Ausgabe 
13.6.1910 Zweites Blatt
 
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Nr. 135

Zweites Blatt

160. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

latik

1909

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DieGiehener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Krcisbhtft für den Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

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Montag 13. Jnni 1910

Rotationsdruck und Verlag der Vrühlfchen UniversttätS Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Vie Wetterdienststelle zu Siehen.

Der Abg. Köhler-Langsdorf hat folgenden An­trag bei der Zweiten Kammer der Landstände emgebracht: Die Wetterdienststelle bei dem landm. Institut der Lmwes- Universität zu Gießen hat seit ihrer Begründung durch den

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:bEH2. TeU-Adr^AnzeigerGießen.

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guf dem Gebiet der wissenschastlichen und praktischen Wetterkunde und Witterungsforschung hochverdienten Albert Veppler, und im Lauf ihrer Weiterführung durch dessen Bruder Wilhelm Veppler unausgesetzt mit den stärksten Wider- tänden im Staate zu kämpfen gehabt. Trotz der großen, in reiner Liebe zu ihrer Wissenschaft geleisteten persönlichen und materiellen Opfer der Brüder Veppler, und trotzdem fast der gesamte Landtag und die Landwirtschaftskammer stützend unb ordernd zu ihren Bestrebungen sich verhielten, ist cs noch immer nicht gelungen, die Wetterdienststelle zu Gießen in ihrem Bestand zu sichern und sie als ein anerkanntes Ctaatsinstitut zu bestätigen. Man kann, wenn man mit ehrlichen Worten es heraussagen will, .nicht anders sagen, als daß die Einflüsse von Darmstädter Seite diesem Institut vielfach als gegnerische sich erwiesen haben.

'Datum ist es als eine wenig erauickliche Tatsache zu ver­zeichnen, daß mit jedem mngen Jahr als ein ständiger Posten in den Budgetverhandlungen des Landtags und der Landwirtschasts- fammer die Frage nach der Sicherstellung und dem Ausba u der Wetterdienststelle bei dem laudwirt- s cha s t l i chcn Institut der Landesuniversität zu Gießen immer und immer wieder aufs neue auf­geworfen wird und aufgeworfen nxrbcn muß. Diesem un­leidlichen hinüber und Herüber gegenüber sollte endlich einmal Schluß gemacht unb das genannte Institut als budget­mäßiges Staatsinstitut anerkannt und bestätigt werden.

Dazu äußert sich eine Zuschrift desselben Abgeordneten fol­gendermaßen: , __

Wird der Wetterdienst eine offizielle amtliche Stelle, dann wird sicher doch auch amtlicherseits ganz anders als seither aus den Bezug der Wetterkarten hingewirkt werden, besonders für Bürgermeistereien und Schulen. Seither fehlte diese amtliche Empfehlung gänzlich. Die Aufschrift aber an den Tafeln der PostanstaltenFrankfurter Wetterdienst" wirkte dem Gießener (also hessischen und auch älteren) Wetterdienste nach Kräften entgegen, und als eine Reklame für den Frankfurter (also außer- hessischen, aber mit hessischem Gelde unterstützten, jedoch jüngeren) Wetterdienst.

Es würde nicht schwer fallen, allein im Großherzogtum Hessen 500 oder gar 1000 Wetterkartenbezieher zu erhalten. Dadurch schon würde der Staatsbeitrag in ganz be­deutendem Maße ermäßigt, oder bei gleichbleibendem Staatszuschuß in den nächsten Jahren ein ganz wesent­licher Ausbau des Dienstes herbeigeführt werden können.

Der Etat der hessischen Wetterdienststelle beim landw. Institut der Landesuniversität zu Gießen dürfte folgende Gestaltung annehmen:

25jährige Jubelfeier öes Männerturnvereins.

Gießen, 13. Juni.

Tie silberne Jubelfeier des Männerturnvereins, die in diesen! Tagen hier stattfand, nahm bis jetzt in allen Teilen einen schönen Verlaus, besonders auch die

Festfeier am Samstag.

