Ausgabe 
10.12.1910 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Ur. 290

ntonathd)?bV^DieTteI* jährlich Rlk. 2.20- durch Äohole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel-

jährt. auSfchl. Bestell-. Zeilenpreis: lokal ILPh, auswärts 20 Pfennig.

Erster Vlatt M. Jahrgang Samstag, 10. Dezember 1910

sMetzenerAnzeige

GM General-Anzeiger für Gberhefsen

znfleomuiuner 6o<atkom-n>ck Mit Verlag der vrllhl'lchtll Unio.-Vuch- «nd Stelndruckrrel R. Lange. RedaNIon, Lrpedlttoi, mid Druckerei! Schulstratze r. Lan^ - Kdkn bl« »enniuafltaUbt. LsprOitko, für BÜMngen: vahnhosstraht 16a. - Telepyon Nr. 50. Atttkigent': H. Bkkk^

Die heutige Nummer umfaßt 24 Seiten.

politische Wochenschau.

öHrfern, 10. Dezember.

SrickMahl in Labicru-Wehlou ist zu unguiifien der yonfervahDen entschieden mürben; sie hatten bei der Hauptivahl am 2. Dezember schon die äußersten An­strengungen gemacht, so daß sie gestern dieselbe (Stimmen» zahl nur knapp erreichten. Dagegen haben ihre Gegner noch über 500 Wahlsäumige ausgerüttelt, die damit ossen- bar die beabsichtigte Lehre gegen die Konservativen haben unterstreichen mol len. Die Stunmung derer um v. Heybe- brand ist bedenklich, und der Kampf um La- biou-Wehlcm hat besondere Parteigespräche ernxch oder fortge spönnen. Herr v. Heybebranb und sein Anhang meinen, eS müsse etwas geschehen. Halte nurn dein jetzigen Kanzler schon öjter vorgeworsen, haß er in der Agitation g eg eit die neuesten ReichSfinanzgejehe nicht hemmend eingegrissen habe, so ging man dieser Tage noch einen Schritt weiter. DieKreuzzeitung" beklagte es, daß Herr v Bethrnann-Hollweg zu maßgebenden Partei­führern zu wenig Beziehungen unterhalte, und sie holte srch dabei bekanntlich jene Richtigstellung derNordd Allg Zta ", in der zu lesen stand, daß der Kanzlersitz Hohenfinow in diesem Sommer öjter der Schauplatz von Gesprächen des Kanzlers mit Parteipolitikern gewesen sei. In verschie- baini Blättern wird nun diese Feststellung ergänzt. Reben konservalwen und frerkonservativen Führern hatten auch Ranonalliberale an den Besprechungen teilgenommen, wobei es sich um die Schaffung einer gemeinsamen Front gegen die Sozialdemokratie gehandelt habe. Es scheint nichts Rechtes habet herausyekommen zu sein; des Kanzlers Wille ab«, sich nicht einteilig von den Konservativen ins Schlevp- tau neunen zu lassen, wird eifrig alofjiertWo ist der J«nd? Der Feind? Alllsier! Den Finger braus, den schlagen wir!" Sw ruft man dem Anmarsch der Umsturz­partei entgegen, aber die Ausführung ist nicht leicht. Das aibt auch Herr Julius Bachem imTag" zu:Die bürger* sichen Parteien sind viel zu weit auseinanber, und es fehlt auch viel zu sehr die gemeinsame Basis." Die freikonserva- tibePosk" erklärt, die Zusammenkün te beim Kanzler hätten auch lern Ergebnis in Der Richtung der von den Konserva­tiven gewünschten gesetzgeberischen Dekämpsuna der Sozialdemokratie gehabt, Denn der Kanzler habe sich ab» lehnend gezeigt, die bestehenden Gesetze für ausreichend erklärt.

