Ausgabe 
13.8.1910 Erstes Blatt
 
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das Ultimatum ent Spanten in dem Streit um das Konkordat! Die Entwickelung der Dinge dort hat gezeigt, daß nicht nur die größte Mehrheit des spanischen Volkes hinter Canalejas steht, sondern auch der König selbst, so daß der Vatikan gezwungen war, ebenso wie in der Frage der Borrornäus-Enzyklika, den Rückzug anzutreten. In welchem Maße man diese Tatsachen im Vatikan zu ver­schleiern beliebt, tut nichts zur Sache. Jedenfalls hat die Politik Merry del Bals auch in diesen beiden Fällen eine Schlappe erlitten, die geeignet ist, das Ansehen des Vatikans aufs ärgste zu schädigen.

Daß man das in gewissen Kreisen des Kardinalkol- legiums einsieht, und deshalb Merry del Pal, der seit sieben Jahre der Kirche nur Mißerfolg über Mißerfolg gebracht hat, gern in seiner politischen Betätigung be­schränken möchte, kann keinem Zweifel unterliegen. Aber so lange inan nicht lveiß, über welchen Einfluß diese ein­sichtigen Kardinäle im Kollegium und vor allen Dingen bei PiuS X. selbst verfügen, läßt sich schwer entscheiden, ob sie imstande sind, den jetzigen Staatssekretär, den der Papst sogleich nach seinem Regierungsantritt aus persön­lichem Vertrauen ins Amt berief, zu stürzen. Es kommt vielmehr alles darauf an, wie Pius X. selbst über die diplomatischenFähigkeiten" Merry del Vals denkt, und ob er sich unter Umständen dazu bereit finden läßt, ihn auf einem anderen Posten zu verwenden. Das scheint nun ttarf) der Daily Expreß-Meldung nicht der Fall zu sein. Der Papst will den Mann seines ersten Vertrauens trotz allem, was er verbrochen, schonen, aber er will gleich­zeitig den Kardinal Rampolla, den besten Politiker, über den der Vatikan verfügt, als inoffiziellen Ratgeber für die auswärtige Politik heranziehen.

Der Vanlan würde darin nur gut fahren. Denn es ist schade, daß Mariano Rampolla, Marchese di Tindaro, der schon von Pius IX. zum Prälaten und Sekretär der Propaganda ernannt wurde, und 1887 unter Leo XIII. , nach dem Tode Jaeobiuis zum Staatssekretariat gelangte, in dem für vatikanische Verhältnisse noch immerhin jugend­lichen Alter von 67 Jahren feiern muß, weil sich untei; Pius X. ein Systemwechsel im Vatikan vollzog. Wohl hat dieser seinem Gegenkandidaten bei der letzten Papstwahl das einflußreiche Amt eines Erzpriesters an St. Peter ver­liehen, aber was bedeutet das, mag auch sein Einfluß im Kardinaltöllegium inzwischen noch so sehr gestiegen fein, für einen Mann, wie Rampolla, dessen Fähigkeiten eben hauptsächlich auf diplomatischem Gebiet liegen?

Die Mißerfolge seines Nachfolgers mögen Rampolla in seiner unfreiwilligen Muße mehr als einmal ein Lächeln abgeloctt haben. Aber er hat warten gelernt und weiß, daß seine Zeit einmal kommen muß. Ob er mit dem Aufgehen in Studien und literarischer Tätigkeit nur seinen Ehrgeiz zu beschwichtigen sucht, oder ob er uach dem ^taatsselretärposten überhaupt nicht mehr trachtet, und sich deshalb jetzt mit der inoffiziellen Stellung eines Rat­gebers des Papstes begnügt, mag utientschteden bleiben. Jedenfalls wird man seine geschickte Hand, wenn die Mel­dung desDaily Expreß" richtig ist, in der auswärtigen Politik des Vatikans und zunächst bei der Abwickelung des Konkordatstreits mit Spanien zu spüren bekommen. Die Würde eines Staatssekretärs aber kann er umso eher ver­schmerzen, als, wenn Pius X. die Augen schließt, seine Wahl zum Oberhaupt der katholischen Christenheit, wie die Stimmung im Kardinalslollegium einmal ist, fast sicher erscheint.

