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14.9.1910 Erstes Blatt
 
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Mittwoch 14. September 1S1G

Nr. «15

160. Jahrgang

Erstes Blatt

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für die Redaktion 112, IMF politischen Teil: August

MU General-Anzeiger sm Gberhchen Z-M für b'° Tag-snumm« Kotofioitsönt» und Verlag der SrÄHI'schen Unlv.-V«ch- unö Steinbruderd n. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuistratze 7. S. B°7.

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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Wie wir aus Berlin hören, sind die Aussührungs- bestimmungen jetzt größtenteils fertiggestellt und werden dem Bundesrat itn Oktober vorgelegt werden. Das Inkraft­treten des Gesetzes, das die Viehseuchen erfolgreicher als bisher bekämpfen will, dürfte für den Winter zu. erwarten ein.

Der Fernsprecher in den verschiedenen Ländern der Erde.

Statistische Betrachtungen haben für die Beurteilung des Fortschritts technischer Einrichtungen stets einen großen Wert, und namentlich läßt sich die Teilnahme der verschie­denen Länder in dieser Hinsicht nur dadurch richtig ab- chätzen. , t.

Eine sehr sorgsame Arbeit dieser Art hat nun dre ZeitschriftElektrotechnik und Maschinenbau" für das Fernsprechwesen in der Welt geliefert. Man begegnet viel- ach der Vorstellung, daß Deuts ch land und insbesondere Berlin vergleichsweise in der Ausnutzung des Fern- prechers an ersterStelle stehen. Für Berlin allein mag das zutreffen, für das ganze Deutschland nicht. In der ganzen Ausdehnung des Landes sind die Vereinigten Staaten von Amerika allen andern Staaten weit voraus, denn sie besitzen gegen sieben Millionen Fern­sprechstellen, während Deutschland, das wenigstens auf den zweiten Rang Anspruch machen darf, deren nur 880 000 hat. In weiteren Abständen folgen E n g l a n d mit 590 000, dann Frankreich mit nur noch 197000, Schw eden mit 167 000 und Rußland mit 120 000 Sprechstellen. Alle anderen Staaten bleiben unter 100 000 zurück; unter diesen stehen der Reihe nach am höchsten noch Dänemark, Oesterreich und Japan, dann die Schweiz, Norwegen und Italien, Holland, Ungarn, Belgien, Spanien und Ru­mänien. .ri ..

Rach der Länge der Telephonleitungen bleibt tue Reihenfolge ungefähr dieselbe, und es mag die Auskunft genügen, daß die Vereinigten Staaten rund 22i/2, Deutsch­land rund vier Millionen Kilometer Fernsprechleitnng be­sitzen. Auf diesen Zusammenstellungen kann aber ein rich­tiges Urteil nicht fußen, sonder:: man muß die Entwicklung des Fernsprechwesens im Verhältnis zur Größe und Ein­wohnerzahl des Landes betrachten. Unter diesen Rück- ichten verschiebt sich die Reihenfolge der Länder ganz er­heblich. Die Vereinigten Staaten behalten zwar auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl noch weitaus den ersten Rang, nicht aber mit bezug auf das Verhältnis der Lange der Fernsprechleitungen zur Größe des Landes. In dieser Hinsicht stehen begreiflicherweise Länder von geringer Aus­dehnung voran, nämlich zuerst England, dann die Schweiz und Dänemark, während Deutschland immerhin an vierter Stelle folgt.

Ans Hessen.

Köhler-Langsdorf und die Automobile. Der Zweiten Hess. Kammer ist wiederum eine Anfrage des Abgeordneten Köhler, betreffenddie Automobil­morde von Obermörlen und Dietzenbach und ihre Sühne" zugegangen. Es heißt darin: Beim Mord von Obermörlen fuhren die Insassen des Mordfahrzeugs nach vollbrachter Tat davon und ließen das arme Opfer ohne weiteres in seinem Blute liegen. Die Folge war, da nie­mand Hilfe brachte, daß der Ueberfahrene sterben mußte. Herr Köhler zitiert dann eine Zeitungsmelduna, nach der die Untersuchung gegen den amerikanischen Chauffeur Zettel mangels genügender Schuldbeweise eingestellt und Zettel gegen die Zurückgabe seiner Kaution von 5000 Mk. cur freien Fuß gesetzt worden ist. Er habe es aber vorgezogen, nach seiner Haftentlassung schleunigst zu verschwinden.

