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13.8.1910 Erstes Blatt
 
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jährt. ausscht. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den polltifchen Teil: August Goetz; fürFeuille- ton* und .Vermischtes* K. Neurath; für.Stadt u. Land" undGerichts-

Nr. 188 Erstes Blatt 160. Jahrgang Samstag 13. Angnst 1010

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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

politische Wochenschau.

Gießen, 13. Aug.

Der Weltkongreß für freies Christentum und religiösen Fortschritt hat, was die Aufmerksamkeit der weiten Oeffent- üchkeit anlangt, in einer für ihn günstigen Zeit statt- aefundcn. In der Stille, die jetzt herrscht, vernahm man das Säuseln der freireligiösen Lüste deutlicher. Es war kein Sturm, der ettooS hinweggefegt hätte, keine einheitliche Kundgebung, die nach einer neuen Reformation geschrien hätte. Neben den Gelehrten unserer protestantischen Theo­logie tauchten politische Freigeister aus, Leute, die, wie Maurenbrecher, ihr Reich längst nicht mehr injener" Welt suchen, ferner Sektierer oder Apostel anderer Glaubens­richtungen. Was Wunder, wenn die konservativen Blätter sich zur Abwehr erhoben:Berufe nicht die wohlbekannte Schar, die strömend sich im Dunstkreis überbreitet. . Es wurde wirklich izu viel gesprochen, die Rednerliste war zu groß, und die Stoffe, die niederaelegt wurden, glänzten in den buntesten, widersprechendsten Farben. Manche gedankentiefe Darlegungen, viele von wohltuen­der Duldsamkeit beseelte Vorschläge, aber auch Abgesandte jenes Schwarmes, von denen gesagt wird:Sie stellen wie vom Himmel sich aesandt, und lispeln englisch, wenn sie lügen." Wie viel bedeutender und besser wäre es, wenn alle diejenigen deutschen Theologen von den Lehrstühlen und Kanzeln, die orthodoxen Ballast los zu werden wünschen, zu einem deutschen Kongreß sich zusammensinden könn­ten, um neue Bahn für ein freies Christentum zu schaffen! Die ernsten Männer vom Fach aber standen diesmal augen­scheinlich nur in der zweiten Reihe, und wir werden uns wohl nicht täuschen in der Annahme, daß mancher von ihnen bei allzu Phrasenhaften Redeblüten irgend eines Aus­länders oder freigeistigen Freischärlers ,sich seufzend ab­gewandt haben wird. Trotzdem: geschadet hat der Kon­greß nicht. So widerspruchsvolle Bekenntnisse im einzelnen abgelegt wurden, so vernehmlich klang doch aus den meisten Vorträgen der eindringliche Ruf nach Toleranz, der viel­fach ernsten Widerhall gefunden haben mag. Wir könnten uns freuen, wenn aus der einen Seite der geistige Hochmut eines strengen Dogmatismus zu christlicher Duldung ge­mildert, und andererseits das Schaumgebilde des Materia­lismus oder Monismus weggeschwemmt würde, die alle Ehrfurcht ersticken und die harmonischen Geistes- und Sinneskräste des Menschen zu einem öden Prinzip ver­kneten. Dann dürften Lessings Worte ihren alten, schönen Klang behalten: Es eifre jeder seiner unbestochnen, von Vorurteilen freien Liebe nach. . .

Wenn man davon absieht, daß auf dem Balkan die Aschenhaufen wieder einmal rauchen, auch in Persien die Hydra des Aufruhrs noch Leben zeigt, so wai?s stille in der Politik. So schweifte denn das Interesse ab auf die unsittlichen Gräuel des Rektors der Berliner 40. Gemeinde­schule, oder auf die Fliegertage in Ostfrankreich, wenn man nicht, wie manche Politiker, den Fliegern auf der Land­straße wieder härter auf den Pelz- gerückt ist, um das Ventil lang zurückgehaltener Wut zu offnen und dem Automobilis- mus überhaupt die Fehde anzusagen. Wir, die wir milder über die Schattenseiten der neuen Verkehrsmittel denken, begrüßen es, daß künftig den Fliegern auch der Weg durch die Lüste mehr und mehr eröffnet wird. Gegenwärtig

