Nr. 187 Zweites Blatt
160. Jahrgang
Freitag IS. August 1S1V
Erscheint tü-lich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Sietzener Kamlliendlätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwlrtschafttichrn Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen UniversitätS - Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul* ftraße 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion:«^ 112. TeU-Adru AnzeigerBießen.
4?oltti?che Tagesscharu
Heeresverwaltung und neue Milit'ärluftfchiffe.
Me wir erfahren, sind wegen Er werb s eines neuen Zeppelin-Luftschiffes durch die Heeres-i Verwaltung jetzt bestimmte Vorschläge von der Zeppelin- Gesellschaft bei der zuständigen Behörde eingegangen, und es schweben gegenwärtig Verhandlungen. Die vor kurzem durch die Presse gegangene Nachricht, wonach das Kriegs- ministerium ein Zorn-Luftschiff subventionieren werde, ist nicht zutreffend. Der Verkehr zwischen der Behörde und der betrefsenden Luftschiffahrts-Gesellschaft hat sich bisher daraus beschränkt, daß ein Gesuch um Subventionierung durch 'die Heeresverwaltung bereits im Jahre 1909 dahin beantwortet wurde, daß zunächst der praktische, Beweis für die Brauchbarkeit eines solchen Luftschiffes für Heereszwecke zu erbringen sei, bevor eine Subvention in Frage kommen könne. Im Februar 1910 wurde dann seitens der Gesellschaft der Antrag auf Subventionierung einer Luftschifshakle gestellt, worauf der Bescheid, erteilt wurde, daß der Nachweis einer guten Fundierung des Unternehmens zunächst notwendig sei.
Der nächste Lenkballon, der voraussichtlich von der Heeresverwaltung übernommen werden wird., dürfte ein n e u e r „P a r s e v a l" sein, dessen Fertigstellung bevorsteht. Das neue Luftschiff soll einen Rauminhalt von nur rund 5 700 Kubikmeter besitzen, ist also ca. 1000 Kubikmeter kleiner als der zuletzt gelieferte Lenkballon. Er wird nach seiner Uebernahme die Bezeichnung „P. III" erhalten. In Unterhandlungen steht die Heeresverwaltung ferner wegen Lieferung eines Lenkballons nach dem System Clouth. Es handelt sich aber nicht um das Luftschiff, das zur Ausstellung nad) Brüssel geflogen ist. In Betracht kann nur ein neuer Lenkballon dieses Systems kommen, der auch einen größeren Rauminhalt als die bisherigen Clouth- Lenkschiffe besitzt. Was ferner das Interesse der Armee- Verwaltung an dem Siemens-Schuckert-Luftschiff anbetrifft, so hat man bei der Konstruktion des nun fertig gestellten Ballons die bereits gesammelten Erfahrungen der Gesellschaft zur Verfügung gestellt und hat außerdem die nötigen Gasflaschen hergeliehen, was eine nicht bedeutende Ersparnis bedeutet, da ^ur Füllung ca/4000 Gasflaschen notwendig sind. Man geht bei der Erprobung des neuen Luftschiffs sehr vorsichtig zu Werke, hält die Proben in der Halle ab und macht entsprechende Verbesserungen. *
Relseplane des Kaisers.
Nach den letzten Bestimmungen wird, wie uns aus Berlin mitgeteilt wird, der Kaiser zunächst am 14. d. M. in Kassel ein treffen und die Weihe von Regintentssahnen vornehmen. Am 16. ist die Parade auf dem „Großen Sanoe" in Mainz vorgesehen. Es folgen dann die Posener Maisertage vom 20. bis 23. d. M. Am 24. ist in Königsberg die Parade über das 1. Korps angesetzt, und vom 26. bis 29. August nimmt der Monarch in Da nzig Aufenthalt, wo am 26. d. M. die Uebergabe von Fahnen an das 128., 129., 141. und 142. Infanterie-Regiment erfolgt. Am 27. soll die Parade über das 17. Korps ab- nefyalten werden und am 29., an welchem Tage die Hochseeflotte in der Danziger Bucht liegen wird, findet gegen Abend Zivildiner auf dem Remter der Marienburg statt. Abends erfolgt die Abreise nach Berlin, wo der Kaffer am 1. September die große Herbstparade abhalten wird.
