Ausgabe 
1.11.1910 Drittes Blatt
 
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Dritter Blatt

Nr. 256

160. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Lrlchetnt tSgltth mit Ausnahme beS Sonntag».

General-Anzeiger für Oberheffen

Die ^Glegener KamiUenblätter" werden dem .Anzeiger* viermal roöcbentltch beigelegt, das Kretsblatt für den Kreis Gietzen" zweimal wöchentlich. Dierandwtrlschaftltchen Seit- fragen** ericheinen monatlich zweimal.

Dienstag, November W

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Unrversitäts - Buch- und Steindrirckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag:

Redaktion:«^ 112. Tel.-Ad ruAnzeigerGreßen.

NationaUiberale Versammlung in Muschenheim.

Am Sonntag wurde in Muschenheim in Anwesen­heit des nationalliberalen Reichstagskandidaten für Giejzen- Grünberg-Nidda, Prof. Gisevins, eine Versammlung ab­gehalten, die von Landwirten aus Muschenheim und Birklar stark besucht war. Dr. Krausmüller-Gießen eröffnete für den Wahlkreisvorstand die Versammlung, indem er zu­nächst Professor Gisevius als Kandidaten für die Reichs- tagswahl 1911 vorstellte. Der Zweck der Versammlung sei nur, daß Professor Gisevius mit seinen künftigen Wühlern bekannt werde. Es sei nicht die Absicht, schon jetzt den Wahlkampf zu beginnen. Deshalb sei ein Thema gewühlt worden, das sich nicht mit der Politik insbesondere be- schäftige, sorrdern Fragen behandle, die unsere Landwirt­schaft treibende Bevölkerung interessieren.

Hierauf sprach Professor Gisevius unter großer Aufmerksamkeit der Zuhörer in etwa ^stündiger Rede über bas Thema:

-Die Entwickelung unseres Bauernstandes in den letzte n 100 Jahren.

Er führte aus:

Vor huirdert Jahren schrieb Albert Thaer, der Großvater unseres Gießener Professors Thaer, das erste umfassende Lehrbuch der Landwirtschaft. Weniger bekamck ist aber seine Beteüigung als kluger Ratgeber an der Befreiung des Bauernstandes von allerhand Festem und.Einschränkungen. Es ist nicht nur interessant, sondern miet) lehrreich, einmal die damaligen Zustände mit den heutigen zu vergleichen.

Vor hundert Jahren hatten wir es in Deutschland mit einer an Zahl sehr viel schwächeren Bevölkerung zu tun gehabt. Ins­besondere waren die Städte im Verhältnis zu heute ganz Hem, die Industrie unentwickelt und das Volk' Haupt,ack)lich auf Landwirt­schaft als Erwerb angewiesen. So war es natürlich, daß der Land- niann überall an erster Stelle die Lasten imb Arbeiten auf sich zu nehmen hatte, welche dem Staate zu leisten waren, um seine Bedürfnisse decken zu können. Was wir unserem Staate heute in Geld leisten, das wurde damals in Form von Feldfruchteii und in Form von Arbeit gefordert. Die Straßenbauten, die Bauarbeüeii an den dem Staate gehörigen Gebäuden, an Festungen, an Kirchen, die Feldarbeiten auf den Staatsdomänen und auf den Gütern der Srandesherren, Botengänge und Fuhren aller Art fielen damals dem Bauernstände zu. Er leistete auch die Abgaben in Getreide. Die Frohnden und der Zehnte waren dem Staate aber nur dann dauernd gesichert, wenn der Bauer an seine Scholle gebunden war. .Daraus emsprangen die Verbote des beliebigen Verziehens von einem Orte zum anderen und des beliebigen Vermietens bei einer andereii Herrschaft; ja sogar Ehen durften nicht nach freier Wahl geschlossen werden. Wir verstehen diese Verhältnisse nur aus den Bedürfnissen und Umständen der damaligen Zeit heraus; heute kommen uns die Schilderungen damaliger Verhältnisse als fast un- verständlick) vor. Den Pflichten des Bauern standen übrigens auch Rechte gegenüber. Oft haben die Landesherren zum Schutze ihrer Bauern energisch eingegriffen, wenn Beamte oder wenn der adlige Grundbesitzer die Bauern drücken wollten. Die Bauern selbst haben darum teilweise die Abänderung ftner Zustände nicht nur erschwert, sondern oft einer gründlichen Aenderung Widerstand entgegensetzen wollen.

