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Zwettes Matt
Dienstag 11,Oktober 1910
ivv. Jahrgang
Lrjchetnt IL-Nch mit «uSnahme des Sonntags.
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Effert jung
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Rotationsdruck und Verlag der Br Ührchen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
werde ich ihn aufs äußerste fernzuhalten such ■ kann ich weder den Äundsätzerr noch der 3xu-. I entgegenbringciL
Um die näheren Umstände, unter denen bt standen ist, zu verstehen, genügt es, so meint Ztg.", an die Andeutung zu erinnern, wonach dies ft w den die Antwort auf einen Rechtferttgunasvtrsuch entgalt, der die Zu stände im Westen in ein kirchlicheres Licht stellen und den Lorwurs der „Entklerikalisierung", um mit Herrn Spahn zu reden, für den katholischen Frauenbund entkräften sollte.
Ein unfreiwilliger Witz unseres Kolouial-Affefsorisums.
Man schreibt uns: Die Herren Regierungsbeamten in unseren Kolonien haben mitunter noch den Drang, -die Fortschritte der Kuttur mit Macht den Eingeborenen zu- gänglich zu machen und Zeichen ihrer Regierungstätigkeit zu geben. So hat man in Kaiser-Wilhelms land (9teu- guinea) in der Nähe einer Missionsstation über einen
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktiorue^llL. Tet-Adru AnzeigerGießerl.
Ä ? Mainzer Stadttheater. „DerGrafvonGler- chen", Schauspiel in einem Vorspiel und drei Akten von Wilhelm Schmidtbonn. Dieses erschütternde Stück, das am Samstag
Die „Siebener Zamilienblütter" werden de« „Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, daS „Kreisblatt für bei Kreis tieften“ zweimal wöchentlich. Die „randwirtschastlichen Seit- ftagen“ erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhchen
war diese Offenherzigkeit zu weitgchend. So liey^. ^^Sack ' Ich messe alles, was vom Westen kommt, mit diesem Maßst.. * und sehe immer wieder aus allen Bestrebungen den Pferdefuß durchscheinen. Ich habe noch einmal im Herbst den Versuch gemacht, wenigstens ein äußeres Zusammengehen zu ermöglichen. Alles scheitert an dem wahrhaft häretischen Fanat^KF mus, der im Westen bezüglich der sozial en herrscht. Der Westen braucht unser Vertrauen r;
ja stark genug, seine Bestrebungen in seinen Ktt setzen. In den Kreisen, in denen ich die LZ-r^ b
Mein und Tein eirtscheiden, tagtäglich bei seiner Arbeit zu beschäftigen. Er forscht nach den Motiven, dem Zweck, der Absicht des Täters (und zwar itubt bloß des Missetäters, sondern des Handelirden überhaupt, des VertragscUießenden, Testierenden usw^) Er prust, ob ein Mangel im Willen, ob ein Irrtum, eine Täuschung vorliegt. Er erwägt, ob eine Tat kalten Blutes oder in der Leidenschaft begangen, oh sie bei klarem Sinn oder in geistiger Störung ausgeführt ist. Er kontrolliert die Aussagen der Be- weisperfonen, untersucl-t, ob sie lückenhaft, befangen, durch Er- ftrnerungsfälschungen beeinstußt sind. . Alle diese Betrachtungen liegen auf dem Gebiete der Psychologischen Forschung, betreffen Probleme der forensische;: Psychologie. Unb doch hält es der Durchschnittsjurist von heute nicht für nötig, sich Wissenschaft?« lich mit psychologischen Fragen zu befassen; er glaubt, mit der empirischen Alltagspsychologie auskommen, glaubt das, was er nicht gelernt hat, burd) praktischen Blick und natürliches Empfinden ersetzen zu können. Nun sind ein gesundes Empfinden und ein praktischer Blick gewiß sehr wertvolle Dinge. Altern ent Ersatz für das Wissen sind sie nimmermehr. Erst eine gründliche methodische Beschäftigung mit forensischer Psychologie befreit den Richter von gefährlichem Dilettantismus und gibt der Betrachtung seelischer Vorgänge, die jeder Jurist in jedem einzelnen Rechtsfalle von Berufs wegen anzustellen hat, eine gesickerte, unantastbare Grundlage."
zu Eisenach unterbringen und der Oeffenllichkeü zugänglich machen.
