Ausgabe 
17.8.1910 Erstes Blatt
 
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tflntifdjpgermarrifchc Museum im kurfürstlichen Schloß unter Führung des Direktors Prof. Sch n m acher und des Ober­bürgermeisters. Darauf kehrten die Fürstlichkeiten nach dem großherzoglichen Schlosse zurück.

Die Abreise des Kaisers nach Friedrichshof er folgte um 4 Uhr im Auto. Das Großherzogspaar fuhr um 4.40 ebenfalls im Kraftwagen nach Wolfsgarten zurück.

Der Kaiser verlieh eine Reihe von Auszeichnungen, u. a. den Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub dem Generalmajor von Grumbkow (50. Infanterie Bri­gade) und dem Generalmajor von Repp er t (2. Pionier- Inspektion); den Kronenorden erster Klasse: Generalleut­nant von Stranp (25. Division) und den Kronenorden zweiter Klasse dem Obersten Dreßler (21. Fuß-Artilleri e-i Brigade) und dem Obersten von Ru Ville (Kommandant von Mainz).

Kronberg, 16. Ang. Der Kaiser ist mit seinen Schwestern, der Prinzessin Margarethe von Hessen und der Kronprinzessin von Griechenland nebst dem Lord und der Ladt) Willingdon sowie den Prinzen Philipp und Wolf­gang von Hessen um 4 Uhr 50 Minuten auf Schloß Fried­richshof eingetroffen.

Kronberg, 16. Aug. Auf Schloß Friedrichshof sind heute zur Mendtafel außer dem Gefolge des Kaisers eine Anzahl Gäste geladen.

Derrtscbes Heicb.

TasBerliner Tageblatt" meldet: Sir Ernst Easscl machte, um das Andenken des Königs Eduard zu ehren und dem deutschen Kaiser seine Verehrung auszudrücken, eine Stiftung, die englisch-deutschen Eharakter tragen soll und für die vorläufig vier Millionen aus geworfen sind. Es soll ein Fürsorgesystem geschasfen wer- den, das gleichzeitig minderbemittelten Engländern, die in Deutschland weilen und dort ihren Erwerb suchen, und Deutschen in England, die in gleicher Lage sich befinden, zugute kommen soll. Der König und die Königin, die Königin-Mutter von England, der deutsche Kaiser und die Kaiserin sollen das Protektorat übernehmen.

Tie Polen sind wieder rege bei der Arbeit, sogar im Kerzen des Deutschen Reiches. Die polnisch-nationale Er­ziehung der o b e r s ch l c s i s ch e n Mädchen fordert derKuryer Slaski", indem er schreibt:

Während sich der Oberschlesier für die polnische Kultur be­geistert, die varerländische (polnische) Geschichte lernt, polnische Zeitungen und bedeutsame Werke der polnischen Kultur lieft, hält sich die schlesische Frau m einer geroiffen Reserve allem gegenüber, was polnisch ist. Darum bedeuten die Schlesierinnen cm nicht geringes Hindernis in der Entfaltung des volinschnationalen Lebens auf der Piastenerde. Die unausgeklärte Mutter flößt dem Kinde kein poltiischnationales Genihl ein, das sie häufig selbst nicht besitzt, 'bier droht der polnischen Geinemschafl die Gefahr der Entnationa- tisierunq der Jugend. Diese Gefahr ist um so größer, als die aus­geklärten nationalen Faktoren diesem Teile unseres nationnlcn Lebens keine Aufmerksamkeit zuwenden. Die polnischnarionale Gleichgültigkeit der Schlesierinnen ist eine Folge unserer Saum­seligkeit. Wir haben uns wenig oder gar nicht darum bekümmert, ihnen das Begegnen mit der polnischen Kultur zu ermöglichen. Wollen wir die nationale Wiedergeburt Schlesiens beschleiinigen, so müssen wir die schlesische Frau zunr polnischnationalen Leben wecken. In die Arbeiterversammlnngen müssen die Frauen mitgenommen werden, damit sie die Bedürfnisse des polnischnationalen Lebens kennen lernen. Man muß für sie Bibliotheken und AufklärungS- vereine begründen. Erst önnit, wenn die polnische Frau m imlio- naler Hinsicht wiedergeboren wirb, werden wir von einer Wieder- belebnng der schlesischen Erde reden könne,i.

2luslaitö.