Es waren die Wirren der Napoleonischen Zeit, welche den äußeren Anstoß zu der Befteiung des Bauernstandes von dem Zwange, der auf ihm lag, brachten. Schon vorher hatten ein­sichtige Fürsten, z. B. in Preußen Friedrich der Große, die Bauern- pesreiung vorbereitet. Jetzt kam aber in der Knechtung Deutsch­ilands durch die. französische Gewaltherrschaft die Erkenntnis, daß sman die Kräfte des Bauernstandes frei machen müßte, um die deutschen Staaten wieder aufzurichten und zu neuer Blüte zu bringen. In Hessen ebenso wie in den benachbarten Ländern nahmen die Landesherren die Neuregelung der ländlichen Zustände zielbewußt in Angriff. Jahrzehntelange Arbeit kostete es noch, Um eine so gründliche Umänderung der bestehenden alten Zustände Zu erreichen* Fürst und Stände haben an dem bedeutsamen Werke "mit eiserner Beharrlichkeit und unter mancherlei Opfern gearbeitet. Wir ernten heute die Früchte dieser Arbeit in der ungeahnt groß­artigen Entwickelung unseres deutschen Vaterlandes. Unsere Volts­zahl ist auf das Zweieinhalbfache gewachsen. Trotzdem ernährt uns unser Boden heute noch zum größten Teil. Die Gesamternte stieg auf das Vierfache, die Viehhaltung ist ganz wesentlich ver­mehrt. Damit war eine feste Basis zum Weiteraufbau geschaffen. Eine stark aufblühende Industrie schafft neben der stark entwickelten Landwirtschaft für fleißige Hände Brot und Verdienst. Den wieder­holten Angriffen der ftanzösischen Er ob er ungs gelüste haben in dem einigen Deutschen Reiche Deutschlands Fürsten und Völker einen festen Damm entgegengesetzt. Unser Handel ist zu einem Auf­schwünge gelangt, der die Bewunderung und den Neid anderer .'Völker erregt und Dampfschiff wie Eisenbahnen vermitteln heute den Austausch der Waren wie der geistigen Ideen bis zu den früher ^entlegensten Gegenden hin. Schule und Kunst sind neu aufgeblüht.

In einem Zeitpunkte, in dem die Wogen politischer Kämpfe boch gehen und uns schwere Stürme drohen, ist es wohl angebracht, sich die vorher geschilderte Entwickelung vor Augen zu hatten, um zu erkennen, wie viel Gutes wir uns heute in weiterer treuen Arbeit zu erhalten haben. Die großen Namen des letzten Jahr­hunderts sind uns allen bekannt; sie sollen uns daran mahnen, ein wie reiches Erbe wir zu hüten haben. Die Landesherren haben das Volk durch die Verfassung mitberufen, an der Leitung seines Geschickes- mitznarbeiten. Das gibt uns Rechte, aber auch Pflichten. Die öffentliche Meinung bezeichnet unseren deutschen Bauernstand mit Recht heute als das festeste Bollwerk des Staates gegen äußere Feinde, wie gegen innere Umsturzbestrebungen. Es ist das eine schöne, aber auch verantwortungsvolle Aufgabe, die der Land­bevölkerung obliegt. Wir müssen die Kräfte zusammenfassen, wir müssen auch den anderen Berufsständen ihre Daseinsberechtigung hassen und für sie sorgen, wir müssen die Parteien stärken, die uns in dieser inneren Stärkung des Vaterlandes und die auch der Landwirtschaft Helsen wollen. Wir müssen aber mit allen Wohl­meinenden auch in Stadt und Land zusammenarbeiten und gegen­seitiges Vertrauen gewinnen. Ter deutsche Bauernstand hat heute wichtigere Aufgaben denn je. Erfaßt und erfüllt er sie, so wird auch die Geschichte seiner in Zukunft rühmend gedenken; er selbst -aber wird selbst gedeihen in einem fest begründeten Staatswesen.

