Nr. 190 Zweites Blatt
100. Jahrgang
Dienstag 16. August 1910
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Die „Siebener Familiendlätler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Stemdruckereu R. Lange, Gießen.
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(Ein österreichisches verbot der Schlachtviehaursuhr?
Die „Allg. Fleischer-Ztg." schreibt in einem Artikel: „O österreichisch es Verbot der Schlachtviehausfuhr" u. ci. folgendes:
„Eine ungeheure Verschärfung der Schlachtvieh- und Fleischnot droht dem Deutschen Reiche durch die beabsichtigte Sperrung der Grenze für die Ausfuhr von Schlachtvieh und Fleisch aus Oesterreich. Der österreichische Handelsminister Weißkirchner hat aus ein bezügliches Ersuchen des Wiener Gemeinderats telegraphisch aus Tirol, wo er sich zurzeit aufhält, den Auftrag erteilt, unverzüglich Verhandlungen über ein Ausfuhrverbot von Schlachtvieh und Fleisch einz-uleiten und den Ministerpräsidenten ersucht, idem Leiter des Ackerbarnninisteriums entsprechende Weisungen zukommen zu lassen. Die gänzliche Sperrung der österr. Grenze für die Schlachtviehausfuhr wäre ein furchtbarer Schlag für die deutsche Fleischversorgung; mehr als 1000 Stück Ochsen wurden jede Woche aus Oesterreich nach Deutschland eingeführt. Sehr hart würden vor altem die Märkte von München, Nürnberg-Fürth und Augsburg, in weiterer Reihe von Frankfurt a. M., Dresden, Köln und anderen süd- und westdeutschen Plätzen betroffen werden. . . Bei der ungeheuren Wichtigkeit der Sache für die deutsche Volksernährung ist dringend geboten, daß die ganze Bevölkerung sofort die deutsche Reichsregierung anruft, sie möge alles aufbieten, um bei der österreichisch-ungarischen Regierung die drohende Sperre zu verhindern."
Wien, 15. August. Eine von Vertretern des Handelsministeriums und des Ackerbauministeriums abgehaltene Konferenz am 13. August beschloß, eine Reihe handelspolitischer Maßnahmen behufs Li n d e r u n g d e r Fleischteuerung in Vorschlag zu bringen. Diese Vorschläge dürften voraussichtlich schon in dem demnächst stattsindenden Ministerrat zur Besprechung gelangen Inzwischen erteilte übrigens der Handels Minister Dr. Weißkirchner dem Sektionschef Riedl telegraphische Weisungen betreffend die weiteren Maßnahmen gegenüber der Fteischteuerung. Die Weisungen beziehen sich insbesondere auf unverzügliche Einleitungen von Verhandlungen mit den kompetenten Ressorts wegen Herabsetzung der Frachtsätze für Schlachtvieh und Fleisch. Ferner soll der K'ommunalver- waltung, insbesondere der Gemeinde Wien, nahegelegt werden, auch ihrerseits zur wirksamen Durchführung der Aktion beizutragen und zwar hauchsächlich durch zeitweilige Herabsetzung aller jener städtischen Abgaben, durch welche der Verkehr mit Vieh und Fleisch belastet wird. Die Besprechung in der Fleischfrage wird unter dem Vorsitz des Handelsministers schon am Mittwoch den 17. August im Handelsministerium stattfinden.
Deutsche Kulturarbeit im Osten.
Aus der Feder des Direktors des Königlichen Staatsarchivs in Darrz-ig, M. Bär, ist kürzlich als 83. u. 84. Band der Publikationen aus den Königlich preußischen Staatsarchiven ein Werk „Westpreußen unter Friedrich dem Großen" erschienen, das viele bemerkenswerte Beiträge über den damaligen Tiefstand der jetzigen deutschen Ostmark und die Bildung und Gesittung fördernde Arbeit enthält, die bereits Friedrich der Große dort geleistet hat. Die Besitzergreifung des Landes durch den König von Preußen nach der Teilung Polens ist im allgemeinen ohne Schwierigkeiten erfolgt; selbst an der Eidesleistung und an der Huldigung beteiligte sich der größte Teil des polnischen Adels freiwillig. Wo das nicht der Fall war, schritt Friedrich der Große mit großer Entschiedenheit ein, so zum Beispiel gegenüber dem Fürsten Sulkowski in Lisscr, der sich selbst zur Eidesleistung nicht eingefunden und den Angestellten seiner Güter die Teilnahme an der Huldigung untersagt hatte.
