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Dienstag 1V. Mai 1910
Zweites Blatt
160. Jahrgang
Nr. 107
Gießener Anzeiger
Erscheint Ulgllch mit Ausnahme be5 Sonntag».
General-Anzeiger für Gberhesfen
Die ^Otetznter Fa«NtendlLtter" werden dem „Anzeiger' otermoi wöchentlich beiflelegt, da» „Kreisblati Mr den Kreis Gkfjen'' zweimal wöchentlich. Die ..Landwirllchafttichen rett- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Unwersitäls - Bilch- und StctnbnufeceL 9L Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Derlag: e^5L Redaktion:«^ 112. Tel.-Adr.: AnzelgerSießen.
Segen die öeutja)c vormunüjchaft über die französischen weine
ergebt der „Demp s" in einem längeren Artikel energischen Widerspruch, wobei er auf zahlreiche Mißstände, auch der neuen deutschen Wein-Gesetzgebung, zu sprechen kommt. Es wird zunächst ausgeführt, daß die Deutschen ausgezeichnete Verbraucher der fränkischen Weine sind, daß die französischen Gastwirte einig sind, die Deutschen allein retteten sic vor dem Verderben, und hinzugesügt, daß die alten überhebungsvollen französischen Ansichten, wie die Montaignes, die Deutschen juchten nur Massen Wein zu vertilgen, ohne feine -Qualität zu beachten, für die moderne Zeit durchaus nicht mehr zutreffend sind. Aber die deutschen Verbraucher litten ja hauptsächlich unter den derzeitigen Verhältnissen, die folgendermaßen zu charakterü- ieren roärcn: Auf den Karten der deutschen Gasthäuser indet man nicht die bekannten Namen französischer Marken, andern Mvdoe-Meyer, Saint-Estöpye-Schnribt, Saint-Emi- ion-Müller. Und das kommt daher: In Bordeaux kaufen )ie deutschen Großhändler Weinvorräte auf, die sie in Tonnen nach Deutschland schicken, nicht in Flaschen, um die hohen Zollsätze zu vermeiden. T-iese in Bordeaux getauften Weine sind natürlich von den französischen Weinhändlern mit südlichen Weinen verschnitten. Aus den Kellern der Schmidt, Meyer und Müller, die natürlich ihr Schnittchen so groß wie möglich machen, kommt der Wein erst an die Hatbgrossistcn und von diesen an die Detail- bändler. So ergibt sich, daß der Bordeaux, der von Schmidt, Meyer und Müller mit einer Mark verkauft wird, den Konsumenten auf zwei Mark zu stehen kommt. Es wäre aber leicht möglich, diese verschnittenen Bordeauxweine den deutschen Verbrauchern direkt für 95 Pfennige Die Flasche zuzu- sühren, wenn sich die Bordeauxweinhändler zu selbständigem 2lLsatze in Deutschland zusammen täten. Das ist nun aber kein echter Bordeaux, kann aber in Deutschland als solcher verkauft werden, da bekanntlich seit dem 7. April 1909 jedes Getränk nach dem Bestandteile genannt werden lann, das mehr als 50 Proz. von ihm bildet. So kann Bordeaux oder Burgunder unter diesen Bezeichnungen verlauft werden, wenn sie auch nur 51 Proz. wirklichen Bordeaux oder Burgunder haben, dagegen 49 Proz. spanische pder italienische Verschnittweine. So wird der Ruf der französischen Weine herabgesetzt und der deutsche Verbraucher gleichzeitig übervorteilt. Das Sch)limmste aber für Frankreich ist, daß diese Bordeaux- oder Burgunderweine von .Camburg und Bremen in alle Welt verschickt werden, so daß man beispielsweise in einem Londoner Gasthause Flaschen mit folgender Aufschrift erhält: Saint-Estöphe-Shipped and bettled in Germann expreß ly for Simpsons Restaurant Bird in hand-court Ehcapsido London. Man kann berechnen, daß Frankreich durch die 49 Proz. Verschnittweine an Wsatz eigner Weine in Deutschland allein 30 Millionen jährlich verliert, die den Winzern des Bordelais und Bourgogne Zufällen würden, trenn nur absolut reine Bordeaux- und Burgunderweine in Deutschland zugelassen würden. Da mithin die Interessen der französischen Winzer und der deutschen Weinverbraucher geradezu zusammen fallen, so wäre von beiden Seiten etwas U.nternehmungsmut hinreichend, um die Zwischenhändler ouszuscheiden, die die deutschen Weinrrinker ausbeuten und die französischen Winzer ruinieren. Heute liegt aber die Sache so, daß französische Weinreisende in Deutschland keine Bestellung unter- bringen können, wenn sic echte Schloßabzüge anbieten, weil die Deutschen aus Unkenntnis nur die Schmidt, Meyer und Müller als echte „Bordeaux" oder „Burgunder" kennen.
