr Bruch ist der'große Roennsche Hof nicdergebrannt. In Prag ging ein schweres Gewitter nieder. Mehrere Straßen sind überschwemmt. An manchen Stellen wurde das Straßenpflaster durch die Wassermasscn herausgewühlt. In der Heinrichstirchc drang das Wasser bis zum Hochallar vor. Der Bahnhof in Bubent s ch ist vollständig über­schwemmt. Von der französischen Küste, namentlich auS Lorient, Larochellc, Rochefort, lausen Meldungen von an­dauernden Stürmen ein, die schweren Schaden verursacht haben. Eine Anzahl Boote wurde au den Strand geworfen und zerbrochen. Mehrere Seeleute find ertrunken. In­folge der anhaltenden Regengüsse ist die Seine in den letzten 24 Stunden um 52 Zentimeter gesttegen.