Ausgabe 
9.11.1910 Erstes Blatt
 
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I&ö. Jahrgang

2ldi esse tot Tepeschenr

Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.

ftellenrodfm Geaenstößen gegen den den bayerischen Truppen ausgefühtt^

M. 263

Der fflrfcrtft grifft erictieint täglich, nutzer SonMagS. BeÜagen: viermal wöchentlich GletzeuerKamlUenblütter; n.ueiinal luöchentl.Kreit« l-ratlslirdenNrelr Stehen (Dienstag und Freitags zweimal monoiL Land« wirtschaftliche -eitfraaeH flernfprech A»,schlüge: für die Redaktion 118- Verlag u. Expedition 51

wurde, bis schließlich durch die vom rechten französischen FMgel abkömmlich gewordene Unterstützung der linke Flügel verstärkt imh der Rückzug der Deutschen gefährdet wurde. Um 4 Uhr erteilte daher General von der Tann den Beseht, daS Gefecht abzubrechen und vom linken Flügel beginnend den Ab­marsch auf Artenah zu anzutreten. Dieser Befehl wurde in bester Ordnung und unter stellenweisen Gegen stützen gegen den

Ausland.

Tanin" begrüßt den Abschluß der türkischen An­leihe mit großer Befriedigung und hebt hervor, daß die Anleihe weder nckt politischen, noch mit wirtschaftlichen oder mit Be­dingungen verbunden sei, die mit der Würde oder der Unabhängig­keit der Türkei unvereinbar seien: sogar Bestellungen für die In­dustrie seien nicht verlangt worden. Das Blatt rühmt die korrekte Haltung der deutschen Diplomatie, die bemüht gewesen sei, allem vorzubeugen, was die guten Beziehungen der Türkei zur Tripelentente hätte schädigen können. Die Otto­manen würden den freundschaftlichen Akt Deutschlands nicht Der* g essen.

AuS Liverpool wird gemeldet: Infolge deS Aurstan- deS der Fuhrleute, die eine kürzere Arbeitszeit verlangen, ist der Verkehr im Hafen und in den Docks lahmgelegt. Kwa 4000 Mann und 5000 Pferde feiern.

Nach einer Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur ist In Schiras der Belagerungszu stand erklärt worden.

vergarbelterunruhen in Süd-Waler.

In England ruft ein großer Bergarbeiterausstand, der schon in die" schwersten Ausschreitungen aus gearbeitet ist, das größte Aufsehen und atlaemeine Beunruhigung hervor.

In Cardiff eingetrofsene Telegramme melden, daß im C l y d a ch t a l e große Unruhen ausaebrochen sind. Poli­zeimannschaften wurden von Ausständigen vielfach miß­handelt, viele von chnen wurden niedergeschlagen und schwer verletzt. Man hegt Befürchtungen wegen der Sicherheit LlewellynS, des Generaldirektors der Cambrianbergwerke,

Coulmiers.

(Zum 9. November.)

Der Name Coulmiers bildet für die Frar^osen einen Sonnenstrahl in der Erinnerung an den Krieg 187071: mit diesem Wort ist das Gedenken des einzigen nennenswer­ten Erfolges der französischen über die deutschen Waffen verknüpft! Zwar war dieser Erfolg weder vollkommen, indem die errungenen Vorteile nicht ausgenutzt wurden, noch dauernd, da bald darauf deutscherseits energische Gegenstöße er­folgten, die mit einem vollständigen Siege endeten aber die Erinnerung der Franzosen klammert sich heute noch mit ebensolcher Begeisterung an das Treffen (ober wie sie es nennen: die Schlacht) bei Coulmiers, wie vor 40 Jahren das Ereignis einen unbeschreiblichen Jubel hervorrief. Daß der Erfolg außer­dem auch nur einer fast vierfachen Uebermacht zu verdanken war, konnten den aus ihm entstehenden Hoffnungen keinen Abbruch tun.

