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160. Jahrgang
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Erster Blatt
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Donnerstag, (0. Hooember 1910 «eznqOpreiS: monatlich 75Pf^ vierteljährlich LL0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 66 Pf.; durch diePost Mt. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuille- tone, ,93ermifrf)te§e und
__ General-Anzeiger für Gberhessen ..............
Hotaflon$6rn<r mdvertag dervrührsche» Uutv^Such. and Sttinörudtrti K langt. NevaMon. LxprdMo» nnb Dnttferd: rchusitratz«?. ^,i>: 'S,°di und 615 °°nntnug» » u»fc trpedltioa für VÜOIngen: vahnhosstratzr (6a. - Celkphoa Nr. 50. ' «SMä?
Der demokratische Wahlsieg In der Union.
Wie eS Kenner der politischen Verhältnisse der Union längst voranssagten, haben die Staats- und Gouverneurswahlen, bei denen gleichzeitig auch die Neubesetzung der Kmigreßsitze für 27 Staaten in Frage ftanb, mit einem Siege der Demokraten geendet, die damit nicht nur über eine Mehrheit von etwa 40 Stimmen im Repräsentantenhaus verfügen, sondern auch begründete Aussicht haben, auf der Grundlage deS Ausfalls der Staatswahlen bei der (Erneuerung des Senats die Mehrheit in dieser Körperschaft aus ihre Äeite zu bringen. DaS persönliche Eintreten deS Expräsidenten Roosevelt für die Republikaner, oder besser für ihren in sargen tiscb en Flügel, die Proklamierung des neuen Nationalismus mit seiner Abschwächung des Payne Aldrich- tariseS, seiner Komvserklärung gegen die Trusts und seiner Verfolgung der in der republtkomschen Partei herrschenden Korruption und BosseSwirtschaft bat also nicytS genützt: die Republikaner sind den Demokraten unterlegen, nicht weil im republikanischen Lager Uneinigkeit herrschte, sondern vielmehr deshalb, weil daS amerikanische Volk endlich erkannte, daß die jetzigen hohen Preise für alle Lebensbedürfnisse in letzter Linie auf die allein den Trusts nützende Hochschutzzollpolitik deS Präsidenten Taft zurückzufuhren sind und roeü man auch darüber hinaus von dem Neunatio- nalismus Roosevelts mit seiner Verstärkung der Zentral- aewalt eine Art Diktatur besürchtete, die um so fragwürdiger sein mußte, als Roosevelt bisher die meisten Aussichten auf den Präsidentenstuhl hatte und seine zweideutige und unruhig nervöse Haltung die Befürchtung nahelegte, er würde die Vereinigten Staaten in schwere innere wirtschaftliche und politische Krisen stürzen.
So bedeutet der Ausfall der amerikanischen Wahlen fleichzeitig eine persönliche Niederlage Roosevelts, wie sie hlirnmer nicht gedacht werden kann. Newyork versagte, indem eS dem ganzen demokratischen „Ticket" mit überwiegender Majorität feine Stimme gab, sogar Osterbay, wo Roosevelt seinen Wohnsitz hat, kündigte den Republikanern die heeressolge, und ebenso stand es im Staat Ohio, wo Tast gebürtig ist. So wird, wo die Wahlen gestern mit einem Siege der Demokraten geendigt haben, nicht der Republikaner Roosevelt der nächste Präsident der Union sein und noch viel weniger Taft, sondern entweder der Demokrat Drrmn ober der Demokrat Gaynor.
DaS ist natütfid) eine Umwälzung des politischen Lebens in den Vereinigten Staaten, wie sie größer und auch für daS Ausland schwerwiegender kaum gedacht werden kann. Zwar sind die Demokraten, wenn sie auch Gegner der Trusts sind, nicht in dem Maße Tcrrifreformer, daß nun auf einmal der Payne Aldrichtarif beseitigt wird und die Union zum Prinzip deS Freihandel- übergebt. Aber eine einschneidende und auch bad wirtschaftliche Leben Deutschlands in höchstem Maße beeinslussende Tarisresorm wird unter der Herrschaft der Demokratie in der Union eintreten, da diese augenblicklich ihre jetzt hinter ihr stehenden Wählermassen verliefen würde, wenn sich herausstellte, daß sie, ähnlich wie bisher von den Republikanern, so auch von den Demokraten am Narrenseil geführt worden wären.