Um 71/2 Uhr abends versammelten sich die Mitglieder des! Männer turn Vereins, um im Festzuge von Oswalds» garten aus zum Festplatz zu marschieren. Nack der Ankunft des Festzuges entwickelte sich auf dem Festplatze ein fröhliches Treiben. Am Nachmittag hatte man zuvor der verstorbenen Mitglreder des Vereins durch Schmückung der Gräber gedacht.

Den Festkommers eröffnete der 1. Vorsitzende Rechts- anwalt Kaufmann mit einer kurzen Ansprache, in der er den Vertretern der Regierung, des Gerichts, der Stadt, des Turnkreises, des Gaues Hessen, den Vertretern der Vereine füv ihre mühevolle Arbeit in den Festausschüssen, sowie allen Er­schienenen für ihre Anwesenheit herzlichen Tank aussprach. Weiter wieS er auf die Bedeutung des Turnens in der Pflege für Körper und Geist, in der Stärkung der Wehrmacht und Vaters landsliebe; er schloß seine Ansprache mit einem dreifachen Gut Heil auf Kaiser und Großherzog. Ter 2. Vorsitzende, Lehrer Kling, wies in seiner Festrede zuerst darauf bin, wie all­mählich stach dem 30 jährigen Kriege das deutsche VolksbewuUsein erloschen war. Erft in den Zeiten tiefster Erniedrigung enoachte wieder der deutsche BolkSgeift und mit ihm erstanden Männer zum Führen und Lenken des deutschen Volkswillens. Keiner aber hatte tiefer hineingeschaut in das Elend des deutschen Volkstums damaliger Zeit als Friedr. Ludwig Jahn, der das deutsckie Turnen als VolSerziehungsmittel erkannt halte. Redner erinnert daran, wie sich dieses Turnen rasch ausbreitete und wie auch schon 1846 in Gießen ein Turnverein ins Leben trat, dem bann 1885 bet iOränncr-Tumverein folgte. Er gedachte kurz der Gründung dieses Vereins, dessen turnerischer Tätigkeit und Erfolge und gab dem Wunsche Ausdruck, daß der Jubelverein sich weiter entwickeln möge zu einem immer kräftigeren Zweige der deutschen Turnerschaft. Dann wies Redner noch auf den Zweck des heutigen Turnens hin und forderte auf, das beutfdx' Turnen zu fordern und zu unterstützen zum .Wohle des eigenen Gedeihens und zum Schutze des Vater­landes. Mit einem jubelnd angenommenen Gut Heil auf das deutsche Vaterland schloß der Redner unter großem Beifall.

Nach dem gemeinsamen LiedDeutschland, Deutschland über alles" zeigten 16 Turnerinnen hübsche Stabübungen nach Musik. Nach einem Prolog, gesprochen durch ^Fräulein Haas, weihte der 1. Kreisvertreter Landesturninspektor Schulrat Schmuck die neue Fahne und dankte für die Einladung der Kreisvertretung, wobei er hervorhob, daß der Männerturnverein jederzeit seine Schuldig­keit getan habe und sich der größten Wertschätzung im Kreis erfreue. Vor 25 Jahren habe er beim Männerturnverein die Ehre gehabt, ebenfalls den Weihspruck) zu sprechen. Sein Weihe- spruch zu der neuen Fahne laute:Tem Vaterlande unsere Kraft." Die Turnkunst, die früher verlacht, verhöhnt und verspottet war, um ne sei jetzt ein Wettlauf. Das Turnen ist Gemeingut des deutschen Volkes, ohne Unterschied des Staiides. Er bebaute des­halb die Kluft im Turnen, die durch die konfessionellen unb politischen Turnvereine geschaffen fei. Seine Weiherede schloß mrt einem dreifachen Gut Heil auf den Männerturnverein. Ter Vorsitzende übernahm die geweihte Fahne als ein Geschenk ter Frauen und Jungfrauen des Männerturnvereins zur Pflege edlen Gemeinsinns, echten deutschen Geistes und echter Vater­landsliebe. 'Ter Fahnenträger übernahm die Fahne, Treue ge­lobend, mit einem Gut Heil auf die Spenderinnen. Gauvertreter Helm dankte für die Einladung des Gauausschusses unb schloß sich den Worten des Kreisvertreters Schmuck an, indem er dem Männerturnverein wünschte, daß er das sich vorgetzeckte Zstl

Wähler zu versenden.

