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17.8.1910 Erstes Blatt
 
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drr. 191

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Erstes Blatt

169. Jahrgang

Mittwoch 17. August 1919

Mchemr Anzeiger

Gmersl-Mzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag der Vrühfschen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: §chulftratze 7.

vezugspretS: monatlich 75 Pf^ viertel­jährlich M. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.viertel- jährt, ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal I5Pf^ auswärts 20 Pfennig, Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuille­ton" und.Vermischtes^ K. Neurath; für .Stadt u. Land" undGerichts­saal": E. Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Zum Brand in der Brüsseler Weltausstellung.

Berlin, 16. Ang. DieNorddeutsche Allgemeine Zei­tung" meldet: Der Kaiser sandte an den König der Belgier ein Beileidstelegramm nach Possenhofen. Der belgischen Regierung ließ er durch ein Telegramm des Gesandten Freiherrn von Jenisch an den belgischen Minister- prästdenten seine Teilnahme an Belgiens nationalem Un­glück ausdrücken. Der kaiserliche Geschäftsträger in Paris wurde gleichzeitig angewiesen, der französischen Regierung die Teilnahme des Kaisers zu übermitteln.

Brüssel, 16. Aug. Die Ausstellung der alten Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts ist nicht zerstört worden, weil sie außerhalb des Ausstellungsgeländes in dem großen Jubelpark untergebracht ist, der weit ent­fernt von der Avenue Solbosch liegt.

Der Reichskommissar derengtischenAusstellung hatte heute vormittag eine längere Unterredung mit dem Vorsitzenden des Ausstellungskomitees Baron Jenssen; es scheint, daß die englische Regierung die Absicht hat, die zerstörte englische Ausstellung vollständig wiederherzu- stellen. Die sranzösiche Abteilung auf der Aus­stellung wird wieder hergestellt.

Das Militär verläßt die Ausstellung, deren sämtliche Abteilungen von morgen ab wieder zu besichtigen sein werden. Belgien will seine Ausstellung wiederherstellen und die neue Ausstellung im Pavillon für zeitliche Aus­stellungen unterbringen, wo 6000 Quadratmeter zur Ver­fügung stehen.

Die Leiden, nach dem Brande der Weltausstellung ver­mißten Personen sind nunmehr wieder auf­gefunden worden.

Paris, 16. Aug. Nach dem amtlichen Bericht des Kommissars der französischen Abteilung der Brüsseler Weltausstellung, Capsal, an den Handels­minister sind von der französischen Ausstellung nur die 'Galerie für Nahrungsmittel und der Pavillon der Stadt Paris zerstört worden. Die übrigen Galerien und Pavillons '"-er französischen Ausstellung, sowie alle Kunstgegenstände ünb intakt geblieben. Es sind nur in den Sälen der Bi­jouterien und Bronzen einige Verluste zu verzeichnen.

München, 16. Aug. Das Königspaar von Bel­gien ist heute abend hier eingetroffen, um sich nach Brüssel zu begeben.

Eine amtliche deutsche Darlegung.

Der deutsche Reichskommissar Geheimer Re­gierungsrat Albert hat den: Brüsseler Vertreter von Wolffs Telegraphischem Bureau folgende Mitteilungen ge­macht:

Tie deutsche Abteilung ist in vollem Umfange unversehrt geblieben. Obwohl sich die getroffenen Maßregeln vollstcnrdig bewährt haben, sind jetzt die Sicherheitsmaßregeln noch verstärkt worden. Tie nächtlichen Patronillengäuge und die 'Bewachung mnerhalb der Hallen während der Nacht sind vermehrt und ver­stärkt worden. Im übrigen ist das Feuerrisiko der gesamten Baulichkeiten von dem Syndikat der deutschen Feuerver- s i ch e r u n g s g e s e l l s ch a f t e n gedeckt. In gleicher Weise haben die deutschen F-euerversicherungsgesellschaften, sowie eine Reihe englischer Gesellschaften das Feuerrisiko der sämtlichen deutschen Ausstellungsgegenstände übernommen. Der Zugang zur deutschen Abteilung ist nicht unterbrochen gewesen. Trotz des augenblick- licli erforderlichen Umweges hat der Besuch der derttschen Ab­teilung eher zugenommen als ab genommen. In we­nigen Tagen werden die Trümmer, welche zurzeit die Avenue Solbosch bedecken, beseitigt fein, so daß die Hauptzugangsstraße

