Nr. 37
Der Siebener »nzei-«r erscheint täglich, außer LoimtagS. - Beilagen: oiermg l lüomcntlitf) KirhenerKsmilirvblStler: -ivemral wöchentl.Ureis- blatt sür den «rett Sietzen /Tienslagnnd Freitag); iveinm' mo'natl. Land wirtschaftliche Zeitftagen pernio rech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, g(l-[aq u Expedition 51 Adresse für Depeschen
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Erstes Blatt
160. Jahrgang
Montag 14. Februar 1910
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rototiens6nid und Verlag der Srühl'jchen Univ.-Vuch- und Sleindruckerei R. lange. NedaHion, LrpedMon und Druckerei: Sdjalftrafie 1.
VezugHtzreis: monatlich 75 Pf., viertel- jährlich Ack. 2.20; durch Abholc- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Mk.2.— viertel- sährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfeimiq. Ehesredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischcir Teil: August Goetz; für „Feuilleton" und „Vermischtes" K. Neurath; für „Stadt u. Land" und „Gerichts- fnal": E. Hetz; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
Deutsche Lieferungen für dar Aurland.
Das „Berliner Tageblatt" hatte am Samstag die Sen- fitionsmeldung gebracht, die deutsche Regierung Hube mehrere deutsche Torpedoboote an die Türkei verkauft. Das konnte natürlich ein vernünftiger Mensch nicht glauben, und jicutc erfahren wir durch das Wolff'fche Bureau, was an der Sache ist:
Berlin, 12. Febr. Wie wir aus zuverlässiger Quelle asahcen, sind die seit einiger Zeit schwebenden Verhandlungen der türkischen Regierung mit der Firma Lchichau in Danzig wegen Ankaufs von Torpedobooten in der Art zum Abschluß gekommen, daß vier nahezu fertige, ber Firma Schichau gehörige Boote m t ü r k i s ch e n Besitz übergehen sollen. Im Inter äse der deutschen Schiffsbauindustrie wird dieser erneute Aeweis ihrer erfolgreichen Konkurrenz mit ausländischen Seiften .freudig begrüßt werden.
Köln, 12. Febr. Der „Köln. Ztg." wird aus Bel ira d gemeldet: Die Regierung schloß mit der R Heini Men Metallwaren - und Maschinenfabrik die Mrstellung von 80000 Schrapnells und die kdoplierung alter Geschütze im Gesamtwerte von vier Millionen ab; ferner wurde die Lieferung von 150 Maschinengewehren und 32 000 Mausergew eh - ten nach Deutschland vergeben. Für zehn Millionen wird sär E i s e n b a h n m a t e r i a l der deutschen Industrie der Lorzug zugestanden, sobald die Zusicherung'der neuen serbischen Anleihe in Deutschland wie in Frankreich gesichert
VahkLchtMrrdgebmrgen der Zozjaldemoiratie.
In Berlin herrscht zurzeit ein strammer Geist. Für die angemndigten sozialdemokratischen Kundgebungen waren auffallende Bortehrungen getroffen worden.
An den Berliner Litfaßsäulen war eine Bekanntmachung des Polizeipräsidiums erschienen, die Wörtlich lautete:
[ „Es wird das „Recht auf die Straße" verkündet. Die Straße bient lediglich dem Verkehr. Bei Widerstand gegen die Staats- «toaii erfolgt Wassengebrauch. Ich warne Neugierige." Der Polizeipräsident v. Jago w."
Der Sonntag ist nicht so schlimm geworden, als man sich &tte ausmalen lönnen. Wir erhalten folgende Meldungen: T Berlin, 13. Febr. Heute fanden gegen die Wahl- Msvorlngc eine große Anzahl sozialdemotrati sch er Ver- sMnlungen in verschiedenen Stadtteilen statt, nach deren Srnbigung die Teilnehmer in dichten Zügen durch die Straßen zogen, jedoch durch die,Polizei an der Entwicklung Bun Massentundgebungen, insbesondere auch an dem Marsch ins Stadtinnere und in die Gegend des Königlichen Schlosses verhindert wurden. Alles verlief ruhig, nur aus dem Vorort Rixdorf lie^gt eine Meldung vor über Zusammenstöße der Polizeimannschaften mit der Menge, wobei ein Polizeileutnant und ein Wa^ rmeister durch Stein- nriirfe unerheblich verletzt wurden. Heber Verletzungen aus dem Publicum liegen keine Meldungen vor.