Aus 97?arient»ab wird gemeldet: Ter Minister des Aeußern Graf v. A e h r e n t h a l machte am Dienstag mit dem türkischen Großwesir .Hakki Pascha eine längere Ausfalwt. Der türkische Finanzminister be­suchte Hakki Pascha und reiste abends weiter.

Aus Bern wird gemeldet: Präsident Falliöres, der den ganzen Vormittag auf der französischen Botschaft zugebracht halte, stattete am Dienstag nachmittag dem Bun­despräsidenten Eo m t es s e einen Besuch ab und unternahm sodann mit dem Bundespräsidenten und den verschiedenen Bundesräten eine Automobilfahrt in die Umgebung

England, Rußland und Frankreich' lenkten durch ihre Vertreter die Aufmerksamteit der griechischen Regierung aus die Gefahren hin, welche die Kandida­turen der Kreter .in sich schließen. Die Regierung aut- wartete, daß sie für diese Frage nicht zuständig sei, ver­sprach aber nichtsdestoweniger, bei den kretischen St an bi*

Er wurde 1885 von dem verstorbenen Museumsdirektor Hermann Riegel in Braunschweig gegründet. Aus kleinen Anfängen hat er sich in den 25 Jahren mächtig entwickelt. Er zählt gegenwärtig über 30000 Mitglieder. Ein Retz von 324 Zw-ngveremen spannt sich übet das ganze deutsche Gebiet: auch im 2lusland haben sich Zweigvereine gebildet, in Italien, Belgien, Rumänien, England, -Amerika, Afrika und Australien. Der Londoner Verein hat 600 Mitglieder, der Rewhorkcr über 1000. Das Jubelfest des Vereins soll in Dresden gefeiert werden. In Dresden trat 1885 der erste Ztveigverein ms Leben: boruni ist der Gründungstag des Dres­dener Zweigvereins zugleich her Stiftungstag des Gesamtvereins. In Dresden wurde auch 1887 die 1. Hauptversammlung des'iungen Vereins gehalten. Man erwartet zn der Fünsundzwauzigjahr- seier zahlreichen Besuch aus allen Teilen des deutschen Gebietes. Gegen 100 Zweigvereine haben bereits ihre Vertreter angemeldet. Auch aus Amerika werden Abgeordnete der dortigen Zweig­vereine erscheinen. Ter Dresdener Zweigverein, rüstet eifrig zu dem Feste. Ein Begrüßungsabend mit allerlei künstlerischen und dichterischen Unterhaltungen wird die Feier cinleiten; die Festrede hält der bekannte Germanist Geh. Hofrat Prof. Tr. Behaghel aus (Hießen: eine Dampfschin'ahrt nach der schön gelegenen alten Markgrafenstabt Meißen mit Besichtigung des Domes, der Atbrechlsburg und der Fürsienschulc wird den Abschluß bilden.

3t. B ureau kratiuS. Wir lesen in der Beilage der Halberstädter Zeitung und Tageblatt «Vürger - Zeitung): Ein Fräulein S., Tochter achtbarer Eltern, gedachte und gedenkt auch noch, mit einem feschen Kavallerie Wachtmeister in den heiligem Ehestand zu treten. Bekanntlich lverden nun bei Heiraten char­gierter Militärs zur Erlangung des Konsenses neben andern Dmgcn auch über die Führung der Braut die nötigen Atteste verlangt, und di" Ellern der jungen Dam" hatten demgemäß über die einzelnen Lebensstadien ihrer Tochter die historisck-en Dokumente, als da sind: üfcburtßurfunbc, Taufschein, Schul­zeugnisse, p onfirmationsattest usw., ihrer natürlich unmaßgeb­lichen Ansicht nach lückenlos beigebrachtz Nun war Familie S. früher einmal in Benneckenstein ansässig, wo auch die jetzige ^raut des Wachtmeister) das Licht der Welt erblickte. Als die Kleine aber erst wenig über 1 Jahralt" war, siedelten ihre l-lltern bereits nach Hallvrstadt über In diesem llmfianb hat nun der mit Der Prüfung und Ordnung der Führungsatteste und LegilimationSpapjcre betraute Beamte ein dickes Haar ge- timDkn n vermißte über den Lebens wandel der Braut

r Lebenszeit, also für die Zeit kur» nach dem vollendeten ein Führungszeugnis und Eltern die nachträgliche Beibringung n befindlichen Ältestes an. Ob der at, daß tu Benneckenstein ziemlich viel

baten ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß diese, entsprechend dem Wunsche der Mächte, auf ihre Kandida­turen verzichten.