Deutsches 2L:idi>»

Aus Wilhelmshöhe meldet man: Der Kaiser hörte Freitag vormittag nach dem gewohnten Ausritt den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts. Zur Frühstücks- tafel beim Kaiserpaar waren geladen Geheimer Regierungs­rat Direktor Friedrich Heußner, erster Staatsanwalt Ganz- landt, Ober-Landesgerichtsrat Dr. Sommer, Ober-Regie- rungsrat Dr. Blanckenhorn und Professor Dr. Knackfuß.

Neber 500 Teilnehmer des Weltkongresses für freies Christentum und religiösen Fortschritt, trafen Freitags Mittag, mittels zweier Sonderzüge, vom Hauyt- ausschuß am Bahnhof begrüßt, in Eisenach ein. Nach kurzem Aufenthalt in der Stadt begaben sich die Teilnehmer nach der Wartburg, wo ein Frühstück stattfaud. Daran schloß sich eine Schlußfeier im Wartburger Hose.

Die deutsche Gesandtschaft in Peking machte dem Di­rektorium der I u t e r u a t i o u a l e n Hygieneaus- stelluug in Dresden 1911 die Mitteilung, daßChina sich offiziell an der Ausstellung beteiligen wird und beab­sichtigt einen eigenen Pavillon zu errichten.

Astslaud.

Das Präsidium des Wiener G e m e i n d e r a k s, das über Maßnahmen zur Behebung der großen Schwierigkeiten in der Versorgung der Stabt nt i t Fleisch beriet, sandte an den Handelsminister eine Depesche, in der dieser ersucht wird, im Interesse der Wiener Bevölkerung einen sofortigen Erlaß eines zeitweiligen Ausfuhrverbots für Schlachtvieh und Fleisch zu bewirken.

Wie das Reutersche Bureau erfährt, reift die Mission zur Ankündigung der Thronbesteigung des Königs Georg an den verschiedenen Höfen unter Lord Roberts am 17. August nach Petersburg ab und geht von dort nach Bukarest, Belgrad und schließlich nach Berlin.

Aus St. Quentin wird gemeldet: In Tergnier sind am Donnerstag morgen 8 0 0 A r b e i t e r d e r Eisen­bahnmaterialwertstätte. infolge der Entlassung eines. ihrer Kameraden in den A u s st a n d gettctc n. In einer Versammlung entfalteten die Streikenden eine rote Fahne, die von der Polizei loufiszivrt murbe.

TasParis Journal" .berichtet zu dem Anleihe- a b s ch l u ß b e s türkischen F i u a n z rn i u i st er s Dck a- v i b B e y über 140 Millionen Franks, daß die französische Regierung dem türkischen Finanzminister er­klärt habe, die Kotierung der Anleihe an der Pariser Börse würde nicht bewilligt werden, so lange nicht gewisse, zwischen der Türkei und Frankreich strittige Fragen gelöst und so lange nicht Aufträge der Türkei uach Frank­reich vergeben würden.

_ WieTanin" berichtet, ist der türkische Gesandte in o f i a beauftragt, gegen ein in Londoner Blättern er- schienenes Rundschreiben der bulgarischen Gesandtschaft zu vrotestieren. In dem Rundschreiben war eine Erklärung her türkischen Gesandtschaft in London, die bestreitet, daß der der Entwaffnung der m a z e d o n i s ch e n Be- v ö l t e r u ii g (Gewaltakte vorgelornmen seien, als den Tat­sachen widersprechend bezeichnet worben. Eine Unter- )ucf)ung der bulgarischen Beschwerden ist angeregt wor beu. WieSanin" weiter erklärt, lenkte die' bulgarische

Regierung in her Frage der Entwaffnung der mazedonischen Bulgaren auf die Ratschläge der Mächte hin, ein.

Ter .Matin" meldet aus Tanger: Nach Berichten aus zuverlässiger Quelle haben El Mokri und Ben Ghabrit Fez verlassen, um sich sofort über Tanger nach Paris zu begeben. El Mokri soll vom Sultan be­auftragt worden sein, direkt mit der französischen Regierung über einen neuen Vertrag von höchster Wichtigkeit zu verhandeln. Nach Abschluß würde sich 9Nnley Hafid nach Rabat begeben, wo er sich in einigen Monaten mit der französischen Gesandtschaft treffen würde, um den neuen Vertrag entgültig zu rati­fizieren.