Er ließ dessen Besitz Witkowo mit Beschlag belegen und chrieb eigenhändig an den Rand der Kabinettsordcr, die diese Maßregel verfügte: „Mit den Polen muß man durchgreifen oder man richtet nichts aus."
Unter den Verwattungsgrundsätzen des Königs stand obenan: die allmähliche Germanisierung (Verdeutschung) des Landes, die Zurückdrängung des polnischen Adels, den der König für unverbesserlich hielt und die Förderung des Schulwesens. Die Bestallung evangelischer und katholischer Schullehrer war eine seiner ersten Regierungshandlungen bei seiner ersten Anwesenheit in Marienwerder. Auch sonst drang der König auf Gründung deutscher Schuten, „um den gemeinen Mann um so eher von der polnischen Sklaverei zurückzubringen und zur preußischen Landesart anzuführen".
In einer schrecklichen Verfassung befand sich, durchgehends der Bauernstand. Auf ihn waren alle Lasten abgewälzt. Hat doch ein polnischer König, Stanislaus Leszcynski, einmal selbst über den Bauernstand das Wort gesprochen, Polen sei das einzige Land, wo die Masse des Volkes aller Rechte der Menschheit entbehre; man betrachte hier die Bauern als Geschöpfe anderer Art und verweigere ihnen fast die Lust zum Atmen. Friedrich der Große griff sofort mit umfassenden Maßnahmen ein, unter denen die Aufhebung der bäuerlichen Leibeigenschaft die bedeutendste war. Ferner war er bemüht, der Menschenarmut des heruntergewirtschafteten Landes zu begegnen; er ließ sofort hundert Knaben aus dem großen Waisenhause in Potsdam gegen Kostgeld nach Westyreußen schicken und bei guten deutschen Wirten unterbringen, wo sie gleichzeitig Schulunterricht genießen konnten. Außerdem, zog er zahlreiche Kolonisten aus allen Teilen des deutschen Landes an sich und siedelte während seiner Regierungszeit nicht weniger als 3221 Kolonistenfamilien mit rund 12000 Köpfen an.
Diese Kolonisation begegnete jedoch den größten Schwierigkeiten. Uni seine Bauten ausführen zu können, mußte Friedrich der Große Maurer aus dem Thüringischen und Ziegelstreicher aus dem Gebiete von Lüttich kommen lassen, da in dem industriearmen Lande die Ziegel einen außerordentlich hohen Preis hatten. Ten Kalk für seine Bauten bezog er aus Rüdersdorf bei Berlin. Was sich an Industrie in dem Gebiete vorfand, wurde ebenfalls aufs kräftigste gefördert, so besonders die Tuchmacherei, die bereits bei der Besitzergreifung vorhanden war. Elfmal hat der König seit dem Jahre 1773 seine neue Provinz besucht und jahrelang regelmäßig im Juni auf der großen Ebene bei dem Dorfe Mockrau in der Nähe von Graudenz eine große Revue abgehalten, zu der sich die höchsten Zivilbeamten einfindcn mußten, um ihm über die Fortschritte zu berichten.
Die größten Verdienste um das Land hat sich der König wohl durch die Steigerung des Bodenanbaues erworben. Wenn heutigen Tages jene Gebiete zu den fruchtbarsten und ertragreichsten des Deutschen Reiches gehören, so hat die preußische Verwaltung unter Friedrich dem Großen den ersten Grund dazu gelegt. Die Steigerung des Bodenanbaues bezeichnet der König selbst als „das erste Hauptstück einer jeden Provinz." Ein Niederschlag seiner Mahnungen und Weisungen ist die im Jahre 1780 erlassene Dorfordnung für die Aentter, die viermal im Jahre den Insassen von neuem eingeschärft und sogar den Schullindern zu Anfang jedes Vierteljahrs von den Lehrern vorgelesen wurde, damit „schon die Jugend den Begriff von einer ordentlichen Wirtschaft und Polizei erhalte".