Das PariserJournal" meldet aus Baveux: Am Montag abend wurde der Versuch gemacht, den E h e r b o u - ger Expreßzug zum Entgleisen zu bringen. Der Mechaniker des Güterzuges bemerkte kurz vor Bayeux, daß die Strecke gesperrt war. Da er wußte, daß der Expreßzug von Cherbourg füllig war, hielt er seinen Zug an und brachte durch Schwingen einer roten Fahne auch den Expreßzug zum Halten. Die Angestellten beider Züge machten das Gleis frei, das mittels 31 schwerer Holzbalken gesperrt worden war. Untersuchung ist eingebettet.

Aus Bilb a o wird gemeldet: Infolge verfchiedencr von ausständigen Grubenarbeitern unternom- mencr Versuche, Arbeitswillige von der Arbeit abzuhalten, kam es zu mehrereu Zusammenstößen. Bei einem Bergwerk wurde ein Arbeitszug von 200 Ausständigen mit Steinen beworfen und beschossen. Die Streitenden durch­zogen mit Waffen und Stöcken das Grubengebiet, um die Wiederaufnahme der Arbeit zn verhindern. Umfassende Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Lrdnung sind ge­troffen worden.

Aus Kalkutta meldet man: Die Polizei hielt eine nächtliche H a u s s u ch u n g bei einem ehemaligen De­portierten ab.Empire" sagt, die Haussuchung bezog sich aus das Gerücht von einer Waffeneinfuhr aus London und Paris. Der Polizei ist eine Anzahl Dokumente und Briefe mehrerer englischer Anhänger der nationalistischen Bewegung in Indien in die Hände gefallen, darnnter ein Brief eines Unterhaustnitglieds. Waffen wurden keine gefunden; Verhaftungen sind nicht erfolgt.

Die chinesische Regierung sandte dem deut- ch e n K r o n p r i n z e n ein Telegramm, in dem sie ihn will­kommen heißt.

Seer unö Flotte.

Berlin, 16. Aug. Das erste Gardcdragoner-Rc- gimcnt feierte heute Donnittag die 40jährige Erinnerung an Mars-la-Tour. Der Verein ehemaliger erster Garbedragoner, darunter 33 alte Krieger und Teilnehmer an dem Todesritt;, wohnten der Feier bei. Der Regimentskommandeur und der Vcreinsvorsitzenbe hielten Ansprachen. Dann wurden am Krieger­denkmal Kränze nicdergelegt.

Das e r ft e feldgraue Regiment. Tas am 1. Oktober neu zu errichtende sächsische Husarenregiment Nr. 20 erhält dauernd und allein, sür alle Frieoenc-, also auch Paradezwecke, die feld- graiie Uniform. Nur die Stiefel werden, vovlnuftq wenigstens, nicht feldbraun, sondern schivarz sein. Die neue Uniform besieht, io entnehmen wir denNeuen niilitärischen Blattern", die jetzt vom Verlage derGrenzboten' übernommen worden sind, aus einer feldgrauen Attila nut dunkelgrüner Verschnürung und feldgrauer Reubose. Die Knöpfe, Oliveii und Nummern sind mattsilberfarbig gehalten: die Abzeichen au der Pelzmütze und Mütze sind Koru- bluinenblau.^ Bandolier, Säbeltasche, so>vie alle gläiizenden Be­schläge nm Sattel- und Zaumzeuge siub wegqesallcn. Tie Uniform ieht trotz ihrer Einfachheit sehr kleidsam und flott aus und hat dabei den Vorteil wesentlicher Billigkeit im Vergleich mit den bis­herigen Husaren-Unnoriuen. So soll u. a. die Offizierseguipierung des neuen Regiinenis sich um etwa 1000 Mk. niedriger stellen als die der beiden sächsischen Husarenregimclilcr 18 und 19.

Ans Stadt nird Land.

Gießen, 17. August 1910.

Ein Sonderfriedhof für die Israeliten?