In Aussicht genommen ist dann ein Besuch C a d i n e n s, dessen Dauer noch nicht bestimmt ist. Am 5. September hat der Herrscher sein Eintreffen in St olp zur Jubiläumsfeier und Enthüllung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals zu- gesagt. Anschließend hieran ist ein Jagdaufenthalt in Sch loh bitten und Prökelwitz in Aussicht genommen
und es folgt dann die Abhaltung der Kaisermanöver, die vom 8. bis 10. in der Gegend von Elbing ftattfinden sollen. Festgesetzt ist ferner ein Jagdbesuch beim Erzherzog Friedrich in Bell Ye vom 17. bis 19. September. Am 20. September soll dann, wenn die Dispositionen nicht geändert werden, der Besuch beim Kaiser Franz Josef in Wien stattfinden.
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Zentrumswünsche für die Polen.
Die Zentrumspresse zeigt sich anläßlich der Eröffnung des Posener Königsschlosses am 20. August um ihre lieben Polen sehr besorgt. Nicht nur, daß die „Germania" besonders hervorhebt, wie viel Peinliches diese Gelegenheit für die Polen haben müsse, stellt sie bereits auch ein Programm auf für die Rede, die der Kaiser dabei zu halten >hat. Friedliche, freundliche und versöhnliche Worte will das Zentrumsblatt hören, Negierung und Kaiser müssen es als ihre Aufgabe betrachten, die Polen trotz allem, was vorgegangen ist, zu gewinnen und zu versöhnen, die Gegensätze zwischen den Nationalitäten zu mildern und auszugleichen, selbst auf die Gefahr hin, daß freundliche und versöhnende Worte heute noch bei den Polen ungehört und ohne entsprechendes Echo verhallen sollten. „Vielleicht erinnern sich die Polen doch noch einmal gern ihrer und lassen sich an sie dann verbindende Fäden zwischen Deutschen und Polen knüpfen." Dieser Trost in die Zukunft ist nicht minder ergötzlich, wie das „Regierungsprogramm", das die „Germania" bereits auch für einen etwa in Posen residierenden Prinzen fertig hat. Für diesen befürchtet das Zentrumsblatt, daß ihm das Leben dort w-iro sauer gemacht werden, nicht durch die Polen, sondern durch die Deutschen:
„Wenn er nun einmal für das Deutschtum, Staat und Monarchie wirken soll, so muß er sich doch auch Mühe geben, die Polen zu gewinnen. Er muß also mit den vornehmen Polen Fühlung suchen, sie zu Festlichkeiten ins Schloß laden, bei öffentlichen Gelegenheiten mit ihnen verkehren usw., kurz, den Liebenswürdigen gegen sie herauskehren .... Wollte er aber nach den Rezepten der Hakatisten unnahbar für die Polen sein, sie zurückstoßen und verletzen, immer den Herrn gegen sie herauskehren, was wäre dann groß gewonnen für das Deutschtum und den Reichsgedanken? Die Polen sollen doch umgestimmt werden. Es genügt doch nicht, daß eine Anzahl deutscher Beamten durch die Anwesenheit eines Prinzen in Posen in ihrem Selbstbewußtsein gegenüber den Polen gestärkt, und ein Häuflein von Hoflieferanten bei deutsch-nationaler Laune erhalten werde."
Hoffentlich gibt die Posener Kaiserrede auf diese Um- schmeichelung der Polen die richtige Antwort.
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Kanadische Freihandelsbewegung.
Unter den Farmern Westkanadas macht sich seit einiger Zeit eine lebhafte Agitation für die Aufhebung des bestehenden Zolltarifs und die Niederlegung der Schutzzollgrcnze bemerkbar. Deputationen aus den dortigen Farmerfteisen sind wiederholt bei dem Premierminister Sir Wilfried Laurier in diesem Sinne vorstellig geworden.
Daß die Bewegung speziell der Regelung der deutsch- kanadischen Handelsbeziehungen günstig sei, wie deutsche Blätter meinen, ist indessen sehr zweifelhaft. Die west- kanadischen Farmer setzen sich zum großen Teil aus Einwanderern aus den Vereinigten Staaten zusammen, und ihnen scheint es hauptsächlich um den Llbschluß eines Handelsvertrags mit der Union und um Erleichterungen für die Einfuhr amerikanischer Fabrikate zu tun zu sein. Bekanntlich ist es den Vereinigten Staaten nicht gelungen, auf Grund ihrer neuen Zollgesetzgebung zu einem befriedigenden handelspolitischen Verhältnis zu Kanada zu gelangen. Das seit April d. I. bestehende Handelsabkommen stellt nur einen Notbehelf, ein Provisorium dar, bei dessen Abschluß die amerikanische Regierung, nur um den Zollkrieg zu verhüten, sehr weit nachgegeben hat. Der Plan, einen endgültigen, für Amerika günstigeren Handelsvertrag
mit Kanada abzuschließen, ist aber in Washington noch nicht aufgegeben worden, und wahrscheinlich wird von hier aus die Agitation in den kanadischen Farmerkreisen geschürt' und unterhalten.
