West-Birmingham. Ein Gegenkandidat war dort nicht aufgefreUt worben. In Ducham und Bury 3t. Edmonds wurde je ein Unionist in* Unterhaus gewählt ; Gkgentandidaten waren nicht ausgestellt.
Mehrere Blätter brachten die Nachricht, die neue türkische Regierung habe sich entschlossen, der französischen Regierung eine neue Note zu überreichen, worin sie sich weigere, den Vertrag von Bardo anzuerkennen und die Schuld an dem Grenzvorfall zwischen Tunis und Tripolis den französischen Sol- daten beimesse. Demgegenüber erklärt die türkische BoUchaft in AariS, das; das türkische Kabinett sich bisher nicht mit dem Zwischenfall befaßt habe. Tas französische M i n i st e r i u m des Neustern gibt die Erklärung ab, es sei aller Grund zu der Annahme vorhanden, daß die zwischen Frankreich und der Türkei angeknüpften Verhandlungen zu einem vollkommen zufriedenstellenden Ergebnis führen werden.
Aus Belgrad wird berichtet: Aus Anlaß des Neujahrsfestes, das am Freitag begangen wurde, weist das hiesige Re- gierungsorgan „Samouprava" auf die Notwendigkeit einer Annäherung zwischen-Oe st erreich-Ungarn und Serbien hin, deren Interessen gleichmäßig die Pflege loyaler Beziehungen erheische. In dieser Hinsicht beginnt das neue Jahr mit einem helleren Ausblick auf die Zukunft und bei gegenseitiger Einsicht wäre es nicht unmöglich, daß inbezug^aus die Klärung der Verhältnisse auf dem Balkan im Interesse des Friedens bessere Resultate erzielt würden.___________________
Aus Stafct und Land.
Gießen, 15. Januar 1910.
* • Tageskalender. Stadttheater. Sonntag nach' mittag 31/, Uhr: „Wenn der junge Wein blüht"; abends 7'/, Uhr: .Prezwsa."
Kolosseum: Täglich Vorstellung. Hellte Programmwechsel (Frank'urter Intimes Theater).
K i n e m a t o g r a p h: Täglich Vorstellung.
Biograph: Täglich Vorstellling.
Kaiserpanorama: Täglich Vorstellung. (Programm- Wechsel.)
Militärkonzert unserer Regimentsmusik unter Mitwirkung des Klavierhumoristen Hamborg Sonntag nachmittag 4 Uhr m Steins Garten.
Anlagemusik am Sonntag vormittag 11V, Uhr in der Süd-Anlage. Spielplan: 1. Ouvertüre zur Oper ,Zar und Zimmermann" von Albert Lortzing ; 2. Nhapsodre mit Benutzung ungarischer National-Melodien von Reilldcl; 3. Intermezzo rasse von E. Franke; 4. Turch Kamps zum Sieg! Marsch von Schroder.
*
" OrdenSangel eg enheit. Der Kaiser hat dem Obersten Ilse, Chef deS Generalstabs des 18. Armeekorps, die Erlaubnis zur Anlegung des Komturkreuzes 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteilt.
* * Erledigte Lehrer stellen. Eine mit einem evang. Lehrer zu besehende Lehrerstelle.an der Gemeindeschule zu Ober-Ohmen. Mit der Stelle ist Organisten und Lektordienst verbunden. Eine mit einem eoang. Lehrer gu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder-O hmen.
* • Die unkündba re Anstellung wurde den Lokomotivführern Karl Bähr zu Fulda, Gg. Darnieder und Karl So mmerlad zu Frankfurt a. M., Emil M arx,,Ludw. Hartmann und Gg. Hartmann zu Gießen, dem kommissarischen Eisenbahnassistenten, Eisenbahn-Unterassistent Wilh. Jlger zu Bad Nauheim, dem Stellwerksweichensteller Karl Wa ldschmi dt zu Gießen und dem Packmeister Wilh. Stock zu Limburg, sämtlich in der Hessisch-Preußischen Eisenbahn- gemeinschaft, verliehen.
* * Die Prüfung im Hufbeschlag haben bestanden ilnd sind demgemäß berechtigt, den Hufbeschlag selbstständig auszuführen: Hch. Münch ausGroßen-Buseck undHch. Theiß aus Lumda.
* * Kunstverein. Die Gemälde-Ausstellung bleibt wegen vollständigen Wechsels der Gemälde noch acht Tage geschlossen.
