erreichen möge. Fahnenckägel überreichten der hiesige Turnverem 1846 durch Turner GrC c, der Kavallerieverein durch Herrn W e i ß e und der Schützenverein durch Herrn K i l b i n g e r. Einen Becher stiftete die Freiwillige Gail'sche Feuerweln, den Herr Münch überreichte. Ferner beglückwünschten der Vorsitzende des Turnvereins Marburg, der Vorsitzende des Turnvereins Kirchhain, der.Vorsitzende des Turnvereins Nidda und der Vorsitzende des hiesigen Lokomotivbeamtenvereins den Jubelverein. Ter 1. Vorsitzende Kaufmann dankte für die Geschenke und Glückwünsche
Die.Aufführungen der aktiven Turner am Pferd, das Kürsechteu der Fechterriege, die Stützl-antelübungen und das Turnen am Reck ernteten allgemeinen Beifall. Bei Ehrung der Gründer des Vereins wurden als Ehrenmitglieder ernaimt Karl Brück, Georg Toepfer, Emil, Franz und Karl Gersch-Frank- furt a. M., Hricdr Helm, L. Hepligenstaedt, Karl Jann. Ph. Kramer-Friedberg, Adalbert Bindewald, Karl Loth, Karl Muller, Dr H Pitz-Alsseld, Adam Reinig, E. Scknnuck-Tarmstadt, Konr. Steinhäuser, Karl Wenzel und Karl Wigandt. Namens der nen- ernannten Ehrenmitglieder dankte in humorvoller Weise Dir. Pitz für die Auszeichnung. Ter offizielle Teil des Festkommerscs erreichte seinen Schluß gegen 1 Uhr.
Der Festsonntag erfreute sich eines günstigen Wetters und infolgedessen eines sehr zahlreichen Besuchs. Um 10 Uhr begann die Kampfrichtersitzung für das Sckmlerwetturnen am Montag. Um 111/? Uhr war Festfrühstück in der Festhalle. Festpräsidcnt Rechtsanwalt Kaufmann brachte das Gut Heil auf Kaiser und Großherzog aus. Universitätsrektor Pros. Dr. Strahl toastete auf die deutsche Turnerschaft, Provinzialdirektor Dr. Usingcr, der selbst ein eifriger Turner war, auf den Männerturnverein, Kommerzienrat Hehl igenstacdt auf den Vorstand des Männcr- Turnvcreins und Kreisvertreter S ch m n Lauf die deutschcEinigkeit.
Der Fcstzug stellte sich um l’; Uhr nachmittags in 3 Abtei- Initgcn aus: Die 1. Mtcilung bestand aus Herolden, Ehrcn- Ausschuß, Fest-Ausschuß, Musik, Einzelausschüssc, Radsahrerverein 1885, Spielmannschaft des Mittclrhein. Spielverbandes, Turnverein Heuchelheim und Hermannstein, Schlacktcrverein Brüderschaft, Turnverein Gießen und Grünberg, Bauerscher Gesangverein, Turnverein Berghausen. .
2. Abteilung: Musik, Radklub Germania, Turnverein Gru- ningen, Ak. Turnverein Marburg, Turnverein Lützellinden, Stemm - und Ringklub, Bäckcrverein Frühauf, Turnverein Watzenborn, Turnverein Dutenhofen, Kutscher-Verein, Turnverein Klein- Linden und Leihgestern, M.-T.-V. Marburg, Turnverein Gambach und Steinberg, Poft-Unterbcamten-Verein, Turnverein Treis, Gesangverein Gemütlichkeit, Turngemeinde Marburg, Turnverein Krofdorf und Wetter.
3. Abteilung: Musik, Feuerwehr, Militärverein, Turnverein Hochelheim, Münzenberg, Holzheim, Langgöns, Bad-Nauheim, Lauterbach,,Hörnsheim, Gießener Lok.-Führcr-Verein, Turnverein Wetzlar und Großen Linden, Musik, M.-T.-V. Gießen.
