Ausgabe 
13.4.1910 Erstes Blatt
 
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GericLnsdcral.

Karl May als Kläger.

C h ar l o 11 e n bur g, 12. April.

Der Reiseschriftstelleu Karl May stand heute vor dem Schöffengericht feinem alten Gegner, dein Führer der Gelben Gewerkschaften" LebiuL- als Privatkläger gegen­über. Mit Lebius war sein Rechtsbeistand Rechreaiuoalt

Kiel, 12. Avril. Tas Schöffengericht verurteilte bcn. Vorsitzenden de? Gewerkfchafts - Kartells wegen Deranstalluna eines polizeilich nicht genehmigten Auszuges uni einer öffentlichen Versammlung unter freiem pimmci ui einer Geldstrafe von 60 Mk. In A l t o u a wurde der Leiter eines nicht genehmigten Auszuges zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Ausland.

Der russische Unterrichtsminister brachte bei der Duma eine Gesetzesvorlage ein, durch die Frauen, die in Ruß­land oder im Ausland H o ch s ch u l e n ab s o 1 v rer t haben, das Recht erteilt wird, ein Universitätsexamen ab- zulegcn, Las ihnen die gleichen Rechte für eine gelehrte unterrichtliche Tätigkeit einrüumt wie den männlichen Kan­didaten. Der russische Minister der öffentlichen Arbeiten brachte eine Gesetzesvorlage ein, für den Bau einer Eisenbahn aus dem linken Newaufer zum Anschluß der finnischen Bahnen an das Reichsnetz einen Kredit von 1 717 200 Rubeln zu gewähren.

Zwischen Täbris und D s ch u l f a eine Strecke von 125 Werst wurde der Autoomnibu sverkehr er- öffnet. ______________

Vcrfimjduc».

* Eine schreckliche Nacht muß eine junge Dame durch' geniacht haben, die halbtot zwischen den Klippen am strande des Meeres in der Nähe von St. D o na t gefunden wurde, neben der Leiche eines jungen Herrn, mit dem sie am Abend einen Spazier­gang unternahm und der, soweit bisher festgestellt weroen konnte, ihr Verlobter ,var. Die beiden benutzten einen Fußweg, der ab lehr gefährlich bekannt ist und der in der Dunkelheit niemals be­treten werden sollte. Man kam so zu dicht nn den Rand dc> Klippen heran und plötzlich rutschte der junge Mann aus. G" Kallen hielt er sich unglücklicherweise nn dem langen Mädchen nd riß cs mit sich in die Tiese. Beide stürzte>l über 60 Fuv hinunter. Der junge Mann hatte furchtbare Verletzungen erlitten und starb nach ungefähr einer Stunde. TaS junge Mädchen hat schwere innere Verletzungen davongetragen; es hatte unter andeiei mehrere Rippen, beide Beine und einen Arm gebrochen, wq sie hilflos in einiger Entfernung von ihren^Begleiter ohne M rühren zu können; sie mußte das schreckliche Stöhnen und Rocheil des Schwerverletzten anhören, bis er seinen Geist an'gab. Als geflindei'. ivnrde, lebte sie noch und man hat sie sofort "l oao nächste Krankelihaus gebracht, aber es wirb befurchtet, daß sie zu retten ist.

Deutsches Reich.

Die sächsische zweite Kammer verhandelte am Diens­tag über die sozialdemokratische Anfrage betreffend die plötzliche Entlassung von 13 Eisenbahn-Werkstättenar- beitem in Chemnitz wegen Teilnahme an einer öffentlichen Versammlung. Staatsminister Dr. v. Rueger führte in der Beantwortung etwa folgendes aus: Die Eisenbahnverwaltung könne den Beitritt der Cisenbahnarbeiter zum deutschen Trans- vortarbeiterverband keinesfalls dulden. Die Regierung erließ eine Verordming, wonach die einzelnen 'Dienststellen angewiesen wurden, Reden und Agitation unter den Eisenbahnarbeitern für den deut­schen Transportarbeiter-Derband zu verhindern. Das Endziel des Verbandes gehe darauf hinaus, auf dem Wege der Streiks weit­gehende Forderungen von der Eisenbahnverwaltung zu erzwingen. Vor dem Unheil eines Eisenbahnarbeiterstreiks müsse das Volk unbedingt bewahrt bleiben. Die Eisenbahnarbeiter ständen nicht unter der Gewerbeordnung. Es stehe ihnen ein unbeschränktes Koalitionsrecht nicht zu. Die Entlassung sei auf Grund des Dis- ziplinargesetzes erfolgt. Das Msziplinargesetz werde von dem Reichsvereinsgesetz nicht aufgehoben. Die betreffenden Arbeiter hätten sich ihre Entlassung selbst zuzuschreiben. Auch die Ver­anstalter solcher Versammlungen lüden eine schwere Verant­wortung auf sich, wenn sie wüßten, daß die Arbeiter, die ihrem Rate folgten, sich schweren wirtschaftlichen Nachteilen aussetzten.