sind die Franzosen in der Flugtechnik zweifellos allen anderen Völkern weit voraus, und die zierlichen Eindecker Bleriots vor allem, deren wundervollen Flug wir im vorigen Herbst auch aus der Frankfurter Jla haben be­wundern können, haben ganz Frankreich in einen Rausch des Entzückens versetzt. Bleriot ist den Franzosen, was uns Deutschen Gras Zeppelin ist. Lsblanc, der bisher immer Sieger geblieben ist,, hat auf seinem Eindecker die Fahrt von Nancy nach Möziöres in zwei Stunden und 5 Minuten zurückgelegt. Wenn man bedenkt, daß es sich hier um 160 Kilometer, eine Strecke also von der Luftlinie Frank­furt-Stuttgart, Frankfurt-Kassel oder Franlfurt-Köln, han­delt, und daß besondere Terrainschwierigleiten zu über­winden waren, so wird man die Begeisterung der Franzosen nachfühlen können. Man würde in einem Bleriotschen Ge­fährt die Reisen von Frankfurt nach den drei erwähnten Städten um etwa eine Stunde rascher zurücklegen als ein O-Zug! Allerdings hat eine solche Reise in der Flug­maschine auch einige Beschwerlichkeiten; der Fahrer muß eine eiserne Natur haben, denn er ist dem ungeheuren Luft­druck, auch der Kälte und Nässe, schutzlos preisgegeben. Die Franzosen setzen ihre Zukunft dennoch auf ihre Flug­maschinen. Und wer weiß, ob man die jetzt vorhandenen Mängel und Schwierigkeiten nicht bald durch neue Vor­richtungen wird mildern oder gar ganz beseitigen können? Schon heute meldet die Pariser Presse mit großem Stolz, daß Flugmaschinen künftig ins Heer eingestellt werden, daß bei den diesjährigen Herbstmanövern auch die Flieger zu Hebungen herangezogen werden sollen. Auf dem Papier ist alles schon in bester Ordnung: wie schön klingt es doch, wenn es heißt, jedem Lenkballon solle eine Flug- masckine für den meteorologischen Ausklärungsdienft bei­gegeben werden! Wenn wir auch in Deutschland keinen Grund haben, über die neuen französischen Fortschritte in Unruhe zu geraten, so sollte doch die deutsche Technik alles daran setzen, den Vorsprung unserer westlichen Nachbarn einzuholen. Wir dürfen uns nicht damit begnügen, gute Luftschiffe zu haben, das Problem der Ein- und Zweidecker sollte nicht nur Franzosen und Amerikaner beschäftigen. Was bisher über die gegenwärtigen Flugtage in Johannis­tal berichtet wurde, waren so bescheidene Ergebnisse, daß man angesichts der französischen Erfolge sich beinahe schämen mußte, davon zu sprechen. Hoffen wir, daß wir die Scharte bald werden auswetzen können)

Die Zeit fr'edllcher R'che urb Stille scheint einigen sozialdemokratischen Eiferern nicht in den Kram gepaßt zu haben. Denn nach allem, was bisher über den neuen Aus­stand der deutschen Werftarbeiter verlautet ist, handelt es sich dabei um eine sozialdemokratische Machtprobe, um Schürung von Unzufriedenheit, die dem weiteren Anschwel­len 'der roten Flut zugute kommen soll. Erst im Mai des Jahres 1907 sind die deutschen Werstbesitzer den Arbeiter­wünschen entgegengekommen, indem nach gemeinsamen Ver­handlungen die Arbeitszeit der Woche von 60 auf 56 oder 57 Stunden herabgesetzt wurde. Auch in der Lohnfrage, über Akkordarbeit, Ueberzeit und andere Dinge wurden neue Abmachungen getroffen, lieber die Geltungsdauer dieser Vereinbarungen wurde nichts festgesetzt, aber die Arbeit­geber sollen ausdrücklich daraus hingewiesen haben, daß ein weiteres Entgegenkommen unter allen Umständen so lange nicht erfolgen könne, bis der Geschäftsgang bei den Werften sich wieder gehoben haben würde. Eine solche Hebung in diesem Wirtschaftszweig hat aber nach übereinstimmenden,

