Ausgabe 
12.8.1910 Erstes Blatt
 
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Wohl mit Heiterkeit ausgenommen morden ist, meldet heute ent Londoner Blatt, das allerdings oft in Sensation macht, daß China ernstliche Maßnahmen getroffen habe, um seinen Besitz zu wahren:

London, 11. Aug. TieMorning Post" meldet aus Schanghai: Der Staatsrat erwog mit Rücksicht auf den russisch-japanischen Vertrag Maßregeln, um die Integrität der Mongolei sicherzustellen und beschloß, zwei Divi­sionen moderncrTruppcn dorthin zu verlegen und den Unterricht nach chinesischem System zu reorganisieren, ferner eine Eisenbahn von Peking aus durch die Mongolei zu bauen. Der Armeerat ist mit der Aus­arbeitung eines Projektes für die Reorganisation und Ver­mehrung der chinesischen Armee beschäftigt.

Der Ausstand der Werftarbeiter.

Rostock, 11. Aug. Die Neptun werft sperrte heute abend um 6 Uhr ungefähr 800 Arbeiter aus.

Stettin, 11. Äug. Die Gesamtzahl der bei den drei Schiffswerften Vulkan, Oderwert und Nüske & Co. ausgesperrten Arbeiter beträgt etwa 3765. In der Nüsleschen Schiffswerft erklärte sich der Rest der Arbeiter, etwa 175, mit den Ausgesperrten solidarisch.

Bremen, 11. Aug. Auf der Werft des Bremer Vulkan in Vegesack wurden beute mittag etwa 900 Arbeiter, in der Norddeutschen Maschinen- und Ärmaturenfabrit-Bremen etwa 700, auf der Werft von Tecktenborg-Geestemünde etwa 800, auf der Werft Seebeck-Bremerhaven etwa 400 und auf der Werft von Rickrners-B rem er Haven etwa 280 Mann aus- gesperrt. Auf der Aktiengesellschaft Weser-Bremen er­folgt die Aussperrung heute abend; sieumfaßt 2400 Arbeiter.

Deutsches Kcicb.

Aus W ilhelmshöhe wird gemeldet: Der Bot­schafter Frhr. Mumm v. Schwarzenstein und Botschafter Graf v. Bernstorff sind hier eingeiroffen. Zur Früh­stückstafel bei dem >1 a i s e r p a a r waren geladen die beiden genannten Botschafter und Regierungspräsident Graf von Bernstorff mit seiner Schwester.

2hi5laitö.

DerTemps" meldet aus Nimes: Der General­sekretär des nationalen Syndikates der Eisenbahnarbeiter berichtete heute in der Arbeiterbörse über die Organi­sation des eventuellen Eisen bahn -Aus-< stand es. Er forderte die Eisenbahnangestellten aus, falls sie die Mobilisierungsovder erhielten, rhr nicht sofort Folge zu leisten, sondern erst drei bis vier Tage später, was große Unordnung im Ei s e n b ah n d ie n st zur Folge haben würde, ohne daß sie wegen Desertion be­langt werden könnten. Me Versammlung nahm eine Tages­ordnung an, in der die Teilnehmer sich verpflichten, der Aufforderung des Syndikates zum Ausstande sofort Folge zu leisten.

Eine Depesche aus P e n a n g de la G o m e r a über Paris meldet, daß Angehörige der Stämme BeniUriarel und der B e n i Baeaya die Beni Ufra.angegriffen und ihre Duras in Brand gesteckt haben. Nach fünfstündigem Kampfe zogen sich die Angreifer zurück und ließen fünf Tote aus dem Kampfplatze; eine Anzahl Verwundeter nahmen sie mit sich.

Aus Darjiling eingelaufene Nachrichten besagen, daß sich die Lage in Tibet bessert. Da die chinesischen Truppenbewegungen abnehmen, so wird jetzt, wie aus Sim la gemeldet wird, zweifelhaft, ob es nötig ist, daß die britischen Truppen, welche kürzlich den Befehl erhielten, sich für den Abmarsch nach Tibet bereit zu halten, die Grenze überschreiten.

