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15/01/1910 Drittes Blatt
 
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Samstag IS.Januar 1910

160. Jahrgang

Drittes Blatt

Nr. 1»

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

noch eines kleinen Schrittes, auf baß Ru»-°b es eine U-b-^afchung die D-^Rott^

was abgelehnt wurde.

(ßerid)t»iaaL

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Unwersitäts. Buch' und Sterndruckerei.

R. Lange. Greben.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 14. Jan. Urkundenfälschung

Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul» strotze 7. ExpediNon und Verlag: Redaktion:L-^II2. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

DieSiebener Kamittendlätter^' werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Siegen" zweimal wöchentlich. Dre ..Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zwermal.

Justizräte Cause und Dr. Loeb, erklärten datz sie ebenfalls die Vertagung beantragten, da sie aus ,achlrchen Gründen beide im Einverständnis mit Dr. Rolly dessen Vertei­digung niederlegten und der Angeklagte rn einer für ibn so wichtigen Sache Nicht ohne Verteidigung An könne. Os trat hieraus die Vertagung ein und die Angeklagten wurden wieder in Untersuchungshaft abgeführt Dr Rolly hatte 100 000 Mk. Kaution seinerzeit für seine Haftentlassung stellen wollen.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhchen

brachte dem Direktor der Hofbierbrauerei Hanau L. G. von Bam­berg ein Strafmandat des Finanzamts Schotten über 20 Mark Geldstrafe, gegen das er gerichtliche Entscheidung antrug. Die Brauerei liefert mit der Bahn Bier nach Hartmannshain, das von einem dortigen Gastwirt an die Wirte gebracht wird. Uebng- bleibe-ndcs Bier wird in einer Eishalle, die sich in der Hofreits eines Wirtes befindet und Eigentum der Brauerei ist, gelagert. Tas Schöffengericht war mit dem Finanzamt einig, daß es sich hier um eine Niederlage handelt, wozu ein Gewerbeschein nötig ist, weshalb es auf die vom Finanzamt angesetzte Strafe er­kannte Ter Angeklagte verfolgte Berufung und ließ durch seinen Verteidiger geltend machen, es handle sich nicht um ein stehendes Gewerbe, denn dazu gehörte, daß an der fraglichen Stelle ern Bureau unterhalten mib Bücher geführt wurden usw. Er bestritt auch nebenbei, daß der Direktor hierfür verantwortlich sei, do es sich um eine Aktiengesellschaft handle, deren Verantwortung der Vorstand hat. Tie Entscheidung wurde auf acht Tage aus­gesetzt.

Diebstahl und Unterschlagung

hat sich der Arbeiter K. St. aus Steinbach, der im letzten Herbst am Bahnhofsbau zu Darmstadt beschäftigt war zu schulden kommen lassen. Er nahm ein auf der Straße stehendes Fahrrad und brachte es in die Wohnung seines in der nämlichen Straße wohnenden Bruders und nahm es später mit nach Steinbach. Im Laufe der Untersuchung, .die hauptsächlich auf die bei einem dortigen Milchhändler erfolgten Einbruch, bei dem 700 Mark gestohlen wurden, ausdehnte, stellte es sich heraus, daß er um Ostern 1907 in Lich eine Damenuhr gefunden, aber nutzt abgeliefert hat Wegen des Einbruchs mußte mangels Beweises das Ver­fahren eingestellt werden. Den Tiebstahl des Fahrrads, das in­zwischen dem Eigentümer zurückgegeben wurde ,gab er zu; die Uhr will er als ein Kinderspielzeug ohne Söcrt betrachtet haben. Ter vielfach bestrafte Angeklagte, der auch tm Andacht stand, die Brände in Steinbach angelegt zu Haben, wurde wegen Dieb­stahls und Fundunterschlagung zu einer Gesamt,tta,e von 8 Mo­naten und einer Woche Gefängnis, unter Abrechnung von zwei Monaten Untersuchungshast verurteilt.

ich lunb es bedarf nur i ------ ,

er direkt als eine Gefahr bezeichnet wird. Vor solchen Uebertceibungen warnen allerdings noch einige Leitungen wie derTemps". da sie, wenn auch recht schwach, an eini mögliche Umkehr der Jungtürken zur Bescheidenheit und zur Beschränkung ihrer den Islam aus bem Schlafe rütteln­den Pläne glauben wollen.

