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11.5.1910 Drittes Blatt
 
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Nr. 108

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General-Anzeiger für Cberhejjen

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Der Vorredner läht die Frage offen, auf welcke Weise wir denn den Mißständen abhelfen können, die von der großen Mehr- heil dieses Hauses anerkannt werden. Sem Gcdankengang geht dahin: nichts tun, der freien Entwicklung Spielraum lasten. Dadurch würde es dahin kommen, daß die nichteristenz- fähigen Werke vernichtet würden und daß wir dann so auf die Dauer einen möglichst billigen Preis erhalten. Diesen Weg hat auch der Aba. Gothein im Plenum und in der Kommission wieder-- holt empfohlen. Die Folge würde aber zunächst die sein, daß ein«

, erschien c3 unS wohl Arbeiter gegen Lohndrückerei zu bc- i: Syndikats oereitS

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NedakNon. ExvefeMo» «nb vruckeretr 6** ftrngt 1. LrvedlNon und Verlag 6L 9iei>atturm11L. Id.-jUiu 'tinjctger® ttBUb

Dt, .«tetzeia femtllenbiatler* oezfeen btm , Anzeiger' etermol -vöchentlich delgelegl. bo» ^XreUbloti ffii K> Kreis Steßen" iroeimol »öckenilich. Di, ^Laudwirtschaflliche» Lett» hogtl* alchemen menoili* zweimal.

zu ändern. Trotz schwerer Bedenken und Zurückstellung materieller Wünsche werden wir dem Gesetz zustimmen, weil e8 sich um ein nationales Werk handelt. (Beifall rechts.)

.e T »r." x l m «ommmion wicocr- sich eben um ein Ausnahmegesetz. Ob die Sätze für die Abga be * hn - Folge wurde aber zunächst die se,n, daß eme baS u e b e r k o n t i n g e n t richtig sind, ist uns zweifel-

l B,n£V$ Fabriken erngehen, daß eme ImfL Jedenfalls dürfen diese Einnahmen nur zu Propa- X stroßen Fabriken steh deü Geschäfts bemächtigen wurde, gn n dazwecken verwendet werden. Am allgemeinen ist es

daß die Preise dem Jnlande wie auch dem Auslande gegenüber ge» rätlid», bei der Schwierigkeit der ganzen Materie, abgesehen von warfen wurden, und daß, wenn, wie eS nach den Vorgängen des redaktionellen Aer.derungen, an den KommissionSbeschlüsseii nichts vergangenen Jahres den Anschein hatte, es dem AuSlande mög- -u ändern. Trotz schwerer Bedenken und Zurückstellung materieller

ruhigung in Handelskreisen, insbesondere bei den Misch­düngerfabriken; ich bitte den Handelsminister um eine beruhigende Erklärung. Dieses Gesetz bedeutet eine Verleugnung der wirtschaftlichen Grundsätze, die bisher maßgebend waren, und die insbesondere wir vertreten. Principiis obsta! Ich warne vor den Konsequenzen; was der einen Industrie recht ist, ist den anderen billig. Wir können dem Gesetz nicht z u st i m- men. (Beifall bei der BolkSpartei.)

Preußischer Handelsminister Dr. Shdow:

Wg. v. Brockhausen (Kons.):

^a^,en. eine einseitige Politik zug'insten der Land-

Wirtschaft getrieben. Landwirtschaft und Industrie sind gleich- berechtigte Sohne einer Volksfamilie; di- Landwirtschaft ist der altere, aber letzt ärmere. In diesem besonderen Falle müssen w'r sur die Industrie besondere Bestimmungen treffen. Es gilt, die Verhaltnige so auszubauen, daß einerseits die berechtigten -^ntercuen der Kaliindustrie gewahrt werden, auf der anderen Sette die der Landwirtschaft und des Handels. Ter Fest- setzun^der Preise können wir nur zustimmen, weil daraus keine f"v o I g c r u n p c n für d i e Zuk'/nft gezogen werden dürfen, und weil das Gesetz nur für 15 Jahre gilt. Durch einen