— Degenerierte Frauen höherer Stände. Dem in Berlin tagenden Internationalen Kongreß der Fürsorge für Geisteskranke unterbreitete Dr. M ö r ch e n - Ahrweiler, einer der Sachverständigen im AUensteiner Prozeß, eine Reche von Leitsätzen über degenerierte^Frauen höherer Stände. In Dreien Leitsätzen betont er, daß die in letzter Zeit hervortretende Anhäufung gewisser .Sensationsprozesse', wie Steinhell, Tar- noivsfa und Schönebeck, deren soziale Schädlichkeit unziveifelhast und vieljettig ist, eine von psychiatrischen Gesichtspunkten aus- geheilde Betrachtung der im Mittelpunkt stehenden Frauen als praktisch wichtig erscheinen läßt. Die Prozeßberichte, eine Definition Lombrosos über Frau Steinheil, und schließlich bestimmte klinische Erfahrungen machen es zur Wahrscheinlichkeit, daß wir es bei diesen Frauen mit einem einheitlichen Typus psychischer Degeneration zu tun haben. Klinisch betrachtet, handelt es sich um mehr oder weniger erblich belastete, konstitutionell psychopathische Frauen, bet deren degeneratioer Charakterbildung ein bestimmtes gesellschaftliches Milieu mltwirkte. Sie erweisen sich als debile, d. h. in ihrer Persönlichkeitsentwicklung auf einer kindlichen Stufe stehen gebliebeneJndividuen mit abnorm überwiegendem Triebleben und allgemein ethischen Defekten bei guter formaler Begabung. Stets vorhandene neuerotische Symptomkomplexe, teilweise Hysterieformer Art, und gelegentlich austretende Asfektpsychosen lassen die krankhafte Grundlage der Entartung deutlicher hervor- treten. Kriminalpsychologisch betrachtet, ist von besonderer Bedeutung die der allgemeinen Debilität entsprechende Neigung zu vorwiegend infantiler Betätigung einer erheblich gesteigerten Sexualität. Es ergibt sich hieraus eine Analogie zu dem Typus der demi-vierge, des lasterhaften Backfisches. Tie diesem eigentümliche provozierende und perverse Erotik findet sich hier bei einer erwachsenen, durch körperliche Vorzüge und gesellschaftliche Gewandtheit imponierenden Frau. Tas bedingt in erster Lmie ihre durch die Debiiität begünstigte Gemelngefährlichkeit. Forensisch gibt uns die geistige Minderwertigkeit unb fiele psychotische Disposition dieser Frauen das Recht, sie als Geisteskranke auch im Sinne des Strafgesetzbuches zu betrachten. Ihre Entmündigung erscheint gegebenenfalls angezeigt und zulässig. Kommen diese Kranken aut Anstaltsbehandlung, so ist mit Rücksicht auf ihre Hemmungslosigkeit und das Vorwiegen des Trieblebens bei ihnen nur der moralische und äußere Zwang, wie ihn die geschlosiene Anstalt audübt,, als zweckentsprechend und im ürztlich-pädagogischen Sinn wirksam anzuj-hen.
politifebe Tagesschau.
ein Brief des Kardinals Kopp.