Zur hessischen Bauordnung.
Vom Abgeordneten Köhler-Langsdorf erhalten wir folgende ergötzliche Zuschrift:
Manchem im Lande mag cs bekannt geworden sein, daß ich in der Landwirtschaftskammer den Antrag gestellt habe, und dieser Antrag e i n st i m m i g c Annahme gefunden hat, die B a u- ordnung zu revidieren, in ihr nach Stadt und Land getrennt zu verfahren und besonders dem unleidlichen und vielfach un-
Iinnigen Brandmauer we,en uenmiuage grenzen zu legen.
Damit nun die Großh. Regierung, die fast immer nur „n a ch den Akten" zu urteilen in der Lage ist, an handgreiflichen Beispielen die „Reparaturbedürftigkeit" der Baunrdnung erfahre, möchte ich empfehlen, in diesen Blättern, die ja von allen Zimmerleuten, Bauunternehmern und Maurern gehalten und gelesen werden (besonders wegen der in ihnen erscheinenden Holzvebteige- rungs- und anderen Bau-Anzeigen-, fortgesetzt die krassesten Fälle Mir öffentlichen Kenntnis zu bringen. Auch dies bedeutete „eine Flucht in die Oefsentlichkeit". Und cs wäre dem „Gießener Anz." hob) anzurechncn, wenn er auch in dieser Hinsicht dem Kampf um Förderung des öffentlichen Wohls seine (Spalten öffnen würde.
Der erste Fall! Ter Zimmermeister Karl Bausch zu Langsdorf soll auf Grund der Bauordnung gezwungen werden, einen von seinem Wohnhause nach feinem Kuh stall führend Gang, der auf einer Seite ganz offen i st und auf der offenen Seite an den offenen Misthof grenzt, entweder durch eine solide Mauer oder durch eine eiserne Türe zu unterbrechen.
K u h st a l l
Scheuer
Gerätehalle • Millhof
eil. Siaubuiauer Q E Säule
Türe!!! Mischof — Schweine- Säule stall Misthos
Küche
Hausflur
Wohnhaus
Denn der Zimmermeister Karl Bausch diese eiserne Türe ober eine Mauer dort anzubringen gezwungen bleibt, so fürchtet er, wie er mir mitt eilt, von der gesamten Einwohnerschaft pls Einer angesehen zu werden, „dem's nicht ganz wohl ift".
Langsdorf, 9. Mai 1910.
Köhler-Langsdorf, Landtagsabg. und Mitglied der 'Landwirtschaftskammer.
Generalversammlung öe$ Urekziegcnzuchtvereins.
O Gießen, 9. Mai.
Unter lebhafter Beteiligung der Bürgermeister des Kreises und vieler Ziegenzüchter sand die Generalversammlung des Ziegenzuchtvereins für den Kreis Gießen im Cafd Ebel statt. Der Vorsitzende, Regierungsrat Dr. Merck, erstattete den Jahresbericht, nach dem das abgelaufene Jahr recht befriedigend war. Während der Verein 1909 12 Ortsvereine mit 694 Mitgliedern befaß, sind es jetzt 13 Ortsvereine mit 727 Mitgliedern, neu ausgenommen wurde Bellersheim mit 34 Mitgliedern. Dazu kommen als korporatipe Mitglieder 39 Gemeinden mit je 5 Mk. Jahresbeitrag. Vereinsgründungen stehen bevor in Daubringen, Steinheim, Trais-Horloff, Rodhcim und Langd. Nur die Tiere von Dichtern, die dem Verein angchören, werden ins Zuck'tregister eingetragen und bei Prämiierungen berücksichtigt. Die Ankörung erstreckte sich auf 154 Ziegen und 7 Böcke; cs wurden angekört in Gießen 14 Ziegen und 4 Böcke, Bellersheim 27, Großen-Bufeck 17, Utphe 14, Daubringen 14, Wiescck 10, Großen-Linden 11, Inheiden 9, Steinberg 9, Lich 9, Obbornhofen 6, Lang-Göns 4, Watzenborn 4 und Leihgestern 5 Ziegen. Vorträge wurden gehalten durch den Beamten der Lond- wirtschaftskammer Kreutz in Wieseck, Gießen, Obbornhosen, Inheiden, Bellersheim und Utphe. Am 7. Juli 1909 fand in Gießen der erste Ziegenmarkt mit Prämiierung statt. Trotz des schlechten Wetters war das Ergebnis recht erfreulich. Bei der Prämiierung wurden 120,90 Mk. ausgegeben.