Apolitische Tagesschau.

Die Kaiserfahrt nach Wien.

We Fahrt Kaiser Wilhelms nach Wien ist diesmal mit einem mehrtägigen Jagdaufenthalt auf dem dem Erz­herzog Friedrich gehörigen Schlosse Bellye verknüpft, wo der Monarch am 16. September eintrifft, um in Gesell-« schäft des österreichischen Thronfolgers, Erzherzog Franz Ferdinand, der bei seinem Vetter, dem Erzherzog Friedrich (qeb. 1856) zu Besuch wellt, im Karapanesaer Revier zu sagen, das besonders reich an Kapitalhirschen und an Sumpfvögeln aller Art ist. Kaiser Wilhelm pürscht in diesem bon Sümpfen und Teichen durchzogenen, zirka 100 000 Joch umfassenden und süolich der Stadt Mohnes zwischen Drau und Sau gelegenen Jagdrevier, das ehemals zum Teil Prinz Eugendem edlen Ritter" gehörte, nicht zum ersten Mal. Schon des öfteren hat er dort gejagt, im ^cchre (1897 auch einmal zusammen mit Kaiser Franz Joseph.

. : AM Morgen des 20. Septewber trifft dann den.deutsche Kaiser nach einem kurzen Besuch beim Fürsten Esterhazy agj Schloß Esterhaza bei Oedenburg in Wie:: ein, wo ihm Kaiser Franz Joseph und die Erzherzöge am Bahn-« Hofe in Hetzendorf empfangen und nach Schönbrunn ge-^ leiten. Da der eigentliche Zweck dieses auf zwei Tage Berechneten Kaiserbesuches ist, dem greisen Verbündeten nod> nachträglich die persönlichen Glückwünsche zu seinem un 18. August gefeierten 80. Geburtsage darzubringen, so trägt auch das Programm des Kaiserbesuches, da man in Anbetracht des hohen Alters Kaiser Franz Josephs von rauschenden Festlichkeiten absehen mußte, int allgenreinen durchaus familiären Charakter.

Umsomehr werden die beiden Verbündeten Monarchen, di- durch die Ereignisse des Frühjahrs 1909 einander noch «LHer gerückt sind, Zeit finden zu vertrauter Zwiesprache, die sich ganz naturgemäß auch auf politische Dinge er4 strecken wird. Eine politische Bedeutung dürfte jedoch dem Besuch des deutschen Kaisers in Wien nicht beiwohnen. Daß das Bundes Verhältnis Deutschlarrds zur Donau-, Monarchie unerschütterliche dasteht, ja, sich noch immer fester gestaltet, wissen mir, ebenso, wie daß der dritte Dreibunds-' angehörige Italien nur noch einen unsicheren Kantonisten darstellt, wenn auch offiziell nach der Zusammenkunft des italienischen Ministers des Auswärtigen, Marguese di San Kruliano mit seinem österreichischen Kollegen, dem Grafen Lehrenthal in Salzburg, wiederholt versichert wurde, daß sich hinsichtlich der Balkanpolllik für Italien und Oesters reich-Ungarn ein volles Einvernehmen ergeben habe. Herr Kiderlen-Wächter, der Staatssekretär des Auswärtigen, iLer augenblicklich seinen Abschiedsbesuch in Bukarest ab-, stattet, läßt sich daher beim Kaiserbesuch in Wien ebenso gut entbehren, wie Graf Aehrenthal. Haben sich doch diesg beiden Leiter der Politik der verbündeten Kaisermächte erst int Juli in Marienbad ,so gründlich ausgesprochen, daß die Ziele der Politik beider Mächte unverrückbar festgestellt sind, int Sinne der Erhaltung des VöAerfriedens, wenn möglich, auch guf dem BaMn.

Das Viehseucheugeseh.

