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2.8.1910 Erstes Blatt
 
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Nr. 178 Erstes Blatt 1««. Jahrgang Dienstag S. August 1810

Gießener Anzeiger»

=sss General-Anzeiger für Sberheffen

Annahme von Anzeigen ? 6 M u. Land" und «Gerichts-

bis oornütTgTöu^ Roiationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und ZteindruSerei B. Lange. Redaltion, Expedition UNS Druckerei: Zchulstraße 7. !2^eifle»tede:B:^.üVerf.

im <5üben von Nyong, im Westen von der Straße von

Atok nach Ngelernendake und im Osten von der Straße

gefallen wäre.

Stimmung in die Ferien gehen, wenn nicht das Budget mit I nördlichen Zweig dieses Stammes bewohnte Gebiet, das seinem ganzen Komplex von Flotten- und Sozialversiche- " ~-c <*'- r

rungsfragen erst die erste Lesung im Unterhaus passiert hätte und in der Vetofrage noch immer keine Entscheidung

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Zur Vertagung des englischen Parlaments.

Das englische Parlament hat sich ant Freitag vertagt, um seine Arbeiten erst am 15. November wieder aufzu­nehmen. Zu der Kampfpause, wie sie zwischen Lords und Gemeinen in ihrem Streit um die Oberhaussrage durch den Tod König Eduards herbeigeführt wurde, tritt die Ferien- pause, und man hofft, daß während der Ferien die Eini­gungsarbeiten der Betokonserenz einen solchen Fortgang nehmen werden, daß der Streit zwischen Ober- und Unter­haus in beiderseitigem Einvernehmen geschlichtet, das Bridget erledigt und deshalb von Neuwahlen abgesehen werden kann.

Ueberblickt man die Arbeiten des im Januar dieses Jahres neugewählten und am 22. Februar zusammengetre- tenen Unterhauses, so nahmen nach Erledigung der sich nach englischem Brauch an die Thronrede König Eduards anschließenden Adreßdebatte die Erörterungen über das Budget, namentlich hinsichtlich der Marinefragen, und die Kämpfe um die Stellung des Oberhauses zum Unterhaus ganz naturgemäß den Hauptteil der Zeit in Anspruch und ließen an Heftigkeit nichts zu wünschen übrig. England stand im März und April vor einer schweren inneren Kickse, bei der es sich um Sein oder Nichtsein des Kabinetts Asquith handelte, weil dieses nicht nur in der konservativen Oppo­sition die schärfsten Gegner fand, sondern sich auch bei Iren und Arbeiterparteilern Sonderwünsche geltend machten, in­sofern diese ihre Zustimmung zum Budget von der vor­herigen Erledigung der Homerule und der Oberhaussrage abhängig machten, die Krone es aber in beiden Punkten an einer deutlichen Stellungnahme fehlen ließ.

Das änderte sich, als am 7. Mai KöniH Eduard die Augen schloß und sich eine Nation al trau er über England breitete, wie sie das Jnselland selten gesehen hat. Unter ihrem Zeichen hielten am 8. Juni die beiden Häuser des Parlaments sehr merkwürdige Sitzungen ab, bei denen man sich, nachdem das Unterhaus noch vor den Ferien die Ent­schließungen gegen das Oberhaus angenommen hatte, auf einen scharfen Zusammenprall der gegensätzlichen Anschau­ungen, ja, bei der voraussichtlichen Ablehnung der Veto­entschließungen durch das Oberhaus schon auf die Auflösung des Unterhauses und auf Sommerneuwahlen gefaßt machte. Aber nichts von alledem. Im Unterhause eine rein ge­schäftsmäßige Sitzung über einige Marineforderungen, dafür aber ein um so eifrigeres Tuscheln und Beraten draußen in der Lobby über das Schweben von Kompromißverhand­lungen in der Oberhaussrage, über deren tatsächliche Ein­leitung man nach dem Rededuell des Regierungsvertreters Lord Erewe mit Lord Rosebery in der Lordskammer nicht mehr im Zweifel sein konnte. Der Tod des ersten britischen Staatsmannes gerade in dem Augenblick, wo er, wie kein anderer, zu der wichtigsten Entscheidung über die Neuord­nung der Verfassung berufen war, hatte die Gemüter ver­söhnlich .gestimmt. Man überließ die weitere Erledigung der Oberhaussrage mit der ausdrücklichen Absicht, zu einer Einigung zu gelangen und dadurch Neuwahlen zu vermeiden, der bald darauf" zusammentretenden Vetokönserenz und wandte sich mit um so größerer Friedfertigkeit denjenigen parlamentarischen Arbeiten zu, die die Thronbesteigung König Georgs V. nötig gemacht hatte.

