Erstes Blatt
160* Jahrgang
Montag IV.Ottober 1910
BezuqSpret». tBf monatlich 75 Pf.,viettel-
jäbrlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal IbPf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuilleton" und „Vermischtes" K. Neurath; für „Stadt u. Land" und „Gerichts-
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Der Siebener Anzeiger erschein! täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich HiehenerZoiniliendlätter; iwennaiwöchentl.Urel5- vlatt für den Ureir Sieben /Dienstag und Freitag); zweimal monatl. rand- wirtschaftliche Seitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, _ _
MU General-Anzeiger für Oberhessen tS Rotation,druck und Verlag der SrShl'schen Univ.-Vnch- und Steindruckerei B. Laugt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. sS.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Differenzen bei der Strafprozehordnungsresorm.
Der Kur Beratung der Strafprozeßordnungsreform vom Reichstag gewählte Sonderausschuß hat am Donnerstag >ie erste Lesung des weitschichtigen Entwurfes beendet und ich bis zum 18. Oktober vertagt. Unter den Beschlüssen nteressieren natürlich vor allem diejenigen, bei denen sich )ie Mehrheit des Ausschusses nicht nur im Widerspruch u der Regierungsvorlage, sondern nach den Aeuße- ungen der Regierungsvertreter auch im Widerspruch mit )er Regierung selbst besindet. Es ist das vor allem fyer Zeschluß über die Sonderstellung, die den Parlaments- nitgliedern bei Strafverfahren und Strafvollstreckungen in >em neuen Gesetz eingeräumt werden soll, und sodann die trage, ob Laienrichter auch in der Berufungsinstanz zu- .ulassen sind. Ob an diesen Differenzen zwischen der hinter ter Ausschußmehrheit stehenden Reichstagsmehrheit und der Regierung die sganHe Vorlage scheitern wird, läßt sich heute roch nicht fa^en. Denn wenn auch in den in Betracht kom- nenden Ausschußsitzungen vom 23. und 29. September die Regierungsvertreter mit einer Zurückziehung der Straf- irözeßovdnungsreform gedroht haben, falls der Ausschuß ict der zweiten Lesuna seine Beschlüsse nicht ändere, so werten diese Drohungen doch ihre Wirkung verfehlen, und man st in parlamentarischen Kreisen der Ansicht, die Regierung oerde in den beiden strittigen Punkten ein so großes Entgegenkommen beweisen, daß ihr Angebot auch für die Reichs- agsmehrheit annehmbar sein werde. Hat, unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, der Entwurf der neuen Straf- nlMßordnung immerhin begründete Aussicht, Gesetz zu verden, so werden sich zweifellos um die beiden oben gerannten Ausschußbeschlüsse, ehe die Regierung sich zu einem Kompromiß bereitfinden läßt, so heftige Kämpfe im Plenum ntwickeln, daß es schon heute angebracht erscheint, sich mit tiefen beiden Fragen zu beschäftigen.
Bekanntlich genossen bisher die Mitglieder des Reichs- ags und der Landtage das Vorrecht, daß gegen sie während >er Dauer der Sitzungsperiode ein Strafverfahren im allgemeinen nur mit Zustimmung der Parlamente eingeleitet werben konnte. Diese Bestimmung hat natürlich den Zweck, lesonders strebsamen Staatsanwälterr in Zeiten politischer /risen die Möglichkeit zu nehmen, der Regierung opponie- ende Abgeordnete in Untersuchungshaft bringen z>u lassen cnd dadurch die Opposition lahmAulegen. Denn nach einem ekannten Ausspruch genügen schon drei geschriebene Zeilen, im einen Menschen aufs Schafott, wie viel weniger, um hn in Untersuchungshaft zu bringen, vor der eigentlich liemand sicher ist. Trotzdem wies diese Bestimmung insofern ine Lücke auf, als die Vollstreckung einer gegen Abgeordnete rkannten Freiheitsstrafe jederzeit, also auch während der Tagung des Parlaments, beliebt werden konnte, eine im Sinne der Regierung schaltende Justiz also auf diese Weise ehr gut oppositionelle Abgeordnete der Ausübung ihres Nandats entziehen konnte, wofern gegen sie auf eine Frei- leitsstrafe erkannt worden war. Der Ausschuß hat deshalb n der Sitzuna vom 23. September einen neuen § 471a be- chlossen, der da lautet:
„Gegen Mitglieder gesetzgebender Versammlungen des Deut- chen Reiches oder eines Bundesstaates darf während der Sitzungsperiode der Versammlung nur mit deren vorheriger Genehmigung 'ine Freik^itsstrafe in Vollzug gesetzt werden. Jede gegen ein Mitglied solcher Versammlungen vor deren Zusammentritt be- wunene Vollstreckung einer Freiheitsstrafe wird auf Verlang«: Der Versammlung für die Dauer der Sitzungsperiode ausgesetzt."