Das neue Viehseuchengesetz, das vom Reichstage vor längerer Zeit bereits verabschiedet worden war, konnte bis­her noch nicht in Kraft gesetzt werden, well die Bearbeitung der Ausführungsbestimmungen, einerseits auch mit Rück­sicht auf einzelstaatliche Sonderverhältnisse, ungemein viel Zeit erforderte. __

Zu dem Automobilmord von Dietzenbach führt Kötz­er folgende Bemerkung derAllgemeinen Automobitzei-' tung" an:

Der ..... erwähnte ..... Fall ist, wie unsere Crkunj- digungen ergeben haben, auch nichts weiter als eine durch einen' unglücklichen Zufall herbeigeführte Verletzung eines Radfahrers, der in den Staubeines begegnenden Automobils hin ein fuhr, wobei er von einem zweiten hinterdreinfahrettdeir Automobil, daS den Radfahrer nicht wahritehmen konnte, ange- ahreit und tödlich verletzt wurde. Der Radfahrer, der hätte ab- leigen sollen, ist in diesem Fall Wohl schuldiger als das zweite Automobil." '

Köhler fährt fort: Eine entsetzliche Anschammgsweise! Würdig des Protzen- und Parvenütums, das die gegen­wärtige Zeit zur Blüte brachte und hoffähig machtet Darum frage ich die Gr. Regierung :

1. Welche Maßnahmen hat sie getroffen, unt dem! mörderische:: Treiben der sogen. Autofexen Einhalt zu tun?

2. Werden seitens der Polizei die Bestimnmilgen des re­vidierten Hess. Polizeistrafgesetzes vom 10. Oktober 1871, des Reichsgesetzes vom 3. Mai 1909 über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen und der Bundesratsbekauntumchung vom 3. Februar 1910, betreffend die Regelung des Ver­kehrs mit Kraftfahrzeugen, neuestens so angewandt, daß eine Wiederholung der Mordtaten wie der von Ober-Mörlen und Dietzenbach als vermeidbar erscheint?

3. Sie die Polizeiorgane angewiesen, solche Autonwbile, di>^ die einzuhaltende Fahrgeschwindigkeit überschreite::, ztir An­zeige zu bringen und wie kommt es, daß trotzalledcm bis jetzt von einer solchen Tätigkeit der Polizerorgane man in der Oeffentlichkeit noch nichts gehört hat?

4. Ist es der Regierung bekannt, daß der Großherzoglich Hessische Regierungsrat Dr. Kranzbühler an Autofahrtert des Darmstädter Autonwbilklubs^ teilgenommen /.hat, unt festzustellen, wie auf den Landstraßen der Fuhrverkehr sich entwickelt, wie infolgedessen und unter Berufung auf die Polizei und die hierbei als amtlich erscheinende Tätigkeit des Regierungsrats Dr. Kranzbühler der Darmstädter Automobilklub sich her au s g en o m m en hat, den or­dentlichen Fuhrleuten Vorschriften zu machen und mit Straf­anzeigen zu drohen? Sowie"/ daß auf diesen als amtlich dargestellten Autofahrten, unter Assistenz des erwähnte:: Regienrngsrats Dr. Kranzbühler, S t r a f a n z e t g e n ge­gen Fuhrleute erfolgt sind und Fuhrwerke angehalten wur­den?

5. Hat dis Gr. Regierung davon Kenntnis, datz matt int Volke draußen der Meinung ist. daß die amtlichen Stellen im Lande den wegen ihrer hohett Protektion schwer angreif­baren Automobilisten gegenüber in einer gewissen Befangen­heit sich befänden?

Eine Benachteiligung der hessischen Re^ gierungsbau meist er in der Eisenbahn­gemeinschaft geht aus einem Schreiben hervor, das! nach der Frkf. Ztg. vom preußischen Eisenbahn-Minister an das hessische Finanzministerium ergangen und von diesem inhaltlich den in Frage kommenden hessischen Regierung^ baumeistern mttgeteilt worden ist. Das Schreiben des Eisenbahnministeriums geht davon aus, daß in Hessen in: Eisenbahn baufach alljährlich und im Maschine::baufach sogar nur alle zwei Jahre eine Ernbernfung erfolgen kann, so daß der jüngste der in Hessen gegenwärtig vorhandenen An­wärter des Eisenbahnbaufachs 37, der im Maschinenbaufach sogar 49 Jahre alt werden würde, bevor er zur Anstel­lung gelangt. Da in Preußen im Eisenbahnbaufach hie Einberufung in der Regel schon nach fünf Dienstjahrer.« erfolgt, so ergeben sich aus der differierende:: Wartezeit nach Auffassung des Eisenbahnministeriums Unzuträglich-i leiten, zumal die hessischen Regierungsbaumeister iradji er­folgter Einberufung mit ihren preußischen Kollegen, ge--i messen am Dienstalter, zur Anstellung und Beförderung,' gelangen sollen. Im' Anschluß an das Schreiben deA^Eisen-i bahnministeriums hat das hessische Finanzministerium den

Zünfundzwanzigjahrftier des Allgemeinen Demschen Sprachvereins.