Die p e r s i s ch e R e g i e r u n g erklärte sich bereit, sämt­liche Verluste zu ersetzen, welche die r u ssis ch e n U n t er- tanen bei der am vergangenen Sonntag durch die Bach- tiaren erfolgten Plünderung ihrer Häuser erlitten haben.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 12. August 1910.

Vom Großh. Hofe. Der Großherzog traf gestern vormittag von Romrod im Residenzschloß ein und begab sich hierauf mit der Großherzogin im Auto nach Schloß Heiligenberg. Nachmittags trafen auch der Erb- großherzog und Prinz Ludwig in Begleitung der Oberhofmeisterin dort ein. Abends erfolgte die Rückkehr nach Jagdschloß Wolssgarten.

** Die Erlaubnis zum Tragen fremder Orden erteilte der Groß Herzog dem Direktor des hygienischen Instituts der La ndesun iversi 1ät Gießen Professor Dr. Neumann für den ihm von dem König von Siam verliehenen Orden vom Weißen Elefanten 4. Klasse und dem praktischen Arzt Professor Dr. med. Groedel zu Bad. Nauheim für den ihm von dem Kaiser von Rußland ver­liehenen St. Stanislaus-Orden 3. Klasse und des ihm von dem Fürsten von Montenegro verliehenen Offizierkreuzes des Danilo-Ordens.

Zum Rektor der Technischen Hochschule in Darmstadt hat der Großherzog den ordentlichen Pro­fessor Geh. Hofrat Dr. Heinrich Schenck für die Zeit vom 1. September 1910 bis 31. August 1911 ernannt.

Lehrerpersonalien. Übertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Philipp Hofmann aus Heuchel­heim eine Lehrerstelle an der Gemeindcschule zu Lang- GönS.

* Erledigte Lehrerstellen. Die mit evangelischen Lehrern zu besetzenden Lehrerstellen an der Gemeindeschnle zu Landen Hausen, Kreis Lauterbach, mit der Organisten­dienst verbunden iverden kann, und *an dec Gemeindeschule zu Röthges, Kreis Gießen, sind erledigt. Mit der Stelle in Röthges ist Organilten- und Lektordieiist verbunden. Dein Fürsten zu Solms-Braunfels steht das Präsentationsrecht zu.

** 811 m Schreibgehilsen ernannt wurde Karl Knierim aus Alsfeld bei dem Finanzanit Darmstadt I.

** Zur Truppenschau in Mainz. Der Kaiser irnrd wie alljährlich um 8 Uhr morgens am Bahnwärter­haus 39 eintreffen und zu Pferde steigen. Der Großherzog und leine Gemahlin, die anderen Fürstlichkeiten und Gou- verneur von Schlieffen mit Stab sind dort zum Empfang des Kapers versammelt, wo sich der zum Ordonnanzoffizier befohlene Oberleutnant von Pentz vom Infanterie-Regi- ment Nr. 116 beim Kaiser meldet. Die Aufstellung der Truppen und der Verlauf der Truppenschau ist bis auf die 't.01?. G^'I^ctcn kleinen Aeuderungen der gleiche wie all- sahrlich. ü-en Schülern der höheren Lehranstalten werden bei der Truppenschau besondere Plätze angewiesen, falls sie

in Klassenverband hingeführt werden: ebenso erhielten die absperrenden Mannschaften die Weisung, die Zuschauer in einer ihrer Art entsprechenden Freundlich­te i t zu behandeln. (Mehr kann man wahrhaftig nicht ver­langen.) Die Vorparade zur Truppenschau findet am Sams­tag den 13. August statt.