Halle, 13. Febr. Nach Schluß der heutigen sozialdemokratischen Wahlrechtsversammlungen kam es zu Massenversammlungen auf den Straßen. Bei dem Neuen Theater, wo sich etwa 2000 Personen Zugang zum Markte erzwingen wollten, wurde die Polizei mit Steinen dkworfen und tätlich angegriffen. Die Polizei mußte blank ziehen, wobei es zahlreiche Verletzungen ^ab. Sie Ansammlungen dauerten bis zum späten Nachmittag.
Wiesbaden. 13. Febr. Bei den heutigen sozial- demokranschen Versammlungen gegen die preußische Wahlrechtsvorlage kam es aus dem Sedanplatz zwischen der Menge und den Schutzleuten zu einem Z u s a m m e n st o ß. Tie Polizeimannschaften zogen blank und verletzten mehrere Personen. Ein Schutzmann erlitt leichtere Verletzungen an der Hand. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen.
Auch aus Duisburg und Königsbergs Pr. werden Ordnungsstörungen gemeldet.
Aus Hoffen.
In Mainz hat eine nationalliberale Ver- trauen s m änner-Versammlung stattgefunden, die sich mit der bevorstehenden Ersatzwahl für die Stadt Mainz zum hessischen Landtag beschäftigte. Die Wahl ist dadurch notwendig geworden, das; Herr Dr. Pagenslecher aus Gesundheitsrücksichten sein Mandat niedergelegt hat. Dem Vernehmen nach beschloß die Versammlung, Hauptlehrer Bach als Kandidaten für den Landtag auszultellen.
Deutsches Ueicb*
Der Wahlprüfungsausschuß des Reichs- tag es führte die Prüfung des Abg. Wehl (Natl., Cette- Pcine-Gishorn) zu Ende und beschloß, beim Plenum dre Ungültigkeit der Wahl zu beantragen.
Zur zweiten Beratung des Haushalts für das Reichsamt des I ineru b antragt die nationalliberaleMeichs- tagsfraktion, die Regierungen zu ersuchen, noch in dieser Session dem Reichstage einen Gesetzentwurf über pie Einführung der Pensions- und Hinterbliebenen-' Versicherung der P r i va t b e a m te n vorzulegen.
Die naUonalliberale Reichstagssra.tion har ferner folgenden Antrag eingebracht: die Frankreich zu gestalt- oenenZollermüßigungen auf Schaumwein, Branntwein, Arrak, Rum, Kognak, Aether, Parfümerien mit dem 3 n traf Kreien des französischen Zolltarifes wieder auszuheben ' und den Reichslanzler anszufordern, in Erwägung darüber einzutreten, bezüglich welcher französischen Ein- suhrarlilel, soweit sie nicht handelsvertraglich gebunden sind, für den Fall, daß der französische Zolltarif wesentliche Er- id'.h:erungen für die deutsche Einfuhr nach Frankreich entölten sollte, die Zollsätze in entsprechender Weise zu erhöhen 1 Der geschäftssührende Ausschuß des Alldeutschen Verbandes hatte bekanntlich in einem Schreiben an den Reichskanzler die Form des Vorgehens der rheinisch- westsäüschen Ortsgruppen gcmißbilligt. Er hat indessen, wie wir aus den „Alld. Bl." ersehen, auch dafür -sorge getragen, die Wiederh olung solcher Zwischenfälle für die Zukunft zu verhindern. Es wurde in der Sitzung vom 6. d. M. nämlich noch folgender weitere Beschluß gefaßt:
Der gefchäftsführende Ausschuß empfiehlt den Gau- leitungen und Ortsgrupvenvorständen des Alldeutschen Verbandes, inbezug auf Kundgebungen politischer Natur für die Zukunft eine gewisse Zurückhaltung sich aufzm erlegen, jedenfalls ihre Einreichung und Veröffentlichung nicht früher vorzunehmen, als bis die Hauptleitung sich über ihre Zweckmäßigkeit und Zulässigkeit geäußert hat.
Der Ausschuß behielt sich vor, einer der nächsten Vorstandssitzungen eine Satzungsänderung im Sinne dieses Beschlusses vorzuschlagen.
ICleittcs FeuMeton.