Bon den anwesenden Bündlern wurden die Ausführungen Wit außerordentlichem Beifall ausgenommen. Rach einer kurzen Pause sprach, ebenfalls unter lebhaftem Beifall des Bundes per Landwirte, Landtagsabgeorbneter S ch rem v s-S t u t t g a r t für die Kandidatur von Helmolt. Der Redner unterstrich nochmals vieles von dem, was der Vorredner bereits gesagt hatte. Er be­dauerte auch die Trennung des Bundes und der Nationalliberalen aufs tiefste. Wer das Wort geprägt habe: ,,Vcm Ballermann bi-s Bebel", habe ein böses .Kuckucksei ins politische Rest gelegt. Er habe stets die hohe Bedeutung anerkannt, die gemäßigter Nationalliberalismus, eut Nationalliberalismus im Sinne der Freiheitskriege, gehabt -habe und auch behalten solle. Schars wendet sich der Redner gegen den neuen hannoverschen Baue r n - bund, dessen Agitatoren hier im Wahlkreis für die National- liberalen eintreten. Es sei ein Zersplitterungsbund, der leine großen Sprünge machen könne und nur der Sozialdemokratie iw Wahlkreise vorarbeite. Wenn der Bund der Landwirte die Landwirtschaft habe, so müsse das günstig wirken auf alle anderen Berufsstände. Der Redner wendet sich scharf gegen den Vorwurf beS Brot- und Fleischwuchers unb kommt auch nochmals aus­führlich auf die Reichsfinanzreform zu sprechen. Der Bunb ber Landwirte fei auch deshalb gegen die Erbanfallsteuer geweien, weil sie sicherlich in nächster Zeit weiter nach abwärts aus- gebaut worben Iroärc. Für die Sozialdemokratie sei bas sogar aus taktischen Grünben ein sehnlicher Wunsch.

Wenn schon währenb der Schrempfschen Rede ab unb zu Tumultszenen den ruhigen Verlauf der Versammlung Nörten, so kam es erst in der Aussprache zu noch stürmischeren Austritten und leiber aufbeibenSeitennochzueinigenschweren persönlichen Beleidigungen. Es war nur der Um­sicht unb ber Ruhe des Versammlungsleiters, Landwirts Hensel- Dortelweil, zu verdanken, daß es beiderseits zu bedauerlicheren Ausschreitungen nicht weiter gekommen ist.

Für die Kandidatur van (Satter sprach zunächst unter demon­strativem Beifall der Anhänger van Calkers und unter lautem Protest der Bünbler, Generalsekretär Dr. Hugo, ber von seinem Standpunkt aus das Verhalten der nationalliberalen Partei in ber Reichsfüianzreform rechtfertigte unb den beinahe demagogischen Inhalt eines Flugblattes des Bundes der Landwirte als An- .gehöriger einer bürgerlichen Partei tief bedauert. .

Für die fortschrittliche Volkspartei sprach ^emmarlehrer Leuchtgens, zunächst persönliche, ihm von bündlerischer Seite 'durch Prosessor Gebhardt und Landtagsabgeordneten Brei­denbach gewordene Beleidigungen energisch zurückweisend. Der letzterer hatte gerufen:Da kommt die freisinnige Leuchte! 'Der Redner bedauert es, daß int Wahlkampf und besonders von derNeuen Tageszeitung" so zahlreiche Angriffe gegen den Lehrer- stand erhoben worden wären, da dadurch die Autorität der Lehrer auf dem Lande untergraben würde. .

Das Schlußwort hatte Abg. Schrenips, der die Kandidatur Dr. von Helmolt empfahl.

Angesichts dieser für die Staatsla-sse so günstigen Aus­sichten beantrage ich:

Die verehrliche Zweite Kammer wolle beschließen, die Groß- herzvguche Regierung zu ersuchen, die Wetterdienst stelle bet dem landw. Institut der Landesuniversität zuGießenalseinStaatsinstitutanzuerkennen, ihren Bestand zu sichern, ihren Ausbau zu för­dern und ihren Etat endgültig in den Haupt - voranschlag des Grobherzogtums einzureihen.