Im elsässischen Landesausschuß wurde am Drens- ,-tag zunächst die Militäranwärterfrage behandelt. Sodann er­hielt Dr. Pfleger (Zentrum) das Wort und erhob siun zweiten Male den Borwurf, daß im Prozeß Gneiße-Wetterle ein Tendenzurteil gefällt worden sei. Wenn der Unter­staatssekretär 'Dr. Petri diese Behauptung als eine unerhörte Beleidigung der Colmarer Strafkammer aus Grund der im Dis- ziplinar-Untersuckwngsverfahren abgegebenen Zeugenaussagen zu- rückgewiesen habe, so könne er, Dr. Pfleger, nur sagen, der Unterstaatssekretär habe nur die günstigen Stellen der Zeugen- oussagen zusammengestellt, bagegen die beleidigenden ausgelanen. Er beantrage die Verlesung einer weiteren Reihe von Zeugen­aussagen oder die Untersuchung durch einen Ausschuß, xer Unterstaatssekretär wies diese unerhörten Verdächtigungen zurück und erklärte, daß durch den Antrag eine völlige Ver­lesung der Untersuchungsatten notwendig iverde. , Liefe L e r - I e ) u n g wurde dann über zwei Stunden lang bei s a st leerem .Hause und unter vollständiger Unaufmerksamkeit vor- genommen, konnte aber noch nicht zu Ende geführt und wird Mittwoch fortgesetzt werden. Ans Grund dieser Verlesung follen dann die Abgeordneten ein Urteil über die Parteilichkeit oder die Unparteilichkeit der Colmarer Richter fällen.

Ans StaSt uiifc CanO.

Gießen, 13. April 1910.

** 3um Kaiser b esuch. Wie uns ein Privattele- grainm aus Homburg v. d. H. berichtet, werden voraus- sichtlicki im Gefolge des Kaisers bei der Fahrt nach Gießen sein: Die Generaladjutanten General Oberst v. P l e s s e n, Gcneralkapitän v. Scholl, General Frhr. v. Lynker, Generalmajor L la suite v. Lauen st ein, Flügeladjutant Graf v. W e d e 1 und der Leibarzt Dr. N i e s n e r. Das Gr. Polizeiamt veröffentlicht in oec yeurigen Nummer 2 Bekannt­machungen, in denen die näheren Anordnungen über die Absperrung des Trieb und die Regelung des Verkehrs ge­troffen sind. Wir empfehlen dem Publikum im allgemeinen Interesse die genaueste Beachtung dieser Bestimmungen Die Has sinder eine Gießens erlassen heute eine Auf­forderung an ihre Mitglieder, sich der Ausstellung der Vereine auf dem Trieb zur Begrüßung des Kaisers an­zuschließen.

" Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde am 8. April d. I. dem Lehrer P. Huth zu Leidhecken eine Lehrerstelle an der Geineindeschule zu Berstadt; dem Lehrer G. H. Seibert zu Eick)enrod eine Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Hain-Gründ-au; dem Schulamtsaspiranten Hch. Dern aus Rockenberg eine Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Nieder-Ohmen; dem Schulamtsaspiran­tinnen Kath. Fischer aus Gernsheim und Anna Weil aus Finthen je eine Lehrerinstelle an der kath. Schule .zu Gernsheim. Erledigt sind: Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemerndeschule zu Jügesheim, die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gerneindeschule zu Reichelsheim im Odenwald (dem Grafen zu Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu), die mit einem evang. Lehrer zu be- fetzeirde Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dir­lammen (mit der Stelle ist Organisten- und Lektordtenst

eines hiesigen Buchhalters trank in einem Anfall von Schwer­mut Lysol und verschied nach kurzer Zeit. Sie lebte mit ihrem IDianne in glücklicher Ehe und hinterläßt zwei Kinder, von denen das jüngste erst einige Wlonate alt ist.

