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03/01/1910 Zweites Blatt
 
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Nr. 1

W. F. Sprung, MetevroLte, t Pv-ts- 19. Dr. SfarT August Bolle, Botaniker,

über, die

97 I.

der engt

russischen in erster

Dichter und Schriftsteller. Literarhistoriker.

Januar: 15. Trust v. Wildenbruch, dramatischer Dichter, f BeÄin, 64 I. Ludwig Habicht, RomanschriftsttLler, t Amalfi, 78 I. Februar: 17. Heinrich Ritter v. Reder, lyrischer Dichter und Landschaftsnmler, Generalmajor a. D., t München,

Der Kongreß geht sodann zur Beratung der Anträge si,ch auf eine

Aenderung der Organisation

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag; 5L Redaktion:112. Tel.-Adro2lnzeigerDieß«t,

beziehen. Angesichts der Angriffe, die namenllich von Zionisten gegen die Leitung der Bewegung und hier Linie gegen den Präsidenten Wolffsohn gerichtet worden sind, gibt dieser die Erklärung ab, daß er, um die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, Den Vorsitz im Akttonskomitee niederlegr. Es werden schließlich von dem Permanenten Ausschuß sieben

DieSletzener Lamittenblatter" werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beigelcgt, das Krdsblat: für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen** erscheinen monatlich zweimal.

Januar: 19. Dr. A.

dcrm, 60 I.Februar: .. _______ w .

t Beckliin, 88 I. März: 20. Dr. Fritz Römer, Raturhistoriker, t Frankfurt a. M., 43 I. Mar: 25. Dr. Georg v. Neu- mayer, MetoouoLog, f Neustadt a. d. H., 82 I. Juni: Dr. Wilhelm Zopf, Botaniker, t Münster i. W., 62 I. Juli: 16. Vittorio Maltaucci, Direktor des Observatoriums aus dem Vesuv, t Neapel, v September: 26. Anton Dohrn, Be­gründer und Leiter der zoologischen Station in Neapel, t Neu-> Wittelsbach bei München, 68 I. November: 12. Julius Lippert, Naturforscher und Kunsthistoriker, t Surichow bei Prag,

70 I.

Philosophen. Philologen.. Schulmänner. Altertums forscher. St envgraphen. => Bibliv- thekenkunde.

Januar: 30. Dr. Johann Ritter v. Kölle, Germanist, f Prag, 81 I. Februar: 12. Leutheußer, Oberturnlehrer, f Koburg, 55 I. Mai: 7. Dr. Hermann Osthoff, Sprach- forschrer, t Heidelberg, 62 I. 27. Ernst Naville, Philosoph, f Genf, 92 I. Juni: 17. Dr. Thomas Achelis, sozialpäda- gvgiscl-er Schriftsteller, t Eapri, 59 I. Dr. Georg v. Laub- maitii, Direktor der Münchener Hos- und Sttuttsbrbliothek, f München. August: 4. Dr. Adalbert Merx, Orientalist, f Heidekberg, 71 I. Dr. Karl Sachs, Lexikograph, t Branden­burg a. H., 80 I. September: 28. Dr. Richard EngÄb mann, Archäolog, f Graz, 65 I. Artur v. Scala, Direktor des osterr. Museums für Handel und Industrie, f Lanna bei Meran, 65 I. Oktober: 24. Dr. Robert v. Schneider, Archäoliog, t Wien, 55 I. November: 10. Dr. Max Rieger. Germanist, t Alsfeld (Bergstraße), 81 I.

Handel, Gewerbe und Industrie. Verkehrs­wesen. Münzwesen.

Mitglieder für die Liste des Tirettoriums aufgestellt; die vor- gcschlagenen deutschen Kandidaten lehnen es aber ab, ein Amt gegen Wolffsohn anzunehmen. Nach endlosen Erörterungen wird gegen eine kleine Minderheit der alte Ausschuß mit Wolffsohn an der Spitze in seinem Amte belassen. Damit hat die westliche Richtung über die radikale der Russen und Galizier vorläufig den Sieg oavongetragen. Allgemein war aber die Ansicht, daß die Lösung der Krise nur eine vorläufige sei. Die schwere Auf­gabe, eine endgülttge Lösung herbeizuführen, soll dem nächsten Kongresse Vorbehalten bleiben, der früher als gewöhnlich ein­berufen werden wird. Rechtsanwalt Bodenstein er gab in seinem Schlußwort der Freude Ausdruck, daß es noch gelungen sei, zu einer Einigung zu kommen. Die Versammlung fang die Zionistenhyuure, worauf der Kongreß offiziell geschlossen wurde.

