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«leine Tageschronik.
Eine Mvtorlnftschifflinie zwischen Breslau und Lieg ni tz soll nach einem Beschluß des Schlesischen Vereins für Luftschissahrt während der deutschen Rosenausstellung, die vom 25 Juni bi» 12. Juli und vom 14. August bis 11. September 1910 in Liegnitz stattfindel, ducd) einen P a r sev a l b a l lv u hergestellt werden.
Ter achtfache Mörder von Boguslawiece wurde, dem B. L A. zufolge, gestern in Stanislau (Galizien) verhaftet. Er ist g e st ä n d i g. In Anbetracht der vielen falschen Meldungen über die angebliche Verhaftung des Mörders, wird man diese neue Nachricht nur mit aller Vorsicht aufnehmen dürfen. „ r „ _
In K'önigshütte rief ein heftiger Erdstoß unter der Bevölkerung eine große Bestürzung hervor.
Auf den Gruben von „Königin Luise" bei Z a r b z e ist in der vergangenen Nacht offenes Feuer ausgebrvchxn, so daß. die Halde abgetragen werden muß. Dabei entwickelt sich ein starker Nauck-, der mit feinen giftigen Gasen für die Einwohner erhebliche Gefahren bringt. Sämtliche Fenster müssen geschlossen bleiben. Viele Warenvorräte wurden vernichtet. Mensckien sind bisher nuÄ zu Schaden gekommen.
Neue Südvvlarexpeditivn. Die Direkteren der National Geographica Sosiets in Washington haben die Ein ladung Pearl)S und des Articklubs angenommen, mft ihnen eine genieinsclmstlülfe Expedition zur Erreichung des Südpols zu unternehmen.
Amtlicher Wetterbericht.
Oes festliche Wetterdienststelle Gießen.
Allgemeine Wetterlage feit Millwocb früh: Das ausgedehnte westliche Hochdruckgebiet ist ostwärts vorgedrimgen, dem abziehendeu Tiefdruckgebiet nachfolgend. Letzteres brachte gestern noch slrrch- lueife geringe Schneefchauer. Bei Annäherung des Westhochs ist dann Äufheiterung und Strahlungsfrost eingetreten. — Eine neue intensive Zyklone ist wieder über dem Ozean erschienen und rückt rasch ostwärts vor, so daß südwestliche Seewinde und Regen ivieder bevorstehen.
Wetteraussichten in Hessen am Freitag dem 11. Februar 1910: Zunächst noch heiter und schwacher Frost, dann Trübung und Niederschläge (Regen!, milder, ft ad er Südwest.
Sch needericht: Vogelsberg und Taunus Schibahueii gut.
Märkte.
L. Friedberg, 9. Febr. Der heutige Schweine markt war grü befahren. Schoii gegen 8 llhr morgens entwickelte fick -eül sehr lebhafter .Handel, so daß gegen Mittag alles abgesetzt ivar. ES imirbcn enorme Preise erzielt; es kostete das Paar Werfel 50, GO, ja 80 Mk.
Berlin, 10. Febr. Die Reich ßbant setzte den Diskont von 4*/2 auf 4 und den Lombardzinsfuß von 5l/2 auf 5 Proz. herab.
Stuttgart, 10. Febr. Die Strafkamm er hat am 12. Februar eine Verhandlung gegen Damit) Gürtler wegen G o t t e s l ä st e r u n g und Beschimpfung des Papstes angesetzt.
Marseille, 10. Febr. Drei Zucker rafft nerien stellten den Betrieb ein, da ihre^ 2000 Arbeiter wegen verweigerter Lohnerhöhung in den Streik traten.
Madrid, 9. Febr. Das neue Ministerium, ist gebildet und setzt sich wie folgt zusammen: EanalejaS: Vorsitz; Graf Sagasta: Ministerium des Innern; Prieto: Auswärtiges; Krieg: General Aznar; Marine: Arias Miranda^ Finanzen: Cobian: Justiz: ^NUiz Valarina; Öffentliche Arbeiten: Ealbeton; Unterricht: Graf Ro- manones.