zur deutschen Abteilung bald wieder dem Verkehr geöffnet fein wird. Die Gesamtausstellung bleibt ununter­brochen geöffnet. Die Juryarbeiten werden am näch­sten Montag fortgesetzt, nachdem sich herausgestellt hatte, daß Duplikate der Protokolle der ersten Instanz im Stadtbureau des belgischen Kommissars vorhanden waren. Bei diesem trau­rigen Anlaß hat sich gezeigt, daß es ein glücklicher Gedanke war, die deutsche Abteilung als ein geschlossenes Ganzes in einem getrennten, einheitlichen Gebäude unter- z u b r i n g e n. Wenn die ganze Weltausstellung in einem ein­heitlichen Bau zusammengefaßt gewesen wäre, so würde sie höchst­wahrscheinlich insgesamt ein Raub der Flammen geworden fein. Leider sind vollständig vernichtet die englische Abteilung mit ihren unersetzlichen Kunstschätzen und Wertobjekten, sowie der­jenige Teil der belgischen Abteilung, der hinter der Hauptfassade liegt. Der Architekt der belgischen Ausstellung, Acker, wird be­reits in wenigen Tagen Pläne vorlegen, in welcher Weife die Brandstätte künstlerisch verkleidet wird. Man hofft, die neue Fassade in 14 Tagen fertigzustellen. Ter Kostenaufwand hier­für wird sich auf eine V i e r t e l m i l l i o n Franks belaufen. Eine Schädigung des architektonischen Gesamtbildes der Aus­stellung wird nur in geringem Umfange eintreten.

Kaifcr und Erotzherzog in Mainz.

N. Mainz, 16. Aug.

Die Mainzer feierten von jeher gerne Feste, und die all­jährliche Anwesenheit des Kaisers und des Großherzogs wird denn auch seit zwölf Jahren jedesmal recht gründ­lich ausgebeutet. Diesmal aber gings ganz besonders hoch her. Was versprach man sich nicht alles. Außer den zahl­reichen Fürstlichkeiten erwartete man auch noch die Flie­ger, die den Mainzern einmal ein ganz besonderes Schau­spiel bieten sollten. Die Mainzer wurden aber von den Flugfahrern schmählich im Stiche gelassen, denn die ließen ohne jedeRücksicht auf die Art der Bevölke­rung", die den Absperrungsmannschasten anempfohlen war, warten wer da warten wollte. Die Ungunst der Witte­rung ließ einen derartig bedeutungsvollen Flug unan­gebracht erscheinen,^ obwohl hier in Mainz, wie immer, wenn etwas los ist, das prächtigste Wetter war. Gestern abend allerdings tobte sich der Wettergott noch ein­mal tüchtig aus und riß sogar in seinem Grimme eine der Ehrenpforten auf dem Aliceplatz zusammen. Der Schaden wurde aber Übernacht rasch behoben und heute früh erstrahlte der Weg nach dem Schlosse mit seinen ragenden Masten, Wappen, Blumengewinden und bunten Fähnchen in herrlichstem Sbnnenjchein.

Der gestrige Regen feint zwar unerwartet, aberi program mäßig; denn seit Jahren hat der Mainzer Himmel die Gepflogenheit, am Tage vor der Parade den Sand tüchtig zu begießen, damit sowohl die Soldaten als auch die neugierigen Mainzer, die das besonders Übelnehmen tonnten, von übermäßigem Staube verschont bleiben. Auch dem Blumenschmuck hatte der Regen keinen Schaden getan. Nur die Schaulustigen, die am Montag, der hier Feiertag war (Mariä Himmelfahrt), zahlreich erschienen waren, um die Ankunft des Großherzogs zu erwarten, waren tüchtig getauft worden. Dafür war am Vormittag das Vergnügen umso größer gewesen. Begünstigt durch den Feiertag, hatte sich eine große Menge Leute, besonders Landbewohner, zur