Wie weit bleie Tarifreform geht, und wann sich der Kongreß mit ihr beschäftigt, muß füglich heute noch dahingestellt bleiben. Auch die Demokraten haben Rücksicht aus die Bedürfnisse der amerikanischen Industrie zu nehmen, und wenn der Kongreß nach den Weihnachtsferien feine Arbeit wieder aufnimmt uno sie Im März 1911 schließt, dürste er schwerlich Zeit finden, sich mit dem weitschichtigen Werk der Tarifreform zu beschäftigen. Denn diese verlangt Vorarbeiten, bei denen nicht, wie jetzt, der hochschutzzöllne-
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
Giejzener Stadttheater.
Die Räuber
Don Sch Hier.
Gießen, 10. Nov.
Die Räuber, die zu Schillers Ehren am Vorabend seines Geburtstages gestern als Volksvorstellung über unsere Bühne gingen, hatten — der modernen Lustspiolwut zum Trotz — ein ausverkauftes HauS erzielt, und wenn man lediglich nach dem Beifall gehen wollte, den die Darstellung hervorries, dann wäre es eine Vorstellung gewesen, wie wir sie hier noch nicht erlebt haben. Nach der Wahnsinnsszene wurde Kurt G ü h n e so lebhaft und andauernd gerufen, daß das HauS förmlich „dröhnte" und nicht zur Ruhe kommen wollte. Und sein Franz war wirklich eine bedeutende, geistvolle Schöpfung, Die im gesamten natürlich nicht erheblich von der allgemeinen Darstellungsart abwich, aber im einzelnen viel selbständige, klug und fein angewandte Beobachtung bewies. Für den in letzter Stunde wiederum erkrankten ersten Helden, der seither nur ein sagenhaftes Dasein gejührt hat, trat Direktor Stein- goetter dankenswerterweise ein und er bemühte sich in weiser Beherrschung seiner Mittel nicht vergeblich, die negative Größe des Verbrechers aus Idealismus wirksam in Erscheinung zu bringen. Den alten Grasen von Moor spielte Karl Volck mit tiesinnerlichem Empsinden und klarer Ver- köcverung, Hermann B a k o s gab den biederen Schweizer, Rudolf Goll — in glücklicher Maske — den dankbaren Roller mit bestem Gelingen. Recht geschickt im Grunde, aber übertrieben veranschaulicht, spielte Otto Schwarz den Spiegelberg, und wenn Kurt Goldberg den Kosrnsiy mehr gesprochen und weniger gesungen hätte, bann wäre auch er recht nett gewesen, wie es Franzi Koch als Amalia war. Zu erwähnen wären noch Hermann Norden als Pater, Karl Marx als Hermann und Rolf Gunolt als Daniel. — Warum der Mond nur durch ein Fenster im Schlosse scheinen mutzte, ist mir nicht recht Har geworden, aber cs Darf wohl angenommen werden, daß es sich hier weniger um ein Naturwunder handelte, als nm einen schlecht
rische Standpunkt der Republikaner, sondern der gemäßigte der Demokraten zum Ausdruck gelangt. Darüber dürste der Frühling und Sommer vergehen, so daß die Beratung der Abänderung deS Payne Aldrichtarifes erst in der übernächsten Session deS Kongresses zu erwarten und dort einer Mehrheit gewiß ist, die sie genehmigt. Haben aber bis dahin die Erneuerungswahlen zum Senat auch in dieser Körperschaft eine demokratische Mehrheit ergeben, wie es heute wahrscheinlich ist, so kann der Hochschutzzoll in den Vereinigten Staaten als endgültig beseitigt gelten, und daS neue Tarifgesetz dürfte dann den Namen desjenigen tragen, der im Jahre 1912 zum Präsidenten der Union gewählt wird.
Newyork, 9. Nov. Im Staate Newyork wurden außer dem Gouverneurskandidaten Dix noch die anderen demokratischen Kandidaten für die Staatsämter gewählt. Auch für die Legislatur wurden in der Mehrzahl die demokratischen Kandidaten gewählt.
Die Demokraten erzielten durch die bisherige Eroberung von 37 Sitzen im Ncprasentantcnhause in Washington eine Majo- jorität von 13 Stimmen über die Republikaner und gewannen außerdem dadurch acht Sitze für den Senat, so daß die republikanische Mehrheit des Senates herabgemindert wird. Der demokratische Gouverneur wurde gewählt in den ausschlaggebenden Staaten Newyork, Ohio, den republikanischen Lochburgen New- Persey, Connecticut und Massachusetts. Die Republikaner verloren auch in anderen Staaten viel Stimmen, außerdem unterlag der Roosevelt-Kandidat für den Gouvcrneursposten in Newyork dem Demokraten. Infolge der im Staate Newyork zusammen- gekomnienen demokratischen Mehrheit beider Kammern gilt bei gemeinsamer Abstimmung die Wahl eines demc'ratischen Senators als Nachfolger Depews für gesichert.
