Ausgabe 
11.2.1910 Zweites Blatt
 
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später unterschieden. Tcmentlprccheno unterscheidet sich auch die Strafe. Heute hat inan gesehen, daß die einzelne Handlung eines Verbrechers nicht für sich allein besteht, sondern daß sie auf seinen Charakter, seine soziale Lage hiniveist. Glicht also die Tat allem, sondern die hinter der Tat stehende Gesinnung wird angesehen. Tie sogenaiiiite klassische Richtung hält den Pergeltuiigsgedanken icsr, die sogenannte nioderne Auffassung , will» anderes an die Stelle setzen, letztere betont die Gesinnung als so wesentlich, daß die einzelne Tat so gut wie ausgeschaltet nnrb, so daß sie nicht lnehr als Ausgangspunkt gelten kann. Tie bloße Gesinnung aber als StrafkrlteriutN sesthalten wollen, ift für Atenschen unmöglich. Tenn durch das Reich der vanblung geht für den Erwachsenen die Beziehung desJchs^ zunrDu". Zugleich glaubt diese moderne Auffassung, sie wäre gerechter, wie die Nechtsilbnng, die dem Ge­danken der Vergeltung anhängt. Vor allem redeii wohl Oppor- lnnitätsgründe dieser Ansicht das Wort. Aber doch mit durch die Handlung eines Atenschen können wir in sem Wesen hineiiiiehen. Deshalb machen die anderen, die klassische Richtung, die Handlung zur Hauptsache, berücküchtigeii aber die Gesinnung. In diesein Streit zwischen klassischer' und moderner Richtung ist letztere bei der Frage, ob der Verbrecher determiniert oder frei handelt, dahm gekoinmen, daß sie' ihn hiuslellt, als ob er notwendig gehandelt haben mußte, ja sie stellt den Ver­brecher als in seiner Haiidlnng völlig determiniert hin. Be­trachtet inan aber das Verhältnis von Freiheit und Notwendig­keit, so erkennt man, daß die Freiheit die übergeordnete ist. Alle die Bediiigungen, unter denen em Verbrechen geschieht, sind Be° Gründungen; aber alle Begründungen sind noch keine Rotivendig- kerl. Eine Handlung kann noch so begreiflich sein, so folgt daraus doch nicht, daß sie hatte sein müssen. In Wahrheit verhält es sich so, daß die Freiheit, wel be wir m Anspruch nehmen, für unsere Handlung die Voraussetzung ist, die ivir nötig haben, um den Weg einer späteren Freiheit uns offen zu halten. Eine Notwendigkeit gibt es auch für menschliche Handlungen ; das ist aber eine ethische Notwendigkeit, aus der sie fließen. Tiefe ethische Notwendigkeit haben wir noch nicht so voll erkannt >vie die Naturgesetze. Wir wünschen zwar, daß unsere Handlungen notwendig find in dem Sinne, daß sie ihre eigenen Gesetze gefunden haben, und durch nufere Handlungen wollen wir das Ethische notwendig machen. Wenn aber auf dem Gebiete der Ethik wirklich naturgeietjlidie Notwendigkeit herrschen würde, so wäre das nur möglich unter dem Ausichliiß des Bösen und des Irrtums. Aber das Niveau, indem ivlt leben, ist nicht das der ethischen Notwendigkeit, in dem es Hin Böfes niehr geben kann. Es gibt also Böses.^ Tie Bestrafung dieses Böien hat bann aber nur Sinn, wenn es Schuld und Ver­antwortung gibt Wenn aber das Böse notwendig sein muß, hört es auf, verantwortlich zu sein. Hiermit läuft dann schließlich die Stellung be£ Strafe zum Verbrecher darauf hinaus, daß dem einen vom Schicksal bestimmt ist Verbrecher zu sein, dem anderen, den Verbrecher zu verurteilen. Nach der klassischen Richtung aber ift die einzelne Handlung für den einzelnen nur ein Ausdruck seines Wesens dieses Wesen aber ist nicht festlegbar durch einen anderen menschlichen, endlichen Geist. Da jederzeit ein Bruch des Eharakters möglich, das Böse nicht notwendig ist. so kann man in lebem Augenblick den Weg zum Guten emschlagen.

