Ausgabe 
10.3.1910 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Vie finanzielle Krips in Oesterreich.

Eine Vergnügungsfahrt des Kaisers.

9Jnfp" I hauptung, daß das Defizit nur fingiert sei, und Laß es Preußen! seine Deckung in erhöhten Erträgnissen des Zollgefälles

Wien, 9. März. Das Abgeordnetenhaus setzte die erste Lesung der Finanzvorlage fort. Der Finanz­minister betonte, die Regierung ließ angesichts des, ent­schiedenen Widerstandes des Hunses die geplante Bi er­st euerer Höhung fallens und brachte einen neuen Finanzplan ein. Der Minister wandte sich gegen die Be-

politiichen Teil: Augllst Goetz, fürFeuille- ton" undVermischtes' 5t. Neurath; für ,3tabt

Be;uqSvvet4: rnonatlicb75Pt.. viertel­jährlich M. 9.20, durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Bost Aik.2.oiertel- jährl. ausschl. BesteÜg. Zeileuvreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Berantwortlich für den

rSnslaird.

Aus Lkonftantinopel melden die Blätter: Düs Ministerium für die Bauten studiere die Vergebung einer Konzession für iste Eisenbahn Aegypten- Syrien, um welche sich ein englisch-französisches Syndikat beiverbc. Das Marinem^sterium beschloß, ein großes Schwimmdock zu bestellen.

und ihre Existenz, sicher stellen. Mit - arbeiten, zumal sie in den letzten Jahren gerade ihre Panzerplatien-Walzwerke bedeutend vergrößert haben. Ter Staatssekretär des Reichsmarineamts hat aber festgestellt, daß wir nicht nur die Lesten Panzerplatten, sondern gegen­über anderen Ländern auch die billigsten haben. Und damit ist der Beweis erbracht, daß die Firma Krupp ihre nationale Aufgabe voll und ganz erfüllt und den weiteren Angriffen des Zentrums ruhig entgegensetzen kann.

Die Verstärkung der englischen L-otte.

Welche große Aufwendungen England neuerdings für den Ausbau feiner Flotte macht, geht aus folgenden Mel­dungen hervor: . w

London, 9. März. Die Ersordernisse desMartne- bHbgetd für 1 910,-11 beziffern sich auf 40u03 ,00 Pfund gegen 35142 700 Pfund Sterling im Jahre 1909/10. Der Mehrbetrag in hauptsächlich verursacyr durch die Er­höhung des S ch i f f b a u p r o g r a m m s , die dgs Par­lament im letzten I /tzre bewilligte. Für Neubauten werden 13 279 830 Pfund gegen 8385191 Pfund im Jahre 1909 10 verlangt, von diesen sind 11 350 790 für den , Weiterbau der bereits in Angriff genommenen Schiffe bestimmt und 1429 040 Pfund als erste Raten für den Bau von Schiffen nach dem neuen Programm, nämlich: 5 Linienschiffen, 5 geschützten Kreuzern, 20 Torpedobootszerstörern und einer Anzahl 'Unterseebooten, die 750 000 Psund kosten sollen und zwei Schwimmdocks, welche jedes ein Kriegsschiff auf- zunchmen vermögen, die bis zum Jahre 1911 fertiggeuellt werden sollen. Tas eine dieser Tocks ist für Portsmouth, das andere für Medway bestimmt.

Mit dem 31. März 1910 werden folgende Schiffe vollen­det und für den Dienst verfügbar sein: Fünf Linienschiffe, zwei nicht geschützte Kreutzer, neun Torpedoöootszerstörer, sechs Wsten-Torpedobvotszerstörer und neun Unterseeboote, von Diesen werden ein Linienschiff, ein Panzerkreuzer, ein nicht gepanzerter Kreuzer, 20 ^orvedobootszerstörer und vier Unterseeboote voraussichtlich am 31. März 1911 fertig- gestellt sein.

London, 9. März. 'Nach dreitägiger Aussprache be­willigte daS Unterhaus einstimmig die im Budget festgelegte Effektivstärke der Armee.