Wetzlar, 12. April. Die Aufnahmearbeiten der Geologischen Landesanstalt rrn Kreise Wetzlar und den angrenzenden Teilen der Provinz Hessen-Nassau haben sich un letzten Sommer in der Hauptsache in dem Gebiete nördlich und südlich der Lahn z w i s chen W e tzl a r nnd We i l b ur a bewegt. Von den hierbei inbetracht kommenden Blättern i|t das Meßtisch­blatt Braunfels fertiggestellt, während die Blätter Merenberg und Weilburg im Laufe des nächsten Sommers druckbereit vor­liegen werden. Damit wird dieser tocaen seines Eisenerzreichtums wichtige Teil des Lahngebietes geologisch fertig ausgenommen sem.

[j Marburg, 12. April. Der Kurhesfischc Verein für Luftschiffahrt wird Ende dieses Monats mit seinen Ballonfahrten beginnen. Der Preis für die Fahrt beträgt bei drei Passagieren für jeden 100 Mk.

F r a n t f u r t a. M., 12. April. Zur Deckung eines etwaigen Fehlbetrags bei der am 5. Mai beginnenden Schlacht- und Mastviehausstellung genehmigte die heutige Stadt- verordnetenversarnrnlung die Bewilligung von 10000 Mark. Ern- stimmig angenommen wurde ferner ein Antrag, den Magistrat zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die Stadt F-ranljurt mit Rück­sicht auf die seit 1871 verfünffachte Einwohnerzahl eine stär­kere Vertretung im Abgeordnetenhause erhält. In der Idsteiner Straße wurde heute nachmittag der fünfjährige ftnabe Willy Volk von dem Automobil einer hiesigen Samenhandlung überfahren: den Knaben, dem sämtliche Rippen eingedrückt wurden, brachte man sterbend in das städtische Krankenhaus. .

w. Wiesbaden, 13.April. Tie Gräfin Kaiserlingk, geborene Gräfin Haeseler, eine Tante des Generalintendanten Grafen Hülsen-Haeseler, feiert heute ihren 101. Geburtstag.

Dr. Bredereck erschienen. Kai l May, ein mittelgroßer Herr mit angegrautem schwarzem Haar und sehr lebhaften Ma- nieten, war ohne Rechtsbeistand. Er fühlt sich beleidigt durch einen Brief des Privatbeklagten an die Kammersän­gerin Fräulein vom Scheidt in Weimar, in dem Lebius von May behauptet, dieser sei ein geborener Verbrecher. Der Brief tvird von dem Privat beklag ter: als echt aner­kannt. Rechtsanwalt Bredereck stellt it a. unter Be­weis, daß .Karl May megen schweren Einbruchs- ) iebstachls in einen Uhrenladen mit vier Jahren Kerker bestraft worden sei und daß er nad) seiner Entlassung aus dem Zuchthause eine regelrechte Räuberbande gebildet ijabe, die die erzge dir gisch en Wälder unsick)er machte. Weiter oll May seinerzeit den ihn suchenden Ncilitärpatrouillen nur dadurch entschlüpft sein, daß er in der Kleidung eines Gefangenenaufsehers seinen Spießgesellen Krieget durch die Postenkette ttansportierte,. daß dieser Krieget vier Jahre Festung und später 22v2 Jähre Zuchthaus abgesessen habe. May habe toegen dieser Räubereien vier Jahre Zuchthaus bekommen und abgebüßt. Andere Beweisanträge über die Dättgkeit Mays als literarischer Verbrecher behält sich Rechtsanwalt Bredereck vor, der schließlich beantragt, als^ Beweismaterial die Personalakten der Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt heranzuziehen. Vors. (zu May): Wollen Sie zugeben, daß Sie mehrfach besttaft sind? Karl May: Wenn das alles wahr wäre, würde ich nicht mehr leben, dann wäre noch der Revolver da. Der Privat­läger überreicht dem Vorsitzenden ein umfangreiches Schriftstück. Bors.: Darauf können wir uns unmöglich einlassen. Erkennen Sie an, daß, Sie (Strafen verbüßt! haben? May:, aber nick)t die, die mir hier vor- c eworfen werden. Ich bin nie Räuberhauptmann gewesen rnd habe nie eine Tabakspfeife gestohlen. Bors.: Was ur ©trafen haben Sie verbüßt? May: Ich habe darüber richts zu sagen, ich würde mir dadurch für einen späteren Prozeß Schaden zusügen. R.-A. Bredereck: May ist eine Persönlichkeit, von tiefgehendem Einfluß aus die deutsche Jugend, und da liegt ein öffentliches Interesse vor, daß die Vorwürfe des Beklagten nachgeprüst werden. Die ganze Oeffentlichkeit ist sich darüber klar, daß die Schundliteratur auf May zurückzuführen ist. May: Ich habe nur sechs Bücher für die Jugend geschrieben, sonst wende ick) mich nur an geistig rüstige Leute. Wenn ich einen Einfluß habe, .so ist er gut. Ich bin christus- und gottc§gläubig und erziehe meine Leser zum Glauben und zu einer idealen Lebens-, ührung. Eben weil ich besttaft worden bin, aber nicht wegen schlechter Handlungen. Jedock) kann ich darüber erst päter sprechen.