Lauterbach, 11. Aug. Im Saalbail zum Johannisberg tagte die Kreislehrerkonferenz unter dein Vorsitze des Kreisrats v. Bechtold. Es nahmen über 100 Lehrer teil., Vorträge hielten Kreisarzt Dr. He in riet über die Schutzpockenimpfung, Hauptlehrer Dr. Köhler über Iugendschrlften und Bekämpfung der Schundliteratur durch die Schule, Lehrer Rinn er erstattete Bericht über die Kreis­lehrerbücherei. Schulrat Andres gab an§ der Statistik der Volksschulen des Kreises befannt, daß in den 63 Schularten 110 Lehrkräfte wirken. Nur Herbstein besitzt KonfessionS- schlilen. 47 find einklassig, 10 zweiklassig, 2 dreiklassig, 3 vierklasstg, 2 mehrklassig. 63 Schulen siiid ohne Schill- geld. Die Schülerzahl ist rund 5300, davon sind 340 katho­lisch und 45 israelitisch. Die Zahl der Fortbildiiiigsschüler ist 750.

A Bleichenbach, 11. Aug. An Stelle des jüngst verstorbenen langjährigen Beigeordneten I. H. Heß V. wurde heute der Landwirt und Genieinderat Wilhelm Kraft mit 65 Stimmen gewählt. Der Gegenkandidat Gg. Graiilig II. erhielt 61 Stimmen. Es herrschte ein reges Wahlgetriebe.

n. Schlitz, 11. Aug. Am vergangenen Mittwoch fand das S ch l i tz e r I a n b e r Missionsfe st in Uetzhauscn statt. Trotz der Erntearbeiten waren einige Hundert Mis- sionssreunde von nah und fern zusammengelommen. Im Vormittagsgottesdienst predigte Stadtpfarrer Schlösser Lauterbach. In der Nachver,ammlung, die bei herrlichem Wetter im Freien stattfand, sprachen noch Pfarrer Türck- Frischborn und dann Missianslehrer Happ ich von der Leipziger Mission. In anschaulicher Weise wußte er von seiner Tätigkeit und seinen Erlebnissen unter den Dschaggas am Kilimandscharo zu erzählen. Eine Heine ethnologische Sammlung, die er aus Deutsch-Ostafrika mitgebracht hatte, erregte das größte Interesse. Zahlreiche Missionsschriften wurden verlauft und 126 Mark für die Leipziger Mission gesammelt.

x Bad-Nauheim, 11. Aug. Die neue Friedberger M i l i rm iis i ke rschii l e gab gestern nachiiiittag auf Ver­anlassung der Kurverwaltung erstmalig ein Konzert und zwar auf dem Johannisberg. Von prächtigem Wetter war heilte abend die im Park veranstaltete italienische Nacht begünstigt, nachdem die früheren derartigen Veranstaltimgen dieser Saison fast alle zu Wasser geworden ivaren. Die Polizei ließ in diesen Tagen die Vermieter anfforbern, vom 15. August ab jeden an kam inenden Kurgast innerhalb dreier Stunden anzumelden. Es geschieht das wohl im In­teresse einer genaueren Kontrolle anläßlich des Zaren- b e such es. Seither betrug die Anmeldefrist gewöhnlich drei Tage.

D. Friedberg, 11. Aug. Die Hauptarbeiten an dem Gcoßh. Schlosse müssen bis zum Sonntag den 14. ds. be­endigt fein. Vom 15. an wird das Hofmarschallamt in den Kavalierbau verlegt werden. Das Militär­kommando wird in Massenguartiere untergebracht, man spricht von 200 Mann und 5 Offizieren.

L. Friedberg, 11. Aug. Das Fernsprechzimmer im Postamt wurde vom ersten Stock in die Schalterräume verlegt.

X Salzschlirf, 11. Aug. Daß der Neubau einer Brücke über die Schlitz beim benachbarten Uetzhausen im Interesse eines ungehemmten Verkehrs auf der Staatsstraße Schlitz-Salzschlirf ein unabweisbares Bedürfnis ist, davon diirfte sich der Kreisrat von Lauterbach in vergangener Woche selbst überzeugen. Er mußte nämlich am Donnerstag dein 4. d. MtS., als er mit einem Wagen nach Schlitz wollte, bei Uetzhausen umkehren, da die Brücke völlig überschwemmt war. Man ist allgemein gekannt darauf, wie lange es noch dauert, bis ein völlig ungestörter Verkehr auf der Staatsstraße zivischen hier uiid Schlitz möglich ist.