Das Zentrum wird also seinen Lieblingswunsch so rasch noch nicht erfüllt setzen. Und es ist fein Unglück, daß dem so ist. Wenigstens von nationalen Gesichtspunkten nicht. Die.Kruppschen Werke müssen neben national-idealen Zielen natürlicb and) ihren Geschäftsstandpunkt wahren sowie die ihrer Arbeiter Verlust können sie nicht

B r e m e r h a o e n , 9. März. Der SchnelldampferKaiser Wilhelm II." des Norddeutschen Lloyd, der morgen mit ,dcm Kaiser eine zweitägige Fahrt nach der norwegischen Ku' antriti., ging heute vormittag auf der hiejigen Reede vor Heute nachmittag um 2Vz Uhr traf Prinz Heinrich von 1

gaben. >

Tann appellierte der Minister an das Haus, die gestern eingereichte Regierungsvorlage, in der die Regierung die Ermächtigung zur Beschaffung von 181 740000 fronen im Anlehenswege nachsucht, möglichst rajch- zu erledigen und bat schließlich, die Finanzvorlage möglichst schnell zur gründlichen Beratung einem Ausschuß zuzu-, weisen.

auf der Reede erwartet.

Helgoland, 9-z Ter K a i s e r traf auf d rDeut ch land" gegen l Uhr vor Helgoland ein und landete an der Ge­meindebrücke. Nach Besichtigung der Hafeninlagen und Vortrag über die Schutzbautcn erfolgte die Auffahrt durch den vnnnel und ein Rundgang auf dem Lberlande bis zur Kommandantur, wo der Kaiser von der Fran des Kommandanten Schroder begruyt wurde. Dee Kaiser verweilte hier längere Zeit und unterhielt jich ein­gehend mit den Vertretern der Vchörden und dem Schni^cller Gcheimrat Rudolf Lindau. Die Abiahrt von der Gemein.ebrucke erfolgte um 6 Uhr. Der Kaiser machte,der Gemeinde die Doecker- scho Baracke für Krankenzwccke zum Gescheut.

DeuLscbes

Prinzund Prinzessin Eil elFriedrich braten am Miktiooch abend von dem Anhalter Bahnhof in Berlin aus ihre Orientreise an.

Vom Hauptausschuß für die st a a t l i ch e Penjtonv -> Versicherung wirb uns geschrieben: Nach neueren, zu-» verlässigen Erkundigungen ist das Reichsamt des Innern mit der Ausarbeitung einer Gesetzesvorlage über die staats liche Pensionsversicherung der Privatangestellten beschäf-. tigt; die Vorlage bringt die von der übergroßen Mehrheit der PrivatangesteMen gewünschte So nd o r k a s s c (Zusatz- lasse zur Ergänzung der alten Versicherung!, also nicht den Ausbau des alten Gesetzes durch neue Klassen. Wie der, Reichstagsabgeordnete Herr Landgerichtsdirektor Dr. Heinze!, aus bem Sächsischen Privatbeamten tag in Dresden am 6. März nritteilte, sei ihm an zuständiger Stelle auf >das be­stimmteste versichert worden, daß der Gesetzentwurf über die Versicherung der Privatangestellten noch in dieser Session dem Reichstage zugehen werde.

Zur zweiten Beratung des Haushalts des Reichs-» kanzlers beantragen National!iberale, Freisinn, Reichs­partei und Zentrum, den Reichskanzler zu ersuchen, nach' dem Beispiele zahlreicher anderer Ltaaten zur Unter-, ft ü tzung der Bestrebungen für die in ter native nale Schiedsgerichlsbewegung eine Beihilfe in den nächstjährigen Haushalt einzusetzen.

. Diese Erhöhung, welche auf die schlechte Ernte, auf hohen Getreidepreise und die dadurch notwendig ge­wordene Deizeneinfutzr aus Rußland zurückzusutzren fet, werde zum großen Teile durch die Ueberschreitungen des Kriegsministeriums, welches doch das Gros seiner Abgaben für den Getreideeinkauf verwende, ausgewogen: auch durch Ersparnisse könne das Defizit nicht beseitigt werchen. ~co Die Lage der österreichischen Finanzen keine günjtrge set, ergebe sich auch aus der in den letzten vagen Eingebrachten Kreditvorlage. Hierbei betonte der Minister, daß er der gestern von dem Abgeordneten Renner geäußerten Anschau-i ung, daß Oesterreich schon bankerott sei, nicht zusttmme. Wenn man bedenke, baß die Einnahmen und Ausgaben rund fünf Milliarden betragen, so sei ein Ausfall von 70 «Mil^ honen demgegenüber verhältnismäßig klein, so schwer es auch den Steuerträgern falle, diesen Ausfall zu decken. Dre Schuld an der gegenwärtigen Finanzlage trage, so führte' der Finanzminister aus, die absteigende Konjunktur und die erhöhten Ausgaben für das Heer, ferner die Manne- sorderringen im Zusammenhang mit den durch die jüngsten politischen Verwickelungen notwendig gewordenen Aus-'

Die Urupp'schen Panzerplatten.