Diese Vorgänge muß man sich vor Augen halten, wenn neuerdings auch die Konservativen und das Zentrum mit Grundsätzen bei den Stichwahlen drohen. Der frühere Mi­mst« v Köller hat in einer Stettiner Rebe erklärt, man könne den heutigen Liberalen nicht unter allen Umständen Sltchwahll)ilse angebcihcn lassen, und dieKreuzzeitung" spcrrm diesen Faden gestern in einem Leitartikel roeitcr, in dem sie ausführte, die Konservativen führten zwar nach wir vor einen bedingunaslosen Kamps gegen den Umsturz, sie müßten aber dem Liberalismus zu bedenken geben, baß er nur, wenn er Gegenleistungen gewähre, in Stichwahlen aus konservative Hilie rechnen könne. $err Bachem erhebt in dem schon erwähnten Artikel gleichfalls warnend den fanget, und seine Gedankengänge sind so bemerkenswert, daß mir sie hierher setzen:

9iu-manb kann es ferner liegen als mir, die nächsten Reick^S- tagSwablen unter das Zeichen des Hasses stellen zu wollen.

Ich möcküe nur, daß nüchterne Erwägung und Billigkeit gegen­über verliebenden Schlagivörtcrn red»zeitig ein wenig zur Geltung läuten, damit aus den nächsten Wahlen wenigstnts eine arbeits­fähige ^olÜbertretung hcrvargche und wir vor einem Schauspiel beioalyrt bleiben, wie es aitdcrswo zum größten Schaden des Parlameius selbst nur zu ofi in die Erscheinung tritt. Dazu ist nötig, daß man die Tinge sieht, wie sie sind, und daß unsetro Liberalen sich grünblid) von der Vorstellung freimaä>en, als könnten sie gleichzeitig Wahlhilse nach links gewähren inib Doifl rechts ent gegen nehm en und dadurch zu einer beherrschenden Stel­lung im Teilt scheu ReickStage gelangen.

9?ein, wenn nicht alle Anz«ck)en trügen, so wird keine Partei in bie Lage kommen, im nächsten Reichstage eine Herrschaft aurSzuüben, soweit im Deutschen Reiche bei der stacken Stellung diÄ Bundesrates überhaupt von Partriherrsckwst die Rede sein kann; es kann sich mir darum handeln, ob der Reichstag so zu­sammengesetzt sein wird, daß er die ihm obliegenden Aufgaben in angemessener Weise zu erledigen vermag. Wenn das der Fall fern soll, so dürfen nicht Wahlparolen audgegeben werden, nxldy Panei en, die all« Wahrschemliä-ckeit nach mehr oder minder au fern ander angewiesen fein werden, unheilbar gegeneinander ver­hetzen.

Herr Bachem rechnet mit einer Ueberslutung des Reichs­tages durch die Sozialdemokratie. Seine G.danken scheinen uns durchaus nicht nur eine Gespenstersurchl des Zentrums zu sein. Sie sollten auch den liberalen Parteien ernstlich zu benten geben. Was wirb nach ben Wahlen werden, wenn Der Liberalismus in zwei Lager feindlicher Brüder sich scheiden wird?Bedenket das Ende!" Tiefer Stimmung entspringt auch die ZuschriftWas nun?", die wir heule wiedergebcn imb bie jene Sorgen mit ben derzeitigen Ver- hälttiisjen unseres Wahlkretses Gießen-Grunberg-dribda mißt.

