Ausgabe 
11.4.1910 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.

dem Auftreten der Amana. tfri. i Gieren gesehen wuroe, lächelte, auf hrnrhfn nnt r?\ rrnrh in 0O

haben aushän^ - denen alle wirksamen $ mellen enthalten sind, lassen w 'n Valvichmerzen, gegen Husni vronchialiatarrh ec. anwenia 1 onns ächte Lodener älincrr. ii die Lchachlel 85 Pfg. kostet nl seschäslcn öu Haden sind,

Re übte, die auch schon in < _ , , ,

als Hermann die Todesbotschaft brachte, auch noch in den Augenblicken, als sre das Schreckliche schon vor sich haben mußte. Beim letzten Wort erst die über­triebene Erschütterung, Kainz weif; die Gegensätze besser hervorzuheben. Dieses Aufkeimen der Ahnung von Karls Erscheinung bis zur furchtbaren Gewißheit! Und die kluge Steigerung bis zum Schluß, das Beoen und Zittern, das ge­waltiger erschütterte als äußere Geberden! Die Sprache aber von zwingender Gewalt, klar, kalt wie Stahl. Bis zuletzt der sichtbare Kampf mit den Geistern der Sitte und des Gesetzes. Das letzte Gebet ein wahnsinniges Poltern und Sichvergessen. Die Mimik voll Bewegung und Ent­setzen. Er ist noch einer der Größten, uni) wer i£n so als Franz gesehen hat, wird Kainz schwer vergessen.z.

vensFidelio" hatte nur 2U2 Aufführungen; WebersFreischütz" tft 274 mal verzeichnet, die Neuromantiler Cornelius (Eid, Barbier, Gunlöd) 35 mal, Hugo Wolf (Corrigidor) einmal. Auf dem' Gebiete der Operette hat Leo Fall mit 2444 Aufführungen/ IeinerDollarprinKessin" ben Vogel abgeschlossen, wäh­rend LehärsLustige Witwe" mit 671 vertreten i|t gegen 1778 im Vorjal;re. Unter den Schau s vielen führten L. Thomas . Moral" mit 838 Aufführungen, R. de Flers und A. de Cailli- vetsTie Liebe wacht" mit 53a, Meyer-FörstersAlt-Heidel­berg" mit 377, Engel und HorstsDie blaue Alans" mit 374. Schiller hatte mit seinen sämtlichen Werken 1627 Aufführungen

zu verzeichnen.

Magnetische Aufuahnten in China. DemGlo­bus" zufolge ist ün Tezember 1909 nod/i einjähriger Abwesenheit! die unter Don C. Somers stehende, vom Carnegie-Institut zu magnetischen Beobachtungen nach China und Chinesisch-Turkestan eMsandte Reise heimgekehrt. Tie Expedition, an der auch Prof. C. G. Fuson vom Christian College in Kanton teil nahm, ver­ließ Ende Januar 1909 Peking, benutzte die Eisenbahn bis Honansu uno reiste dann in der üblichen Weise die.große nördliche chinesische Handelsstraße entlang, verließ das eigentliche China tnird? die große Mauer im Nordwesten und erreichte durch die Wusle Gobi Ürumtschi. Von da ging der Marsch am Südabhang des Tienschan entlang nach Kaschgar, wo Ende Juli die Ankunft erfolgte und werter südwärts über die Karakoramvässe nach Leh; Mitte Ok­tober ßrtcidjlc sie in Rawal Pindi ehren Abschluß. In Tehral Tun wurde dann der Anschluß an die magnetischen Aufnahme­arbeiten der indischen Negierung gewonnen.