Es waren dieses insbesondere neben der Erledigung der Adreßdebatte an den neuen König das Regentschafts- gesetz, die Neuordnung der Zivillifte und die Abänderung des Krönungseides, dessen bisherige Form vor allem die Katho­liken aufs ärgste verletzen mußte. Das Parlament hat diese Aufgaben gelöst und könnte daher in sehr befriedigter

Asquith hat nun zwar in der letzten Sitzung des Unter­hauses vor den Ferien mitgeteilt, daß es den Bemühungen der Vetokonferenz gelungen sei, einen großen Teil der Diffe­renzen zwischen Oberhaus und Unterhaus zu beseitigen, so daß es wünschenswert sei, die Einigungsverhandlungen während der Ferien fortzusetzen, aber er hat gleichzeitig auch fein Hehl daraus gemacht, daß, wenn keine Aussicht auf eine endgültige Verständigung sei, die es ermöglichte, dem Parlament noch während seiner Herbstsession von dem Ergebnis her -Petokonferenz Kenntnis zu geben, die Ver­handlungen abgebrochen werden müßten. Das bedeutet natürlich nichts anderes, als Auflösung des Parlaments und Neuwahlen im Winter.

Es ist nun eine große Frage, ob die Vereinbarungen der Vetolonferenz, wenn sie wirklich zustande kommen, die Iren und Arbeiterparteiler so befriedigen, daß sie ihre Zu­stimmung zum Budget geben. Und eS ist eine weitere große Frage, ob, wenn die Verhandlungen der Vetokonferenz scheitern, der Kampf zwischen Ober- und Unterhaus also in voller Schärfe einsetzt und in Neuwahlen zum Austrag kommen muß- die jetzige liberale Regierung, wie bei den letzten Wahlen, noch eine, wenn auch schwache Majorität im Lande hinter sich hat, selbst unter Zurechnung der Iren und Arbeiterparteiler. Denn diese standen den Ver­handlungen der Vetokonferenz von vornherein mißtrauisch gegenüber, sie haben an der Flottenpolitik Asquiths, wie auch an der Sozialversicherung allerlei auszusetzen, ganz abgesehen davon, daß die Iren der Bereitwilligkeit der Krone, ihnen die langersehnte Homerule zu gewähren, nicht trauen. Aber selbst wenn man annimmt, daß Arbeiter­parteiler und Iren mit den Liberalen bei den nächsten Wahlen zusammengehen, um den Kampf gegen das Ober­haus durchzufechten der Einfluß der Konservativen ist anscheinend im Lande gestiegen und hat sich auch auf ge­wisse liberale Kreise ausgedehnt, nachdem auch der jetzige Tagungsabfchnitt des neugewählten Parlaments sich ziem­lich unfruchtbar gestaltet und die Asquithsche Flottenvorlage mit ihren vier neuen Dreadnoughts die Furcht des Durch- schnittsenaländers vor einer deutschen Invasion nicht völlig beseitigt hat. So befindet sich augenblicklich in England eigentlich alles in der Schwebe: Vecofrage und Budget, Ministerium und Parlament. Erft die Wintersession wird darüber Klarheit schaffen.

London, 1. Aug. Im Oberhause gelangten die dritte Lesung der die Regentschaft regelnden Gesetzvorlage unbbie zweite Lesung der die Erklärung bei der Thronbesteigung betreffenden Gesetzvorlage einstimmig zur Annahme.

Ernste Unruhen in Kamerun.