Vorparade eingefunden, um das prächtige militärische Schauspiel zu sehen. Bäume und Hügel waren sofort von Jung-Moguntia besetzt; aber auch die Erwachsenen belegten jedes günstige Plätzchen mit Beschlag. Häufig wurde die Absperrungslinie

durchbrochen, aber vor den ansprengenden Reitergefchwaderre zog man sich schleunigst in den sichernden Wald zurück, ber die Soldaten weder vor den Riesenhüten der Damen itody vor den photographischen Apparaten Respekt hatten. Nach, dem Gefechte trat eine Ruhepause ein, während der die fliegenden Händler" Selterswasser undVorparade­schinkenbrötchen" verkauften. Bei der anschließenden Parade waren von den auswärtigen Regimentern nur div Flügelunteroffiziere beteiligt.

Die Kaiserparade.

Heute morgen traf der Kaiser, wie schon telegraphisch- gemeldet, mit großem Gefolge hier ein und verließ an dem bald unter die Sehenswürdigkeiten eingereihten Bahn­wärterhaus Nr. 39, dem Mainzer Kaiserbahnhof, der viel> leicht noch einmal unter Denkmalschutz gestellt wird, den Sonderzug. Nach der Begrüßung unterhielt sich der Kaiser sehr angelegentlich mit dem Lord Willingdon, der mit der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen am Morgen von England gekommen war. Der Kaiser 'begrüßte dann die zum Spaner ausgestellten Schüler in sichtlich bester Laune und begab sich im Galopp nach dem Uebungsplatz. Hier exerzierte zunächst das Leibdragonerregiment Nr. 24. Nach der Kritik begann das Gefecht, zu dem Generalleutnant Scholz die Aufgabe gestellt hatte, und an dem diesmal nur preußische Truppen teilnahmen. Die Hebung, die etwa iy2 Stunden dauerte, wurde auf beson­deren Wunsch des Kaisers unter einer außerordentlich starken Feuerentwicklung durchgeführt und endete mit dem Sieg derRh ein arm ee". Während der Kritik stellten sich' die Truppen zum Parademarsch auf, der zuerst in Kompagniefront, dann in Regimentskolonne, bei den be- rittenep Truppen im Schritt und dann im Trab ausge­führt wurde.

Der Kaiser führte wie stets dem Großherzog serw Leibregiment (116) vor. Der Großherzog, die Groß­herzogin und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen führten ihre Regimenter (115, 117, 80) dem Kaiser vor. Die Kronprinzessin von Griechenland wohnte der Parade im Wagen bei.

Im ganzen waren 25 Bataillone, 9 Schwadronen und 9 Batterien mit ihren Stäben zur Truppenschau heran­gezogen. Nach der Parade hielt der Kaiser abermals Kritik ab und setzte sich, nachdem er die zum Spalier ausgestellten Truppen im Galopp abgeritten hatte, hinter der Gastelb- scheu Wagenfabrik an die Spitze der Fahnenkompaanie, zu der die 8. Kompagnie des Jnf.-Regts. Nr. 116 befohlen war.

Einzug in die Stadr.

Unter dem lebhaften Jubel der Bevölkerung und dem Geläute der Glocken ritt der Kaiser kurz nach Mittag durch die dicht besetzten Straßen nach dem Schloß, wo er von Oberbürgermeister Dr. Göttelmann im Namen der Stadt begrüßt wurde. Der Kaiser unterhielt sich mit ihm über die reichen Spenden, die von den Mainzern für den KreuzerMainz" gestiftet worden waren und besich­tigte dann den Siwerschatz und eins der Oelge- mälde, die Ansicht der Stadt vom Nheinufer au§r die für die Offiziersmesse des Schiffes bestimmt sind. Be­sonderes Interesse bekundete der Kaiser für das jetzt im Druck vorliegende Verzeichnis der Schiffsbücherei, die ebenfalls von der Stadt gestiftet wurde und 1000 Bände umfaßt. Zur Tafel, an der die Spitzen der Behörden teil­nahmen, waren 42 Gedecke aufgelegt. Nach dem Frühstück besichtigte der Kaiser in Begleitung des Großherzogs das

schloß. Sie

aber keine Heimat gewährt.

Kaiserin Eugenie in Esmpiegne einst und jetzt.

