Ausgabe 
1.9.1910 Zweites Blatt
 
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Nr. 204 Zweites Blatt

160. Jahrgang

Donnerstag 1« September 1910

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Zamllienblötter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Ureisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Sberheffen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5l. Redaktion: 112. Tel.-Adru Anzeig erGießen.

Englische Vorwürfe gegen Sir Edward Grey.

£ London, 30. Aug.

DerDaily Graphic" greift auf Grund des nun­mehr veröffentlichten Textes des Einverleibungs- Vertrages, durch tnelcken Korea zu einer japanischen Kolonie wird, Sir Edwaro Grey wiederum sehr scharf an : und - rvirst ihm vor, daß er die britischen Interessen sehr wenig gewahrt habe. Lord Salisbury, den Sir Edward früher so angegriffen habe, würde niemals seinen Namen unter ein Dokument gesetzt Haben, welches so wichtige öri- j tische Interessen ohne alle Ursache aufgebe. Die ganze Mandschurei und ganz Mongolien seien heute von Ruß- .land und Japan bedroht, und es scheine, daß die wichtigen Märkte künftighin für den britischen Kaufmann ganz ge­schlossen bleiben würden.

Lucien Wolf behandelt in einem längeren Artikel die Lage eingehend. Er meint, der Vertrag hätte noch viel ungünstiger lauten können, aber immerhin sei er auch so schon schlimm genug. Der Handelsvertrag mit Korea habe Großbritannien dauernde Vorteile gesichert, die nunmehr hinfällig geworden seien, man habe nur gewisse Vorteile * für die beschränkte Zeit von zehn Jahren gesichert. Sonst werde das Ausland von nun ab ganz davon abhängig sein, wie Japan es behandeln wolle. Dabei habe Är Edward. .Grey sich in einer so glücklichen Laae befunden, wie selten ein britischer Minister bei der Einverleibung eines Landes an welchem Großbritannien ein besonderes Interesse habe, denn er habe diese bestimmten Verträge in der Hand ge- habt, was bei Lord Salisbury zum Beispiel nicht der Fall war, als es sich um Madagaskar und Tunis handelte, wo

I er beinahe garnichts in der Hand hatte, was er gegen [ Frankreich ausspielen konnte. Nun hätte man von dem gegenwärtigen Minister so viel erwartet, weil er in der Opposition die Minister des Auswärtigen immer so gern angegriffen habe. Jetzt habe er zugegeben, daß der Han­delsvertrag mit Korea einfach aufhören mußte, ohne daß man auch nur die geringste Entschädigung verlangte oder auch nur protestierte. Das offene Tor, von welchem Sir Edward immer so gern gesprochen habe, habe er sich in Korea vor der Nase zuschlagen lassen, und außerdem habe er auch nichts getan, um dafür zu sorgen, daß es wenigstens in der Mandschurei offen bleibe.

Aus S o e u l meldet man: Den Konsuln «der auswärtigen I Mächte wurde amtlich mitgeteilt, daß, soweit die Fremden­niederlassung in Betracht kommt, in denlVerwaltungs- angelegenheiten, mit Ausnahme des Polizeiwesens, vor­läufig keine Aenderung eintreten wird.

Marc Sangnier unterwirft sich.

O Paris, 31. August.

Diese Mitteilung überrascht aus den ersten Blick, wird aber verständlich, wenn man die Erklärungen liest, die der Führer desSillon" persönlich den Zeitungen gibt. Sie | ,ollen vorbehaltslosen Gehörs am den Wei- i Zungen des Papstes gegenüber erkennen lassen, i'irtb aber trotzdem recht eigenartig gefaßt, so daß die ersten 1 Würdigungen dieser neuen Kundgebung des Papstes gegen I dk.n modernen Geist ihre volle Kraft behalten. Man ur- j teile selbst:

Seit einigen Monaten hatte sich die Bewegung desSillon" endlich eine Verfassung durch die Schaffung des demokratischen j Aktionskomitees und der Union pour l'Education civique gegeben; ich gehöre nur als gewähltes Mitglied, wie alle anderen, den Verwaltungsräten dieser Verbände an. Ich bin selbstverständlich der Ansicht, daß diese neue Organisierung nicht mehr den An- | gaben der Enzyklika entspricht und somit in meinen Augen kein i Existensrecht mehr hat und sich auflösen muß. Was mich be- . trifft, so werde ich in meiner ZeitungLa Democratie" wie bei meinem gesamten öffentlichen Auftreten mit größter Sorgfalt Alles vermeiden, was selbst durch gesuchte Auslegungen den Lehren der Kirche zu widersprechen scheinen könnte. Ich weiß.

Die Schlacht bei Sedan.