Eine interessante Vorlesung hat der Historiker. Professor Dr. Buchholz an der Königlichen Akademie zu; Posen angekündigt:'Die F-rau im Zusammen-

hange des deutschen Kulturlebens vom 16. bis zum Beginne des 19. Jahrhunderts." Die einzelnen Vorlesungen werden behandeln: Tie Frau und der Humanismus (Agrippa von Nettesheim-. Die Frau in der Reformation (Charitas Pirckhcimer, Katharina Schütz, Katharina Zell, Magdalena Paumgartnerin-. Tie Frau im sitt­lichen Niedergang des 17. Jahrhunderts (Liselotte von der Pfalz). Tasgelehrte Frauenzimmer" (Anna Ädaria von Schürmann). Frauenbildung am Beginn des 18. Jahrhunderts (der weibliche Kreis um Gottsched). Tie Frauen und der Pietismus) Dm Empfindsamen. Tie Frauen und die neue Blüte unserer Literatur,

Stilreinheit laq auch nicht in dem Auftreten der Amalia. Frl., Autoren sind nreist gestiegen, so GounodsMargarete" von 221 - - - - -------- 12uf 249, Samt-SaensSam,on und Calrla" rst von 80 auf

58 zuräckgegangen, ThomasMignon"^votl 296 auf 286, Offene bachsHofsmanns Erzählungen" von 367 aus 352. Von 'Humper­dincks Hansel und Gretel" sind 137 Aufführungen genannt, von Kienzls Evcmgelimann 74 (gegen 110 voriges Jahr), von StraußElektra" 105, derFeuersnot" 3,Salonre" 85. Beethoi

Der neue (Entwurf des Bunözsrats zur Reichs­oersicherungsordnung.

Vor nunmehr einem Jahre war bekanntlich der erste Regierungs-)Entwurf zur Reichsversicherungsordnung ver­öffentlicht worden und die darin vorgesehenen Neuerungen 1 i-ittcn eine Hochflut von Kritiken hervorgerufen. Im An- schli-.ß daran hat dann der Bundesrat diesen Entwurf durch- ernten und unter Rücksichtnahme aus einen Teil der Kritiken mit verschiedentlichen Llbänderungen versehen. Dieser abgeänderte Entwurf ist nunmehr dem Reichstage oorgelegt worden und Mar hat er in seiner neuen Gestalt einen wesentlich größeren Umfang wie der erste Entwurf, -a die Begründung, welche sich an die vorhergegangene öffentliche Kritik anschließt, zum Teil darauf einaeht, ander- >eits sie widerlegt, außerordentlich umfangreich geworden ist. Ter neue Entwurf ist ein stattlicher Band von nahezu 1100 Seiten, wovon etwa i/t auf den Gesetzestext mit seinen 1 754 Paragraphen, s/4 dagegen auf die Begründung fallen.

Zunächst ist bezüglich der geplanten neuen Versiche­rn n g ö ä m t c r mancherlei geändert worden. Bekanntlich . mußten sich diese besonders hestige Angriffe gefallen lassen, . an warf ihnen allzugroße Kostspieligkeit vor sie sollten nach den verschiedentlich angestellten Berechnungen alljähr- . ich die Riefensumme von über 30 Millionen, nach anderen iehauptungeu gar 100 Millionen an Kosten verschlingen, auch ergäben sie als neue Zwischenstellen keine Förderung, ; sondern ein bureaukratisches Hemmnis für den Geschäfts­gang, sie beeinträchtigten weiter die erforderliche Selb- länoigleit der Versicherungsträger und bergt mehr. Bis ; a einem gewissen Grade hat der Bundesrat diesen Ein- - Didcn Rechnung getragen. Fallen gelassen wurden die i'crsicherungsämter freilich keineswegs, die Begründung ver­teidigt ihre Zweckmäßigkeit vielmehr ganz entschieden. Sie seien weder eine bureaukratische Einrichtung, noch ver- irsachten sie Uebergvifse in die Selbstverwaltung der Ver- 1 icherungsttäger, sie beseitigten viele zurzeit bestehende kln- , uträglichkeiten und vereinfachten den Arbeitgebern wie den .'wbeilnehmern die Geschäfte; weiter wird nachgewiesen, daß - - unter Annahme hoher Sätze entgegen den oben er­wähnten Riesentosten, die erforderlichen 800 bis 1000 Ver- jna-erungsämter im ganzen Reiche jährlich höchstens 6,7 Millionen Kosten beanspruchten. Diese seien auch keine Mehrbelastung, da die gegenwärtig an vielen Stellen zer­splitterten Geschäfte nur zur rascheren und gründlicheren Erledigung bei einem Amte vereinigt werben sollten, so würben lebiglich die bisher schon an zahlreichen Stellen . rwachsenden Kosten auf die Versicherungsämter zusammen- gzesaßt; dadurch würden die Kosten aber eher vermindert wie erhöht. Es ist indes bestimmt worden, daß die oberste Verwaltungsbehörde die Versicherungsämter in erster Linie an staatliche oder gemeindliche Behörden angliedern solle", erst hiernach heißt es:die oberste Verwaltungsbehörde kann die Vers.-Aemter auch als selbständige Behörde er­richten." Durch diese Fassung ist ausgesprochen, daß letz­teres erst in zweiter Linie geschehen solle.