Um für den Fall einer Einschließung von Paris durch die Deutschen nicht von der Außenwelt abgeschnitten zu werden, hatte die in der Hauptstadt gebildete Regierung der nationalen Ver- teüngimg um die Mitte des September eine Delegation von zwei Mitgliedern nach Tours entsandt. Nach der erfolgten Einschließung predigte diese den Volkskrieg und es gelang ihr, bis anfangs Ok­tober zwei neue Heere, die Loire-Armee und die Nordarmee, aufzustellen, deren Hauptzweck der Entsatz von Paris sein sollte. Die Loire-Armee unter General de La Motterouge war aber durch das 1. bayerische Armeekorps rntb die 22. Division des 11. Armeekorps, sowie die 2. und 4. Kavalleriedivision unter dem Oberbefehl des bayerischen Generals von der Tann in dem Gefechte bei Artenay (10. SD Ft.) und dem Treffen bei Orleans (11. Oft.) geschlagen und über Orleans zurückgedrängt worden. Diese Stadt selbst war bann durch das 1. bayerische Armeekorps und die 2. Kavallerie-Division besetzt worden, während die 22. Infanterie-Division und die 4. Kavallerie-Division zur 3. Armee zurückkehrten.

Seitdem Gambetta, der Paris in einem Luftballon verlassen hatte, an der Spitze der Delegation in Tours stand (9. Okt.), wurden die Massenaushebungen in dem Lande mit rastlosem Eifer betrieben, so daß allmählich eine Streitmacht von etwa 600 000 Mann mit 1400 GesäMen zusammenkam, welche hinter dem deutschen Einschließunasheer von Amiens bis Orleans stand. West­lich von Orleans befanden sich das 15. Korps unter General d'Aurelle de Paladiers und das 16. Korps unter General Chanzy; diese beiden Korps ungefähr 70000 Mann mit 150 GesMtzen wurden unter dem Oberbefehl d'Aurelles zu einer (Loire-) Armee vereinigt und erhielten am 24. Oktober den Auftrag, gegen Orleans vorzugehen, dieses zu besetzen und ein verschanztes Lager für 200 000 Mann zu errichten, welches

als Ausgangspunkt für die Operationen gegen bas beutsche Ein- schliebungsheer und gegebenenfalls zur Aufnahme der aus Paris brechenden Truppen dienen sollte. Die Stärke der dem Genera! von der Tann in Orleans zur Verfügung stehenden Kräfte belief sich auf rund 20 000 Mann mit 112 Geschützen. Als nun tm Laufe des 8. November der Gegner soweit herangerückt war, baß es wahrscheinlich schon am nächsten Tage zu einem entscheidenden Zusammenstoß kommen mußte, traf von der Tann abends die nötigen Maßregeln. Er gab die Stadt Orleans preis, da das dortige Gelände ihm zur Entfaltung seiner starken Artillerie und Kavallerie hinderlich war die Infanterie war im Ver­hältnis zu diesen beiden Waffen ziemlich schwach vertreten, und nahm eine Stellung westlich von der Stadt ein, deren Haupt­stützpunkt das Dorf Coulmiers (daneben noch La Nenardiere) bildete Infolge der Ausdehnung der Stellung konnte die Linie nur schwach besetzt werden, doch hatte sie den Vorteil, daß der Feind nur von einer Seite von Westen her angreifen konnte und daß im Falle eines ungünstigen Ausganges der Rückzug nach Norden gesichert war. In Orleans selbst verblieben mir bas Jnfanterie-Leib-Regiment (von der 1. Brigade), die 1. und 3 Schwadron des 3. Chevauxlegers-Regiments und 2 Geschütze der 1 Batterie des 1. Artillerie-Regiments, zusammen 2142 Mann mit 2 Geschützen und 250 Pferden (Offiziere usw. sind nicht mitgezählt: diese Abteilung hatte den Zweck, den Bentz der Stadt zu sichern, außerdem die Trains und die in Orleans verbleibenden Kranken und Verwundeten zu schützen. An dem Treffen nahmen teil: 14 683 Mann (ohne Offiziere usw.) mit 110 Geschützen und 4695 Pferden.