besonderen Antrag Bring .n wir noch klarer die Sicherung der Ländlervereinigungen zum Ausdruck: wir wollen keine Bevorzugungen. Das größte Gewicht legen wir auf die Bestimmung, daß die Auslandspreise unter keinen Um- ständen niedriger sein dürfen als die Inlandspreise. Wenn nun Schutz der Industrie, dann auch Schutz der Arbeiter. Wären die Tarifverträge und die Gewinnbeteili­gung der Arbeiter in daS Gesetz bincingebracht worden, so wäre eS unS auS prinzipiellen Gründen unmöglich gewesen, daS Gesetz anzunehmen. Hier aber, wo cs sich um die gesetzliche Fest­legung der BcteiligunaSziffern handelt, r-rjL1 - tr

möglich, einen Schutz der Arbeiter geg, schließen, wie sie in einer Eingabe deö neuer

angekündigt war. Wir müstcu eS aber ausdrücklich ab­lehnen daß auS diesen von unS angeregten Maßregeln irgendwelche Konsequenzen für sonstige Er­werbsverhältnisse gezogen werden. Wir freuen unS, daß die Regierung diesen Standpunkt ausdrücklich teilt. handelt

Ausnahmegesetz. Ob die Sätze für die A b g a b e

einen anderen Weg ge- man aber dasselbe Ziel erreichen kann wie mit der Regierungsvorlage. ES wird im wesentlichen dahin fuhren, daß die Ausbeutung der Kalischätze Deutschlands nach dem Gesichtspunkte des Interesses der deutschen Volkswirtschaft ge- ichieht, daß die Inlandspreise mäßig gehalten werden und die Auslandspreise nicht niedriger sind als die Inlandspreise.

Die Regierustg stand also vor der Tatsache, daß ihr Entwurf nicht auf Annahcke rechnen konnte, daß ihnen aber ein anderer ge­boten wurde, mit dem man dasselbe erreichen kann. Da hat doch die Regierung keine Veranlassung, eine ablehnende Stellung ein­zunehmen. Es kommt nichtauf die Form, sondern auf die Sache an, und in der Sache sind die Entwürfe gleich. Der Kommissionsentwurf ist nur etwas burcaukratischcr als der der Regierung. Nun ist von den Konsequenzen ge- fbrodjen worden, die sich für andere Industrien ergeben können. Von Konsequenzen berechtigter Art kann man nur bei gleichen Voraus­setzungen sprechen. Wir haben in Kali ein Naturmonopol. Nur deshalb sind Festsetzungen möglich, die auch das Ausland be­rühren. Die ganze Kette von Bestimmungen hängt miteinander zusammen. Ich hoffe, daß dadurch eine gewisse Sicher­heit geschaffen wird. Die Hoffnung der Zukunft muß auf der Vermehrung des Absatzes beruhen. Ich würde cs für sehr verkehrt halten, wenn die Industrie für die Zukunft darauf rechnete, daß man nach einigen Jahren eine Erhöhung der Preise erreichen kann. Es muß das Bestreben der Industrie fein, durch abia^cimehung in Zukunft eine V e r - billigung der Preise herbeizuführen. ES ist

nicht ausgeschlossen, daß sich bei der Auslegung des

neuen Gesetze Unsicherheiten geltend machen. Aber eins ist sicher, daß solche Zustände, wie im vorigen Jahre, nicht mehr Vor­kommen werden, daß die ganze Kaliindustrie über den H.n u f en geworfen wird, daß die ganze Preispolitik gestört wird. Wenn das Gesetz geschaffen wird, dann werden für seine Dauer solche Vorkommnisse unmöglich fein. Stellen sich wirklich Mißstande heraus, nun, e§ bauert ja nur 15 Safire, dann mögen die Herren, die nach mir an dieser Stelle sich befinden, andere Vorschläge machen. Auf die Anfrage des Herrn Tove kann ich fol­gende Erklärung abgeben: ter Absatz von Mischdünger in ber bisherigen Art soll durch das Gesetz in feiner Weise erschwert werden. Die Kommission hat einen Parallelweg beschritten. Unter diesen Umständen werden die verbündeten Regierungen nicht die Verantwortung übernehmen, wegen derVerschiedenheitdes Weges das Gesetz scheitern zu lassen, und dadurch unsere Herr- über den Weltkalimarkt einer Gefährdung zu unterwerfen. (Beifall.)