2lu» Stadt und Land.
Gießen, 12. August 1910.
** Assistenzärztin. Seit dem 1. August d. Js. wirkt an der Kinder-Poliklinik von Professor Dr. Koeppe zum erstenmal eine Dame als Assistenzärztin, nämlich Fräulein Dr. med. Ruth Plöger aus Berlin.
"Nach der Säuglings st ati st ik von Knöpfel ist die Totgeburtenzifser seit den letzten 5 Jahren wenig Schwankungen unterworfen. Immerhin ist es bemerkenswert, daß die Zahl der Totgeborenen von 4,4 in den 6Oer Jahren auf 3,1 im Jahre 1908 gesunken ist. Die Häufigkeit dec Totgeburten ist bei den unehelichen Geburten etwaä größer, als bei den ehelichen. Die Zahl der unehelich Geborenen ging während der Errichtung des Deutschen Reiches, also 1870/71, über ein Drittel zurück. Als Ursache hiervon gilt das Wegfällen gesetzlicher Ehehindernisse. In naturgemäßem Gegensatz hierzu wurden 1866/70 33,5 Proz. dec unehelich Geborenen von den Vätern anerkannt, jetzt nur noch 20 Proz. Mit großer Regelmäßigkeit stellen sich die Mehr- lingskinder (Zwillinge rc.) ein. Zwillingsniederkünfte gab es 500, Drillingsgeburten sind nur selten, Vierlingsgeburten wurden in den letzten Jahren in Hessen nur dreimal verzeichnet.
** Sonderzüge zum Veteranenappell in Darmstadt, die nur 3. Klaffe fahren, gehen in Gießen ab: am Samstag den 13. d. M. nachm. 1234 (Ankunft in Darmstadt 305) und am Sonntag den 14. d. M., norm. 641 (Ankunst in Darmstadt 910). In Darmstadt fährt der Sonderzug am Sonntag dem 14. um 826 abends ab und trifft um 1056 in Gießen ein, wo der Zug nach Mücke die Ankunft abwartet. Die Züge halten auf allen oberhessischen Stationen.
** Hessenabend in Metz. Tie Mitglieder des »Hessenabend", der in Metz seit langen Jahren jeden ersten Donnerstag im Monat seine Zusammenkunft hat, laden alle Hessen, die bei den 4Ojährigen Gedenkfeiern nach, Metz kommen, ein, sich an den Abenden des 15., 16., 17. und 18. August im Hoffbräu in der Bank st raße zu einer gemütlichen Zusammenkunft alter Kriegskameraden und Landsleute einzufinden.
” Jeder Landbriefträger führt auf seinem Bestellgang ein Annahme buch mit sich, das zur Eintragung der von ihm angenommenen Telegramme, Wert- und Einschreibsendungen, Postanweisungen, gewöhnlichen Pakete, Nachnahmesendungen und Zeitungsbestellungen, sowie der zur Frankierung der Sendungen, zur Bestellung der Zeitungen und zur Beschaffung von Wertzeichen ihm übergebenen Beträge dient. Ein gleiches Annahmebuch führt jeder Inhaber einer Posthilfstelle für die bei dieser niedergelegten Wertsendungen usw. Es ist zweckdienlich, daß die Aufgeber die Eintragung der Sendungen usw. in die bezeichneten Annahmebücher eigenhändig besorgen oder sich wenigstens von der Buchung durch den Landbriefträger oder den Posthilfstelleninhaber überzeugen. Da diese Bestimmungen noch immer nicht ausreichend bekannt sind, werden sie erneut zur öffentlichen Kenntnis gebracht.
** Manöversendungen. Aus Anlaß der bevorstehenden militari)eben Herbstübungen machen wir auf die Wich- tigkeit der Anwendung richtiger und deutlicher Aufschriften bei den Manöver-Po st sendungen aufmerksam. Zur genauen Aufschrift gehören: Familienname (mög-
vor zehn Jahren in China.