Tie vorgesehenen Stellimgen wurden noch im Laufe der Nacht vom 8. auf den 9. November eingenommen. Auch telegraphierte Der General an die bei Chartres (nördlich von Orleans) stehende 22. Infanterie-Division um Unterstützung, erhielt aber den Be­scheid, daß diese am 9. erst bis Noves, die 4. Kavallerie-Division bis Orgeres (beide Orte etwa in der Mitte zwischen -Orleans und Chartres) vordringen könnte. Die von Metz im Anmarsch befindliche 2. Armee erreichte am 9. erst Troyes, so daß auf Hilfe von dieser Seite überhaupt nicht gerechnet werden konnte. Somit war von der Tann -uiuichst ganz auf sich selbst angewiesen. Früh morgens begann denn auch der Anmarsch des Gegners in breiter Front: der linke Flügel (16. Korps) gegen Coulmiers, der rechte (15. Korps) gegen La Renardiere. Vor der Uebermacht mußten sich' die Deutschen allmählich bis in die Hauptaufnahmestellung La RenardiereCoulmiers zurückziel>en: um Mittag standen sich die Truppen auf der ganzen Linie dicht gegenüber. Um 1 upe etwa schritten die Franzoien dann zum entscheidenden Angriff. Zuerst brachte ihr rechter Flügel den linken der Bayern bei La Renadiere zum Weichen, während im Zentrum und aus dem anbereu Flügel (bei Couturiers) mit wechselndem Erfolg gekämpft

nachdringenden Feind von ------- .. _ . .

bis die Rückzugsstraße erreicht war; die Nachhut bildete Überall Artillerie und Kavallerie, die den Feind m angemessener Ent­fernung hielten und schließlich ganz von einer Verfolgung ab» stehen ließen. Auf schlechten Wegen gelangten die einzelnen Ab­teilungen nach Artenay, wo am 10. früh borgend daS ganze Korps wieder versammelt war. Auch die Besatzung von Orlens traf dort ein, nachdem sie einem am 9. nachmittags 4V» Uhr anlangenden Befehle gemäß Orleans verlassen, vorher aber, für die Zurückschaffung sämtlicher Trains, namentlich der Proviant" Monn en und Eisenbahnfahrzeuge, auf der Bahn nach Toury gesorgt hatte. Nur die nicht transportfähigen Kranken und Verwundeten zweier Feldlazarette etwa 450 Mann blieben in der Stadt zurück und gerieten so in Gefangenschaft. Am 10 No­vember vormittags erfolgte dann der Weitermarsch bc5 Korps nach Toury, wohm sich daher auch die von Chartres ausgerückten Unterstützungstruppen (die 22. Infanterie-Division und die 4. Kavallerie-Division) wandten. Die nunmehr dort zwischen Pithiviers und Chartres versammelten Streitkräfte der Deutschen hätten bis zum Eintreffen der 2. Armee genügt, um den Feind in einem weiteren Vordringen aufzuhalten. Doch kam dieser mit feiner Spitze nicht über Artenah hinaus und begnügte sich, nörd­lich von Orleans eine ausgedehnte Stellung zu beziehen. Der Kampf hatte ihn über 1500 Mann gekostet nach Angabe des Generals Chanzy verlor das 16. K^ps allein etwa 1250 Mann, während der Verlust der Deutschen sich auf 47 Offiziere und Offizierdiensttuende, 736 Mannschaften und 177 Pferde belief, und zwar waren tot: 16 88 73, verwundet: 30 456 - 83 und vermißt: 1 192 21. Die Zahl der Vermißte» erklärt sich hauptsächlich daraus, daß auf dem Rückzüge ant 10 morgens bei St. Peravy eine Munitionskolonne mit 83 Mann, 110 Pferden, 11 Wagen und 2 Reservegeschützen und *uf Nachtmarsche vom 9. zum 10. bei Cereotes 74 Mann des Leib- Regiments, die erschöpft liegen geblieben, in die Hande der Fran­

zosen gefallen waren.