Auf die gestern veröffentlichte Zuschrift betreffend: die Anlage eines ifracUtifd^u Friedhofes sendet uns der Vor­stand der israelitischen Religionsgesellschaft folgende Er­klärung :

1. In her Generalversammlung vom 7. Mai 1908 wurde ci it ftituntig die Anlage eines eigenen Fried­hofes beschlossen.

2. Es entspricht nicht den Tatsachen, daß der israeli­tischen Religionsgesellschaft jemals von irgend einer Seite eine Sclfcnkung hierfür angeboten oder auch nur in Au^s- ftcht gestellt worden ist, im Gegenteil, die Mittel für die Anlage eines Friedhofes werden von den Mitgliedern der israelitischen Religionsgesellschaft selbst aufgebracht.

3. lieber eventuelle Abgabe von Gräbern an Nicht­mitglieder der israelitischen Religionsgesellschaft ist bisher noch keine offizielle Beratung gepflogen worden.

4. Tem beregten Artikel imIsraelit" steht der Vor stand der israelitischen Religionsgesellschast vollständig fern.

5. Tie Verwahrlosung des israelitischen Friedhofes in Großen-Linden, der in früheren Zeiten, soweit uns bo ohne Jagdschein gepürscht wird, oder ob er das friedlich? Harz- städtchen jür eine Festung gehalten hat und ermitteln .wollte, ob Frl. \n der fraglichen Zeit sich vielleicht einmal im Be­lagerungszustände besunden habe, wer kann das je ergründen? Was sollte aber Familie S. beginnen? Ihr blieb nichts übrig, als an das Standesamt ;u Benneckenstein zu schreiben und in aller Form um ein Attest über die Führung ihrer Tochter ivährend der xaiicr ihres Aufenthaltes dortselbst ganz gehorsamst zu er­suchen. Ter Beamte m der kleinen Bergstadt hatte, als er aus Den RegNtern festgestellt ltatte, daß es sich für Frl. S. um die Zeit vom Tage der (Geburt bis etwa zur Vollendung des dritten Semesters handelte, den guten Humor, den verzweifelnden El­tern die beruhigende Auskunft zu erteilen, daß die Führung be­sagter Jungfrau während der fraglichen Zeit in Anbetracht ihrer damaligen kindlichen Unbeholfenheit darin bestanden habe, sich willig jeder Führung zu überlassen; im übrigen habe die p. S. sich zu der sraglic! ?u Zeit genau so betätigt, wie alle andern P^sonen sich zu oer fraglichen Zeit zu führen pslegten. Der Fall steht Übrigens keineswegs vereinzelt da, auch aus dem preußi­schen -Schulwesen läßt sich ein artig Stücklein vermelden, das allerdings schon einige Zeit zurückliegt, aber bis jetzt nur wenigen 2?ntJ1croort>rn c*ncr hiesigen Volksschule war für den (Gebrauch des Kastellans ein Hammer nebst Zange angeschasft worden. Eines schönen Tages kam nun von der Oberrechnungs kammer ein gronmächtiges Scluciben an den Rektor, in dem um Aufklärung darüber ersucht wurde, wozu diese Gegenstände gebraucht würden und was der Grund ihrer Aitschaffung sei In der Seele des Rektors mag wohl die nicht ganz unberechtigte Gegenfrage auigetauchl sein, ob denn ein chmmgß*

kammer zu Berlin wirklich nichts Wichtigeres zu tun habe, als der- gleichen Lappalien auf deu^Grund zu gehen. Tie Antwort lautete übrigens ebenso trockenen Tones, wie die Anfrage gewesen war: Die Zange ruerb zum Herausziehen und der Hammer' zum Ein schlagen von Nägeln gebraucht Die Cb rung kam m nun eigentlich auf Grund der lleberzeugung, daß sich die Verwendungsart besagter liegen stände gegenseitig ansgleiche, die Unimasfung des Hammers und der Zange beanstandc'ii müssen. Da n dach bis datodiesseits" ein Rücksclireiben noch nicht er­folgt ist, so ist wohl anzunehmen, daß sich eine hohe Ober- rechnungskammer mit der gemeldeten Rechtsertigungvoll und ganz' zufrieden gegeben hat.

-- Kurze N a ch r i rb t e n au« Kunst n. W i fse n fcha f t 3n Grgz wurde am Montag brr 8. Internationale Zoologenkongreß eröffnet Am 19. b. Mts. vollendet Fakultät, Erzeltcnz Projessor Dr. IulüiS Arnold das 75 Lebensjahr.

kaunt, BeefrabmMatz der r'sr a eli t i sch e n ReN- grons gemeinde Gießen war, bedeutet für unseren Beschluß gar nichts.

