Ausgabe 
11.10.1910 Erstes Blatt
 
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Sein gesamtes übriges Vermögen ist der Stadt Braun- schweig als Universalerbin vermacht worden mit der Be­stimmung, vaß davon eine Stiftung errichtet wird, die verschiedenen guten Zwecken dienen soll.

Als der Bäckermeister Kasper in ZittaN am Montag furz nach 1 Uhr mit seinem Jagdgewehr herumhantierte, ent­lud sich Plötzlich die geladene Wa f f e. Die Kuael ging durch ein Schaufenster und traf zwei Herren, die auf der Plattform eines die Straße passierenden Wagens der elektrischen Straßenbahn ftonbcTL Beide fielen tödlich getroffen vom Wagen. Die Kugel war den beiden durch den Kopf gegangen und hatte ihren sofortigen Tod herbeigesührt.

Infolge des seit einigen Wochen in Bra*ke ausgebrochenen Werftarbeiterstreiks weigerten sich die «Arbeiter der Bremer Lagerhaus-Gesellschaft, den im Bremer Hafen liegenden griechischen DampferUstrna" zu löschen, da die Ladung für Brake bestimmt ift Infolgedessen wurden hundert Arbeiter der Lagerhausgesellschaft sofort entlassen.

Aus Newy o r k wird gemeldet: Durch eine Explo­sion in der Kohlengrube zu Starkville (Colorado) wurden 5 2 Arbeiter eingeschlossen. Man hofft sie sdu^ch angestrengte Arbeit Au befreien.

Getreide-Wochenbericht

der Preisberichtstelle des Deutschen Landwirtschastsrats vom 4. bis 10. Oktober 1910.

Unter dem Einfluß von Meldungen über eine Verschlech­terung der argentinischen Crnteaussichten vollzog sich in der ab- »gelaufenen Berichtswoche zunächst in Amerika und dann auch in ^England und am Kontinent ein Umschwung zu erneuter Festigkeit. Zwar schien man die von amerikanischer Seite verbreiteten Alarm- Nachrichten über Frost und Heuschrecken in Argentinien nicht sonderlich ernst ml nehmen, aber es ist andererseits bekannt, daß der Norden dieses Landes eine Zettlang unter Trockenheit zu leiden hatte und wenn auch inzwischen wiederholt Regen ge­meldet wurde, so sind die Aussichten für diese Gebiete doch keineswegs über jeden Zweifel erhaben. Dazu kommt, daß Ruß­land sehr mit Offerten zurückhält. Der Export von dort wie svon der Donau war wieder sehr umfangreich, aber man rechnet doch 'allgemein mit einem Nachlassen der osteuropäischen Leistunaen. Andererseits ist es nicht unbemerkt geblieben, daß der größte Teil !des bisher so starken Weltexports sozusagen spurlos in den Mittel- Dieerhäsen verschwunden ist, ohne daß die Aufnahmefähigkeit dieser Länder darunter ernsttich gelitten hätte. Vielmehr liegen an­dauernd Anfragen nach deutschem Weizen von Frankreich, Italien pnd Spanien vor, und mancher in der Berichtswoche im Liefe- xungsgefchäst vorgenommene Kauf war als Deckung gegen der- jartige Abschlüsse anzusehen. Machte aber schon die festere Haltung des Auslandes die Abgeber vorsichtig, so trug dazu auch der Um­stand bei, daß Zufuhren und Angebot angesichts der Hackfrucht- jenite und der vielfach noch im Gange befindlichen Herbstbe­stellung weiter nur geringen Umfang behalten haben. Wenn die ^Preise an den Provinzmärkten trotzdem, nur wenig angezogen Haben, so erklärt sich dies aus der allgemein beobachteten Zurück- Haltung auf Sette der Mühlen Dem gegenüber ist aber zu be- vnerken, daß andauernd viel Ware zur EMllung früherer Export­verkäufe nach der Küste abgelenkt wird, und es blieb nicht un­beachtet, daß allein in den letzten 10 Tagen des September co. 42 000 Tonnen Roggen und ca. 25 000 Tonnen Weizen von hier ins Ausland gegangen sind. Im Lieferungsgeschäft zog Weizen bis zum Samstag ungefähr 2 Diark im Preise an, wovon aber heute etwa 1 Mark wieder verloren ging. Roggen war im Anschluß an Weizen gleichfalls fester, ohne seinen Preisstand sonderlich geändert zu haben. Knappes Angebot bei erhöhten Forderungen machte sich auch im Hafergeschäft bemerkbar, aber jbie Händler (lagen, daß sie im Konsum keine entsprechenden Preise erzielen können. Auch der etwas regeren Nachfrage für Brau­gerste stand nur sehr spärliches Material gegenüber. Die russischen Forderungen für Gerste lauteten fester, auch Mais stellle sich im Verlaufe etwas höher; der Verkehr in diesen Artikeln war ziem­lich stlll-

