Ausgabe 
14.4.1910 Erstes Blatt
 
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Nr. 88 Erstes Blatt 160. Jahrgang Donnerstag 14. April 1010

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m'cheml tagllch, außer JgggBf W M W monatlich75Vf.,viertel-

tzLS General-Anzeiger für Oberheffen MZ

Ivnahme von Anzeigen I 6 ! I u.Land" und ^Gerichts-

Z oormMa«s"s"uh" Hofafiottsörtid und verlas der vrühl schen Umv.Guch. lind StemLnlckerei R. Lange. Redaltian, LxpedMon und Druckerei- Lchulftratze ?.

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

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Plötzlicher drohender Umschwung in Marseille.

O Paris, 13. April.

Ter anscheinend int Sande verlaufene allgemeine Aus­stand, der doch anfangs nur auf vierundzwanzig Stunden vorgesehen war, ist jäh zu einer sehr bedenklichen Bewegung aasgeflammt. Es ist noch nicht zu erkennen, welche Gründe d esen Umschwung herb ei geführt haben, indessen läßt sich offnen und teilweise nachweisen, daß die aus Paris er­schienenen Apostel des sozialen Umsturzes, die Redner des Allgemeinen Arbeitsverbandes, durch Aufhetzungen und auch kiirfchüchterungen dieses bedauerliche Ergebnis erzielt haben, l-ewisse regimefeindliche Zeitungen suchen in ihren Tar- sieltungen der Marseiller Begebenheiten nod) ungebührlich Ki übertreiben, indem sie bereits von Ausschreitungen, ei»rohnngen der Besitzenden, Stürmen gegen die Häuser ber Behörden und gegen die Wächter der öffentlichen Ord- nuitg mit simuliertem Entsetzen berichten. So weit ist die kache aper nach den sachlichen Berichten noch nicht gediehen, h?itn auch die Möglich leit derartiger Verwickelungen nicht ausgeschlossen werden tann. Tenn ernst ist die Sache, sehr ernst Es ist den Revolutionären gelungen, Arbeiter und -ngestellte in den Wahn einer notwendigen Solidarität mit denInserits Maritimes" fortzureißen und den Haß gegen dietyrannische" Regierung und Gesellschaft gewaltig ju j chüren.

Die Arbeitsstockung griff nach einer stürmischen Versammlung in der Montagsnacht am folgenden Tage gewaltig um sich. Sie bekundete sich am störendsten für die jr''lichen Bürger durch die Unterbrechung des Tram- bahn-Dienstes. Uebrigens haben die Angestellten der Dr?ttion ein sehr höfliches Schreiben beschickt, in dem sie diese Unterbrechung bedauern und erklären, es handle sich :mtr um einen vicrundzwanzigstündigen Ausstand als Soli- dar läts Widerspruchskundgebung gegen das Vorgehen des h-rrn EHeron. Sehr viele Anhänger fand die Ausstands- b vx'gung auch unter den »andelsangestellten aller Irr, während nach zuverlässigen Mitteilungen die Jndustrie- rckeiter und selbst die Dockers sich nur in geringem^ Ber­ühr lttnisse an dieser Bewegung beteiligten. Tie Bewegung ."greift, wie vielfach bemerkt wird, um sich, so daß am Tiens- ' io-i «bend die Zahl der Ausständigen aus ungefähr 30000 Mgen-achsen war. Nun bleibt nur die Frage, ob die Um- Kr^ler es mit einer eintägigen Arbeitsunterbrechung genug jein lassen wollen oder ob sie, was viel wahrscheinlicher ist, L-sDen Zwischenfällen, den Zusammenstößen mit der Polizei ii|id. den gewünschten Vorwand für eine anhaltende revo- !uni»näre Aufregung zu finden suchen werden. Jedenfalls ftheinen die Jnscrits Ätaritimes, wegen deren dieser Rummel Disgebrochen ist, auch die Kosten tragen zu sollen, da immer erier,stscher verlangt wird, daß ihre Vorrechte ein für alle JRalc abgeschafft würden.

Marseille, 13. April. Die Straßenbahnwagen M heute sunt Teil wieder int Betrieb. 'Die Dockarbeiter, Fuhr- Me und Gasarbeitcr streiken.

