Ausgabe 
10.12.1910 Zweites Blatt
 
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....... Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Cberhesfen

Sam$tag, 10. vezember 1910

8totatt»n<brucf und Verlag her vrüdNch«

UninerfuatS - Buch- und 6te(nbrudereL 9L Lange, Dieben.

RedaMvR, ExpedMaa nnb Druckerei: Schul- ftraBc 7. Expedinon und Verlag: 6L

Redatturn: 112. TeU-AdruAnzeigerGreßen.

Was nun?

Mit biefer Ueberschrist versehen ist eine Zuschrift an uns, die einem unserer angesehensten Bürger in Dießen entstammt. In der Hauptsache beklagt der Verfasser die Zerrissenhett der liberalen Parteien, die schließlich sogar za häßlichen Anfeindungen der Bürger untereinander führe und fordert zu einer Einigung auf. Da eS im Interesse aller national denkenden Kreise liegt, daß möglichst wenig burgerlicheSonderkandidaturen aufgestellt wer­den, geben wir der Zuschrift gerne Raum, mit der wir uns natürlich nicht in bai Einzelheiten ideutijizieren können Die Zuschrift lautet:

.Der leßte Gonntog hat für die einigermaßen mit den HLlliuIsen Vertrauten eine Ucberraschung nicht mehr gebracht Die politische Situation ist geklärt. Köhler kandidiert tmebn?i ß>te rechtsstehenden Parteien haben sich nach Ästigen F^l-drn nut ihm doch nneder in seiner Kandidatur zusammengeiunden und durch die fast ernstinnnige Ausstellung tne politische Lage in indcrm Wahlkreise einen weiteren aus klärenden <5d)ritt vorwärts grbiadjt. Ntan kann dieses Verhalten der Freunde Köhlers

die ihn nach schwerem Ringen in den Sattel gehoben haben, wohl verstehen; es roar nicht zu erwarten, daß man ihn der össach- litDrn Meinung nochaebrnd kurzerhand zu dem Alteisen warf, nedjbem er sich selbst wieder als Kandidat proklamiert hatte' Wir nülssen uns mit bei Tatsache absuiden, daß das liberale Burgerium, rechts diesen zähen einseitigen Vertreter der Agranec, links daS Gegenstück, den einseitigen Vertreter der sozwLbenwkratischen Arbeiterschaft und sonstiger unzufriedener Gle- nuute, einen scharfen Kamps auszusechtem hat, aus dem es nur durch große Geschlossenheit siegreich hervorgehen kann.

Als bürgerliche liberale Kandidatur ist biS jetzt die des DvosessorS der Landtvinschast Gisevius ausgetaucht, die in grschickier Weise das Interesse des Bürgertums und der Land- winschaft verbinden konnte, und die der leider eingetretenen unheilvollen Entfremdung von Stadt und Land zu steuern ge- eipitrt war Sie hat nicht den Beifall derjenigen Extremen gesunden, denen bad Allgemeinwohl ^Nebensache, das Paneiinler- esse Zweck deS Daseins ist; man ist ihr mit gehaltlosen Schlag­worten die bei der Masse ziehen, ohne nachgeprüft zu werden wie Agrarier, mangelhafter Aozia (Politiker usw., entgeg enge treten. Den Beweis dafür bei^ubringen hat man bis jetzt nicht für nött(i erachtet DaS Programm von GiseviuS enthält, mit ehrlichem, Willen gelesen, auch nichts, was ihn als Agrarier ersäxnnen lassen, es enthalt auch ebensowenig etwas, was ihm als mangeln­des soziales Verständnis ausgelegt werden kann. Das Interesse des schlver barnieberhegmben Handwerks, sowie die schmierige Lage, in der sich insbesondere der Kleinhandel, das Detailgeschäft, befindet, erfotbert es dringenb, daß man die sozialpolitischen Fragen nicht einseitig betrachtet, sondern, daß man Können und Leisten genau miteinander abwügt; und das vertritt Gisevius. Deigenige, den der Sckxuh nicht drückt und dessen Existenz davon nid)t berührt wird, hat es leicht. Andern Verpflichtungen aus­zuladen und sich damit den Schein des Volksbeglückers zu geben. Die Gesunderhaltung des landwirtschaftlichen Standes, der doch sicher ebenso wie jeder andere seine Existenzberechtigung hat, ist der Erwägung wert. Jeder Uebergriff aber der Agrarier, wie er sich in neuester Zeit wieder in deutlicher Weise gezeigt, ins­besondere bei der Fleischversorgungsfrage, wo man sogar die dringend nötig gewordene Einfuhr gefrorenen Fleisckzes, das doch sicher nichts mit der Seuchengefahr zu tun hat, mit allen Mitteln zu verhindern versuchte, sowie das Verlangen eines lückenlosen; Zolltarifs für landwirtschaftliche Produkte, muh scharf zurück-- gennefen werden. Kein anderer Berus kann sich lückenloser Unter­stützung rühmen, und er darf es auch nicht, da nichts verbitternder und zerstörender wirkt, wie die Bevorzugung eines einzelnen. Standes auf Kosten der Allgemeinheit.