? Düdelsheim, 10 Febr. Der Spar- und Vor­schuß v er e i n verteilt in diesem Jahre 10 Proz-, Dividende an seine Mitglieder. Die .Hälfte des Reingewinnes lonnie dem Reservefonds überwiesen werden. In dem benach­barten Glauberghat sich ein P o s aun en ck) o r gebildet, der jetzt 24 aktive Mitglieder zählt und-dem .Verbände ./Oberhessischer Posaunenchöre" beigetreten ist.

-- Friedberg, 10. Febr. Vom 25. Februar bis 7. März kommt das vaterländische FestspielBarba- r o s s a S Erwache n" int hiesigen Saalbau zur Ausfüh­rung. Durch Umbau faßr der Theaterfaal 7800 Personen. Die Vorstellungen aus der Zeit von Deutschlands Erniedri­gung, Erhebung bis zur Einigung, 18061871, spielen sich aus einer Doppelbühne ab. Aus der Vorderbühne spielt sich die Handlung in Sprcchrollcn, aus der zweiten Bühne die Darstellung in lebenden Bildern ab. In jeder Vorstellung werden 126 Personen und die Militärmusitschule nütluirfcn. Die Darstellungen-erfolgen in den historisch getreuen Trach- len, Waffen und Uniformen jener Zeit. Tas diesmalige Festspiel unterscheidet sich von den 1902 hier ausgesührten Kriegsfestspielen 1870/71 wesentlich dadurch, daß wir nicht wie damals nur lebende Bilder mit verbindendem Text'zu sehen bekommen, sondern Handlung. Ter Reinertrag ist für wohltätige Zwecke bestimmt. Um allen auswärtigen Besuchern die Rückfahrt abends zu ermöglichen, sind nach allen Richtungen Extrazüge beantragt. Näheres hierüber wird noch bekanntgegebcn werden.

Lustschissahtt.

Friedrichshafen, - 10. Febr. Wie derSchwab. Mcrtur" berichtet, ist heute vormittag unter Beihilfe von 60 Mann des Weingartener Infanterie-Regiments das Lustschiss-Gerippe desZ. III" von der Zelthalle zur Werst befördert worden. Der Transport ging unter der Leitung von Ober-Ingenieur Dürr glatt von statten. Tas Luftschiff ,,Z.' III" wird jetzt einer gründlichen Unter­suchung unterzogen werden.

Zeppelin IV". Das neue große Zeppelin-Luftschiss, derZ. IV", wird, wie dem B. B. C. aus Lustschisserkreisen mitgcteilt wird, in turzcr Zeit im, Gerippe vollendet sein. Eine wesentliche Neuerung bei diesem Lustschiss, das aus­schließlich dem Verkehr dienen soll, besteht darin, daß auf die Bequemlichkeit der Reifenden in jeder Hinsicht Rücksicht genommen wurde. Es sind mehrere voneinander getrennte Räume hergerichtet. Für die Unterhaltung der Reisenden sorgt ein Lesesaal. DerZ. IV" faßt 20 000 Kubikmeter und ist mit 3 Motoren ausgerüstet, die zur größeren Sicherheit des Luftschiffes unabhängig voneinander arbeiten können. Die ersten Fahrten werden in Ermangelung an anderen Hallen vorerst nach Baden-Baden führen, da dort eine Zeppclinhalle ihrer Vollendung cntgegengeht. lieber den Beginn der ersten Reisen ist ttoch nichts festgesetzt. Voraus­sichtlich werden sic int Frühjahr 1910 statrfinden. Später­hin, wenn die große Halle fertiggestellt ist, ist auch ein Luftverkehr nach Hamburg in Aussicht genommen. Die Hamburger Halle wird durch ihre Einrichtung und Größe der erste deutscheLustschiffbal>nhof" sein. Der Verkehr nach .Hamburg wird aber kaum vor dem nächsten Jahre in Angriff genommen werden, da die Halle erst im Dezember 1910 oder Januar 1911 errichtet wird. Von Interesse ist auch die Nachricht, daß von der Zeppelin-Gesellschaft höchst­wahrscheinlich ein Verkehr mit London eingerichtet werden wird, lieber diese Pläne sind jedoch noch keine endgültigen Entschlüsse gefaßt worden.