Vier Jahrzehnte sind seit jenen welterschütternden Vor- i gängen verflossen, die in den beiden ersten Septembertagen des Jahres 1870 nach langen, blutigen Kämpfen gegen das kriegs- | geübte und tapfere französische Heer auf Frankreichs Boden den Grundstein legten zur Wiederaufrichtung des Deutschen Reichs unter dem Zepter des Herrscherhauses der Hohenzollern.Kaiser Napoleon und sein Heer gefangen . . . Welch eine Wendung I durch Gottes Fügung!" so brauste es durch alle deutschen Gaue ! vom Meeresgestade bis an die Alpen, vom Memelstrom bis zum alten Vater Rhein, zuerst ein wortloses Erstaunen, dann einen unermeßlichen Jubel hervorrufend. Gaben sich schon alljährlich ' bei der Wiederkehr des Gedenktages dieses für ewige Zeiten als ' Markstein in der Geschichte unseres Volkes dastehenden Ereignisses ! laute Begeisterung und das Bedürfnis kund, den 2. September als patriotisches Fest zu begehen, so ist dies im Jahre 1910, welches einen äußeren Zeitabschnitt darstellt und daher Scharen alter Krieger auf den blutgetränkten Stätten ihres unverwelk- ,liehen Ruhms zu erhebenden Gedenkfeiern versammelt, natur­gemäß in erhöhtem Maße der Fall. Nicht mehr allzu viele sind es, die von den damaligen Streitern auf Frankreichs | Fluren noch heute unter den Lebenden weilen. Ihnen, die bereitwillig ihr Leben für des Reiches Größe eingesetzt und in zähem Ringen den stolzen Feind mit wuchtigen Schlägen zu Boden geworfen haben, gebühren unser Dank und unsere Hoch- ; achtung. An ihrem Beispiel soll sich das heutige Geschlecht zu gleichem Opfermut und ebenso glühender Vaterlandsliebe be­geistern, soll es den Wert kriegerischer Tugenden erkennen lernen, i damit, wenn es nottut, die Söhne das ihnen überkommene Erbe mit derselben Einmütigkeit und heldenhaften Hingabe verteidigen, mit der es vor vierzig Jahren die Väter erstritten haben. Wohl ; angezeigt ist es, an diesem hochpatriotischen Festtage einen Blick auf die Ruhmestaten unseres Heeres zu werfen, welche den in f der Weltgeschichte nicht wieder aufzuweisenden Erfolg, die Ge- ' fangennahme eines Herrschers und seiner ganzen Armee im freien Felde, herbeigeführt haben.

Der Zustand des französischen Heeres, genannt die Armee von Chalons, war bei dem abenteuerlichen Zuge, welchen Marschall Mac Mahon in den letzten Augusttagen auf Drängen der Pariser Machthaber auf Metz zu, nahe an der belgischen Grenze entlang, zum Entsatz seines Waffengefährten Bazaine unternahm, ein recht bedenklicher geworden. Durch andauerndes Marschieren bei Tag und Nacht, schlechtem Wetter und mangelhafter Verpflegung waren die Truppen aufs äußerste erschöpft, ihr Vertrauen auf sich selbst uird die höhere Führung hatten sie durch eine Reihe unglücklicher Gefechte und zuletzt noch durch die schwere Nieder- , Iaa« von Beaümont .am 30. August völlig eingebüßt, so daß

daß meine Haltung gewissen Antiklerikalen eine Enttäuschung verursachen wird, aber vielleicht mehr noch gewissen katholischen Reaktionären, die auf eine Empörung meinerseits rechneten. Aber ich bedauere nicht, für meinen Glauben leiden zu müssen, und ich hoffe, Gott wird das Opfer meiner Leiden hinnehmen; ich bin glücklich, durch dieses Opfer noch der Sache dienen zu können, der ich mein Leben geweiht habe, und dazu beizutragen, der Re­publik eine moralische Eingebung und der Demokratie eine christ­liche Seele zu geben. Da ich vor allem Katholik bin und bleiben will, so wird schon die Frage gegenstandslos, ob ich mich der katholischen Disziplin unterwerfen werde oder nicht. Folglich werde ich, ohne einen formelleren Befehl des Papstes abzu­warten, der in der Enzyklika versichert, er wende sich an mich, wie ein Vater an sein Kind, aufhören, die Bewegung der Volkserziehung zu leiten, die unter dem Namen Sillon" die jungen Katholiken für das bürgerliche Leben heranbildete und den Zweck verfolgte, in ihnen die moralischen Tugenden und den religiösen Glauben zu entwickeln. Es wäre das eine Versuchung für mich, überhaupt auf jede öffentliche Tätig­keit, selbst auf politischem Gebiete, zu verzichten; denn nichts ist schmerzlicher, als, sich mit wachsender Gehässigkeit von den verschiedensten Parteien angegriffen zu sehen, die trotz ihrer sonstigen Unversöhnlichkeit untereinander sich in dem Wunsche zusammenfinden, mich zu zermalmen. Aber ich glaube, das ist eine Versuchung der Feigheit, und ich gedenke zum Wohle meines Landes tpeiter zu arbeiten, solange mir irgend ein Mittel dazu bleibt."