Das Programm eines bürgerlichen aussichtsreichen Kandi- daken zum Reick)stag kann also nur auf einer sorgfältig gleich- mäfügen Abwägung der Interessen aller Berufsstände basieren steine Einseitigkeit, komme sie von rechts oder links.

Wer das Programm von Professor Gisevius gelesen hat, muh sich bei ausrichtiger Gesinnung sagen, daß kein anderer

bürgerlicher Kandidal wert davon abrücken taiin Trotzdem geh, man mit dem Gedanken um, einen zweiten bürgerlichen Ver tretet aufzustellen, und das ist bedauerlich, denn das Endergebnis ist sicher das, dost feiner der beiden liberalen Kandidaten den Sieg davon zu tragen vermag.

Der dem politischen Treiben etwas abseits Stehende sieht mit lebhaftem Bedauern den Zeitpunkt immer näher rücken, wo unser, liberale Universitätsstadt, unsere liberale Stadt- und Landbevölke rung durch die Uneinigkeit des liberalen Bürgertums, oder viel mehr feiner Führer, dauernd der Vertretung der extremsten Klassenparteien anheimfallen wird

Was ist damit erreicht? Der Kreis ist für bürgerliche Fragen und Interessen nicht mehr zu haben, et ist ausgejchaltet von txr Mitarbeit an der gedeihlichen W eiter enttoicklung unteres Vater' landes.

Das aber tun?

Die berufenste Instanz, die liberalen Parteileitungen an ihre Pflichten der Bürgerschaft gegenüber zu erinnern, sie zum Besinnen aus sich selbst zu zwingen, der Hansabund, muckst sich nicht, er leidet an Altersschwäche.

Wate es nicht eine nationale Tat, die schönste und wichtigste, die er zeitlebens vollbringen formte, eine Einigung der liberalen Parteien, "des Bürgertums hetbeizuführen? Liegt bet Gebanst so fern? Junge, tatkräftige Leute an die Spitze, um das fast Versäumte nachzuholen! Es kann und muh gelingen, die poli­tischen Heißsporne aus bem Tressen zu bringen Es sinb bercr zu viele, bie bem bebauerlick-en Weiterfressen bes Zerwürfnisses unter den liberalen Bürgern Einhalt gebieten möchten, denen aber durch ihre politische Zugel/ürigkeit Fesseln angelegt sinb

Das Bürgertum will bie V e r st ä n b i g u n g , es will keine Vertiefung der burch politische Aergernisse schon aus­gedehnten Kluft. Die Verheerungen, die durch bie Wahlkämpfe erzeugt werben, haben sich im Klanen jetzt b< i den Stadtverorb- netenwahlen gezeigt. Sollen bie früheren Zustänbe, bie zu bireften Verseinbungen ber Burger unter- einanber führten, lieber einreißen? Entspricht bas liberalen Grundsätzen und ist das liberale Denkungsart? Sicher­lich nicht!

Also aus zu gemeinsamem Handeln!

hessische Zweite Kammer.

