Ausgabe 
11.5.1910 Erstes Blatt
 
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fangen wurden. Auf der Iasvisgalene fand das ^ruhstuck ftatt 9Tn dem Frühstück nahmen teil die hier anwesenden Prinzen und Prinzessinen und Roosevelt nebst Frau, Sohn und Tochter, seine drei Sekretäre, der amerikanische Botschafter nut Gemahlin und Tochter, der amerikanische Marine- und Militärattache, der^tieichs- kanzler, Oberstkämmerer Fürst zu Solms-Baruth, der Staats­sekretär des Auswärtigen v. Schoen, General ü. Loewenseld, die drei Chefs der Kabinette, sowie die Damen und Sperren der Umgebungen.^ ^stückstafel hielt der Kaiser und die Kaiserin irn Muschelsaale Cercle, hierbei hatte der Kaiser eine lange Unterredung rnitRoosevel t a llei n. Ilm 3 Uhr fuhren die meisten Gäste im Sonderzug nach Berlin zuruck. Roose­velt mit Familie verblieb noch un Neuen Palais. . 'Nachdem sich -die Kaiserin nm 3 Uhr zurückgezogcir hatte, verweilte der Kaiser ! mit Roosevelt und den Herren der beidersettigen Umgebungen rm Billardzimmer bei der Zigarre. Mrs. Roosevelt nahm den-L.ee mit der Hofstaatsdame Fräulein v. Gersdors Pnnzefsm Vikwria "uise besuchte mit Miß Roosevelt den kaiserlichen Marstalb Nach 4 Uhr m a ch t e d e r K a i s e r m i t d e n G a st e n eine Fahrt durch die königlichen Gärten nach dem Schloß S a n s, ouct ^m ersten Automobil na hin d er K a l, er m i t Ro o s ev elt PI atz. Nach der Besichtigung des Schlosses Sanssouci kehrte der Kaiser nach dem Neuen Palais zurück, während Roosevelt mit Familie in kaiserlichen Automobilen nach Berlin fuhren. ,

Roosevelt wurde nachmittags, als er aus Potsdam in die amerik Botschaft zurückgekchrt war, von Geheimrat Prof. Frän­kel untersucht. Dieser stellte fest, daß Roosevelt unter einer Erkrankungsform leidet, die als Folge von Bronchitis bei Per­sonen auftritt, welche längere Zeit in den tropischen Gegenden qcrocilt haben. Die Erkrankung Roosevelts ist keineswegs be­unruhigend oder gefährlich. Roosevelt nahm, um sich zu schonen, 'nicht an dem ihm zu Ehren veranstalteten intimen Diner in der amerikanischen Botschaft teil, sondern speiste in seinem Zimmer

Zum Unfall öes Z II.

Tic amtlicheBerliner Korrespondenz" bringt jetzt über den Unglücksfall desZ. 2" Mitteilnngen, die auch nicht die in der Presse geübte Kritik schlagend widerlegen:

Zm Programm der Kölner Uebuiig war eine Fernfahrt mit Zwischenlandung vorgesehen. Der Wetterdienst wäh­rend der Hebung war sorgfältig eingerichtet. Das Gutachten der meteorologischen Sachverständigen vom 22. April vor der Fahrt nach Homburg bezeichnete das Wetter für die Hinfahrt als günstig, für die Rückfahrt müsse das in Aussicht steheiide Drehen des Windes über W nach SW abgekartet werden. ,}ur die Rückkehr der Schiffe war am Nachmittag des 23. Avril das sachverständige Urteil dahin abgegeben, daß die voraus'gesagte Drehung des Windes bereits erfolgt sei. Bal­dige Abfahrt wurde vorgeschlagen. P. 2 fuhr daher gegen Abend ab und traf um 1 Uhr nachts in Köln ein, nachdem er ui der Höhe von Koblenz-Bonn durch heftige Winde einen Aufenthalt von einer Stunde gehabt hatte. Der Führer des Z. 2 trug Bedenken, eine Nachtfahrt zu machen. Xie schwere Heimfahrt des P. 2 ist ein Beweis, daß die Bedenken be­rechtigt waren. Das bezüglich des Zurückbleibens des Z. 2 em- geholte meteorologische Guchtachten lautete, daß auch der Vor­mittag des 24. Avril nicht ungünstigere Wetterbedingungen bieten werde als der Borabend, es sei jedoch geraten, bei Tagcsgraucn abzufahren. 'Die Arbeiten zur Fahrt- bcrcitmad}ung hatten um 4 Uhr morgens begonnen. Da aber bei zwei Gassäcken die Ventile undicht geworden waren, ivurde die Abfahrt bis kurz vor 8 Uhr verzögert. Hätte man sie um 6 Uhr morgens angetreten, so würde der Verlauf voraussichtlich) glatt gewesen fein. Die Fahrt verlief zunächst ohne Störung, im Rheingau steigerte sich aber der^Wind unter all­mählicher Drehung uad} West derart, daß das Schiff bei Hallgarten nicht mehr vorwärts kam. Der Führer entschloß sich, in nörd­licher Richtung abzubiegen, es gelang jedoch kaum, in nördlicher Richtung Fahrt zu halten. Der Führer entschloß sich nunmehr zur Landung, die sich zwei Kilometer südlich vom Bahichos Limburg um 2 Uhr 5 Mm. nachmittags glatt vollzog. Der Landungsort war richtig gewählt, die Verankerung erfolgte in der Weise, wie sie auch vom Grafen Zeppelin angewendet wurde. Die getroffenen Anordnungen wurden von dem am nächsten Tage eingetroffenen Kommandeur des Luftschisferbataillons für sach­gemäß befunden. Eine plötzlich auftretende starke faßte Ium 1 Uhr, also 23 Stunden nach der Landung, das Schiff von der Seite und schleuderte es herum. Hierbei löste sich die Be­festigung des Bügels am Laufsteg und die innere Ankertrosse scheuerte den vorderen Stab des Laufsteges ab. Wahrscheinlich erlitt das Ankerseil dadurch eine ruckweise Spannung und es ritz. Ein Halten des Schiffes durch die Mannschaften war ausgeschlossen; cs mußte, um Menschenleben nicht zu gefährden, der Befehl 15um Loslassen der Leinen gegeben werden.

Gegenüber der Behauptung, zwischen dem Führer des Schisses und dem Ingenieur, der die eigentliche Führung gehabt hatte, hätten Differenzen bestanden, sei auftlärenb bemerkt, daß es nach der Dienstordimng nur einen Führer gibt, dem der In­genieur unterstellt ist. Die Unter ludprng ergab, daß die 'behaupteten Differenzen nicht bestanden haben. Gegenüber der "Ansicht, daß durch den Unglücksfall ein Nachteil des starren Systems bewiesen sei, wird bemerkt: Sämtliche bei der Armee cingeführten Luftschisisysteme haben ihre Schwächen und Vorzüge. Ein vollkommenes System gibt es nicht, wird es auch in abseh­barer Zeit nicht geben; jedoch ist zu hoffen, daß bei Gewinnung "weiterer (Srfafyritngat eine größere Sicherheit im Luftschiffbetrieb eintreten wird. .Da wir aber stets abhängig bleiben von Wind ;unb Wetter, werden sich, wie auf dem Meer, Unglücksfälle nicht immer vermeiden lassen.

Zu den Ausführungen derBerliner Korrespondenz" wird uns von unserem Kölner Berichterstatter gemeldet:

: K öln, 11. Mai. (P ri v a t t e le g r a m m.) Von durchaus zuverlässiger, fachmännischer Seite wird erklärt, daß der Landungsort bei Limburg nicht richtig ge­wählt war. Man hätte, wenn man nicht wie es rich­tiger gewesen wäre in der Luft bleiben ober die Lan­dungsstelle bei Homburg aufsuchen wollte, lvo alles Nötige zur Verfüguna stand, zum mindesten die schützende Lage des jenseitigen Höhenzuges zur Landung nehmen müssen. Weiter war die Verankerung durchaus nicht in der Weise erfolgt, wie sic vom Grafen Zeppelin angewendet wird. Die Spitze des Luftschiffes mußte sich hart am Boden befinden und die Seile in gleichmäßiger Spannung sein. Dabei mußte die Hintere Seite in der Windrichtung gedreht werden. Wäre dies geschehen, dann hätte der plötzliche Windstoß das Luft­schiff nicht unter der Spitze und von der Seite erfassen können. Unentschuldbar und nicht zu verstehen ist es, daß die Gondel ohne jed e Bcsatzung war. Wäre nur ein sachkundiger Mann mit in die Höhe gegangen, der sofort die Motoren in Betrieb gesetzt und die Steuerung gehandhabt hätte, dann wäre das Schiff nicht gescheitert. Da die stürmische Witterung feit Tagen anhielt, so "hätte Tag und Nacht eine Wache an Bord sein müssen, wie das auch bei früheren ähnlichen Anlässen, z. B. bei Biberach, der Fall gewesen ist. Zum Schluß sei noch­mals versichert, daß der Kaiser nur bei gutem Wetter die Fahrt gewünscht hatte.

Die Trauerseier in London.

Paris, 10. Mai. Der Ministerrat, der in Rlun- bouillet zusammengetreten ist, beschloß, zu den Trauer- f e i e r l i ch k e i t c n für den König Edward eine 2lb- ordnung zu entsenden,, welcher Minister Pichon, General Dalaterin, Admiral Marquis und der Ordonnanzoffizier des Präsidenten Falliöres angehören werden. Ferner wird in­

folge des Hinscheidens des Königs die Eröffnung der fran­zösischen Abteilung der Ausstellung in Brüssel, die am 16. Mai stattfindcn sollte, verschoben.

London, 10. Mai. König Georg empfing heute morgen Asquith im Marlboroughhonsc. Nachmittags hielt der König eine Sitzung des Geheimen Rats im Marl- borvughhousc ab, Asquith, Lloyd George, Winston Churchill, Crewe, Morley, Sir Edward Grey, Haldanc und andere waren zugegen. Die Minister überreichten formell ityre Portefeuilles dem Könige, der sie ihnen sofort zurückgab.

London, 10. Mai. Das Kabinett trat heute nach­mittag unter dem Vorsitze des Premierministers zusammen, um über die durch den Tod König Edwards geschaffene Lage zu beraten; es verständigte sich über die Ernennung eines besonderen Ausschüsse s, der die Revision der Zivilliste in Erwägung ziehen soll.

In seiner Botschaft an die Flotte spricht König Georg seine Dankbarkeit für ihre seinem Vater geleisteten treuen Dienste aus; sein eigener Rücktritt vom aktiven Dienst in der Flotte habe in keiner Weise seine eigene Liebe zu ihr vermindert, daher wisse er auch, wie vollständig er sich auf ihre Ergebenheit und Pflichterfüllung, als der vor­nehmsten Verteidigung der Ehre des Lanoes verlassen könne. Er wolle ihr Geschick stets mit Stolz und liebevollem Inter­esse begleiten.

Der Wnig richtete auch an die Armee eine ähnliche Botschaft.

Die Stadt zeigt wieder ihr alltägliches Gesicht. Biele Theater nehmen auf ausdrücklichen Wunsch des Königs bis zum Beginn der Beisetzungsseierlichkeiten die Vorstellungen wieder auf.

Newyork, 10. Mai. Präsident Taft erklärte, er werde wahrscheinlich Roosevelt beauftragen, als Spezial- gcsandter an den Trauerfeierlichkeiten in London teilzu- nehmen.

Ein Dankerlaß der Königin Witwe.

Die Königin-Witwe Alexandra hat einen Brief an das englische Volk gerichtet, in dem es heißt:Aus der Tiefe meines armen, gebrochenen Herzens wünsche ich dem ganzen Volke, das ich ,o sehr liebe, meinen tiefgefühlten Dani auszusprechen für den rührenden Aus­druck des Mitgefühls mit meinem unaussprechlichen Kum­mer, der mir aus allen Kreisen, hoch und niedrig, reich und arm, zuteil geworden ist. Auch das Volt erlitt durch die plötzliche Abberufung seines besten Freundes, seines Vaters und Herrschers, einen unwiderbringlichen Verlust. Ich vertraue 'm einem lieben Sohne Eurer Sorge in dem Bewußtsein an, daß er des Baiers Fußtapfen folgen wird. Indem ich Euch bitte, ihm dieselbe Treue und Ergebenheit zu errt)ei'|"en, die Ihr feinem Vater erwiesen habt, weiß ich, daß mein lieber Sohn und meine Schwiegertochter ihr äußerstes tun werden, sie zu verdienen.