Der auch von uns schon erwähnte Brief des Kardinals Kopp an Fräulein v. Schalscha, der sich über die „Verseuchung des Westens" ausfprach, ist dem Berliner Tageblatt in einer Abschrift zur Verfügung gestellt worden. Er lautet, die Richtigkeit der Abschrift, die das Tageblatt nicht nachzuprüsen vermochte, vorausgesetzt, mit Weglassung nebensächlicher und persönlicher .Stellen am Eingang und am Schlüsse wie folgt:
Was mir in der Vorstellung am wenigsten gefällt, sind die spitzen Bemerkungen gegen die „Erwerbstätigen" in Berlin. Die Erwerbstätigen in Berlin wie in Breslau habe ich von vorw- herein von der Verseuchung des Westens zu bewahren gesuckst. Mir ist schon die Jnterkonfessionalisierung der Arbeiterbewegung viel zu viel, sie auch noch auf die Arbeiterinnen zu übertragen, würde die Verwässerung des katholischen Bewußtseins in die ganze arbeitende Klasse getragen haben. Darum habe ich „die Erwerbstätigen" als streng konfessionell verlangt; wollen sie das nicht sein, so sollen sie sich nicht mehr katholisch nennen und als solche gelten motten. So steht es mit „den Erwerbstätigen" in Berlin. Wie steht es mit der gleichen Organisation im Westen? Aus reinem Oportunismus, nur um die Macht der interkonfessionellen Vereine zu vereinigen, hat man die christlichen Arbeiter den Gewerkschaften zugeführt. Und wie stellt sich die Zentrale des katholischen Frauenbundes dazu? Stellt sie sich in den Dienst dieser Bestrebungen? Uebt sie die Patronage über sie aus? Das ist doch die Frage, die ja leider noch immer ungeklärt ist. Wie sehr der Frauenbund auf die Seite der interkonfessionellen Bewegung gestellt wird, haben wir erst vor kurzem ui den öffentlichen Schriften gelesen. Was hat der Frauenbund getan, um sich davon zu reinigen? Die Erklärung des Frauenbundes (Zentrale) gegen die Spa husche Behandlung [gemeint ist der Artikel Martin Spahns im Hochland, der von der „Entklerikalisierung" des Zentrums sprach ist nicht mehr als kläglich, geradezu ein Zugeständnis, und die alberne Empfindlichkeit soll nur die wunde Stelle verdecken, die
Tiefe schcksalsschwere, zerwühlende Handlung ist in prächtiger Sprache gegeben, einer Sprache, die jedes Ausdrucks fähig ist. Und erst die Charaktere; mit welch ergründender Wahrheit tritt uns da Ritter Engelbrecht entgegen. Ein eiserner, ungebrochener Mann, der fest in seiner Zeit wurzelt, ein wahres, lebendiges Bild des mittelalterlichen Ritters. Neben ihm treten zwar die übrigen Gestalten zurück, doch find sie deshalb nicht weniger treu behandelt. Eisig umflossen gegen ihre Feindin, voller Liebesglut zu ihrem Manne steht Notburg da, die lebenswahr mit ihren Fehlern und Vorzügen verkörperte Abendländerin; ihr gegenüber die unterwürftge, hündisch-treue Orientalin, mit bem Mllen, jeden Wunsch aus den Augen zu lesen, jedem Befehl ohne Befehl nachzukommen. Die Regie des Direktors, Hofrats Behr end, hat hier ihr schöpferisches Können im besten Lichte gezeigt; doch wäre das Stück besser für das Theater ausgespart worden; diese kräftige Handlung erfordert auch einen festen Rahmen, ihr genügen nicht die schwachen Mittel, die in der Stadthalle zur Verfügung stehen. Von den Darstellern sind namentlich zu erwähnen: Herr Willy als Engelbrecht, Herr de Vogt als Burgknecht Leander Kn aut h als Burgvogt, Frl. Bolteny als Notburg und Frl. Hermann als ^Zaemi.
— Das Erg ebnis b er Passionsspiele von 1910 in Oberammergau wirb jetzt bekannt gegeben: Mai: drei Haupt- spiele, drei Nachspiele, 25 002 Besucher, 150 721 Mark Einnahmen. Juni: sechs Hauptspiele, zwei Nachspiele, 33 514 Besucher, 238 562 Mark Einnahmen. Juli: sieben Hauptspiele, sechs Nachspiele, 50 659 Besucher, 356 441 Niark Einnahmen. August: neun Hauptspiele, neun Nachspiele, 70 806 Besucher, 503 883 Maick Einnahmen. September: fünf Hauptspiele, sechs Nachspiele, 43 549 Besucher, 295 676 Mark Einnahmen. Es wurden also in 30 Hauptspielen und 26 Nachspielen von 223530 Besuchern 1545 283 Mark Eintrittsgelder bezahlt. Im Jahre 1900 wurden in insgesamt 27 Hauptspielen und 18 Nachspielen von 173 669 Besuchern 1005157 Mark bezahlt. Somit ist im Jahre 1910 ein Mehr von etwa 50 000 Besuchern und V» Million Mark Einnahmen zu verzeichnen.