Turin, 73 I. November: 1. Henry Chiles Lea, Geschichts­schreiber der span. Inquisition, t Philadelphia, 84 I.

Daukunde und Jngenieurwissenschaft. Luft­schiffahrt. Technik.

Februar: 15. Emil v. Foerster, Architekt, Schöpfer deH abgebrannten Wiener Ringtheaters. März: 18. Hermann Knauer, Architekt, 37 I. 24. Dr. Alfred Messel, Architekt, t Berlin, 55 I. April: 22. Dr. Johann Kaftan, Wasser­bauingenieur, lungtschech.-österr. Reichsrats- und Landtagsabge- orbneter, t Prag, 57 I. Dr. Georg Kaw-erau, Architekt, t Stettin, 52 I. Juli: Dr.-Jng. Ernst Mackensen, Erbauer der Anatolischen Eisenbahn, f Konstantinopel, 70 I.

Mathematik und Naturwissenschaften. Astro­nomie.

von den Unannehmlichkeiten der Ukitilerr entwirft Adolphe Brisson in denAnnales" folgendes Bild:

Der Kritiker ist einer der bsstgehaßten Menschen; er lacht über den Haß, wenn er von Feinden oder von Gleich­gültigen kommt; er leidet darunter, wenn ein Freund ihm zürnt und grollt. Er hat mit dem Manne freundschaftlich, vielleicht innig verkehrt. Zwanzig Fahre gemeinsamen Kampfes, eine gegenseitige Achtung haben die beiden Männer einander nähergebracht. Sie sind sich herzlich zugetan. Da läßt der Autor ein Stück zur Aufführung bringen. Wenn der Kritiker das Unglück hat, es nicht durchweg bewundern zu können, wenn ex in den Honig der Lobpreisungen den Wermut eines auch noch Jo leisen und leichten Tadels mischt, wenden die Augen, oie ihn bis dahin so freundlich ansahen, sich von ihm ab, ballt die Hand, die ihn suchte, sich zur Faust, folgen den früheren Aeußerungen der Zu­neigung heftige Vorwürfe, oder, was noch grausamer ist, ein eisiges Schweigen. Der Kritiker, der etwas auf seine Ehre hält, schwankt und wankt trotzdem nicht; er nimmt seinen ganzen Mut zusammen und erträgt die seelische Qual. Das sind eben die Miseren des Geschäftes.

Es gibt aber noch andere: die Unruhe, die der Zweifel mit sich bringt, die Gewissensangst, die Sorge, ob das Urteil, das man sich gebildet hat, richtig und unbeeinflußt ist, die Angst, daß man, mehr als recht ist, im Banne der Kundgebungen des Publikums stehen könnte, die Notwendig keit, diese Meinungsäußerungen nicht ganz unberücksichtigt1 zu lassen. Ein Werk, das von der Menge in den Himmel gehoben worden ist, als ganz miserabel hinzustellen, ist noch gefähvlicher, als ein durchgefaltenes Stück trotzalledem zu preisen. Im zweiten Falle tut man etwas Edles, im ersten kann man schaden. Welche bange Zweifel! Welches Zögern und Schwänken! Tausend Clemente, die mit seinem wirklichen Werte nichts zu tun haben, sichert den Erf'ilg und gehen dem Mißerfolg eines Theaterstückes voran die Wahl des Stoffes, pic besonderen Zeitumstänbe, der gerade herrschende Kunstgeschmack, das Gepräge eines frafjeuen Werkes, das im (Steifte der Zuhörer noch frisch fortlebt, das Talent oder das schlechte Spiel der Schauspieler. Urd der Kritiker bleibt perplex, er fühlt, daß das Publikum, ein Sklave der Gewohnheit, den Neuheiten feindlich gesinnt ist,

Die Ernte des Todes im Zahre 1909r n.