Der Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. In der Aussprache, die sehr anregend verlief, wurden von verschiedenster Seite Fragen aus der praktischen Landwirt­schaft an den Vortragenden gestellt, die dieser sehr ein- igehend und unter Beifall beantwortete. Zur Sprache kamen 'pie wichtigsten Arten der Gründüngung. Neben Erbsen lund Wicken empfahl der Redner die in Norddeutschland übliche Gründüngung mit Seradella und Gelb kl ee. In­teressant war die Mitteilung, daß auf einem Versuchs- seldbeiZell-Romrod Versuche mit Lupinen in Roggen gemacht worden. Gründüngung müßte immer mehr an- Lewandt werden. Außerdem geben die Gründung- pslauzen nötigenfalls im Herbst ein gutes Viehsutter. Pro-

fe)iOL* Gisevius teilt mit, vag er an der GießenLicher Straße am Kreuzungspunkt der Bahnlinie ein Versuchs­feld angelegt habe, um den Landwirten die Erfolge der verschiedensten Düngungen zu zeigen.

Dr. Kraus müll er sprach seine Freude über die viel­seitige und gründliche Aussprache aus und dankte noch­mals dem Redner. Kürz eingehend aus den Hauptpunkt des Redners schloß er mit einem Hoch auf des deutsche Vaterland, nn dessen Wohl und Größe wir alle mitarbeiten lvollen und müssen.

Die Anfragen und Besprechungen wurden nach Ver­lassen des Saales noch im Wirtszimmer fortgesetzt, wohin der größte Teil der Zuhörer kam. Bis kurz vor Abgang des Zuges wurden hier Frage und Aufklärung in ausführ­licher Weise gewechselt. Lehrer Günther dankte namens der Anwesenden dem Professor Gisevius für seine Winke, sprach den Wunsch aus, daß bei einer späteren politischen Versammlung die Einwohner auch wieder zahlreich erscheinen möchten und brachte ein Hoch auf den ReiuMagskandidaten aus.

Abends sprach Professor Gisevius in Garbenteich über das Thema:Die Aufgaben der Landbevölkerung".

DieWahrheit" vor Gericht."

4 Berlin, 31. Oft

3u Beginn der heutigen Verhandlung gibt der Sachverständige Klug e, der Jnseratenchef der ,^oss. Ztg." die Erklärung ab, daß seine neuliche Aeußerung über den Zusammenhang zwischen redaktionellen und Inseratenteil der Zeitungen mißverstanden wor­den sei. Es habe ihm fern gelegen, zu behaupten, daß sich große Zeckungen aus anderen als sachlichen Motiven bei der Veröffent- lichung von Berichten leiten lassen. Es wird dann in der Beweis­aufnahme fortgefahren. Zeuge Fabrikbesitzer Max Ball ist einmal in derWahrheit" angegriffen worden und hat daraufhin einen Mittelsmann zum Angeklagten Bruhn geschickt, um eine Berichtigung zu erzielen. Diese Berichtigung ist dann auch er­schienen und zwar ohne Gegenleistung des Zeugen.

Der folgende Punkt betrifft die Affäre Milewska, die längere Zeit Kammerfrau einer Prinzessin von Schleswig-Holstein war und später mit deren Erbin wegen ihrer Ansprüche an die verstorbene Prinzessin in Konflikt geriet. Bruhn hat sich in diesem Konflikt der Interessen der Frau Milewska angenommen, und durch seine Vermittlung ist auch ein Vergleich zustande gekommen. Die Schwester der Frau Milewska bekundet als Zeugin, daß dem Angeklagten Bruhn für seine Bemühungen eine Entschädigung an- geboten worden sei, die er aber abgelehnt habe. Auf toeitere Zeugen zu dieser Sache wird allseitig verzichtet.