EinemTemps"-Mitarbeiter setzte Marc Sangnier noch hinzu, er gedenke seine soziale und politische Tätigkeit schon deshalb fortzusetzen, damit man nicht die Worte des Papstes als ein Verbot an die Katholiken auslege, Repu-« blikaner und Demokraten zu sein. An dieser Auslegung wird aber Marc Sangnier beim besten Willen nichts ändern können. Uebrigens hat sich Marc Sangnier trotz seines kindlichen Gehorsams" dem Papste gegenüber noch dazu in einem Interview mit einem Mitarbeiter eines natio­nalistischen Mattes, derPatrie", eine ganz offene Re- spettwidrigkeit zu Schulden kommen lassen. Er sagte diesem nämlich, der Papst werfe ihm vor, nicht die richtigen fran­zösischen Gefühle zu haben.Mir will aber scheinen," sagte Sangnier,daß der Heilige Vater den französischen Charakter ganz und gar nicht versteht."

Der auswärtige handel Deutschlands.

Heft II des Bandes 232 der Statistik des Deutschen Reichs behandelt den Außenhandel Deutschlands im Jahre 1909 mit Italien mit Einschluß von San Marino.

Im Spezialhandel ohne Edelmetalle hat in Millionen Mark betragen: Die Einfuhr 1908: 235,9, 1909: 287,7; die Aus­fuhr 1908: 311,3, 1909: 288,9.

Die wichtigsten Einfuhrwaren hatten int Jahre 1909 im Spezial handel folgende Werte in Mülionen Mark: Ungefärbte Maulbeerspinner-Rohseide 126,6, Hanf 13, getrocknete Mandeln 9,3, Aepfel 8,2, Tafeltn.ben und Marmor je 6,1, Eier 6, frische Zitronen, Feigen usw. 5,5, Apfelsinen, Schwefel usw. je 4,1.

Die Werte der Hauptausfuhrwaren betrugen in Millionen Mark: Maschinen 44,3 (D ampflo ko Motiven 9,1, Metallbear­beitungsmaschinen 8,3, Nähmaschinen für Handbetrieb ohne Gestell 3,4), Wolltuche 13,2, Overleder 8,3, Anilin und anderweit nicht besonders genannte Teerfarbstoffe 8,2, Dynamomaschinen, Elektro­motoren usw. 5,4.

Der Edelmetallverkehr im Spezialhandel belief sich im Be­richtsjahr in der Einfuhr auf 7,0 Millionen Mark (1908: 5,7 Millionen Mark), in der Ausfuhr auf 11,0 Millionen Mark (1908: 7,2 Millionen Mark).

Heft III enthält die Ergebnisse des Handels zwischen Deutsch­land und Oesterreich-Ungarn und Liechtenstein im Jahre 1909.

Gegenüber dem Vorjahre haben Ein- und Ausfuhr zugenom­men. Im Spezialhandel ohne Edelmetalle hatte die Einfuhr einen Wert von 753,7 Millionen Mark (1908: 751,4) und die Aus­fuhr einen solchen von 767,3 Millionen Mark (1908: 736,8).

Die bedeutendsten Einfuhrwaren im Spezialhandel des Jahres 1909 hatten in Millionen Mark folgende Werte: Braunkohlen 77,6, Bau- ünd Nutzholz 62,5 (hiervon Nadelholz, unbearbeitet oder querbearbeitet 32,8, längsgesägt, nicht gehobelt usw. 16,3), Eier

ihr Oberbefehlshaber es als notwendig erachtete, ihnen eine kurze Rast zu gönnen, die gleichzeitig zur Versorgung mit Lebens­mitteln und Schießbedarf ausgenutzt werden sollte. In dieser Absicht hatte er die Versammlung der Armee bei der kleinen Festung Sedan angeordnet, nicht um sich dort zu schlagen. Aber der Kampf wurde ihm dort von den Deutschen aufgezwungen^ deren Maasarmee unter dem Kronprinzen von Sachsen im Osten und deren 3. Armee unter dem Kronprinzen von Preußen int Süden so dicht an die Franzosen herangerückt waren, daß ein entrinnen ausgeschlossen blieb und die Entscheidung fallen mußte. Die Stellung bei Sedan war im Rücken durch die Fesytng gedeckt; die Maas und die Täler des Givonne- Nnd Floingbaches waren gute Hindernisse, tief ein geschnittene Schluchten und schwer durchschreitbare Waldstücke erschwerten das Vordringen des Angreifers und begünstigten die Verteidigung.