Die internationalen Flüge in Heliopolis waren atzn dritten Tage vom Wetter wenig begünstigt. In­folge starken Windes mußten die Wettflügc ausfallen. Bal- f an wagte es am Nachmittag anfzustcic;en, mußte aber seinen Wagemut mit der Zerstörung seines Apparates

büßen. Er geriet in einen Wirbelwind, der seine '??iafrh- - aus dem Gleichgewicht brachte, so daß sie kopfüber , Erde niederstürzte und völlig zertrümmert wurde. Vati selbst kam mit geringen Verletzungen davon.

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Börse« 10. Februar. AafaaTskifin*

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Elektriz. Lahmeyer . Elektriz. Sohuckert . Eschweiier Bergwerk

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Harpener Bergwerk Lanrahtitte ... Lombarden E. B. Nordd. Lloyd ... Türkenlvsc .

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. 91.90

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2. Passions-Andacht.

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Neue elektrieehe Glühlampe. * ; 70°/o Stromersparnis. 16-600 Kerze*.

TeBefonische Kupsfoerächte

Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Indnstrie^Giessen.

Frankfurter Börse, 10. Februar, 1.15 Uhr.

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Stil ab, Vortug. u' do. tr ' do. i Sumin, i do. ! dv.

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kirchliche Nachrichten.

Eoangeiliche vieiiiemoe.

Sonntag den 13. Februar, Invocu. vtt: Gottesdienst.

3tt der Stadtkirche.

Vormittags 91/., Uhr: Pro?. D. Schian.

Vormittags 11 Uhr: SJiiütärgottesbicnft.

Pfarrer Schwabe.

Nachmittags 2 Uhr: Äinderkirche für die Markusgemeinde.

Pfarrer Schwabc.

Abends 6 Uhr: Siehe Johanneskirche.

Montag den 14. Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung be ton firmierten weiblichen Jugend der 'Hiattbäuegemeinbe.

Mittwoch den 16. Februar, abends 8 Uhr: Versammlung der Frauenvereins der Markusgemeinde.

In der Zohanneskirche.

Vormittags 9/2 Uhr: Pfarrer A n S f e l d.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeindc.

Piarrer A n s f e l d.

Abends 6 Uhr: Pfarrer B e ch t o l s h e i m e r.

Abends 8 Uhr im Johannessaal: Versammlung und Bidet besprechimg.

Montag den 14. Februar, abends 8 Uhr, im Johannessaal B i b e l st n n d e. Piarrer A u s s e l d. '

Mittwoch den 16. Februar, abends 6 Uhr:

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Bochum Guss . - - Buderus E. W. .

Tendenz fest.

Berliner

auada E. B. . - - Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Tendenz. fest.

3'/,"/,, Hessen .

3*"In Oberhessen

4°, Oesterr. Goldrente .- 4Oesterr. Silberrentc 4"'o Ungar. Goldrente .....

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Portugiesen Serie I

Portugiesen III ------

41///. rass. Staatsanl. 1905 99.75

Gelsenkirchen Bergwerk . -1 Hamburg- - Amerik. Paketf. 1- Harpener Bergwerk.» Laurahütte . ... . .

Nordd. Lloyd .r. . . -

Ob erseh les. Eisen-Industrie 11«

Berliner Handelsges. - Darmstädter Bank Deutsche bank . . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto -Kommandit Dresdner Bank . »

3u dem Allensteinec ©ffijiersmorb.

Zwischen dem jetzigen Gatten der früheren Fran von bock, Herrn A. £. W c der, rind dem wnstroativen Vniin , algcordneten Stro s j c r, der die Gcickd.te jüwgst im Abgeordnete Hanseiir Sprache krachte, hat ein P r i e f W echsel slattgesu»^ Weler hatte an den Abgeordneten Strasser einen Brief qeridt > in dem er ihn aufjordert, die in feiner Rede gegen Frau v. Lchom deck gebrauchten beleidigenden Aeußenmgen in öffentlicher Sinu,« -Urückmziehen. Für den Fall der Weigerung hatte Herr Wch i dem Abgeordneten Sttosser angekündigt, daß er ihm seine Zeug schicken werde.