Ein Mißbrauch dieser neuen Bestimmung seitens einer
Gietzener Stadttheater.
Der Verschwender
Von Ferdinand Raimund
Gießen, 10. Okt.
Tie gestrige Aufführung von Raimunds beliebter, nahezu hundert Jahre alter Zauberposse vom Verschwender gab unserer Bühne hinreichend Gelegenheit zu einer märchenhaften, glanzvollen Ausstattung. Das gesamte technische Personal hatte sich unter zielbewußter Leitung zu einem regen, hocherfreulichen Wetteifer verbunden, um alle fünfte des Theaters zu, einem gelungenen, farbenprächtigen Ganzen zu vereinen. Was unsere Bühne in dieser Art zu leisten -imstande ist, das'hat sie gestern geleistet, und sie hat einen starken Erfolg damit gehabt. Es würde zu weit führen, wenn hier alle die gelungenen Szenerien aufgeführt werden sollten, ein paar seien nur herausgegriffen: Die Beschwörung in der goldenen Feenhalle, der nackte Fels, der sich zum blumengeschmückten Berg Häuschen verwandelt, der Ausblick auf die Landschaft, das Gestade des Sees, die Ruine des Schlosses, und Cheristanes Blumenthron. Wer auch die übrigen Einrichtungen 'toaren sehr ansprechend und zeugten von eifrigem Bemühen und geschmackvoller Regie- kun'st. Sehr rührig und stott zeigten sich auch die stummen Spieler, int Jargon der Bühne: die Komparserie, die sich unter Herrn. Bakofs Leitung verständnisvoll und wendig bewegte.
Im Mittelpunkt des Stückes steht — trotz des Titels, der ursprünglich übrigens Der Dankbare lauten sollte -- der humorvolle, gütige Valentin, durch den das Werl weit über den Rahmen einer Zauberkomödie hinausgehoben wird. Hermann Norden wurde der großen Aufgabe gerecht. Er zeichnete den lustigen, geschwätzigen Lakaien mit ergötzlichem Humor und sand auch als biederer, grundgütiger Handwerlsmann von wahrhaftem Herzenstakt den richtigen, humorvoll-wehen Ton, wenn er auch Nachdruck auf das llebermuttge legte. Bei seinem heiteren Spiel formte sich selbst der bedrohte Kammerdiener Wolf, den Kurt Gühne — durch die Nachmittabsvorstellung anscheinend abgespannt — etwas müde schelle, eines
gesetzgeberischen Körperschaft ist natürlich nur in der Theorie Lenkbar. Denn bei unseren deutschen Verhältnissen wird ein Parlament niemals einen wirklichen Verbrecher der Strafvollstreckung einige Zeit entziehen wollen, um ihm vielleicht die Möglichkeit zur Flucht zu geben.