" Stadttheater. Es sei darauf hingewiesen, daß die Sonntagsnachmittags. Aufführung von Björnsons neuestem Lustspiel ,Wenn der junge Wein blüht" die unbedingt letzte des intereffanten Werkes ist. Diese Vorstellung findet gleich der Abend-Aufführung, in der „Preziosa" gegeben wird, bei kleinen Preisen statt. — Für die Aufführung von Ernst Hardts Schauspiel „Tantris der Narr" am Dienstag ist für die Titelrolle Hofschauspieler Hans Baumeister aus Darmstadt als Gast gewonnen worden. Die Darstellung des viel besprochenen Werkes dürfte dadurch noch ein besonderes Jntereffe gewonnen haben, da die Leistung deS Herrn Baumeister als „Tantris" in Darmstadt sehr gerühmt wird.
• * Reichsgründungsfeier. Der Vortrag deS Prof. Roloff, des Vertreters der neueren Geschichte an unserer Universität, am Dienstag 18. Januar, wird eine kurze Uebersicht über die Gründungsgeschichte des Reiches geben. Die Sehnsucht nach einem großen, deutschen Nationalstaat bestand schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts; innere Hindernisse vereitelten stets von neuem die äußere Verwirklichung bis uns in Bismarck ein Ueberwinder dieser Hindernisse erstand.
* * Oefsentl. Versammlung des fortschr. - pol. Bil düng s v e r ei n s. Man fajteibt uns: Pfarrer Lic. Traub, der Samstag, 22. d. M., in dieser Versammlung sprechen wirb, ist in weiten Kreisen bekannt geworden durch l)ie Anfechtungen, die er von orthodoxer Seite wegen seiner freien rheologischen Anschauungen zu erdulden gehabt hat. Er ist der Verfasser der sebr geschätzten kurzen Andachten in Naumanns „Hilfe" und Herausgeber oer „Christlichen Freiheit". Von hervorragendem Wert ist sein Buch über „Ethik und Kapitalismus". Auf dem letzten evang.-sozialen Kvngreß zu Heilbronn hielt er das mit lebhaftem Beifall ausgenommene,dborreferat über „Geistige Strömungen in der deutschen Gewerkschaftsbewegung". Pfarrer Traub ist ein vorzüglicher Redner, und es wirb für jeden Zuhörer, auch wenn er aus anderem Standpunkt steht, ein Genuß sein, den Darlegungen zu folgert. (Näheres wird im Anzeigenteil bekannt gegeben. )
•* Vom Kaufmännischen Verein Gießen ist ein neues Bücherverzeichnis herausgegebcn wordcn, das ben Stand dec Bücherei im September v. I. wiedergibt.
2\ Klein-Linden, 14. Jan. Der am 9. November 1904 begründete Stenographen verein .Gabels- bcrger" hat in diesem Winter eine rege Tätigkeit entfaltet. Nachdem ein gut besuchter Anfängerkursus mit bestem Erfolg beendet wurde, i|t jetzt em FortbildungskursuS im Gang. Der Verein hielt dieser Tage seine Hauptvcrsamnr- lung bei Gastwirt Rinn ab. Es erfolgte bie Neuwahl des Vorstandes, auch wurde beschlossen, am nächsten Sonntag cm Preis-Wcttschreiben abznhalten. Ter Perem zählt 18 Mitglieder.
„p." Garbcuteich, 14. Fan. Treue Dienste zu. würdigen versteht die hiesige S ch ä f e r e i g e s e l l s ch a f t. 35 Jahre hat der Schäfer Heinrich Freund 1. bei chr gedient.
Aus diesem Anlaß veranstaltete bie Gesellschaft gestern abend in der Wirtschaft von Jakob Lotz eine von Bürgermeister Kissel geleitete kleine Feier, in der der Präsidnt bet' Gesellschaft, Jakob Wallbott I., in treffenden Worten die seltene Treue und Gewissenhaftigkeit des Schäfers schilderte und ihm als Zeichen des Tankes und der Anerkennung ein von der Gesellschaft ausgestelltes Sparbuch mit einer Einlage von 50 Mk. überreichte. Friedrich Jakob Düringer brachte bann noch ein Hoch auf den Jubilar aus. Freund dankte und versprach auch fernerhin treue und gewissenhafte Pflichterfüllung.