Sehr scharf bekämpft wurde seinerzeit auch die Bestim­mung des ersten Entwurfs, wonach den Versicherungs­ämtern die Vorarbeiten für die Festsetzung der Unfallrenten zufiel. Sie sollten hiernach in jedem Ernzelsalle als un- d»eteiligte Stelle das nötige Material sammeln, den Ver- jicherten Gelegenheit zur Vorbringung ihrer Wünsche und

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vahrte Nahrund ider undKranke

verhält, an der entgegengesetzten Haltung der preußischen Regierung das ganze, im Grunde doch sehr wünschenswertc Reformwerk scheitern möge. \

Dagegen ist in den Vorschriften über das Verhältnis der Aerzte zu den Krankenkassen im Anschluß an dies­bezügliche Wünsche der Interessenten verschiedenes geändert worden. Ter Entwurf stellt den Grundsatz an die Spitze, daß Kassen und Aerzte sich als gleichberechtigte Vertrag­schließende gegenüberstehen. Er gibt teinem der verschie­denen Arzlsysteme den Vorzug, sondern behandelt sie als rechtlich gleichwertig. Verträge auf Grund der sogen, be­schränkten freien Arztwahl heißenallgemeine Arzt- öertrage", solche mit besonderen Aerztenbesondere Arztverträge". Ist ein allgemeiner Arztvertrag geschlossen, so kann jeder approbierte Arzt, der int Bereich der Kasse wohnt, bereit Mitglieber behanbeln, wenn er bem Vertrag schriftlich beitritt, dagegen vom Vertrag nur ausgeschlossen werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Tie Satzung kann den Vorstand ermächtigen, mit bestimmten Aerzten einen besonderen Arztvertrag abzuschließen und, dringende Fälle ausgenommen, die Bezahlung anderer abzulehnen; jedoch soll, falls ohne Mehrbelastung der Kaisen möglich, die Wahl zwischen mindestens 2 Aerzten frei bleiben. Der erste Entwurf sah für die Streitigkeiten der Kassen mit den Aerzten und ApothekernSchiedsausschüsse" undSchieds­kammern" vor. Diese hat der zweice Entwurf wieder be­seitigt; er schreibt dafür vor, daß für den Bezirk jedes Oberversicherungsamls einVertr ags aus s chuß" für allgemeine und ein solcher für besondere Arztverträge ge­bildet werden solle, in welchen die Aerzte und die Kassen gleichmäßig vertreten sind. Diese Ausschüsse vereinbaren bestimmte Grundsätze für die Verträge nach gewissen Nor men, wirken also von vornherein bei den Arztvertrags­abschlüssen mit. Sodamt sollen sie auch Streirigkeiten zwischen Kassen und Aerzten schlichten. Kommt em Ver­tragsausschuß nicht zustande, weigert er sich, seine Ans gaben zu erfüllen oder kann er sich nicht einigen, so setze die höhere Verwaltungsbehörde im Einvernehmen mit dem Oberversicherungsamt die Vertragsgrnndsätze vorläufig fest. Auch mit den Apotheken können besondere Verträge geschlossen werden. Zur .Herbei,üt-rung und Erleichterung von Verträgen und Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Kassen und Apotheken kann die oberste Verwaltungsbehörde ähnliche Einrichtungen wie bei den Aerzten anordnen.