Während andere Länder m'.t Zucker, mit Baumwolle, mit Petroleum in der Lage sind, die Welt zu versorgen und dadurch ein Moment wirtschaftlicher Stärke bei Verhand- Jungen weltwirtschaftlicher Fragen besitzen, so ist Deutschland, ab­gesehen von dem Kali, mit keinem derartigen Produkt gesegnet worden. Haben wir nun ein solches, so sollten wir auch dafür sorgen, daß zunächst davon auch die deutsche Volkswirt­schaft Vorteile hat DaS war der maßgebende Gesichtspunkt bei der Ausarbeitung des Gesetzes, und ich kann dem Vorredner darin nicht zustimmen, daß eS sich in erster Linie darum gebandelt hat, eine notleidende Industrie z u stützen. Freilich war es nur möglich, diese Verwertung der deutschen Naturschätze im deutschen Interesse aufrechtzuerhalten, wenn ein gewisser Einfluß auf die Industriellen gegeben ist. Dadurch sind wir zur Regierungsvorlage gekommen. Der zweite Gesichts­punkt war, dafür zu sorgen, daß das Inland mäßig Preise bekommt, daß die Auslandspreise nicht b i I I i g c r werden als die Inlandspreise. Und nur ein Nebenzweck iuar dabei, dann dafür zu sorgen, daß die schwachen Existenzen in der Kaliindustrie nicht über Bord geworfen werden. Denn eS handelt sich dabei nicht bloß um wohlhabende Industrielle, es han- delt sich auch um eine Reihe von Arbeitsstätten in Deutschland, an die sich Arbeiterkolon'en angeschloffen haben, und die nicht untergehen zu lassen, auch ein öffentliches Interesse ist. Nun ist darauf hingewiesen worden, daß die Regierungsvorlage ganz umgeändert worden ist. Herr Dove betonte mit Humor, es scheine jetzt Mod? zu werden, daß die RegierungS- Vorlagen erst im Reichstage zu einem brauch­baren Gesetz umgearbeitet werden Wem sagen Sie das? Damit beweist man doch nicht, daß die Regierungsvorlagen immer im Unrecht gewesen sind. Allerdings hat man manchmal die Empfindung, daß man am besten tut, abzuivarten, was der Reichstag aus feiner Vorlage macht. Ich bin auck heute noch der Meinung, daß die Vertriebsgcmeinschaft der beste Weg gewesen wäre. Die Kommission hat einen anderen Weg ge­wählt, mit dem man aber dasselbe Ziel erreichen kann

lich gemacht würde, bei der inländischen Produktion Fuß zu fassen, das Ausland in den Preisen besser ge st eilt wäre wie bad Inland. Diese Entwicklung hat man ja anderen Kartellen zum Vorwurf gemacht, bisher ist sie. Sie mögen der Politik des KalisyndikatS Vorwürfe machen, fooieT Sie wollm, von ihm nickt eingeschlagen. Wenn das das Ergebnis sein soll, so frage ich: was hat denn Deutschland davon, daß ihm dieses Naturmonopol geworden ist?

IGO» Jahrgang Mittwoch, 11 Mai 1910

Gießener Anzeiger

Abg. Dr. Bärwinkel (Natl.):