Der Ziegenmarkt für 1910 wurde nach längerer Erörterung auf den 6. Juli festgelegt, an welchem Tage zugleich Vieh- und Krämermarkt ist. Für Prämiierung find etwa 150 Mk. vorgesehen. Der Zuchtoiehmarkt in Alsfeld ist am 13. Juli und der Ziegenmarkt in Bad-Nauheim am 7. Sept. In Hungen ist eine Ortsschau für Ziegen. Zum Gießener Ziegenmarkt stellt die Landwirtfchaftskammcr 150 Mk. zur Verfügung. Es wurde ein Ausschuß für die Vorbereitungen bestimmt; er besteht aus Regierungsrat Dr. Merck, Zuchlverwalter Kreutz, I. Weisel- Gießen, Schmall-Gießen, Schäfer-Gießen, Langsdorf-Leihgestern und Fabcr-Großen-Linden. Zn Preisrichtern wurden Sekretär
wo die Straften weiter werden.
Unter dieser, den Titel von Alfred Bocks erster Novellen- fammlung lustig verändernden Ueberschrist wird uns geschrieben:
Im Nordweftcn unserer Altstadt, rechts und links der Neustadt, hat mau in den letzten 10—15 Jahren mit einem gewissen System Hand angelegt, um alte ungesunde Straßenzüge zu beseitigen, um auch in den alten Wohnvierteln unseres Gemeinwesens Luit und Licht zu schaffen. Hierdurch und durch die Anlage der Kanalisation ist manch altes Straßcnbild zerstört, aber auch viele häßliche und unfck)öne Winkel, die in den vergangenem. Jahrhunderten eine besondere Eigenart Gießens bildeten, ver- schwandeu oder find im Verschwinden begriffen. Demnächst wird lieber ein Stück von Alt^ießen zeitgemäßeren Verhältnissen Platz machen. Wir meinen die Sandgassc, an deren unterem nach der Neustadt zu gelegenen Teil bereits eine Bresche gelegt ist, und die in der Art, wie man Häuschen an Häuschen zusammengepfercht hatte, an Gießens Festungszeit erinnert.
Eine Anzahl der alten Häuser an der Straße ist schon verschwunden, ein Teil der Wohnhäuschen ist bereits von den Bewohnern geräumt und wird bald niedergelegt werden.
Die Sandgassc, eine enge winklige .Straße, die ihren unscheinbaren Zugang von der Mitte der Marktstraßc hat (zwischen den Häusern Pistor Nachf. und der Witwe Marx> und in der Mitte der Neustadl, in der Nähe der Gailschen Besitzung endet, liegt fernab vom Verkehr. Von dem .eigentlichen Zuge der Straße Aweigen sich besonders in dem Teil hinter den Grundstücken der Neustadt, rechts und links kurze Sackgassen ab, die zusammen betrachtet eine Gruppe von stillen Winkeln bilden und die für das Auge des Künstlers manch malerisches Mottv enthalten.
_ Hier an diesem Gewirr von -Winkeln floß früher, oder besser floß eben nicht, „die" schon von den ältesten Chronisten unserer Stadt als übelriechend bezeichnete Bach dahin, die vor einigen Jahren mit der Kanalisation erst beseitigt werden konnte.