Endlich erscheint auch ein amtlicher Bericht über die Erhebung der Makka in Kamerun. Die ernsten Nachrichten, die wir vor einiger Zeitz qviedergaben, werden darin vollauf bestättgt:

Merlin, 1. Aug. Nach inzwischen hier eingegangenen Berichten des Gouvernements von Kamerun beschränkt sich die mit der Ermordung des Kaufmannes Bretsch neid er in Zusammenhang stehende Bewegung der Makka im Südosten der Kolonie auf das von dem

von Abong nach Mbang Dume begrenzt wird. Die nach dem Morde von der Station Dume sofort eingeleiteten Ope- rattonen werden vom Major Dominik mit zwei Kom­pagnien Schutz truppen fortgesetzt. Ein vergeblicher Angriff der Makka auf die Station Dume, wo­bei Unterzahlmeister Arnold durch einen Pfeil- schuß am Unterschenkel verwundet wurde, machte die Abkommandierung eines Teiles der Truppe unter Haupt­mann Marschner zum Schutze der Station erforderlich. Ma­jor Dominik glaubt, daß die militärische Ak - tionbisMitteAugustdurchgeführtist. Erst dann werden voraussichtlich genauere Feststellungen über die näheren Umstände, unter denen Kaufmann Bretschueider ermordet wurde, erfolgen können. Sieben beteiligte Häuptlinge wurden bereits abgeurteilt und ge­hängt.

politische Tagesschau.

Noch eine Ausfragung des Herrn von Kiderlen-W'ächter.

Auch vor seiner Abreise von Marienbad ist der neue Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von einem Mit­arbeiter derDienen Freien Presse" ausgesiagt worden. Ueber das Ergebnis dieser Aussiagung teilt das genannte Blatt folgendes mit:

Wie ich die politische Situation beurteile? Ich kann mich nur günstig über die Weltlage äußern. Ich sehe keinenj schwarzen Punkt. Ich sehe nirgends einen Krieg im An­zuge. Heutzutage überlegt man sich ernstlich, Krieg zu führen. Tas ist nicht wie früher, wo man auch Frieden schließen tonnte, ehe noch der Zustand völliger Erschöpfung bei einem Teil ein- getreten war. Die steigenden Machtmittel erschweren den Krieg. Wer möchte sich heute bis zu einer völligen Erschöpfung besiegen lassen? Und brauchte nicht bei den heutigen Verhältnissen auch der Sieger Zeit, um sich zu erholen und sozusagen auszuschnausen?"

Auf die Frage nach dem Verhältnis Deutschlands zu Eng­land erwiderte Herr v. Kiderlen-Wachter:Da sage ich, man soll über unsere übrigens guten Beziehungen zu (Hrgland nicht allzuviel sprechen. Mit diesen Beziehungen ist es wie mit schönen Frauen. Je weniger man von ihnen spricht, desto besser."

Ob sich eine völlige Uebereinstimmung zwischen mir und dem Grafen Aehrenthal betrefss der schwebenden Fragen ergeben hat? Gewiß. Wir^haben uns gut verstanden. Nur in einem Punkte gibt es einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen uns' Graf Aehrenthal hat dunkles, ich Helles Bier getrunken. Aber ich gestatte dies dahin zu deuten, daß der Graf die Eourtoisie. hatte, dem deutschen dunklen, und ich das Entgegen­kommen, dem Hellen österreichischen Bier meine Huldigung dar­zubringen. Das ist aber bie einzige Kontroverse, die zwischen den Ministern der beiden Staaten besteht."

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Ein deutscher Bischof gegen den Hirtenbrief?

DerKöln. Ztg." wird aus Freiburg geschrieben!

Gewiß hätte die Germania und die übrige deutsche Zentrums- Presse und sicherlich auch Geistlicher Rat Wacker ihre abfällige Kritik an Dr. Feurstein und dessen Vorgehen unterlassen, wenn sie vorher davon Kenntnis gehabt hätten, auf welche Hintermänner sich Dr. Feurstein zu berufen in der Lage ist. In einer Zuschrift an den Badischen Beobachter erklärt Feurstein heute mit Namensunterschrift, daß sein Kronzeuge, der überhaupt erst das von ihm über die Enzyklika abgegebene Urteil in ihm befestigt habe, ein hoher kirchlicher Würden-

$rantfnrter Kunftschau M0.