Ein Teil des Inhalts dieser beiden umfangreichen Bände war schon bekannt; doch bieten sie daneben zahlreiche neue, bisher unbekannt gewesene Einzelheiten. Sie sind ein überzeugender Beleg dafür, daß Preußen nach der Besitzergreifung diese Landesteile nicht ausgesaugt und verkommen
lassen hat, wie das die Polen mit dem alten, aufblühenden Besitz des deutschen Ritterordens nach der Schlacht bei Tannenberg getan haben, sondern daß der preußische Staat stolz sein kann aus die dort von ihm geleistete Arbeit.
politifcbe Tagesschau.
Regelung des Luftverkehrs.
Ueber die Regelung des Verkehrs mit Luftfahrzeugen in Preußen sind im preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten Beratungen gepflogen worden, die am Donnerstag zu Ende geführt wurden. Sie bezweckten eine Regelung des Verkehrs mit Luftschiffen auf dem Verordnungswege. Be- teiligt waren an der Konferenz die preußischen Ministerien,- das 'R e i ch s a m t des Innern, die brandenburgischen Provinzialbehörden und sämtliche Luftschiffahrtvereine. Daß man für die Regelung der Frage nicht den Weg der Gesetzgebung, sondern der Verordnung wählt, findet, so schreibt die F. Z., seine Erklärung darin, daß die letzten Unglücksfälle auf dem Gebiete der Luftschiffahrt eine schleunige Regelung sowohl zum Schutz von Passagieren der Luftfahrzeuge wie zur Sicherung der überflogenen Gegenden angemessen erscheinen lassen. Außerdem schweben gegenwärtig auch internationale Verhandlungen über eine gesetzliche Regelung, und die Ausführung derartiger Vereinbarungen wäre natürlich der Reichsgesetzgebung Vorbehalten. Bei den Beratungen wurde von allen Seiten der Wunsch zum Ausdruck gebracht, die zu erlassenden Bestimmungen so zu gestalten, daß unbeschadet der Wahrung aller Verkehrsinteressen doch eine Beschränkung der Luftschiffahrt in ihrer weiteren Entwickelung vermieden wird. Die neuen Verordnungen dürften schon in naher Zeit erlassen werden. Das vom Polizeipräsidenten erlassene Verbot der Ueber- landflüge soll gemildert werden, indem von den Polizeibehörden unter gewissen Voraussetzungen Ausnahmen zugelassen werden dürfen; eine Beseitigung der das Verbot aussprechenden Polizeiverordnung vom 29. Juli, von der in Flugtechnikerkreisen die Rede war, ist demnach nicht zu erwarten.
Wie in der letzten Jnteressentenversammlung berichtet wurde, ist eine ganze Reihe von Flugtechnikern in der Sitzung des Ausschusses zur Vorberatung einer Verordnung betreffend die Regelung des Luftverkehrs gehört' worden. Der Ausschuß hat bereits Grundsätze ausgear- beitet, die Normativbestimmungen für den Luftverkehr enthalten und später in Form eines Erlasses den sämtlichen Regierungsbezirken der Monarchie zugehen werden. In diesen „Grundsätzen" wird auch das Kapitel „Schau- und Ueberlandflüge" behandelt, das insofern keine geringen Schwierigkeiten bietet, als die genehmigende Behörde wohl die Verantwortung für Unglücksfälle übernehmen müßte, die sich bei solchen „ausnahmsweise" zugelassenen Veranstaltungen ereignen können.
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Der 80. Geburtstag Kaiser Frau; Josefs.
Der ehrwürdigste unter den Herrschern Europas, das kaiserliche Oberhaupt der uns seit einem Menschenalter in treuen verbündeten Donaumonarchie, vollendet an diesem Donnerstag das 80. Lebensjahr. Mit den Völkern unter dem habsburgischen Zepter rüsten sich auch die reichsdeutschen Stämme, dem greisen Fürsten in Dankbarkeit und Verehrung ihre warme Sympathie zu bekunden. Und wenn der deutsche Kaiser als Dolmetsch dieser Gefiihle in Wien persönlich seine Glückwünsche zum Ausdruck bringen wird, so wird wieder eine jener historischen Stunden ge-. schlagen haben, welche der übrigen gesitteten Welt die unlösliche Gemeinschaft des Doppeladlers mit dem Hohen- zollernaar dartun. Franz Joses hat sich als neunzehnjähriger Kaiser den Wahrspruch „Viribus unitts" gewählt; Brandenburg und Preußen sind mit dem „Suum cuique"-
lleues über den Blitz.