+ Homberg a. d. Ohm, 10. Aug. Ihren 90. Ge­burtstag feierte die älteste Einwohnerin von Deckenbach, die Witwe K. Reis, im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Urenkel.

R.B. Darmstadt, 11. Aug. Eine zweite Ober- realschule! Die hiesige Stadtverordnetenversammlung faßte heute nachmittag nach eingehenden Verhandlungen den Beschluß, die im Bau begriffene neue höhere Knaden- fchule auf dem Gelände der früheren Gasanstalt an der Wendelstabtstraße nicht, wie s. Zt. geplant, als Realschule, sondern als weitere O b e r r e a 1 s ch u l e zu eröffnen, ba bie schon bestehenbe Oberrealschule überfüllt ist unb schon weit über 900 Schüler zählt. Berichterstatter in ber Angelegenheit war ber Stabtverorbnete Geh. Oberschulrat Nod nagel, ber in Uebereinskimmung mit ber Bürger­meisterei bie Errichtung ber zweiten Oberrealschule in Darrn- stabt sehr warm befürwortete unb u. a. bie interessante Tat­sache mitteilte, baß sich auf Grund einer Rundfrage bei den beteiligten Einwohnern 92 v. H. für eine weitere Ober­realschule ausgesprochen haben. Von freisinniger Seite wurde verlangt, die Schule als K n a b e n - M i 11 e l s ch u l e zu beschließen, um damit einen Schritt weiter zur Schaf­fung der Einheitsschule gelangen, doch wurde, da die Notwendigkeit einer weiteren Oberrealschule in über­zeugender Weise als erbracht galt, mit großer Mehrheit die zweite Oberrealschule beschlossen. Auch die Regierung hatte erklärt, baß sie den Staatszuschuß von etwa 42000 Mk. jährlich nur für eine Oberrealschule bewilligen würde. Die neue Knabenschule ist gleichzeitig mit einer umfangreichen höheren Mädchenschule auf dem vorerwähnten Grundstück errichtet worden und wird nm 1. April 1911 eröffnet werden.

S. Offenbach, 12. Aug. (Pnoattelegramm.) Zu einem Kampfe zwischen städtischen unb privaten Interessen hat die geplante Anlage eines Friedhofes bei Bürgel geführt. Das in Betracht kommende Gelände wurde noch kürzlich von, dem Ausschuß für die Wertzmvachssteuer auf 30 bis 50 Pfg. für den Geviertmeter geschätzt und war bis vor einiger Zeit zu diesem Preise auch verkäuflich. 9?un verlangen die Eigentümer 2 Mk. bis 2,50 Mk., während die Stadtverwaltung höchstens 1,20 Mk. bezahlen will. Ta die Besitzer hartnäckig auf ihren Forderungen bestehen, will )ie Stadt ein anderes Gelände erwerben. Sollte sich diese Absicht verwirklichen, dann wäre ber von ber großen Frieb- hofsanlage erwartete Aufschwung Bürgels auf Jahre hin­aus in Frage gestellt.