Darmstadt, 9. Dezember.

iAm Ministettische: Minister des Innern v. Oombergk, Geh. Rat Dt. Best, Geh. Obermedizinalrat Dt. Lorenz

Vizepräsident Korell eröffnet die Sitzung gegen l/;10 Uhr Zur vorläufigen Beratung im Plenum in Gemäßheil dos Artikels 33 und 35 der Geschäftsordnung steht ein Antrag des Abg Korell und Genossen, Abwehr und Unterdrückung von Vieh­seuchen betressend. Abg. Braun (Bb.) bittet den Antrag an­zunehmen, der im Sinne der geftrinen Ausführungen des Abg. Korell gehalten fei. Die Dringlichkeit des Antrages rojrb be­schlossen. Abg. Orb (©ojJ erwähnt einen Fall von Schlach­tung kranken Viehs aus Heidelberg zum Beweis bafür, wie leicht bas Reichsgesetz umgangen werden kann.

Abg. Köhler (ttrilb) begrüßt ben Antrag, baß einheit­lich unb gleichmäßig vorgegangLn wirb.

Der Antrag wird daraus einstimmig angenommen.

Als Mitglied des Finanzausschusses wird aus Vorschlag des Abg. Brauer Dr. Heidenreich einstimmig gewählt. Hieraus wird in bet

Generaldebatte über die Stadteordnunz fortgefahren.

Abg. Dr. Zuckmaher (Ztr.): Die Polizeiftage fei so schwierig, baß sie ein Gesetz für sich verdiene. Das Gesetz atme fort­schrittlichen Geist und sei nicht reaktionär. Vor allen Dingen sei das Prinzip der Selbstverwaltung nicht nur beibehalten, sondern erweitert worden. Die Bewegungsfreiheit bei der Einführung der Städteordnung bei den Gemeinden sei ebensalls nur fort­schrittlich, da sie erst verpflichtet seien, bei einer Seelenzahl von 15 000 die St.-O. obligatorisch einzusühren, aus der anderen Seite aber die Möglidsteit -Hütten, dies schon bei 3000 Ein­wohnern zu tun. Bei der Magiftrcttsverfassung sei es, ebenso. Auch die Aushebung der Bestimmung, die den Höchstbesteuetten nUr auf Grund ihrer Besteuerung einen Sitz in der Stadtverord-

leicnörrjumniluno zu gestand, sei fortschrittlich, desgleichen die Ein- uhrung dos Wahlrechts der Haussöhne. Wenn Abg. Ulrich gegen st.es Wahlrecht gesprochen habe, widerspreche das dem Prinzip einer Partei, der Einführung des allgemeinen Wahlrechts. Die Lrweiterung des passiven Wahlrechts sei ebenfalls ein Fort- chritt. Die Bestimmung, die der Regierung das Bestätigungs- 'cht der Beigeordneten usw. zugesleht, sei so nötig wie ie. Die Gemeinden seien berufen, die Staatsordnung aufrecht zu erhalten, deshalb könne man dem Staate nicht zumuten, für loldie Stellen Leute zu genehmigen, die diese Ordnung unter­graben wollen. Der Redner ersucht zum Schlüsse, die Städte- .Lvuuiig |u, rote |ie borliegt, zu genehmigen.

Abg. Reh (Freis.): Bei genauer Betrachtung der Städte- jrimung könne man nicht dem uneingeschränkten Lobe der meisten Redner dieses Hauses beitreten. Z. B. sei das Aufsichtsrecht )es Kreisrates über die Stadtverwaltung zu roeitgehond. Der liedner (egt sodann an einigen Fällen dar, wie das Aufsichtsrecht ies Kreistates das Selbstverroaltuugsrecht überschreitet. Tas Be- ^ätigungsrecht der Krone müsse aus der Städteordnung heraus. Zn Baden sei man so weit, ohne schlechte Ersahrungen gemacht zu haben. Die St.-O. enthalte noch viele kritische Beüimmungen, Jte entfernt werden müßten.