"Die Forelle als W etter pro pH et. Ein alter Fischer aus dem an guten Foretlenbächen so reichen ferner rjura be> ruhtet in der Zeitschrift Das Wetter über eine sonst wenig rdanntc Eigentümlichleit der Forelle als Wetterprophet: „Ich hätte schon im trüben Herbst hundert gegen eins gewettet, datz nie einen milbeit Winter befommcit werden. Ich wutzte das aus dem Verhalten der Forellen beim, Laichen. Tie Forelle besitzt einen prophetischen Witterungsinstinkt, der niemals trugt: sieht sie einen takten Winter voraus, so legt sie ihren ^ai-ai m
tiefsten Stellen des Baches, wo die Abkühlung des Wapers sehr gering ist, und wo die Eier niemals in Gefahr >md, durch den in .strengen Wintern stets eintretenden Rückgang des Waners trocken gelegt zu werden. Ahnt die Forelle jedoch einen nm feit intb regenreichen Winter, so legt sie ihren Laich ganz nahe an bas liier, in Löcher und Einbuchtungen, wo sie nicht durch die starke Strömung des durch Regen und Schneeschmelze attgeichwol- faten Baches hinweggerissen werden. Do hat es die Forelle im Zergangenen Herbst gehalten: ich fand überall bedeutende Mengen Lüches hart am Ufer der Bäche. Tie Forelle verdient filier als Wetterprophet mehr Vertrauen als alle alten Schäfer und Kalender- Archer zusammcngenommen."
! — Der a l l e r n e u e st e Roman von d A n n u n z i o.
Nch hat sich in Italien die lebhafte Erregung über den neuen Vornan d'Annunzios, der vor einigen Wochen erschien, nicht ge- legt, da kündigt der imermüdliche Apostel seiner Dichtkunst bereits einen neuen großen Roman an, der schon in den nächsten Tagen erscheinen soll und den Titel „Madre solle", „Mutterwahn" führen wird, lieber die Handlung dieses Werkes werden in der tribuna" einige bezeichnende Angaben gemacht. Die Heldin das Romans, der auf der Insel Elba und in Toskana spielt, ilit eine stolze edle Frau, eine Urenkelin Michelangelos, in der ?siler Adel und alle Kraft italienischer Rasse lebendig sind. Sie W Witwe und Mutter zweier Söhne, eines gesunden, kraftvollen, fnarefterfeften Ingenieurs, und eines jüngeren Sohnes, der das' Gegenstück zu seinem Bruder bildet, denn er ist krank, schwächlich
! <at Leid und Seele Dieser zwischen himmelhochjauchzender Be- Ueisterung und trostloser Melancholie schwankende Jüngling soll »°ie geistige Jugend unserer Zeit mit all ihrer Kühnheit und ^l ihren Schwächen wmbolisiercn. Er erkrankt, , und auf dem ^wensbette übergibt er seine geliebte Braut dem gesunden Bruder, "der das Schicksal läßt ihn genesen, und er verzehrt sich nun ^Schmerzen über das zu früh gebrachte und nicht mehr aus- ‘Ware Opfer. Im zweiten Teile des Romanes tritt die Mutter !1 den Vordergrund Sie liebt den kraftvollen Sohn mit der Wjen Leidenschaftlichkeit einer Mutter, die instinktiv dagegen dampft, ihr heißgeliebtes Kind zu verlieren. Die Eifersucht
und der Groll gegen das Mädchen, das ihr den alleinigen Besitz ihres Kindes streitig zu machen droht, verwebt sich in ihrer Seele mit der Angst vor dem Verluste, die die Mutter zu stets wachsender Selbstaufopferung und Zärtlichkeit treibt. Die Umgebung steht diesem Verzweiflungskampfe der Mutterliebe verständnislos gegenüber: eS entstehen Gerüchte, die dem Verhältnis der Mutter zum Sohne niedere Verirrungen unterschieben. Der zweite Sohn selbst ist es, der schließlich der Mutter den Verdacht der Umgebung enthüllt. Ihre stolze, hohe Seele vermag einen solchen Verdacht nicht zu fassen, sie verliert den Verstand. Mit im Wahnsinn rollenden Augen und aufgelöst flatternden Haaren sucht sic den Tod int Meere, dessen stürmisch tobende Wetten ihren Leichnam fortführen.
— Ein Fisch mit Beinen. Eine rnerknÄrdige Entdeckung berichtet ein englisches Blatt: Ter amerikanische! Nalursvrscker Tr. John Hase mann, der sich im Auftrag des Carnegie-Institutes auf einer Forschungsreise, in Brasilien befindet, hat in der Nähe von Manaus ein fettirmes, bisher uw- belanntcs Tier ausgefunden, einen Fisch, de anscheinend das langgcfudtc Mittelglied zwischen Salamander und Fi's ch Mr fi eilt. Der Fisch hat verkümmerte Beine, er ist sämppew- tts und bfinb, hat statt eines regelrechten Silslcttes ein knorpell- artigcs Rückenmark imb in dem kleinen Kopfe Zähne; das Maul befindet sich unterhalb des weit vorspringenden Kiefers. Auf dem Rücken zeigt das Tier eine Haut falte, die einer Rückenflosse Ühnlicb ist. Ein solch seltsamer Fisch ist bereits im Carnegie-Museum inPittsburg eingetroffen und im'rd nach der Rückkehr Dr. Hase- manns die Gclchrtemvclt näher beschäftigen.
