Montag 11. April 1910
16V. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 83
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag-.
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Preisen
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Tie ^Eiehener ZamiNenblatter" werden dem ,91naetger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblolt für öen Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seilfragen" erscheinen monatlich zweimal.
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zahlreiche Auszeichnungen
am Montag zu Ehren Prinz im Zeltlager ein Essen zu 30
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
ammelten besten Dank aus, während Kommerzienrat Tr. Bamberger den Gästen Dank für ihre Anwesenheit aussprach. Ilm I Uhr folgte ein gemeinschaftliches Essen im Kasino „Hof zum Gutenberg".
*
§ Mainz, 11. April. Die hessischen Handelskammern haben sich am 9. April nochmals eingehend mit der Frage der Schiffahrtsabgaben beschäftigt. Dabei wurde einstimmig anerkannt, daß selbst vom abgabensreundlichen Standpunkt aus Die in dem vorliegenden Gesetzentwurf und in den bisherigen Erklärungen der preußischen Regierung enthaltenen Garantien oollkommen unzureichend sind und insbesondere die hessischen Interessen dabei so gut wie gar keine Berücksichtigung er- jähren haben. Unter diesen Umständen liegt für die Handels-« kammern keine Veranlassung vor, ihren seitherigen grundsätzlichen Standpunkt zu verlassen.
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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedltion und Verlag: e^oL Redaktion:L^112. Tel.-Adr^ AnzeigerGießen.
Hospiz* nana. Schweslerniat »Dann»»» ।
—U^rchmidt, Neuen M.
25. hessitcher tjanoelskammertag.
§ Mainz, 11. April.
Im Stadlhausioal fand gestern unter dem Vorsitze des Kam merzienrats Haffn er der 25. Hessische Handelskammertag statt. Der Vorsitzende begrüßte die Vertreler der Handelskammern, tne besondere die erschienenen Herren der Regierung, Minister de. ; Znnern v. Homberg k, Ministerialrat H ö l z i n g e r, Gelxim'. Dberrcgiermrgsrat Wagner, ferner die Herren V'-'vinzialbi^ •or Geheimerat Dr. Breidert, Bürgermeister Baurai Kuhn Ter Vorsitzende meinte, Minister v. Hombergt habe uue?, in seine, früheren Stellungen stets ein warmes Herz für Handel und ^n Duftrie gehabt, er bitte ihn auch, in seiner neuen Wirkiamkett dem Hessischen Handelskammertag ein geneigtes Ohr zu leihen.. Zu Beisitzern ins Bureau wurden die Herren Handelskammerprajiden ten Parcus-Darmstadt und Kommerzienrat B aruch - Wörme berufen. Minister v. HoMberg k dankte für die freundlich?, Begrüßun^sworte auch namens des übrigen Herren der Regierung Durch seine langjälirige Tätigkeit in den Hauptstädten Hessens habe er mit Handel und Industrie stets in den engsten Beziehungen gestanden, unb er sei deshalb auf diesem Gebiete kein Unbekannter Er habe die guten Beziehungen auch mit hinüber in sein neues Amt genommen. Den Beratungen wünsche er besten Erfolg. Namens der Provinzialdirektion Rheinhessens sprach Geheimerat Dr. B reibe r t und" Namens der Stadt Bürgermeister Baurat Kuhn, Die «ebenfalls den Verhandlungen besten Erfolg wünschten.
Ueber die Neuregelung der Arbeiterversicherung (Reichsversicherungsordnung) berichtete Syndikus M e e s m a n n- Mainz. diachdcm sich die Sperren Parcus - Darmstadt, Geheime Kommerzienrat Stroh-Offenbach, Dr. 5)u ma n-Darmstadt, Kommerzienrat Heich elheim-Gießen, Kommerzienrat Laruch- Worms, Kertsch- Friedberg und May- Bingen den Ausführungen des Berichterstatters angeschlossen hatten, billigte der Han- tzandelskammertag durchaus, daß von einer Verschmelzung der Versicherungszweige abgesehen wird. Er stimmte der Ausdehnung des Versicherungskreises und den Leistungen im vorgeschtagenen Sinne zu, roerat er auchk die Bedenken einer immer stärkeren Belastung des Gewerbes mit sozialen Ausgaben anerkennt. Die Kosten werden durch die Vorlage um rund 125 Millionen Mark erhöht. Auch die Einführung der Hinterbliebenenversicherung als einer notwendigen Ergänzung der Invalidenversicherung fand Annahme. Abfällig beurteilt wurde die, uZsamMenarbeitung der Versicherungsgesetze in esn einziges Gesetz, das zu umfangreich und unübersichtlich ist, um praktischen Bedürfnissen zu genügen.