Frankreich ist tu seinem Kongobesitz durch eine Schreckensnachricht überrascht worden Wadai, das Steppen­gebiet, in dem seit über 10 Jahren die Trikolore weht, ist vom östlichen Teil her durch fanatische Regerstämme bedroht worden Dir haben berichtet, daß der französische Oberstleutnant Moll, dem in jenem Gebiete nicht viel mehr als 3000 Mann Kolonialtruppen zur Verfügung standen, im Anfang November mit den Massalit einen Zusammenstoß hatte, der 36 Franzosen, darunter dem Befehlshaber Moll, das Leben kostete. Es heißt zwar in französischen Blättern, das Tressen habe mit einem französischen Siege geendet, denn mehrere Hundert der Mafsalit-Leute hätten das Schlachtfeld bedectt, allein in Wahrheit herrscht die größte Besorgnis in Frankreich. Einige Abgeordnete haben in der Kammer bereits die Anträge gestellt, warum Mol! mit seinen Truppen jenen Vorstoß in ein Gebiet gemacht habe, das für Kiilonialzwerke gar nicht geeignet sei. In der Tat istDar Massalit" nach den Berichten der Forscher ein walires Felsenlabyrinth, und die Massalit selbst, ein mohammedanischer Negerstamm, der vor etwa 20 Jcrhren blutige Kämpfe mit den Mahbisten bes Sultans zu bestehen hatte, sinb streitbare, tollkühne Kerle. Oderstleutnan! Moll, der übrigens auch die iGrenzregulierung zwischen dem Tfck)at>- pebiete und Kamerun hat burchsühren helfen, hat, wie aus seinen Briefen hervorgeht, ben Vorstoß für unumgänglich nötig gehalten, um bas französische Ansehen unb Eigentum zu schützen. Am 22. Februar bioses Jahres schrieb er, nach neuen Pariser .Melbungen, an einen Freunb:

In meinem unglückseligen Gebiete gibt es fefyr viel zu tun. Ich übernahm den Oberbefehl in einem schlimmen Augenblicke. Wir sind von allen Seiten ernstlich bedroht und haben leider jüngst bei bedauerlichen U eher rumpel u nge n eine ziemlich große Anzahl Offiziere, Uüterosfiziere und Soldaten verloren. Das ist die Folge einer zu raschen Ausdehnung unserer Herr­

schaft ohne Mittel ober richtiger ohne Nachschübe. Ich schreie laut nach Verstärkungen. Mer werden die denn ! e m a l s e i n t r e f f c n ?"

Man kann sich danach denken, in welchen Bahnen die angekündigten Kammerverhanblungen sich bewegen werben. Bor einigen Monaten hatte in bcmselben Wabai-Gebiete eine andere französische Truppe, unter dem Hauptmann Fliegenschuh, der gleichfalls getötet wurde, ein ähnliches Mißgeschick. Die Lage ist für Frankreich sorgenvoll: eines­teils wird es peinlich darauf bedacht sein wollen, sein An­sehen zu behüten, aus der andern Seite werden die Erzberger in der Kammer, und zwar nicht mit Unrecht, daraus Hin­weisen, daß das Wadaigebiet nie eine nützliche Kolonie werden kann. Das hindert aber überschwängliche Patrioten nicht, in glänzenden Zukunftsbildern alle Bedenken zu er­sticken. So leistete sich dieAction" folgende Sätze:Die Stunde, der Tag wird kommen, wo ganz Nordwest- asrika von Tunis bis Brazzaville und von Easablanca bis jenseits des Tschad-Sees, vom Atlantischen Ozean bis zum Mittelländischen Meer, ein einziges zweites Frankreich, eine herrliche Verlängerung und Erneuerung des ersten Frankreich, bilden wird." Nur schade, daß selbst dann noch die größte Wüste unserer Erde, bie Sahara, bazwischen liegen würbe. Marokko ist allerbings schon so gut wie französisch.

Der Sieg öe$ fortschrittlichen Kandidaten in £abiau=U)el)lau.

£ ab tau, 9. Tx». (10y9 Uhr abenbS.) Gezählt find für Wagner (fortschr.) 9762 Stimmen, für Burcharbt (kons.) 7140 Stimmen. Zwei kleine .Bezirke stehen noch aus. Wagner ist gewählt.