Es ist wahr, daß die Anzahl der Studierenden in den letzten 30 Jahren reißend gestiegen ist sie beträgt fetzt über 50 000, ohne daß neue Universitäten außer -Ltratzburg gegründet worden wären. Es ist aber falsch, daraus überhaupt den Ge­danken an eine Neugründung- und nun gar in Frankfurt bmeitcn zu wollen. Wenn man schon an eine Neugründung denkt, so kann es sich doch nur um eine solche in einer Gegend handeln, die Universitäten bis jetzt wenig oder gar nicht hat um den Osten, etwa Vosen. Keinesfalls aber um Frankfurt, in dessen uni Mittelbarer Nähe bereits die Universitäten Marburg, Güßen, Würzburg, Heidelberg, Erlangen blühen, dazu kommt am Rhein noch Bonn! Zudem muß man vom konservativen -Standpunkte aus davor warnen, den Zug nach den ungesund angeschwollenen Grad stüdten noch dadurch zu unterstützen, daß man noch mehr Uni­versitäten in Großstädte verlegt. . .

Nun bietet aber Frankfurt dem Staate id^on etwas in seinen schon bestehenden Instituten gleichsam als Geschenk dav Hat der Staat davon in der Tat irgend toeldjen Nutzen? Nehmen wir an, nach der Universität Frankftrrt zögen von Berlin oOO Studenten, von Bonn 300, von Marburg 300 usw., dem -Staate würde dadurch keine Ausgabe abgenommen, er könnte deshalb nicht eine Professur .als überflüssig einziehen, die letzt be­stehenden, gut frequentierten Institute würden höchstens im Werte sinken. Das wäre aber auch für die jetzt bestehenden Universitäts­städte sehr bedauerlich, deren Universitäten weiter auszubauen und zu heben gälte.

Entweder die Stadt FraNkmrt will, daß der L> t a a t unter Zuhilfenahme der von der Stadt dargebotenen Mittel eine neue Universität gründet, dazu liegt nicht nur keine Veranlagung vor sondern es lassen sich schwerwiegende Gründe dagegen anmqren oder die Stadt Frankfurt will eine freie Universität errichten^, dann dürfte ihr Verhältnis zUM Staate die schwerwiegendstes Konflikte bergen und für uns in keiner Weise wünschenÄvert lern. Tie Universität Frankfurt wäre also ein Gebilde, dessen Er­scheinen nicht gewünscht werden kann. Sowohl vom konservativen Standpunkte, wie allgemein angesehen, wäre namentlich auch die m t Sicherh-it zu erwartende Schädigung der Universität Marburg in höchstem Maße bedauerlich, nickst bloß wegen der großen mummen, die der Staat in die Anstalten dieser auivlühenden Universität seit 1866 und noch neuerdings hineingesteckt hat.

Uns muß natürlich schon die Sorge für unsere Landes­universität Gießen gebieten, gegen die Gründung einer Uni­versität in Frankftrrt, für die wohl nur einige politisch und geistig einseitig gefärbte Persönlichkeiten sich interessieren, Einspruch zu erheben.

Auch dieNationallib. Kqxresp." läßt sich gegen den Frankfurter Gründungsplan vernehmen:

Zunächst haben wir im allgemeinen wohl feilten Mangel an Universitäten. Gewiß: manche Hochschulen sind über füllt und kaum mehr imstande, ihren Lehrzwecken zu genügen.. Aber diese Riesenuniversitäten werden dadurch noch nicht entlastet, daß wir an einem anderen Brewnpuirtt großstädttschen Lebens eine neue Hochschule errichten. Hier täte es vielmehr not, den ^trom der Studimblsttii'enen den kleinen Universitäten zuzülenken; die viel­fach ein recht kümmerliches Dasein fristen.,Sollte aber überhaupt eine neue Universität begründet werden, so käme doch höchstens der an solchen Anstalten arme Osten in Betracht (obschon auch nach der Richtung einiges zu bedenken wäre), nicht aber die Gegend am Mittelrhein, die mit hohen Schulen ohnehin geradezu besäet ist. #

Triumphe der Jungtürken erhofft hatte, vorläufig ver­hindern. Den Franzosen mißfällt nach dem tripo litauisch en Abenteuer der Osmanismus der Jnugtürken plötzlich, nach­dem sie sich von ilM anfangs für die Befestigung ihre Macht am Goldenen Horn so viel versprochen hatten. Sie j anwesende Sachviwstünchge Meoi^nairal zcreivim finden ihn jetzt der christlichen, europäischen Kultur feind I den Geisteszustand des Großkortenhaus Ausschluß geben lonm.