Aus diesen Brief des Herrn Weber hak der Abgeordnete 3tmfia folgendermaßen geantwortet:

Sehr geehrter Herr! Auf die Zuichrift vom heutigen Tdß teile ick^ Ihnen ergebens! mit, daß ich in meiner gestrigen Rck Nickt gesacst habe. Sie hätten Fran von Schoenebeck im Nacht-Eof- beziehungsweise Bar kennen gelernt, sondern daß ich dies cu« Zeitungsnotizen ersehen hätte, auf die ich mich also ausdrück!^ berufen habe. Troydem aber bin ich bereit, bei der ersten 14 bietenden Gelegenheit, d. h. bei Fortsetzung der Beratung Justizetats, die mir von Ihnen zugegangene Berichtigung blc' Plenum mitzuteilen, um sie dadurch auch der breiteren Deffentbdj feit betanntzugebeu. Ich mache aber darauf aufmerffam, daß in beu nächsten Tagen die neu: Wadtrorlage und erst daran anschließend die Fortsetzung des Justizetats behandelt wird. Ergebenst Stwsia Major a. T., Mitgtied des Abgeordnetenhauses."

Eine Er kl är 11 n g he r früheren F rauv. Schön? be ck. TieB. Z. a. M." veröffentlicht eine von der frühera Frau v. Zchönebeck selbsl herrührende Schilderung bet Offizü'4 Tragödie /von Atlenstein, die im allgemeinen rrenig .AtvieL enthält. Frau v. Schönebeck schildert vor allem ihre ungöx licko Ehe, während der sie anehrere Selbstmordversuch: unir.. uommen hätte, dann ihre Bekanntschaft mit Hauptmann nt Göhen, der stets ritterlich für sie cingetreten sei. Sie denke niit daran, zu entfliehen. Sie wünsch: nichts sehnlicher als cm 11 Richterspruch. Sie beteuerl ihre Unschuld an dem Morde, tt?in sie sich auch moralisch schuldig fühlt. Ihren jetzigen Gatten bäte > 1: in niTjn T'enfioniil nnb in'dv 111 einer Bar fennen gelernt.

Nach stk wütig en Sonntag den 20. Februar. Beichte und M Abendmahl h'ir bte Lukas- und Johannesgemeinde im goltesdieust. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder GemeiiS erbeten. . 1

Freitag den 25. Februar, abends von 51/.7*.., Uhr: Vereinigung der konfirmierten werblichen Jugend der Lstka :- und der Johannis. gemeinde. *

Donnerstag den 17. Februar, abends 8',, Uhr, wird Mission- Gfell im großen Hörfaal der Universität .einen Lichtbilderooilrq überTas Christentum unter den Naturvölkern" halten.

ttathottjche ociiicmöe.

Gottesdienst.

Samstag den 1 2. Februar:

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegechai zur heil. BeichL

Sonntag den 1 3. F e b r u a r, 1. <5 a ft e u - <s 0 n n t a <1 .1 Vormittags von 6'/.. Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

Vormittags um 7 Uhr: Tie erste heil. Acesse.

um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.

Vormittags um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

um 11 Uhr: Heil. Messe mit Predigt.

Nachmittags um 5ll Uhr: Christenlehre: darauf Pafll«v-I Andacht.

Dienstag und Freitag abend um 6'/., Uhr ist Fasten-Andcc:

4'japan. Staatsanleihe 98.40 4% (:ouv.Tiirken von 1903 94.40 Türkenlose ..... C 178.60 4" 0 Oriech. Monopol-Anl. . 47.10

4n l) äussere Argentinier.,. 91.80

Mexikaner . ..... 69.00 l1 , ü/o Chinesen . 100.05

Aktien:

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SDctr itMi nia.t tinr, was cainit gemeint war. An cifi berufs- Wudiges Wahlrecht ist nickst ?,u denlstn, denn der Abgeordnete Ml mit Recht nicht Vertreter eines» Berufes sein, sondern des ganzen Votfes, auch nickst Vertreter allein der Arbeiter. Tie öffentliche Wahl kann ich mit vollem Recht eine liberale Forderung nennen. Die indirekte Wahl ist oitd1 von liberalen Männern auf das schärrste verteidigt worden. Wenn die Regierung das bestehende Wahlrecht organifd fortentwickeln wollte, bann hätte sie an der indirekten Wahl Kftlia.lt en müssen. (Sehr rickstig, recksts.) Wick haben die Beamten erst im vorigen Jahr auf eine bessere Grund­lage gestellt, und infbig: dieser Ichheren Besoldung werden die Beamten zweifellos a.ucl- in höhere Klössen aufrücfen. Weshalb sotten nun noch die Beamten l.erausgehoben iverden? Die Sozial­demokratie will Preußen nicht nur demokratisieren, sondern sozial­demokratisieren !