Einzelne Vereine hatten schöne Gruppen durch Wagen oder Radfahrer zusammengestellt. Von Turnvereinen außerhalb des Gaues Hessen waren vertreten: Frankfurt, Bockenheim, Sachsenhausen, Turngemeindc und Turngesellschast Bornheim. Diese Vereine boten mit den Marburger und Gießener Spielriegen. Ein vielhundertkbpfiges Publikum füllte die Straßen der Stadt uitb besetzte den Festplatz. Hier entstand nach Ankunft des Fest- zuges ein reges turnerisches Treiben, lieber 250 Turner traten zu hen Froiübungen an, Musterriegcn wurden vorgeführt und dann schlossen sich Turnspiele an, wie Faustball, Tamburinball, Schlagball, Fußball und Neckspiele. In Scharen belagerte das Publikum den Turnplatz. Besonders interessant war der Wett kämpf zwischen den Gießenern und Frankfurtern, der nach hartnäckigem Spiel mit dem Sieg der Frankfurter endete. Inzwischen herrschte auch in der Festhalle, auf den Tanzböden und dem Juxplatz lebhaftes Treiben.
Den Hauptanziehungspunkt bildete dann abends das Inhalt reiche Festspiel „Jahn im O l hmp" von Gustav Heim. Later Jahn sieht vom Olhmp die wackere Turnerschar in Gießen
und freut sich, daß das herrliche Ziel seines Lebens, Deutschlands Einheit, errungen ist. Ein Grieche rühmt sein Volk als das beste, da cs in Kunst und Wissenschaft das höchste geleistet wu*. In hvohlgclungenen lebenden Bildern zeigt er die Werke der Bud- Hauerkunst. Der Romer hält sein Volk für das erste, da es das stärkste sei. Ein Schwertkampf der Gladiatoren wird auf der Bühne vcrgeführt. Der Cheruskerfürst zeigt in dem Bilde „xu Schlacht im Tcutoburgerlvald", wie Roms Stärke dem Anprall der Germanen unterlag. Seinem Volk gehöre die Krone. Vater Jahn zeigt dann in mehreren Bildern, Reigen und turnerischen Hebungen, daß das deutsche Volk weiter arbeite an der Bildung des Körpers und Geistes. Es waren schöne Gruppen, die sich entwickelten: Stabreigen der Knaben, Keulenschwingen der ?!>rauen- abteilungen, Kürübungen tun Reck. Da gestehen Grieche und Römer, daß dem deutschen Volke der höchste Preis gebühre, xen Schluß deS Festspiels bildet die Huldigung an Germania. Laug- anhaltender Beifall folgte dem Festspiel, der zugleich ein Lohn für die mühevolle Arbeit der Leiter des Spiels und für die Mitwirkenden war. Auch Leiterpyramiden wurden noch ausgeführt. Den übrigen Teil des Abends füllte das Konzert der Kapelle des Kaiser Wilhelm-Regiments unter Leitung des Ober- muslkmeisters Löber aus. Besonders erwähnt sei noch die „Bayrische Bierholle", in der es fortgesetzt sehr lebhaft ^uging. Gute Geschäfte haben auch die Berg- und Talbahn, Krnematograph, „Das verzauberte Schloß", die Waffelbäckerei und die übrigen Schaubuden und Stände gemacht. Die Elektrische hatte wiederum viel zu tun, um die Festgäste in die Stadt zurückzubringen.
Gerichtssaal.