R.-A. Brederek: Der Privattläger hat sich zuerst nicht auf Glauben und Gottesfurcht geworfen und unsittliche Schriften geschrieben. Erst als er sah, daß mit der Tugend ein größeres Geschäft zu machen sei, hat er sie betätigt. Es ist bezeichnend, daß er katholischen Tendenzen huldigt, daß er sich von katholischen Zeitungen feiern läßt. Dabei ist er nie Katholik gewesen. Lebius bittet den Gerichts­hof bringenb, in der ganzen Sache Klarheit zu schaffen. May habe chn in Dresden bankerott gemacht. Jetzt sei May nach Berlin gekommen und bemühe sich, mit Hilfe desVorwärts" und der Sozialdemokratie ihn finanziell zu ruinieren. Er sei an dem Streit zwischen May und seiner ersten Frau insofern interessiert, als er, gewisser­maßen moralisch gezwungen, um der Frau in ihrer Not beizustehen, ihr ein Jahr lang eine monatliche Rente von 100 Mark gezahlt habe. ?M a y: Nicht einen Pfennig Rente hat er gezahlt, nur einmal 100 Mark. Dafür miß er jetzt 300 Mark heraus haben. Der Gerichtshof zieht sich hierauf zur Beratung zurück.

Nach Wieder er scheinen des Gerichtshofes verkündet der- Vor­sitzende, daß der Gerichtshof den Beklagten zu 15 Mark Geld­strafe verurteilt habe. Rechtsanwalt Brederek stellt fest, daß eine Beschlußfassung über seine Beweisanträge nicht erfolgt ei und daß er vor allen Dingen iwch nicht plädiert habe. Der Vorsitzende bemerft hierauf, daß das Urteil irrtümlich er­gangen sei und gibt Rechtsanwalt Brederek das Wort zum Plä­doyer. In diesnn bespttcht er noch einmal die Vorstrafen Karl Mays und erklätt, daß sich dieser, nachdem er aus dem Zucht­hause eittlassen lvar, der literarischen Tätigkeit zugcwandt habe. Aber auch hier sei er seiner Neigung zum Drebstahl und Ver- bredjen treu geblieben. Eine bekannte Zeitschrift (lieber den Wassern) bringe einen Artikel mit der UeberschriftEin litera­rischer Dieb", dessen Verfasser zum Sckstuß sage: Ich nenne Karl May ohrtc weiteres einen literarischen Dieb. Er ist in der Tat ein Abenteurer und Freibeuter auf schriststellerisd)em Gebiete. Eine Ueberschreitung des § 193 liege nicht vor, daher bitte er den Privatbeklagten freizusprechen.