Montag vormittag um 9 Uhr wurde die G e s ch ä f t s s i tz u n g fortgesetzt, .und zwar mit der weiteren Besprechung über den Ort der nächsten Hauptversammlung. .

Das Ergebnis der Mablen zum Gesamtvorstände war fol­gendes: Wiedergewählt wurden die satzungsgemäß aussck>eidenden Herren: August Brunner, Königlicher Konrektor in München, Karl Bruns, Landgerichtsrat in Torgau, Karl Erbe, Gym­nasialrektor in Ludwigsburg, Dr. Albert Harnisch, Real- ghmnasialdirektor in Kiel, Dr. Paul Hofmann v. Wellen- h o f, .Professor und Reichsratsabigeordneter in Graz, Dr. Ferdi­nand Khull, Professor in Graz, Dr. Reinhold Köpke, Wirkt. Geh. Oberregierungsrat, Vortragender Rat im preußischen Kultus­ministerium in Berlin, Dr. Etmmrd Lohmeyer, Direktor der Landesbibliothek in Kassel, Dr. Bernhard May dorn, Schul- dllektor in Thorn, Dr. Paul Pietsch, Geh. Regierungsrat, Üniversitätsprofessor in Greifswald, Dr. Albert Waag, Geh. Hofrat, Oberschulrat, Professor an der Technischen Hochschule :n ' Karlsruhe, und Dr. I. Ernst Wülfing in Bonn.

Weiter berichtete Studienrat Professor Dr. Dung er ,über den Stand der Verdeutschungsbücher und der sonstigen Deröpent- . lichungen, die sich eines guter: Absatzes zu erfreuen haben. Bon - 1 den Verdeutschungsbüchern erzielte den stärksten Absatz das Deut­sche Name:ü>üchlein von Ferdinand Khull, von dem 1909 nahezu j 2000 Stück abgegeben wurden, an zweiter Stelle steht Die Schule ' mit 1500 Stück. Diese beiden Hefte waren in neuen Auflagen : erschienen und wurden daher in ziemlich großer Zahl (je 1100 ' Stück) unentgeltlich verlangt.

Ueber die Mitteilungen für Spracheckeir berichtete Dr. I. E. Wülfing (Bonn). Die Auflage beträgt jetzt 1900 gegen 1700 t im Vorjahre; die Zahl der Zeitungen ist von 1450 auf 1613 i gestiegen, darunter 88 ausländische.

| , Eine längere Llussprache zcit:gte folgender Antrag des | Zweigvereins Potsdam: .

Der Vorstand wird beauftragt, einen Ausschuß einzusetzen, | der die S ch ri ft ze i ch enf r a g e eingehend prüfen und über seine Tätigkeit unter Stellung eines bestimmten Antrags ii binnen l1/-» Jahren schriftlich berichten soll. Dieser Bericht ist ! alsdann durch die Zeitschrift zur Kenntnis der Mitglieder zu | bringen. Die Namen der Mitglieder des Ailsschusses sind tunlichlt E bald durch die Zeitschrüt bekannt zu machen.

Zu diesem vom Postrat a. D. D e h m s (Potsdam- eingehend ; begründeten Antrag hatte der Gesamtvorstand bereits. Stellung

genommen und war zu dem Beschluß gekommen, der Hauptver­sammlung die Ablehnung des Antrages vorzuschlagen. In der freien Aussprache stellte sich die Mehrzahl der Redner auf den Standpunkt des Gesamtvorstandes und der Antrag wurde in­folgedessen auch mit großer Mehrheit abgelehnt. Damit waren die geschäftliche:: Verhandlungei: erledigt. Der Vorsitzende teilte u. a. noch mit, daß Graf Zeppelin seine Mitgliedschaft angemeldet habe. . , r. r c.

Montag nachmittag 2 Uhr vereinigten sich ine Teilnehmer an der Fünfundzwanzigjahr-Feier des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins zu einem .Ausflug nach Meißen.

Josef Kainz wurde am Dienstag von einem Schüttelfrost befallen, der trotz der ärztlichen Mühe rein Ende nehmen wollte. Damit ist eine weitere Verschlimmerung in dem Befinden des kranken Künstlers eingetreten. Die Aerzll zweifeln jetzt daran, daß er noch Kräfte genug besitzt, um auch die neue Blutvergiftung zu überwinden.