Madrid, 10. Febr. Auf dem Marktplatz voti La Coruna (Nordspanien) wandte sich eine große Volksmenge gegen die Ernennung des Gemeindesekretärs. Auf den Bürgermeister und den Friedensrichter, die die Menge beruhigen wollten, wurde geschossen und beide lebens- gefährlich verletzt.
Briefkasten der Redaktion.
(Auouhme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)
Friedberg. Sobald die Munk von bezahlten Leuten ausgeführt wird, muß ein Tanzzettel gelöst werden. Wenn die Musik von Vereinsmitgliedern ausgeiührt wird, kann bis zu zwei Stunden ohne Tanzzettel getanzt werden, sofern der Tanz nicht über die Polizeistunde hinaus ausgedehnt wird.
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Literarisches.
— Weigand, Deutsches Wörterbuch, 5. Ärtsl. Neunte Lieferung. Gießen bei A. Töpelmann. Mit bev joeben erschienenen 9. Lieferung schreilet die hier fchoit wiederholt befprochene ö. Auflage des Deutschen Wörterbuches von Weigand m rascher Regelmäßigkeit ihres Erscheinens immer näher ihrem Ende zu. Die neue Lieferung bietet die Wörter von Vlui bis Rabbiner dar, den Schluß des Alphabets werben die von den 12 Lieferungen bej Gesa ml werkes noch ausstehenden drei letzten bringen, die der Verlag von 9(lfrcb Töpelmann in G ießen auch noch vis zum Oktober vorzulegen verspricht. Tamil ivird daun eine gewaltige Arbeitsleistung bewältigt sein, deren Größe so recht nur der Fachmann zu beurteilen weiß, die aber das höchste Interesse jedes Gebildeten erwecken muß. Fast jede Svallc bringt uns eine wertvolle Bereicherung unseres Wissens, nicht bloß toten, sondern unmittelbar zu verwertenden Wissens. Spiegelt sich doch in der Geschichte der Sprache ein gut Stück der Kulturgeschichte des Volkes ivieder; stihlt man doch den Pulsschlag der filtlidien und religiösen Vorstellungen der Väter! Zudem, auch dem still schassenden Volks- witz kann'man hier lauschen; nicht zu vergessen der mancherlei Beiträge zum deutschen Sprachschatz, die aus der Studentensprache und auch aus der Jäger- und Schiffersprache ftninmcn; auch der fo charakteristischen, engen Verbreitung der Gaunersprache und des jüdijcheii Jargons lernt man nachgehcn. Daß hier cm Nachschlagewerk vorliegt, das jedenr gerade bei fleißigem Gebrauche je länger je lieber werden wird, weiß jeder, der mit solchen Büchern zu tnn hat.
chlechterung.
* Das böse -Beispiel des Ki nema tv gräv vcn. Von einer seltsamen und tragischen Suggestion, in der der Kine- matograph drei Knaben zu einer phantastischen Greuettat - an- gestiftet hat, werden aus Newyork nähere Einzelheiten berifbi.'t. Drei italienische Sckulftmgen, die. im Alter von 12 u.ni.-13 Jahren standen, Gwvanni Scarbore, Arnaldo Rebecca und Giuseppe Rosa, waren in einem Kinemawgraphentheater gNvesen und sahen dort die Bilder von grauenvollen Szenen, m denen cm Missionar von Menschenfressern ermordet und verspeist ward. Die Bilder gruben sich so tief in die Mantafie der Kinder ent, daß in ihnen die Begierde erwadyte, sich auch eurmrrl als Menschrn- freifet zu versuchen. Sofort ward der Plan ausgeführt. An einer Ecke der 104. Straße, nahe an einem von unbewohnten, Schuppen gebildeten Schlupfwinkel, nahmen die drei Burschen Aufstellung und märte hm auf das erste Kvtd, das der Zufall ihnen in den Weg treiben würde und das bei ihnen die Rolle des unglücklichen Missionars spielen sollte. Vinter einer Bretterwand brannte bereits der Sckciterhaufrn. Das Unglück stchrtc den kleinen neugierigen Joseph Jaeger vorüber: sofort stürzten 1 ich die drei Verschworenen mit wildem Kricgsgcheul auf das arme Kind. Aller Widerstand und alle Schreie blieben erfolglos; in wenigen Sekunden batte mau den Knaben überwältigt und zum Schweigen gebracht. Ein heftiger Schlag auf den Kops machte das Kind auf einige Sekunden ohnmächtig. Die drei jugendlichen Kannibalen fesselten ihr Opfer an vänden und Füßen und schleppten es zum Feuer. Der furchtbare Schmerz ließ den jungen aus seiner Ohnmacht erwachen, er machte verzweifelte Anftren- gungen, sich den Flammen zu entwinden, und sein Geschrei lockte endlich einige Frauen herbei, die aus einer benachbarten Kirche kamen und nun die drei jungen Mörder in die Flucht trieben. Man riß dos Kind sofort aus den Flammen und brachte, es nach Hausc, wo sofort für ärztliche vilfe gesorgt wurde. Der Araldck italiano berichtet, daß das Kind so schwere Brandwunden erlitten hat, insbesondere an den Füßen, daß es aller Wahrscheinlichkeit nach wohl fern Leben lang ein Krüppel bleiben wird.