Der Abg. Köf)!er=£angsöorf und das Automobil.

Der H c f fisch c Au t o m c> b i l k l u b in Darmstadt ersucht uns um Aufnahme folgender Zuschrift, die wir, um einige un­nötig scharfe Ausdrücke gekürzt, hier wiedergeben:

Die im Gießener Anzeiger und anderen Blättern zum Ab­druck gebrachten Aeußerungen des Herrn Köhler-Langsdorf über dasModerne Ungeziefer" nötigen den Hessischen Automobilklub zu folgender Erwiderung:

Der Unwille der Landbevölkerung über das Automobil ist bekannt und bis zu einem gewissen Grade auch begreiflich. Keines­falls aber ist es angebracht, in dem von dem Herrn Köhler-Langs­dorf gewählten aufhetzenden Ton von dem Automobil und seinen Besitzern zu reden.

Mit Rücksicht darauf, daß Herr Köhler seinen bäuerlichen Freunden den schlechten Rat erteilt, gegen die die Landstraße passierenden Automobile mit dem Revolver in der Hand vor­zugehen, soll doch im Interesse unserer Landbevölkerung Stellung zu den Aeußerungen des Herrn Köhler-Langsdorf genommen werden.

Wir lehnen es ab, dem Verfasser in dem ihm eigenenTon" zu erwidern.

Die von dem Hess. Automobilklub im Einverständnis mit den Polizeibehörden herausgegebenen10 Gebote für Fuhrleute" stellen keineswegs eine Anmaßung der Automobilbesitzer bar, sondern sind dem ehrlichen Bestreben entsprungen, Unfälle auf der Landyraße nach Möglichkeit dadurch zu verhüten, daß die auf derselben passierenden Fuhrwerke auf die gewissenhafte Be­folgung der polizeilichen Vorschriften erneut und nachdrücklichst hingewiesen werden.

Der Hess. Automobilklub hat seit einigen Wochen unter Zu­ziehung von Beamten des Polizei- und Sicherheitsdienstes sog. Polizeifahrten nach allen Gegenden der Provinz Starkenburg unternommen und es wurde bei diesen offiziellen Fahrten statistisch nachgewiesen, daß etwa 40 Prozent aller Fuhrwerke auf der Land­straße entweder falsch gefahren oder nach der falschen Seite hin ausgewichen sind. Diese Fahrten sollten namentlich auf die Land­bevölkerung wie Automobillenker erzieherisch und ausklärend wirken im Interesse der Vermeidung von Unfällen, welche durch beu Zusammenstoß von Automobilen und sonstigen Fuhrwerken leider so häufig entstehen.

Es ist deshalb eine abgeschmackte Anmaßung des Herrn Köhler-Langsdorf, diese von der gesamten Qeffentlichkeit anerkann­ten Bestrebungen des Hess. Automobilklubs in der bereits gerügten Weise zu kritisieren.

Einem gewählten Vertreter des Volks steht es wirklich schlecht an, seine eigenen Wählern. Gesinnungsgenossen zu Gewalttätigkeiten u. Begehung strafbarer Handlungen aufzureizen. Darin zeigt sich bei dem Verfasser eine Verachtung und demonstrative Verhöhnung der Gesetze des Staates und des in ihnen ausgesprochenen Willens der Staatsgewalt.

Ein derartiges Unterfangen ist auch gemeingefährlich insofern, als die Wirkung der Aufofrderung von dem Verfasser nicht über­sehen und beherrscht werden kann, ob und inwieweit der in die Menge geschleuderte Funke zünden, ob er einen verheerenden Brand entfachen oder aber spurlos nnb unschädlich verglimmen wird.

Ter Hess. Automobilklub hat deshalb Strafantrag wegen Vergehens gegen t? 110 des Strafgesetzbuchs gegen den Herrn Köhler-Langsdorf bei der Staatsanwaltschaft üt Darmstadt er­stattet.

