bereit ununterbrochenen Fivlge die Wirkung des Ganzen ent- Ibringen soll, nothwendig zerstöret, und dadurch das Vergnügen, dessen Erwartung ein vielleicht zu günstiger Rus bei) dem -Public Eirm erwecket hat, merklich vermindert werden müßte."
— Vogelschutz. Auch die vielgerühmte Galanterie der Amerikaner hat ihre Grenzen: das in Chicago kürzlich eingeführte Gesetz gegen die Hutnadel wird mit unnachsichtlicher Strenge durchgeführt. Nun folgt der Staat New Jeresey dem Beispiele; ja man geht noch weiter, und wenn der Senat das Gesetz ratifiziert, das jetzt cingebracht ist, und das geschieht hoffentlich, dann werden die Frauen sich nach einem anderen Hutschmuck umschcn müssen. Ter Gesetzantrag gibt sich zwar sehr unschuldig als einfacher Zusatz zu dem Wild- und Fischschutzgesetz, aber die Frauenwelt ist sich sofort der Bedeutung der neuen Paragraphen klar geworden und harrt mit banger Spannung der Entscheidung der Gesetzgeber. Es soll künftig verboten sein, Vögel zu töten oder zu fangen. Jedermann, der die Federn, den Balg oder den Körper getöteter oder gefangener wilder Vögel kauft, verkauft oder zum Verkaufe ausstellt, wird mit einer Geldstrafe bis zu 400 Mark für jeden Fall heimgesucht. Nur wenige zahme Vögel werden von dem Gesetze ausgenommen. Hahnenfedern, Straußcn- und Pfauenfedern, der schillernde Schmuck des Paradiesvogels und der zarte hellgraue oder weiße Balg der zahmen Tauben bleiben erlaubt. Trotzdem ist die Erregung groß; die Modistinnen des Staates, die sich in ihrer Existenz bedroht fühlen, (!) haben sich gegen den Plan gewandt und sie werden nach Kräften von ihren Kundinnen unterstützt, die es übernommen haben, still im häuslichen Kreise ihre Männer von dem tyrannischen Geiste eines solchen Gesetzes zu überzeugen. Hoffentlich sind die amerikanischen Männer etwas zartfühlender als ihre Frauen und lehnen eine Stellungnahme gegen den begrüßenswerten Gesetzentwurf ab, damit die ebenso herzlose als entbehrliche Mode aushört. — Sck-ade, daß es bei uns noch nicht so weit ist.
— Wiederbelebung lebloser Samen. Bekanntlich bedürfen fast alle Pflanzensamen vor ihrem Keimen einer kürzeren oder längeren Ruhepause, der sogenannten Samenruhe, die künstlich sv lange ausgedehnt werden kann, daß die Samen gewisser Pflanzen noch nach zwei bis drei Menschenalter unter günstigen Bedingungen wieder zum Leben erwachen. Bei manchen Versuchen, die,unter starker Abkühlung und Austrocknung sowie unter Ausschluß der Möglichkeit des Atmens rorgenommen waren, schien es, als ob bei den trotzdem wieder Leimenden Samen durch die Vm'nchsbedingungen das Leben nicht nur verlangsamt, sondern zeitweise sogar aufgehoben gewesen sein müsse. Becquerel prüfte nun die Wirkung oer Austrocknung, des luftleeren Raumes und der Kälte auf Samen der Luzerne, des weißen Senfs und des Weizens. Nachdem die Körnchen sechs Monate läng im Vakuum
bei 40 Grad Wärme ausgetrocknet wären und kein Gewichtsverlust mehr cintrat, wurden sie, in luftleere Glasröhren eingeschmolzen, im Kälrelabovatorium drei Wochen lang der Temperatur der flüssigen Luft und dann 77 Stunden lang der des flüssigen Wasserstoffs (— 253 Grad) ausgesetzt. Unter diesen Bedingungen mußte das Leben in den Samen völlig aufgehoben, der Zusammenhang der Lebenserscheinungen zweifellos unterbrochen sein. Dennoch keimten, nach Auslegung der Samen bei 28 Grad Wärme, fast alle, das Leben erwachte, ohne daß ein Unterschied von der Keimung normaler Damen bemerkbar gewesen wäre. Es unterliegt keinem Ziveifel, b<< die niedrige Temperatur uird verdünnte Luft des Weltenraumes kein Hindernis für die Ausbreitung von Keimen von Gestirn zu Gestirn wären.