= Lich, 14. Jon. Kürzlich starb zu Günnigfeld ht Westfalen der dortige Rektor Hch. H o o s, der durch seinen wiederholten Aufenthalt hier unb in der Umgegend sehr bekannt und beliebt war. Einem Nachruf der „Wattensch. Ztg." entnehmen wir folgenden Bericht über seine Beerdigung : Um 4 Uhr fand int Sterbehause eine Trauerfeier statt. Pfarrer Kuhlmann leitete die Hausandacht, wobei der Kinderchor der 1. Klasse; „Ter Herr ist meine Zuversicht" sang. Diese Klasse eröffnete auch den großen Leichenzug unter Führung der an der Falkschule angestellten Lehrer. Tann folgte der Krieger- und Landwehr-Verein mit der Wölfischen Kapelle an der Spitze. Hieran: der Lehrer-Verein für Stadt und Amt Wattenscheid, der cvangeL Arbeiter-Verein, der liberale Bürger-Verein usw. Tem Leichenwagen folgte Pfarrer Engelbert und die schwer heimgesuchte Familie. Nach Ankunft auf dem Gottesacker vollzog Pfarrer Engelbert die Grablegung; bann trug ber Lehrer-Verein einen Trauerchoral vor. Pfarrer Engelbert hatte seiner Grabrede den Vers Lukas 12, 42: „Der Herr aber sprach: Wie ein großes Ting ist es um einen treuen und klugen Daushalter, welchen der Herr setzt über sein Gesinde, daß er ihnen zu rechter ZeU ihre Gebühr gebe", zugrunde gelegt. Zunächst richtete er herzliche Trostes- worte an bie Hinterbliebenen und bann würdigte er die lehramtliche Wirksamkeit des Heimgegangenen, wobei er besonders dessen Berufssreudigkcit, seine tiesreligiöse Lebensanschauung unb frommen evangelischen Sinn betonte. Mit Gebet und Segen sand die Grabrede ihr Ende. Nunmehr traten bie Fahnendeputationen der verschiedenen Vereine an bie Gruft und brachten dem Verblichenen die übliche Abschiedshuldigung durch ein dreimaliges Senken dcr florverhüllten Banner dar. Zum Schluß intonierte die Kapelle einen Trauerchoral. Tie Gemeinde Günnigfeld loirb bem Entschlafenen ein ehrendes Andenken bewahren.
-k. Bleidenrod, 14. Jan. Beim Holzmachen iin Walde verunglückte heute ein junger, braver Bursche namens Spar von hier. Die Verletzung am Kopfe ist so schwer, daß er sofort nach Gießen in die Klinik gebracht ivurde. — In dem nahen Schadenbach ist gestern eine Frau von 65 Jahren die Haustreppe her unter- gefallen und hat außer einer starken Beinvcrquetschung noch andere Verletzungen am Körper erlitten.
«a. Büdingen, 14. Jan. Ain 12. d. M. fand hier die Konferenz dcr Lehrer der Bezirke Büdingen und Ortenberg statt. Schulrat Scherer wies auf die Bedeutung des 12. Januar als des Geburtstages von Pestalozzi hin. Ec ermahnte die Anwesenden, ihren Beruf ebenso wie Pestalozzi von der idealen Seite aiifzufoffen. Lehrer Lenz von Aulen- dicbach hielt einen Vortrag über die „Reform der Schulausflüge". Trotzdem sich den Ausflügen in den letzten Jahren verschiedene Hinderniffe entgegengestellt hätten, sollte der Lehrer sich doch dieses Hilfsiniltel für den Unterricht nicht entgehen lassen. Vor Allsführung des Spazierganges seien bie Kinder auf ihn vorzubereiten und jedem Kinde besondere Aufgaben bezüglich der Waiiderung zu stellen. Zur'Bestreitung der Kosten empfahl der Redner die Gründung von Schuljparkassen; auch hält er die Aufstellung eines Wanderplanes für wünschenswert.
L. Bad Nauheim, 14. Jan. An unserer Saline finden dieses Jahr größere Reparaturen statt, wie mir solche in den vorhergehenden Jahren nicht gesehen haben. Ueber- haupt ist der Betrieb unseres Salziverkes zurzeit flott. Ueber 30 000 Zentner Salz sollen im vergangenen Betuebsjahre gewonnen worden sein. Seitdem die Vereinigung der deutschen Salinen besteht, ist ein Ucberbieten im Preise zur Unmöglichkeit geworden. Die bet der Salzbereitung gewonnene Mutterlauge wird in unseren Badehäusern in großer Masse verwendet.