Ter militärische Erfolg der Franzosen war also^Mr gering, dagegen stellte sich der moralische bald als um so großer heraus- ganz Frankreich jubelte auf, wurde mit neuer Hoffnung beleb! und mit frischem Mut beseelt, so daß die schönen Worte Gambetta^ mittige Ohren fanden und seine Werbungen und Rüstungen tat­kräftigerer Unterstützung teilhaftig wurden Auch in roch

Mllrvoch, 9. November W 9l0er«g4preis: monatlich 75 UL, viertel­jährlich TtL 3*20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pst; durch

Das 5chll!wesen Italiens.

Der Italiener von heute, der sich für politisch und kulturell ungemein fortgeschritten, uns Deutsche für mittelalterliche Barbaren halt, ist in Wirklichkett rückständig und nur schwer zum Aufgcben der Tradition zu bewegen. Die Schuld trägt die ganze vernachlässigte BvllSbildung. Nach offiziellen Er- Narungen auS den sechziger Jahren mußte man die fremden Souveräne der italienischen Mittelstaaten verjagen, weil sie als Ausländer dem Volke klingt das Wort noch heute gleichBarbaren" kein Herz für die alte hehre national­italienische Kultur baden konnten. Seit der Einigung ist der Prozentsatz der Analphabeten aber keineswegs gefallen, im Gegenteil. Nicht allein, weil beim Großmachtspielen einem so armen und gleichgültigen Volke das Geld für Kulturaufgaben fehlte; die Schwerkraft deS Herkommens fand zwei gleich allmächtige Verbündete, Kirche und Regierung. Bon dieser, bet so oft die besten und vorurteils­freiesten Köpfe der Nation angehörten es sei nur auf Quintius Sella und Guido Vaccelli, aus Orlando und Luzzatti von den Neueren hingewiesen, nimmt das fast Wunder, aber die Seele der Geschichte heißt Macht! In Lombardei und Emilia, wo das Schulwesen noch seiner österreichischen und Varmeser Traditionen würdig ist, sind die Massen gegen die unwürdige soziale Gliederung aus- gestanden, die nur Signori und arbeitendes Volk, doch keinen Mittelstand kennt; in diesen Provinzen werden haupt­sächlich Sozialisten, daneben Republikaner und Radikale gewählt. In den Analphabetenlanden des Südens, wo der unzusriedene kleine Mann vom Wahlrecht ausgeschlossen ist, gehen unter mehr oder weniger sanftem Druck oes Präfekten und der in der städtischen Selbstverwaltung herrschenden Clique, die mit einem arabisck-en Ausdruck Camorra heißt so alt sind diese Zustände und so innig berühren sich Orient und Adendlaiü, durch häufig recht unverhüllte Wahlbeetnslussung die Schlachtreihen derMinisteriellen" aus der time hervor. Nur die des Lesens und Schreibens kundige Minorität besitzt daS Wahlrecht.

Jener meridionale Kern der liberalen Gruppen nun ist eine merttvürdige Einrichtung, die es fertig bringt, früh für ihr Kabinett zu stimmen, das sich durch irgendein parla­mentarisches Mysterium ein Mißtrauensvotum holt, nach­mittags aber in die neue Mehrheit der früheren Opposition einzutreten, die jeneS Kabinett gestützt haß Sie bilden also für jede Regierung, gleichviel, welches Programm sie hat, eine ständige Schutztruppe und werden deshalbAs- karis" genannt Und die Regieruna derliberalen" Gruppen liberal abwechselnd etwas mehr oder weniger wird sich durch Schulreform doch nicht den Ast absägen, auf dem sie sitzt Der Parlamentarismus hat demnach doch auch seine Auswüchse.