Hier, wo die Straßen enger werden, hat seit Jahren zumteil 8*ic Stadtverwaltung, zum größeren Teil aber der Inhaber der Birma Georg Philipp Gail ein Anwesen nach dem anderen an- gge!auft,_ um die nicht mehr zeitgemäßen, etwa 300 Jahre alten Wohnstätten der Menschen dem Abbruch zu weihen. Mtt dem Verschwinden dieses Teiles der Sandgasse hat man der Allgemein- Weit einen großen Dienst geleistet, da hierdurch in gesundheitlicher Beziehung eine Gefahr für die ganze Stadt beseitigt wird.
Die kleinen und niedrigen Wohnräume der Sandgasse wurden «echt billig vermietet und hatten daher eine recht seßhafte Bevölkerung.
Akanchcs der Häuschen ist über hundert Jahre im Besitz ein und derselben Familie gewesen und verschiedenllich hatte ein Haus zwei Eigentümer. In der Sandgasse wohnten noch zu Ausgang des vorigen Jahrhunderts angesehene Gießener Handwerker, deren Nachkommen heute mtt den modernen Mitteln der Technik ihr Gewerbe betreiben. Es find wohl noch etwa 20 Gebäude, die niederaclegt werden, um einer Straße Platz zu machen, die, wie die Stadtverordneten jüngst beschlossen haben, die Neustadt mit der Kirchstraße verbinden foirb. In diesem stillen Winkel liegt auch das älteste GießenerBrauhaus, worin früher das berüchtigte dünne, süße, braune Gießener-Bräu hergcstellt wurde, das dann im Lose Riemen Aum Ausschank kam. Heute dient das ehemalige Brauhaus der Firma Pistor als Lagergebäude. Eine in Stein gehauene Inschrift am Hause besagt, daß der Bau 1671 von Johann Oswaldt, damals „im Naht der jüngste Herr", erbaut ist. Wenige Schritte davon befindet sich Gießens älteste Bastille, die nach der eingemeißelten Jahreszahl 4701 erbaut ist. Das alte Gefängnis ist in seinem Innern mehr wie interessant. Es dient heute als Polizeiarresthaus und ist zu längerer Unterkunft nicht mehr geeignet. Die eisenbeschlagenen schweren Türen der Zellen mit den alten, starken Sicherheitsvorrichtungeit und Schlössern, sowie die ganze Anlage zeigt, im Vergleich mit her Einrichtung moderner Gefängnisse, wie man auch auf diesem Gebiet seit 2 Jahrhunderten Fortschritte gemacht hat.
Es wird nickt mehr lange dauern, dann wird die neue Zeit auch am oberen Teil der Sandgassc Hand anlegen, um von der Marktstraße aus einen breiten Zugang zu dem dahinter liegenden Baugelände zu schaffen. Ein Fehler wäre es nicht, wenn dies recht bald geschehen könnte.
*
— Der Dichter der „Marseillaise. Rouget de l'Jsle, der vor 150 Jahren, am 10. Mcri 1760, das Licht der Welt erblickte, ift einer von den Künstlern, die vielerlei geschaffen haben, aber nur durch eine einzige Schöpfung zur Unsterblichkeit gelangen. Claude Joseph Rouget de l'Jsle wurde zu Lons-le-Saulnier geboren, ging 1791 als Jngenieurhaupt- mann nach Straßburg, machte den Feldzug unter Hoche mit, wurde bei Guiberon verwundet und brachte seinen Lebensabend in sehr bedrängter Lage, sogar int Schuldgefängnis zu. Außer der „Marseillaise" hat er noch drei Revolutionslieder komponiert: die „Hymne dytherambique sur la com'piration de Robcspierre" (1794), einen „Chant de vengeances" (1798) und einen „Chant du combat" (1800). Diesen letzteren Gesang hatte er für die ägyptische Armee Bonapartes bestimmt. Außerdem stammen von
^cywarz-Gießcn und Hanpt-Nieder-Wetsel bestimmt, Preisrichter für Hungen ist I. Weisel-Gießen. — 1909 fand in Grünberg eine Ziegenschau statt, die leider sehr icßtoad? besucht war, obwohl die Lanbwtrtt'chaftskammcr 150 Mk. bereit gestellt hatte. Gerade im Bezirk Grünberg ift noch viel zu tun. Jetzt soll durch Vorträge Aufklärung gebradjt werden. Es melden sich die Gemeinden Lauter, Queckborn, Grvßen-Duseck, Steinbach, Alten-Buseck, Burkhardsfelden, Trohe und Großen-Linden für Vorträge. 1909 wurde die deutsche Landwirtschafts-Ausstellung in Leipzig beschickt, an den Ober hessischen Verband kam ei« SammelvreiS von 90 Mk.