Deutsches Aeich.

Der I u st i z a u s s ch u ß des Reichstags beriet am 10. Mai den § 56 der Strafprozeßordnung, der die Bestimmungen über jene Zeugen enthält, die zur Ablehnung ihres Zeugniste-, berechtigt sind. Der Paragraph wurde nach der Regierungsvorlage an­genommen. Es wurde beschlossen, zunächst noch Mittwoch und Donnerstag dieser Woche au tagen und dann in die Psingstferien zu gehen. Man einigte sich dahin, am 23. Mai wieder zusammen- zutreten und zunächst bis zum 25 Mai zu tagen.

Der Aeltestenrat des preußischen Abgeordneten­hauses beschloß, die W a h l r e ch t s v o r l a g e nicht am 25., sondern am 27. Mai auf die Tagesordnung zu setzen.

Aus Köln wird gemeldet: Da bet Arbeitgeberver­band von Hagen-Schwelm ein Einverständnis mit den Arbeitern nicht erzielte, sollen am 18. Mai sämtliche Arbeiter im Gießereigewerbe ausgesperrt werden. Am 1. Juni sollen 50°,o der gesamten Arbeiterschaft des Industriegebietes zur Ent­lassung kommen, wenn bis dahin feine Einigung erzielt wird.

rlusluud.

In Jarrow ist bas SchlachtschiffHercules", das zehnte englische Schlachtschiff bes Treadnoughts-Typs, vom Stapel gelassen worben.

Die Pforte faßte noch keinen Beschluß gegenüber derEibcs- lei st u n g bei- kretischen Kammer. Gestern, vor Ein­treffen der Nachricht von der Eidesleistung, beauftragte die Pforte ihre Botschafter, bei den Kretamächten wegen der formellen Er­klärung der Gewährleistung der türkischen Rechte neuerlich ein­zuschreiten.

Aus Saloniki wird gemeldet: Das Komitee für Einheit und Fortschritt hat die Bevölkerung zur Teilnahme an einer Kundgebung aufgefordert, das am Donnerstag als W i d e r s p ru ch gegen den auf den Namen des Königs der Hellenen seitens der kretischen Abgeordneten geleisteten Eidschwur veranstaltet werden soll. In allen größeren Provinzstädten sind gleichfalls Kundgebungen geplant. Gestern sind weitere vier Militärzüge nach Albanien abgetanen worden und heute ist wieder ein Bataillon Rebifs von Klein-Asien eingetroffen.

Deutsche Kolonien,

Berlin, 10. Mai. Nach einer Blättermeldung wurde der Vertrag zwischen der K o l o n i a l v e r w a l t n n g und der Deutschen K o l o n i a l g es e l l sch a s t für Südwestafrika unterzeichnet.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 11. Mai 1910.

* * Tageskalender für Mittwoch, 11. Mai: Licht- b i l d e r - B o r t r a g von Prof. Dr. M a rt e r t: Heber Kometen, veranstaltet von der oberhess. Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Abends 81/, Uhr im großen Hörsaal der Universität.

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Die Butzbacher Bürger m ei st er wähl un­gültig! Im ProvinzialauZschuß wurde heute das Urteil in dem Rekurse gegen das Erkenntnis des Kreisausschusses deS Kreises Friedberg, der der Wahl des LandtagSabg. Wil­helm Joutz die Bestätigung versagt hatte, verkündigt. Der Rekurs wurde verworfen, ohne daß für das Erkenntnis Gründe mitgeteilt wurden. Sonach hat auch die 2. Instanz der Wahl des Herrn Joutz als Bürgermeister die Bestä­tigung versagt.

33om Großh. Hose. DaS Großherzogspaar begab sich gestern vormittag im Auto nach Lich und kehrte heute abend wieder hierher zurück.

Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Val.Trautwcin in Betzenrod die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Eckelsheim.