In die Unf aHü er f id) erunß neu einbezogen sind das Dekorateurgewerbe und der Betrieb von Badeaiiftakten, da solche Betriebe mit nicht unerheblicher Unfaklgefahr ver­bunden sind. Weiter wird die Versicherungspflicht aus­gedehnt auf die gewerbsmäßigenFahr, Reittier- und Stallhaltungsbetrie'be", sowie auf das nichtgewerbsmäßige Halten von Reittieren und von solchen Fahrzeugen, die durch elementare oder tierische Kraft bewegt werden. Auck) bei der Unfallversicherung der kaufmännischen Angestellten ist die seitherige Beschränkung aufLag eruna Sbetriebe" erweitert aufBetriebe, die der Behandlung un b Hanbhabung b er W ar e b i en en, worunter auch Ver­richtungen fallen, die zu ber bisher unversicherten Ver­kaufstätigkeit in näherer Beziehung stehen. Tie Aende- rung will bie bisherigen Mängel ohne tiefgreifenbe Aenbe- rungen im allgemeinen beseitigen, ba bie bisherige Tren­nung der verftcherten Lagerungsarbeiten und ber unver­sicherten kaufmännischen Arbeiten nad) ben neuen Vor­schriften künftig nicht mehr ersorberlich ist. Die meisten Labengeschäfte sinb künftig der Versicherung unterstellt. Die

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Beweismittel geben und schließlich bie erwachsenen Akten mit einem eigenen Gutachten an ben Versicherungsträger abgeben. Dieser (bie Berufsgenostenschaft) sollte bann selbst- stänbig ben Bescheib an ben Versicherten erteilen. Tie Berufsgenossenschaften hatten biese Anordnung als einen Eingriff in ihr Selbstbestimmungsrecht sehr heftig ange­griffen und in dem zweiten Entwürfe sind diese Anstände and) berücksichtigt worden. Die Berufsgenossenschaften sollen nach dem zweiten Entwurf wie seither die Unsallrente allein festsctzen, bezw. die erforderlichen Vorarbeiten dazu allein vornehmen, es soll ihnen allerdings unbenommen sein, schon vorher eine gutachtliche Aenßerung des Ver­sicherungsamts einzuholen. Sodann heisst es:sie können demselben aud) allgemein von Anfang an die Ermittlungen übertragen", sie können hiernach also ganz nach Belieben die Vorarbeiten zur Rentenfestsetzung selbst besorgen ober sie von den Verjicherungsämtern vornehmen lasten. Im übrigen sollen diese aber hauptsächlich als erstinstanzliche Schiedsgerichte wirken.

Die Obliegenheiten der jetzigen Schiedsgerichte für Ar­beiterversicherung gehen im allgemeinen an dieOber- versicherungsämter" über, sie entscheiden in vielen Fällen sogar endgültig, weiter werden ihnen auch gewisse, jetzt den staatlichen Behörden zustehende Verwaltungs- bezw. Aufsichtsgeschäfte überwiesen.

Die Krankenversicherung wird auf alle auch gegen Invalidität versicherten Perjonen, die land- und forst­wirtschaftlichen Arbeiter, die Dienstboten, das Wanderge­werbe, die nichtständigen Arbeiter, die .Hausgewerbetrei­benden, die Bühnen- und Orchestermitglieder mit weniger als 2000 Mk. Jahresgage, ausgedehnt.