Zu den Reichstagsverhandlungen vom 5. März erhalten wir Von unserem Mitarbeiter im Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet folgende Ausführungen:

X Essen, 8. März.

Planmäßig benutzt das Zentrum seit Jahren die Be­ratung des Mcrrinehaüshalts im Reichstag dazu, um gegen Krupp zu agitieren und seinem Anhänger Thyssen den Weg zirr Staatskrippe zu ebnen, an der dieser bis jetzt wohl aus eigener ^Abneigung nur sehr gering gezehrt hat. Das Zentrum hat bekanntlich nur sehr wenige An­hänger in der rheinisch-westfälischen Großindustrie, trotz­dem es verschiedene Reichstagssitze im Ruhrbeizrk, u. a. auch den Essener, inne hat. Was liegt also näher, als (daß es seinen ganzen Einsluß dafür einlegt, daß sein einziger Anhänger, der Besitzer Der sehr leistungsfähigen Thyssen- schen Werke, Älugust Thyssen, in die Panzerplatten-Kon- turrenz mit hineingezogen wird, zu der er sich übrigens selbst gar iricht zu drängen scheint. Aus den vom Staats­sekretär des Reichsmarineamts verlesenen Briefen des Herrn Thyssen geht das unzweideutig hervor. Die Firma Krupp und die Dillinger Hüttenwerke in Dilling en an der Saar sind bis jetzt die einzigen Lieferanten der Marine für Panzer­platten. Beide haben vor etwa 33 Jahren (1877 ( auf Ver­anlassung der deutschen Regierung die Panzerplattenfabri­kation ausgenommen, um den deutschen Kriegsschiffbau vom Ausland unabhängig zu machen. Bekanntlich hatte Eng­land bis baijin die Panzerplatten geliefert. Es ist be­kannt, wie die Firma Krupp es in wenigen Jahren ver­standen hat, die ganze Fabrikation durch die Erfindung des Nickelstahles auf die Höhe zu bringen, so daß sie als leistungsiähigste und bedeutendste Panzerplattenfabrik Der Welt angesehen wird. Die Qualität Der Kruppschen Vlatten stehen unerreichbar da. Es hieße Eulen nach Athen tragen, die nationale Bedeutung der Kruppschen Werke für unser Land Heer und unsere Flotte hier hervorzuheben. Jedes Kind weiß, daß die Ueberlegenhett unserer Artillerie in dem letzten französischen Kriege Krupp zu danken war. Der einzige Nachteil, Den Die Firma Krupp hat, ist ihre Mchtzugehörigkeit zum Zentrum, und das kann ihr von diesem nicht verziehen werden.

Daß das Zentrum bei diesen alljährlich sich wieder­holenden Vorstößen gegen Krupp nicht etwa nur das Staats- - wohl im Auge hat, wie fein Wortführer in Marinesachen, - Gral Oppersdorf, vorschützt, liegt auf der Hano. Sonst würde es sich nicht auf Thyssen versteifen. Der als Fabrikant von Qualitätsstayl gar nicht in einem befon Deren Rufe steht, sondern vornehmlich auf die Massen- fabritJiion eingerichtet ist. Es gibt aber eine ganze Reihe großer deutscher Werte, die viel älter sind und zur Panzer- plattenfabrikation ihren Einrichtungen nach viel eher ge­eignet wären. Es sei hier nur dieGute hoffnun gs- h ii t te ", DerB ochumer Verei n", dieK ö n i g s- und L aur a b ü 11 e" und ,,'E höni x" genannt. Diese bekannten, alten soliden Werke würden als Staatstteferanren fürPan- zerplattenmatercal unstreitig ebenso geeignet sein, als Die sicher sehr geschästsgewanDte Firma Thyssen u. Co. Aus den Bedingungen, Die die Firma dem Reichsmarineamt für die Aufnahme der Panzerfabrikation gestellt hat, ist ersichtlich, in welcher Weise siph der Geschäftsverkehr ge­stalten würde Sie verlangt nämlich auf Die Dauer von 10 Jahren fast Die Lieferung von mindestens einem Drittel des Bedarfs unD wünscht auch für die roeiteren Jahre nicht ungünstiger gestellt zu werden, als Die beiden anderen Lieferanten. Außerdem aber wünscht Die Firma Thyssen und Das ist das Charakteristische, Daß eventuell neue Patente, die die Firma Krupp für die Panzerplattenfadri- fatiou erwerben sollte, ihr ebenfalls zugänglich gemacht werden sollten! Was die Firma Thyssen verlangt, ist nicht mehr und nicht.weniger als daß Der Staat das Risiko seines neuen Unternehmens der Panzer­plattenherstellung auf sich nehmen solle, ohne jegliches Aequi- valent. Denn daß mit dem Eintritt Thyssens in die Kon­kurrenz eine Verbilligung der Panzerplatten eintreten würde, wird jeder für ausgeschlossen halten, der Die Be­teiligten kennt und Der Die Industrie kennt. Auf Der än­derest Seite aber würde ziemlich sicher mit einer Qualitäts­verschlechterung zu rechnen sein. Denn Panzerplatten lasseit sich nicht wie warme Semmel backen, sondern ihre Fabri­kation erfordert besondere Einrichtungen und große Er­fahrung, vor Mem geschulte Arbeitskräfte und geschulte Ingenieure. Beide aber lassen sich nicht aus der Erde stampfen.