Ist diese Bestimmung also im wohlerwogenen Interesse nicht nur der Abgeordneten und des durch sie vertretenen Volkes, sondern auch im Interesse der Regierung selbst vom Ausschuß beschlossen worden, so daß man sich eigentlich über den Widerstand der Regierung dagegen wundern muß, so liegt im Gegensatz zu dieser nur staatsrechtlichen Frage die andere, die Zulassung von Laien- richternzurBerusungsin stanz, auf eminent praktischem Gebiet. Denn darüber kann fein Zweifel sein, daß ein großer Teil des deutschen Volkes zu der bevorstehenden Neuordnung unserer Justizpflege herzlich wenig Vertrauen hätte, wollte man es bei den Bestimmungen des Regierungs- entwurses bewenden lassen, und zwar zu der Strafkammer als erster Instanz Laienrichter hinzuziehen, dagegen die Be- rusungskammer gegen die Urteile der ersten Instanz nur mit Berufsrichtern ausstatten. Es würde dann im wesentlichen, da es an Berufungen der Staatsanwaltschaft gegen das „Laiengericht" selten fehlen würde, nur das Schwergewicht der Strafkammerentscheidungen in die Berufungsinstanz verlegt werden. Der Ausschuß hat deshalb beschlossen, die Berufungsinstanz mit 3 Richtern und zwei Schöffen auszustatten, besindet sich aber dabei im Gegensatz zur Regierung, die für die ausschließliche Besetzung der Be- rusungsinstanz mit Juristen deren juristische Fachkunde, sowie den Umstand ins Gefecht führt, daß es an geeigneten Schöffen ^für die Berufungsinstanz fehlen würde, nachdem man bereits die Strafkammern erster Instanz mit Laienrichtern ausgestattet hätte.
Dem ist aber, was das fachliche, formelle Uebergewicht des Juristen über den Laien aillielangt, entgegenzuhalten, daß es sich bei der Berufungsinstanz nicht nur um eine Nachprüfung der rechtlichen Auffassung der ersten Instanz handelt, sondern um eine Wiederaufrollung der ganzen früheren Verhandlung. Und dafür sollten, zumal im Verhältnis von 2:3, Laienrichter nicht geeignet sein, denen man doch bei den Schwurgerichten die Entscheidung der Schuldfrage in weit schwereren Fällen anvertraut? Der Behauptung der Regierung aber, es fehle für die Besetzung der Berufungsinstanzen an geeignetem Schöffenmaterial, muß umso energischer widersprochen werden, als einmal durch die Einführung des Amtsrichters als Einzelrichter an Stelle der früheren Schöffengerichte, sowie durch die Kompetenz- beschränrung der Schwurgerichte an Laienrichtern gespart wird, und sodann auch die Gewährung von Tage- und Reisegeldern an Schöffen und Geschworene einen weiteren Kreis der Bevölkerung schöfsensähig macht.
Deutsches
Das Wölfische Bureau meldet aus Friedberg: Von autorisierter Seite geht uns zu, daß der Kaiser Nikolaus beabsichtigt, in der ersten Hälfte des Novem- berdenKaiser Wilhelm in P o tsd am zu besuchen.
Wie der Reichstagsabgeordnete Napier alski der „Schles. Volksztg." mitteilt, wird er ein Mandat bei den nächsten Wahlen nicht mehr annehmen.
In einem Anfall von Geistesgestörtheit erschoß sich in Leipzig der freikonservative sächsische Landtagsabgeordnete für Leipzig-Land, Verlagsbuchhändler Dürr.
In B a m b e r g wurde in Gegenwart des Prinzen Rupprecht von Bayern als Vertreter des Prinzregenten das Denkmal Königs Ludwig II. enthüllt. Der Feier
leichten Lächelns nicht erwehren. Rudolf Goll war als reicher Verschwender frisch und schneidig, aber als zerlumpter, heimatloser Bettler fand er sich nicht so recht. Charlotte Hill zeigte sich als Kammermädchen temperamentvoll, aber schlecht geschminkt, als Handwerkerfrau dagegen erschien sie in prächttger, charakteristischer Maske und verstand es vorzüglich, ihr Spiel mit ihrem Aeußeren in Einllang zu bringen. Rolf Gun o l t gab den dienstbaren Geist Agur überlegt und ausgearbettet, Fränzi Koch die Fee Cheristane mit etwas seelenloser Anmut. Lore Scholz schuf ein alles Weib von drasttscher Komik.
Der zwelle Aufzug brachte als Einlagen: Aus Figaros Hochzeit Canzone und Arie des Pagen, die Lissy Heg ermann unter starkem Beifall sang, und eine von Lina Oldini einstudierte MaMrka-Quadrille, die ebenfalls sehr freudig ausgenommen wurde. Das Orchester unter Fritz Hollfelds Leitung brachte ixie Kreuzersche Musik zu bester Geltung.