Die Augusttage dieses Jahres rufen die Erinnerung an jene bangen Wochen zurück, die vor einem Dezennium in China mit der Belagerung der europäischen Gesandtschaften in Peking und der Ermordung des deutschen Gesandten Freiherrn von Ketteler begannen und am 14. und 15. August zur Erstürmung der chinesischen Hauptstadt und Befteiung der in höchster Lebensgefahr schwebenden Europäer führten. Nachdem schon Ende 1899 in der Umgebung von Peking und Tientsin Unruhen ausgebrochen waren, begann Ende Mai 1900 der Boxeraufstand so bedrohlich zu werden, daß auf Aufforderung Kettelns alsbald eine Schutzwache von 50 Mann vom 3. Seebataillon aus Kiautschou über Taku und Tientsin nach Peking ging, das dort am 3. Juni eintraf, während in Tientsin eine Matrosenwache von 120 Mann gelandet wurde. Zwei Wochen später war die europäische Kolonie in Peking, deren Gesandtschaftswachen nur 18 Offiziere und 389 Mann zählten, zu denen noch einige Hundert als Gäste oder Ansiedler in Peking wellende Europäer kamen, von der Verbindung mit der Außenwelt abgeschnitten und am 20. Juni wurde der deutsche Gesandte auf offener Straße in der europäischen Stadt ermordet. Außer diesen spät in die Außenwelt dringenden Nachrichten fehlten alle Einzelhellen über das Schicksal der Eingeschlossenen, von denen abwechselnd verlautete, daß sie mit Frauen und Kindern umgevracht seien, bald' aber auch hieß, daß sie noch um ihr Leben kämpften.
Ein Versuch des ältesten vor Taku anwesenden Geschwaderchefs, des englischen Admirals Lord Seymour mit einer 2000 Mann starken, aus Engländern, Deutschen, Amerikaner, Oesterreichern, Italienern, Franzosen und Russen zusammengesetzten Abteilung den Rückzug der in Peking weilenden) Europäern zu sichern, war 40 Kilometer vor Peking bei Liang-Fang vor der Uebermacht der Chinesen und wegen der Zerstörung der Bahn zum Stillstand gekommen und Ende Juni kehrte das Expeditionskorps mit einem Verlust von 371 Mann nach Tientsin zurück, wo schon vorher die kriegerischen Operationen auf dem Peihoflusse begonnen hatten. Erst als nach gründlicher Zerstörung der Takuforts und des chinesischen Arsenals bei Hsiru die Chinesenstadt Tientsin am 16. Juli vollständig und dauernd erobert war, tonnte an die Befteiung der in Peking Ein- geschlosseneu gedacht werden, von denen immer dringendere Hilferufe herüberdrangcn. Am 18. Juni hatte ihre Belagerung durch die Chinesen begonnen, am 16. Juli war ein bis zum 9. August dauernder Waffenstillstand eingetreten, dann war von den Chinesen die Beschießung wieder ausgenommen worden, der die mit nur geringen Munitionsvorräten Versehenen nur ein schwaches Feuer entgegensetzen konnten.
Obwohl nun ein großer Teil der Verstärkungstruppen, darunter auch die beiden deutschen Seebataillone aus Kiel und
Wilhelmshaven auf offener See schwammen, wurde von dem russischen General Lenewitsch angesichts der verzweifelten Lage der 'Gesandtschaften mit einem gemischten Expeditionskorps von 1600 Mann der Vormarsch auf Peking am 5. August angetreten, bei dem es schon an demselben Tage 12 Kilometer nördlich von Tientsin bei Peitsang zu einem blutigen Zusammenstoß mit den Chinesen kam. Am 8. August folgte die Eroberung von D a n g s n n und.am 11. August die Besetzung von Hohsiwu, halben Wegs zwischen Tientsin und Peking. Von dort an fanben die Verbündeten feinen wesentlichen "Widerstand mehr, so daß sie schon innerhalb von drei Tagen vor die Tore der Hauptstadt gelangten. Am 14. August früh morgens begrüßten die in die stark befestigte englische Gesandtschaft geflüchteten Europäer den von ferne herüberschallenden Kanonendonner als Zeichen der naben Befteiung, und am Nachmittag desselben Tages erschien als erstes ein indisches Regiment, vor dem die Belagerer der Gesandtschaftsstraße die Flucht ergriffen. Tags darauf aber war die Millionenstadt im Besitz der Verbüirdeten. Um auch deutsche Truppen an dem improvisierten Vormarsch teilnehmen zu lassen, war Kapitän Pohl am 9. August mit 4 Offizieren und 107 Mann von Tientsin nachgeeilt, er konnte aber erst noch am 18. August in Peking eintreffen, wo ihm und Kapitänleutnant Hecht die Aufgabe zufiel, die nordwestlichen Staditeile zu besetzen. Die deutsche Gesandtschaftswache hatte während der täglichen Kämpfe von Sauf ent) en von Belagerten nut einen Verlust von 11 Toten inwd 16 Verwundeten erlitten. Als die beiden deutschen Seebataillone am 23. bezw. 31. August eingetroffen waren, konnte General von Höpfner schon am 10. September bei Lianghiang, 10 Kilometer südwestlich von Peking, einer zehnfach überlegenen Streitmacht ein Gefecht liefern, bei dem 500 Boxer und Soldaten fielen. O. K.