Der schaulustige Reisende, den am vorletzten Sonntag sein Weg vielleicht nach Eompiegne führte, wo er in der

Den Duft des Gewesenen, der heute über Compiegne liegt, nahm sie mit sich, verrauscht sind die fröhlichen Klänge von einst, längst erstorben das Echo der sorglosen Scherze, die damals denKreis von Compiegne" erfüllten. Denn Compiegne, das hieß das Abstreifen des starren Hofzere­moniells, das waren-die Tage, wo das Kaiserpaar nur den auserwählten nahen Freunden lebte und wo alle Sorgen verbannt waren. Nach Compiögne geladen zu werden, das war der höchste Ehrgeiz jedes französischen Hosmannes. Wenn am 1. November Napoleon und Eugenie in das an­mutige Schloß zogen, da begannen die Tage der Freude und der ungezwungenen Geselligkeit. In Gruppen von 70 bis 80 Gästen kamen die Freunde des Kaiserhauses und verlebten eine Festwoche, bis die Stunde der Abreise schlug und eine neue Schar von 80 Gästen sie ablöste. Am Tage der An­kunft war Tafel im Schlosse, am Abend dann fröh­licher Tanz; kein Orchester, keine Streicherkapelle, ja nicht einmal ein Flügel; im Tanzsactl stand ein mechanisches Klavier, dessen Kurbel von den Herren abwechselnd ge­dreht wurde, um den anderen die Freuden des Tanzes zu ermöglichen. Es war nicht 'unter "leicht, dieses Orgelklavier zu meistern, nicht jeder hat ein natürliches Empfinden für die Gesetze des Rhythmus, und oft erschallte heiterer Widerspruch, und lustige Vorwürfe, wenn irgend ein hochstehender Würdenträger in seinem Eifer unregel­mäßig spielte und durch seine Temposchwankunaen die Tänzer in Verwirrung brackte. Am zweiten Tage herrschte das Jagdgewehr; während die Damen in duftigen Kleidern auf grünem Rasen mit der Kaiserin Wettkämpfe im B o g e n - schießen veranstalteten, zogen die Herren zum Weid­mannswerk in Park und Wald. Am Wend war dann Vor­stellung in dem entzückenden kleinen Theater, das Louis Philippe, der Bürgertönig, erbaut und das das Kaiserpaar durch eine prachtvolle Erneuerung verschönert batte. Hier spielten abwechselnd die Größen oer Comödie, oes Odeon, des Gymnase, oes Vaudeville und des Palais Royal, die abwechselnd von Paris nach Compiögne befohlen wurden. Im Theater wurden die männlichen Gäste sehr stiefmütter­lich behandelt, nie hat ein Herr in einer vorderen Reihe Platz nehmen dürfen, der erste Rang, der zu einer mäch­tigen, 200 Personen fassenden Loge ausgebaut war, blieb dem Juwelengeschmückten schöneren Geschlechte Vorbehalten; die Herren mußten oberhalb der kaiserlichen Loge aus Hinter­

singenden Tonfall seines Berufes gelangweilt die einge­lernte Litanei heruntermurmelte,dies ist das Gemach, in dem Kaiser Napoleon III. zu arbeiten pflegte",Hier ge­wahren Sie das Zimmer, wo die Kaiserin Eugenie ihre Gäste empfing" usw. Jedes Zimmer, jeder Raum des Schlosses wurde besucht, durch die Gemächer, in denen einst das Familienleben des letzten unglücklichen Kaiserpaares von Franlreich waltete, zog die plaudernde,- sorglose Kara­wane der Schaulustigen, Lorgnetten klapperten und hier und da stellte eine wissensdurstige Dame eine besondere Frage an den Führer, um allerleiInteressantes" aus der Ver­gangenheit zu erfahren, wo in Compiegne noch Glanz, Freude und heitere Geselligkeit herrschten. Niemand hatte der stillen Greisin in dem Zuge besondere Aufmerksamkeit geschenkt; er stjetzt, da die Schar der Besucher das Arbeits­zimmer des Prinzen Lulu verließ, als die schwarzgelleidete Gestalt einige Augenblicke einsam in dem Gemache zurück­blieb, während die eintönige Stimme des Führers bereits in der Ferne verklang, da erkannten einige Nachzügler die Tunkelverschleierte: es war die Kaiserin Eugenie, die unglückliche Mutter, die hier in dem Zimmer ihres einzigen Kindes stand und der Zeiten gedenken mochte, da die Zukunft noch hell und sonnig vor ihr zu liegen schien und ihrem geliebten Sohne ein Leben voll Glanz und Ruhm verhieß. Tie Besucher traten still zur Seite und ließen die Kaiserin allein mit ihren Gedanken. Erst eine Weile später trat sie heraus, verließ schweigend mit ihren beiden harrenden Begleitern das Schloß, um von der Stätte ihrer schönsten Erinnerungen wieder hinauszueilen in die Welt, die der Witwe und der trauernden Mutter wohl Raum,