zuverlässigen Berichten inzwischen nicht stattgefunden, ja, man kann sogar von einer bedrückten Lage der Werst­industrie sprechen. Die Arbeiterführer mußten dies gewußt haben: trotzdem überreichten sie am 11. Juli dieses Jahres neue Forderungen. Sie bestehen nicht nur, wie wir schon berichtet haben, aus einer 53 Stunden-Arbeitszeit, sondern auch auf neuen Bestimmungen in der Entlöhnungsweise und der Art der Arbeitsleistung. Wenn es nun gewiß auch im allgemeinen Interesse liegt, einen allgemeinen Aus­stand mit seinen Dielen schädlichen Folgen zu vermeiden, so wird man doch von den Arbeitgebern nicht verlangen können, daß sie sich in dieser Machtprobe wiederum bücken und beugen, zumal nach dem Ausbruch der Streitigkeiten an die Stelle der eigentlichen Vertreter der Werftarbeiter als­bald der sozialdemokratische Metallarbeiterverband getreten ist. So sind wir denn heute so weit, daß in Hamburg, Bremen, Stettin und Danzig etwa 30000 Werftarbeiter ausgesperrt sind. Am Ende wird man die Regierung wieder als Mittlerin anrufen. Da bei den Arbeitgebern offenbar allgemeine Verbitterung über das Vorgehen der Arbeiter herrscht, diese hingegen auf die wohlgefüllte Kasse ihrer Organisation weisen,' wird der Kampf altem Anschein nach lange dauern und tausende Familien in Not versetzen. Ob es den sozialdemokratischen .Führern so leicht wird, die sckstvere Verantwortung dafür zu tragen?

Rampolla redivivus?

Man schreibt uns aus Berlin:

Bei der Undurchdringlichkeit der Mauern des Vatikans ist es für die Außenstehenden äußerst schwer, zu entscheiden, ob die Nachricht desDaily Expreß", nach der Kardinal Rampollas Einfluß von neuem im Steigen sei und er jetzt wieder die vatikanische Politik leite, wenn man auch Merry del Val in seinem Titel und seiner Würde als Staatssekretär belassen wolle, zutrifft oder nicht. Dagegen spricht eigent­lich nur das persönliche Wohlwollen, welches der Papst für Merry del Val und seinen spanischen Anhang hegt. Alle übrigen Momente sprechen so sehr für die Richtigkeit der Daily Expreß-Meldung, daß man wohl nicht umhin kann, sie für wahr zu halten und in Kardinal Ranrpolla den Mann zu sehen, der jetzt, wenn auch inoffiziell, die Politik des Vatikans beeinflußt.

Schon im September 1908 gingen ähnliche Gerüchte durch die Presse. Man prophezeite damai". oaü Cardinal Rampolla in absehbarer ins Staatssekrechiiar zurück­kehren würde, weil sich im Kardinalkollegium eine wachsende Mißstimmung gegen Merry del Dal geltend machte. Gab man ihm doch dort, und zwar mit Recht, Schuld daran, daß die Kirche im Kampf mit Frankreich unterlegen wäre, daß sich die Beziehungen des Vatikans zu Oesterreich infolge des ungeschickten Verhaltens seines Nuntius Granito di Belmonte in der Prvfessorenfrage gelockert hätten, daß das Verhältnis des päpstlichen Stuhles zu Italien ein unsicheres und zu den Vereinigten Staaten ein äußerst kühles wäre, und daß die katholische Geistlichkeit trotz aller Bekämpfung des Modernismus nach wie vor in zwei Lager gespalten sei. Seitdem aber hat sich das Konto diplomatischen Ungeschicks Merry del Vals noch bedeutend vergrößert. Der Erlaß des Borromäus-Hirtenbriess mußte in höchstem Grade auf­reizend auf den Protestantismus wirken, und zwar insbeson­dere in Deutschland, auf dessen Freundschaft doch der Vatikan in hohem Maße angewiesen ist, will er die Fiktion einer politischen Macht überhaupt noch aufrechterhätten. Und nun

Die Ueberlandflüge in Gstfrantrcich.