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— Kurse für Lehrer über Schwachsinn Und Geisteskrankheiten des jugendlichen Alters. Die „Münch. Mediz. Wochenschr." meldet: Einem Wunsche der Hilss- schullehrer Dresdens enffprechend wurden im Laufe dieses Sommers an der städtischen Heil- und Pslegecmstalt zu Dresden ärzlliche Vorträge und Vorführungen von schwachsinnigen Kindern und Jugendlichen zur Belehrung für die Hilfsschullehrer abgehalten. Sämtliche Formen des Schwachsinnes und von Geistes- krankhell des kindlichen und jugendlichen Alters wurden besprochen.
— Virgils Denkmal. In Mantua, der Geburlsstadt Virgils, wird dem Dichter der „Aeneide" demnächst ein Denkmal geweiht. Es ist bereits nahezu fertig und zeigt das Bronzestandbild des römischen Klassikers in einem antiken Marmortempel, den Mosalldarslellungen von Bildern aus den „Georgica" und den „Bucolica" schmücken. Es. war auch die Rede davon, Virgils Asche, die sich in seinem angeblichen Grabe am Posilipp bei Neapel
befinden soll, nach Mantua überzuführen. Aber die Zweifel an der Echtheit dieses Grabes erwiesen sich doch als zu stark, und die Tatsache, daß einst Petrarca dort zum Gedächtnis seines großen Vorgängers einen Lorbeerbaum gepflanzt hat, vermag an diesen Zweifeln nichts zu ändern. Uebrigens beabsichtigt der Munizipalrat von Mantua, die höheren Lehranstalten Europas einzuladen, Abordnungen von Professoren und Schülern zu der Denkmalsfeier zu entsenden.
— E i n neues Meisterwerk der griechischen Kunst im Britischen Museum. Die unvergleichlichen' Schätze antiker Plastik, die das Britische Museum birgt, sind, wie aus London berichtet wird, durch eine soeben ausgestellte Neuerwerbung auf das glücklichste ergänzt worden. Es handelt sich um ein griechisches Grabrelief jenes schönen, strengen attischcm Stils, der bisher in der Sammlung noch nicht so gut vertreten war. Die herrliche Arbeit, die auf dem Pariser Antigullätenmarkt erworben wurde, bestand bei dem Ankauf aus lauter einzelnen Stücken, ist aber nun vorzüglich wiederhergestellt worden und nimmt nun einen hervorragenden Platz in dem Saal der Funde von Phigalia ein. Drei Figuren sind auf dem Grabrelief dargestellt, die nach der griechischen Inschrift einen Mann namens Epichares, sein Weib, deren Name fehlt, und seine Tochter Ari- stöis darstellen. Die Frau ist sitzend gegeben, die Tochter steht neben ihr, die Hand der 9)hitter haltend, und zwischen beiden erscheint der Vater. Das Relief, in dem nur unwichtige Stücke fehlen, stammt aus der klassischen Zeit der griechischen Gradplastik aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.; es ist größer und vollständiger als alle anderen Stücke dieser Art im Britischen Museunn, Außer dem Museum von Athen, das die herrlichsten Werke dieser Art besitzt, werden wohl mir wenige europäische Sammlungen ein ähnlich großartiges Stück aufweisen.
— Französische Uni der sitäts st atistik. Ueder die Zahl der Studierenden an den französischeii Universitäten! macht eine neue Statistik interessante Angaben. Anr 15. Januar waren an den 16 Universitäten Frankreichs! insgesamt 40 001 Studenten immatrikuliert. An erster Stelle stehen die Juristen mit 16 915; das medizinische! Studium haben 9721 erwählt, der Philologie widmeten sich 6363 und den Naturwissenschaften 6287. Deutschland weist dagegen 54 845 Sttldenten auf, doch stehen hier die Philosophen, Philologen und Historiker mit 15 475 an der Spitze. Den 9721 ftanzösischen Medizinern stehen 9462 deutsche gegenüber, den 16 915 französischen Juristen jedoch
J13^3' •-?a an. den deutschen Universitäten die Zahl der ^>urr!ten zuruckgeht. Bei diesen Zahlen darf man me geringe Bevölkerung Frankreichs nicht außer acht lassen,