Schar von Globetrottern und Ausflüglem durch die Ge­mächer des berühmten Schlosses wandeln wollte, konnte Zeuge eines ergreifenden Auftritts werden. Inmitten der Besucher, die unter Führung eines alten Beamten den Rund­gang durch das Schloß antraten, sah man eine schwarzf- gekleidete, ehrwürdige alte Dame, die sich in Begleitung zweier Herren dem bunten, fröhlich plauderten Zug an- ' folgte schweigsam dem Führer, der mit dem

>nfall seines Berufes gelangweilt die einge-

bänken Platz suchen, so gut es ging. Am dritten Tage kam dann die Hetzjagd zu ihrem Rechte. Napoleon selbst war zwar kein großer Jäger, und der Jagdritt reizte ihn wohl wenig. Was ihm Freude urachte, das war das" Einherjagen hinter den Hunden; ob die Meute die Spur verloren hatte und sich verirrte, blieb ihm dabei herzlich gleichgültig. Man wußte das, und so gab es auch zwei Meuten. Die eine, von rein englischer Zucht, raste gewöhn­lich sinnlos dahin, gefolgt von dem Kaiser und dem Gros seiner Gäste. Die Jäger aber, die Freunde des Weidwerks, folgten gewöhnlich der Heineren, französischen Meute, die der Fährte des Wildes treu blieb und möglichst schnell von der oahinbrausenden kaiserlichen Kavalkade ab wich. Diese kleine Schar war es auch gewöhnlich, die am1 Schlüsse Halali blasen konnte,.lwährend der größere Trupp nach wildem, langem Ritte, den Kaiser an der Spitze, in der Regel beute­los, aber mit geröteten Wangen und in bester Laune, heim­kehrte.

Die Entdeckung wertvoller Quattro­cento-Fresken wird aus Perugia berichtet. In der alten Kirche von Santa Maria N u o v a hatten Arbeiter zum Zweck von Ausbesserungen ein Gerüst aufgestellt, als sie beim Klopfen gegen eine Mauerwand feststellt^n, daß sich dahinter ein hohler Raum befinden müßte. Man brach die Wand ab und entdeckte eine große Nische, die voll­ständig mit Fresken ausgemalt ist. Die Bilder, die noch ganz gut erhalten sind, stellen eine Kreuzigung dar: neben Christus am !Kreuz stehen San Bernardino und Santo Stefano; zu .ihren Füßen sieht man einen Totenschädel. Die Wände der Msche und die Decke sind reich geschmückt und tragen die Bilder der vier Evangelisten, die in geome­trische Formen eingeschlossen sind. Das Fresko, eine aus­gezeichnete Arbeit, trägt alle Merkmale der Malerei des Quattrocento. Jur weiteren Verlauf der Arbeiten wurden noch zwei übereinander liegende Nischen aufgedeckt; wäh­rend die obere von der Feuchtigkeit fast zerstört ist, ist die untere ausgezeichnet erhalten und hat ein Fresko mit der Darstellung der gekrönten Jungfrau und zweier Heiligen. Dieses Bild trägt die Jahreszahl 1587.

Der Allgemeine deutsche Sprachverein, der sich die Pflege der Muttersprache und ihre Reinigmig von ent­behrlichen Fremdwörtern zum Ziele gesetzt hat, feiert vom 10, bis 12. September £>- I. das Fest seines 25 Mrigen Bestehens.