Geschichtsforscher..Geographen. Forschungs- reisende. Topographen und Kartographen.

Februar: 16. Arno Se.rfft, Ethnograph, BezirksavrttnaNn der Westckarvlinen und Marionen, f aus der Heimreise, 45 I. April: 26. Dr. Bernhard Niehues, Geschichtsforscher, Mitglied des preuß. Herrenhauses, Münster i. W., 78 I. Juni: 9. Ikobert Ritter v. Weinfrerl, Geschichtsforscher, f Freiberg i. S. Oktober: 19. Cesare Lombvofo, Kriminal-Anthropolog, i

Sozialdemokratischer Parteitag für Preußen.

Berlin, 3. Januar.

Im Berliner Gewerkschaftshause am Engelufer beginnen heute vormittag 9 Uhr die Verhandlungen des diesjährigen sozialdemo­kratischen Parteitages für Preußen., denen man diesmal mit ganz besonderem Interesse entgcgensieht, da a.uf dem Parteitage die Frage der Wahlrechtsreform für den preußischen Landtag eine ^schließende Erörterung finden soll. Die Sozialdemokratie er­wartet bekanntlich, daß dieser Parteitag der letzte unter dem alten Wahlrecht ist und daß der am 11. d. M. in Berlin zusammen- tretenbe Preußische Landtag die Frage der Wahlrechtsreform in Flriß bringen wird. Zu dem Parteitage sind über 300 Delegierte eingetroffen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, soweit die Abgeordneten preußische Wahlkreise vertreten, der Partei­vorstand und die Kontrollkommission sind vollzählig erschienen. Auch die so-ialdemokratisck>en Frauenorganisationen haben mehrere Delegierte entsandt. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Erstattung des Geschäftsberichts

durch Eugen Ernst. Der Bericht erwähnt eingehend die Wahl­rechtskämpfe der letzten Zeit und konstatiert, daß im Jahre 1908 zum ersten Male wieder sett dem Jahre 1848 für eine politische Idee Vürgerblut geflossen sei. Die Parteiorganisation für Preußen gliedert sich mich dem Bericht gegenwärtig in 22 Be- zirksverbünde, die 322 397 Mitglieder ,umfassen, davon 36 617 weibliche. Von 100 sozialdemokratischen Reichstagswählern sind die meisten, nämlich 32,5 Prvz., in Schleswig-Holst. organiücrt, die wenigsten, 6,1 Proz., in Oberschlesien. Ende Juni 1909 hatte die Partei in 94 Städten 455 Gemeindevertreter, in 510 Land­gemeinden 1179 Vertreter durchgebracht. Die Zahlen dürsten inzwischen noch gewachsen sein. Der Kassenbericht der preußischen Organisation schließt in Einnahme und Ausgabe mit 26 223 Mark ab. Für «den Bericht der jsosialdemottatischen Landtagsfraktion ist der Abgeordnete Hugo Hermann als Be­richterstatter ausersehen. Der Bericht geht die Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses nach Anträgen und Etats­abschnitten durch und konstatiert, daß .die Wahlen der letzten Monate, gleichviel in welchen Landesteilen, unter welchen Wahl­gesetzen und zu welchen Körperschaften sie stattgefunden haben, ein riesiges Anschwellen der sozialdemokratischen .Stimmen ge­bracht haben.

Im Anschluß an diesen Bericht werden in besonderen Be­richten erörtern Heinrich Ströbel die ^,Wahlrechtsfrage in Preußen" und Dr. Liebknecht dieVerwaltung Preußens". Ein besonderer Punkt der Tagesordnung ist der Frage der Schaffung eines Kommunalprogramms