Syndikus Stahl- Friedberg berichtete über den neuen Fern- s p rech geb ühr e n -- En t wur f. Nachdem sich Syndikus Dr. Ha her-Worms kurz an der Aussprache beteiligt hatte, wurde Den Ausschußanträgen des deutschen Handels!ages zugestimmt.
Ueber die „Aen derung der Gewerbeordnung" berichtete Syndikus Dr. H u m a n - Darmstadt. Er stand auf dem Standpunkt der Anträge des Ausschusses des deutschen ^Handels- rages, während die Herren Dr. Cratz-Offenbach und Scholz- Mainz auf dem Standpunkt standen, daß die Ausdehnung des Fvrtbildungsschulunterrich-ts für weibliche Arbeiterinnen nur bis zum 16. Jahre erfolge und daß der Unterricht hauptsächlich Haushaltungsfächer umfasse und die Hauptbeschäftigungszeit auszusallen habe. Nach, längerer Aussprache, an der sich die Herren Ministerialrat Hölzinger, Schlaßmachar-Offenbach, Dr. Hayer, Stahl, Heichelheim und Dr. Bamberger beteiligten, wurde der Airtrag Darmstadt, die Versammlung Möge sich auf den Standpunkt des Ausschusses des deutschen Handelstages stellen, angenommen, Mit der Sache der weiblicl-en Arbeiterinnen soll sich cht späterer Handelslammertag befassen.
lieber den Gesetzentwurf „H ausarb eit" berichtete Dr. Ha yer-Worms. Er wies besonders auf große Einmischung der Polizei in dem Gesetzentwurf hin,, diese Maßnahmen griffen zu n?eit in das Selbstbestimmungsrecht der Arbeitgeber ein. Der Polizei seien viel zu weitgehende Befugnisse überlassen, bamit würde die Hausindustrie eingeschränkt. Er beantragte, die Versammlung möge sich mit bem Standpunkt des Ausschusses des deutschen Handelstages einverstanden erklären. Herr Schloßmacher hat wegen der polizeilichen Einmischungen keine Bedenken, aber unbillig sei, wenn im Entwurf vorgesehen sei, daß die Kinder in der Hausindustrie nicht so lange beschäftigt werden sollten als im Gewerbe.
Grundsätzlich wurde dem Entwürfe, mit einigen Abänderungen, zugestimmt.
Ueber die Errichtung einer Auskunftsstelle für den Außenhandel berichtete Syndikus Dr. C r a tz - Offenbach. In einer Entschließung wurde gesagt, daß der Handelskammertag die Errichtung für eine nützliche hält. Es wird gewünscht, daß das Reich die Auskunftsstelle auf seine Kosten errichtet.
Ueber den Entwurf eines Stellenvermittlergesetzes berichtete Syndikus Tr. Zeidler- Gießen. Er wies darauf hin, daß die bisherige hessische Verordnung den Stellenvermittlern ein außerordentliches Maß von Freiheit gelassen habe. Die Klagen über zu hohe Gebühren beständen nach wie vor. Der Berichterstatter machte eine Reihe von Vorschlägen, besonders empfahl er die Schaffung öffentlicher Arbeitsnachweise. In dem dem Reichstag vorgelegten Gesetzentwurf seien die Bedenken der Handelskammern alle unberücksichtigt geblieben.