Marseille, 13. April. Fünf Dampfer sind mit ge- "Tiidyiev Bcsayung nach Algier und Tunis inSec gegangen. In Abend waren die Straßen militärisch besetzt.

Paris, 13. April. Ter Kongreß der Eisenbahn- arbciter nahm eine Tagesordnung an, daß ein Ausschuß er­nannt werden soll, um den General st reik vorzubcreiten, da­mit die hauptsächlichsten Forderungen der Arbeiter, insbesondere die Erhöhung der Löhne, durchgcsetzt werde.

Der Kalter in Homburg.

Homburg v. d. H., 13. April. Der Kaiser unter­nahm heute vormittag einen Ausritt. Nachmittags begaben sich die Majestäten mit Automobilen auf die Saalburg und machten von dort aus einen Spaziergang bis zum Gotischen Haus, von wo sie mit Automobilen hierher zurückkehrten. Um 7 Uhr fand in der hiesigen Erlöserkirche ein geist­liches Konzert zum Besten der Kirche statt, welches der Organist des Gotteshauses, F. Scbildhauer, veranstaltet hatte unter Mitwirkung der Konzertsängerin Fräulein Hil- litzer, des Konzertsängers Adolf Müller, des Frl. Löffler (Harfe) und des Konzertmeisters Wilh. Meyer (Violine). Ter Kaiser, die Kaiserin, die Prinzessin und die Damen und Herren der Umgebungen wohnten dem Konzert bei, welches von der Homburger Gesellschaft gut besucht war.

9er prinzenbesuch in Jerusalem.

Jerusalem, 13. April. Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich mit Gefolge trafen heute vormittag um 9V2 Uhr am Portal des syrischen Waisenhauses ein, wo sie von dem Direktorium empfangen und nach der Kirche ge­leitet wurden, wo Oberkonsistorialrat Kahl-München über die Apostelgeschichte 3, Vers 18, die Festpredigt hielt. Nach dem Gottesdienst fand eine Besichtigung der gesamten An­statt statt. Die Abfahrt erfolgte um 11 Uhr.

DeiEcbes Ueicb.

Zu der unmittelbar bevorstehenden Verabschiedung der Schiffahrtsabgabenvorlage im Bundesrat treffen die Finanzminister der Einzelstaaten in Berlin ein. Auch im Reichstage wird das Mülh eim er Eisenbahn­unglück zur Sprache kommen. Tie Nationalliberalen haben eine diesbezügliche Anfrage eingebracht.

Wie der Reichskommissar und der ständige Ausschuß für die d eut sch e Industrie bekannt gibt, wird die Weltausstellung in Brüssel am 23. April nach­mittags 2 Uhr durch den König der Belgier eröffnet werden.

Der Bittschriften aus schuß des Reichstags beschäftigte sich mit einer interessanten Bittschrift. Die Firma Baum in Berlin hatte gebeten, den § 569 B. G. B. ui ändern, der dem Wirre erlaube, im Falle des Todes des Mieters binnen 87 Tagen den Mietsvertrag zu lösen. Meistens werde dies bei Geschäftsleuten angewendet, um von den Hinterbliebenen höhere Mietssätze zu erlangen, die beim Fortlaufen des Kontraktes, der meistens auf eine Reihe von Jahren abgeschlossen fei, nicht zu zahlen wären. Der Ausschuß stellte sich auf den Standpunkt, daß Regierung und Reichstag bei der Schaffung des B. G. B. für die geltenden Bestimmungen sich entschlossen hätten und die Bittschrift nur als Material für eine künftige Revision des B. G. B. Wert habe. Im übrigen haben die Hinterbliebenen im Todesfälle des Mieters das gleiche Recht der Kündigung an den Vermieter.

Aus München wird gemeldet: Der frühere Unter-

jstaatssekretär im Auswärtigen Amte Gras Bcrchem ist gestorben.

DieKölnische Zeitung" meldet aus Rom, indem sie eine englische Lügennachruht zurückweist: DerS tan °> dar t" läßt sich von seinem Wiener Korrespondenten be­richten, daß der deutsche Reichskanzler bei' seiner Anwesenheit in Rom mit dem italienischen Minister des Aeußern sich über eine Verbürgung des Status quo der türkischen Besitzungen in Afrika unterhalten und dabei erklärt habe, daß er diesem Gedanken günstig gegenüber ft ehe. Seiner Ansicht nach könne aber weder Deutschland noch Italien die Initiative in dieser Hinsicht ergreifen, so lange nicht von der Türkei auf diplomatischem Wege ungefragt worden sei. Ich kann feststellen, daß diese Erzählungen jeder Grundlage entbehren.