Zuchtverwaller Kreutz gab seine Eindrücke bei den Körungen bekannt und ermahnte zu besserer Fütterung, Pflege und Haltung, besonders solle man der Klouenpflege mehr Beachtung schenken. Vielfach waren Lämmer zu früh gedeckt worden, so daß die Nachsucht klein blieb. Durch gute Haltung zeichneten sich vor allem aus Inheiden, daneben auch Lang-Göns und Großen-- Linden. In Großen-Buseck herrschen noch die langhaarigen Ziegen vor, nach den Zuchtvorschriften müssen die Tiere kurzhaarig sein.
Eine Vermittlungsstelle für An- und Verkauf und Umtausch von Böcken, Ziegen und Lämmern ist für den Kreis eingerichtet.
Zuchlverwalter Kreutz ist der Vorsitzende. Leider hat die Beteiligung nachgelassen, obwohl die Einrichtung sehr segensreich wirken könnte. Kreutz betont, daß die Vermittlungsstellen nur dann den rechten Erfolg hätten, wenn die Zuchtbuchführung allgemeiu cingeführt würde — 90 Prozent der Käufer verlangen die Abstammung —, und in den Ziegenzucht-Zeitungen Anzeigen erlassen und dadurch der Kreisveretn Gießen besser bekannt würde. Bor allem müsse die Ausstellung der deutschen Landwirtschafts-, Gesellschaft in Kassel beschickt werden. Gerade die Ausstellungen haben den Vereinen zu Alsfeld und Lauterbach so große Erfolge gebracht. Zur Übermittlung bei Kauf waren nur 5 Lämmer aus Leihgestern gemeldet. Bei Tausch sollten die Gemeinden nicht so eigennützig sein. (Alsfeld hat 1909 für 5000 Mark, Lauterbach für 4000 Mark an Lämmern umgcsetzt.) Alsfeld unb Lauterbach können im ganzen Deutschen Reich konkurrieren. Der Vorsitzende teilte bann mit, daß die Bezirkssparkasse Gießen dem K'reis- Ziegenzuchtverein 100 Mark überwiesen habe.
Die Jahresrechnung für 1909 zeigte 475,97 Mark Einnahme und 311,57 Mark Ausgabe, sowie ein Vermögen von 636 Mark. Dem Rechner Schupp wurde Dank ausgesprochen. Zum Rechner und Schriftführer wurde Kreisamtsgehilfe Becht- hold neu gewählt. Der Voranschlag für 1910 wurde mit 725,40 Mark genehmigt, nachdem eine lebhafte Aussprache stattgefunden hatte. Herr Kreutz führte aus, die Mittel des Vereins seien zu gering, die Mitgliederbeiträgc von 20 Pfg. füi das Jahr und der Gemcindjen von; 5 Mark zu niedrig. In Friedberg zahlt das Mitglied 1 sDtarf, die Gemeinde 10 Mark. Der Kxeis sollte einen Zuschuß geben, wie z. B. Friedberg 200 Mark. Junge Böcke sollten angekauft, auf die Weide getan und tim Herbst verkauft werden. Der landw. Bezirksverein und der Provinzialverein müßten Beiträge leisten, wie anderswo auch. ijSimn könnten größere Beträge für Stallschauen eingestellt werden, und gerade diese seien zur Aufklärung sehr zweckmäßig. Dieses Jahr sollte auf Vereinskosten ein Wärter nach Hamburg geschickt werden und nächstes Jahr derselbe nach Kassel. Die Züchter Schmall- und Weisel-Gießen und Lotz-Leihgestern stellen den Anttag, die Mitgliederbciträge auf 50 Pfg., die Gemeindebeiträge auf 10 Mk. schon für 1910 festzusetzcn, da 1911 größere Aufwendungen zu machen sind, finde doch außer -der Kasseler Ausstellung auch eine Kreistierschau im Kreise Gießen statt. Weisel will mehr Stallschauen gehalten haben, damit die Pflege besfcr werde. Der Antrag Lotz-<^chmall-Weisel bezüglich der Beiträge wurde s^ieß- lich für das Rechnungsjahr 1911 angenommen. Die Gemeinden werden ersucht, in Anbetracht der Wichtigkeit der Ziegenzucht, ihre Beiträge auf 10 Mk. zu erhöhen.