Oberregierungsrat Wagner wies darauf hin, daß nach den Feststellungen der Polizeiämter die gewerbsmäßigen Stellen- Dermittler außerordentlich zugenommen hätten, das möge ja jmn Teil an den wirtschaftlichen Verhältnissen liegen. Gießen allein habe 32 Stellenvermittler. Besonders würden Beschwerden über die bekannten Vakanzenlisten geführt, mit denen ein ungeheurer Unfug getrieben werde. Es würden sich recht viele nicht geeignete Leute dem Stellenvermittlungsgewerbe zuwenden. .Herr May- Bingen war der Meinung, daß die Mißstände nicht derart seien, daß dafür schon wieder ein Gesetz geschaffen werden müsse. Wenn die Landesvorschriften ergänzt worden seien, hätten diese vollständig ausgereicht. Tie Handelskammer Bingen stehe auf dem Standpunkt, daß ein Reichsgesetz gar nicht notwendig sei. Herr F e r t s ch - Friedberg sprach ebenfalls gegen den Gesetzentwurf, man solle die Sache der gesunden Entwickelung überlassen. Herr Schloßmacher bemerkte, daß der Entwurf dem Reick)stag zugegangen, es müsse also den einzelnen Handelskammern überlassen bleiben, ob sie gegen den Entwurf beim Reichstag Eingaben machen wollten. Damit war die Angelegenheit erledigt.
Zum Vorort der hessischen Handelskammern wurde aus Vorschlag des Herrn M a y wiederum Mainz einstimmig gewählt.
Herr Schloßmacher bedauerte, daß über die Aussührungs- beftimmungen zum Tabak st euergesetz die Handelskammern nicht gehört worden seien, in der letzten Zeit seien erneute Ausführungsbestimmungen erschienen und die Handelskammer wiederum nicht gehört worden. Er ersuche die Negierungsvertreter, daß die Handelskammern in Zukunft gehört würden.
Mini st er von Hombergk erwiderte, daß er selbst nicht wisse, warum die Handelskammern nicht gehört worden seien. jÄrensalls seien bei Ueberfcnbung die Fristen zur Rücksendung zu kurz gestellt morben. X » treffe auch bei den Gesetzentwürfen zu, die von der Reichsregierung übersendet würden, Ss sei kaum Zeit, die Regierungsberichterstatter zu hören.
Geheimer Kommerzienrat Stroh sprach dem Vorsitzenden für die umsichtige Leitung der Verhandlungen namens der Der-
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
brei"?iiJoro$Cul,«'IlQftiiir^ ontorarb bemn’^urM;“- «chriftl. Anaedm-,u*1
Ans Stafct nnd Land.
Gießen, 11. April 1910.
** Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat den von bem Fürsten zu Leiningen auf die evang. Pfarrstelle zu Rothenberg präsentierten Pfarrer Wilh. Schwarz 511 Dexheim für diese Stelle bestätigt.
•* Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Zchulamtsaspiranten Joh. Schüßler aus Udenheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Seligenstadt. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besehende Lehrerstelle an der Schule zu GustavSburg (Gemeinde Ginsheim). Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
•* Neuer Vizekonsul. Der zunr Vizekonsul bei dem Großbritannischen Generalkonsulat in Frankfurt a. 3JL ernannte Herr John Walter Francis Th e lwall ist zur Ausübung konsularischer Verrichtungen im Großhcrzogtum Hessen zugelassen worden.
*• Hess. Richterverein. Tie ordentliche Hauptversammlung des Hessischen Richtervereins findet am 28. Mai in F ran kf ur t a. M. statt. Um dieselbe Zeit wird der Verband der Hessischen G er i ch ts a s s e s s 0 r en seine Hauptversammlung ebenfalls in Frankfurt a. M. abhalten.
*• Aus der hessischen Rechtspflege. Der neuernannte Präsident des Landgerichts Darmstadt, Theobald, hat am 8. April die Amtsgeschäfte übernommen. Der mehrere Wochen nach Hofhcim im Taunus beurlaubte Oberlandesgerichtspräsident Kullmann kehrt am 1. Mai auf seinen Posten zurück.