Am Nachmittag wurde Björnsons Lustspiel: Wenn der junge Wein blüht, im wesentlichen in derselben Besetzung wie in her vorigen Spielzeit unter Hermann Bakofs Leitung gegeben und hatte starken Beifall.
— Die 3. Rhein-Mainische Volksakademie in Wetzlar. Der Rhein-Mainische Verband für Vollsbildnng hatte für die Zeit vom 25. September bis 5. Oktober Angehörige der verschiedensten Berufsschichten und religiösen und politischen Gruppen zur Beratung der brennenden Fragen der Volkserziehung, Volksbildung, von deren Lösung ziu einem guten Teil die Gesundung unseres Volkslebens abhängt, nach Wetzlar eingeladen. 19 Arbeiter, 19 Lehrer und andere Schulmänner, 4 Pfarrer, 3 Schriftsteller, 2 Studenten, 6 Angehörige anderer freier Berufe und 11 Frauen waren seinem Rufe gefolgt — eine Beteiligung, die die Erwartungen weit übertraf. Trotz gelegentlichem heftigen Auf- einanderplahen der verschiedenen Meinungen verband die aufrichtige Liebe zum Volk — ein Begriff, unter dem immer die Nation in ihrer Gesamtheit, nicht eine einzelne Klasse verstanden wurde — alle Teilnehmer zu einer fieundschaftlichen Gemeinschaft. Neben der Arbeit boten die gemeinsamen Mahlzeiten, Ausflüge usw. Gelegenheit, sich einmal, von der Fessel bet Standesvorutteile frei, als Mensch unter gleichstrebenden Menschen zu fühlen. Alle waren
schloß sich ein von der Stadt gegebenes Festmahl an, sowie ein Festig mit 200 Krieg er vereinen als Huldigung für den Prinzen.______________
Ausland.
Da der finnländische Landtag die Beratung der Gesetzesvorlagen über die Gleichberechtigung aller russischen Untertanen in Finnland und über die Ablösung der Wehrpflicht der Finnländer durch die Zahlung einer Summe an die Staatskasse abgelehnt hat, gab der Kaiser von Rußland den Befehl, auf gründ der > am 30. Juli 1910 erlassenen Gesetze für Finnland diese Vorlagen in d er Reichsduma einzubringen. Der finnische Landtag wurde aufgelöst. Die Neuwahlen wurden auf den 2. Januar neuen Stils, der Zusammen^ tritt des Landtags auf den 1. Februar angesetzt.
In der Sitzung derspanischenKammeram Samstag sprach der Ministerpräsident Eanalejas über die Kundgebungen der Katholiken und der Arbeiters Es gäbe auf der Rechten und der Linken Elemente, die in einer Art Vergingen, die man als Aufreizung zum Bürgerkrieg bezeichnen müsse. Die Haltung der Klerikalen sei aufrührerisch und ungesetzlich. Canalejas sprach dann über die Beziehungen Spaniens zu dem Vattkan und setzte auseinander, baß bie Nachgiebigkeit der öffentlichen Gewalten in Spanien gegenüber der Kirche zu einer Aufsaugung des Staates durch die Kirche geführt hätte. Ter Klerikalismus habe die bürgerlichen Freiheiten und die Gewissensfreiheit zerstört. Tie Regierung beabsichtige keineswegs die Beziehungen zu Rom abzubrechen, sie wolle diese vielmehr enger gestalten. Außer Cadenas Gesetzantrag werde die Regierung binnen kurzem eine Gesetzesvorlage einbringen zur Regelung der rechtlichen Lage der religiösen Genossenschaften. Die^von dem früheren liberalen Minister Gasset beantragte Tagesordnung, welche der Regierung das Vertrauen ausspricht, wuroe mit 147 Stimmen der Liberalen angenommen, die anderen Parteien enthielten sich der Abstimmung.
Depeschen aus Kussove in Mazedonien melden, daß die Stadt militärisch besetzt sei. Die Einwohner werden §um Teil gefangen gesetzt und wurden mißhandelt; andere wurden in ihren Häusern fest- gehalten, so daß sie Gefahr liefen, Hungers zu sterben.