Gießen, 1. August.

Der Frankfurter Kun st verein hat eine Aus­wahl von Werken zeitgenössischer Künstler zusammengestellt, von denen uns die im Vordergründe stehenden Ge­mälde besonders interessiert haben. Gibt die in Frank­furt ausgestellte kleine Sammlung natürlich auch kein voll­ständiges Bild vom Stande der heutigen Malerei, so führt sie uns doch einigen Grundlinien der Entwicklung nahe. Die Häupter der Impressionisten, Liebermann und Uhde, sind durch einige Bilder vertreten, aber sie erscheinen weder als Führer, noch überzeugen sie recht von der überragenden Höhe ihrer Leistungen. Liebermann gibt ein Strand­bildBadende Junge n". Die kühne, flotte Technik, das sichere Auge, haben damit auch hier wieder eine inter­essante Wirkung erreicht, ob aber durch solche geniale Nach­lässigkeit in der Behandlung der Linien eine volle Befriedi­gung gewonnen wird? Es fehlt das Abgerundete, Ge- rlärte. Wir empsinden keine zwingende Notwendigkeit, daß auf der immerhin großen Fläche diese nackten Halbwüchsigen mit gar so gering sch ätz end er Hast dahingeworfen wurden. Tie Bewegung der sich auskleidenden Knaben ist lebendig und von Humor, aber man schaut eben bei den groben Formen, den im Pinselstrich hölzernen Gliedern, fast wie in eine Karikatur, nicht wie in ein ruhiges Bild von satter Schönheit. Etwas behagliche Anschaulichkeit liegt dann wieder in dem schäumenden Weiß des kleinen Brandungs­striches und in der tiefblauen Horizontlinie des Meeres.

Uhde erweckt mit einer ihm eigenen gemütvollen Kom­position,Der barmherzige Samariter", die alte Wert­schätzung. Dieser Einzug durch das braune Mauertor ent­hüllt fesselnde Studien der Lichtwirkung und ist etwas dra­matischer als die sonst vielfach gesuchten Stellungen in den Uhdeschen Bildern. Volles Licht fällt auf den Ober­körper einer den Einziehenden entgegenkommenden Frau, die, wie sie teilnahmvoll betroffen die Hände erhebt, ein charakteristisches Gegenstück zu dem Manne abgibt, der in der Tür seines Hellen, bescheidenen Hauses bereits die Ge­bärde gastlicher Aufnahme macht. Das Gemälde erzählt Dann noch von einigem Federvieh, Haustieren und ähn­licher zerstreuender Staffage, aber es fehlen ihm die rein

anschaulich bezwingenden Eigenschaften, wie sie besonders in einer abgewogenen Farbenbehandlung liegen. Das Ganze bleibt nach dieser Richtung matt und nüchtern.

Der Münchener Maler Schramm-Zittau hat ein kleines Bildchen mit Enten ausgestellt, das in der im­pressionistischen Art Liebermanns äußerst frisch und an­mutig ist. Auch der Münchener v. Zügel war im flotten Hinwerfen von Tieren auf bem Gang zur Weide, aus dem Heimweg oder am Wasser sehr glücklich, alle drei Bild­chen sind lobenswert. Im übrigen lieferte die süddeutsche Künstmetropole Beispiele der bekannten Landschafterschule, die mit dünnen Farben fein und sauber, aber auch leblos arbeitet, Bilder, über die das Auge wohl hingleitet, die es aber nicht umfaßt. Adolf Hengeler, Toni Stadler, Joseph Wenglein, auch der Genfer Ferdinand Hodler, von denen solche Landschaften zu sehen sind, erheben sich immerhin über einige andere Münchener, die eigne Wege gehen wollten, aber befremdend wirken, z. B. Walter Püttner, mit seiner gräßlichen Schneiderstube, einem großen Gemälde mit Plunder und Farbendurcheinander, oder Leo Putz, mit einer eintönigen Pikanterie, die erDas Strumpf­band" nannte. Da ist Th. Th. Heine mit seiner Schloßdame", einer feinlinigen, spöttisch überspannten Komposition, doch interessanter.