— Der Neuen Bachgesellschast zu Leipzig bat Professor Dr. Hermann Obrist, der angesehene Münchner Bildhauer, die wertvolle Sammlung von Musikinstrumenten seines verstorbenen Bruders, des Hofrat Dr. A l o y s O b r i st, übergeben. Dieser hat in jahrelanger opferfreudiger Forscherarbeil die Musikinstrumente der Vorzeit, insbesondere alle von Joh. Leb. Bach verwandten Instrumente zu einer reichhaltigen Sammlung zusainmengetragen. Tie Neue BachgeseUschaft wird bie Sammlung von Musckmstrumenten als ^Aloys-Obrist-StütungE im Bachhause
Kein Warennachschub bei Ausverkäufen.
In verschiedenen Zeitungen wurde in letzter Zeit die Frage erörtert, ob die Ergänzung eines Warenlagers während eines Ausverkaufs statthaft sei. Zur Aufklärung des Sachverhalts sei sestgestelll, so schreibt hierzu der V er b a n d der Detaillisten-Vereine im Großherzogturn Hessen, daß nach § 8 des neuen Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb vom 7. Juni 1909 mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bestraft wird, wer im Falle der Ankündigung eines Ausverkaufs Waren zum Verkaufe stellt, die nur für den Zweck eines Ausverkaufs herbei- geschafft sind (sog. Vorschieben oder Nachschieben von Waren). Jeder Warennachschub ist hiernach untersagt. Das Oberlandesgericht in Darmstadt hat auch keine Entscheidung erlassen, durch welche diese klare Bestinr- mung des Gesetzes vom 7. Juni 1909 anders ausgelegt würde.
Wenn von anderer Seite behauptet worden ist, daß das Darrnstädter Oberlandesgericht das Nachschieben von Waren für zulässig erklärt hat, so kann sich dies nur auf eine Entscheidung beziehen, die vor dem Inkrafttreten des Gesetzes vom 7. Juni 1909 ergangen ist. Diese veralteten Entscheidungen haben jetzt selbstverständlich keine Bedeutung mehr. Denn durch das neue Gesetz vom 7. Juni 1909 soll diese frühere Rechtssprechung aufgehoben und das Nachschieben von Waren für die Zukunft verboten werden. Dies ist gerade der Zweck des neuen Gesetzes. Eine besondere Stellung nehmen in dem neuen Gesetz nur die Saison - und die Inventur-Ausverkäufe ein, die von der Vorschrift des § 8 ausgenommen sind. Wie well bei den Saison- und Inventur-Ausverkäufen das Nachschieben von Waren zulässig ist, ist bestritten. Dr. Fuld-Mainz, ein Kenner des Gesetzes, vertritt mit Entschiedenheit die Ansicht, daß auch hier eine Beschränkung gelten müsse: die Inventur-Ausverkäufe dürften sich nur auf die zur Zeit der Inventur vorhandenen Waren, die Saison-Ausverlaufe nur auf die Waren der alten Saison, aber nicht auf die Waren der kommenden Saison erstrecken. Eine Entscheidung des Oberlandesgerichts ist darüber, wie diese Frage nach dem Gesetz vom 7. Juni 1909 auszulegen ist, noch nicht ergangen. Jeder Geschäftsmann muß daher auch in dieser Richtung vorsichtig sein, damll er sich nicht der Gefahr einer Bestrafung aussetzt. Nur aus die Saison- und Inventur- Ausverkäufe beziehen srch im übrigen die Ausführungen von Dr. Rosenthal und Dr. Fuld in Nummer 12 und 14 der Zeitschrift „Das Recht", auf welche von anderer Seite hingewiesen worden ist.
getroffen unb bloßgelegt worben ist. Und dabei verlangt man im Westen noch Vertrauen von uns? Wir wollen unsere Hände unb Gewissen rein bewahren. Wir wollen an der Verflachung b es katholischen Empfindens nicht teilnehmen. Wir wollen weder die Arbeiter noch die Arbeiterinnen mit Klassenhaß nähren, zum Klassen- unb Machtkämpfe erziehen unb sie der Sozialdemokratie zuführen. Liest benn bie Frau N. die öffentlichen Blatter nicht? Unb
:icht gelesen, was der christliche Gewerkschaftssekretär igst ausgeplaubert hat? Selbst ben Sozia^zotraten Offenherzigkeit zu wettgchend. So liege" vw^fSatf s
k, Ktxnfi, Wissenschaft nnd Leben.