Die Wormser MordaWre vor Gericht.

D. Mainz, 10. März.

Heute begann die Verhandlung gegen den 24 jährigen vor­bestraften Hausdiener Franz Selzcv aus Pfedv^rshcim wegen Mords des Lehrers Christian. Kruger aus Wack:nheim (Pfalz). Es find 80 Zeugen um vier Sachverständige zu hären.

Als Ueberfuhrunasstücke liegen vor Dem Gerichtstisch: Eilt Revolver, Patronen, Rasiermesser, ^Taschenlampe, Bettwerk, Klei^- dungsstücke des Selzcr und der verstorbenen Witwe Scheid, ein blutiges Handtuch und das Präparat der Schnitt Verletzung d-es ermordeten Lehrers Kruger.

Nach der Anklage ist folgendes festgestellt: Tie Witwe Scheid, Deren verstorbener Mann Notariatsgehilfe war, hatte den Lehrer Kruger aus Wachenheim auf ein Heiraisinserat im Januar v. I., als sie noch in Pfeddersheim wohnte, kennen gelernt. Er ver­sprach ihr, sic zu heiraten, worauf sie ihm bis -u 2000 Mac? Dar­lehen gab. Im April zog sich K. van Der Scheid zurück, er wollte sich anderweit verheiraten, setzte sich deshalb mit Heiratsvermitt- Tem in Verbindung. Die Scheid verfolgte ihn mit allen möglichen Mitteln und erklärte wiederholt, sie werde lick untbringen, vorher müsse aber Kruger daran glauben. Sie schasste jich einen Revolver an und machte Schics versuche. Im November v. I. traf sie Kruger auf Dem Allerheiligenm-artz, ive rcranial ?u gehen, was er auch tat. Er verblich Die Na' /ui Montag bei der Scheid. Arn 9. November nachmittags im M. wieder uach Worms gefahren und blieb wieder Lei der Scheid Die Nacht über, am anderen Tage traf er in Der Wohnung Der Sch. anck Den An-i geklagten Setzer. Die Scheid soll lebhaft, als Staiger gegangen; war, auf Den Selzer cingchrungen haben, das er dm Kruger er­mord?. Wenn er dieses tue, werde sie ihm ihr ganzes Vermögen', in Hohe rott 20 000 Mark vermachen. Selzer soll der Scheid dies Versprechen gegeben haben, worauf diese sagte, das Kruger die Dcadjt über bei ihr bliebe, ii. werd später mit K. ansgehm und dafür sorgen, daß er ordentlich trinke, Damit er dann ;u Haus bei ihr gut schlafe. Der Angeklagte banste bei dem 7s*rifcur Rau ein Rasiermesser für 2.25 Ml., kehrte um_8 Uhr abends in Die Wohnung bet Scheid zurück, die ihn im Sveisezimmer versteckte. Die Scheid ging h erauf mit Kruger fort, ois dieser viel Allol'vl zu fick genommen, kehrte sie mit ihm gegen 12 Uhr in ihre Wohnung zurück. Kruger legte sich alsoald ins Bett, die neunjährige Tochter Loni der Scheid lag dickt nebenan in einem Bett, während sich Die Wck.re zwischen die beiDcn legte. Nack'dent Kruger mgcschlafen, erschien der Selzer auf Dem Plom. Tie Scheid leuchtete ihm mit einer elektrischen Tcrschenlamre, Selzer schoß bann Denn Kruger in die linke e±,läfefeite. Kruger setzte sich int Bette aus und rief:Maria hilf!", Selzer drückte ihn ober nieder und schnitt ihm mit Dem Rasiermesser Den Hals b.s auf Die Wirbelsäule durch Kruger starb alsoald an Verblutung.