Privatbeklagter Lebius: Auf eine Anfrage hat der Dres­dener Polizeipräsident der Redattion des Dresdener Adreßbuchs gegenüber Karl" May als Hochstapler und literarischen Ver- brecher charatterisiert. Vors. (zu May): Haben Sie itoch etwas zu sagen? Karl May: Id) könnte hier noch,em oder zwei Stunden sprechen, was mir zur Last gelegt wird, ist alles Lüge.

Der Gettchtshof zieht sich wieder zur Beratung zurück. 9tad) kurzer Zeit verkündet der Vorsitzende das Urteil dahin, daß der Privatbeklagte f r e i z u s v r e ch e n ser Dre Kosten des Ver­fahrens fallen dem Privatkläger zur Last. 'Dem Beklagten ilt der Schutz des § 193 zugebilligt worden. Eine lieberfcfncitung desselben hat das Gericht nicht als vorliegend angesehen, zumal der Kläger selbst zugegeben habe, daß er verschiedentllch vor­bestraft fei.

verbunden), die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu ©ungenau (mit >er Stelle ist Organisten-, Lettor- und Kmrtordienst ver­bunden, ihrem Inhaber kann eine Gehaltszulage bewilligt werden), die mit einem evang. Lehrjer zu besetzende Lehrer­telle an der Gemeindeschule zu Schlechten wegen (mit der Stelle ist ^Organisten- und Lettordienst verbmiden, ihrem Inhaber kann eine Ortszulage bewilligt werden.

* Städtisch er Landwirtschafts betrieb. Die Stadt hat an der Kläranlage im Herbst etwa 100 Bäume edler Obstsorten pflanzen lassen, die mit der Zeit gewiß reiche Erträge liefern werden. Ebenso ist das bisher brach liegende Gelände zwischen dem alten Wetzlarer Weg entlang der Lahn und der Eisenbahn in einen Kleeacker umgewandelt.

** Amtlicher Wetterdienst. Wie in früheren Jähren werden auch tvieder in diesem Sommer ab 1. Mai an sämtlichen Telegraphenanstalten Hessens täg- ich vormittags 11 Uhr Wettervoraussagen ange- chlagen. Auf Grund eines mit Preußen abgeschlossenen Vertrags übernimmt die Frankfurter Dienststelle wieder riese telegraphische Verbreitung, wobei täglich der Text der Voraussage tu Uebereinstimmung mit dem der Pro- nose des hessischen W e 11 e r d i e nst e s am landw. Jn- titut in Gießen gebracht wird. Nach wie vor aber legt der öffentliche Wetterdienst das Schwergewicht auf die Herausgabe von Wetterkarten, die beim nächsten Postamt oder direkt bei der Wetterdienststelle in Gießen abonniert werden können. Die Wetterkarten sind Landwirten, über­haupt allen Berufsarten, die von der Witterung abIjängen, owie Touristen zu empsehlen. Sie geben in Form einer Landkarte von Europa einen Ueberblick über die morgens 8 Uhr herrschende Witterung und enthalten nähere Nach­richten aus Deutschland und Hessen. Jedem, der eine ver- tändnisvolle Beurteilung der Witterung wünscht und not­wendig hat, sind die Karten von höchstem Interesse. Auch als Anschauungsmittel in Schulen beginnt man sie zu ver­wenden. Der Aushang der Wetterkarten an Bürgermeiste­reien, in Schulen, Hotels, Lesehallen u. a. Anstalten ist anzustreben.

Die städtischen Hochbauten, das Verwaltungs­gebäude für das Elektrizitätswerk und die Bauten für den neuen Schlachthof, sind im Rohbau fertig und werden jetzt im Innern ausgebaut. Die Maschmen für die Kühlanlage re. werden Anfang Mai hier anlangen und es soll bann sofort mit ihrer Montage begonnen werden.

"Vom Baugewerbe. Die 2lrbeiter und Unter­nehmer un Baugewerbe von Gießen und Umgegend halten heute hier Versammlungen ab, um zu dem bevorstehenden ftämpf im deutschen Baugewerbe Stellung zu nehmen. Die Arbeltnehmer tagen um 4 Uhr und die Arbeitgeber um !/26 Uhr. Hoffentlich führen die Verhandlungen 51t dem Er­gebnis, daß Gießen und Uingegend von dem schweren wirt­schaftlichen 51'ampf verschont bleibt.