T». Friedberg, 14. Jan. Die fahrende Land- post Friedberg - Schwalheim- Rödgen-Wisselsheim ist zum 1. Februar aufgehoben worben, weil sie sich nicht rentiert hat. An ihrer Stelle ist eine Botenpost zu Fuß eingerichtet.
— Hoch-Weisel, 14. Jan. Der unter Leitung des Lehrers Metzler slehcndc Männer-Gesangverein „Eintracht" feiert am 3. und 4. Juli dss. Js. das Fest seiner Fahnenweihe.
Offenbach, 14. Jan. Gestern starb im städtischen Krankenhaus die am 13. Jcmuar 1875 geborene Maria Sirnrnler von Offenbach. Dcr Tod erlöste sie von einem qualvollen Leben, das durch keinen Sonnenschein erhellt wurde. 3 4 \• Jahre, also fast ihr ganzes Leben, hat die Verstorbene ununterbrochen im Krankenhaus zugebracht. An Skrophulofe erkrankt, mußte sie bereits als halbjähriges Kürd in das Hospital gebracht werden Alle Kunst der Aerzte und alle Badekuren konnten der Krankheit keinen Einhalt tun. Seit 18 Jahren wurde sie im hiesigen Krankenhause gepflegt, dessen älteste Bewohnerin sie war. Seit ihrem zwölften Jahre war sie bettlägerig. Sechs Rippen mußten ihr herausgetwmmen werden unb int Jahre 1903 wurde ihr auch das rechte Bein noch amputiert, ohne daß sie wegen ihres schwächlichen Zustandes chloroformiert werden durste. Ter Tod erlöste sie endlich an ihrem 34. Geburtstage von ihrem schicksalsschweren Tasein.
Mainz, 14. Jan. Die Bürgermeisterei hat gemeinsam mit der Sonderkommtssion einen neuen Oktroitarif ausgearbeitet, dcr eine wesentliche Erhöhung der nach dem 1. April d. I. noch oktroipflichtigen Gegenstände vorsieht zur teilweisen Deckung des durch bie Aufhebung deS Oktroitarifs für Lebensmittel entstehenden Ausfalles. Die Erhöhung des Tarifs soll besonders das Braumalz mit 90 000 Mk. und den Wein mit 18 000 Mk. belasten. Die neuen Oktroi- einnahmen werden unter Zugrundelegung des neuen Tarifs für 1910 auf 396 300 Mk. veranschlagt, so daß, n. b. „Fkf. Ztg.", die Mindereinnahme gegen bisher 235 700 Mk. betragen würde.
th. Biedenkopf, 14. Jan. Ter Reisende, der vom Bcchuyof ans einen Blick ans unsere Stadt warf, hat sich immer über das ivytiisch am Wald gelegene, int Schweizers!il gebaute Ekab.isscment „Tannhäuser" gefreut, bas mit seinem roten Ziegeloach wie ein tleines Schlößchen so recht in die Landschaft paßte. Jetzt hat man daran einen A->au errichtet, der mit seinem flachen Tach, den früher keck ins Land hincinlugenoen Umriß des Hauptgebäudes unb die ganze Landschaft derartig verschanoclt, daß der ytaturjucunb nicht begreifen kann, wie man so etwas Unschönes in einem Luftnirort errichten konnte. Hier hätte Die Bürgern:ä,rer.i ot.er da.' s<Vuaiiii, ea5.au cc: maleiifüjen Ausgestaltung des Städtebilbes doch Jnteref,e hat, auf friedlichem Wege sich ins Mittel legen sollen.