Es kommt sodann der Fall Israel zur Sprache. Israel hak im Jahre 1905 Selbstmord begangen, weck von ihm durch einen Schauspieler Ohm im Sinne des § 175 erpreßt wurde. Als die Erpresserbriese im Jahre 1904 einliefen, wurde der Jnseratenchef des Hauses Israel, Nowarra, zu den Berliner Zeitungen entsandt, um dahin zu wirken, daß etwaige Mitteilungen Ohms nicht ausgenommen würden. Dies ist denn auch geschehen Bruhn wckl von den Verfehlungen des Kommerzienrats Israel er ft 1905 erfahren haben Er hat im Jahre 1905 eine sogenannte Rellamekrotiz über eine Agenda des Hauses Israel verösfentlicht, für die ein Zeilenpreis von 5 Mark anstatt des üblichen von 1.50 Mark gezahlt wurde. Die Vermittlung dieses ^Inserates ist durch den Jnseratenakquisiteur Sommer von der Staatsbürger- Zeitung geschehen, der außerdem von der "Firma Israel für eine wertlose literarische Arbeit 200 Mark erhielt. Die Verhandlungen zwischen Israel und der Staatsbürger-Zeitung wurden durch Sommer geführt. Dem Angeklagten Bruhn will es nickst aus­gefallen sein, daß damals eine Mische Firma in der Staatsbürger- Zeckung inserieren wollte; das gleiche taten um jene Zeck 20 andere Mische Firmen Der Zeuge süowarra bekundet, daß Israel ihm die Erpresserbriefe des Ohm gezeigt und chn beauftragt hätte, mit der Presse Verbindung zu suchen, um etwaige Artikel darüber zu unterdrücken. Aus Befragen durch den Vorsitzenden bestätigt der Zeuge, daß er mck, Erfolg an alle Berliner Blätter herangetreten sei, nicht nur an die Staatsbürger-Zeitung. Bei der Wecker en Vernehmung des Zeugen, stellen sich einige Wider­sprüche gegen seine Aussagen in der Voruntersuchung heraus, er bleibt daher zunächst unvereidigt. Der Zeuge Sommer be­hauptet, daß er wegen eines Jnseratenauftrages zu dem Zeugen Nowarra gegangen sei, ohne Kenntnis, daß es eine Affäre Israel gebe. Nowarra behauptet demgegenüber, daß Sommer damck gedroht habe, daß die Zeitung noch mehr Material gegen Israel in Händen habe. Der Widerspruch zwischen den beiden Zeugen wird nicht geklärt.

Schließlich wird noch der Fall Jandorf erörtert In der Wahrheck" waren drei Artikel gegen Jandorf erschienen Jandorf soll nun durch Vermittlung eines Zeugen Jakobsohn versucht haben, Inserate in derWahrheit" erscheinen zu lassen, um dadurch den Angriffen ein Ende zu machen Der Angeklagte Bruhn er­klärt, daß ihm das Anerbieten gemacht worden sei, Jandorfsche Inserate auszunehmen. Er habe sich mit feinen Freunden darüber besprochen, und diese hätten nichts Unrechtes darin gesunden. Uebrigens sei vier Tage nach Aufnahme des Inserats ein Artikel gegen Wertheim erschienen, der sich zum Teil auch gegen Jandorf richtete. Der Angeklagte Bruhn weist noch daraus hin, daß ein Jahr nach den fraglichen Vorgängen doch wieder ein Artikel gegen Jandorf erschienen sei. Im übrigen habe z. B. auch die Deutsche Tageszeitung gegen Wert­heim gekämpft und bringe jetzt Inserate von ihm.

Darauf wurden die weiteren Verhandlungen auf morgen früh vertagt.

Verbandsversammlung der Gderhefl. Geflügelzüchter- Vereine.

# Echzell, 31. Oft Aus Anlaß der Provinzial-Ge- flügel-Ausstellung fand gestern hier eine Versammlung des Verbandes ober hessischer Geflügelzuchtvereine statt, auf der von 26 Vereinen, die sich dem Verbände angeschlossen haben, folgende durch Vertreter anwesend waren: Alsfeld, Bad- Nauheim, Butzbach, Echzell. Friedberg, Gießen, Grünberg, Hungen, Kirchgons, Laubach. Lauterbach, Lich, Lollar, N.-Weisel, Ortenberg, Reichelsheim L 2L und Schlitz. Der Vorsitzende des Verbandes, Ph. S o d l e r - Nieder-Gemünden, wies darauf hin, daß Anfang Dezember d. I. 10 Jahre verflossen sind, seitdem der Oberhessische Verband in Gießen gegründet wurde. Man müsse anerkennen, daß seit dieser Zeck durch die rege Tätigkeit des Ver­bandes und der ihm angeschlossenen Geflügelzuchtvereine Ober­hessen außerordentlich in der Feherviehzucht vorangekommen sei. Die Ausstellungen in den letzten Jahren hätten immer mehr bewiesen, daß unsere Provinz auf dem Gebiete der Geflügelzucht wacker Schritt hält mit allen anderen Gebieten in Deutschland, abgesehen von Hannover und Sachsen. Es sei zu hoffen, daß mit Hilfe der Landwirtschaftskammer aus dem betretenen Wege weiter gegangen werde, um es den Hannoveranern und Sachsen gleich zu tun. Die Versammlung nahm den Geflügelzuchtverein Fortschritt" in Gambach als Mitglied auf. Die Abhaltung der Landesausstellung am 11., 12. und 13. März k, I, in Gießen