Bezüglich der Kennzeichnung der Lämmer hebt Herr Kreutz hervor, daß die Tiere mit Jungvichmarken besser zu verwerten seien. Als Körkommissionsmitglieder wurden Philipp- Steinberg und Schmall-Gießen bestimmt.
Auf 'Anregung des Landwirtschaftskammer-Bcamten Kreutz soll die Ausstellung in Kassel beschickt werden. Die Körkommmions-Mitglieber und die Herren G. Schäfer-Gießen werden mit den Vorbereitungen beauftragt. Vom Kreisverein werden 6 ältere, 6 jüngere Ziegen, 6 Lämmer und 3 Böcke ausgestellt.
Die Vertrauensmänner sind für Bezirk Oberhörqern—Lang- Göns Bürgermeister Rompf-Lang-Göns, für Lich Zimmer-Lich, für Hungen Schäfer, für Gießen G. Schäfer, für Allen-Buseck— Lollar Schwalb-Großcn-Buseck: für Geilshausen—Londorf wurde neu gewählt Bürgermeister Aulmann-Londorf.
ihm 25 Romanzen für eine Singstimme mit Klavierbegleittiutzl und Violine, 50 „Chants franyais" und eine Anzahl Operu- texte. Von diesen Kömposüronen und Dichtungen schlug nicÄs im entferntesten so ein wie die „Marseillaise". Uebcr ihre Entstehung berichtet Amedse Mereaux in seinen „Varietes litte-, raires et musicales": Zur Zeit der Slticgäernärung 1792 stand Rouget de l'Jsle als Ärrillerieoffizicr in Straßburg. Von einem patriotischen Festmahl, bei dem der Gedanke an-den bevorstehenden Kamps gegen Deutschland die Gemüter bis zum Siedepunkt erhitzt halte, in später Nacht nach Hause zurückgekehrt, dichtete der junge Ktieger die erste Strophe und die Melodie des Liedes aus dem Stegreif. Danach weckte er seinen im selben Hause wohnenden Freund Pleyel icin geborener Wiener, der damals als Kapell- mei'iter am Straßburger Münster wirkte. D. Red.) aus dem Schlafe, um ihm fein Lied vorzusingen. Pleyel erkannte den Wert, schrieb die Melodie auf und fügte eine Klavierbeglettungl hinzu. Den Rest der Nacht verwendete Rouget dazu, die übrigen Strophen zu dichten. Am nächsten Morgen wurde die neux Jrethcttshvmne unter dem Titel „Kampflied der Rhein-Armee" von den bet Maire versammelten Genossen gesungen. Wenige Tage jpäter war es gedruckt und begleitete die zum Kxiegsschau platz a^bziehenden Truppen. Von Straßburg gelangte das Lied nacl; südfrankreich, von da nach Paris, wo man es .->um erstenmal von den auf Veranlaffung des Girondisten Barbcroux nach der Hauptstadt gerufenen bewaffneten Proletarierscharen aus Vkarscille hörte und nach diesen „Hymne des.Marseillais" nannte.
— KurzeNachrichtenaus Kunst u. Wissenschaft. Tie Professur für Bildhauerkunst an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart wurde dem ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule daselbst, Ludwig Habich, übertragen. Prof. Habich (geb. 1872 zu Darmstadt- war feit 1901 Mitglieo der Darmstädter Kolonie. 1906 übernahm er als Nachfolger von Prof. Adolf Treidler die Professur für Modellieren, Figuren- und Aktzeichnen an der Stuttgarter Technischen Hochschule. Prof. Habich ist der Schöpfer des Gießener Krieg er dcmkmals. — In der Nähe von Reickielsheim wurde ein Grab aus dex Bronzezeit entdeckt, dessen Alter auf über 4000 Jahre geschätzt wird. Man fand in ihm eine große Urne und darin vier kleinere Knochen mit Ascbenresten. Neben der Urne lag ein Bronze- messer. — Der Professor der Theologie Kautzsch zu Halle erlag im Alter Don 65 Jahren einem Schlaganfall.