Bah »Personalien. Eisenbahn - Telegraphist Schad wurde zum Kgl. Eisenbahn-Assistenten ernannt.

Stipendium. Aus der Landrichter Dr. Müller-- schen Stiftung zu Darmstadt sind durch die unterzeichnete Behörde drei Unterstützungslegate von jährlich 500 Mk. an

bedürftige elternlose Studierende der Rechts­wissenschaft aus den Provinzen Starkenburg ober Ober­hessen zu vergeben. Bewerbungen um diese Legate sind bei dem Ministerium der Finanzen cinzurcichen.

Hessische Lehrerinnen. Die Lehrerinnen Hessens beabsichtigen, am 28. Mai in Frankfurt a. M. zusammen- zukommen, um nach dem Vorbild in anderen deutschen Staaten die Gründung eines hessischen Landes-Lehrerinne li­ve rci ns in die Wege zu leiten. Durch den Zusammenschluß sämtlicher hessischer Lehrerinnen in Stadt und Land, an höheren und Volksschulen, soll eine Berufsorganisation ge­schaffen werden, deren Hauptaufgabe darin besteht, die Be­strebungen der Lehrerinnen nach verschiedenen Richtungen zu unterstützen.

' Der Verband der Detaillisten-Vcreine im Großherzogtum Hessen hält seinen zweiten Verbandstag am Sonntag, 22. Mai, in Friedberg ab. Auf der Tages­ordnung steht u. a.: Jahresbericht des Vorstandes. Kassen­bericht.Kaufmännische Fortbildungsschulen und HcmdelS- vorschulen": Herr H. Karle, Vorstand der stüdt. Handelsschule zu Freiburg i. Br.Die Erfahrungen mit dem neuen Gesetz gegen den unlautere» Wettbewerb": Herr Rechtsanwalt Dr. E. E. Hoffmann-Darmstadt. Vermehrung der dem Detail­handel angehörenden Mitglieder der Handelskammern und Ernennung von Handelsrichtern aus dem Detaillistenstand (Antrag Offenbach). Wahl deS Vorortes für das kommende Jahr. Wahl des Vorstandes und der Kaffenrevisoren, sowie des Ortes des Verbandstages 1911.

* * Das Wetter wird besser! Aus eine Anfrage von uns über die zu erwartende Psingstwitterung macht uns die hiesige Wetterdienststelle folgende Mitteilungen: Ein Umschlag zu wärmerer und sonnigerer Witterung scheint bevorzuftehcn. Die kalten und lebhaften West­winde des polaren Lustwirbcls haben in der Höhe ganz nachgelassen. Während vor einigen Tagen in 3 und 4 km Höhe nach den Berichten der Drächenstattonen in Friedrichs­hafen und Lindenberg noch Westwinde, in ^indenber^ mit 17 Seiundenmetern und mehr Geschwindigkeit, angciroffen wurden, sind nach den gestrigen Telegrammen jetzt Ostwindc eingetreten und haben oie Westwinde bis über 4000 m ver­drängt ; dabei ist es in den höheren Luftschichten wesenrlich trockener geworden, über Friedrichshafen in 4.5 km Höhe 40% Rel. Feuchtigkeit. Das steht auch mit der europäischen Druckverteilung im Einklang, lieber Rußland und Zcrnral-- europa steigt der Druck: dadurch wird sich ein ostwestliches Druckgefälle einstellen, daS -Ostwinde und Erwärmung bedingt. Ueber Osteuropa, vor allem ganz Rußland, iit bereits sommerliche Wärme, sogar Memel hat heute früh bei 19° W. Gewitter.

Im Kolosseum warten die Mitglieder der Berliner bunten Bühne mit einem vollständig neuen Programm auf. Die Leitung führt auch weiterhin Frl. Marga Gerard mit viel Geschick und Humor. Die Darbietungen stehen durch­weg auf einer erfreulichen künstlerischen Höhe. Die heiteren und stürmischen Beifall hervorrufenden Vorträge der Herren Schaefer-Solling und Müller-Richter und auch die Vorträge der niedlichen Helma Helmond zwingen förmlich zum Lachen. Abwechselung bringen dann wieder Frl. Gerard und Herr Italiener durch gut vorgetragene Chansons und Lieder. Zum Schluß bringt das gesamte Ensemble einen gut einstudierten Pariser SchwankDer lebendige Tote", der an Komik und Witz nichts zu wünschen übrig läßt.