£ufttotfiabrt
Beschädigung des M. III.
Berlin, 9. Fcbr. Das Militärluftschiff „M. III", das heute vormittag zu einer Fernfahrt nach Jüterbog amge- süegen war, traf um 4.v2 Uhr wieder über dem Tegeler Schreß- statz ein; cs tonnte jedoch, anscheinend infolge eines Schadens "itt Ööl) en Neuerung, nicht niedergehen und trieb nach artend ors ab, wo es um 0V2 Uhr glatt landete. Ostt- iinc und Mannschaften des Lnftschifserbataillons waren bereits Lr stelle, um eine Nachfüllnng vorzunehmen. Das Fahr- q wird die Heimreise durch die Lust zurücklegcn vierzn wird -Mer gemcldcl- DaS Militärluftschiff ist nach 10 Uhr abends rasc i n a n d c r g c u 0 mm e n worden, um noch in der Nacht Rif Wagen nach Tegel znrückgcbracht zu werden.
Rarst s. L. 21,3, üi 21,7, in Wvckkenburg-Stietisi 22,7
und in Sachstn-AZtenbrrog 23,0. Alle zuletzt genannten sechs Staaten kalten auch 'm trni ixilbereD Jahren gewöhnlich eine bc deutende SäugTingsstcrülichEeit Unter den brcut,ijdKn Pnoviu-en
teht stets ani günstigsten da Hessen-Nassau mit 10,8, dann telgstt Hannover mit 13,1 und Westfalen nut 14,4; ün Stadtkreis Berlin stehl die Säuglingssterblichkeit mit 16,8 unter dem ^Staats- und Rcichsdurckg'dmitl. Am b-eträclstlichsteu war sie in Schlesien mit 20,8, Westpreußen nrit 21,2 und Ponrmemk mit 22,1. Um rote viel stärker die Säuglingssterblichkeit bei den unehelichen Kindern ist als bei den ehelichen, ergibt sich daraus, daß auf 100 geborene eheliche Kinder mir 16,8, auf 100 uneheliche Dagegen 28,5 Ster befalle im ersten Lebensjahre tarnen. In Preußen betrug die Zifselbe i den ehcklücheu Kindern 16,2, bei den unehelichen 29,8. x>n Berlin war die Ziffer bei den unehelichen Kindern 23,2, dagegen in Posen 38,7 und in WestVveußen 39,6. Jrn ganzen Reiche ist die Sterbeziffer der unehelichen Kinder, die von 1905 bis 1907 von 32,6 auf 28,0 fjernbgcgangen war, im Jahre 1908 aus 28,d gestiegen, die der ehelichen Kinder, die sich vvn 19,4 auf 16,6 vermindert hatte, ist auf 16,8 erhöbt Hiernach zeigt das Jahr 1908 nach der sehr erheblichen Besserung, welche die Vvnatec gehabt hatten, eine kleine, hoffentlich mir vorübergehende Bar
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Zu crfiagcn in der Geichäfts- ftelle des Gieß. Anzeigers. >748
ckeüswillme B-rqlentc, datz fic deutlich gesehen hätten, rote ’ttiac mm ihren Kameraden von den Angeklagten an der be- /Ancten Stelle mit Steinen unb Erz klumpen beworfen wurden
Gcaenfak dazu bekunden andere Bergarbeiter, daß fich^zwei in den Angeklagten zur Zeit des Vorfalls an anderer Stelle iXnbcn hätten Einige vcitwmmene Polizeibeamtc oermögni i ine ielbftgenaichien Beobachtungen zu bekunden, sie stützen sich nf di- Bernchmungen von Bergleuten. Die Braut eines An- i'klaatc» entlastet diesen unter ihrem Eide dadurch, daß sie W idiDÖrt fic habe mit ihm zur Zeit des Uebersalls aus.die Ar- bntswilliaen rin Tanzvergnügen mitgemacht.