Ich glaube nicht, daß die Kaliindustrie große Freude an dem ' Gesetz haben wird. Mit der großen Zahl der Kalispekulanten, die an Papieren Geld verloren haben, wird auch die Industrie . hier einmal bluten müssen, und sie wird nicht sagen können, daß sie ein Gesetz nicht gewollt hat. Eine große Reihe von Ein- , gaben ist ja an uns gekommen. Eine darunter fanden wir , eines Abends in der Kommission in unserer Mappe, einen Brief : eines gewissen Herrn Emil Sauer gegen ein Mitglied der ; Kommission (Gothein), geradezu ein Pamphlet. Ich weiß > nicht, ob der betreffende Abgeordnete nicht nach dem Grundsatz :Niedriger hängen 1" für weitere Verbreitung des Pamphlets hätte : Sorge tragen sollen; jedenfalls möchte ich den Präsidenten bitten, : zu veranlassen, daß uns derartige Schmähschriften i nicht in die Mappe gelegt werden Tas Gesetz ist eine Folgerung aus der Monopolstellung Deutschlands in bezug auf das Kali. Tas Monopol ist ein Nationalvermögen, das zu hüten und zu ' wahren, auch auszunutzen, unsere Schuldigkeit ist. Wir müssen .sorge tragen, daß Schmidtmann Verläufe nicht auch in ; Zukunft gemacht werden können. Gegen einen Kaliausfuhr- zoll haben wir von jeher die lebhaftesten Bedenken gehabt. Die i Lösung der Frage im Regierungsentwurf halten wir für glücklicher ; als die in der Kommissionsvorlage. Wir fürchten noch große , Schwierigkeiten in der Praris. Wenn wir dem Entivurf trotzdem , zustimmen, so deshalb, weil Besseres nicht zu erreichen ist. Wäre : ein Numerus clausus emgeführt, so hätten meine hannöverschen t Freunde unter allen Umständen gegen das Gesetz gestimmt; auch i so haben sie schwere Bedenken gegen die Kontingentierung vom 1 Standpunkt der Interessen der hannöverschen Grundbesitzer. Daß ' künftig die Löhne herabgedrückt werden würden, so stand c9 in ' der Eingabe des Syndikats doch nicht, sondern e$ wurde darauf hingewiesen, daß das unter Umständen eine Folge der Preis- Herabsetzung werden könnte. Dies Gesetz wird für Landwirtschaft, : Handel und Arbeiter Vorteil bringen, für die Industrie wird es ! zum Teil ein Zyankaligesetz fein. Mein Fraktionsgenosse , Dr. Arning hat nun zu dem Schmidt mannparagraphen , einen Zusatz beantragt. Danach soll der BundeSrat ermächtigt ! werden, die Abgaben auf daS Ueberfonfingcnt auf Grund von i Verträgen, die vor dem 17. -Dezember 1909, also vor der Ein- : brirtgung des Gesetzentwurfs, abgeschlossen sind, soweit zu er- mäßigen, daß die Preise für die nach dem 1. Mai 1910 gelieferten Mengen einschließlich der Abgabe nicht hoher werden als die bis 3um 30. Juni 1909 in Geltung gewesenen Preise. Hierzu habe ich zu erklären, daß wir dem Anträge zustimmen, wenn es 1 sich um definitiv abgeschlossene Lieferungen handelt, wir lehnen 1 den Antrag aber ab, soweit er sich etwa auf die Produktion der j folgenden Jahre beziehen sollte. Hier ist also eine Klarstellung erforderlich. Meine Freunde werden trotz schwerer Bedenken ; dem Gesetz zustimmen. (Beifall.),

Abg. Emmel (Soz.):

1 Wir glauben nicht, daß das Gesetz den Zweck erreichen wird, dafür werden die Kalispekulanten schon sorgen. Auf die Herren ' vom Kalisyndikat brauchen wir keine Rücksicht zu nehmen, ; die Herren, die wochenlang im Hotel Adlon als Kalinotleidende bei Soupers über ihre Interessen beraten haben. ' Wir haben zahlreiche Verbesserungen erreicht. Für die Land­wirtschaft im Süden durch Aenderung der Frachtbasis. Wir : wünschten für das Elsaß Straßburg als AuSgangSstation. die i Regierung erklärte, daß einstweilen die Kaliindustrie im Elsaß noch nicht so weit entwickelt sei, sagte aber entsprechend der Ent« 1 Wicklung eine Berücksichtigung zu; desgleichen auf Wunsch der 1 Konservativen für den Osten. Die Hauptsache sind für uns die : A r b e i t e r pa ra g r a v h e n. Wir stellen jetzt nicht weitere 1 Anträge, weil sie aussichtslos wären, aber die Kommissionö- : beschlüsse sind das Mindeste. Bei jeder Verschlechterung würden wir das Gesetz ablehnen müssen. Wtt würden eine Preisherauf­setzung ablehnen, aber auch jede Preisherabsetzung, weil uns der Nachweis geliefert ist, daß, zumal bei Den mancherlei neuen Be­lastungen, ein kleiner Teil der Industrie bei noch niedrigeren Preisen nicht bestehen könnte.

Abg. Stubbendorff (Rp.)' erklärt, daß die Mehrheit seiner Fraktion für das Gesetz, ein Teil gegen das Gesetz stimmen wird.

.. Abg. Brandys (Pole) :

Wir werden für iede Verbesserung stimmen, besonders zu­gunsten der Arbeiter, bann aber das ganze Gesetz ablehnen.