für Preußen gewidmet. Ein eigener Ausschuß hat hierzu einen umfangreichen Entwurf ausgearbeitet, der eine weitgehende Sozia- lisierung des gesamten kommunalen Lebens fordert. Wie immer liegen dem Parteitage auch diesmal eine ganze Reitze von Sonder- wünschen in Anträgen vor. Verlangt wird in diesen u. a. eine Besprechung des Verhältnisses, der Sozialdemokratie zu den pol­nischen Parteiorganisation en. Andere Anträge'-be­ziehen sich ' auf eiüe stärkere Hervorkehrung des Wahlrechts­kampfes. Das Volk soll aufgerufen werden, sich zur Erringung des Wahlrechts ev. durch Arbeitseinstellung zu rüsten. Der Wahl­verein des 6. Berliner Wahlkreises verlangt in diesem Sinne als letztes Mittel zur Erringung «eines freien Wahlrechts den politischen Massenstreik. Aehnliche Anträge liegen vor aus Magdeburg und Frankfurt a. M. Schließlich beziehen sich weitere Anträge auf die innere Organisation der preußischen Landespartei und auf allgemeüie Fragen. Der sozialdemokratische Verein für .Magdeburg will den Genossen den .Beschluß des Leipziger Parteitages über den

Schnapsboy kott

wieder in Erinnerung gebracht wissen. Der Zenträlwahlverein für Teltow-Beeskow beantragt, Doppelmandate zu den gesetz­gebenden Körperschaften nach Diöglichkett zu vermeiden.

behandelte. Eine einheitliche Beurteilüng der einschlägigen Ver­hältnisse sei nicht möglich, da man nicht einmal wisse, wieviel Juden in der Türkei lebten und der Zusammenhang zwischen den Juden der einzelnen Landesteile nur ein sehr minimaler sei. Man müsse da vor allem an die Schaffung eines Zenttalorgans denken, Bibliotheken und literarische Klubs gründen und die Haupt- ausmerksamkeit auf die Reform der jüdischen Schulen richten. Tie Thora-Schulen und die Unterrichtsanstalten der Alliance ^srae- lite Universelle genügten dem Bedürfnis keineswegs. An den schon bestehenden Schulen sei zu bemängeln, daß dem Hebräischen, das sich immer mehr zur Verkehrssprache herausbilde, sowie dem Tür­kischen zu wenig Raum gewährt sei. Schließlich empfiehlt der Redner Tür die Juden in der Türkei alle Einrichtungen der sozialen Selbsthilfe.

In der Aussprache wurde hauptsächlich die Lage der Dinge in Palästina besprochen. Immer und immer wieder wurde darüber geklagt, daß die Leitung der zionistischen Bewegung nickst die genügende Verbindung mit der großen Masse habe. Die zio- nisttschen Einrichtungen in Palästina, auch die zionistische Kolonial­bank, müßten aus breiterer Grundlage reformiert werden. Nach einem Schlußworte des Pvof. Warburg,der die Palästtnaarbeit als Selbstzwea und nickst als Prvpagandamittel gelten lassen will, wird der Antrag von Dr. Oppenheimer (Berlin) auf Schaffung einer genossenschaftlichen Siedelung in P alä stina

mit überwiegender Mehrheit angenommen. Die Verwaltung des Nationalfonds hat für die vorbereitenden Arbeiten bereits einen Bettag bis zu 200 000 Mark angewiesen. In einem1 weiteren Anträge wurde beschlossen, die Arbeiten der Jüdischen Kolo­nialbank in London möglichst einzuschränken und die frei- werdestden Mittel nach Palästtna überzufül/ren. Ferner wurde angenommen eist Antrag, nach dem die Leitung sich mit der Frage des Ankaufs von Oedburd in Palästtna beschäftigen soll. Ten letzten offiziellen Berickst erstattete RechtsaMvalt Moische Cohen (Saloniki) über die ,stZüdisckre Einwanderung in die Türkei". Ter Redner rühmte einleitend die Toleranz der Türken, die jederzeit auch den Juden gegenüber zutage getreten sei. In der Türkei gebe es keinen Antisemitismus und bei der Fülle von Nationali­täten in diesem Staate sei es auch ausgeschLsiseu, daß ein Volks­stamm etwa' den anderen unterdrücke. Erne jüdische Einwanderung m die Türkei liege aber auch in deren Interesse, denn das junge Staatswesen bedürfe intelligenter und friedlicher Einwanderer.

daß die tneisten Meist ttwerke Zuerst geringschätzig abgelehnt wurden, und daß es oft nicht das wahre vom falschen Genie unterscheiden bann. Das alles wirkt auf ihn, durch­dringt ihn.