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167V, 164

ES Pellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 kg je nach Qualität, wobei das Mehr (4-) bezw. Weniger () gegenüber der Vorwoche ** * *h folgt:

Roggen

oas Mehr (4-) bezw. Aremger Klammern () beigefügt ist, wie Wetzen 3)

Königsberg J Stettin Pofen Breslau Berlin Magdeburg Halle Leipzig 1 Dresden Rostock Hamburg Hannover Düsseldorf Frankfurt a.M. Mannheim 212'/, ( )

Straßburg 210 ( )

München 224 (+ 4)

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin __________x , _____

Dez. 204.25 (4- 0.75); Budapest Oft. 173.75 (-st 1.25); Paris Oft. 229.85 (-st 4.40); Liverpool Dez. 164.45 ( 0.30); Chicago Dez. 151.70 (-st 2.20). Roggen: Berlin Oft. 149.50 ( 0.00), Dez. 153.25 ( 1.25). Hafer: Berlin Oft. 146.50 (+ 2.25), Dez. 151.25

(- 0.00) Mk.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redallion dem Publikum gegenüber keinerlei

Verantwortung.)

Langsdorf, 9. Oft

Es dürfte fast abgeschmackt erscheinen, wenn ich in öffent­lichen Blättern immer und immer wieder auf das Automobil tzurück- komme. Doch darf ich so lange den Kampf nicht aufgeben, so lange das liebel besteht; so lange wenigstens die Gesetze und die öffentlichen Vorschriften, so lange die Organe des Staates den Anforderungen an Recht und Billigkeit nicht völlig entsprechen. Heute will ich troch einmal auf die verkehrten gesetzlichen Bar- schristen zurückkommen., die in Gestalt des revidierten Hessischen Polizeisttafgesetzbuchs vom 31. Oktober 1871 und der Bundesrats­bekanntmachung vom 3. Februar 1910 bezüglich des lieber* holens im Fährverkehr angeordnet sind. Alle ordentlichen Fuhrleute bezeugen es jedermann, daß es richtig sei, wenn beim lleberholen das zu überholende Fuhrwerk nur ganz wenig links, das überholende jedoch im wetten Bogen rechts vor'oeifährt. Der alte Fuhrmannsbrauch gab diese Ueberho- lung früher überhaupt nicht zu; das Hess. Polizei­strafgesetzbuch gestattet sie nur im langsamsten Tempo, nach voraus- gegebenem Signale. Das war so alter Brauch und vernünftig dazu. Die Herren Automobttisten, die über sich die starken Arme ü)rer Beschützer fühlen, fragen nach dem allem nicht mehr; und fahren nur so darauf los; dazu noch beftärtt durch die neuerlichen Bestimmungen der Bundesratsbekanntmachung vom 3. Februar 1910. Ich glaube, daß der heftige Volksunwille, der in der wettesten Oeffentlichkett über die Ausschreitungen im Automo- bttismus besteht, nur noch stärkere Formen zeitigen wird, wenn die Regierenden nicht endlich die Zeichen der Zeit beachten. Was ich zur Technik des Fuhrwesens auf den öffentlichen Sttaßen bemerkte, ist mir ein kleiner Teil dessen, was der Ab­änderung bedürftig erscheint. Tie kommende Zeit bedarf noch ganz anderer und durchgreifenderer Maßnahmen, die das öffent­liche Recht festzustellen haben zwischen dem Publikum! und dem gemischten Verkehr, die in dieser gegenwärtigen Zett auf die gemeinsame Benutzung unserer öffenllichen Sttaßen angewiesen sind. Publikum, Fußgänger, Radfahrer, Motorfahrzeuge und die althergebrachten Fuhr- werkemittieri scher Bespannung haben ein gleiches