D i e S t e m p est a b g a b e n tm Großherzogtnm Hessen betragen nach der amtlichen Statistik bei den Kreisämtern im Jahre 1909 Mk. 927 273 gegen Mk. 931 736 i. I. 1908. Den Hauptanteil machen die Erlanbnisscheine für die Wirt­schaften mit Mk. 223 953 an§ gegen Mk. 229115 im Vor- iahre. Dann folgen Jagdwaffenpässe Mk. 147 121 (145 732), Radsahrkarten Mk. 145 286 (145 286), Tanzbeliistigungen be­sonderer Art Mk. 108 230 (106 938), Tcmzbelnstigungen bei Kirchweihen Mk. 77 746 (75 831), Automaten und Musik, iverke Mk. 51 440 (54 858), Wandergewerbcscheine Mk. 28 874 (27 767), Sion- und Umbauten Mk. 26371 (24213), ßegi-4 tmiationskarton für Reisende Mk. 22 011 (21825). Auf die zehn größten Städte verteilen sich die Stempelabgaben in folgender Weise: Mainz Mk. 122 939, im Vorjahre: Mk. 133 164, Offenbach Mk. 73 239 (77 525), Darmstadt

71 590 (67 791). Worms Mk. 50 583 (38 503), Gießen Mk. 24 624 (34 505), Bingen Mk. 11 739 (10 633), Bad. Nanheim Mk. 10358 (11 477), Friedberg Mk. 7496 (6754), Alzey Mk. 6215 (7996), Bensheim Mk. 4899 (6780).i

** Von der Straßenbahn. Die Benutzung der Straßenbahn betrug in der ersten Hälfte des Monats: i>l 942 beförderte Personen, darunter 791 städtische und 390 Postbeamte. Die Personenzahl, die im Durchschnitt täg* lich befördert wurde, stellt sich auf 3463. Die Bahn wird noch im Laufe dieses AtonatL die 1. Million Fahrgäste er. reichen, eine Zahl, die gewiß alle gehegten Erwartungen übertrifft.

x Bad-Nauheim, 16. Aug. Einen wissenschaftlich interessanten Vortrag hielt hente abend im Kurhaus Dr. £gon Kirschenstein, der als Geologe den Herzog. Friedrich Adolf zu Mecklenburg auf seiner Asrrkareise 1907/08; begleitete, über die Vulkangebiete in Zentralafrika:. D-eH Vortrag Nmrde durch zahlreiche Lichtbilder erläutert. Der" Vortragende hat als erster Europäer die Forschungen übet das iuuerafrikanische Vullaugebiet zu einem Mschluß gebracht.

I. Fauerbach v. d. H., 16. Aug. Ein schweves, Unwetter zog gestern abend gegen 8 Uhr über unser Tors. Ter Blitz schlug in einen aus'dem Felt^e befindlicher^ F r u ch 11) a n f c tt, der verbrannte. Bei der kürzlich vollzogenen Gemeinderatswahl wurden gewählt^ 1. Konrad Philipps I., 2. Georg Becker, 3. Johanuesl Werner X.

R. B. Darmstadt, 16. Ang. Ein neues schweres Antomobilnnglück wird aus Kelsterbach gemeldet. Tort wurde gestern nachmittag das 6jährige Söhnchen deS Weichenstellers Rohrbach durch ein Lastautomobil der dortigen Seidenfabrik überfahren und auf der Stelle gc* tötet. Der Vorfall ist utu so erschütternder, als die Eltern erst vor 14 Tagen ein anderes Kind durch ein Herzleiden verloren haben. Tas Kind soll hinter einem auf der Straße haltenden Eiswagen gestanden haben imb von da, heraus- lanfend, unter das, angeblich in mäßiger Gangart befindliche Automobil gekommen sein. Der ivegen einer anderen Unter- suchimg anwesende Vertreter der Darmstädter Staatsanwalt, fchaft, Genchts-Affessor Gros, hat sofort die Untersnchung. eingeleitet, um festzustellen, ob den Lenker des 91 utomobilst den 29jährigen Chanfseur Karl Frick die Schuld trifft.