Neue Betriebsiranienmsten bür,en künftig nur für Be­triebe mit minbeflens 500 Arbeitern errichtet werben. Aus­nahmen rann bie oberste Verwaltungsbehörde bei min­destens 250 Arbeitern zulassen. Das Verhältnis der ein­geschriebenen .Hilfsiässen, jetzt Ersatzkassen genannt, wird in einem dernnächstigen besonderen Gejetzenrwurs neu ge­regelt. Die Gemeinberraiikenversicherung wird ausnahms­los beseitigt, die Daukrankenkassen werden den Beiriebs- 1 rautenlaoen eingereiht, neu errichtet werden örtlid) ab- gegrenzte Land krankenkassen. Auck) die Organisa­tion der Ortskrankenkassen erhält verschiedene Aenderun- gen, welche bezwecken, eine bessere Zentralisation herbei­zuführen (Die berufliche Abgrenzung soll möglichst beseitigt werden, unter möglichster Schonung bestehender Organi­sationen).

Im ersten Entwurf war bekanntlich bestimmt, daß die Krankenkassenbeiträge künftig je zur Hälfte von den Arbeit­gebern und beit Arbeitnehmern getragen werben unb im Anschluß daran aud) beide Parteien zu gleichen Teilen in ben Vorstänben usw. ber Krankenkassen vertreten sein sollten. Diese Neuerung war sowohl aus den Kreisen der Arbeit­geber wie ber Arbeitnehmer sehr stark bekämpft worben, trotzbem ist sie aud) ini zweiten Entwurf erhalten geblieben, wie verlautet, besonbers infolge des Widerstandes der preuß. Regierung gegen deren Beseitigung, wofür von feiten anderer Staaten Neigung bestanden haben soll, unter Rück­kehr zu den jetzigen Bestimmungen (Arbeitgeber 1/3, Arbeit­nehmer 2/3 Anteil an Beiträgen und Vertretung). In An­betracht der vielsad) ablehnenden Haltung ber beteiligten Interessentenkreise dürste sich jedenfalls hierum im Reichs­tage noch ein harter Kampf entspinnen, wobei nur wün­schenswert märe, daß nicht etwa falls die Me.hrheit des Reichstags ebenfalls sich gegen die Neuerung ablehnend

Zoseph Kainj uuv Hranz Moor.

,Gie$en, 11. April.

Man muß die Berechtigung ber lieberlieferung, als könne bie Rolle bes Franz 9Noor auf Zweierlei Art auf- gefaßt werben, bestreiten; bas Tigertier, das manche Sck)ou- länstler aus ihm machen wollten, ist Franz nicht. Schiller s-elbst hat in feiner Vorrebe ben beutlichsten Wink gegeben, iubem er von seinem Helben als einem Menschen spricht, derseinen Verstand auf Unkosten seines Herzens ver­feinert" hat. Diese Absicht ganz klar zu erkennen, dazu ist Josef Ääin* * gerade der rechte Mann. Er hat am Samstag im Frankfurter Schauspielhaus nach dieser Rid)- tung hin eine abgeschlossene ^>tilleiftung hervorgebracht, in allen Phasen der Handlung klug und fein berechnet. Ein Franz, der im gräflichen Hause ganz auf sich selbst gestellt ist. Taher keine Maske eines boshasten Wüterichs, kein Schielen unb Bereden des Alten, der im Sessel liegt. Ein auf­rechter Franz, dessen Him arbeitet, der wie absichtslos spricht, indem er mit rastlosen Schritten das Zimmer mißt. Tie Maske eines Häßlichen, der jede 5)offnung auf natür­liche Ansprüche feiner Persönlichkeit ab geworfen har und das Reich der Laster nad) den Mitteln durchsucht, die ihn an die Spitze führen können, »ottentottenaugen und das Maul, dessen er selbst bitter sich schämt, Kainz ließ dies ungeschmälert wirken. Kein 51riecher unb Feiger mit ge­beugtem Kniee, sondern einer, der herrschen will und seinen Ehrgeiz darin sucht. Kainz hat es scharf hervorgehoben: Wie hart und fck)recklich tönt diese Stimme, als der schlot­ternde Daniel zum Alord angestiftet wird, wie schwelgt der Finstere darin, dereinst die Geißel schwingen zu können und ein Schreckensregiment zu führen! Aber dafür hat der große Wiener einige Töne aus fallen lassen, die den Franz ein zweites Mal in seiner Menschlichkeit beleuchten. Seine Liebe zu Amalia war falt, leidenschaftslos. Und dock) scheint biiefe Liebe nach der Absicht des Dichters eine Haupttrieb-- jnber des Handelns zu sein. In bie hastig zusammen- gzerafften Sätze läßt Kainz keine mUbe, noch eine sonstwie erkennbare Triebkraft einfließen, aber sein schaujpielerischer Stil feiert b ab ei einen Triumph! Kein Schwanlen gibt es umd keine zögernbe Schattierung, bie uns über Schillers ge- nealtigen Sprachkeistungen ins Stocken geraten läßt. Ein seltsamer Gegensatz zu ben Franrfurtern Künstlern! Der Kiarl Moor des Herrn Kirch: bie üblichen Auffas- jiungen mit stilistisch gemischter Technik. Eine bezwingende