Abg. Orb (Soz.): Kollege Zuckmaher sei wenig auf das Gesetz eingegangen und habe ein zu großes Loblied auf das Gesetz gesungen. Es sei ganz unwesentlich, wenn den Gemeinden die Einführung der Städteordnung in den Grenzen von 3- bis 15 000 Einwohnern freigestetlt sei. Wer das Gesetz mit ofienen Augen ansehe, könne von einem Selbsloerwaltunasrecht, gehalten in fortschrittlichem Sinne, nicht reden. Das Wahlrecht der Haus- löhne sei eine zurückschrittliche Bestimmung, begünstigt würden durch sie die Besitzenden gegen die Nichtbesttzenden. Das Wahl­recht sei reaktionär unb nur Flickschustereien seien an bemselben öorgenommen. Richt reaktionär sei man, wenn man das gleiche und direkte Wahlrecht vom 21. Jahre ab auch für die Frauen einführe. Tas Bestätigungsrecht der Regierung solle lediglich verhindern, daß ein persönlich Unfähiger gewählt werde, solle aber nicht auf die politische Gesinnung des Betreffenden einen Einfluß haben. Wetrn Abg. Dr. Zuckmaher behauptet habe, die Sozialdemokraten hätten republikanische Ideen, so sei das doch längst bekannt, aber es hätte Zeilen gegeben, wo auch Zen­trumsmänner solche Ideen gehabt hätten, allerdings hätten die Zeiten sich geändert. Wenn die Sozialdemokratie am Ruder wären, kämen solche verfassungswidrigen Anwendungen der Ge­setze, wie sie in Monarchien üblich leien, nicht vor.

Abg. Raab (Soz.) will baS Zugestänbnis bes Abg. Dr. Zuckmaper feftnageln, bie Bestimmung des Bestätigungsrechtes sei wegen der Sozialdemokratie in das Gesetz gekommen. (Lebhafter Wwerspruch.) Abg. Dr. Zuckmaher habe große Furcht vor der Sozialdeutokratie, obgleich man in Deutschland in den freien Reichsstädten schon drei Republiken habe und jede Stadt eine Republik sei. Die Sozialdeutokratie dränge in gewissem Sinne auf Umsturz bes alten unb forbcrc gleiches Recht für alle. Das Bestätigungsrecht sei seinerzeit eingesührt worden, um bie Wahl von Idioten zu verhindern, während es heute nur gegen Sozial­demokraten angewandt würde. Die Stimmung im Lande gegen diese willkürliche Gesetzesverletzung sei außerordentlich gewachien. Die weitere Nichtbestätigung von Sozialdemokraten sei eine Agi­tation für seine Partei, wie diese sie nicht besser machen könnte Die Nichtbestätigung von Sozialdemokraten auf Grund des Be­stätigungsparagraphen und auf Grund der Verfassung sei eine Rechtsbeugung. (Ordnungsruf des Präsidenten.)

Minister des Innern v. vombergk: Aus die im einzelner^ gegen das Gesetz gemachten Anstände werde ich Gelegenheit haben, bei der Spezialdebatte zurückzukommen. Nur auf bie Bestätigungs- frage möchte ich alsbald eingehen. Mit Recht ist melnlach hervvr- gehoben irrorben, daß das Recht der Bestätigung von der Regierung nickt eingeführt wurde mit Rücksicht auf die Sl^iatdemokratie,' aus bem einfachen Grunde, weil es bamals noch gar keine gab, (Zttruf bes Abg. Ulrich: Oho!) Wenigstens hat sie damals noch keine Rolle gespielt. Tas Bestätigungsrecht ist das natürliche Recht der Negierung, sich den Gewählten daraufhin anzrusehen, ob er die persönlicksen Eigensckxislen besitzt, die ihn daM befähigen, hohe staatliche Funktiotten auszuführm. Es handelt sich in bart Entwurs nickst um die Einführung bes Bestätiaungsrechts, fon* bem um bie Frage, ob bie Regierung in ber Lage ist, bas Be-

(Siebener Ktcrdtthcatcv.

Hohe Politik.

Lustspiel von Richard Skotvronnek.

Gießen, 10. Dez.