fc. Schönberg, 14. Jan Zu der Hock ; e 11 Der Prinzessin Edda zu Erbach-Schönberg unb des Prinzen Wilhelm zu Stolberg-Wernigerode treffen im hiesigen Schlosse ein: Am 17. Januar: Prinz Ludwig von Battenberg, Großbritannischer Vizeadmiral und zweitkommanbierender Admiral ber Mittelmeerflotte nebst Tochter, Graf von Hartenau, der einzige Sohn des ehemaligen Fürsten Alexander von Bulgarien, aus Graz, ber Fürst zu Wieb aus Neuwied, ber Fürst und bie Fürstin zu Erbach-Schönberg aus König i. O., der Fürst, Fürstin unb Erbprinz zu Stolberg-Wernigerobc, der Fürst, Fürstin unb Erbprinz zu Solms-Hohensoinrs-Läh, Pvinz Hermann zu Stolberg-Wernigerobe, Prinzessin Dorothea zu Solms- Hohensolms-Lich, Graf und Gräfin Wilhelm zu Solms- Laubach, der Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenbera, Fürstin Reuß-Köstritz, Prinz Heinrich XXXL I. L. Reuy, Prinz Heinrich XXXIII. I. L. Reuß, der Präsident der Stol- berg-Wernigecodeschen Rentkammer, Loymanrt. Am 18. Januar treffen der Grotzherzog unb bie Großherzogin von Hessen mit Gefolge ein. Dus Großderzogliche Paar kehrt am Abend nach Darmstadt zurück und trifft am Vormittag des 19. Januar zu den Trauungsfeierlicykeiten wieder hier ein.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Das Feil des Gesangvereins „Poly- h h m n i a" in Beuern faibet am 23. d. M. (nicht morgen) statt. — Mit der Erbauung eines zweik'lassigen Schul Hauses in Reiskirchen soll im März begonnen werben. Auch das Wasseriverk wird jetzt in Angrifi genommen. — In Hungen wurde der älteste Einwohner, Treä^slecmeister Schäfer, zur Ruhe ge- tcttet. Der Verstorbene erreichte ein Alter von über 87 Jahren und war bis vor kurzem noch recht rüstig. — Ter Pächter der Gemeinde-Apotheke Kirtorf Tl-eodor R e i ch m a n n aus Darmstadt wurde eidlich verpflichtet. — Das zweite Opfer der R ü s s e l s h e i nr e r K e s s e I e x p l o s i o n , der '))lonteur Gustav Schmücker aus Bischofsheim, ist vergangene 'Nacht ebenfalls ge- ftorben. — Im Juli findet in Melbach das Bezirks fest des Kriegerbezirks Friedberg statt. Aus diesem Anlaß soll eine Ehrentafel für die Veterwten enthüllt iverden. Auch verbindet der hiesige Kriegervercin seine Fahnrnweihe damit.
Der Gladbecker Riesendiebstahl vor Gericht.
4. Essen, 14. Inn.
Deute kam vor dcr Strafkammer des Landgerichts der Prozeß wegen des Rie sen d i e b stah ls auf den fiskalischen Möllerschächten zur Verhandlung. Angeklagt sind der 48 jährige Maschinensteiger H. Neuß, der 42 jährige Schichtmeister Fritz Opel, der 49jährige Kessclmeister Friedr. Neuß und der 38 jährige Lampenmetster Herrn. Neuß. Am Morgen des 5. Nvv. wurde entdeckt, daß aus der Kasse der Königl. Bcrg- inspettion II ein Betrag von 2,9 500 Mark in Gold niid Papiergeld fehlte. Die Untersuchiutg wurde in bie Hände des Berliner Krimtnälkommissars v. Trcsckow II. gelegt, dem es auch in kurzer Zeit gelang, die Diebe in den Personen des Maschinensteigers Neuß und des Schichtmeisters Opel zu ermitteln. Die beiden waren durch große Gcldausgoben verdächtig geworden, die sie für Wein und Weiber in anrüchigen Kneipen in Düsseldorf gemacht halten. Sic wurden verhaftet, leugneten aber zunächst den Diebstahl. Im Laufe der weiteren Unter) ucbimg kam heraus, daß Neuß wie Opel feit Jahren umfangreiche Unterschlagungen, bei Lohnzahlungen begangen hatten. Als man Neuß die Verdachtsmomente vorhielt, bequemte er sich schließlich zu einem Geständnis. Er bezeichnete emc Stelle in seinem Garten, in dec tatsächlich gegen 78 000 Mark aufgefunden wurden. Der Gladbecker Polizei gelang es, weitere 151000 Mark bei einem Bruder des Heinrich Neuß zu ermitteln. 'Noch weitere Beträge wurden gefunden, so daß der Schaden des Fiskus nicht allzu groß ist. Ten Tiebstahl hotten die Anegellaglen Don langer Hand vorbereitet.