Mainz, 14. Jan. Gestern sollte Verhandlung vor der zweiten Strafkammer sein. Der vorbestrafte 65 jährige praktische Artt Sanitätsrat 'Dr. Rolly aus Bechtolsheim, wohnhaft in Osthofen, ist beschuldigt, in den Jahren 1908 und 1909 ver­sucht zu haben, in Köln, Barmen, Osthofen und anderen Orten Deutschlands den Bauunternehmer Haack aus Barmen zum Meineid zu verleiten. Mitangeklagter ist der vorbestrafte 35jährige Privatdetektiv Karl Großkortenhans aus Köln, wohnhaft zuletzt in Vohwinkel bei Elberfeld, der Dr. Rolly durch Rat und Tat Hilfe geleistet und sich in drei Fallen der qualifizierten Urkundenfälschung schuldig gemacht haben soll. = Die Urkunde ir- fälschungen bestanden darin, daß Großkortenhans an Dr Rolly, an das Polizeiamt Barmen und an den verstorbenen Justtzral Dr Ferd. Ph. Mayer in Mainz Briefe richtete, die er mit Dacicks Namen unterzeichnete. Ter Verteidiger dev Grvßkorten- haus, Justizrat Dr. Zuckmayer, beantragte Vertagung der 5Ber- Handlung, da im Interesse seines Klienten noch die Laoung weiterer Zeugen und eine Untersuchung seines Geisteszustandes dringend notwendig sei. Staatsanwalt Dr. Schneider widersprach der 'Vertagung, da alles hinreichend ausgeklart |et und auch der antvefenhc S*»mbige mebwnalrat Miet über

Die Einigung der Linksliberalen.

Dazu lesen wir in derVoss. Ztg.":

Heber den Entwurf des Einigungsprogramms für die neue deutsche Freisinnige Volkspartei urteilt der Abg. Dr. Friedrich Naumann sehr geringschätzig. Er erklärt zwar in derHilfe", daß der Programmentwurfeine möglich«! glatte Annahme" verdieüe, fährt jedoch dann wörtlich fort:

Damit ist aber nicht gesagt, daß in diesem Entwuri die letzte Lösung der liberalen Programmsätze enthalten se. Wenn einmal die Einigung vollzogen und glücklich lest gemorben ist, werden rotv an eine ganze Reihe von P, ogramnipnntten neu Herangehen müssen, nicht nur das nmzurverien, was jetzt befchlofien wird, sondern um es besser anszubauen, denn vieliach arbeiten wir jetzt in dieser Programmfestsetzung mit ziemlich altem Material an Gedanken, das noch nicht ganz an die Verhältnisse der Neuzeit angepaßt ist. t M ,

Em derart abfälliges Urteil über den Programmentwurf ist aus den Kreisen, die eine Verschmelzung der liberalen Parteien für erforderlich halten, bisher nirgends laut ge­worden. Die Worte Naumanns rücken die drohende Gefahr vor Augen, daß alsbald nach der Einigung der neuen Partei schwere innere Kampfe über grundsätzliche Programmfragen nicht erspart bleiben werden.

*

Frankreichs Mißfallen am Jimglurkentum.

Unser Pariser Mitarbeiter schreibt uns:

Die $ erftimmun g gegen die Jungtürken wird jetzt auch durch Auszüge aus fremden Zeitungen genährt, die man tnsher in dieser Frage unbeachtet gelassen hat. Der Be­rufung des neuen Kabinetts in Konstantinopel tritt man deshalb mit unverhohlenem Pessimismus entgegen, ob­gleich den einzelnen Mitgliedern des Ministeriums Hakki- Pascya die Anerkennung ihrer persönlichen Verdienste nicht vorentlsalten wird. Bemerkt wird in erster Linie, daß die Versuche mit Ministerien in der Türkei etwas zu lange dauern, daß das Wertrauen auf die Haltbarkeit des jnng- türkischen Regimes überall start erschüttert ist. Die Komi- tee-Wirtschaft, die einer Diktatur auf ein Haar gliche, könne doch unmöglich lange fortgesetzt werden. Selbst für den wohlwollendsten Beobachter müsse die allgemeine Lage des ottomanischen Reichs wenig erfreulich erscheinen. Ueberal Grcnzzwisch en fälle und Empörungen, wie im montenegri­nischen Gebiete, in Tripotitanien, in fernen, ferner drohende ungelöste Fragen, wie die kretcnsische! Dazu kommen innere Probleme, besonders das finanzielle, die den wirtschaft lichen und kulturellen Aufsckstvung, den man nach dem