sand die Billigung des Verbandes. Dem Verein Butzbach wird die Genehmigung erteilt, mindestens vier Wochen vor der Landes­ausstellung eine allg. Geflügelausstellung abzubalten mit der Maß-« gäbe, daß zur Verlosung nicht mehr als 1000 Lose aus gegeben werden dürfen. Für 1911 sind bisher folgende Geflügelschauen in Aus­sicht genommen: Provinzialschau in 'Alsfeld, Kreis- s ch au in Gießen, Bezirksschauen Grebenhain-Nieder-Moos, Schotten, Butzbach-Ostheim, Nieder-Wöllstadt, Büdingen-Lindheim und Nidda Auf Anfrage des Landesverbandes der Hessischen Geflügelzuchtvereine hat das Ministerium des Innern mitgeteilt, daß llrspmngsscheine auf Vieh, zu dem auch Geflügel zu rechnen ist, keiner Stempelabgabe unterliegen. Dagegen sind die Bürgermeistereien berechtigt, für die Ausfertigung solcher Ur­sprungsscheine eine Gebühr bis zum Betrage von 40 Ps. zu er­heben. Es wurde in der Verbandsversammlung beschlossen, bei allen größeren Ausstellungen öffentliche Züchterversammlungen abzuhalten, in denen ein Vortrag aus dem Gebiet der Geflügel­zucht gehalten werden soll. Die erste derartige Versammlung wird in Gießen aus Anlaß der dort stattfindenden Landesausstel­lung abgehalten. Zur Prämiierung auf der Provinzialausstellung sei noch nachgetragen, daß K. Rübsamen-Gießen für die beste Gesamtleistung als Ehrenpreis das Bild des Großherzogs unter Glas und Rahmen zuerkannt wurde und daß die Preisrichter für zirka 60 Stämme Geflügel den Züchtern noch je eine lobende Anerkennung zuerkannt haben.

Gcrichtssaal.

b. Mainz, 29. Oll. Eine wichtige Entscheidung. Der Direktor der Gesellschaft für alkoholfreien Wein in Worms hatte sich am Samstag vor der 2. Strafkammer Mainz wegen unlauteren Wettbewerbs und Vergehens gegen das W ar enschutzg esetz zu verantworten. Die Gesellschaft hatte im Laufe des letzten Jahres fortgesetzt rheinhessischen Tolaher, altoh-olfreien Wein, unter der BezeichnungTolaher, alkoholfreier Wein", in Handel und Verkehr gebracht und soll sich damit im Sinne der Anklage vergangen haben. Der Angektagte erklärte, daß er sich nicht icyuldig fühle. Die rheinheffischen Totayertraubcn würden sterilisiert, in Fäsfem gelagert, filtriert und in Flaschen abgefüllt. Nach der Abfüllung werde der Wein nochmals sterili­siert. Dadurch, daß das Getränte als Tolaher, alkoholfreier Wein bezeichnet werde, habe er ffch doch nicht strafbar gemacht. Bei Uebemahme der Gesellschaft durch ihn, hätte übrigens die Bezeichimng fchon bestanden. Nach Vernehmung der Sachver­ständigen, von denen fich zwei im Sinne der Anklage, zwei da­gegen aussprachen, kam das Gericht zur Ansicht, daß das in Frage stehende Getränk auf Grund des 8 12 unter das Wein- gesetz falle. Wecker fei kein Zweifel, daßTolaher" eine Vertun ftsbezeichnung fei. Hiermit werde ein Getränk bezeichnet, das in Ungarn wachse. Der Koniument konnte wohl an- nehmen, daß er einen zu Heckzwecken bestimmten Wein erhalte. Eine Verurteckung auf Grund des W ar enschutzigesetzes und des unlauteren Wettbewerbes könne aus subjektiven, Gründen nicht erfolgen. Der Angeklagte habe das Geschäft angetreten, nachdem eS schon in derselben Weise längere Zeit geführt worden sei, deshalb könne er nicht auf Grund der Anklage bestraft werden. Dagegen liege ein Vergehen gegen das Wein­gesetz im Sinne der 88 6 und 12 vor. (Hertunftsbezeichimng und Most, Maiche.) Me Bestrafung erfolge auf Grmrd des § 26 Abs 1, Ziffer 1. Eine geringe Geldstrafe fei genügend und ein Grund zur Urteilspublikation liege nicht vor. Der Angellagte wurde zu 50 Ntark Geldstrafe und in die Kosten verurteilt. Der Verurteckte wckl Revifion gegen das Urteil einlegen.