Anstand.

Im englischen Unterhaus fragte ein konservativer Abgeordneter an, ob das Abkommen zwischen England und Deutsch­land betreffend die deutschen Interessen der Schau- tung-Halbinsel und die englischen Interessen imPangtfe­ge b i e t e im vorigen Jahre auf das Verlangen von Deutsch­land für unwirksam erklärt worden seien und ob infolge dessen Deutschland mit Erfolg das Recht in Anspruch genommen habe, auf dem Projekt der Hankau-Can ton-Bahn einen An­teil zu haben. Der Unterstaatssekretär erklärte, das Ab kommen sei im Jahre 1898 von englischen und deutschen Finanz­gruppen in den beiden erwähnten Distrikten vereinbart worden. Es sei keine förmliche Vereinbarung seitens der beiden Regierungen. Tas Abkommen sei nicht aufgehoben worden, aber die deutsche Gruppe habe im Verein mit der englischen erklärt, daß es im Fall einer Anleihe für die Hantau-Eanton-Bahn und die Hankau-Szechuan-Bahn keine Anwendung finde, und man habe es nicht für ratsam gehalten, diese Behauptung anzufechten, was nur zu einem scharfen Wettbewerb zwischen den verschiedenen Jnteressentcngruppcn geführt haben würde.

In der russischen Rei chsdu m a wurde am Mittwoch ein vorn Finanzminister eingebrachter Gesetzentwurf betreffend die Maßregeln zur Beseitigung der kün st l ichen Preiser­höhung des Zuckers beraten. Ter Finanzausschuß schlägt vor, im Falle des Steigens'. der Zuckerprcisc aueßr der zeit­weiligen Einstellung der Rückzahlung der Steuer für exportierten Zucker die Einfuhrzölle eine Zeit lang so weit herabzusetzeu. daß der Preis des aus dem Auslande eingeführten Zuckers den vom Ministcrrat für den inländischen Markt festgesetzten Normal­preis nicht übersteigt. Als Termin für die Gültigkeit des Ge-f setz es ist der 14. September 1912 festgesetzt. Die Duma nahm die Vorlage in der Ausschußfassung mit dem von dem Oktobristen Lerche beantragten Zusatz an, wonach der Einfuhrzoll für Raf­finat) ezucker, falls der erhöhte Preis des Raffinadezuckers den vom Ministerrat festgesetzten äußersten Preis für Rohzucker um mehr als einen Rubel übersteigen sollte, zeitweilig so herabgesetzt werden muß, daß der Preis, des aus dem Auslande ein geführten Raffinadezuckers den äußersten Preis des Rohzuckers um nicht mehr als einen Rubel übersteigt.

Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, ist Sultan Mehmed V. erkrankt. Es handelt sich anscheinend um ein leichtes Magenleiden.

Blättermeldungen aus Belgrad zufolge, ergriff der Kron­prinz von Serbien die Initiative zur Regelung der Schul - l den des serbischen Offizierskorps. Auf sein Er­suchen ist der russische Gesandte von Hartwig mit einer Peters­burger Finanzgruppe wegen der Aufnahme einer Anleihe von vier Millionen Dinars für den serbischen Offiziersverein in Vor-

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genommen hätte. In solchen Augenblicken sind ihm zumeist jene glücklichen Bereicherungen unserer Sprache, jene saftigen Oasen in der dürren Wüste der Parlamentsbered­samkeit gelungen, die, zu geflügelten Worten geworden, noch jetzt alltäglich in der Presse widerklingen und bei aller AbHebrauckstheit einen Ton männlicher Ursprünglichkeit be­halten Häven.