— Unter Kollegen Von Rossini und Meyer- beer wird in einem interessanten Aufsatz des „Messaggero" eine vergnügliche Anekdote erzählt. Eines Tages ging Rossini, aus den Arm eines Freundes gestützt, gemächlich! auf den Boulevards von Paris spazieren. Tic beiden schlenderten fröhlich dahin in heiterem Geplauder, als der Freund Rossinis plötzlich merkt, wie der Komponist sich schwer an seinen Arni hängt. Tas Lächeln schwindet aus seinem Gesicht, über Rossinis Miene breitet sich müde Melancholie, er geht langsam und schwerfällig. Der Freund erschreckt und will Rossini bereits nach dem Grund dieser jähen! Veränderung fragen; in demselben Augenblick stehen die beiden Mei)erbeer gegenüber. Tic beiden berühmten Komponisten wechseln die üblichen Höflichkeitsphrasen, man erkundigt sich gegerv- seitig nach dem Befinden, und Rossini antwortet seufzend, mit matter Stimme: „Ach, sehr sckstecht, lieber Meister, sehr schlecht . Selbstverständlich wünscht Meherbeer baldige Besserung, barat trennt sich die Gruppe. Endlich kommt der Freund dazu, Rossini zu fragen: „Aber, teurer Meister, es geht Sud} doch vortrefflich, Ihr schreitet doch so rüstig daher wie kaum ein anderer." „Gewiß," antwortet Rossini mit einem schlauen Lächeln, „es geht mir ausgezeichnet, aber ich sah Meyerbcer schon von weitem kommen." ,La, aber . . .?" „Sie wissen doch, ich sehe gern alle Menschep fröhlich und zufrieden, und darum gab ich mir plötzlich das Aus-- sehen eines müden, tranken Menschen." „Ja, glauben Sie denn, daß Meyerbeer . . ." „Aber gewiß, mein Lieber, meine Stan Ei heit hat ihm sicherlich^ große Freude gemacht . .
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Die Bürgerschaft von Hamburg nahm einstimmig einen Antrag des Senats an auf Bewilligung von 1339 300 Mark für die Erbauung eines Institutes für Schiffs- und Tropen-- krankheiten. — Geh. Kommerzienrat Julius Bluethner; Gründer der bekannten Klavierfabrik, ist gestern in Leipzig im Alter von 87 Jahren gestorben.
Donnerstag 14. April 1910
160. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 86
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Stehener Zamilienblätter" roerben dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das ..Kreisblatt fflr den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnioersitätS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Der Kali-Ausschuß des Reichstags nahm heute seine durch die Osterpause unterbrochenen Verhandlungen wieder auf. Tie Verhandlung wurde zum größten Teil durch die Auseinandersetzung über die Vorlegung der -Auslandsverträge und Auslandspreise des Syndikats ausgefüllt. Handelsminister S y d o w er» klärte sich für befugt, bis zu einem gewissen Grade die gewünschten
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion: ^-^112. Tell-Adru Anzeig erDießen.
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhefjen
Mitteilungen mündlich vertraulich zu machen. Ter Abg. Müller- Fulda begründete einen neuen Vorschlag, wonach die Kaliproduktion allgemein kontingentiert werden soll mit Maximalpreisen für das Inland und Mrnimalpreisen für das -Ausland. Eine ^-örder- abgabc solle, wenn überhaupt, nur zur Deckung der Kontrollkosten des Reichs erhoben werden. *
Der verstärkte Geschäftsordnungsausschuß des Reichstags nahm einen Antrag des Zentrums an, wonach der Reichstag bei Anfragen sich über die Billigung des Verhallens des Reichskanzlers aussprechen kann, sobald die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers durch ein Berantwortlichkeitsgesetz festgelegt sein wird. 1
Der Reichstagsausschuß für das Stellenvermittlungsgesetz fügte dem § 6 der Regierungsvorlage, der von der Zurücknahme der Erlaubnis zum Gewerbebetriebe des Stellenvermitllers handelt — wegen Unzuverlässigkeit — die Bestimmung hinzu: „Gewerbetreibenden, die sich mit der Stellenvermittlung nebenher befassen, ist untersagt, diese zu Reklamezwecken irgendwelcher Art zu benutzen." Der Rest des Gesetzes wurde mit unwesentlichen ndcrungen angenommen.