Vie Thronrede der Königs der Belgier und sozialdemokratische Zwischenrufe.

Brüssel, 8. Nov. Der König eröffnete gegen 2 Uhr das Parlament mit der Verlesung einer Thronrede, die mit der Ehrung des Andenkens König Leopolds be­ginnt, dessen Sorge es gewesen sei, Belgien schöner zu ge­stalten unb ihm durch Schaffung einer Kolonie neue Absatz­möglichkeiten zu eröffnen. An seine eigene Throlkbesteigung erinnernd, dankt der König für die Sympathiebeweise des Volkes und stellt weiter fest, daß er und die Königin an den ausländischen Höfen herzliche Aufnahme gefunden haben. DaS belgische Volk habe seinerseits dem.Kaiser Wilhelm einen herzlichm Empfang bereitet Tie Thron­rede kündigt an, daß die zwischen Deutschland, England und Belgien getroffenen Vereinbarungen Über die Grenze im Kongogebiet demnächst der Kammer zugehen werden. Sie hebt bent großen Erfolg der Weltausstellung hervor und betont, daß immer mehr daran gearbeitet werden müsse, auf dem Gebiete der Kunst, der Literatur und der Wissenschaft das Niveau der nationalen Erziehung zu heben. Auch der gelungenen Ausstellung aller Kunst des 17. Jahr­hunderts wird gedacht Die Tlfronrede ersucht, die Sprachen- tämpfe mit Mäßigung zu führen, den Mittelstand durch die Förderung des Fachunterrichts zu heben und den Kindern den Schulbesuch durch gesetzliche Maßnahmen zu erleichtern. Dem Familienvater müsse durch gesetzliche Vorkehrungen das Recht gewährleistet werden, den ihm aenebmen Unter­richt für sein Kind auszusuchen Auch die soziale Für­sorge müsse erweitert werden durch die Vervollständigung der Gesetze über die Altersrenten, Kinderschutz und durch

der mit fünfzig Mann in dec Hauptstation der Glamorgan Kohlenbergwerke eingeschlossen sei Llewellyn und die Mannschaft halten die Maschinen in Betrieb, um einer Ueberslutung der Mine vorzubeugen

London, 8. Nov. Dreitausend Ausständige der Stadt Aberdaregriffen dieGrube an, wurden aber von der Polizei zurückgetrieben. Als sie darauf die Schutzleute mit Steinen bewarfen, wurden sie von diesen mit Stöcken zurückgeschlagen, wobei sechzigAusständige schwerverletzt wurden Viele Streikende, darunter Frauen, wurden in den Aberdare- Kanal getrieben, den sämtliche durchwateten Truppen sind jetzt in Cardiff eingetroffen. Das 10. Husarenregiment und 200 Mann Infanterie sind in Sonderzugen nach dem AuSstandsgebiet abgesandt worden, ebenso 300 Mann von der Londoner Polizei. Während der Ruhestörungen in der vergangenen Nacht wurden die Venttlationsanlagen zweier Schächte unbrauchbar gemacht. Man fürchtet, daß infolge­dessen 4 00 Pferde in diesen Sck)ächten erstickt sind. Der ganze Bezirk bildet ein Bild der Zerstörung. Mehrere Polizeibeamte sind schwer verletzt.