Abg. Kölle (Wirtsch. Vg.):

Ich will kurz fein, damit wir, wenn irgend möglich, schon heute abreisen können. Wir haben bis gestern abend an dem Zustandekommen de§ Gesetzes fleißig gearbeitet, nicht für irgend eine Jnteressentenqruppe in meiner Fraktion ist, soviel ich weiß, niemand beteiligt, sondern für Landwirtschaft, 3nbuftrie, Gemeinden und besonders für die Arbeiter. Gerade diejenigen Herren, die sonst immer als geborene Vertreter der Industrie auftreten, haben sich hier als Vertreter der Landwirtschaft und Gegner der Jndusttie geriert; Herr Gothein erklärte: über­haupt kein Gesetz, ober ein Gesehesungcheuer, bas der Jndusttie die Lust verleidet, sich wieder an den Reichstag zu wenden. Die Herren auf der äußersten Linken dagegen haben bis zum letzten .lugenblick positiv mitgewirkt. Die Sckmidtmannver- 11 r ä g e sind effektiv auf zwei Jahre abgeschlossen, auf fünf weitere

Deutscher Reichstag.

82. Sitzung, DienStag, den 10. Mai.

Tm Tische des DunbeSratS: Dhdow, von Velsen.

Präsident Graf Sckwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Mn.

Der Anrrag der verbündeten Regierungen iS er die Vertagung des Reichstags biö zum 8. November wttd ohne Erörterung genehmigt.

Die durch den Abg. Kochan (Natl.) nachgesuchte Genehmi­gung zur Fortsetzung eines gegen ihn schwebenden Privat- klageverfahrenS auf Grund von Widerklage wird ge­nehmigt.

Tie zweite Lesung beß Kaligcsetzes.

Berichterstatter der Kommission ist

Abg. Bärwinkel (Nakl.).

Die Kommission hat den Entwurf völlig umgestaltet. An Stelle der BcttiebSgemeinschast, dcS Zwangssyndikats ist in bet Haupt, fache getreten eine Kontingentierung deS Absatzes mit Abgabe von 10 bis 17 Mk. pro Doppelzentner auf das lieber- kontingent sowie eine Festsetzung der Preise. Daneben sind Be- Stimmungen getroffen zur Sicherung der bisherigen Lohn- und Arbeitsbedingungen ber Kaliarbeiter gegen Verschlechterung, Gleich­stellung aller Großabnehmer hinsichtlich her Rabatte usw.

3n ben § 1Kalisalze dürfen von Kaliwerksbesitzern nur «ach Maßgabe der Bestimmungen diese- Gesetzes abgesetzt wer- ben* knüpft sich eine allgemeine Besprechung. Kompromiß- a n t r ä g c aller Parteien mit Ausnahme der VolkSpartci ändern die KommissionSbeschlüsse in einer Reihe von Punkten ab, sie be» treffen aber nicht die wesentlichsten Besttmmungen. In § 1 werden die zur Zeit des Inkrafttretens be5 Gesetzes bestehenden Sonderfabriken (Weiterverarbeitung der Rohsalze) den Kaliwerken ausdrücklich gleichgestellt.

Abg. Dr. Heim (Zentr.):