* Gießen, 11. Juni. Das Standgericht des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm verhandelte in seiner heutigen Sitzung gegen 2 Musketiere der 12. Kompagnie. Sie hatten sich wegen unerlaubter Entfernung und Uebertretungl zu verantworten. Die Angeklagten waren am 24. April, als das Regiment auf dem Truppenübungsplatz Darmstadt war, ohne Urlaub nach Griesheim gegangen. Nachdem sic dort verschiedene Wirtschaften besucht hatten, begaben sie sich singend aus den Heimweg. Die Angeklagten und noch einige Soldaten vom Regiment wurden wegen des lauten Singens vom Gendarm angehalten und nach dem Namen gefragt. Während die übrigen Leute ihre richtigen Namen nannten, gaben beide Angeklagte einen falsckum Namen an. Am anderen Tage wurden dann mit Hilfe der übrigen angehaltenen Leute die richtigen Namen ermittelt und gegen sämtliche Leute Anzeige wegen ruhestörenden Lärms erstattet. Die Angeklagten, die bis zum letzten Augenblick ihr Vergehen leugneten, gaben nachher zu, daß sie dabei gewesen sein könnten,wollen sich jedoch dessen nicht mehr genau erinnern. Durch die eidlichen Aussagen der Zeugen wurde erwiesen, daß die Angeklagten die beiden Leute der 12. Kompagnie waren, die in Griesheim vom Gendarm an- gehalten worden waren. Der Vertreter der Anklage, Leutnant Moeller, beantragte, jeden Angeklagten wegen unerlaubter Entfernung zu 5 Tagen strengen Arrest und wegen der Übertretung nach § 360 Ziff. 8 und 11 R. St. G. B. zu je 3 Mark Geldstrafe, eventuell je 2 Tagen Haft zu verurteilen. Das Gericht, das die Angeklagten von der Anklage der unerlaubten Entfernung frei- sprach, da den genannten nicht bekannt gegeben war, daß es verboten ‘mar, ohne Urlaub nach Griesheim zu gehen, erkannte wegen der Uebertrctung nach § 360 Ziff. 8 und 11 R. St. G. B. auf eine Geldstrafe von zwanzig Mark, eventuell 14 Tage Hast gegen jeben 'Sngeflagten. Das Urteil wurde sofort angenommen.
rnt. Darmstadt, 12. Juni. Das Schwurgericht verhandelte gestern gegen den 32 Jahre alten Landbrieftr ä g er Martin Born aus Dudenhofen wegen Verbrechens im Amt. Er ist bisher unbestraft, verheiratet und lebt in geordneten Verhältnissen, wenn er durch den Neubau eines Hauses auch etwas in Geldnot war. Er ist beschuldigt, einen Geldbetrag von etwa 40 Mark, der ihm zur Einzahlung auf der Post anvertraut war, erst auf wiederholte Mahnung abgeliefert zu haben und soll weiter 2 Postnachnahmen, die er einkassiert hatte, nicht rechtzeitig dem Postverwalter ausgehändigt haben. Den einen Betrag bestreitet er von dem Schuldner empfangen zu haben. Weiter unterschlug er
einen Mahnbrief <£a den Schuldner, während er in dem zwecken Falle die Nachmahmequittung fälschte. Bis auf den von ihm bestrittenen Fall sind die Beträge ersetzt. Born toirb mit 7 Monaten Gefängnis bestraft.
Handel.
ss Marburg, 12. Juni, lieber das Vermöge»: der Firma M. A. Strauß ist das K o n k n r s v e r s a h r e n eröffnet worden. Die Verschuldung soll 810 000 Pik. betragen. Dem Vernehmen nach werde»: verschiedene Geschäftsleute arg in Mitleidenschaft gezogen.
Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater.
Gvernhaur.
Montag, abends 77, Uhr: „Der Graf von Luxemburg." Dienstag, abends 7 Uhr: „Undine."
Schauspielhaus.
Montag: „Brand." Tie»:stag: „Die Räuber." Anfang jedes^ mal abends 7 Uhr.
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Geheinrrat Pros. Dr. S ch »v e»: i»: g e r, der ehemalige Leibarzt des Fürsten Bisnrarck, begeht an: 15. Juni seinen 60. Geburtstag.
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