Aus den Reichstagrausschüffen.
:: Berlin, 13. April.
Der Aeltestenrat des Reichstages trat heute vor Beginn der Vollversammlung zusammen, um über die Geschäftslage zu beraten. Es wurde beschlossen, die Arbeiten so zu fördern, daß die Vertagung des Reichstages am 4. M " i, of'n noch vor dem Himmclsahr stige, b s zum Herb t er olge kann. Infolgedessen sollen bis dahin keine jitzungssreten Tage statt, uwen. oeriig gestellt sott die revidierte Berner lleberein!unft und wenn irgend möglich, das Reichszuwachs st euerge setz werden. Für die nächste Zeit ist der Arbeitsplan folgender: Am Donnerstag soll die erste Lesung über den Gesetzentwurf betr. die Entlastung des Reichsgerichts fortgesetzt und zu Ende geführt werden, dann soll die erste und eventuell zweite Lesung des deutsch-schwedischen Handelsvertragsprovisoriums vorgenoinmen und die erste Lesung des Reichszuwachssteuergesctz-Entwurfes begonnen werden. Diese wird am Freitag und Samstag fortgesetzt. Außerdem werden auf die Tagesordnung dieser beiden Tage Rechnungssachen und die erste Lesung der Fernsprechgebühren- Ordnung gesetzt. Von Montag bis Mittwoch der folgenden Woche soll dann die erste Lesung der Reichsversicherungs -Ordnung durchgeführt werden. Dann folgen die Anträge über die Veteranenunterstützung. Nach der Vertagung des Reichstags werden der Strafprozeßausschuß und der Ausschuß zur Beratung der Reichsversicherungsordnung den Sommer hindurch, natürlich mit einer entsprechenden Pause im Hochsommer ihre Sitzungen abhalten und dafür besondere Diäten erhalten.
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Ter Eisendahnminister ertlärrc, bezugnehmend auf feine kürzliche Aeußerung im Reichstag, daß er angesichts der langen eisenbahnlosen Strecke zwischen 2llrricourt und Alt- rnünsterol dem Plan einer neuen Vogesenbähn grundsätzlich mit Sympathie gegenüberstehc, auch persönlich bereits die Gegend bereist und sich Wer die Verhältnisse orientiert habe. Ziemlich schwer fielen immerhin die erheblichen Kosten ins Gewicht, welche durch die unvermeidlichen langenTunnelbauten entstünden; dies umsomehr, als die Bedeutung der neuen Eisenbahnverbindung für den großen internationalen Verkehr wohl überschätzt werde; sie werde seines Erachtens überwiegend regionalen Verkehrsinteressen dienen, die ja aber sicher auch Beachtung und Förderung verdienten. — Eine gewisse Schwierigkeit läge auch noch darin, daß Man in dem einen Lande nut Staatsbahnen, in dem andern mit Privatbahnen KU tun habe.
Tie Vertreter des Deutsch-Frairzösischen Wirtschaftsvereins überreichten dann noch eine im Maßstab 1 :400 000 gehaltene Uebersichts karte des Vogesengebietes, auf welcher sämtliche von den beteiligten lokalen Stellen in Vorschlag gebrachten neun verschiedenen Routenführungen in roter Färbung eingetragen sind, und betonten, daß der Verein sich jeder Stellungnahme gegenüber diesen Einzelprojekten grundsätzlich enthalten habe und nur das Projekt als ganzes propagiere; welche Linie den Vorzug verdiene, solle ganz dem Urteil der zuständigen Behörden anheimgestellt bleiben.
Ter Eisenbahnminister erklärte, sich zugunsten einer bestimmten Route auch seinerseits noch nicht äußern zu können. Doch werde man jedenfalls wohl daraus achten müssen, eine zwischen den bestehenden beiden Eisenbahn- übergangspuntten Avricourt und Altmünsterol einigermaßen in der Mitte liegenden Strecke zu wählen. Er sei der deutsch-französischerl Organisation jedenfalls für ihre aufklärende Vorarbeit und Materialsammlung verbunden, und es dürfte auch unbedenklich und ersprießlich sein, wenn sie sich weiter bemühe, für das jedenfalls beachtenswerte Projekt die beteiligten Kreise beider Länder zu interessieren.