** Aus dem MilitärWochenblatt. Kleemann, Baruth, Lazarettinspektoren auf Probe in Mainz, zu Lazarettinspektoren ernannt.
** D 0 r A n g e l k l u b G i e ß e n, dessen Mitglieder meist Sportfischerei betreiben, hat das Lautlsbacher Wasser der Lahn von der Obersörfterei Krofdorf für rund 300 Mk. Jahrespacht unter folgenden vom preußischen Ministerium genehmigten Bedingungen übernommen. Der Klub ist berechtigt, nur an seine Mitglieder 25 Angelkarten auszu-, geben, die den Jühaber nur zur persönlichen Ausübung des Fischfangs berechtigen. Es darf unter Ausschluß von Netzen, Reusen oder sonstigen Fanggeräten nur mit der H andang et gefischt werden. Das Lautlsbacher Wasser ist allerdings zurzeit sehr ausgebeutet, da die Klubmitglieder fast aber nur den Raubfischen (Hechten und Barschen) nachgehen, wird der Fischreichtum bei Launsbach in wenigen! Jahren wachsen, was besonders für die unterhalb dieser Strecke berechtigten Fischer vorteilhaft sein wird. Sonst ist unseres Wissens keinem Fischerei Pächter gestattet, mehr als 3—5 Angelkarten auszugeben, allerdings sind dann auch keine Bchchränkungen wegen der Anwendung der Geräte, zum Fischfang auferlegt.
” Vorsicht beim Abspringen! Gestern nachmittag sprang der Kaufmann Reinhold Schreiner aus Marburg in der Kaiser-Allee kurz vor der Haltestelle während der Fahrt von einem Wagen der elektrischen Straßenbahn und kam dabei so unglücklich zu Fall, daß er bewußtlos liegen blieb. Er wurde zunächst in ein Haus gebracht und ein Arzt zugezogen, allein die inneren Verletzungen schienen so schwer, daß er von Mannschaften der Sanitätskolonne nach der Klinik gebracht werden mußte.
Entlaufen. In der Nacht vont 9. auf den 10. l. Mts. entsprang aus der Siechenanstalt die Katharina Hofmann aus Heuchelheim. Sie war aus dem Fenster des ersten Stockes in den Garten gesprungen, ohne sich dabei zu verletzen. Heute Nacht wurde sie von Schutzleuten in dem Schlachthaus-Neubau angetroffen und der Anstalt wieder zugeführt.
X Klein-Linden, 10. April. Tie Feier seines 45. Stiftungsfestes beging gestern abend der Gesang-» verein „Eintracht" im Saale der „Teutschen Eiche". Die Feier erfreute sich eines sehr starken Besuchs und nahm den denkbar schönsten Verlauf. Der Vorsitzende, Ludw. Jung, begrüßte die Gäste. Frl. M. Naumann unb Frl. El. Faber sprachen einen Prolog, der die Bedeutung des' Gesanges feierte. Lehrer Keil gedachte der Gründer des! Vereins und seiner Entwicklung bis zu deut heutigen hohen Stand, die Zahl Her Sänger beträgt jetzt 50. Dann kant der Redner auf -die Bedeutung des Volksliedes und der Gesangvereine £it sprechen, die auch von unserem Großherzog unb dem Kaiser eifrig gefördert werden. Tas Hoch galt dem deutschen Lied als einem kostbaren Schatz uitseres Volkes. Inzwischen waren als Gäste die Sänger des Gesangvereins „Germania"-Großen-Lindeu erschienen. Tiefer und der festgebende Verein wetteiferten im Vortragen schöner Volkslieder und Chöre. Sämtliche Vorträge zeugten von der hingebenden Arbeit des Dirigenten und der Sänger und ernteten lebhaften Beifall. Sehr dankbar wurden auch die Theaterstücke und Singspiele ausgenommen, bei denen Damen und Herren recht schönes leisteten. Es seien hier erwähnt: „Tie musikalische Kochschule", „Häuslicher Streit", „Tie Liebe im Kontor", „Feine Familie", „Soldatenliebe" und „Die lustigen Schnitterinnen". Für gute Kouzertmusik sorgte die Kapelle Harnisch-Steinberg. — Einer unserer angesehensten Mitbürger wurde gestern unter überaus zahlreicher Beteiligung zur letzten Ruhe gebettet. Johannes Luh hat ein Alter von 69.Jahren erreicht. Bis zu feinem
J Aus Anlaß der Feier sind unlieben worden.
Die Stadt Jerusalem gibt !unb Prinzessin Eitel Friedrich Gedecken.
Jerusalem, 10. April, i&nnmbung der Oelbergstiftung
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Die Seiet in Zerufalem.
Jerusalem, 9. April.