Handelsminister Churchill hat an die Bergarbeiter von Süd-Wales ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt, ihre besten Freunde in London seien sehr betrübt über die Unruhen, die ausgebrochen seien und wollten ihr Bestes daran wenden, den Bergleuten zu helfen. Er wünsche als Präsident des Handelsamts, morgen nachmittag die Ver­treter der Bergarbeiter zu empfangen, aber die Unruhen müßten sofort aufhören, so daß die Untersuchungen nicht beeinflußt werden. Im Vertrauen auf den aejmiben Sinn der Bergleute halte er die Soldaten vorläufig zurück und sende an ihrer Stelle Polizeimannschaften.

diePost M.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., auswärts 20 Pfennig. Cheftedakteur: A Goetz. Verantwortlich für den

General-Anzeiger für Gberheffen

votaN««drilS Md Virlag der vrÜHNchka U-lv^vuch. inb Steindrucke«! U. taugt. vedoMou, LspedMoa and vntcktrtl- Stzulstratze 7. beu

bis vormittag- 9 Uhr. ^Petition für Bübingen: Bahnhofstraße 16a. - Telephon Nr. 60. An-eig'entell: 'h. Beck.

die Schaffung von Handels- und Jndustrieräten. Endlich werde die Regierung die Heimarbeit regeln. Nach der Ankündigung einiger Gesetzentwürfe über MiNtärpen- sionen erörtert die Thronrede die Abnahme des Alkohol- geimsses und das günsttge Ergebnis des neuen Militär- zesetzes. Die Finanzlage des Landes sei gut, jedoch ei Sparsamkeit geboten. Zum Schluß gedachte der König )cr Reformen in der Kongokolonie, die in diesem Jahre vervollständigt werden sotten.

Vor dem Verlesen der Thronrede Tant eZ zu lärmen­den Kundgebungen. Ms nämlich der König die Kammer betrat, riefen die Sozialisten: Auflösung! Allgemeines Stimmrecht!, wurden aber durch die Ruse:Es lebe der König!" übertönt. Der Zwischensatt dauerte eine Viertelstunde, während welcher der K ö n i g a u s dem Thron den Tumult verfolgte.

Ocutiche» Ueich.

Am Dienstag fand im Exerzierhaufe an der Plantage ifl Potsdam die Vereidigung der Rekruten der Pots­damer Garnison statt. Zugegen waren: der Kaiser und seine Familie sowie viele auswättige Gäste.

Die Ausgabe neuer Neichsbanknoten xu 100 Mk. ist in Aussicht genommen. Zu ihrer Herstellung wird besonders präpariertes Papier verwendet werden, um unbefugte Nach- ahmtimgen besser verhindern zu können. Neben der Pflanzen­faser werden die neuen Banknoten ent sehr schwierig nach-u- ahnuondes Wasserzeichen aufweisen, das ein anderes Bild als dasjenige der ReichSkassenscheine zeigen wird.

Der wirtschaftliche Ausschuß ist am Dienstag unter dem Vorsitz des Staatsministers Dr. Delbrück zusammengetreten, um über die deutscherseits an Japan für den Abschluß eines Handclsvettraaes zu stellenden Forderungen zu beraten; gleich­zeitig wurden die von S ch w e d e n übergebenen Forderungen zum deutsckfen Tarif zur Erötterung gestellt, lieber den Inhalt der Derl>andlungen wird, wie dies nach der Natur der Sache selbst- verständlich ist, Stillschweigen beobachtet.

Tie Einführung von französischem Schlacht­vieh ist, wie dieAllgemeine Fleischerzeitung" mitteilt, auch von der Regierung von Elsaß-Lothringen mit Zustimmung des Reichskanzlers beschlossen worden. Ueber die Höhe des ein* zu führend en Kontingentes schweben noch Verhandlungen.

Nach dem amtlichen Wahlergebnis bei der Reichs- tagsersatzwahl im 4. Posener Wahlkreis Neu- tomischel-Grätz-Kosten-Schmiegel am 4. November wurden im ganzen 22 149 Stimmen abgegeben. Davon erhielten der Schristsetzer M o r a w s k i (Pole) 16 413, der Rittergutsbesitzer Schwartz köpf (deutschkons.) 5678, Redalteur S r e m s k i (So-.) 46, zersplittert waren 12 Stimmen.

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