Vollversammlung der Deutschen Handelstages.
Ä Berlin, 13. April.
Unter zahlreicher Beteiligung seiner Mitglieder, von Vertretern der Deutschen Handelskammern und anderer kaufmännischer Vereine, sowie der Reichs- und Staatsbehörden trat heute vor- mittaa im Langenbeck-Hause der Deutsche Handelstag zu seiner 36. Vollversammlung zusammen, um zu einer großen Anzahl von Fragen, die den Handelsstand gegenwärtig in seiner Gesamtheit tief berühren, Stellung zu nehmen. Ferner sotten einige Beschlüsse über die innere Organisation des Handelstages gefaßt werden.
Die Verhandlungen finden unter dem Vorsitze des Präsidenten des Handelstages K a e m p f (Berlin) 'statt. Das H a u p t- t h e m a der Beratungen bildet die Besprechung der Reichs- versicherungsordnung. Tie Berichterstatter legen dem Ausschuß des Deutschen Handelstages hierzu eine längere Erklärung vor, in der folgende Ansichten und Forderungen hervorgehoben werden.
Allgemeines:
„Die Zusammenfassung der Bestimmungen über die verschiedenen Versicherungszweige in cm einheitliches Gesetz ist abzulehnen, da sie die Verständlichkeit und die Handhabung der Bestimmungen erschwert. Auch läßt der Entwurf einen Ausbau der Bestimmungen in übersichtlicher und natürlicher Anordnung vermissen. Nur diejenigen Fragen, die in erschöpfter Weise einheitlich für alle Veriicherungszweige geregelt werden können, sollten in einem gemeinsamen Mantel- qesetz verhandelt werden. Daneben aber sollte man für jeden Versicherungszweig ein besonderes Gesetz machen. Gegenüber dem vorläufigen Entwurf stellt der neue Entwurf eine Verbesserung dar. Gleichwohl hält er an der Errichtung von etwa 1000 Versicherungsämtern fest und ist insoweit zu verwerfen. Für einen gemeinsamen örtlichen Unterbau dcr verschiedenen Versicherungszweige besteht kein Bedürfnis. Insbesondere liegt die Einrichtung einer neuen unteren Instanz. als Spruch- unb Beschlußbehörde mit Beisitzern weder im Interesse der Versicherten noch der Versicherungsträger. Soweit die Versicherungs- träger neue Hilfsorgane nötig haben, sollen die unteren Verwaltungsbehörden wie bisher als solche dienen. Einen erheblichen Fortschritt strebt der Entwurf mit der Vereinheitlichung: der Zuständigkeit und des Instanzenweges an. Doch ist hierzu die Schaffung der Versicherungsämter nicht erforderlich. Es genügt, die bisherigen Schiedsgerichte für Arbeiterversicherung unabhängig zu machen und auszubauen. Das Reichsversiche- runasaml ist in seiner Spruchtätigkeit für die Unfall-, die Invaliden- und die Hinterbliebenen-Versicherung für alle Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung, als Rekursinstanz zu erhalten. Die Zuständigkeit der Landesversicherungsämter ist im Interesse der Rechtseinheit nicht zu erweitern."
Krankenversicherung:
Mit der beabsichtigten Ausdehnung des Kreises der versicherten Personen erklärt sich der Deutsche Handelstag einverstanden. Ties gilt insbesondere auch hinsichtlich des Hausgewerbes, jedoch mit der Einsclrränkung, daß als Hansgewerbtreibende nicht Inhaber von Fabriken gelten sollen. Der Beseitigung der Gemeindekrankenversicherung und der Schaffung von Landkrankenkassen ist zuzustimmen. Dagegen ist die Erschwerung der Betriebskrankenkassen nachdrücklich zu bekämpfen. Der Erhöhung
potttifebe
Die üßeitcrbcratuug der preußischen Wahlrechtsvorlage.