* Der falsche Dozent an der Berliner Humboldb- A'kademie ist nun nicht nur aus der Haft entlassen worden, sondern auch aus dem Verband der Akademie, der er über vier Jahre als eifriger und beliebter Lehrer angehört hat. Ein Lebenswerk, das in jahrelanger, fleißiger Arbeit mühsam aufgebmit war, ist mitleidlos zertrümmert worden, weil ein Steinchen in den Grund­mauern nicht echt war, weil sich Lindenstead Bachelor of a r t s genannt hat, ohne daH er dazu berechtigt gewesen wäre. Nun ist da die nicht rechtmäßige Führung dieser akademischen Würde nicht zu billigen, aber es ist trotzdem bedauerlich, datz em Manu von Wissen imd Können an einem Titel zugrunde gehen kann, der seine Befähigung nicht im geringsten rührt. Und auch die Zulegung der Würde eines B. A. erscheint in einem wesent­lich milderem Licht, wenn man erfährt, datz Lindenstead ohne sein Zutun um seine Mitwirkung an der Akademie gebeten worden war, vhnedaßein Nachweis über seine wissenschaft­liche Vorbildung verlangt worden wäre. Erst als nach Jahren ein neuer Vorsitzender die Lebensläufe her ange- tefiten Lehrer ein forderte, bezeichnete er sich als englischer Aka- bentifer, um sein Brot nickst zu verlieren. In Wirklichkeit oder richtiger gesagt früher hieß er Wielinsky, hat aber das amerikanische Bürgerrecht erworben, als solcher vvr einem amerikanischen Richter den Namen Lindenstead angenommen. Seine Frau, die übrigens die ganze Geschichte aufgerollt hat, oll schon vor der Hochzeit über die Verhältnisse ihres Bräutigams! unterrichtet geiuefen sein. Sie behauptet nun, daß sie lediglich deshalb Anzeige erstattet habe, um den Schutz der deutschen Behörden zu erlangen, da sie durch ihre Heirat amerikanische! Bürgerin geworben sei. Von ihr soll auch die Mitteilung stammen, daß L. früher Hausdiener geweien sei. Tas ist aber auch nur zum Teil richtig, denn L. war ursprünglich Kaufmann und durchs rastlosen Eifer gelang es ihm>, sich derart zu bilden, daß er in den Ruf eines angesehenen Sprachlehrers gelangte. Jn^ der Zwischenzeit zwang ihn allerdings die Not einmal, die Stelle eines Hausdieners anzuuehmen. Was dos' auf sich hat, geht zur Genüge aus der Tatsache hervor, daß der damalige Dienstyerr! Lindensteads kein Bedenken trug, bei seiner Heirat als Trauzeuge! auszutreten. Daß L. von der Akademie entlassen wurde, wurde von seinen Schülern durckmus bedauert, berat es herrscht, wie von zuverlässiger Seite berickstet wird, nur eine Stimme unter seinen Schülern darüber, daß er mit dem besten Erfolge Unterricht ge­geben und über die englischen Verhältnisse, die dabei besprochen werden mußten, recht gut Bescheid wußte. Man ist allgemein der Meinung, daß er den 1 ätschen TitelBachelor of Arts" gar nicht nötig gehabt hätte. Er war ein Selfmademan, dessen Gaben und Leistungen auch so schon anerkannt worden wären. Ueber die Be­fähigung Lindensteads äußert sick auch Sanitätsrat Dr. Th. S. Fl a t au, der Generalsekretär des Wissenschaftlichen Zentralvereins Humboldt-Akademie in einem Schreiben an die Presse, wenn er schreibt: Obwohl einige Zweifel an der Güte seines Akzents ge- irußert wurden, roar L. zweifellos ein begabter, tüchtiger und fleißiger Lehrer. Hatte doch seine Frau, eine feingebildete Dame, ztvei Jahre lang seine Vorlesungen gehört. Auch die Aka b e m i c schätzte i h n als Lehrer und hatte ihm während einer sckyveren Erkrankung kurz vor der Verlreiratung besonders hilfreich zur Seite gestanden. Und das alles wegen der zwei Buch staben B. 91., denn die Versäumnis einer Kontrollvefiammlung ist doch wohl kein abscheuliches Verbrechen.