— Ein Messeldenkmal im Lanbesmuseum zu Darmstadt. Freunde, Schüler und Verehrer Alfred Mes- els und feiner Kunst beabsichtigen, dem früh verstorbene Künstler, dessen Schaffen der deutschen Kunst so viel gegeben hat, ftn Erinnerungsmal zu setzen, das der Nachwelt seine Züge . überliefert. Das schönste Denkmal freilich hat sich Messel selbst a ui seinen Werken geschaffen; feine Wohnhäuser und feine Monu- 5 mentalbauten zeigen, wie man deutsch unb mit bem Herzen jj baut, sein Warenhaus Wettheim wurde zum Ansgangspuntt fort» schriftlicher Architektur. Sein Meisterwerk jedoch ist das hessisch L.Landesmuseum in seiner Vaterstadt Darmstadt, das, M ui einer Bauzeit von dreizehn Jahren errichtet, seine .Entwickelung vom frühen, kraftvollen Anfang bis zur klaren Höhe seiner ■ <lunft zeigt. In diesem Werk, von dem er selbst sagt: „Wenn iH mir ben Bau betrachte, bann lebe ich meine ganze künstlerische Entwickelung nochmals burch!", sott eine Messelbüste von tiunftlerbanb ihre Stätte finden. Die Mittel sollen nicht durch T öffentlichen Aufruf gesammelt werden, sondern durch persörüiche : MW eiben.
rj über unsere Bühne ging, lehnt sich an eine Sage aus der Zett nach dttn ersten Kreuzzuge an. Der Kreuzritter Engelbrecht von Gleichen
1 letäi nach der Einnahme von Jerusalem auf dem Heimwege { in die Hände eines türkischen Großen, in dessen Gefangenschaft J er 12 Jahre lang geschmachtet. Naömi, bte Tochter seines Peinigers, faßt eine tiefe Liebe zu dem fremdländischen Rittersmanne und befreit ihn unter der Bedingung, daß er sie als eheliches Weib mit .sich nimmt. Engelbrecht verschweigt ihr, aus Liebe zur Freiheit, daß ihn zu Hause Weib und Kind erwarten und fie fsieht mit ihm als angetrantes Weib in die Heimat. Seine Gattin Ndtburg nimmt das liebreizende Türkemnädchen als Freundin in ihr Haus auf, obwohl sie weiß, daß dieses ihrem Gemahle artgetraut wurde und Christin ist. Da ihr Gatte sich tedoch von ihr zurückhalt, wlld bie Eifersucht in ihr lebenbig. Sie ist zwar zu schwach, um bem eisernen Willen ihres Gatten zu trotzen, teilt mit ber Türkin bas Ehebett wider ihren Wttlen mrd erkennt sie als gleichberechtigt an. Ws sich ihr jedoch Wegen» beit bietet, die Nebenbuhlerin fru beseitigen, zögert sie nickst. Frei bekennt sie ihrem Gatten die Tat und wird verstoßen. Engelbrecht selbst verläßt Haus und Hof, begleitet von dem pettE feierten Tode, dem Burg knecht Rotzen.
-sychologische Ausbildung und Schulung der Juristen t das Ziel, dessen Erreichung eine kürzlich im Verlage der . H. Beckschen Verlagsbuchhmrdlung (Oskar Beck) in Münzen erschienene Broschüre von Prof. Dr. Hans Reichel { Ma), betitelt: „Ueber forensische Psychologie",
!s ein unerläßliches Vostulack moderner Rechtspflege dar- )[ eilt Das Vorwort des dem deutschen Richterbunde ge- ridmeten Büchleins enthält hierüber folgenbe Aus- ^chrungen:
„Ein Jurist, will er ein rechter Jurist sein, muß mehr - ls „Jurist" sein; das will sagen, mehr als ein Kenner . nb Ausleger der Gesetze. Denn die Gesetze sind nicht um .)icr selbst willen da; sie dienen dem Leben. Ein Jurist Iso, der seine Aufgabe voll erfaßt, muß auch das Leben ernten, in dessen Dienst er gestellt ist."