Aus Studt und Land.

Gießen, 13. August 1910.

* * Tageskalender. K i n e m a t o g r a p h: Neuer Spiel- plan.

Biograph: Neuer Svielplan.

Au läge musik am Sonntag vormittag 11/, Uhr in der Süd-Anlage. Svielplan: 1.Largo", von Händel. 2. Ouver­türe zur OperMignon", von C. Thomas. 3. Wotans Abschied und Fenerzauber aus dem MusikdramaTie Walküre", von R. Wagner. 4. Armeemarsch Nr. 62 (Marsch d. kaiserl. ruf). Leil^ garbe Semenowskschen Regiments).

*

** Ans demMilitär-Wochen blatt. V.Linde- qui ft, Oberstlt. beim Stabe des Jnf.-Regts. KaiserWil - Helm Nr. 116, unter Beförderung zum Obersten, zum Kommandeur des 1. Hannov. Jnf.-Regts. Nr. 74 ernannt. Heuer, Oberstlt. im Jnf.-Regl. Kaiser Wilhelm (2. Groß­herzogt. Hess.) M. 116, unter Enthebung von der Stellung als Bats.-Kommaubeur zum Stabe des Regts. übergetreten. Frhr. v. Bibra, Major beim Stabe desselben Regts., zum BatS.-Kommandeur ernannt.

* * Finanzminister Dr. Braun wird am kommen­den Montag nach Beendigung seines Urlaubs die Dienst- geschäfte wieder übernehmen.

* * Die Einnahmen aus dem Gießener Schlacht­hofsbetrieb betragen für das Rechnungsjahr 1909/10 53 071,42 Mk. gegen 53 557,06 Mk. oder 485,64 Mk. weniger als 1908/09. Im einzelnen betragen die Einnahmen: Schlacht­gebühren 36 414,60 Mk. (gegen 31502,80 Mk. im Jahre zuvor), Befchaugebühren 8 071,23 Mk. (12 971,71 Mk.), Trichinenschaugebühren 4 630,55 Mk. (5 084,10 Mk.), Wiege­gebühren 2954,54 Mk. (2927,25 Mk.), Stallgebühren 130 Mk. (153 Mk.), Futtergelder 868,40 Mk. (917,90 Mk.), Ver­schiedenes 2,10 Mk. (0,10 Mk.). Der erhebliche Rückgang der Gebühren aus Fleischbeschau gegen das Vorjahr, der rund 4900 Mk. beträgt, erklärt sich durch die Ermäßigung der Gebührensätze. Ungefähr der gleiche Betrag wurde an Schlacht­gebühren 1909/10 mehr vereinnahmt als 1908/09, weil im letzten Jahre etwa 400 Stück Großvieh mehr geschlachtet wurden als im Jahre zuvor.

* * Ein Zug-Abrufapparat befindet sich schon seit längerer Zeit im Wartesaal 3. Klasse des Bahnhofs Gießen im Betrieb. Schreibmaschinen sind bei den Direktionen und Inspektionen der preuß.-hess. Eisenbahn - verivaltung schon seit Jahren in dienstlichem Gebrauch.

* * Ungemütlich. Ein Bewohner der Walltorstraße schlug in verflossener Nacht einem seiner Nachbarn alle Fenster an der Wohnung mit einem Stock entzwei. Eifersucht soll der Grund zu dieser Tat gewesen fein. Jedenfalls wird die Angelegenheit noch ein gerichtliches Nachspiel haben.

Steinberg, 13. Aug. Der TurnvereinGut Heil" hält m feinem Vereinslokal morgen fein 21 bturnen ab, das mit einer kleinen Festlichkeit verbunden ist.

u. Schlitz, 12. Aug. Im benachbarten Heckershausen geriet der 18jährige Sohu des Gastwirts Karl Schäfer

unter einen Erntewagen und wurde am rechten Dbav schenke! schwer verletzt in das hiesige Gräfliche Hospital verbracht.