Die Deweisaufirahmc ergab feine neuen Momente. Von den noch fehlenden 22 000 Mark hat die Frau des Hrch. Neuß inzwischen 13 400 MarL zurückerstattet. Ter Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht Darauf, daß es sich um mittlere Beamte handele, die ihren Treueid gebrochen, gegen Opel und Hrch. 9teuft je 6 Jahre Zuchthaus und die üblichen Nebenstrafett, gegen bie beiden anderen Angeklagten je 2 Jahre Zuchthaus. Tas Urteil lautete gegen Opel unb Hrch. Neuß wegen schweren Diebstahls auf je 4 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und Polizeiaufsicht, gegen Herrn, und Friedr. Neuß wegen Beihilfe unb BegiiiUttguiig auf je 1 Jahr 3 Monate Gefängnis.
Lustschissahrt.
München, 14. Jan. In einem Vortrag, den Major von Parseval in Gegenwart der Prinzen Ludwig, Rupprecht und Leopold, sowie des Kriegsministers Freiherrn von Horn hielt, teilte er mit, daß für Anfang Mai 1910 die Eröffnung des Betriebes von dcr Münchener Parscval-Lustfahrzeuggefellschaft unb die mit Unterstützung der Stadt München geplanten Fahrten mit einem Parseval-Ballon von München aus gesickert feien.
Kleine Tngeschronik.
Wie aus Kassel gemeldet wird, Herrs ast im Haardtwaldc, int Oberwesergebiet, im Sauerlande unb in der Rhön starker Schneefall, der stellenweise mit heftigem Sttirrn verbunden ist.
Anläßlich der 25jährigen Amtsfeier des Heidelberger Oberbürgermeisters Dr. W i l ck e n s fand ein großer Fackclzug statt.
Aus Kamfchalka wird gemeldet^ Infolge Ausbleibens des Tampsers, der den Verkehr nach dem Süden vermittelt, mären 34 Personen an der 9torbo|rfüftc der Halbinsel lange Zeft bem Froste unb dem Hunger ausgesetzt. Schließlich versuchten die Unglücklichen, Petropawlowsc auf dem Landwege zu er reichen. Nur ein Teil von ihnen gelangte, jedoch mit erfrorenen Gliedmaßen, nach Oserna i a, elf waren unterwegs den 9111= ftratgunjcit vrlcgcn.
Handel.
London, 14. Jan. T.c noiböstlichen Stahlwerke am Tees, die über 2000 Arbeiter beickäftigen, erklären, daß sic wegen Kohlenmangel morgen den Betrieb einstellen.
Berlin, 14. Jan. Ter überwiegend größte Teil der deutschen Zündholzfabriken ist heule unter dem Namen Deutsches Zündholzststtditat G. m. b. D. zu einem Verkaufs- synoikat zusammengetreten. Tas Syndikat wird seine Tätig- feit am 1. April d. I. aufnehmen und seinen Sitz in Dresden) haben.
AllqememeMetterlaqe seit Freitag früh7 Das nördliche’Tiefdruckgebiet ist rasch vorgedrungen und hat bereits gestern Niederschläge, anfangs Schnee, bann Regen gebracht. Auch im Gebirge ha! es geregnet, so oaß die Aussichten auf eine dauernde Schneedecke wredev vernichtet sind. Die Morgentemperaturen liegen für die Jahreszeit sehr hoch, bet 6 und 8 Grad in der Ebene, 2 bis 4 Grad nn Gebirge. Ta neue Tiefdruckgebiete von Westen an- rücken, dauert die milde Witterung an.
Wetteraussichten in Hessen am Sonntag dem 16. Januar 1910: Zeitweise ausyeilernd, forigeietzr sehr mild, geringer Regen.________
(DrigiitabDratytmelOtutgen«
Paris, Jan. T.r uugciiu^.c Arbeits- Verb a n d ließ einen Ausruf anfchlagen, in bem er den in Aussicht gestellten Gesetzentwurf über bie Arbeiterversiche- nlttg als Schwindel und Betrug an der Arbeiterfchaft bezeichnet.
Paris, 15. Jan. Zu bem französisch-türkischen Konflikt hat der sranzö,ischc Botschafter in ^'onslantinopel bei Der türkischen Regierung bie Forderung erhoben, daß die tunesij'ch-kripoäkaniiche Grenze durch zösische unb türkische OZiz.ere sepgestelit imrb. Tie Annahme bieser Fovoerung würde als Anerkennung des Vertrags von Baroo betrachtet werden.