Newyork, 9. Nov. Die Demokraten waren bei den Wahlen zum Kongreß noch in einer Reihe weiterer Staaten siegreich, sie haben nach den letzten Meldungen eine Mehrheit von wenigstens vierzig Stimmen im Repräsentantenhause.
Nach einer Meldung aus Osterbay urbArfag bei den Wahlen deS Wahlbezirks Roosevelts der republikar. Gouverneurskandidat Stimson. In New-Perseh, bisher republikanisch war, wurde nach den bisher vorliegenden Ergebnissen der demokratische Gouverneur Wilson gewählt. In I l l i n o i s wurde Cannon wieder in den Kongreß gewählt. In Ohio wurde der jetzige demokratische Gouverneur Larmon wiedergewählt, in Iowa der Republikaner Carroll. Nach den bis gegen Mitternacht vorliegenden Ergebnissen erlangten die demokratischen Kandidaten im Kongreß wahrscheinlich die Mehrheit.
Im Staate Newhampshire siegte der progressive republikanische Gouverneurskandidat Blaß. Die Demokraten gewannen 24 neue Kongreßsitze und erlangten die Mehrheit im Unterhause. DaS Mitglied des Kongresses Parosons, ein intimer Freund Roosevelts, wurde nicht wieder gewählt. In Roosevelts County wurde ein demokratischer Kandidat als Mitglied des Kongresses gewählt. In Milwaukee wurde xt erste Sozialist, Berger, in den Kongreß gewählt.
San Franzisko, 9. Nov. Im Staate Kalifornien wurde der republikanische Insurgent Johnson, dessen Kandidatur von Roosevelt empfohlen worden war, gegen den Demokraten mit einer Mehrheit von schätzungsweise 50 000 Stimmen zum Gouverneur gewählt.
Die Unruhen in 5lid Wales.
Von unserem Londoner Mitarbeiter erhalten wir über die gestern gemeldeten Vorgänge folgenden ergänzenden Bericht:
£ London, 8. Nov.
Im Laufe de- gestrigen Nachmittags hat die Lage in Süd-WaleS eine ernste Wendung genommen. Bon den Glamorgan-Gruben aus setzte sich ein riesiger Zug in Bewegung, an dessen Spitze nacht weniger als fünf Musikkapellen marschierten, während über fünftausend Arbeiter sich dem Zuge ansch-lossen. Zwei Männer in weißen Hemden und einen Strick um den Hals schritten voran. Sie hatten Schilder auf der Brust, auf welchen die Worte „Zur Warnung" standen. ES dauerte nicht lange, bis diese Prozession mit der Polizei in Konflikt geriet,
angebrachten Hintersetzer. Sonst aber war Ausstattung und Einrichtung würdig und eindrucksvoll. In der Angabe des Schlusses irrte sich der Theaterzettel um eine gute halbe Stunde. K. N.
wieder einmal doo! und Peart).