1. Friedberg, 11. Aug. Heute feierte der älteste Einwohner Friedbergs, der Rentner Justus Wiechard, in körperlicher und geistiger Frische seinen 90. Geburtstag.

rm. Darmstadt, 12. Aug. lPrivattclegramm.) Aus der Landstraße Darmstadt-Ebcrstadt st ür z t e'gestern abend der Gefreite H a n n e m a n n aus Mettenheim von der 2. Batterie des Großh. Artitteriekorps. Er fuhr mit einem ^r^^lt,a9en "ach der Kaserne, als die von Schnaken belästigten Pferde scheuten, wobei das Reitpferd stürzte. Hannemann fiel unter den Wagen und die Räder gingen iljm über die Brust. Er starb nadi kurzer Zeit.

s. C f f en bad) a. M., 12. Aug. Gegen die von hiesigen Großindu)triellen, u. a. der Bketallschraubenfabrik von Gebr. Heyne, aus Anlaß des Konflikts im Vorstand der Ortskrankenkasse geplante Errichtung von Be­trieb s kr an ke n ka ss e n nahm heute abend eine vom Vorstand des Gewerkfck)aftskartells einberufene, stark be­suchte Versammlung im Gewerk,chastshaus Stellung. Nach Berichterstattung des Arbeiterselretärs G r ä s - Frankfurt und des Redakteurs Kaul vom Offenb. Abendbl. wurde dhne Besprechung einstimmig eine Eirtschließung angenommen, worin bic, beabsichtigte Zerplitterung des Krankenkassen- wefens aufs entsd)iedenste widersprochen wird. Es wird er­wartet, daß sich die Bürgermeisterei entschieden dagegen wendet, das Kreisamt aber der Gründung von Betriebs- kantenkassen die Genehmigung versagt. Die Leitung der Versammlung wird beauftragt, beim Kreisamt dahingehend vorstellig zu werden. Die Arbeiter der Betriebe, die die Gründung von Betriebskrankenkassen beabsichtigen werden anfgeforbert, unter allen Umständen, und sei es durch Ar­beitsniederlegung, die Gründung zu verhindern. Die Ar­beiterschaft Offenbachs werde den eventl. im Kampfe stehen­den Arbeitern die weitgehendste Unterfttitzung zuteil werden lassen.

-Heppenheim, 12. Aug. Begünstigt von präch­tigem Wetter feierte das Korps Starke nburgia am /. und 8. l. Mts. feilt 70jähriges Stiftungsfest nach altem Herkommen in den Mauern Heppenheims. Am Samstag um 6 Uhr sammelten sich die alten und jungen Starken­burger am Bahnhof: bann ginge unter Vorantritt der Ka- pelle^ Mickley durch die in Flaggenschmuck prangenden Straßen in festlichem Zuge nach den geschmückten Räumen deshalben Monds". Dort wurde zunächst ein einfaches Abendessen eingenommen, worauf der Stiftungsfestkömmers unter Teilnahme von etwa 120 Personen seinen Anfang nahm. Die Begrüßungsrede hielt der Vorsitzende des Fest­ausschusses, Forstmeister Ebel, Lorsch. Für die Aktiven sprach auf die alten Herren der erste Chargierte, stud. Bundschuh. Bürgermeister Höhn brachte den Willkommen- 9ruß der Stadt Heppenheim. Namens der alten Herren sprach Geh. Forstrat Joseph, Eberstadt, der Vorsitzende des A. H.-Bereins. Den jungen Nachwuchs zugleich 'mahnend und aufmunternb, hielt er Rückschau nachder alten Burscheiiherrlichkeit", in den Jubelmf ausklingend:Die alten Burschen leben noch"! und schloß mit einem Sala­mander auf ewiges Blühen und Gedeihen des Korps. Die Jubelgrüße des ältesten 65jährigeu Kartellkorps Saxo-Bo- russia-tzeidelberg überbrachte Oberamtsrichter Frhr. von la Rockie-Starkenfels aus Heidelberg, diejenigen der übrigen Karrell- und befreundeten Korps Rechtsanwalt Dr. Bill- Hardt-Mainz. Der Toten gedachte Divisionspfarrer Büttel- Schleswig und weihte ihnen ein stilles Glas. Um Mitter­nacht stieg nach altem Herkommen der feierliche Lanbes- vater. Als die letzten Kommersgäste sich trennten, erwies sich das von den freundlichen Heppenheimer Quartierwirten bereit gestellte Licht längst als überflüssig. Kurz war die Nachtruhe. Um MO Uhr wurden die Gräber der 7 auf dem Friedhöfe ruhenden Starkenburger mit Kränzen ge- fchmückt: am Grabe des hochverdienten Ehrenmitgliedes Medizinalrat Werls wurde von Divifiouspfarrer Büttel nochmals der Toten gedacht. Alsdann sand feierlick)er Korpskonvent statt, bei dem außer einigen anderen Aus­zeichnungen an diealten Herren" Dr. Bottler-Jülick) unb- Forstmeister Heyer-Jugenheim bic Ehreiimitgliedschaft ver­liehen würbe. Um i/jll Uhr zog man mit ben inzwischen zahlreich eingetroffenen Damen' zur alten Feste Starken­burg, hie Provinz und Korps ben Namen gab, zum Früh­schoppen. Am Stiftergebentftein, wo ein Kranz niebergelegt würbe, würbe kurz verweilt: bann entwickelte sich ein reges, buntes Treiben, bis um 1 Uhr bas Signal znm Rückmarsck) ertönte. Um 2 Uhr begann das Festessen (etwa 160 Per­sonen), bei dem Forstmeister Ebel der Mütter, Gattinnen, Töchter und Schwestern bet Starkenburger gedachte, wäh­rend Dr. Bottler dem Festausschuß Dank und Anerkennung .zollte. Von M Uhr ab war Gartenfest: cs wurde kon- zerttert und getanzt, wobei man sich im Garten zu reger, Unterhaltung, gemeinsam mit den liebenswürdigen Quar­tierwirten, zusammenfand. Die späten Abendzüge ent- führten viele der Festteilnehmer, viele aber harrten bis Dienstag, ja sogar bis Donnerstag aus.