Nachdem es leider nicht gelungen ist, durch eine w e i - - er e Umgestaltung des preußischen Wahlrechtsplanes auch wenigstens die Freikonservatioen und die Nationalliberalen :ut Mehrheit hinzuzuziehen, wird der Entwurf am 15. V. M. im Herrenbause erscheinen. Durch eine unkluge, recht zwecklose Verhinderung der Einzetberatung bei der io-iederholten Annahme der unveränderten Beschlüsse vom 116. März haben die Konservativen ihre Stellung wahrlich richt gestärkt. Vielfach hofft man im Lager der Minderheit nun noch auf Widerspruch durch das Herrenhaus oder tio Regierung. Die „Voss. Ztg." beleuchtet den weiteren Verlauf der parlamentarischen Verhandlungen wie folgt:
Im Abgeordnetenhaus muß jeder Gesetzentwurf zunächst einer irslcn Beratung in der Vollversammlung unterzogen werden, cn deren Schluß entschieden wird, ob eine Ausschußberatung erfolgen oder alsbald die zweite Beratung sich am'chließen soll. Im Herrenhaus bestimmt § 14 der Geschäftsordnung: „Die Behandlung von Gesetzesvorlagen der Staatsregierung und des »Luses der Abgeordneten „erfolgt nach Maßgabe der Beschlüsse bc? Hauses entweder durch Plenarberatung auf Grund vorgängiger Mcntmiffioi sb raiunj ober durch crsie u. zwecke Beratung im P en m ? ibar durch einmalige Schlußberatung im Plenum' . Letztere ist mir zulässig, wenn nicht zehn anwesende Mitglieder gegen dieselbe Widerspruch erheben. t Wenn während der Plenarberatung auf i'irunb vorgängiger Kommissionsberatung oder während der zweiten Bratling im Plenum oder während der einmaligen Schlußberatnng rptt mindestens 20 Mitgliedern schriftlich oder mündlich eine I >i. oerholle Schlußberatnng int Plenum beantragt wird, so muß lufelbe ftattfinben. Tie erste Beratung im ganzen Hause erfolgt frü heftens am dritten Tage, nachdem die Gesetzesvorlage gedruckt in die Hände der Mitglieder gekommen ist."
In der Voraussicht, tzaß die wiederholte Abstimmung am 12. April eine Abänderung der Beschlüsse vom'16. März nickt ergeben, die Wahlrechtsvorlage sofort nach der zweiten 'Asttmmung dem Herrenhause zugehen würde und ohne Ver- ?uf3 am gleichen Tage dort den Mitgliedern zugestellt werden könnte, hat der Präsident des Herrenhauses schon vor einiger Zeit die nächste Sitzung des Herrenhauses auf hert dritten Tag nach der zweiten Abstimmung des Abgeordnetenhauses — auf den 15. LLpril — festgesetzt.
Welche der drei in der Geschäftsordnung vorgesehenen normen für die Beratung von Gesetzentwürfen wählt nun, so fragt das Blatt, das Herrenhaus für die Behandlung ber Wahlrechtsvorlage? Natürlich nicht „die einmalige älhlußberatung im Plenum", obwohl eine glatte Ablehnung ■ jeh er Reform manchem hochkonservativen Mitgliede am meisten willkommen wäre. Tas Herrenhaus kann die Wahlrechtsvorlage auch nicht ohne Kommissionsberatung „durch erste und zweite Beratung im Plenum" erledigen. Die ‘.‘kratung spielt sich vielmehr- so ab, daß im Herrenhaus kunächft am 15. April eine allgemeine Besprechung über die geschäftliche Behandlung der Wahl- rechtsvorlage herbeigeführt wird, an deren Schluß sich dann ba3 Haus für eine 'Erledigung „durch Plenarberatung aus Clrunb vorgängiger Kommissionsberatung" entscheidet. Bei fieser allgemeinen Besprechung finden die Mitglieder Ge- Teg enljeit, alles zu sagen, was sie für und gegen eine l!5«hlreform auf dem Herzen haben. Sie kann als die erst eLefung der Vortage angesehen werden.
lUnft Wissenschaft und Leben.