Angenehmes kühleres Wetter begünstigte die heutige Ein- kiechungsfeier. Schon von sieben Uhr früh ab zogen die Fest- teilnehmer laus der Stadt über die Kaiserstraße nach dem Oelberg Mehr als achthundert Einladungen waren ergangen. Aus allen Teilendes deutschen Reimes sind zur Feier Vertreter der protestan- lifdien Geistlichkeit unb der Johanniter emgctroffen, ebenso Vcr tretet: von Gemeinden Palästinas und Diakonissen von hier. Außer- fralb zwischen Jasator unb dem Hospiz entwickelte sich bis gegen 9 Uhr eine lange Wagenkette, eine büfjtc Volksmenge in malerischen Trachten begleitete mit herzlichen Sympatbiekmidgebungen die An fahrt auf dem mehr als halbstündigen Wege. Tie Meh.zah der (Haste begab sich sogleich zur H i m m e l f a h r t s k t r ch e. , Den bildet das Herz des halb eine Burg, Halo ein Kloster darstellenden Baues. Ter Turm ist noch unvollendet, das Ge- laute von vier Glocken, bereit grüßte den Namen des Herrenmcisters trägt, ist bereits aufgehängt. Im großen Fest!aal versammelten fid'' dreißig Jvhanniter, eine größere Anzahl Rialteserrittec und tiefe Geistliche, im Palast Zbomül Schmidt Mit den Beamten des Konsulats, Gouverneur Abdur Rahim Pascha mtb die vornehmsten Gäste, l unter ihnen Staatsvorsteher Husse in Haschim unb das gchamte Gefolge. Nachdem die Festteilnehmer dort zum Einzug in die Kirche geordnet waren, erschienen nach geschehener Benachrichtigung das Prinzenpaar Eitel Friedrich mit den bayerischen Prinzen Georg und Konrad, worauf der feierliche Einzug begann. ,
östlich sG lockengeläute verki'mbete ben Beginn der ktrch- bxfiteu Einw.ihung. Pünktlich um 9 Uhr erfolgte der feierliche Einzug vom ^e)(>aal über die Freitreppe des Turmes durch
untere Kirch empört al unb sodann durch den Mittclgang der Kirche iurd) dem Altana um. An der Spitze des Zuges schritt die oc)amte Geistlich leit mit ben kirchlichen Geräten unb ben vom .Vai)er unb der Kaiserin gestifteten Bibeln. Dem Buge der Geistlichkeit schlossen sich der Präsident des preußischen O ber-Kirä enrates, Tr. Voigts, Ober-Konsistorialrat L a h u - st n. Probst Jeremias und der englische Bischof Blyth an. Hieraus folgten die Johanniter und Malteserritter in ihren roten Ordensgcnändern, die mit ben schwarzen Mänteln einen wirksamen Kontrast bildeten, sodann, geführt von dem ersten Kurator der Oelbergstiftung, Oberhofmeister Freiherrn von Mirbach', Hosmar'ck'all von Lettow, Vordeck und dem Kammerherrn r n Hardt, die Werkmeister der Stiftung, die Königlichen Hoheiten Prinz unb Prinzessin Eitel Friedrich von Preußen, denen die b a y e r i s ch e n P r i n z e n unmittelbar, folgten; hierauf ter Gouverneur Abdur Rahim Pascha, der Botschafter Freiherr Marschall von Bieberstein, Fürst zu Schoenburg, Fürst zu Saim- Lalm, Gras von Praschina unb andere.
Die von dem befamUcn Orgelbauer herrührende außerordentlich fd ort klingende Orgel, die von der Organistin der enalischen K ivchie, Miß Gardener, gespielt wurde, stimmte zunächst die Melodie des ReformationÄiedes „Ein feste Burg ist unser Gott" an, sc dann die der Dtationalhymne, hierauf ben weihevollen Choral „Hier liegt vor deiner Majestät".
Inzwischen hatten die Prinzlichen Herrsck)aften rechts vom Lliar Platz genommen, mit ihnen das Gefolge, ferner die Generale '•ili Bey, Elum Bey, die Herren des Kuratoriums, Erzellenz Voigts, links die Johanniter und Malteser, runb um' ben Altar die Geistlichkeit. Nach Beendigung des feierlichen Entzuges stimmte der as-5 annähernd hundert Kindern, Diakonissen und Mitgliedern d^s «unter dem Protektorat der Kaiserin stehenben Vereins Fraucn- hilfe in Jaffa gebildete Chor bas Lieb an: „Toch^fer Zion freue! dich", dessen von der Orgel begleitete jubelnde Klänge bas ganze Gotteshaus erfüllten. Tas durch die farbigen Fenster gedämpfte unb zerstreute Sonnenlicht gab zusammen mit den brennenden Maricrzen, namentlick unter der reich mit Mosaik geschmückten unb mit Marmor gekleideten Apsis eine wunderbare Stimmung, in welche sich die bunten Uniformen und die bunten Trachten der auf ben Emporen des Chores versammelten arabischen Bauleute unb Steinmetzen wirkungsvoll einfügten.