— Kleine Chronik aus Kun st und Wissenschaft. Tas Bureau zur Erforschuna der Schlafkrankheit in London bat eine „Bi bliogrephyofTrypanosomiasis“ berausgegeben, die alle Oriainalarbeilen und Abhandlungen, soweit sie vor dein I. Avril 1909 erschienen sind, sowie alle Arbeiten über die Tseisefliegeu, insbesondere die baiiDtfädilid) in Betracht kommende ltzaitung Glossiua palpasis enthält. Nach der „Nnüchau" enthält die Zufainmenstellung nahe an 2000 Arbeiten, lieber den großen oraktischen Nritzeii dieser Bibliographie, die zum erstenmal die in letzter Zeit rasch ongefchwollene Liieratnr über die Schlafkrankheit der wissenschaftlichen Welt erschließt, kann kein 3tuend sein. — In Leipzig ist am 12. ds. Mts. der a. o. Professor für •)!croenbeiifimbe an der bor'i -n Universität Dr. meb. Franz Wind scheid im 48. Lebensjahre gestorben. Er war 1862 zu München geboren. — Zum Direktor der Königlichen Gemäldegalerie in Cassel wurde als Nachfolger des Geh. Reg.-Nats Dr. O. Eisenmann der Kunsthistoriker Dr. Georg Gronau in Florenz ernannt
2lu$lanö.
Aus Ofenpest meldet man: Der Eretutivausschuß bet' Vevfassungspartei beschloß, der auf 9Nontag einbe» rufen en Plenarversammlung die Auflösung der $ a tei vorzuschlagen.
Die italienische Kammer verhandelte am Sams^ lag über das angekündigte Negierungsprogramm. Die Deputierten Comandrnsi (Repl.) und Berenini (Sozial.) belämpften die Erklärung Der Regierung, während Grippo- sich für die Regierung aussprach und folgende Tagesordnung cinbrachte: Die Kammer hat die Erklärung der Regierung vernommen und .geht zur Tagesordnung über. Minister-. Präsident Sonnino erwiderte auf die Aeußerimgen der ein» zclnen Redner. Nach einigen weiteren Ausführungen an- oerer Redner wurde in namentlicher Abstimmung die von Sonnino gebilligte Tagesordnung Grippo mit 193 Stimmen gegen 89 Stimmenbei 10 Stimment» Haltungen angenommen und die Sitzung geschlossen.
Der französische Senat nahm am Samstag bi0 letzten Artikel bes Gesetzentwurfes betreffend die Alters» Versicherung an, nach denen auch den landwirtschaftlichen Pächtern und tleinen Arbeitgebern Pensionen gewährt werden sollen.
Aus Paris meldet man: Der deutsche Botschaft ter Fürst Radolin reifte Sonntag abend nach Wies» baden ab, wo ein Sohn, Graf Alfred, nach langen Seihen, 46 Jahre alt, gestorben ist.
InMadrid fand Samstag nachmittag das $ c g r ab» nis des deutschen Botschafters, Grafen vorL Tattenbach, statt Die Einzelheiten der Feierlichkeit waren durch ein königliches Dekret festgesetzt worden. Voe dem Sarge, der auf einer Kanonenlafette ruhte, marschierte! eine Kavallerie- und eine Jnfanterieabteilung. Die Enden, des Bahrtuches wurden vom Präsidenten der Kammer ge» halten. Im Trauerzuge schritten der Oesterreichisch-Unga^ rische Botschafter als Doyen des Diplomatischen Korps und' Jnfant Ferdinand als Vertreter der königlichen Familie, dis beiden Söhne des Verstorbenen, der deutsche GeschäftsträgM und dann die übrigen Mitglieder des diplomatischen Korpsij In den Straßen bildeten Soldaten Spalier.
Aus N e w e a st l e (Northumberland) wird gemeldet: Die Abstimmung der Kohle)igrubenarbeiter über die Streitfrage hatte das Ergebnis, daß 14078 Stimmet für und 13 687 Stimmen gegen den Streik abgegeben wur» den, also die verlangte Zweidrittelmajorität nicht erreicht ist, weshalb der Streik unterbleiben wird.