" Paketei»sammlu»g durch die Post. Es ist noch nicht genügend bekannt, daß die Post abzusendende Pakete auf Bestellung aus den Wohnungen abholen läßt. Rian braucht nur ein offenes Schreiben, eine Karte oder einen Zettel mit den Worten:Paket abzuholen bet (Name und Wohnung)" unfrankiert in den nächsten Briefkasten zu werfen oder einem Briefträger mitzugeben und die Sendung wird bei der nächsten Paketbestellfahrt gegen eine Gebühr von 10 Pfg. vom Hause deS Absenders abgeholt. DaS Verfahren ist einfach und bequem und besonders solchen Personen zu empfehlen, denen kein Dienstbote zur Verfügung steht.

S. Lollar, 9. Mai. Mit de» Kanalisations­arbeiten ist vor einigen Tagen begonnen worden.

Leihgestern, 11. Mai. Der Gesangverein Eintracht" beabsichtigt, sein oOjähriges Bestehen im nächsten Jahre durch einen großen Gesangs-Wett­streit festlich zu begehen.

A Alsfeld, 10. Mai. Nach fast öOjähriger Dienstzeit am hiesigen KreiSamt starb der im ganzen Kreise geachtete Kanzleirat Wurst ins. Viele KreiSräte und Amtmänner sah er seit 1860 kommen und gehen.

X Nidda, 10. Mai. Die Witterung ist an unteren, Obstbäumen leider nicht ohne schädliche Wirkung geblieben. Schon der scharfe Reif in der Nacht auf den 1. Mai hat die offenen Blüten mancher Aepfelbäume geschädigt. Und nun der letzte Sonntag mit seinem Schneegewilter und ebenso der gestrige ©eioiUertag hat weiteren Schaden gebracht. Heute nacht war wieder stellenweise Reif. Wenn nicht bald warmes Wetter kommt, so ist die Aussicht auf eine reiche Aepfel- ernte vernichtet. Alle Gartengewächse stehen im Wachstum vollständig still. Gestern stard hier der in weiten Kreisen bekannte alte Herr Mengetzur Traube" int Alter von 75 Jahre». Gebürtig von Lasphe im Hinterland, kam er anfangs der 70er Jahre hierher. Das Gasthaus zur Traube ist im Besitz seines Sohnes.

L. Friedberg, 10. Mai. Der Gesangverein£ i c * derkranz" feiert im September d. I. sein Vöjähriges Bestehen. Ein Streik der B ä ck e r g c h il f en scheint hier bevorzustehen. Die Gehilfen hahen den Meistern verschiedene Forderungen unterbreitet, aber nur 12 Gc-, schäfte haben sie bewilligt. Nächsten Samstag wird das Gewerkschafrstärtell Stellung zu der Frage nehmen.

rm. Darmstadt, 10. Mai. Heute wurden die von der Landwirtfchaftskammer angeregten Verhandlungen ber hessischen Sanbroirtfdi aftelebrer über den Pflanzenschutzdienst fortgesetzt. Prof. 'Dr. Hiltner-Munchen, der Direktor des agrüultup botanischen Instituts, hielt im Saale der Vereinigten Gesellschaft einen Vortrag über die zweckmäßige Organisation des Pflanzenschutzdienstes, wobei er seine Erfahrungen be­kannt gab, die er in Bayern gemacht hat. Er berichtete über die Bekämpfung der tterischeu und pflanzlichen Schädlinge des Go treidcs und ivies besonders darauf hin, daß der Pflanzenschutz- dienst nicht nur theoretisch, sondern vor allem praktisch aus geübt werden müsse und damit der ackerbautreibenden Bevöl, ferung wirklich Nutzen bringe. An die Verhandlungen fdM sich ein gemeinsames Mittagsmahl.

d. Mainz, 10. Mat. Der Pole Witta, der ml 88. Infanterie-Regiment diente, hat sich mit seinem Dienst« gewehr erschossen. W. mar als Unsicherer eingezogen