Bis 9i/j Uhr abenbs waren gezählt für Burchardt 6006, Wagner 7683 Stimmen. Es stehen noch einige Be­zirke aus. Um 10 Uhr war eine DLajorttät für Wagner von etwa 2500 Stimmen vorhanben.

Bei ber Hauptwahl am 2. Dezember hatte Herr Burck-arbt 7216, Wagner 6527 und ber Sozialdemokrat 3706 Stimmen erhalten. Nach dem vorstehenden Ergebnis hat der konservative Kandidat noch einige Stimmen weniger als bei der Haupkvahl erhallen, wähnend die SoKialbemo- kraten offenbar vollzählig für ben fvrtfchrittlichen Kan- bibaten entgeltet en sind, dem noch über 500 Stmrmen mehr als bei der Hauptwahl zu gekommen sind.

politi|d? LagtOschatt.

Der Gruhkomment zwischen Konservativen und NntivvaMLernle» im Reichstage.

Der hannoversche Kontier" hatte dieser Tage Klage gesül-rt über eine Zuspitzung bc8 persönlichech Verhältnisses zwischen Konservativen and Ra­tional liberalen im Reichstage, und behauptet, daß» der Grußkomment zwischen beiden Fraktionen seit dem Zusammeiitritt des Reichstages aufgehoben worden sei.

Die vomHannoverscyen Kliun«" erpu baren IHnytn ftnäf schwarz in schwarz gehalten. Eine beabsichtigte Aufhcdnna dcS Gtußlvmmems zwischen Abgevrbnctcn beider Fraktionen, bit fdMxe Sckmller an Sänüter zusammen gearbeitet haben, besteht nicht. Allerdings scheint eine Verstimmung zwischen beiden Fraktionett zu bestehen, die ihren Grund .hat in mancherlei Vorkommnissen des vergangenen Sommns. Im Verkehr pvischen beiden Frak­tionen mag eine kühlere Reserve wohl beobachret werben, von einem gegenseitigenSchneiden" kann ab« nicht die Rebe sein. Wenn in dem national liberalen Blatte gesagt wird, diese Refer«

Briefe an Heinrich Heine.

Unter dem Titel Heine-Reliquien «scheint biefn: Tag: tnt Verlag von Karl Cuttius in Berlin ein Buch, das allen t)eineforiehern und Hernesreunden eine willkommene Gabe sein wird. Es enthält Aufsätze Heinrich Heines unb Briefe, bie von ihm geschrieben unb an ihn gerichtet sind. Als Hmausgeber des Werkes sind der vor Jahresfrist verswrbene Gustav Karpeles und Maximilian Freiherr v. Heine-Geldern genannt Mit freund­licher Erlaubnis b« Verlagsbuchhandlung entnehmen wir dem Weck Pvei Briefe, den einen, ber die literarisch sehr mcrfruflrbigni Seitelyungni zwischen Georg Herwegh und Heinrich Heine be- hairdelt, unb einen zweiten aus der ft-eber Salomon Heines, der, wie man weiß, aus den berühmten Neffen nicht allzugut zu fprcdxn war, ihm seine finanzielle Untmstützung ab« nicht entzog.

Georg Herwegh an H. Heine.

Mein lieb« Heine!