Der armenischePatriarch, der vor fünf Monaten seine Entlassung eingereicht hatte, überreichte, wie aus Konstantin o p e l gemeldet wird, dem Großwesir ein Schreiben, in dem er die Zurücknahme der Demission unter gewissen Bedingungen anzeigt. — Der W a l i v o n B a s s o r a meldet, daß aus Persien eingedrungene Stämme mit den Beni Lams zusammengestoßen seien. Auf beiden Seiten habe es gegen hundert Tote gegeben. Zahlreiche Eindringliche, die verwundet wurden, sind geflohen.
Der neue finnische Landtag wird — wie nunmehr endgültig feststeyt — bestehen aus 42 Altfinnen, W Iungsinnen, 26 Schweden, 86 Sozialdemokraten, 17 Agra-* riern und einem christlichen Arbeiter. 15 Frauen wur-» oen zu Deputierten gewählt, unter ihnen neun Anhänge» rimven der Sozialdemokratie.
In Stockholm wurde Samstag vormittaA folgender Krankheitsbericht ausgegeben: Der König hat nachts sechs bis sieben Stunden geschlafen. Er fühlt sich^ noch matt, das Befinden ist im übrigen gut.
Aus zuverlässiger Quelle ist in Tanger die Nachricht eingetroffen, daß Raisuli durch Gift getötet worden ist
Heer und Flotte.
Berlin', 12. Febr. Zur Hundertjahrfeier deS Garde-Pionierbataillons fand in der neuen Garnison^ kirche ein FestgottcSdienft statt, an welchem der Kaiser teilnahm^ Nach Schluß des Gottesdienstes marschierte das Bataillon zur Kaserne, wohin sich auch der Kaiser und die Ehrengäste begaben. Der Kaiser verlas hier eine Kabinettsordre, in der er das Bataillon beglückwünscht, ihm für seine ausgezeichneten Dienste dankt und ihm das Säkular-Fahnenband verleiht. Nachdem der Chetz des Militärkabiiretts die erfolgten Auszeichnungen verlesen hatte,- fand ein Parademarsch des Bataillons statt und anschließend ein! Frühstück, bei dem der Kaiser ein dreifaches Hurra auf daÄ Bataillon ausbrachte. Die Stadt Berlin schenkte dem Bataittonj ein Gemälde von Skarbina aus der Geschichte des Bataillons.
Bei der Tafel, die zur Hundertjahrfeier des Garde-Pioniers bataittons in dessen Kasino stattfand, erwiderte der Kaiser auf die Ansprache des Kommandeurs, Major von Held, mit einem Trinkspruche, in dem es heißt:
Wenn man die technischen Entwicklungen unserer Armes durch 26 Jahre verfolgt, so dürfen auch die Garde-Pioniere mit Stolz r.nb Zufriedenheit auf diese Zeit blicken. Der Piomer- rock, der einst vereinzelt in der Armee, gewissermaßen m kleinen Inseln, anftauchtt, hat sich weiter und weiter auf neue Truppen- formanonen erstreckt, und wenn jetzt ihr Blick auf die Ver» kehrstrnppen fällt, aus die L u f t s ch i f f e r und A u t o f a h r e r, oder wenn die gewaltige Kolonne der Eisenbahnbrigadel auf dem Tempelhofer Felde herausmarsdnert, so läßt das Ihre: Herzen höher schlagen, denn Sie sehen ihren Rock, einen Beweis dafür, wie er sich in eingehender Arbeit und fleißigem, hingebungsvollem Dienst seine Bahn gebrochen hat. Mannigfaltig sind die Gebiete, die den Pimiieren zur Verfügung stehen! und stehen werden, aber derselbe Geist muß ihre Anwendung beseelen, derselbe Geist, der in den ersten Anfängen und den! ersten Stammtruppeu gelebt Hal. — Das Bataillon ist in verschiedener Weise wiederholt mit mir in ^Berührung gekommen» Ick; habe die Freude gehabt, es an UcbungStagen im Gelände; zu sehen, im Manöver, bei seiner eigenen Arbeit Das erste! Mal war ich mit meinem seligen Vater bei Ihnen, der wis Sie alle wissen, eine ganz besondere Gnade und ein gans besonderes Interesse für das Bataillon hatte. Mein Fortisikaiions- lehrer, Oberstleutnant Diener, hat die Beobachtungen, die ich