8 Offenbach a. M., 11. Aug. Ter heilige Bnreau- kratlus scheint auch in ber hiesigen Stadtverwaltung oas Re­

giment zu führen. Tasür lieferte die heutige S t adtv er o rd- netenfifcung gleich zwei Beweise. Beim Bau einer Walzen­halle war eine Neberschreitung des Voranschlags um 212 Mark 15 Pfennig entstanden. Ter Vertreter des HlÄbauamtes, Bür­germeister Tr. T u 11 o unb der des Tiefbauamtes, Beigeordneter Walter, der z. Zt. in Urlaub ist, haben sich nun, wie Bürger­meister Tr. Tulio heute ausführte, einen ganzen Monat nicht darüber einigen können, wer für diese 11 e b e r s ch r c i t u n g eige n t lichdieVerantwor tu ngzu übernehm en hat, da die Halle zwar ein Hochbau ift aber für die Bedürfnisse des T i e f b a u a m t e s erbaut wurde. Schließlich übernahm der Bür- germeitter die Verantwortung. Denselben bureaukratischen Geist zeigte der Beigeordnete Walter in der Zweiten Sache. Tie Zierbrunnen am Alice- und Schillerplatz sollten nach dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung während der Nacht ab- gestellt lücrbeit. Ta das Abstellen der Brunnen außerhalb der gewöhnlichen Arbeitszeit erfolgte, toiirbe eine besondere Be­zahlung verlangt und es entstand ein Streit zwischen den be­teiligten Abteilungsvorstehern, dem Beigeordneten Walter als dem Vertreter des Wasserwerks und dem Beigeordneten Eißnert als dem für die öffentlichen Anlagen, zu wessen Lasten diese Bezahlung gehen soll. Auf Antrag des Stadtv. Ulrich beschloß die Stadt­verordnetenversammlung, daß das Wasserwerk die Abstellung ber Brunnen zu besorgen habe. Bei der vor einigen Monaten in der Stadtverordnetensitzung stattgehabten Beratung des Antrags, den Fronleichnamstag auch in Offenbach wie im katholischen Stadtteil Bürgel als gesetzNchen Feiertag zu erklären, weil sich aus der verschiedenen Behandlung dieses katholischen Feiertags in All-Offenbach und in Bürgel allerlei Unznträglich- teiten ergaben, war auch auf die Seltsamkeit hingewiesen worden, baß in dem Oehler-Werk ber Chem. Fabrik Griesheim -Elektron! die G e m a r k u n g S g r e n z e mitten durch den Fabrik- s a a 1 geht, so daß in dessen südwestlicher Hälfte am Fronleich­nam gearbeitet werden darf, während in der nordöstlichen Feier­tag ist. Damals hatte Beigeordneter Porth vorgeschlagen, bie Gemarkungsgrenze zu verlegen. DasNeuvermefsungs- amt hat 2tun einen entsprechenden Antrag gestellt, der auch von der Stadtverordnetelwersammlnng einstimmig angenommen wurde.

sj Marburg, 11. Auq. Der VereinPhilippshauS" erwarb zur Erbauung eines evangelischen VereinS- hauses im Südviertel ein großes Baugelände.

I] Marburg, 11. Aug. Ter Ballon ^Marburg" stieg gestern abend um 1/28 Uhr auf unb landete um 12^ Uhr am Laacher See.

Kleine Tncrr«r«iroutt.

In dem Eisen- und Stahlwerk Hösch in Dortmund zcr-- sprang int Drahtwalzwerk ein Schwungrad. Durch bie umherfliegendeit Madteile wurden, lüe Arbeiter Rüppert und Speuer- mann getötet, fünf andere wurden verletzt, darunter einige schwer.

Aus Lechenich bei Köln meldet man: Als am Mittwoch zwei elegant gelleidete Herren bie hiesige «Kirche besichtigtem unb unter Führung des 12 jährigen Sohnes des Küsters die ^alristei betraten, schlugen sie den Knaben zu Boden und gaben ihm ein Betäubungsmittel, worauf sie sämtliche Schränke beraubten und entflohen.

In dem Benediktinerkloster in Andechs Mber- baliern) vergifteten Zwangszöglinge, die aus ber An­stalt ausgebrochen sind, vor ihrer Flucht bett .Klosterbrunnen mit ungelöschtem Kalk unb Kunstdünger. Der verbrecherische Anschlag wurde noch rechtzeitig entdeckt.

Wie ber Münchener Polizeibericht melbet, würbe dort bie 67 jährige Kaufmannswitwe I b a'Fe l b me i er in ihrer Wohnung an der Frauenhoferstraße am Donnerstag mittag ermordet aufgefunben. Der Morb bürste bereits abenbs um 7 Uhr ausgeführt worben sein. In ber Wohnung waren bie Kästen und Tische durchwühlt, so daß ein Raubmord anzunehmen ist. Als Täter kommen das bei ber Ermordeten eingetretene' Dienstmädchen aus Landshut bezw. deren Geliebter in Betracht. Beide sind seit der Tat verschwunden.