Aus dem Wahlkampf in zriedberg-vüdingen.

x Firiedberg, 12. Juni.

Heute war der Wahlkampf noch einmal auf der ganzen Linie entbrannt; alle Parteien haben noch einmal die gesamten zur Verfügung stehenben Kräfte zur Agitation entsandt, besonbers die n.ativnalliberale Partei, bie nicht weniger als 14 Versammlungen abhielt. Professor van Calker besuchte mit einigen politischen Freunben mit Automobil allein sechs Ort­schaften (Wisselsheim, Steinfurth, Münzenberg, Fauerbach v. b. H., Langenhain-Ziegenberg, Ober-Roßbach, Robheim v. b. fe.'i unb stellte sich in kurzer 20minutiger Ansprache nochmals ben Wählern vor, babei, wie immer, vornehm-sachlich unb ohne Ge­hässigkeit gegen ben Gegner. Die beiden anderen Parteien ton» zentrierten ihre Tätigkeit am Nvchmittag mehr auf Fried­berg, wo zwei. größere politische Kundgebungen stattfanden, eine sozialdemokratische im Saalbau und eine bündlerische Ver­sammlung im Hotel Trapp. Die heißeste unb erbittertste Schlacht im ganzen Wahlkampfe würbe heute nachmittag von 48 Uhr im Hotel Trapp geschlagen, wolftn ber Bunb ber Lanbwirte zu einer öffentlichen Wählerversammlung cingdabcit hatte. Runb 8 00 Menschen füllten ben Saal unb bie anliegenbcn Räumlich­keiten bis zum letzten Platz, vor ben Türen unb im Treppenbau «mußten iwch viele Zuhörer stehen bleiben. Zwei Drittel ber Anwesenben, bie ben Derberen Teil bes Saales belegt hatten, waren Bünbler, bie sich aus allen Bezirken bes Wahlkreises eingefunben hatten. Die Nationalliberalen unb Freisinnigen nahmen bas hintere Drittel bes Raumes ein. Zunächst entwickelte Dr. von H e l m o 11, oft von stürmischen Beifallskundgebungen ber Bünbler ober von Zwischenrufen ber Anhänger ber Kanbibatur van Ealker unterbrochen, bas Programm bes Bunbes ber Lanb­wirte. Der noch jugenbliche Kanbibat sprach begeistert, babei aber sachlich blcibcnb unb jegliche Polemik öermeibenb; seine Aus­führungen waren vom Ernst ber Ueberzcugung für feine Sache getragen Der Rebner führte aus, baß es zum erstenmal nicht möglich sei, seit Grünbung bes Bunbes ber Lanbwirte in Frieb- berg-Bübingen mit ben Nationalliberalen zusammcnrugehcn. Die Schuld träfe die nationalliberale Partei, der Bund der Landwirte hätte sich gerne mit ihr auf die Kanbibatur bes Dr. Becker- Sprenblingen geeinigt. Eingehenb erörterte Dr. von Helmolt bie Stellungnahme des Bundes zur Reichsfinanzreform, ins­besondere zur Erbanfallsteuer, die ihrem Wesen nach gleich der Nachlaßsteuer sei, gegen die doch die Nationalliberalen selbst auch noch gewesen luären. Der Redner bebauert es, baß in biejer Frage, bie nach bem Heibelberger Programm boch wirtschaftlicher Art sei, bie Nationalliberalen Fraktionszwang ausgeübt unb so ben Austritt verdienter Männer aus ber Partei veranlaßt haben. Der Bund ber Lanbwirte habe einen solchen Zwang nicht aus- gjciibt, mehrere seiner Mitglieber hätten so für bie Erbanfall- struer stimmen können. Der Rcbner erklärt sich nach wie vor als Wegner ber Erbanfallsteuer, bie auf Ehegatten unb Kinder ausgedehnt würde, da sie überhaupt keine allgemeine Besitzsteuer sei; weite Teile des Besitzes würden von ihr überhaupt gar nicht betroffen, wie der Fiskus, bie Gemeinden und die Aktiengesell­schaften. Gegen die Erbanfallsteuer sprächen auch noch eine ganze Reihe von Gesichtspunkten, die ber Redner in längeren Aus­führungen von seinem Standpunkt aus zu begründen suchte. Die Klause/, daß Schenkungen von einer Besteuerung ausgc- schlosjen wären, ermögliche es, die Erbanfallsteuer zu umgehen. Beim Grundbesitz seien Schenkungen aber nicht in dem Maße möglich wie beim mobilen Kapital, es wäre da immer erst eine umständliche Ueberschreibung nötig, deren Kosten an sich schon Steuer genug seien. Der Redner wendet sich noch gegen den Vorwurf, der Bund der Landwirte würde einseitig die Interessen ber Ostelbier vertreten, er persönlich sei nicht konser­vativ, er würbe sich im Falle seiner Wahl überhaupt fernen Partei verschreiben, bas Vaterland stünde ihm über der Partei. Er sei im Wahlkreis überall als Mann, der für die Interessen des Landwirts unb bes kleinen Hanbwerkcrs eintrete, schon ge- nügcilb bekannt unb habe es beStzilb nicht nötig, rote Professor van Ealker in einem Ausruf ferne Photographie an btc einzelnen