Richard Skoturonnek hat der deutschen Literatur schon manches unterhalrsanie, vergnügliche Werk geschenkt, und schon die Art, wie er fid) gibt, sichert ihm eine größere Beachtung, als sie den Schwankdichtern sonst gemeinhin zittetl wird. Skowronnek findet sich und das Publikum nicht nur mit billigen Späßchen ab, er müht sich redlich, so sehr manckMal sogar, daß man die Tätigkeit zu spureit glaubt. Auch in seinem neuesten Lustspiel Hohe Poli­tik finden sich davon Spuren, mitunter wertvolle Spuren sogar, tvenn )te auch rasch verweht sind. Dies ist der Jli- halt des lustigen Werkes: __

Cttomaiyber jugenbliche Herzog von Laxenburg Wetten­stein, ist ein arg verliebter Herr unb seine einzige Tätig­keit besteht barin..daß er in ber Pose desGinfamen, Trost­losen" auf galante Abenteuer ausaeist. Dabei gerat er an eine temperamentvolle Malerin, die junge Gattin feines Lorpsbruders Dr. Billung, den er kürzlich als Akademic- btreftor berufen hat. Ionas, der Kommissionär der Kunft- Irnn, erfährt davon und in Gemeinschaft mit dem Minister soll der abenteuerlustige Herzog ohne Wissen der übrigen in der Maler-Werfstätte mit der Prinzessin Adalgifa be­kannt gemacht und zur Heirat förmlich gezwungen werden. Dieser Plan der hohen Politik gelingt und Ionas eryau zum Lohne den heißersehnten Drben.

Die Gestalt be5 Ionas ist mit Liebe und Hingabe ge­zeichnet unb in ihr erhebt sich bas Spiel steNeuivoise vom Schwank zum Lustspiel^vom platten Kl^chee zum Charakter, stellenweise, nicht immer. Der arme Jube, der vom Lavcn- bicucr alle Berufe durchlaufen hat, in denen er es ZU etwas zu bringen vermeinte, ist trotz seiner offenbaren Berech­nung der liebenswürdigste und angenehmste Mensch des ganzen Stuckes. Alle ädrigen Figuren waude^ in den bekannten Bahnen bewährter Schwanktechnik. Das ganze ist nett und vergnüglich, lustig, nicht ohne Neme Koketter en.

Die Darstellung, von Hermann r d e n tadellos vor­bereitet, hatte es samoS verstanden, dem Werke deni Gr olg äu sichern, und so fehlte es denn nicht an lebhaftem Beifall und ununlerbrockstmer Heiterkeit. Als Ionas Herrn. Norden vielleicht das beste, was wir seither von tijni gejchen haben. Ohne [löcenbe Uebertreibnngen 6er-

lieh er dem burdf-tricbcnen, warmherzigen Manne ein un­gemein lebendiges, unbedingt ansprechendes Relief. Hübsch, unb auch in den kleinen Unmöglichkeiten von Haltung, ivar Karl Marx als Herzog, er hatte jeboch lieber im gewöhnlichen Rock ersdzeinen sollen, als in in ber un­glaublich ärmlichen Uniform eines Linieninfanterie- rcgirnents, unb bazu nr^(> mit einer Husareurnütze. Kokett und neckisch war Franzi Koch als Malerin, vorzüglich in seiner herablassenden Würde der Minister Kurt Gühnes. In den kleineren Rollen zeichneten sich besonders Karl Bo Ick als Billung, Lore Scholz als Rosa und Hilde G n g e t als Adalgisa aus. N.

EineösterreichischeSahara-Expedition. Ein Unternehmen, das wohl als das schwierigste und ge­fährlichste der ganzen Afrikasorfd)ung bezeichnet werden muß, hat fid) eine Expedition zur Ausgabe gestellt, die den NamenDie österreichische Sal-ara-Expedition" führt und von dem Wiener Afrikarcisendeu Otto Gesar Artbauer geleitet wird. Gs handelt sich bei dieser Forschungsreise, die wissenschaftlidien Zwecken gewidmet ist, um nichts mehr und nichts weniger als die Erforsd)ung von T i b e st i, jenem von räuberischen Horden umgebenen und bewohnten Lande, in das bisher nur ein Forscher, nämlich Gustav Nachti- gal, 1869, hat eindringeu können. Wie der Globus mit­teilt, sollte der Aufbrud) der Gxpedition im Laufe des November erfolgen und der Ausgangspunkt Tripolis sein. Geplant ist eine Durchkreuzung Tibestis von Gatrun oder von Kufra aus mit Wadai oder denn Tsadsee als Schlußziel. Die Voraussetzungen für eine Reise nach Tibesti siiid heute schlimmer als jemals, weil jetzt fast alle, Tibbu-Stämme un­ter dem Einstuß der als besonders gefährlich bekannten Senussi stehen. Man glaubte daher, daß ein Gindringen in Tibesti heute nur an der Spitze einer bis an die Zähne be­waffneten Mannfd>aft möglich sei. Artbauer aber, der von dem österreid)isd>en Overlenttiant Kraft von Helm- h acker begleitet wird, will nun dies Wagnis auf dem Wege einer friedlichen Forschungsreise unternehmen. Der kühne Reisende ist zu diesem Unternehmen geeignet, wie kaum ein anderer; er hat Jahre lang als Araber unter Arabern gelebt, spricht mehrere arabische Mundarten unb kennt bie Länder des nordafrikanischen Islam genau. Seit dem Jahre 1906 schioebt ihm der Plan vor, Tibesti zu durdiziehen. In Oesterreich bringt man seinem Unter­nehmen das größte Interesse sowohl in wissenschaftlicken wie in wetteren Kreisen entgegen; an der Aufbringung der