rm. Darmstadt, 17. Aug. Zwei Großfen er brachen, gestern nachmittag hier aus. Kurz nach 2 Uhr wurde Feuer in der Großh. Hofmeier ei gemeldet. Dort war eine Scheune mit Frucht in Brand geraten. Sämtliche Züge rückten aus, konnten aber nur die Nachbargcbäudc retten, was mit großer Anstrengung gelang, da die mächtige Glut des Feuers die Umgebung sehr gefährdete. Die Löschungsarbeiten bauerten bis zum 9lbeiit>. Kurz vor drei Uhr traf eine weitere G r o ß^ f e u e r m e l d n it g von der Darmstädter D a m p f m ü b l c ein. Tort war im Tachstock anscheinend in der Entstaubungsanlage Feuer ausgebrochen. Auch die Feuern>ehr der Zentralwerkstütte wurde alarmiert. Hier gelang es ebenfalls, den Braud auf feinen Herd zu befchräuken, so daß außer dem ausgevramUeu Dach kein wesentlicher Schaden ent flank

ch. Bingen, 16. Aug. 91achdem gestern abend die Mitglieder deö Verbandes der Kriegs-Freiivilligen von 18 70/7 1 hier eingetroffen waren, sand eine Begrüßungs- Versammlung statt, in der die alten Krieger und Veteranen ein frohes Wiedersehen feierten. Die Teilnehmerzah! beträgt über 230. Am heutigen Vormittag fand eine Besichtigung der Stadt Bingen und ihrer Sehenswürdigkeiten statt, der sich ; ein gemeinsames Frühstück anschloß. Am 9lachmittag erfolgte i die lleberfahrt nach NüdeSheim und Anfstieg nach dem : Nationaldenkmal auf dem 91iedenvald. Dort hielt Pro- 'essor Dlüller-Hannover eine kurze Huldigungsrede und legte einen Kranz nieder. Nach dem Absingen der »Wacht am 9ihein" erfolgte die Rückfahrt nach Bingen, wo sich em | Festessen anschloß.

ch. Bingen, 16. Aug. Ein schweres Untocttät ! ist gestern abend wieder über unsere Stadt nieder gegangen Bon den Höhen des Rochusberges nnt> Scharlachkopfes schoß das Wasser I in Strömen in die Stadt hinein, brachte eine Menge Schutt und I Grund mit und überschwemmte die Straßen mit schnell dahin- \ schießenden Fluten, so daß der Verkehr unmöglich war. Dabei - herrsschte schwerer Hagelschlag, der im Feld draußen er- 1 l) c b I i d) c n Schaden angerichtet hat. In der Umgebung hat 1 das Unwetter in der gleichen Weise gehaust.

ch. RüdeSheim a. Rh., 16. Aug. Ganz fürchterlich I waren hier die Wirkungen des gestern abend hier iliedergegMigenen, Unwetters. Im 9tu ivurden die abschüssigen Straßen unserer Stadt von den mit großer Wucht nnb Sdntelligkeit bergabn>ärt5 i chießenden Wassermengen der Regen und Hagel ging gleich ] einem Wolkenbruch nieder überschwemmt und stauten sich dann an den tiesergelegenen Häusern. Dabei brachte d<is Wasser viel Grund und Sckilamm aus Feld uird Weinbergen mit. Durch die lleberschwcmrnung ist wieder erheblicher Sckiaden angerichtet : worden.

-ch. Wetzlar, 16. Aug. Nachdem der Bürgermeister j in der jüngsten Stadtverordneten Sitzung die Schuldcni urkunde betr. die Anleihe von 2 Millionen Mark für die l Unterofsizierschule verlesen, nimmt das Kollegium i einstimmig das Angebot der Firma $Mxafcngicr und Eo. in i Halle an. Die Aufnahme geschieht bei dem Preußischen j Beamtenvoreiu zu Hannover mit 4 v. H. Zinsen, 1 v. H. j Tilgung, zunächst gegenseitig 15 Jahre fest zn 99 v. H Die Abnahme sott in Raten erfolgen vom 1. April 1911 bis Ende 1912. Nach Ablauf der 15 Jahre soll das Kapital gegen- ! eitig aus ein Jahr kündbar sein.

g. Warft en beim, 17. 9lug. Schwer betroffen ! ivurbc der hiesige Landiuaun Heinrich Brück von dem Itn* j weiter am Nbontag abend. Ein Blitzstrahl traf die Scheune, zerstörte die Wände und tötete im Biehstull vrer Kühe und e i n Ri n d, das abseus nebenbe Mülbcben blieb unversehrt.