„Der Richter von heute soll das soziale, insbesondere as wirtschaftliche Leben kennen; er soll mit einem Tropfen >zialen Oeles gesalbt sein. In dieser Forderung sind alle Karteien einig. .Aus diesem Grurrde verlangen toir ein- tütig, daß der künftige Richter sich mit Volks wirt- chaftslehre beschäftige."
„Aber nicht rau soziales, auch individuelles Ver- ändnis haben wir vom Richter zu fordern. Nicht nur die irassenerscheinuugen des Gesellschaftslebens, auch die Ge- -tze der einzelmenschlichen Individualität soll er begreifend curteilen. ^Denn was vor den Richtertisch tritt, recht- rchend oder rechtleidend, sind immer einzelne Menschen ft)nen gerecht werden kann nur der, dem nichts Menschliches fremd ist Zu der Kenntnis und Erkenntnis des * eb-ns, deren der Richter nicht entrateu kann, gehört sonach ls ihr vornehmstes StüL die Kenntnis und Erkenntnis es Menschen .Auch ein starker Tropfen psychologischen ,eles ist also vonnöten Wir fordern neben der sozialen gt ine psychologische Rechtspflege. Wir verlangen, daß der unftige Richter neben Volkswirtschaftslehre auch Seelen- n und e studiere."
r, Das Mittel und Wertzeug zu dieser seelenkundlichen lusbildung des modernen Juristen erblickt der Verfasser ;i dem Ausbau und Lehrbetrieb einer aus die speziellen ,, Bedürfnisse der Justiz zugeschnittenen besonderen Wissen- 1 haft, nämlich der „forensischen Psychologie" oder gericht- ^>chen Seelenkunde. Der Verfasser versteht hierunter „eine agewandte Psychologie, nämlich die Wissenschaft, die sich " efaßt mit denjcniaen psychologischen Daten und Gesetzen, II ie in der gerichtlichen Praxis eine Rolle spielen." Andrer- । ftts soll diese Wissenschaft mehr bieten als die Kriminal- > sychologie, die es bloß mit dem Verbrecher, oder als die orensische Psychiatrie, die es lediglich mit dem Geistesranken zu tun hat Nicht nur der Verbrecher, sondern ruh der rechtliche Staatsbürger, der aus irgend einem
]. jrunde mit dem Gericht zu tun bekommt, nicht nur der £ Geisteskranke, sondern auch der normale Mensch, der z. B. I in Geschäft schließt oder sein Testament macht, nicht nur er Klager oder Angeklagte, sondern auch der Zeuge, der
* Lichter, der Sachverständige usw. sollen vielmehr in dieser Zijsenschaft eine eingehende psychologische Untersuchung er-
' ahren. Nicht ausschließlich der Irrenarzt, sondern auch 05 er wissenschaftliche Psychologe und die psychologische Er- ahrung des täglichen Lebens sollen in ihr ausgiebig zu Borte kommen.
Den in Reichels Buch verfolgten Bestrebungen widmet " ns „L. T." einen Aufsatz aus der Feder des Landrichters W Jhtmm unter dem Titel: „Der Richter der Zukunft" Auch ier Verfasser dieses Aufsatzes stimmt mit Reichel darin Herein, daß dem ,Mchter der Zukunft" eine grütrdliche psychologische Stellung recht sehr vonnöten sei. Es heißt )ort wörtlich:
i „In ber Tat ist ber Wert einer streng wissenschaftlichen psycho- ogischen Schulung für ben Richter gar nichr hoch genug einzu- 1 chätzen. Mit psychologischen Begttffen hat sich ein jeder Richter, nag er m ber Strafrechtspflege tätig sein ober Prozesse über
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