Es scheint mir nötig, mich mit Ihnen über einige Punkte auS- einanderzuseyen, elx es zu weiteren Mißverständuissen kommt. Ihre verbindlichen (?) Aeußerungen über mich, die mir täglich durch ein Duzend bereitwilliger Kanäle zugetragen werden, fangni an, mich, gelinde ausgedrückl, zu ennuyiren. Sie ziehen mich in eine abgeschmackte Lileraturafsaire herein, bif mein« ganzen Natur pnuiber ist; wer mich kennt, weiß, daß ich mich in meinem Leben den Teufel um eine Kritik für ober gegen mich ob« meine Freunde gescheht habe, u. es kann mich nur wundern, daß Sie nach etn« Längeren Erfahrung nicht zum mindsten ebenso indolent u. dickhäutig wie ich qiegcn die kritisä).en Ergüsse sdiesseits u. jenseits unsres freien Rt-ein geworden sind. Nun kommen Sie ab« u spielen die Sensitive, u. das bei einer Gelegenlxit, wo Sie Tventg Grund haben wie bei dem Artikel der Revue beS beiir M., von dem ich reden nälll, u. bei dem Sie mir eine Del Heiligung zu schreiben, bie wenigstens nickst ganz so groß fein dürfte, als Sie zu vmstehen geben. Obschon ich Jlwe Entrüstung etwas luftig finbe, da Ihr Buch doch kein so schaalloses Ei ist u. Haar genug auf ben Zähnen bat, um sich all« Kritik »um Trotz durck>- zubeißen; obschon Sie mein ungeheucheltes Uriheil darüber aus meinem Munde vernommen haben, will ich Ihnen doch ein für alle Mal folgendes «klären. Es pat sich Niemand mehr über Ihre Unzufriedenheit gewundert als d« Berf. des Artikels, dem ich ßlrr Mähccken mitgcteiO u. vorgelesen, der bis zur Stunde ümer dem Zauber dieses Buck-es sbclst il bona fibc eine ent- huswßüche Lobrede auf Sie zu schreiben vermeinte. Ich habe den Artikel vor ber Abgabe zum Druck gelesen il, obschon ich selbst natürlich von aunz ano«n Gefickstspuuklen auSgcgangcai wäre, in; Detail Nichts gefunden, was Sie irgend perrountxnt könnte Im Uebrigen l-abc ich solchen Abscheu vor Allem, was entfern! an literarische Jntriguen streift, daß ich in dieser Be­

ziehung selbst für meine Freunde zu keinerlei Dienst bereit bin il mich wohl hüten werde, auf irgend eines Menfck)en Unheil anders als durch Darlegung mein« Mcinio^ zu influiciren; ich habe noch nie einai Artikel betrieben iuxt) bin tert rieben.

Sie haben also, wie Sie sehen, keinen Grund, sich über mid) zu beklagen; mit dem Verf. des Artikels halten Sie's wie Sie wollen, er wird in jedem Fall Rede zu stehen wissen. Komisch aber wäre es, wenn Sie beharrlich mein Gegner verbleiben wollten, wo Sie nur einen Verein« vor sich hoben.

Ich grüße Sie freundlich

G Herwegh.

Salomon Heine an H. Heine.

S. wohlgebor. H«m

Doct. Heinrich Heine

Paris

me des mantres 23

Hamb den 24. (Dez.) 1839.

Herru 58 Hen Heine

Paris

Zwey Bries habe «halten, wofür danke, bitte Deine Frau zu grüßen und zu danken, ich w«de Ihr Gcsckxnk annehmen, um gebogen gebe ihr f 400 auf f onco unn Wrinnachlen, ick) nehme aus Grundfay von keinem em Geschenk u. alle lassen es, unb v«schon«i mich FPc die Folge muß ich bitten, nicht wieder zu tun, jeden Fall keine u. diese ist der meinigen, meine sel. Frau und Kind« haben mir nie was schenken dürfen. Hast Du noch kein Hein Tichlerch-en, besser nicht, grüße die . . meine Zeit ist kury, ich habe diese Art Brief zu viel, also entschuldige

wenn Tein Onkel Salomon Heine Deinen Namen führt * *

(Eine vulkanische Station in Neapel.