* Selbstmord eines Geistlichen Ter evangelische Geistliche in der StaLN Landau, Pfarrer Budde, hat sich gestern vormittag in seinem Studierzimmer erschossen, nachdem ihm der Briefträger angeblich einen Brief der vorgesetzten Aufsichtsbehörde

wandern und Reisen.

-- Man schreibt uns: Unsere H ö h en klub-Geno ss en haben zum großen Teil wieder ihre Wanderpläne aufgesteltt und mit der Ausführung der Wanderungen begonnen. Wttterungs- verhältnisse können diese Wanderungen wenig beeinflujfen, der Zweck der Wanderungen gilt hauptsächlich dem Genune der Natur, der Erstarkung an Aörper und Geist. Leider wissen ober .küm­mern sich die wenigsten der Wanderer darum, daß sie in uni^?em Vogelsberg fast überall Stätten uralter Kultur und gejchichb- licher Vergangenheit begegnen, Stätten, die wert sind, von ledern erforscht und erklärt zu werden bei jeder Gelegenheit Es ist erhebend, wenn auf einer Wandertour entsprech)end begabte Leute in verständlicher Weise uns Ort und Verhältnisse erklären, sowohl der Gegenwart wie der Vcrgangenl)eft. Und eine Vergangenl)ett, die mit großem Interesse erklärt werden kann, hat jeber einzelne Platz im Vogelsberg. Soweft Geschichtswerke uns die Ueber- lieferungen erhalten haben, haben wir einen Anhalt, die Anzelnen Plätze kennen zu lernen, uns ein Urteil zu bilden und Ansichten zu äußern. Es ist keine Wanderung im Vogelsberg, bie nid# zu derartigen Betrachtungen Anlaß böte, darum ist es vielleicht eine würdige Aufgabe, bei Klubwanderungen hierauf Rücksicht zu nehmen. Das große Buch der Natur in Gemeinschaft mit der­artigen Rückblicken auf die geschichtliche Vergangenheit bietet so unendlich viele Genüsse, vor denen alle anderen zurückstehen mutzen.

Schotten, 13. Jan. Ter Z m e i g v e r e i n S ch o t t e n oes Vogelsberger Höhen- Klubs setzte in der gestrigen, stark besuchten Generalversammlung seinen diesjährigen Wanderplan lest. Es wurden iolgende Wanderungen in Anslichk genommen: 1) 13. Februar: Götzen, Ritzenbügel, Mntzborn, Rudingshain, Schotten 28/. Stdn. 2) 13. März: Schüsselberg, Alte Hohe, Wildsranhaus, Peteisbamerhoß Götzen, Schotten. 3) 23. April. Giertal, Auerberg, Dracheiiloch, Eichelsdori, Oberschmitten 2/, Stdn. 4) 22. Mai: BatuiMhrt nach Langsdorf, All'mzenberg, ülrnSbnra, Lich (4 Stdn.l, mit der Bahn zurück. 5) 19. Juni:, Altenburgskopß Wingei^hansen, Zwie'alten, Spicsweiher, Wenings (Rast), Hirzenhain - 4'/, Stdn. 6) 17. Juli: Saalburg mit an- schließender Tauniiswandernng, die uod) iestgelegt wird. 0^4. Uug.. Bahniahrt nach Büches, Romieburg, Gelnhausen (ö/2 Stdn.), m Gemeinschaft mit dem Zweiqverein Laubach. 8) 1. u. 2. Oktober: Raubach (Uebernachten, Grünberg, mit der Bahn nach Ehnngs-- hanien, Romrod, Altenburg, Alsfeld (Herbslausflugi, ziiruck bis Waldstaiion Raubach, auf Wagen nach Schotten. 9) 30. Oktober: Kohlhagsmiese, Reipperis, Ulfa, zurück nach Eichelsdor', mit der Bahn nach Schotten. - An anßerprogrammlichen Wanderungen sind vorgesehen: 4. und 5. Juni: Gackersiem, Taufstein (jur* 15111« welbnng des Bismarckturmes), Engelrod lUebemachtenj, Öopf- manns'elder Galgen, Schaltsbach, Kapelle, Herbstein, mit der Bahn nach Grebenhain (zur Hauptversammlung). 3. Juli: Rudingshain, Hoherodskopf (zum Hanvtansflug).

|] Marburg, 14. Jan. Der Oberhessische Touristenvereiiv hat jetzt in seinem Gebiet, wie auch in Marburg selbst, sogenannte Sch ü l er-verbergen eingerichtet. Tie durchwandernden Schüler erhalten in einer Reihe von Gasthäusern Nachtlager und Aiorgenkafsee zum Preise von 0,60 - 1 All.

politische Tagesschau.