Abg. Träger Frs. Vv. : Namens meiner Freunde erkläre ich, daß nach unserer einmütigen Ueberzeugung diese Vorlage für uns unannehmbar ist, schon deshalb, weil das geheime Wahl­recht darin nicht enthalten ist. Beifall links.) Ich erkläre ferner, daß wir uns an den stommiffionsberatungen beteiligen wollen, um vor dem Lande unsere Stellung im einzelnen zu recht- fertigen, wir behalten uns auch die Stellung von Anträgen vor. Die Vorlage ist eine Verschlechterung des bisherigen Wahlrechts. Für uns ist das Prinzip der Gleichberech­tigung die Hauptsache. (Lebhafter Beifall liuks.)^ Mit der Einführung der Maximierung will man die bisherigen Schönheits fehler, die Bezirke mit ein und zwei Wählern, beseitigen. Im ganzen trifft aber die Maximierung nur 13 000 Wähler und nur eine geringe Zahl von Wahlkreisen. Einige Berufsgruppeu sotten nun durch Die Vorlage die Möglichkeit bekommen, in die höhere Klasse aufzurücken. Wo bleiben aber die anderen Ntatc gorien? Wie zum Beispiel hervorragende Künstler? Wo bl erb en so viele andere Stände? Wo bleiben die Handwerker, wo die freien Erwerbsgruppen, die vermöge ihrer praktischen Tätigkeit, durch die sie int Leben vorwärts gekommen sind, einen berechtigten Anspruch auf die- gleiche Berechtigung haben, wie die bevorzugten Kategorien? (Sehr richtig!) Wir haben hier infolgedessen eine politische Entrechtung der Erwerbsstände zugunsten der Beam­ten. (Sehr richtig''

Abg. Schiffer iNatl : Herrn Trägers Rede haben wir mit großer Freude begrüßt, weil sie eine intransigente Haltung in Sachen des Reichswahlrechts nicht zeigte. Das ist ein Fortschritt des Freisinns. Wir lehnen die Llebertragung des Reichswahl rechts auf Preußen nach wie vor ab. Die Vorlage genügt uns bei weitem nicht, wenn auch die Eiusührung der direkten Wahl ein Vorteil ist. Wir fordern neben der Beseitigung der indirekten Wahl die Beseitigung der plutokratischen Starrheit und der Oef- sentlichkeit der Wahl und eine Neueinteilung der Wahlkreise. >Bravo! links, Heiterkeit rechts.^ Die Bevorzugung der Beamten erfolgt offenbar nach dem Fatzc: Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch den Verstand. Aber wenn einer nicht zehn Jahre Beamter bleibt, dann wird er behandelt nach dem Satze: Wem Gott das Amt nimmt, dem nimmt er auch den Verstand. Die Privilegien der Vorlage sind eine Belohnung des Examens auf Kosten des praktischen Könnens, eine Bevorzugung der Beamten auf Kosten der freien Berufe und eine Begünstigung der Milstäranwärter gegenüber den Zioilanwärtern in der Beamtenschaft. In einer Zeit, lyo man mit dem Examensunfug aufräumen will, ist das doch eine merkwürdige Praxis. Ist diese Vorlage das letzte Won der Regierung, so muß man an ihrem Erfolge nicht nur zweifeln, sondern verzweifeln. (Sehr richtig! links? Tie Oesfentlichkeit der Wahl muß befestigt werden.

Das Haus vertagt die weiteren Beratungen auf Freitag 11 Uhr.

Schluß 4 Uhr.

Aus Stadt uud Luud.

(ließen, 11. Februar 1910.