Tiefere und packendere Künst aber treffen wir bei Franzv. Stuck, der in phantastischen Motiven mit leuch­tenden Farben in den Bahnen Böcklins wandelt.Nixen­raub": lachend, mit grünschillernden Augen und sinnlichem Munde, sitzt dieGeraubte" auf den Schultern eines zottigen Bockmenschen, der mit gespreizten, groben Händen die blau, grün und rot geperlten Fischschwänze seiner Beute packt. Hell durchleuchtete Wolken, zwischen Felsen dunkles Wasser, sind meisterlich gemalt. In durchdachtem Gegensätze steht zu den leuchtenden Augen, Mund und Zähnen des Fisch­weibes dessen mattes, glanzloses Haar. Weit mehr Rhyth­mus und Weichheit spricht daneben aus Stucks neuestem WerkeSommernacht": ein südländischer, blauer, fternen- befäeter, noch mehr von grünlichen Wolkenschwaden durck)- hellter Nachthimmel, über niederem, dunklem Tropenbuscy-- werk weiter Raum, der sich in schwarze Ferne verliert. Dort­hin wandeln in lustigem Reihen drei abenteuerliche Paare, die Weiber in blendender, feuchter Nacktheit, die mit blauen.

roten oder grünen Fetzen bekleideten Südländer stürmisch vorwärts eilend. Ein Neger drunter, der grinsend den Kopf wendet, zeigt sein Gebiß. So kühn die Laune des Künstlers ist, er zieht uns mit seiner sicheren Farbenkomposition in seinen Bann. Die Linien der dahinziehenden Gestalten sind fein abgestimmt, es liegt, beinahe an Feuerbach erinnernd, ein musikalischer Ernst über dem Ganzen. Wie nüchtern macht sich zwischen diesen Stuckschen Gemälden Eduard v. Gebhardts (Düsseldorf) dramatischer Entwurf:Der Tod des Moses"! Hier ist Abkehr von der Natur, denn diese bildet keine so blutig zerronnenen Wolkenfetzen, und wir lieben an ihr auch nicht solch grobe Perspektiven. Moses hat wahrscheinlich in einem anmutenderen Land seine Seele verhaucht.

HansThomasWasserfälle bei Tivoli" braucht man nicht mehr zu loben. Bei ihm ist schlichte Natur, fromme Versonnenheit. Wie friedlich schreitet wieder unten im Tale der Packesel, welches Idyll träumt der einsame Knecht! Auch Friedrich Kallmorgens sonnige Kunst durfte nicht fehlen. Von ihm sieht man ein flottes Bildchen vomHam­burger Hafen", er heißt es:Grauer Tag", und doch sehen uns die großen, roten Schiffskörper so vertraut an, ist alles Tak'elwerk, Rauch und Elbwasser, so lebensfrisch von­einander abgetönt. Schoen le der, der größere und ruhigere Bilder zu mülen pflegt, hat ein neblig verschleier­tes Fi scher bildItalienische Marine" genannt; es ist, wenn es auch über die meisten Werke der Frankfurter Ausstellung hinausragt, dennoch nicht eines seiner besten. Bon Wil­helm Trübner fesselt besonders feinSchloß Lichten­berg im Odenwald", das jedoch nur mit einem feiner Re- naissaneegiebel über den grünen Hang hinausragt; ein prächtiger Ausschnitt aus der reizvollsten Odenwaldgegend. Ludwig Dill gibt mit einem vornehmen Temperagemälde Silberpappeln" eine gute Probe malerischer Empfindung.

Die Porträtkunst ist durch zwei Münchener gut vertreten. Ludwig v. Zumbuschs entzückendes Kinder­bild wird den Meisten noch besser gefallen als Fritz Erlers gleichfalls sehr feines Porträt eines sitzenden Knaben, örter ernüchtert durch zuviel unwesentliches und steifes Beiwerk. -z.