eryalten soll. Vom Wasserschloß aus werben 2 Druckrohre schmiedeeiserne Rohre von je 350 m Länge und 800 mm Durchmesser sur Turbinenanlaae des Krasuverles

Ms Bauplatz für bas .Krafthaus ist eine Stelle am Orts» ausgange von Lißberg in der Richtung uach Hirzcuhcmi in Aussicht genommen Dais Gebäude selbst ist breiteuig vorgesehen/ In bem Mittelbau sollen die Wasser- und Dampfturbinen mit ihren ötencratoren Aufstellung finden. Der Raum ist so bemessen, baß darin 2300 PS "istalliert werben können unb zwar 2 x 640 -V 320 --- 1600 PSTlßaffa:* iurbinen und eine Dampfturbine von rb. 700 PS Leistung. Den östlichen Flügel nehmen bie Schalteiurichtungen, die Transformatoren unb Attumulatoren unb bie Nebenräume ein unb in bem Westflügcl ist ber Kessel samt Zubelför für bie Dampfturbine untergebracht, lieber dem Turbinenraium1 tonnen 2 Wohnungen für das Betriebspersonal hcrgestellt werden. . .. . .

Von dem Kraftwerk, dem Sitz der Energie aus, findet die Stromverteilung statt. In dem Projekt sind alle Lei­tungen und Zubehörteile vorgesehen, die zur Zufülirimg' der Elektrizität bis zu den Zählern in den anzuschließenden Gebäuden unb zur Straßenbeleuchtung notlvenbig sind. Die Leitungsanlage zerfällt in bie Hochspannungsleitungen Mrd in bie Orts- und Anschlußleitungen. Tie vorgesehenen 5 Hoche spannungsleitungen sind für 15 000 Bolt Betriebsspannung vorgesehen unb burchwcg als Freileitungen projektiert. Der Verlauf berselben ist so gedacht, baß bie Linie I im Nidder­tal über Hirzenhain unb Merkenfritz bis Gedern und Ober- Seemen geht. Die Linie II führt im Hillersbachtal nach Schotten und Ulfa. Die Linie III führt über Mdda nach Hungen unb verzweigt dort einerseits nach Lich, anderseits nach Laubach und Grünberg. Die Linie IV dient zur Ver­sorgung der Wetterau. An sie sind unter anderem die Gemeinden Ranstadt, Stammheim, Nieder-Florstadt, Ech­zell, Wettenay, Dorheim, Friedberg usw. angeschlossen. Die Linie V geht über Ortenberg nach Helters und verzweigt sich nach Altenstadt und Düdelsheim.