Augsburg, 30. Oll. Falsche Informierung eines Redakteurs. Ein für wecke Kreise beachtenswertes Urteil hat das hiesige Schöffengericht ausgesprochen. Eine Zeitung muß sich in ihren Berichten vielfach auf Gewährsmänner stützen. In nicht wenigen Fällen aber werden die Zeitungen falsch in­formiert, manajmal aucy wist entlieh falsch, und der veranuoorlliche Redatteur muß dann dafür büßen, baß ein anderer es unternommen hat, unter dem Schutz des Redaktionsgeheimnisses unwahre Be­hauptungen in die Welt zu setzen. Ein solcher Gewährsmami wurde vom Schöffengericht Augsburg wegenBeleidigung" zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Bestrafte halte den Redak­teur schon in einem früheren Fall falsch informiert, was diesem eine Geldstrafe ein trug. Das Gericht bemerkte ausdrücklich, die Handlungsweise des Verurteckten müsse um so schärfer geachndet werden, weck sich ein Redatteur unbedingt auf seine Gewährs­männer verlassen müsse.

»pielpian der vereinigten Srantfurter Staöttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 1. November, abends 7 Uhr: ,Karmen.* Mittwoch, 2. Nov., abends 71/, Uhr:Ein Walzertraum." Tonnerstag, 3. 9lov., abends 61/, Uhr: .Lohengrm." Freitag, 4. 9100., abends 71/, Uhr: ,Ter Gras von Luxemburg." Samstag, o. Nov.:Aida." (Aida: Frl. van Dreher a. G.; Amneris: Frl. Schreiber a. G.) Sonntag, 6. 9lov., nachm. 37, Uhr:Die ge­schiedene Frau." Abends 7 Uhr: ,Don Juan.* Alontag, 7, Okt., abends 77, Uhr: »Die Geisha.* Dienstag, 8. Nov.: Zum ersten 'Dlale:Susannens Geheimnis.* Hieraus: Zum ersten Alale:£er Schleier der Pi er ecke."

Schauspielhaur.

Dienstag, 1. Nov.*):Tannis Oer Starr.* Mittwoch »Elektra.* Vorher: ^Tie sittliche Forderung.* Donnerstag, 3. stlov.:Einer von unsere Lent'.* Freitag, 4. Nov., abends 77, Uhr:Dir: törichte Jnngsrau.* Samstag, 5. Nov.: ,Einer von unsere Leut." Sonntag, 6. Nov., nachmittags 37, Uhr:Das vierte Gebot.* Abetids 7 Uhr: »Enter von unsere t'eut.* Montag, 7.9tov.: ,Tte törichte Jungfrau.* Dienstag, 8. 9loo.: »Einer von unsere Leut.* Attttwoch, 9. Nov.:Der große Name.* Donnerstag, lu. Nov.: »Wallensteins Lager.* Hieraus:Die Piccolomini.*

*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Barmen. Nach der soeben veröffe>itllchten Liste der aus der Brüsseler Weltausstellung verliehenen deutschen Preise ist die Firma Rud. Ibach Sohn, Hos-Flügel- und Pianlno-Fabrik in Barmen ulid Berlin wegen früherer großer Preise von der Jury außer Wettbewerb gestellt ivorden, eine Anerkennung, wie sie dieses sDial nur einer sehr beschränkten Anzahl erster Firnten zu Teil geworden ist. Vertretung surGießen Aug. Forster, Pianolager,Bahnhofstr.65. _________________________CVh________________________ bichtliche Krättezunahme!

Frankfurt a. M., 10. April 1910. Teile Ihnen hierdurch mit, daß ich, nachdem ich 2 PaketeBioson" in ca. 8 Wochen genommen hatte, mich bedeutend wohler fühlte und meine Kräfte sichtlich zunahmen. Ich nahm Bioson im Einverständnis nut dem Arzte. Mil Geschmack und Bekömmlichkeit war ich zehr zufrieden. Ich werde es weiter gebrauchen und auch überall empfehlen. Hochachtend: Frau Wilh. Atay, geb. Klapp, Luisenftraße 26. Unterfchrift beglaubigt: Retchmann, 9iotar. Bioson ist das beste und billigste KräftlgungS- mittel. Paket 3 Atk. in Apotheken, Drogerien. (b*/a

Kuverts mit Firma billigst brülfl'sche Universitäts-Druckerei. R. Lange, Gieflen