Nr. 58 Erstes Blatt 16«. Jahrgang Donnerstag 10. März 1910

WGietzener Anzeiger

WZ General-Anzeiger sSr Gberheffen

m- oie Tagesnuminer «Htgttanrdnlck und Verlas der Brühl'schen Unw.-Vuch- und Sterndrucksrei R. tauge. Redattion, Expedition und Druckerei: zchulstraße 7. Anzeigenteil: H. Beck.

bis vormittags 9 Uhr. 3 ' -

ein Um 7 Uhr erfolgte die Ankunft des Großherzogs von imDe. Oldenburg, und bald darauf trafen Die übrigen Gäste, annaherno uic h. 400, m'it Sonderzug von Bremen bei der Lloydhalle ein, von wo mittels Tender nach bem in glänzender Illumination, erstrahlenden Schnelldamvfer übergesetzt wurde, ^er Kayer wird an Bord des LinienschiffesDeutschland' um Mitternacht von Helgoland

London, 9. März. Im Ob er Hause gab Lord Rosebery Die Erklärung ab, wenn das Haus {einen am 24. Februar gemachten Vorschlag, sich als Komitee zu kon- stttuieren, um Die besten Mittel einer Refor m seiner gegenwärtigen Organisation zu erwägen, an- nchme, würde er folgende Entschließung einbringen: 1. Eine starke ak'tionssähige Zweite Kämmer ist nicht nur ein inte­grierender Bestandteil Der Verfassung, sonDern ist für Das Wohl des Staates und Das parlamentarische Gleichgewicht ein notwendiges Erfordernis. 2. Eine solche Kammer kann am besten Durch eine Reform und Neutonstituierung Des Oberhauses gewonnen werDen. 3. Die notwenDige Vorbe- Dingung für eine solche Reform unD Neukonftituierung ist Die Annahme Des GrunDsahes, Daß Der Besitz Der Pairs- roürDc nicht langer Das Recht gibt, dem Oberhause als stimmberechtigtes MitglieD anzugehörew

Line Radausitzung^der sächsischen Kammer.

In der Sitzung der s ä ch s i s ch e n Z w e it e n K a m m e r kam es am Mittwoch bei Der Beratung Der Bittschrift eines aus Dem Staatsdienst entlassenen Werkstättenarbeiters auf Wiedereinstellung zu eine in erregten Z w i s ch e nf a l ß Staatsminister Tr. Rueger wandte sich gegen Die Bitt­schrift und erklärte u. a., Daß er eine Koalition der Eisen- fcafjnarbciter nicht zulassen könne. Durch wiederholte Zwi­schenrufe aus Dem Hause unterbrochen, fuhr Der Minister fort: Ich bitte, mir derartige Ungezogenhei­ten zu ersparen.

Sjierauf erhob sich auf Der linken Seite Des Hauses ein tosender Sturm Der Entrüstung. Rufe wie Un> Verschämtheit! und Las bilden Sie sich ein? wurden laut. Als Der Minister seine Ausrührungen beendet hatte, erklärte der Präsident, er desitze leider keine Hand­habe, um aegen Aeußerungen eines Regierungsvertreters, wie sie soeben gefallen seien, vorzugehen. Er bedauere die Aeußerungen zwar, müsse aber die Würde des Hauses wah­ren, und könne den Abgeordneten solche Zwischenrufe, wie sie soeben (aut wurden, nicht gestatten.

Darattfhin.erhob sich auf der linken Seite erneuter Lärm, Der sich in erregten Rufen laut machte: Das lassen wir uns nicht gefallen, mag Der Minister auch die Würde des Hauses wahren' Der sozialdemokratifche Abgeordnete Fleißner erhielt einen Ordnungsruf: nur langsam legte sich DieZLr- icguirg im Hause. Tie Bittschrist Heft das Haus schließlich nach längerer Aussprache zum Teil auf sich ^beruhen, zum Teil wurde sie für unzulässig erklärt. Die Sitzung wurde sodann geschlossen.