Von Jahr zu Fahr mehren sich die Nachrichten über Unglücksfälle und Brandschäden, die durch Blitzschlag verursacht worden find und besonders im diesjährigen Sommer waren diese Meldungen überaus zahlreich. Es ist nun eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß wirklich die Blitz - gefahr von Fahr zu Jahr zu nimmt, was zuerst die Versicherungsgesellschaften zu ihren Schaden erfahren haben. Genaue statisttsche Berechnungen haben unzweideutig erwiesen, daß Brandschäden infolge von Blitzschlägen sich im Verlauf der letzten 50—60 Jahre mehr als verdreifacht haben. Während in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf eine Million Gebäude nur 89 Blitzschläge kamen, betrug diese Zahl im Jahre 1880 schon 189 und ist jetzt sogar bis auf 320 gestiegen, also eine ganz erschreckende Zunahme. Diese bedenkliche Vermehrung der Blitzgefahr, deren Ursachen noch nicht ermittelt werden konnten, hat die Forscher veranlaßt, sich mit erhöhtem Eifer der Ergründung der so häufigen Naturerscheinung zu widmen und es find dabei bis jetzt sehr interessante Ergebnisse herausgekommen.
Zunächst ist die Farbe des Blitzes festgestellt worden. Der Blitz ist keineswegs, wie in allen alten Lehrbüchern verzeichnet ist, „schwefelgelb", sondern seine Farbe ist sehr verschieden, sie hängt von der Beschaffenheit der Luft ab, die der elektrische Funke bei der gewaltsamen Entladung durchschlägt Die Luft ist erfüllt von äußerst fein verteilten, milroskopisch kleinen Bestandteilen unorganischer und organischer Natur. Wenn der Blitz durch die so erfüllte Luft hindurchfährt, dann verbrennen eine Menge dieser Bestandteile und geben dem Blitz eine bestimmte Farbe. So sind die Blitze in einer mit schwebenden Kohlenteilchen erfüllten Luft gewöhnlich rot, was von den verbrannten Kohlenteilchen herrührt, wie man durch Versuche Nachweisen kann. Läßt man nämlich starke elektrische Funken einer Elektrisiermaschine durch Kohlenstaub schlagen, dann erscheint er ebenfalls rot. Aus diesem Grunde sind die Blitze in Gegenden mit großer Eisenindustrie ganz weiß infolge des verbrannten Eisenstaubes, in anderen Gegenden ist die Farbe eine andere, meistens aber rötlich oder bläulich.
Dann hat man Mch setzt die G e s ch w i n d i i,t des Blitzes, gemessen mit Hilse von Blitzphotographien auf rol
lenden Platten. Dabei hat sich herausgestellt, daß die Dauer eines Blitzes unendlich llein ist. Die kurzen Blitze haben nur eine Vierzigtausendstel-Sekunde Dauer, während die längsten, die unserm Auge als lange Feuerlinie erscheinen, auch nur höchstens eine Fünfzigstel-Sekunde dauern. Welche Temperatur hat nun ein Blitz? Man weiß ja längst, daß ihm eine ungeheure Hitze innewohnt, da er imstande ist, grüne Bäume mit einmal in Flammen zu setzen, Metall zu schmelzen usw. Aber wie hoch der Hitzegrad war, wußte man nicht und weiß es auch heute noch nicht genau, wenn man auch näheres darüber erforscht hat. Platin schmilzt bei einer Hitze von 1690 Grad uni) da der Blitz schon Platinaspitzeu auf Blitzableitern geschmolzen hat, so ist seine Temperatur also höher. Ja er ist noch viel heißer, denn auf dem Observatorium von St. Cloud bei Paris hat der Blitz die Spitze eines Blitzableiters geschmolzen, die aus Jridiummetall war, dessen' Schmelzpunkt erst bei 2100 Grad liegt. Wie groß der Höhepunkt der Hitze ist, die ein Blitz erreichen kann, wissen wir nicht, jedenfalls aber liegt er sehr hoch; die T e m p e r a t u r der Blitze wird verschieden sein, je nach dem Widerstande, den sie aus ihrem Wege finden.