In dem Saale, in dem er, mit aufs äußerste ange­spannten Nerven, überlegt und denkt und arbeitet, während alles rings um ihn sich amüsiert, bildet sich die Atmosphäre, die über da- materielle Schicksal des Stückes entscheidet. Er bemüht sich, dem Stimmengewirr, dem Ausdruck der wohlwollend oder feindlich blickenden Gesichter gegenüber blind und taub fru sein, dem eisigen, absichtlichen Schweigen, dem bedenklichen Hüsteln und den maßlosen Beifallskund­gebungen keine übergroße Bedeutung beizumesscn: er tut alles, um seine Kaltblütigkeit zu bewahren, die Zeichen alle zu sammeln und zu kondensieren, sich einen persönlichen Eindruck HU bilden. Das ist, wie ich glaube, für den Theater­kritiker die beste, gesündeste Methode: sich selbst streng und gewiß entzaft zu fragen, seine Meinung, wenn sie einmal fest gegründet ist, ohne weichliche Rücksicht auseinanderHiisetzcn und zu verteidigen und sie mit klar enttvickelten, präzisen Argumenten Ku stützen.

Die Händel und der Hader mit verletzten Eitelkeiten werden rasch beigelegt. Beaumarchais versichert, daß ein ganzes Leben Hicht hinreichenden Groll ausgezischter Autoren zu besänftigen. Heutzutage scheinen sie aber etwas weniger nachtragend zu sein, wahrscheinlich weil man nicht mehr so viel zischt wie früher. Wenn erst der erste Aerger vorüber ist, sagen sich die Autoxen selbst, daß ihr Werk unter der gründlichen Diskussion nicht gelitten hat, daß die kritischen Erörterungen chm nicht geschadet haben, und daß die Kritiker im ganzen sehr brave, wenn auch nicht besonders intelligente Menschen sind. Man hört auf, sie zu verabscheuen, und verachtet sie nur noch. Es soll dann nur ein Erfolg kommen, und der Kritiker wird wieder geliebt und geachtet. Die Herren Autoren rächen sich an uns und das ist gutes .Kriegsrecht, indem sie uns wegen unserer weit auseim andergehenden Ansichten verspotten. Wie kann ein Stück an ein und demselben Tage von ein und demselben Areopag mit Beifall überschüttet und heruntergerissen werden? Wie kann es zu gleicher Zeit bedeutend und ganz miserabel sein? Von zwei einander widersprechenden Urteilen ist doch das eine sicherlich irrig. Diese Meinungsverschiedenheiten zeigen

Januar: 16. Hermann Frese, Grvßkaufmami, bremischer Senator und ehern. Reichstagsabgeordneter, f Bremen, 66 I. 23. Ludwig Hesse, Großindustrieller und Generalkonsul, t Dresden, ebruar: 1. Michael Arthur Öa& (Lord Burton), _.o_ _rauerEönig, t London. März: 12. Hermann: Julius Meyer, Seniorchei des Bibliographischen Instituts in Leip­zig, t Leipzig, 83 I. Dr. Heinrich E. Wiegand, Generaldirekwr des Norddrwtschen Lloyd, t Homburg v. b. H., 53 I. Apri V. 30. Albert Langen, Bert aas buchend [er, Verleger desSimpli-* ziissimus^", t München, 40 I. Mai: 19. Henry Rogers, Vize­präsident der Standard Oil-Company, t Newyork, 69 I.> Juli: 24. Gustav Michels, Großindustrieller, f Köln, 73 I. Aug u st: 9. Franz Stupf erber g, Großindustrieller, t Benbork a. Rhein, 59. I. 24. Caesar Schmidt, Verlagsbuchhändlerr f Hamburg, 70 I. September: 9. Edward H. Harriman, am'erik. Eisenbatzickönig, t Arden, 61 I. 11. Hugo Steinitz, Verlagsbuchhändler, t Berlin, 56 I. Oktober: 19. Dr. Felix Hockst, ehern. Direktor der Rhemischckn Hypothekenbank in Mannheim, t Weimar, 70 I. November: 13. Jickius Campe, Verlagsbuchhändler, t Hamburg, 64 I. 20. William Lassan, Begründer des seinen Namen ttagenden Telegraphew- bureaus und Eigentümer mehrerer Zeitungen in Newyork, ? Lawrenee, 61 I. 24. Theodor Ritter von Taußig, Gouverneur der Allgem. Oesterr. Bodenkreditanstall, f Wien, 60 I.

die Schwäche der Kritik: sie sind aber auch ein Unterpfand ihrer Integrität."