Bismarcks Stimme war nicht sehr biegsam und um­faßte keine große Tonletter; sie klang nicht gerade wie Holz, aber auch nicht wie volltönendes Metall. Meist be­wegte sie sich in Tonlagen, hie für einen älteren Mann als zu hoch bezeichnet werden müssen. Sein Vortrag litt, wie man oft sagte, unter der Undeutlichkeit seiner Stimme. Das traf in Wahrheit nicht zu; er sprach sehr scharf artv» kullert, doch sprach er ungleich, bald laut, bald leise. Er' vergaß offenbar zu weilen, daß er zu Hunderten und in einem weiten Raum mit schlechter Schallverteilung redete. Oft genug sprach er die allerbesten Sachen für sich allein, ganz unbekümmert darum, ob irgend einer außer dem ihm rechts zunächst sitzenden Minister oder dem links lauschenden Stenographen eine Silbe davon verstanden hat. Die meister­liche Art, mit der er aus allen Zeitläuften der Geschichte Beweise für seine Ansichten zusammen trug, im Fluge und ganz nebenbei, gewiß oft nur mit dem Schein des augen­blicklichen Findens; seine sehr glücklichen Treffer im 3itieren, wobei ihm Latein, Französisch und Englisch so geläufig waren wie Deutsch; eine unerschütterliche Geistes­gegenwart und Schlagfertigkeit in der Erwiderung, mit all dem ausgerüstet, konnte er des Sieges oder doch eines Rückzuges mit vollen Ehren auf dem Kampfplätze des Reichs­tages stets sicher sein.

Wenn er an dem durch .ihn geschichtlich gewordenen vordersten Platz des Bundesratstisches, rechts vom Präsi­denten, sich erhob und in den Hüften zurechtrückte, die Hand mit dem Merkblatte erregt zuckend, die Flügel der kurzen, trotzigen Nase gebläht, sprühenden Auges, dazu sechs Schuh emporgereckt, so wußte auch der Fremdling, der ihn zum erstenmal gesehen und seinen Namen nie gehört wenn das denkbar wäre, daß dieser Mann den Blitz des zünden­den Wortes zu schleudern vermochte. Wir aber, die wir uns Deutschlands Geschicke seit einem Menschenalter überhaupt nicht mehr ohne ihn vorstellen konnten, wir sahen hinter jener hünenhaften Männergestalt fjod) aufgerichtet seinen Erfolg, uns alle und ihn selbst, den Schöpfer und hen Sohn des Erfolges, mächtig überragend. Und sprach er, so hörten wir, wenn wir die Augen schlossen und den sterblichen Mann nicht sahen, etwas wie den starken Flügel-» schlag der jüngsten Geschichte unseres Vaterlandes,

Der Redner Bismard.

War Bismarck ein großer Redner? so fragt Professor ®tuari> Engel in derNeuen Freien Presse".

Es gab Leute, die einen danach fragten, selbst wenn ssic einmal gelegentlich einer seiner Reden auf der Tribüne

koluthe und Anakoluthe! Da war einmal ein anderer Red­ner des Reichstages, den viele wackere Leute für einen großen, manche gar für einen der größten Redner erklärten. Er ist ein toter Mann und da er ein guter Mensch, wenn auch kein kluger Politiker gewesen, so sei ihm die Nachrede leicht. Eduard Lasker war einer der allerschlechtesten, jedenfalls einer der stillosesten und loddrigsten Redner, die je ein sprachempfindliches Ohr beleidigt haben. Seine zahl­losen Anakoluthe entsprangen der Unllarheit des Gedankens und der Sucht nach möglichst kunstvollem Satzbau, der unter seiner Uebersülle zusammenbrach. Hätten nicht schon die Stenographen, dann Lasker selbsst die Sätze wieder auf die Beine gestellt, so wäre Lasker überhaupt nicht zu lesen gewesen.

Bismarcks Anakoluthe flössen zum geringsten Teil aus einem Versagen des Redegedächtnifses bei langen Sätzen; wett überwiegend waren sie die Folge der Ungeduld eines Mannes, der außergewöhnlich schnell und sprunghaft denkt und es nicht ber Mühe wert hält, alle Bindeglieder zwischen dem ersten und dem zweiten Gedanken sorgsam zurechtzureden. Tie Zunge kam nicht mit, wenn jenes mächtige. Hirn arbeitete. Oft genug habe ich bemerkt, wie Bismarck gegen das Ende eines Scches schon dessen Folge­rung sich im Kopf vorstellte, und wie dann die Zunge, von der Denktraft nicht mehr unterstützt, sich abguälte, den Satz ganz mechanisch, tastend, zu vollenden. Dabei wider­fuhren ihm dann allerdings wunderliche Irrtümer; wäh­rend der Kopf den folgenden Satz chte und in Worte kleidete, sprach die Zunge geradezu Sinnloses oder doch Falsches, deklinierte und konjugierte falsch, ließ irrtümlich einnicht" weg ober setzte eines hinzu, bis der vorwärts- ftürmenbe Rebner in seiner Ungeduld und Verachtung der Kleinarbeit und des Lobes der Sprachrichtigkeit den ganzen Satz sich selber üb erließ, um Schnitt M galten mit dem eilenden Gang her Gedanken.