Bet der Kreiskommunalkgsse in St. Wendel wurden Unterschlagungen in bedeutender Höhe aufgedeckt. Ter Kassenrenbant Wilke würbe verhaftet unb dem Amtsgerichts-' gefängnis zugeführt. Tie Verhaftung erregt großes Aufsehen. Der Schaden wird aber voraussichtlich durch die Kaution und das Vermögen Wilkes gedeckt sein.

Aus Zürich wird gemeldet: Die letzten 48 Stunden brachten ein fürchterliches Unwetter, das durch ein starkes Erd­beben eingeleitet wurde. Am oberen Züricher See und anti Fuß des Rigi traten alle Bäche aus, die Wiesen und Gärtenl zerstörend. Ueberall wurde die Feuerwehr aufgeboten.

In Gohfeld erregt der finanzielle Zusammen­bruch des Bauunternehmers Rosche großes Aufsehen. Der Schuldenlast von nahezu einer halben Million Mark stehen nur l1/» Prozent Aktiven gegenüber. R. hat seit Jahren umfang­fangreiche Weckselreitereien betrieben; unter den betrogenen be­finden sich mehrere Geistliche.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienst stelle Gießen.

Verlauf der Witterung feit gestern früh: Flache Rand­wirbel der östlichen Zyklone brachten gestern ganz vereinzelt (Frankfurt) Gewitter. Sonst blieb das Welter heiter und trocken, lieber Nacht aber hat sich die Wetterlage stark geändert, da von Nordwest her Zyklonen einzudriugen im Begriffe stehen. Das be­dingt wieder keuchte südwestliche Winde.

Welteraussichteu in Hessen am Samstag dem 13. dlugust 1910: Zunehmende Trübung unb später vor allem im nördlichen Ge­biet Regen, auffrischender Südmest, mäßig warm.

Griginat-Drahtmelduttgen.

Der Ausstand der Werftarbeiter.

Bremen, 12. Aug. 'Von heute ab ruht die Arbeit auf ber Werft Aktiengesellschaft Weser-Bremeu-Eröpelingen. Die Arbeiter mürben gestern gegen 5 Uhr entlassen. Die Lohnzahlungen erfolgten zwischen vier unb sechs Uhr ohne Störungen. Ausschreitungen unb Unruhen sinb nicht vor- gctommen. Die Meister unb Lehrlinge bleiben weiter be­schäftigt.

Stettin, 12. Aug. Nach bemVorwärts" beschloß bie Konferenz ber Werftvertrauensleute in Stettin, falls eine Aussperrung erfolgt, überall bort die Arbeit niedere zulegen, wo es im Interesse ber Gesamtbewegung liege unb örtliche Verhältnisse es geboten erscheinen lassen. Be­triebs- unb Gruppenversammlungen dürften das Ergebnis haben, baß von ben Nichtausgesperrtcn folgenbe Gruppen in ben Sympathiestreik treten: Im Vulkan her Turbinen- bau, bie Dreherei un,b die Gießerei, auf bem Oberwerke: Schiffsbaugießerei, Nieter, Schwiebe unb Tischlerei, bei Nüske bürste es zum allgemeinen Ausstand kommen.

Die Ernteausfichten in Rußland.

Petersburg, 12. August. Nach telegraphischen Be­richten vom 28. Juki beurteilt bieHanbels- unb Inbustrie- zeitung" bie Ernteaussichten allgemein gut, mittel. Für Wiuterweizen unb Roggen gilt bie Ernte als gut-mittel, für Sommerweizen, Hafer unb Gerste als mittel. Währenb bes letzten Monats verschlechterte sich ber Saatenstanb, be- sonbers bezüglich ber Qualität im Süben unb Sübwesten, sowie im Zentralrayon wegen Reg en fälle unb im Mittel­wolgagebiet, einem Teil bes nörblidicn Kaukasus unb bem Hinterwolgagebiet wegen Trockenheit. Eine Besserung ist bemerkbar teilweise im Norbosteu, dem oberen Wolgagebiet und im Nordosten.