*

Ein wertvoller Fund beim Theater umbau in Mainz wurde bei Umlegung der Kabel gemadjt. In etwa ein Meter Tiefe stieß man vor dem Theater auf einen in reichen, mehrfarbigen Bodenfliesenmustern zusammengefetzlen Fußboden aus f r ü h g 0 t i f ch e r Zeit (etwa Ende des 13. Jahrhunderts). Ein Teil des F-ußbodens konnte bereits durch den Ntainzer Alter­tumsverein geborgen werden. Weitere Teile können mit _ 9tiid= sicht auf die durch den Umbau gebotenen Verhältnisse erst später­hin ausgehoben werden. Der Fußboden lag noch an seiner ur­sprünglichen Stelle und war verhältnE. äßig gut erhalten.

Tas Register zum Deutschen B ühne n 1 piel- plan 190809, eine Zusammenstellung der m der Zeit vom September 1908 bis August 1909 an den deutschen Bühnen auf- gcführten Bühnenwerle mit Angabe der Zahl der Aufführungen ist soeben bei Dreitkopf u. Härtel in Leipzig erschienen. Tie über 100 Seiten umfassende Zusammenstellung gliedert sich in Opern, Operetten und Singspiele, Ballette und Pantomimen, Schauspiele, Tramen usw. Sillen voran ist bei den Opern dies­mal Eugen d'AlbertsTiefland" mit 647 Aufführungen gegen 463 im Vorjahre, ihm folgt mit 452 Aufführungen des Fran­zosen BizetCarmen". An dritter Stelle erscheint Wagners L>hengrin, der 409 mal über die Bühne ging (gegen 395 im Vor­jahre-, während Rienzi 42, Fliegender .vjllunccr 261^ Tann­häuser 339, Tristan und Isolde 129, Rheingold 207, Siegfried 147, Götterdämmening 110 Aufführungen zu verzeichnen hatten. Erzielti-N im Vorjahre bie Jung Italiener mit 246 Ausführungen, von MascagnisCavalleria rnsticana" die Höck;stzahl, so be­gegnen wir lUieses Jahr dem PuecimschenAdaoame Butterflh" 311 mal, bes>en-en KomponistenBoheme" lo4 mal, Mascagnis CavaCeria ziuiiicana" 268, LeoncavallosBajazzo" 252 mal Auch, bie Zahlen der Aufführungen von Werken französischer

Nr. 83 Erstes Blatt 160. Jahrgang Montag 11. April 1910

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