Welche außerordentlichen V«dienste das von einem Privat- manne, dem kürzlich verstorbenen Professor Anton D o b r n be­gründete Zoologische Institut in Neapel um die Wissenschaft von der Wasserlebewelt sich «worben hat, ist allgemein bekannt. Nicht bekannt aber ist, daß in der schönen Gvlfftadt seit Jahren ein anderer deutscher Privatgelchrtcr mit echt Rutscher Bcl)arrlick>- feit für die Gründung eines anderen naturwissenschaftlichen In­stituts tätig ist, für das Neapel ebenso günstige, ja einzigartige Sonderbcdingungen darbielel, wie für das Studium ber MeereS- lierwclt. Aus dem letzten Internationalen Geotvgenkongreß zu Stockholm legte Immanuel Friedländer, der seit °0 Jahren das Studium des Vulkanismus zu seiner Ausgabe gemocht hat, ben Plan zur Errichtung cüieSJruramlwnalai

Vulkanischen Institutes" in Neapel vor, unb d« Konc^ nahm chn an, nachdem der Direktor des Geologischen Institutes in Rom, L. Baldacci, Eornelius Dolt« in Wien und E. Otdonez vom Geologischen Jnstttut in Mezrko ihn gcpcüjt unb emMohtcu hallen.

Aufgabe bt? Instituts soll fein, eine shstematische unb dau­ernde Unt«suchung d« vulkanischen Erscheinungen zu ermög­lichen, wozu bie Mhe des fortwährend tätigen Vesuvs die beste Gclegcnhrit bietet, da man hi« sowohl in den häufigen P«ioden sckfwächerer ober [härterer Tätigkeit wie in den Pausen bie Be­wegungen registrieren, die Gase nach Beschaffenheit und B«- halten untersuchen, reaelmäßige Tempcraturrnessungen vornehmen kann usw. was bisher seitens des kleinen Desuv-Observatoriunrß nicht geschehen ist; roeber Organisation unb Arbeitskräfte noch Geldmittel haben dazu audgereidjt. Es bedarf dazu groß« Sum­men, wie nur eine internationale B«einrgung sie schassen Uuu^ unb ferner rin« mit Laboratorien, Instrumenten, Bibliothek ufm ausgerüsteten Arbeitsställe für bie Gelehrwn aller Land«.

Es ist anzunehmen, daß die Kontinuität unb Kombination» der Beobachtungen und die Häufung d« Erfahrungen auch praf* tische Vorteile zeitigt, in dem Sinne, daß ber Zusammenhang ber, vulkanischen Erscheinungen mit lokalen Zu ständen und at­mosphärischen ober anderen Bo rto mm Nissen besser «farmt unb dadurch eine genauere Vorhersagung von Erdbeben und Aus­brüchen ermöglicht wird. Friebländ« w«st darauf hin, daß manche jüngeren Vulkane in ihrem Fumarolengebiet kleine Erz­mengen beh«bergen, die noch in der Entstehung begriffen sind, weshalb eine eingehendere Untcrfndnmg der Gesteinsumwand- jungen, die man an vulkanischen Gasentwickelungsgebietcn beob» achtet, vielleicht Erzlagerstätten verraten Önnat Schon auf solchen praktischen Erwägungen sollten die Rationen, die in ihren Kolonialgebieten Vulkane besitzen, bie geplanten Untersuchungen' fördern.

DaS T^ulkanische Institut soll von einem ^Direktor geleitet w«den, bem wenigstens drei Assistenten zur Seite stehen. Es wird, wie die Zoologische Station in Neapel, eine größere Zahl von Arbeitsplätzen ben Fachgelehrten zur Verfügung fieilnt. Die Mittel sollen aus Beiträgen der Regierungen nni> aus Samm­lungen fließen. Die freiwilligen Zeichnungen tollen unverbind­lich sein, wenn nicht bis 1. Januar 1912 wenigstens Vfa Mill. Franken für den Bau und die Einrichtung und eine Rente von jährlich 50 000 Franken für den Betrieb gesichert sein werden. Der Urheb« des Plaues ist in bet günfhi ich Laae, die Sammel­listen persönlich mit einer Summe oon 100 000 Franken für ben ersten und jährlich 10 000 Franken tür bat zweiten Fonds «öffnen zu können.