Recht auf die Straßen; ober das ReiA «neS jÄttt füchek dort seine Grenze, wo das Recht des anderen beginnt. Auch hier, wie überall im Leben, gilt das Wort: Gleiches Recht für alle! Und nicht das Recht des Stärkeren, dos eigft gM, gls der Dichter Bürger seinen Ruf erhob:

Wer bist du, Fürst, daß ohne Zerrollen mich dein Wagenrad, Zerschlagen darf dein Roß?

Dn Fürst haft nicht bei (Sag' und Pflug,- , Haft nicht den Erntetag durchschwitzt, " Mein, mein ist Fleiß und Brot! Ha! Du wärst Obrigkett von Gott?, Gott spendet Segen aus; du raubst!

Du nicht von Gott, Tyrann!

- * 1 * Köhker - LaUgHbors-,

Amtlicher Wetterbericht.

Wetterausftchten in Hessen am Mittwoch dem 12. Oktober 1910: Nach schwacher Ansheiterung Trübung und Regen, kühl, auf- frischender Süd.

Griginat.vrahtmeldunge«.

Die Nachahmung der Moabiter Vorgänge in Remscheid.

:: Remscheid, 11. Ott. (P rivattelearamm.) Nach Beendigung der gestrigen Widerspruchsversammlung gegen die vom Arbeitgeberverband eingerichteten Arbetts- nachweise durchzogen die Teilnehmer unter dem Ab­singen der Arbeitermarseillaise die Stadt. Am Kaiserplatz trat ihnen Polizei entgegen. Do die Umzügler ein Steinbombardement auf die Be­amten richteten, mußte die Schutzmannschaft wiederholt mit blanker Waffe vorgehen. .Auch aus den Fen­stern wurden Steine geschleudert. Eine Anzahl Personen wurde verhaftet, einige erlitten Verletzungen. Da für heute abendneue Aus schreitungenbe fürch­tet werden, wurden verschärfte Waßnghmeu ge­troffen.

Aus Portugal.

:: Lissabon, 11. Okt. Die Schulden Les ent­thronten Königshauses belaufen sich auf vier Milliarden. Mehrere Familien des Hochadels wandern aus. Das aus den fort fixierten Gütern der Klöster gezogene Vermögen soll sich auf 200 Millionen Mark belaufen und zu Schulzwecken verwendet werden. 7000 Mönche und Ordensschwestern sind ausgewiesen worden.

S. Offenbach, 11. £>Tt Der Verein der f o r t - schrittlichen Volkspartei beschloß in seiner gestrigen Mitgliederversammlung, bei der am 24. d. Mts. stattsin- denden Stadtverordnetenwahl nrit den Sozial- demokraten zusammeuzugehen und das tert diesen gemachte Angebot von 2 Ätzen anzunehmen.

Bessere Magentätigkeit! b**" Danzig, 11. Apr. 1910. Hierdurch teile ich Ihnen mit, daß ich Bioson zur Kräftigung meiner Nerven gebraucht habe. Ich habe 4 Pakete verbraucht und nahm täglich morgens und abends 2 große Kaffeelöffel voll in Milch gekocht. Zunächst besserte sich der Appetit, der sich außerordentlich steigerte; tch bekam oft richtigen Hunger und mein Magen verdaute alle Speisen bester als zuvor. Ich sühtte mich infolgedessen auch bald bedeutend wohler und ich kann sagen, daß Bioson eine wirklich gute Kraftnahrung für Körper und Nerven ist, weshalb ich das Präparat jedermann empfehlen werde. Der Geschmack des Bioson ist sehr gut: es schmeckt mtt Milch wie Schoko­lade. Hochachtungsvoll! Emtl Wannhoff, Katergafse la. Unter* scurift beglaubigt: Lew insky, Notar. Biosou ist das beste und billigste Kräftigungsmittel. Paket 3 Mk. in Apotheken, Drogerien. Verlangen Sie von dem Biosonwerk Frankfurt a.M. eine Gratisproüeu. die Brosch

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