Pfahlbauten in Schweden. Im Auftrage der Lchwedisckcil Akadentie für Geschichte und Altertumsforschung hat 2r. £. Frödin bei Alvastra in Schweden Ausgrabungen vorge- nommen, durch die 4000 Jahre alte Pfahlbauten ans Licht ge- lomnten sind. Tie Fundstelle liegt in einem Torfmoor. Sehr Sur erhalten ist ein aus Birken- und Fichtenstämmen zusammen- refügter Fußboden: er ruht auf Pfählen, die 10 bis 12 Zenti- ncter Durchmesser haben. Da die Stämme an mehreren Stellen cngekohlt sind, vermutet man hier und dort Feuerstellen. Am ; iitcrciianieftcit erwiesen sich die Äleinfimbe, aus benen auch aus kas Alter ber primitiven Bauten geschlossen merben kann. Es ! l-mbcn sich Reste von Fellen, die wohl einst den Fußboden bc- toten, sodann Werkzeuge und Waffen aus Stein und Knochen, ! krümmer von Tongefäßen, Nußschalen, tierische Zähne unb Knochen mtb eine große Perle aus Bernstein. Bemerkenswert ist die Auf- \ httbung von Avfelkernen unb Getteibekörnern. Dr. Frödin schätzt Üs Alter der Pfahlbauteit auf 2000 bis 2500 Jahre vor unserer seittechnung und glaubt, aus den Kleinsunden die Tatsache schließen |4 dürfen, daß die Bewohner dieser Pfahlbauten bereits Handels- r Ziehungen mit anderen Völkern unterhielten.
— Dieaufde r Erdebeobach tete niedrig st eTent- tcratur wird in SyrnonS Meteorological Magazine auf —68°C. i, eit gegeben. Diese wirklich „sibirische" Kälte wurde am 15. Januar : 1885 in Werchojansk am Jana ist Ostsibirien etwas nördlich k!s Polarkreises sestgestellt. Auch von arktisckren und antarktischen ih-peditionen sind höhere Kältegrade nicht beobachtet worden. Int biitire 1876 fand man bei 82° 27' nördlicher Brette —59° C., nnb Nansen beobachtete als tiefsten Stand des Thernwmeters - 53° C., obwohl er bis zum 85. Breitegrade vordrang.
Der Beys all des Publikums. Ter Stadtsänger- hT-tin Frohsinn, in S t. G a t le lt hat jüngst bei einer Ausführung In Hcwdnschen' Schöpsimg dem Programm ein Faksimile des -lckels der ersten Ausführung des Werkes int Wiener Hosburg- üieaitfv (19. März 17991 beigegeben. Originell ist die damals i.igejügtc Anmerkung: „Nichts kann für Hohdn fchmcichelhaster ' i>», als der Bevfall des Publikums. Ten zu verdienen, hat : ?r lich stets eifrigst bestrebt, und ihn bereits oft, und mehr, als ^S sich versprechen durfte, zu erwerben das Glück gehabt. Tarn bos'.iet er zwar für baS hier angetunbierte Werk bieicnige Ge- ritiraing, die er zu seinem innigen Tröste und Tanke bis jetzt qafjren lyat, ebensallS zu finden: doch wünscht er noch, daß aus betu Fall, wo zur Aeusserung deS Beysalls sich etwann die Gc- Ikgsmheil ergäbe, ihm gestattet sehn möge, denselben wohl als rat höckiisck'ätzbares Merkmahl der Zufriedenheit, nicht aber als aetn Befehl zur WilLerholung irgend eines Stückes anzusehen, vM sonit die genaue Verbindung der einzelnen Theile, auS
■Sassen
^euQg, is g.
ßM< 848, M sind die beite ^tonlose Vorführungen.
»ter Kronenberg
Znm Dogesendurchstich
Ter Eisenbahnminister v. Breitenbach, empfing, so lesen tom in der „Nat.-Ztg.", am 12. d. iMks., genteinsam mit teilt Dirigenten des Rcichseisenbahnamts, Wirkl. Oleh. Oberregicrungsrak Glöckner, rwei Vertreter des Deutsch- ffran zö s i sch en Wirksch a fts v ereins: den Vor- iltzo.nden des Verkehrsausschusses Direktor A. Vrancken- Mn und den Generalsekretär D-r. W. Borgius-Bcrlin, bur Entgegennahme des Berichts über den Plan eines neuen Vogesendurchstichs, für welches die Vertreter des 2. F. W. V. das Interesse des Eiseubahnamts erbaten.