O Paris, 12. Aug.

Die dritte Strecke des Ueberlandsluges durch Nord­ostfrankreich hat abermals als Sieger Leblanc zu ver­zeichnen, der seinen bisherigen Mitbewerber Aubrun nicht mehr, wie bei den ersten beiden Strecken um einige Mi­nuten, sondern gleich um 2 Stunden geschlagen hat^ Da die beiden allein noch für das Gesamtergebnis in Frage kommen, ist, wenn nicht etwas ganz außergewöhnliches eintritt, Leblanc's Triumph mehr als wahrscheinlich. Man darf auf diesen Umso mehr rechnen, als die zweite und dritte Strecke entschieden die schwersten der ganzen Flug­fahrt sind. Führten sie doch über bergige Gegenden, Vor­läufer der Vogesen und der Ardennen, in denen die Luft­strömungen besonders in diesem auch weiterhin außer­gewöhnlichen Sommer gefährlich und rasch abwechselnd sind. Umso verblüffender müssen die Leistungen Leblanc's erscheinen, der überdies etwas leidend ist und seit einigen Tagen nur von Eiern und Tee lebt. Aber er zeichnet sich nicht nur durch körperliche Geschmeidigkeit, durch Kaltblütigkeit und sicheren, scharfen Blick, sondern viel­leicht mehr noch durch eine erstaunliche Fähigkeit aus, von den Lüften herab einmal gesehene Punkte schnell zu erkennen und nach ihnen seine Richtung sicher zu nehmen. Bei dem Donnerstagsfluge war ihm sogar gleich zu An­fang die Landkarte durch einen Windstoß fort- gerissen worden, so daß er ausschließlich sich auf sein ; Gedächtnis verlassen mußte. Daher kam es auch, daß er sich auf dem ersten, ihm weniger bekannten Teile der ! Strecke von Nancy nach Msziöres in dem dichten Nebel verirrte und reichlich eine Viertelstunde verlor. Erst als er die Maas erreichte, fand er sich wieder zurecht und die Schuppen von Douzy, die ihm von seinen früheren Flügen her bekannt waren, dienten ihm als willkommene : Wegweiser; von da an flog er sicher und glatt zum Ziele, Um ohne Schwierigkeiten um 7.35 Uhr nach einem Fluge von zwei Stunden und vier Minuten ui landen.

Natürlich wurde er mit überströmendem Jubel emp­fangen und abermals alsUeberluftmensch" gefeiert. Er erklärte, Furchtbares ausgestanden zu haben, als er sich nicht in dem Nebel zurechtzufinden vermochte. 9hir mit Aufbietung seiner ganzen Willenskraft habe er sich in den

Lüften zu halten vermocht. Sicherlich hat es ihm viel genützt, daß er dank seiner Wegkenntnis schon vor 8 Uhr in Msttöres anlangen konnte, da er so den Regensturm vermied, in den Aubrun hineingeriet und der diesen weit verschlug.