Am glücklichsten als Redner war Bismarck, wenn er unvorbereitet sprach. Je besser vorher durchdacht und je reichlicher mit Tatsachen umpanzert seine Reden, desto holpriger,Joefto unschöner ber Vortrag. Am ärgsten, wenn er beim Sprechen in der Tiplomatenmappe kramte, und geradezu langweilig konnte er werden, wenn er Aktenstücke verlaß. Indessen, auch dabei unterbrach er zuweilen die Langweile durch eine beißende Zwischenbemerkung und flocht in den trockensten Aktenstil eine erquickliche Arabeske aus dem Eigenen ein.

Unvorbereitet konnte er hinreißen, andere und sich selbst. Dann kam auch am ehesten der Berserkergeist über ihn, ber bie Zunge beflügelte und sie Dinge sagen ließ, von denen er wohl manche nachher gern zurück»

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i»? Rmchstages zugehört hatten. Verführt burch die schwatz- Hjcitc Geläufigkeit des Wald- und Wiesenredners unseres qmlamentorischen Jahrhunderts, hat man sich daran ge­leimt, einen großen Redner den zu nennen, der eine ge- tiiije Zahl angenehm klingender, möglichst abgedroschener unb darum für sehr beweiskräftig gehaltener Redensarten i iiisrhalb einer bestimmten Zeiteinheit mit nie stockender Eiläufigkeit, mit dem Brustton der Ueberzeugung und mit teil Mn schallender Stimme von sich zu geben vermag.

Zn diesem Sinne war Bismarck kein großer Redner. Gleichviel, ob er vorbereitet sprach oder eine ja unmöglich ^«rzübereilende Erwiderungsrede hielt immer entrang A das Wort mühevoll und fast widerwillig feinen men. Das zunehmende Atter und damit das Rosten der ftoefdjarniere hatte diese Mühseligkeit und Widerwilligkeit |:i: wenig gesteigert. Fast ebenso, sich selbst zum Verdruß, He ick Bismarck schon in feinen besten Mannesjahren, in Anfang der Kulturkampfsiebziger, Tag um Tag sprechen Hier. Oft ist mir der Gedanke anfgeftiegen, ob dieses nLvolle Gebären des jungen Wortes nicht mit zu den Simufpielerkunststücken gehöre, die jeder Redner besitzt und Lrii'tn muß. Aber erstens schauspielert man mit solchen Singen nicht lange und nicht immer bis zur Naturtreue, «ö dann lassen sich auch innerer Gehalt und sprachliche gar nicht denken ohne eine bedeutende Kraft- anilrinigung, die sich zu erkennen gibt durch das Zucken der Muskeln des Gesichtes, der Hände und der Arme, bmdM das peuchen und Stöhnen und Stocken, durch alle hene «äußerlichen Kleinigkeiten, die in Laienaugen Bismarcks fiüit wruhm beeinträchtigen.

Bismarck war her bedeutend st eRedner, den bas I Hutfodfc Parlament jcit seinem Bestehen zu hören bekommen. ! ttkimarck ist der einzige Redner des deutschen Reichstages, IHlien Reden zur deutschen Literatur gehören wobei iq immer wieder betone: wesentlich wegen ihrer künst- Beherrschung ber Sprache. Dies klingt für ben ^eser und bcn gelegentlichen Zuhörer einer r,, MMMckschen Rede vielleicht übertrieben ober gar falsch

All ! Nber berüchtigten Häufigkeit ber Sätze, in denen

§561' iräauy der Konstruktion fällt". Man darf sogar

fejer,! j nP_: J*l_c Ntchtoolle'.rbung der Sätze im Schulkauder-- , J# Anakoluth ijt das bezeichnendste äußerliche

des Btsmarckschen ReöestüL Aber es gibt Ana-

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