Kosten haben sich u. a. ber Kaiser und ias Unterrid)tsmintt l'ierium beteiligt.

Da s KunstmuseumimFischerdorf In einem IX ein en Fischerdor e ,t.i Süd ra i kn ich in bei Gmi drM a r« tigueS, dem proven^alischen Venedig", in dem Ziern jahrelang lebte und eine Reihe seiner besten Meisterwerke schuf, ist seit kurzem ein Museum entstanden, das heute bereits überslM Werke der Malerei zählt. In dem malerisch: gelegenen kleinen Martigues fand Ziem Ersatz für die Schön* heiten des 'Lidos und die lichten Wunder Konstanttnopels^ und als er bei dem Besuche der italienischen Flotte iit Toulon von der Regierung den Auftrag erhielt, das denk­würdige Ereignis in einem Bilde tu verewigen, da stiftete der Meister den Fischern, seinen Gastsreunden, eine Replik des berühmten Gemäldes. Die wackeren Leute sannen hin und her, was geschehen müsse, um diesem Gesd)enke eine würdige Statte zu bereiten, und daraus entwickelte sich sd)ließlich das heutige Museum, dem man in dankbarer Anhänglichkeit an den verstorbenen Meister den Namen Ziem-Museum" gab. Der Ortsvorstand von Martigues: versandte mit Hilfe der Freunde Ziems an zahlreiche Künst­ler ein Rundschreiben; alle, die in dem pittoresken Dorße einige Monate zugebracht hatten, erhielten die Ausforde- rung, bon ihren Werken etwas für das Ziem-Museum bet- zusteuern, unb auf biefe Weise strömten in verhältnismäßig kurzer Zeit eine ansehnliche Menge von Bildern zusammen. Heute besitzt das Museum drei Bilder von Ziem, im übrigen aber vorwiegend Werke der jungen provenealisd)en Schule. Das Heine Museum hat seinen eigenen Direktor, seinen eigenen Konservator und gab vor kurzem sogar einen Katalog heraus, der beweist, wie ernst es das kleine Fischerdorf mit der Pflege der Kunst nimmt und welche Früchte der langjährige Aufenthalt Ziems unter den Fischern ge­tragen 1)üL

Kurze Nachrichten auS Run ft u Wissenschaft. Der Malheinaüker Geh. Ho^rat Prolessor Dr. Johannes Thomae in Jena leiert am 11. b. Mis. feinen 70. G-burtSiaa. Gr flammt aus Laucha a. d. lluftr. In Klein-Sedlitz bei Pirna slarb, der emerit. Prozessor der patbologifcbeu Anatomie der Tierarzt-, lieben Hockfchfchule zu Dresden Geh. "Medizmalrat Dr. med. et pbil et Dr med. vet h. c. Albert ft o b n e tm Alter von 71 Jahren. Die ,£)orf)Sd)ulfovr/ mc b t: Ter Göttinger Necktsleürer Juflizrat Pro<esfor Dr jur. üubroiq von Bar fott firtiercm Vernehmen nach die Entbindung von feinen afabemilcfceR Verpflichtungen uackqefucht haben, v. Bar ist am 24. Juli 1838 zu Hauuover geboren. Bon 189093 vertrat er den ^tzahlkreiS Rostock im Reichstage.