Der zweite Bleriotflieger mußte deshalb in CHLlons eine Zwischenlandung vornehmen, wo ihm die Offiziere mit Karten und Wegaufklärungen sehr behilflich waren. So ist er auch schon deshalb nicht mit Leblanc aus eine Stufe zu stellen, da dieser stets ohne jede fremden Weg­nachweisungen oder andere Hilfeleistungen alle drei Strecken zurückgelegt hat. Als Ergebnisse kann man jetzt wohl fol­gende feststellen: Die Blsriot-Eindecker sind außerordent- lich widerstandskräftig und geschmeidig, da bisher weder Gestelle noch Motoren der von Leblanc und Aubrun ge­steuerten Apparate einen Schaden erlitten haben. Sie fliegen leicht ab und landen glatt, so daß alle Welt den Eindruck empfängt, die Führung solcher mechanischer Vögel könne jeder erlernen. Nur bleibt natürlich die Frage offen, wie weit für Ueberlandslüge die Körper durchaebildet wer­den müssen und ob nicht besondere Naturanlagen immer für sie erforderlich sein werden, so daß sie nur von außer­gewöhnlich Befähigten ausgeführt werden können. Denn nicht nur die Führer, sondern auch die Begleiter auf solchen Flügen müssen bei dem bisherigen Stande der Dinge mit einer ungewöhnlichen Widerstandskraft gegen die W i n d st ö ß e, die besonders den Nacken zu- jammenpressen, ausgestattet sein. Sehr deutlich ist be­wiesen worden, daß die Kenntlichmachung von Punkten auf weite Entfernungen und in hinreichender Anzahl mit scharfer Beleuchtung während der Dunkelheit unumgäng­lich ist, wenn die Flugschiffahrt durch die Lüste in noch so beschränktem Maße für praktische Zwecke dienen soll. Die französischen Zeitungen sind freilich zu solchen nüch­ternen Erwägungen augenblicklich noch ganz ungeeignet, da sie sich in einem wahren Rausche befinden, nach dem die Ernüchterung nicht ausbleiben kann.

Paris, 12. Aug. DemJournal" zufolge arbeitet man augenblicklich im Kriegsministerium die Reglements aus, nach denen die an den diesjährigen Mcmovern teilnehmenden Flug­maschinen nebeneinander manövrieren sollen. Als Grunüsav soll gelten, daß jede Flugmaschine, die in der Lust von einer anderen durch eine arößere Höbe übertroffen wird, als unterlegen be­

trachtet und infolgedessen für den Manövertag außer Gefecht gesetzt werden soll.

DemJournal" zufolge werden an den großen Manö- vern in der Picardie eine Anzahl Flug Maschinen und die beiden LenkballonsLiberte" undColonel Re- nard" teilnehmen. Jedem Lenkballon wird eine Flugmaschine zugeteilt werden, die den meteorologischen Auf­klärung s di en st zu besorgen haben wird. Jedes der beiden an den Manöveni teilnehmenden Armeekorps erhält je vier Flug­maschinen. .

Professor Ehrlich über sein Syphilis- mittel. IM überfüllten Hörsaal des städtischen Kranken­hauses in Frankfurt a. M. besprach gestern mittag Professor Herxheimer die Ergebnisse mitPräparat 606" an Pa­ttenten des Krankenhauses; er bezeichnete das Mittel als von unschädlicher, aber überraschender und verblüffender Wirkung. Geheimrat Dr. Ehrlich legte dar, daß Nach­richten über 3300 behandelte Fälle vorliegen, doch dürfbe die Zahl der mitPräparat 606" behanüellen Pattenteu schon 4000 betragen. Bon 2000 Fällen könne gesagt werden, daß die Kranken durch eine Injektion tatsächlich vom Tode gerettet wurden; bisher wurden nur vier Todesfälle beobachtet. Bon dreien sei jedoch (wie m Nr. 186 des Gieß. Anz. schon mitgeteilt. Die Red.) mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß nicht das Mittel als solches, sondern die körperlick)e Beschaffenheit der betteffenden Pattenten die Todesursache war. Geheim­rat Ehrlich widerlegte eingehend die von Zeitungen ye- brachten Erblindungsfälle und stellte fest, daß kein einziger Fall von Sehnervenerkrankung oder sonsttger Erkrankung des Auges durchMittet 606" bekannt geworden sei. Noch könne nicht gesagt werden, ob die Dauer­wirkung des Präparats eine vollkommene sei, da die Beurteilung mindestens zwei bis drei Jahre er­fordere, doch sei zu hoffen, daßPräparat 606" nicht nur eine soforttge, sondern auch eine dauernde Wirkung entfalte.

Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. In Straßburg starb gestern früh der Professor a. D. Dr. pbil. Michaelis. Er ist der Begründer des kunstarck>äologischen Museums in Sttaßburg. Die Bayrische Gewerbes chau in München, die ursprünglich für 1911 geplant war, ist auf das 5>abr 1912 verschoben worden, da maßgebende Stimmen aus Industrie und Handwerk im Interesse einer gründlichen Vorbereitung eine Verschiebung gewünscht haben.