Nach einer Depesche der „Newyork ©un" aus Guatemala flohen die in.A m a p a l a (Honduras) lebenden Ausländer aus der Stadt, nachdem der Stadttommandant besohlen hatte, alle Engländer und Amerikaner festzunehmen und ihr Eigentum zu konfiszieren. Der englische Konsul entkam nur mit genauer Not unter dem Kugelregen der Soldaten des Kommandanten; dieser wollte auch den englischen Geschäftsttäger verhaften lassen, den er beschuldigt, die Bevölkerung zur Revolution auszureizen. Der Kommandant droht, beim (Eintreffen des englischen Kriegsschiffes, um dessen Entsendung der Konsul gebeten hat, die Stadt niet) er brennen zu lassen.
Aus Hongkong wird gemeldet: Die Marinebehörden zogen aus Besorgnis vor dem Ausbruch einer fremdenfeindlichen Bewegung in Kanton vertrauliche Erkundigungen ein, um rechtzeitige Maßregeln zum Schutze der brittschen Untertanen ergreifen zu können.
zugleich Empfangende und Gebende; besonderen Dank erntete der bewährte Sozialpädagoge Prof. Natorp aus Marburg, dessen Vorträge über Pestalozzis Gedanken zur Volkserziehung das Gerippe darstellten, an das sich die übrigen Verhandlungen angliederten. Jeder, der die Wetzlarer Tage miterlebt hat, bat wohl reiche Anregung mitgenommen für das große Werk der Volkserziehung, das allen am Herzen lag.
— Der wissenschaftliche Kursuszum Studium der Alkoholfrage, der vom 16. bis 19. Oktober im Katharinensaal zu Colmar stattftndet, hat in weiten Kreisen lebhaften Anklang gefunden, wie daraus hervorgeht, daß sich schon gegen 300 Teilnehmer gemeldet haben. Sonntag den 16. Oktober wird die zu gleicher Zeit stattftndende Wanderausstellung über den Alkoholismus im Kaufhaussaal eröffnet. Abends findet ein Lichtbildervortrag zur Alkoholfiage statt. Der berühmte Rassenhygieniker Professor Dr. von Gruber spricht am Montag abend über den „Alkoholismus im Zusammenhang mit den sozialen Problemen der Gegemvart". Am Dienstag nachmittag findet eine gemeinsame Besichtigung der Pflege- und Heüanstalt in Ruftuh unter Führung und mit einem Vortrag ihres Leckers Direktor Dr. Groß statt. ' i
— Ein H eine-DenkMal in London. In der britischen Hauptstadt beschäftigt man sich mck dem Plane, Heinrich Heine eine Ehrmzg zu erweisen: an dem altertümlichen Hause in der Graven Street, in dem Heine 1827 während seines Besuches in England wohnte, soll eine schön gearbeitete Tafel angebracht werden, die jeden Vorübergehenden daran erinnern soll, daß hier der berühmte Lyriker einst als Gast Englands weilte.
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. In der Eröffnungssitzung des 9. Deutschen Samaritertages int Alten Rathause zu München wurde bekanntgegeben, daß die Goldene Esmarchmedaille für hervorragende Verdienste auf dem Gebiet des Samariterwesens verliehen wurde: der Wckwe Professor Esmarä)s geb. Prinzessin Henriette zu Schleswig-Holstein, der Fürsttn Metternich-Sandor, dem Fabrikbesitzer Frcksche Leipzig, dem Branddirektor Weigaiidt-Chemnitz und dem Professor Rens Sand-Brüssel. — Ter Internationale Ausschuß für Höhen- und Sonnenforschung unter dem Vorsitz Leon Bourgeois beschloß, roic_ aus Brüssel gemeldet wird, xnr Fottsetzung ihrer Arbeiten über die Wirkung des Sonnenlichtes eine zweite Expedition in das Hpck>gebirge des P ic von Teneriffa zu entsenden. — In Lemb erg ist die polnische Schriftstellerin Marja Konotzn; ck.a gestorben.