Die Rindviehzucht in OberhcHeu 1909,

In den einzelnen streifen der Provinz stellt sich die Zucht von Rindvieh wie folgt: Simm en ralev: Als­feld 87 Orte (darunter 25 ohne HerHbuchführung!, 158? Herdbuchtiere bei "616 Mitgliedern: Büdingen 76 Ort (47 ohne Herdbuchs. 1, 447 .Herdbuchtiere bei 319 Mitgliedern: Friedberg 71 Liste (31 ohne Herdbuchs.), 966 Herdbuch­tiere bei 476 Mitgliedern; Gießen 38 Orte (10 ohne Herdbuchs.), 552 Herdbuchtiere bei 400 Mitgliedern, außer dem 28 Orte (25 ohne Herdbuchs. 1, 40 Herdbuchtiere bei 27 Mitgliedern (in diesen 28 Orten bestehr noch außerdem Vogelsberger Zucht : L' a u t e r b a ch 70 Orte (20 ohne .Herd­buchs.), 1069 Herdbuchtiere bei 177 Mitgliedern: Schotten 34 Orte (27 ohne Herdbuchs. >, 166 Herdbuchtiere bei 125 Mit­gliedern. Der (Gesamtstund der Simtneutaler Zucht in der Provinz.stellt sich demnach: Herdbuchführung in 219 Orten (ohne solche in 185 Orten«, zujammen 104 Orte mir 4818 in das Herdbuch eingetragenen Tieren bei 2440 Mitgliedern der Herdbuchgesellschaii. - Vogelsberger: Gießen 18 Orte (4 ohne Herdbuchs. , 371 Herdbuchtiere bei 330 Mit­gliedern ; Sch 0 tten 23 Orte (3 ohne Herdbuchs.), 552 Herd- buchtiere bei 322 Mitgliedern. Der Gesamtstand der Vogels­berger Zucht in der Provinz stellt sich demnach in 34 Orten mit Herdbuchsührttng und 7 ohne Herdbuchführung, zusam men in 41 Orten mit 923 in das Herdbuch eingetragenen Tieren bei 652 Mitgliedern der Herdbuchgesellschast. Es wäre dringend zu wünschen, wenn alle Viehhalter ftch ent- fchließen würden, Reinzucht zu treiben und ihre Tiere in das Herdbuch eintragen zu lassen, steht doch fest, daß Tiere aus Reinzucht gegen .Mautheiten widerstandsfähiger sich erweisen als solche, bei denen leine Zuchtrichtung eingehakten wird. Dies wird vom Direktor Modde in Gießen zahlen mäßig uachgewiesen und vom Tierzucht-Inspektor Schwarz bestätigt.

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** T i e 26. Instrukti 0 ns >ft,u nde in Versiche­rungsangelegenheiten findet Sonntag, 20. Febr., nachm. 3 Uhr, zu'Grünberg int Gasthaus zum Rappen statt. Es wird besprochen: Welche Maßnahmen sind zu ergreifen, um die finanziellen Ergebnisse der Krankenver- siHerungsorganifgtionen günstig zu beeinflussen?

U e b e r b c u Begriff derStrafe sprach am Mittwoch abendPrivatdozentTr. W ei d en b a ch in der F r e i e n Studenten­schaft. Ter Redner stellte zunächst fest, daß man immer in der Mannigfaltigketl verschiedener, ja Heb uugebcuer widersprechender, einzeln dastehender Eindrücke dadurch feilen Fuß zu fasten fucku, daß man Gleichheiten festzustellen sucht. So gefchieht es auch bei den menschlichen Erscheinungen. Auch bei ihrer chaotischen Fülle von versch'edenen frembartiaen Verhättnisten schafft der Gedanke der Identität das Bild des Menschen. Innerhalb dieser Erschem- ungen ift es wieder das Problem der Strafe, des Strafrechtes. Auch im Strafrecht herrsch! der Gedanke der Identität. Im An­fang der Entwickelung war die Form der Gleichsetzung:Auge um Ange, Zahn um Zahn". Als man aber durch Ueberlegung darauf kam, daß Ange nicht völlig gleich Auge war. da setzte man diese primitive Form des ins talionis, diese mechanische Gleichsetzung von Auge gleich Auge zugunsten einer komplizierteren ab. wo beide Teile der Gleichung durch eine größere Menge von Faktoren und differenzierten Bezeichnungen bestimmt werden. Handlungen, welche ursprünglich als dieselben Handlungen angesehen wurden, werden