— Eine Ausstellung für Frauenkunst. Die erste internationale Frauenkunst-Ausstellung soll Ende dieses Jahres in Italien stattfinden. In Turin hat sick) soeben ein Ausschuß gebildet, der alle künstlerisch tätigen Frauen der Welt einladet, sich an der „Prima Esposizione Intern nazionale Femminile di Belle Arti" zu beteiligen, die im November in Turin eröffnet werden soll. Die Ausstellung wird keinem Gebiet, auf dem sich Frauen künstlerisch be- tätiaen, verschlossen sein ; es werden sowohl Bildhauerei und Maierei wie angewandte Kunst zu Wort kommen. Der vorbereitende Ausschuß, dem die bedeutendsten Namen Nord-- italiens, sowohl Männer als Frauen, angehören, erteilt auf alle Anfragen Auskunft; sein Sitz und seine Adresse ist Tu^jn, via Robilanti 3, presso la Rivista „Donna".
— Eine neue Erfindung. Aus Cherbourg wird gemeldet, daß ein Angestellter der Maschinenwerk ftätten des hiesigen Arsenals namens Edouard Debrix einen Apparat konstruiert hat, der es ermöglicht, Telephon drähte mit dem Morse-Telegraphen zu verbinden. Ein toon einem auf See befindliche
Dampfer aufgegebenes drahtloses Telegramm würde mtttelst des neuen Apparates von jedem telegraphischen Bureau, auf der Erde automatisch und ohne Unterbrechung auf« genommen werden können. Der Marine-Minister wird die. Prüfung der neuen Erfindung veranlassen.
— Eine uralte Brücke. Aus Neapel wird uns geschrieben : „Tein Bogen, grauer Zeit entstammt, — Steht manch Jahrhundert außer Amt: — Ein neuer Bau ragt über dir: — Dort fahren sie! Du feierst hier/ Diese Worte, mit denen einst Konrad Ferdinand Meyer eine alte Brücke besang, werden demnächst auch auf die uralte Römerbrücke über den Osanto zutrefsen, den „vio 1 ens Aufidus“, wie Horaz ihn gelegentlich genannt hat. Entgegen dem Vorschlag des Technikums zu Bari, das eine vollständige Niederlegung der alten Arkaden zur Erleichterung des Verkehrs befürwortete, hat der „consiglio superiore per le anti- ehitä“ beschlossen, entweder eine Erweiterung der alten oder den Bau einer neuen Brücke vorznnehmen, wobei die alte stehen bliebe. Diese hat fünf mächtige Bogenöffnungen von unregelmäßiger Werte und Höhe; ganz in ihrer Nähe, in der Verlängerungslinie ihrer Achse, liegen die Ueberreste zahlreicher antiker Grabmäler, die den Lanf der alten Via Trajana — der Weitersührung der Via Appia bis Brindisi — begleiten. An die Via Trajana, die über die Aufidus-Brücke lief, erinnern außer dem Triumphbogen von Bene- vent (aus dem Jahre 114) noch zahlreiche römische Denkmünzen. Die Brücke selbst war noch älter als diese große Militär- imb Handelsstraße; das geht aus den Nachrichten hervor, die von Modernisierung d. h. Erweiterung im Anschluß an die Weiterführnng der Trajanischen Straße reden; sie muß also damals schon dem steigenden Verkehr nicht mehr genügt haben. Eine weitere Veränderung erfuhr sie iin 13. Jahrhundert, als die seitlichen Pfeiler, die auf großen Massen Mauerwerks aus ältester Zeit ruhten, fester verankert wurden. Im Laufe der letzten Jahrhundcrtg haben sich nun die beiden mittleren Arkaden immer mehr gesenkt, so daß die Mitte der Brückeirbahn um 75 Zentimeter tiefer liegt als ihr Anfang und Ende. Dieses Alterszeichen •_ gewährt einen außerordentlich romantischen Anblick, ist aber just kein Vorzug für die Zwecke des Verkehrs, der zwischen den betriebsamen Provinzen Bari und Foggia immer^mehr anwächst. Giacomo Boni, der bedeutendste archäologische Sachverständige Italiens, dem die beiden Vorschläge des Ausschusses zur^Prüsung unterbreitet wur^ den und der sich bereits an Ort und Stelle begeben hat, ist denn auch dafür, nicht halbe Arbeit zu machen, sondern eine neue Brücke über den Osanto zu führen, die alte aber stehen zu lassen und die zahlreichen alten Grabmäler der Via Trajana, die um die Brücke zerstreut liegen, systematisch auszugraben.