Was Ihnen vorliegt, ist etwas anderes, als was die verbün- beten Regierungen Ihnen vorgelegt haben. Danach sollte ledig, ttch ein Gesetz sein zum Schutz der Industrie; cS enthielt keinerlei Vorsichtsmaßregeln, wenigstens nicht hinreichende, zum Schutze der Koniumcntcn, des Handels und der Arbeiter. Dafür hat bie Kommission gesorgt. Sie wollte kein Dividende ngesetz machen, fonbern tm Gegenteil einer rücksichtslosen Ausbeutung der Konsumenten und der Arbeiter einen Riegel vorsckieben. Durch d,e degressive AuSsperrungSfrist bei der Quotenbeteiligung totrb die Ncugründung von Werken erheblich erschwert. Der Redner wendet sich scharf gegen die Preisberechnungen des Syndikats. Die Leute müssen unS im Reichstag für komplette Idioten gehalten haben, wenn sie glaubten, daß wir auf diesen Schwindel hereinfallcn würden. Wenn Schmidtmann in der Lage ist, Kali zu 89 Pfennig nach dem Ausland zu liefern, bann wird cS das Syndikat doch hoffentlich zu 1,24 Mark können und zum doppelten Preise für das Inland. Eine unge­schicktere Vertretung von Interessen wie durch das Stali- ftjnbiTat ist mir noch nicht voraekommen. Man muß ja so eigent­lich Gegner dieser Leute werden- aber warum soll man wegen ihrer Dummheit andere büßen lassen! Der Redner geht auf die wesentlichsten Punkte der Vorlage ein: die neue der süddeutschen Landwirtschaft große Vorteile bringende Aenderüng der Fracht- basiS, die Beseitigung der differentiellen Behandlung ber Händler, die Aufnahme der sozialpolitischen B e ft i m - m ungen in daS Gesetz usw. Auch diese Aroeiterpara- graphen find eine Folge der ungeschickten Vertretung des Syndikats, dessen Drohung, die Preisermäßigung auf die Arbeiter abwälzen zu wollen, sofort alle Meinungsverschieden, heiten in der Kommission beseitigte. Verkürzung dcS Lohnes, Verlängerung der Arbeitszeit haben eine zehnprozentige Kürzung ber Beteiligungsquote zur Folge. Die Vorschrift, daß diese Be­stimmung nickt gilt, wo zwiscken Werk und Arbeitern Vertrage abgeschlossen sind, wird den Abschluß von Tarifverträgen wesentlich fördern. Das Gesetz ist nach allen diesen Richtungen ein vollständiges N o hu m. Der Reichstag hat noch nie ein Wefefc gemacht, das so tief eingreift in daS Wirtschaftsleben, in die ganzen Verhältnisse einer Industrie. Ob die Industrie selbst damit zufneden sein wird, bezweifle ich. Diesaueren" Zeiten sind zu Ende; ich glaube, die Leute, die nach dem Gesetz gerufen haben, werden jetzt klagen: VaruS, VaruS, gib mir meine Quoten wieder! Aber dazu ist zu spät! Dewiß läßt daS Gesetz einen großen Prozentsatz Unsicherheit über; bie Jndusttie wird Hintertürchen finden, und ihr merkwürdig ruhi­ges Verhalten trotz der Belastung läßt darauf schließen, daß sie schon solche gefunden hat, von denen wir noch nichts wissen. Aber schließlich sind wir ja auch noch da und können die hohlen Zähne plombieren. DaS Wichtigste an dem Gesetz ist: der Verschleuderung von Kali in daS Ausland wird ein Riegel vorgeschoben. Wir chaben das Gute genommen, wo wir es be­kamen. (Beifall.)

Abg. Dove (Dp.):

Eigentlich könnte ich die ganze Rede deS Dr. Heim noch einmal batten und nur zu einem anderen Schluß kommen. Er hat sehr viel mehr gegen als für das Gesetz gesprochen. Man will den Pro­duzenten sichern; ganz schön, aber wo bleiben die Konsumen­ten ? Die, Verschleuderung inS Ausland will man verhindern.

r<hunächst reichen die Lager noch für Hunderte, wenn nicht für Taufende von Jahren und bann ist es Verschleuderung, ein Geschenk an bas Ausland doch nur bann, wenn die Auslandspreise zu n,edng und nicht, wenn die Inlandspreise zu hoch sind DaS sind sie aber infolge ber Politik des Kartells. Nun verkenne ich nickt, daß gewichtige Bedenken dagegen vorliegen, eine solche syndizierte Jndusttie zusau-menbrechen zu lassen; cs fragt sich nur, ob die Maßregeln geeignet sind, und ob sie vom -Ltandpiinkr des Rcckts, der Wirtschaft und unserer Gesamt- anidöuung aus zulässig sind. Herr Hue rechnet ja von diesem Ge,ctz den Anbruch einer neuen sozialen Zeit; ick finde aber, tiefer Zukunftsstaat hat verfluchte Aehnlickkett mit dem 23er- gaugenhettLstaat. Auch Heinrich IV. wollte, daß jeder am Sonntag Km Huhn im Topfe habe, aber trotzdem seufzten bie Beglückten unter dem Drucke des Wohlwollens. (Sehr gut! links.) Als die Bureaukratie versagte, da rief man nach dem lauf man-

Ick e n G e i ft ; und jetzt burcaulrati fiert man bie 2 u? ust r i e. (Sehr richtig! links.) Das bedeutet die Korn- miniousvorlage. Es scheint ja jetzt Mode zu werden, daß die Gesetze nicht von der Regierung, sondern von den Reichstags- xommiinonen ausgearbeitet werden; da soll man doch lieber gleich btc Kmnmiisiousmitgliedcr heranholen und ihnen technisch beivan- berte Regierungsleute beigeben. Bis zu einem gewissen Grade flt.es uns gelungen, den Handel den anderen Bezuqsver- eungungen gleichzustellen. Ader immerhin besteht noch Bcun-