Damit die elektrische Beleuchtung Aussicht^auf allge­meine Anwendung besitzt, will man mit dem Strompreis für Lichtzwecke bis au) 40 Pfg. pro Kilowattstunde her- untergehen. Diesen Grundpreis haben auch eine Reihe anderer Ueberland-Zentralen eingeführt oder vorgesehen. Für das RI)einhessische Elektrizitätswerk ist z. B. ebenfalls- ein Lichttarif von 40 Pfg. vorgesel)en.

Für die Stromabgabe zu KraftMecken wird mit einem Durchschnittspreis von 20 Pfg. pro Kilowattstunde ge­rechnet. Dies bedeutet einen Grundpreis von 25 Pfg., auf den angemessene Rabatte gegeben werden. Sv muß die elektrische Energie für Dreschzwecke billig geliefert werden, damit der Uebergang vom Dampfbetrieb zum elektromoto­rischen Betrieb herbeigeführt wird. Das Gleiche gilt für Pflugzwecke. Auch den regelmäßig mit Maschinen arbeiten­den mittleren und kleineren geiverbtichen Betrieben soll der Kraftstrom zu einem billigen Preis geliefert werden, bamit auch für sie der elektromotorische Betrieb finanziell vorteilhaft ist.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesien

Llektrtzitäkwerr Lihberg.

Zur Nutzbarmachung der Wasserschätze Oberhessens durch die Organe der Selbstverwaltung, d. s. Provinz, Kreise und Gemeinden, sind in erster Linie zwei Unternehmungen in Aussicht genommen: DaS Wasserwerk Inheiden unb das Elektrizitätswerk Lißberg. Inheiden soll 1911 in Betrieb gesetzt werden, Lißberg kann noch in diesem Jahre begonnen werden.

Ungefähr gleichzeitig mit den Bestrebungen, einen großen Teil der Provinz Oberhessen durch ein Gruppenwafserwerk mit Trinkwasser ^u versorgen, entstand der Gedanke, eine elektrische Zentrale in der Provinz zu errichten, um zahl­reichen Gemeinden elektrisches Licht und elektrische .Kraft zu verschaffen. Durch Vereinigutm der Wasserkräfte der Nidder unb des bei Lißberg in die Nidder münbeuben Hillers» bachs gedachte man die erforderliche Menge von Elektrizität zu gewinnen. Es fand im Jahre 1906 eine generelle Vor­prüfung statt, die seststellle, daß das Projekt einer elektrischen Zentrale bei Lißberg ausführbar sei.

Das inzwischen ausgestellte und ben in der nächsten Woche stattfindenben Provinzialtag beschäfligenbe Projekt sieht einen Abnehmerkreis von 63 Orten mit 50000 Ein- lvohnern vor. Zu einer Ueberlanb^entralen in dem gedachten Umfange gehört ein Kraftloerk, das in den ersten Jahren ca. 1,1 Millionen .Kilowattstunden erzeugen kann unb dessen Leistungsfähigkeit sich nach einigen Jahren aus das Doppelte, also auf etwa 2 Millionen Kilowattstunden pro Jahr steigern läßt. Für dieses Kraftwerk steht die Wasserkraft der Nidder und des Hlllersback)s bei Lißberg mit 63 m Gefalle und eine Reservedampfkraft zur Verfügung. Der Ausbau der Wasserkraft der Nidder und bes Hillersbachs ist so ge- dachr, baß am Sägewerke Margarethental in ber SHbber ein Wehr unb ein Srauweiher angelegt werden, von benen aus eine schmiebeeiserne Rohrleitung von etwa 3,3 Kilometer Länge und 1200 mm Durchmesser zu einem Wasserschloß führen, das in einer Höhe von 63 m über der Turbinenanlage liegt. In das Wasserschloß mündet auch der Hillersbach, unb zwar ebenfalls geführt in einer schmiedeeisernen Rohrlei­tung, deren Länge sich auf 2,9 Kilometer und deren Durch­messer sich auf 700 mm beläuft. Tie Rohrleitung beginnt in einem Stauweiher im Hillersbachtal, der ebenso w-re Iber Mdder-Skruwecher einen Aasserinhalt arm 50OCX) cbm

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Erforderlicher Staatsznschnß: 1201 Wie oben: 2596 'Mk.