Tic Weihe rede hielt Ober-Konsistorialrat Schufen über die vom Kaiser und der Kaiserin in biie gespendeten Bibeln eingetragenen Worte „Einen anderen Gruird kann niemand legen anfjerbem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus" und „Mir ist gegeben alle Gewalt im HimMel unb auf Erden". Während der Geistliche $imt Weihespruch niederkniete, ertönte mit mächtigem Klange di.' große Glocke der Herrenmeister.
Tic Predigt hielt Probst Jeremias über das Wort der Schrift: „Friede sei mit Euch". Hierauf führte Pfarrer 5 tur ber g-Kaiserswert die den Tienst in der Stiftung wahr- nehmenben Schwestern von Kaiserswert in ihr Amt ein. unb ein außerordentlich, eindrucksvolles Gebet unb ber Segen bildeten den Schluß der kirchlichen Feier. Unter bem Gesang der Gemeinde kehrten die Herrschaften in der gleichen Ordnung wie bei dun Eintritt, in den Festsaal zurück, tob sich der Empfang ber Jichmrniter und Malteserritter und später des Konsulartörps an- scklvß. Tic prächtige Ausführung des mit überraschenden Einzelnsten ausgeschmücklen Hauses madjte allgemein einen tiefen Ein- \ nid und fand einmütigen Beifall. Der Entwurf, wie die Aus- ^hrung sind das Werk des Regierungsbaumeisters Leibnitz-
Elisabeth Deckei
Nord-Anlage S\.
teilt Anton Wickert. 015) Aebifttttane a. Wer erteilt Untcrritt? ovvelter «uthinbrnng?
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Ebenso festlich wie gestern die
. » _ . - erfolgte heute die Einweihung
ter katholischen Zionskirche, zu der mehr als tauend Pilger aus Deuttchland, Oesterreich unb der Schweiz erschienen waren, unter ihnen die bayerischen Prinzen Georg unb Konrab als Vertreter des Prinzregenten. Die Feier begann um frühen Morgen mit der Ausführung des rituellen Zeremoniells, liegen 10 Uhr waren die Kirche unb der Platz davor dicht gelullt; gegen 11 Uhr trafen Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, icnoic die bayerischen Prinzen ein. Sie wurden an ber Kirchcn- tür mit einer kurzen Ansprache vom Weihbischof Müller-Köln und sodann vom Fürsten zu Salm-Reifferscheibt-Tyck und ferner ton dem Erzabt von Beuron Schober unb bem Prior ber Benediktiner auf Zion, Kniel, begrüßt. Unter dem Vorantritt ber (öüstlichkeit zogen alsdann die Prinzen mit Gefolge unter Glocken flaute und Orgelspiel prozessionsweise in das neue Gotteshaus, achdem die Fürstlichkeiten ihre Plätze eingenommen hatten, begann sofort der Gottesdienst mit einer Ansprache des Erzabtes von Beuron. Inzwischen hatte auch der lateinische Patriarch den kür ibn errichteten Thron bestiegen. Nach Beendigung der ein- dmicksvollen Ansprache fand ein Hochamt unter der Pontifical- as kisfenz des Patriarchen, zelebriert von Weihbischos Müller-Köln fil 5 Scrtrctcr des Kardinals Fischer unb unter Assistenz bes Tom- fa oitularS Tüsterwald-Kölu und des Priors Kniel statt. An das »tochamt schlossen sich das Tedeum und der Ambrosianische Lob- geiwng. .Unter Orgelklang verließen sodann die hohen Herrschaften und rmtgäste das Gotteshaus. Im Empfangssalon des Klosters ka-kw heraus Empfang der Malteserritter durch ben Prinzen Eitel mnedrich statt, der hierbei ein von dem Kaiser für das Kloster gegiftetes Porträt überreichte.