Wicker einmal beschäftigen die beiden „Nordpolentdecker" Cook und Pearn die Oeifentlichkeit, denn Knud NaSmussen, der berühmte Grönlandforsclxn, hat die Eskimos entdeckt, die von den amerikanisckwn „Forschern" mehrfach als Zeugen genannt worden sind. Aus den Älussagen der Eskimos geht hervor, daß Cook nicht am Nordpol tncv und auch Peary verdient zweifellos nicht mehr Glauben als jein Konkurrent. Wtr erhalten darüber folgenden Drahtbericht:
Kopenhagen, 9. Nov. Von dem GrönlandS- forscher Knud Rasmussen, der sich augenblicklich in Kap Pork aushält, ist hier ein Bericht eingetroffen, den der eingeborene grönländische Pfarrer Gustav Olsen von den Eskimos Ptuhucuk und Apilak erhalten hat. Darin heißt eS: Im Februar verließen wir mit acht Schlitten Anoritok und erreichten Elmmersland nach vier Tagen. Nach 18 tägiger Reise verließen uns die Begleiter bei ctiod 27t Meilen Abstand vom Laltd. Als uns die Hilfsmittel verließen, machten wir nur sehr kurze Tagereisen auf ausgezeichnetem Eis. Eines Tages nahm Cook Sonnenobservationen mit einem Instrument vor, das er nur in der Hand hielt. Darauf kehrten wir zu dem Lairde mit mehr westlichem KurS als bei der Ausfahrt zurück. Vorher ließen wir massenhaft getrocknetes Fleisch, von dem wir fast nichts gebraucht hatten, zurück. Wir steuerten auf eine nahe gelegene Landspitze zu auf etwas weniger gutem Eis. Auf dem Rückwege trafen wir offenes Wasser in der Nähe des Landes, das wir nach einem Rasttage erreichten. Eines Tages nahe dem Lande zeichnete Cook eine Karte. Apilak fragte: Wessen Route zeichnest du? Cook antwortete: Meine eigene. Das war eine Lüge. Die Route war weit über das Meer gelegt, wo wir nie gewesen waren. Wir folgten dem Lande am Kap Sparbo vorbei, wo wir Vorbereitungen zum Ueberwintern trafen. Cook schrieb während seines Aufenthalts dort fast unausgesetzt. Beim Wiedererreichen der Sonne begann die Heimreise. Längs der Ciskante hielten luir Schieyversuche auf Seehunde ab, wesyalb wir bei der Ankunft nur vier Patronen besaßen. Erst vor A n o r i l o k ließen wir Die Schlitten zurück. Cook, der unS während der Reise eine gute Belohnung versprochen hatte,
und es kam zu einem heftigen Kampf, an welchem sich bte Frauen eifrig beteiligten. Sie warfen die Beamten mit Steinen, und als die Melbung verbreitet würbe, baß Kavallerie im Anmarsch fei, würbe die Wut deS Mobs noch größer. Ein alter Mann, der versuchte, eine der Gruben zu erreichen, wurde von dem Mob überfallen und arg zugerichtet. Eine Menge ähnlicher Fälle werden gemeldet. §n Clydctch Vale brachen die Ausstänbi- schen in den Hof der Grube ein und löschten die Feuer aus, so baß bie Ventilationsmaschinen aufhörten zu arbeiten. Dreihunbert Pferbe befanden sich um diese Zeit in der Grube, und da es unmöglich war, sie herauszubringen, wird befürchtet, baß sie alle badurch umgekommen sinb. Inzwischen kamen immer neue PolizeiverstHrkungen aus ben benachbarten Städten an, aber die Beamten waren absolnt machtlos gegen bie Wut deS MolB.
Gestern abenb würben weitere Versuche gemacht, bie Gruben zu stürmen, aber bie hunbert Polizisten, bie in Clybach Vals bereitftanben, konnten diesmal bie Leute wenigstens in Schach haltert. Die Ausständischen stürmten das Maschinenhaus, um auch hier bie VentilationSapparate zum Stehen zu bringen. Das HauS würbe von zwanzig Polizisten bewacht, die aber bald vertrieben waren, einige von ihnen wurden arg mißhandelt. Mehrere Stunden lang blieben die Ausständijchen im Besitz des Hauses, aber nachher wurden sie ihrerseits von der ber^rflcu Polizeiabteilung wieder vertrieben.
Nun droht auch in Schottland ein großer AuSstand der Grubenarbeiter. Die Arbeiter sind dort schon seit langer Zeit unzufrieden gewesen und haben nunmehr angekündigt, daß, wenn die Arbeitgeber nicht unverzüglich nachgeben, sie alle die Arbeit einstellen wollen.
London, 9. Nov. Nach Meldun^m aus Cardiss sind bei den Unruhen im Kohlenbergwerksgedret von Glamorgan wenigstens hundert Personen verletzt worden. Unter den Verletzten befinden sich zwei Journaliskn: der eine von ihnen wurde von einem Stein, den ein Arbeiter mit den Worten: „Wir brauchen keine Fremde!"^ auf ihn geschleudert hatte, schwer am Kopfe verletzt. Während tne Polizei den Wohnsitz deS Bergwerksdirektors in der Nachbarschaft der Stadt Tonypandy zu schützen bemüht war, war der Mob geraume Zeit Herr von Tonypandy, durchzog in Trupps die Straßen, zertrümmerte bie Ladenfenster und warf die Waren auf die Straßen, so daß die Stadt aussah, als sei sie beschossen und geplündert. Ein Po- lireibeamter von Tomypanüy wurde schwer verletzt und ist seinen Wunden erlegen. Aus Cackifi werden Truppen erwartet.