Das abschreckende Beispiel. Im Tagebuch seinesHeimgarten" erzählt Peter Rosegaer: Von einem Dorsschulmeister erzählte man mir, der kein Kunstfreund war. Im ganzen «Ähulhause kein Bildwerk, mit Ausnahme einer alten Photographie, die er bei einem Trödler er­standen. Sie stellte die Enaelskövfe der Sixtinischen Ma­donna dar, jene auswärtsschauenden Englein, die mit den Armen ihre Bausbacken stützen. Dieses Blldchat der Lehrer int Schulz immer aufgehängt, damit 1 wie er sich ent­schuldigend sagte die Kinder sehen sollten, wie garstig ein solches Sichauflümmeln mit den Armen sei. Und da sage man noch einmal, daß die Kunst sich nicht pädagogisch verwerten lasse! v

Pom internationalen Telegraphie- Denkmal. Das Preisausschreiben für die Errichtung eines Denkmals der internationalen Telegraphen-Union hat ein vollständig negatives Resultat gehabt, was bei e:nem Wettbewerb von solcher Bedeutung gewiß ein seltenes Er­eignis sein dürfte. 81 Entwürfe wurden eingereicht, aber ein ein einziger schien der internationalen Jury eines Preises würdig, und zwar war das Preisgericht einstimmig dieser Ansicht Die Jury hat darauf, wie das Journal des Dabats berichtet, den Beschluß gefaßt, einen neuen Wettbewerb zu eröffnen, sür den als Termin dLr 12. Juft 19.11 festgesetzt

wurde. Die Aufgabe, die Telegraphie in einem Denkmal anschaulich KU verkörpern, ist freilich nicht, leicht zu lösen; nur ein einziger Entwurf, die Darstellung eines Schweizers, der einen Telegraphenpfahl hält, hat die Aufmerksamkeit der Jury etwas mehr zu fesseln vermocht, mußte dann aber auch als ungenügend Mßer Acht gelassen werden.

Die Entdeckung einer unterirdischen Festung. Eine interessante archäologische Entdeckung ist dem französischen Gelehrten Henri Martin im Zusanmren^ Hang mit seinen prähistorischen Forschungen in der Charente gelungen. Unter dem Gutshof^von La Ligerie in der Ge­meinde von Gardes wurden Spuren eines unterirdischemt Baus aufgesunden, der dem Altertum oder dem frühesten Mittelaller angehören muß. Cs ist ein unterirdischer Zu­fluchtsort, eine Art Festung, die aus zahlreichen komplü, zierten Gängen und Höhlen besteht und in einer geräumigen, natürlichen Grotte endet, in der etwa 50 Menschen Unten schlupf finden konnten. Die in dem' sehr harten Kallfelsen durch geführten tiefen Einschnitte können nur mit Eisen­instrumenten vorgenommen worden sein, toie überhaupt die ganze Anlage in langjähriger Arbeit vollendet fein muß. U^ber die Zeit der Entstehung dieses inerkwürdigen Verteidigungsbaus ist noch nichts Näheres ermittelt

Kurze Nachrichten ausKunst u. Wissenschaft. Von einer schweren Erkrankung Angelo Neumanns wird dem ,B. T." aus Prag berichtet: Direktor Angelo Neu­mann vom Neuen Deutschen Theater in Prag mußte sich am Diontag im Sanatorium des evangelischen Diakonissenhauses einer Operation unterziehen. Eine schmerzhaste Eitergeschwulst am Dick­darm hatte den Eingriff erforderlich geniacht. Die Eröffnung des Abszeßes ist günstig verlaufen; der Patien: verbleibt noch längere Zeit in der Pflege des Sanatoriums. Dem Maler Karl Nebel, Lehrer am Staedel'schen Kunstinstitut in Frankfurt a. M.. wurde vom Kultusminister der Professortitel verliehen. Das Gesamt­ergebnis des vom Deutschen Photographenverein veranstalteten ersten Preisausschreibens für photographischeAuf- nahmen aus dem Ballon ist folgendes: Hauptmalin Härtel- Leipzig den Ehrenpreis der Fürstin zu Wied und die silberne Vereinsmedaille; silberne Vereinsmedaillen erhielten ferner Haupt- mann Lo h m ü l l e r-Straßburg und Rudolf Lichtenberg- Osnabrück, die bronzene Vereinsmedaille Ingenieur Le h nert- Dresden. Das Diplom erhielt Justrzrat Dr. Reiche l-Meißen.