** Die Betriebseinna.hme der Straßen­bahn bettug bis zum 1. April 43116.67 Mk., davon ent­fallen auf dre ersten drei Monate dieses Jahres 27116.67 und auf den V/3 Monat des Vorjahres 16 000 Mk.

** Ein mer kwurdig es Kraftfahrzeug, das gestern nachmittag vom Güterbahnhof über die Hamm- sttaße, Nord-Anlage, Steinstraße und Marburger Straße ich nad) Wieseck hin bewegte, .erregte bei den Passanten Aussehen. Auch die Pferde vor den Fuhrwerken wunderten sich über das Fahrzeug und scheuten vor ihm. Es handelte ich bei dem rasselnden Wagen um eine transportable Holzschneidern ckschine, die ein Dreschmaschmen- besitzer in Wieseck gekauft hat, um damit gegen Lohn ein­zelnen Besitzern auf ihren Höfen Holz klein zu machen.

? Ettingshausen, 12. April. Als heute vormittag 10 Uhr der Landwirt und Schmied H. Schon: der mit seinem auf dem letzten Pferdemarkt zu Gießen gekauften jungen Pferde Mist fuhr, scheute das Pferd auf ebener Chaussee zwischen der Kolbenmühle und dem Dorfe. Es lief Galopp und der Fuhrmann, der das feurige Tier nicht halten fonnic, aber auch nicht losließ, wurde ein Stuck rnitgeschielst. Er er­litt einen Schädelbruch.

[] AuS d er Schwalm, 12. April. In Willings­hausen, der bekannten Malerkolonie, wurde zu Ehren des Kunstmalers Ludwig Knaus in Berlin, der im vorigen Jahre den Kindern der ihm lieb gewordenen Gemeinde an­läßlich seines 80. Geburtstages 500 Mk. spendete, eine Ge­dächtnis linde gepflanzt und ein Schwälmer Fest damit verbunden.

w. Darmstadt, 12. April. Ti- 26jährige Frau

firgendwelche offizielle'Mitteilung'erhalten habe, derznfolge sie glauben könne, daß wertere Fahrzeuge vom Dreadnought-Typ in naher Zukunft von Oesterreich aus Stapel gelegt werden sollten.

Mae Kenna erwiderte: Er habe bereits erklärt, datz wir keine offizielle Mitteilung über den Bau österreichisch-ungarffcher Schlachtschiffe besitzen. Es würde nickt opportun fern, ans gründ nicht offizieller Mitteilungen eine Erklärung zur offiziellen Be­antwortung einer Anfrage im Unterhaus abzugeben.

Lord Beresford fragte hierauf, ob Mae Kenna wisse, da« diese Schiffe aus Stapel gelegt worden seien. _

Mae Kenna erwiderte: Wenn ,ch es wüsste, so wurde ich es nur durd) inoffizielle Mitteilungen wissen und es würde höchst inopportun sein, eine solche Mitteilung in einer offiziellen Ant­wort auf eine Anfrage weiterzugeben, denn dies würde höchst wahr­scheinlich die Quelle andeuten, aus der ich sie empfangen (Beifall bei den Ministeriellen).

In Beantwortung einer Ansrage erklärte Sir G>ward Grey: Wir haben die Mitteilung erhalten, daß eine Konzession für ine Finanzierung und den Bau einer BahnI>on Kin tschau nach A i g u n amerikanischen und englischen Firmen erteilt wor­den ist.

Die Unterdrückung der albanestschen Ausstander.

Konstantinopel, 12. April. 9Lach Depeschen des Kommandanten des 3. Korps unterwarfen sich neun Rcbellench ess bedingungslos; die übrigen wer­den sich heute unterwerfen. Dre Rebellen lieferten eine erbeutete Kanone und sieben gefangene Soldaten aus. Der Oberkommandant Schefket Pascha reiste nach Adrianopel ab, von wo er mit vier Bataillonen und zwei Maschinen- gewehrkompagnien sich nach Nordalbanien begibt. Den Blättern zufolge sprach die bulgarische Regierung ihr Bedauern über die letzten Zwischenfälle aus und versprach, die nötigen Maßnahmen zu treffen.

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