O Krofdorf, 12. Aug. Unsere Gemeinde, bic durch bas Suchen nadj einer Quelle mit ber Wünschelrute be­rühmt geworben ist, steht jetzt vor ber Entscheibuiig. Nach- bem bic Wünschelrute versagt hatte, verpflichtete mau einen Bohrmeister, ber am Wißmar er Walb nach einer Quelle schürfte unb audj eine sand. Sachverstänbige behaupten aber, baß bic vorhanbeiie Wassermengc nicht hinreiche, um bas Dors zu versorgen. 9hin hat Bürgermeister Brann, um für alle Fälle sicher zu gehen, der Gemeinde eine Quelle bei Bieber gesichert, die so reichlick) Wasser gibt, baß damit mehrere Gemeinden versorgt werden können. Zur ratio­nellen Ausnutzung dieser Quelle wäre die Erbauung eines Gruppenwasserwerks das beste, ein Vorschlag, der auch ge­macht iüurbc. Der Gemeinderat hat sich nun in der nächsten Zeit schlüssig zu machen. Man darf ivohl hoffen, daß er weitsichtig genug ist, um einen Beschluß zu fassen, der nicht nur ben Augenblicksbebars in Anschlag bringt, so daß man nicht genötigt ist, in 5 oder 6 Jahren wieder nach mehr Wasser zu suchen.

# Kinzenbach, 12. Aug. Die Straße von hier nach Rod he im, besonders bas Stück bis zur Landes- grenzc, ist schon lange in einem schlimmen Zustande. Seit einem halben Menschenalter ist an der vor alters befestigten Straße nichts mehr ansgebessert worben, babei hat bas Regenwetter den Weg vielfach ausgewaschen und zerstört. Es wäre angebracht, wenn die Aufsichtsbehörde dafür sorgte, baß bic Straße ordnungsgemäß hergestellt und unterhalten wird, wie man dies im Zeitalter des modernen Verkehrs wohl verlangen kann.

X Aus dem Wohratal, 12. Aug. Noch im Laufe dieses Jahres soll mit dem Ban der Bahn burd) das Wohra ta£ von Kirchhain nach Gemünden begonnen werden. Die neue Bahn wird eine Fortsetzung der Bahn Zimmersrodc- - Gemünden, einen Abzweig der Main-Wcscr<Linic, bilden,