2tf Bergleute Goclzer unb SichNng smb wegen Vergehens i'acn beit 5 153 bei Gewerbeordnung zu drei Monaten, auch reacu Körperverletzung und wegen Vergehens gegen denselben laragrapheu ,u fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden.
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Der Rhein ist von gestern früh 9 Uhr bis gtzstem abend 7 Uhr von 5,17 auf 5,85 Meter gestiegen. In Bonn befürchtet man daß der Strom im Laufe der Nacht über seine Ufer treten lufeb Auch von Der Ahr ivird Hochwasser gemeldet.
Auch von den anderen deutsä7Ni Flußgebicteii wird steigendes Safier gemeldet, vom Neckar aber wirb schon wieder ein Rüctz arna gemeldet. Ti? Moseltalbahn mußte zwischen Audcl und Wingcn micöerum den Betrieb einstellen. Es fcheint aber, durch den über Oiad't ringetrefenen Frost die Hochwassergesühr sehr gemildert, wenn nicht gar vereitelt wird.
Die Ue b e rs chwemmunge n in Frankreich scheineu allerdings wieder einen größeren Umfang anzunehmen. Seit Dienstag trüb steigt sowohl bi: - eine als auch ihre sämtlichen Ketienflüfte unb bi: Bcbörben i'chnen, tote uns unser Pariser Mitarbeiter niiitcift, mit einer *inj bedeutenden, neuen liebem- schvemmung.
In aller Eile werden Vorkehrungen getrosten, um vor den flachst ar en Folgen, wie sic kürzlich ernt raten, geschützt zu werden. Ein Teil des Quai d'Austerlitz und des Kais längs der Vorstadt lass» werden durch Säcke erhöht. An allen Punkten der bedrohten Viertel werden Ausfchüttungcm und Äufmaucrungcn vor genommen, (irr diese schwachen Dämme fehcn recht gebrechlich im Vergleiche ,t tu-rn .eißeiidcn Anwackien des Stromes aus. Wo dieser aufs nmc übergetreten ist, bat er das verpestete Wasser der Känalt- >eiioiEröhn mit fick geführt, das einen furchtbaren Geruch aus- strömt Ueberdies scheint die westlich: Bannmeile viel mehr be- y^t werden, als bei der ersten Ueberi'chwemmung, weil man an Mschiedeneu Ste llen di : D ämme durch stochen hat, um das cin- Mimingcne Wasier ab'ließen zu lassen, dadurch wird das neue Witoälfer ohne Hemmnis einbringen tonnen. Es fmbet taher eine reg eite] c Flucht der Bewohner nach geschützten stellen gib vor allem nach Paris selbst statt. _ .
aris, 9. Febr. Die Regierung ordnete an, datz in den Stebteierteilt, die vom Hockwasser betroffen werden könnten, die Mtegc wiederher,tenlcllt werden. Die Geländer der Quais in Lerch'und Pass» werden erhöht. Die nach der Leine hiimus- gchenden Fensteröffnungen der unterirdischen Bahn sollen ver- ^P aists^. 9. Febr., mittags. Das Viertel des Bahnhofs und des Omis von I ü r 11 ist auf eine Länge von 80 Metern mit Was)er checkt.
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