Zur geplanten Univerfitätsgründung in Frankfurt.

Gegen die Gründung einer Universität in Frankfurt, die auch wir für überMsfig galten, bringt dieKreuztztg." ihre konservativen und praktischen Bedenken in folgender Form

war dem Maurer H. R. vvn Hergersdorf zur Last ^ekgt Seine Tochter suchte im letzten Frühjahr wegen einer Hautkranv 1 beit die hiesige Klinik auf. Sie mußte Wieder nach Hache zurück! 1 kehren, ba die Operation erst nach einiger Zeit vorgenommeii 1 werden konnte. Nack drei Wochen wurde sie wieder in die Klinll . beordert, wo sie vierzehn Tage bleiben mußte. Auf ihr Verlange,^ 1 stellte ihr der Arzt eine Bescheinigung über ihre Erwerbsunfähigkeit, von der Zeit ihrer ersten Vorstellung bis^zu ihrer Entlassung aus R. legte diesen Schein der Krankenkasse zur Auszahlung des Krankengeldes vor. Da aber für die Zeit des Aufenthaltes in der Klinik lein .Krankengeld gewährt wird, wurde eine Bescher nigung für die Zeit bor ihrer Aufnahme in die Klinik verlangt. Nach einigen Tagen verlangte R. auf Grund der abgeänberten Bescheinigung das Krankengeld; die Auszahlung tour de _ a ber b er weigert, weil die Bescheinigung eine Rasur enthielt und oftensichtlick von anderer Hand geändert war. Der Schein, wie auch Feder und Tinte bei dem Angeklagten wurden beschlagnahmt und einem Gerichtschemiker übergeben, der feststellte, daß die Abänderuncf mit einer Tinte von gleicher Besch affen beit wie die bei dem Ange­klagten beschlagnahmte, erfolgt ist. Auch die Art der Nustülstung, Federhaltung, Sckxristzüge und Vergleiche der Ziffern, ließen keinen Zweifel, daß der Angeklagte die Aenderung vorgenommen hat. Er behauptete jedoch, die Bescheinigung sei auf sein Ansinnen in der Klinik abgeändert toorben. Da sich biese Angaben als unwahr erwiesen und der Angeklagte sich auch selbst m Wider­sprüche verwickelte, bestand kein Zweifel an seiner -schuld, so bafj er zu einem Monat Gefängnis verurteilt würde.

Keine fahrlässige Körperverletzung.

Ter Transport einer Steiupresse in einem hiesigen Eisent betontocrfe brachte den Lagerhalter H. D. aus Giesbach wegen fahrläfsiger Körperverletzung unter Anklage. Der Angeklagte hatte die Verbringung der 1520 Zentner schweren Presse von einer Halle in die andere angeordnet und dazu eine Pritsche benutzt, die dem Gewicht nicht ftanb hielt. Als die Arbeiter die Presse mit Hebeln siortbeweatpn, brach die Pritsche, em Rad bohrte sich in die Erde, die Presse überschlug sich und traf erneu M-asch^ nisten, der einen achtmaligen Bruch be3 Beckenknochens davontrug, so daß er ohnmächtig in die Klinik verbracht werden mußte. Nach feiner Entlassirng mußte er noch längere Zeit in einem! medicv-mechanifchen Institut behandelt werden, doch dürfte er nicht mehr arbeitsfähig werben. Tas Scksönengericht verurteilte den Angetlagteu zu einer Geldstrafe vvn 100 Mark und zum Ersatz der dem Verletzten als.Nebenkläger erwachisenen Auslagen, indem es für festgestellt erachtete, daß der Angeklagte, der selbst im Zweifel über die Haltbariieit ber Pritsche war und auch von den Arbeitern gewarnt wurde, den Unfall hätte Vorausschau können. Ter Angettagte erhob Berufung und brachte vor, die Presse sei von ihm, tote auch vvn seinem Vorgänger stets auf der Pritsche sortgebracht worden; es wäre dabei nie etwas passiert, weshalb c H ch biesesmal kein Bedenken getragen habe, sie auf die nämlich j L-.ise fortzubringen. Auf Grund der sackMrstänbigen Gutachten konnte das Gericht nickst feststellen, daß der Angeklagte bat Uw- full hätte vovaussehen können; womit der Tatbestand der Fahr­lässigkeit entfällt. Es mußte deshalb Freisprechung erfolgen.

Das Fehlen eines G'wrrbefcheines