Das geschützte Edelweiß. Zu den Alpenpflanzen, die durch unvernünftiges Ausreißen und durch den Handel bedroht sind, gehört vor allem die schönste aller Gebirgsblumen, das Edel­weiß, das nachgerade vom Schicksal des Aussterbens bedroht ist. 3n Bayern wird nun aber dalür gesorgt, daß die Snobs der Berge künftig nicht mehr so leicht das .Hüatl" mit dem unoer- meidttchen natürlich gekauften Edelweißstrauß schmücken können. Am 1. Januar treten in Oberbayern neue Vorschriften ui Kraft, deueu infolge nur Inhabern eines persönlichen Erlaubnis­scheines das Pflücken größerer Mengen von Edelweißpflanzen ge­stattet sein wird. Diese Erlaubnis wird nur selten erteilt werden, und dann nur Leuteu, tue die Sicherheit bieten, daß sie beim Pflücken die Pflanzen selber möglichst schonen. Sogar die auf eigenem Grund und Boden stehenden Pflanzen dürfen von ihrem Besitzer nicht ohne weiteres aiisgerissen werden. Die neue Vor­schrift trifft also in erster Linie die Gebirgsgigerln und die Händler, denn der richtige Bergsteiger ist kein Zerstörer, sondern stets ein Heger und Beschützer der Alpenflora.

Gute Gedächtnisse. Unter den französischen Schrift­stellern und Dichtern des 19. Jahrhunderts gab es viele, die ein beiieidenswert gutes Gedächtnis halten. InMon Timanche^ wird erzählt, daß Alexander Dumas Vater, als er das utr die Eomödie Fran^aise bestimmt- Dianuskript des DramasChristine- verloren hatte, in einer Nacht die fünf in Versen geschriebenen 'Akte aus dem Gedächtnis noch einmal niederschrieb (I) An dem Tage, an dem Victor Hiigos ,L6geude de siöcles erschien, speiste Theophile Gautier in Gesellschaft einiger Freunde, die sich lebhaft über das neue Werk unterhielten. Man bedauerte sehr, daß man nicht sofort ein Exemplar des neuen Buches bei beschaffen konnte: da erhob sich Gautier und deklamierte 158 Verse au5 dem neuen Werke. Man 'ragte ihn erstaunt, ob er die Verse schon seit längerer Zeit aus dem Aianuskript kenne, ivormif er ruhig erwiderte:9tem! Ich habe Heilte morgen beim Frühstück das Werk des Pleisters mir ein bißchen angesehen." Lamartine war gleichsalls mit einem aus­gezeichneten Gedächtnis begabt. Eines Tages zitierte er in Gegen­wart guter Freunde etwa 800 Verse, die er am Morgen desselben TageS geschrieben Hatte. Guy de Maupassant erzählte, daß Flaubert aus Werken, die er vor zehn und noch mehr ' pc?- beliebige Stellen zitieren konnte; ja, er tou^k genau die Seite anzugeben, auf der die betrefü >io war. Gambetta soll die Namen aller Repi^-k niid Algeriens auswendig gewußt haben. ? daß ihm auch nur ein einziger Irrtum konnte, wie viel Stimmen in jeder c'' für die Republik abgegeben wor-.

9. Zionisten-Uongretz.

4 d antiburg, 2. Fan.

Nach langbauernben Erörterungen, wie sie in solcher Hefttg- teit woM nur noch brr Baseler Kongreß gesehen hat, in her 9. Zio- nisten-Kongreß zu Ende gegangen. In der sortgefetzten Besprechung der Verhältnisse in Palästina hielt der Redakteur der zionistischen ZeitmigEl Ävenir" David Florentin (Saloniki) einen Vor- trag, in, Dem er die kulturelle Lage der Juden in der Türkei

Zweites Blatt 160. Jahrgang Montag 3. Januar 1810

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General-Anzeiger für Gbechchen