Im Streikgebiet wurden bie Banken und Geschäfte mit Wellblechbarrikaden versehen. Die Heizer in her Glamorgan-Grube stellten nach dreitägiger Arbeit infolge Er- sckiöpfung die Bedienung der Maschine» ein. ES liegt Gefahr vor, daß die Grube ersäuft.
In Porth fanden Straßenkämpfe fbatt Da- Hn- sarendetachement aus Tonypandv rückte nach Porth ab.
London, 9. Nov. Dre Arbeitervertreter ans der Konferenz int Handelsamt richteten an bte Arbeiter im AnS- standSgebiet ein Telegramm, sie möchten für die Beilegung der Streitigkeiten Sorge tragen und alle notwendige» Vorkehrungen tteffen, wenn die Bergwerksleitung Arbeitskräfte für die Heransck-affurrg der Pferde an den Schächten nötig hätte.
Aus dem hessischen Nnanzaurschutz.
RB. Darmstadt, 9. Nov.
Fm Finanzausschuß der Zweiten Kammer fanb hentc vormittag eine gemeinsame Beratung mit der Regierung statt, bie burch Die Herren Staats Minister Gwalo, LMinister bes Innern v. Hombergk imb die Herren Gest eimeräte Dr. Becker unb Süffert und Geh. Oberfinanzrat Dr. Rohde vom Finanzministerium vertreten war. Es sand zunächst eine längere Besprechung über den Antrag Ulrich inbetreff der Aufhebung der Brückengelder statt. Geheimerat Dr. Becker fob her-
betrog uns bei der Heimkehr. Rasmussen fügt hinzu, bie Eskimo aussagen seien durchaus glaubhaft. Cook erwähnte während des ganzen Zusammenseins mit den Eskimos nicht, daß er am Nordpol gewesen sei, sondern sprach nur von einer langen, beschwerlichen Reise. Erst nach dem Verlassen der beiden Begleiter begann der Schwindel. Die späteren Begleiter tonnten sich nicht die Mögliche leit vorstellen, daß der weiße Mann lüge. Von PearyS Begleitern, den Eskinros Jgganguak und Ukujak, erhielt RaSmussen auf dem gleichen Wege einen Bericht, der besagt: Vom Schiff reiften mb nordwärts int Februar und März. Ehe wir Kopttän Bartlef verließen, hatte P e a r y verschiedene Observationen gemacht. Al-i wir allein geblieben waren, wiederholte er die Observationen sehr oft. Wir waren so roeit nordwärts gedrungen, daß die Sonne auch nachts hoch am Himmel stand und sich in Bogen bewegte, ohnc auf- oder unterzugehen. Nachdem Pearv Order zum Halten ge geben hatte, setzte er die Reise vom Haltepuntt mit zwei Mann fort und kam am gleichen Tage, indem er die Reise hüt und zurück ohne Aufenthalt machte, zurück. Peary sagte bei feiner Rückkehr, endlich habe er erreicht, was er wollte. An dieser Stelle schliefen wir zwei Nächte. Peary war eifrig mit Observationen beschäftigt und schlief letzte Nacht überhaupt nicht. Wie lange Tagereisen wir gemacht haben, wissen wir nicht, da daS Eis glatt war. konnten wir lange Sttecken zurucklegen. Als wir das Schiss erreicht hatten, bemerkten wir eine Sonnenverfinfterung am Nordpol (?), selbst bemerkten wir nichts von Pearys grotzer Freude: erst bei der Ankunft an Bord des Schiffes gab er den Amerikanern und uns Grönländern ein großes Fest.
Hierzu erhält die „Frkf. Btg.” noch die beiden folgenden Telegramme, aus denen hervorgeht, daß auch Nansen den beiden „Forschern" nicht traut:
Kristiania, 9. Nov. Nansen erklärt im „Morgeu- blädet", daß Rasmussens Bericht den Eindruck der Wahrheit mache. Wenn daraus schon erwiesen sei, daß Cook ein Schwindler sei, so sei noch lange nicht erwiesen, daß Peary wirklich den Nordpol erreichte. Dazu bedürfe eS unbebingt der Veröffentlichung aller Observationen Pearys.
Kopenhagen. 9. Nov. Im Hinblick auf die authentischen Berichte, welche der htesigen Universität von Knud Rasmussen und verschiedenen grönländischen Autoritäten über Cook zugegangen sind, beabsichngt die Universität, Cook den Ehrendoktortitel wieder zu entziehen.