Trotz eines dichten Nebels hatte der Kampf schon beim Morgen­grauen am 1. September begonnen, indem General von der Tann eine Brigade seiner Bayern auf Pontonbrücken über die Maas gegen Bazeilles vorschicktc, wo schon am Nachmittage vorher ein Gefecht stattgefunden hatte. Nunmehr fanb man den Ort zur hartnäckigen Verteidigung eingerichtet. Aller Hindernisse und des feindlichen Feuers ungeachtet, drangen die Bayern in das Dorf ein, und es entspann sich ein stundenlanges, heftiges Gefecht, in welchem Haus für Haus genommen werden mußte. Auch die Einwohnerschaft beteiligte sich lebhaft am Kampfe. Ein Uebel- stand war es, daß die am linken Talrande der Maas stehende starke Artillerie gegen das bald in Flammen ausgehende Bazeilles nicht wirken formte, da der Ort mit Kämpfern beider Parteien angefüllt Ivar. Auf dem rechten Flügel der Bayern traten die Sachsen in der Richtung auf Moncelle ins Gefecht, an die sich weiter nach rechts hin das preußische Gardekorps anreihte, wäh­rend das 4. Korps die Bayern und Sachsen direkt unterstützte. Auf der andern Seite von Sedan fochten das preußische 5. und 9. Armeekorps. Sie hatten morgens um 6 Uhr bei Donchery, wo die Württemberger zur Beobachtung gegen Mözieres stehen blieben, auf drei Pontonbrücken die Maas überschritten und schlossen den Ring von dieser Seite, um ein Ausweichen des Feindes über die belgische Grenze zu verhindern.

Die zuerst aufntarschierten Batterien hatten eine Zeit lang einen schweren Stand gegen die in guter Stellung befindliche französische Artillerie. Nur durch wenige Kompagnien und etwas Kavallerie gedeckt, boten sie ein verlockendes Attackenziel für die in der Nähe haltende feindliche Kavalleriedivision. Diesen Augenblick nutzte der kühne französische Reitergeneral Galliset zu einem Angriff mit drei Regimentern Chasseurs d'Asrique und zwei Ulaneneskadrons ans, der aber an dem Schnellfeuer der preußischen Infanterie zerschellte und unter großen Verlusten wieder zurückslutkü^ Immer enger zog M von; Stunde zu

62,0, 'Rindvieh 38,6 (hiervon Ochsen 26,9), Kalbfelle 24,1, Malz-' gerste, 23,3, Malz 13,4, Hopsen 12,0, Steinkohlen 11,8.

In der Ausfuhr des Spezialhandels ragten hervor (mit Werten in Millionen Mark): Steinkohlen 123,6, Maschinen 53,9 (hiervon zur Bearbeitung von Metallen 10,3), Kammzug 31,0 (hiervon Merinokammzug 22,6), rohe Baumwolle 23,3, Bücher 22,3, Stein­kohlenkoks 16,1, Oberleder 13,1. Der Edelmetallverkehr hatte 1909 einen Wert von 10,6 Millionen Mark in der Ein- und von 23,7 Millionen Mark in der Ausfuhr gegen 9,9 lHw. 11,7 Millionen Mark im Jahre 1908.

Heft IV behandelt den auswärtigen Handel Deutschlands mit Rumänien und Serbien im Jahre 1909.

1. Rumänien. Im Spezialhandel ohne Edelmetalle hat in Millionen Mark betragen:

Die Einfuhr Die Ausfuhr

1908 73,7 70,8

_____________1909 64,5_________________________57J2___________ wonach 1009 weniger 9,2 12,5 v. H.; weniger 13,6 19,2 v.H.

Die wichtigsten Einfuhrwaren aus Rumänien erreichten im Jahre 1909 im Spezialhandel folgende Werte in Millionen Mark; Weizen 23,0, Mais 12,7, weiches Bau- und Nutzholz, gesägt usw. 4,9, Hafer 4,5, Gerste 4,2, Eier 3,3, Roggen 2,1, gereinigtes Erdöl (Brennerdöl) und Rohnaphta, Rohbenzin je 1,8.

In der Ausfuhr hatten die höchsten Werte (Millionen Mark): Maschinen 7,3, Baumwollwaren 6,2, Wollenwaren 6,0, eiserne Röhren 3,4, schmiedbares Stab- und Bandeisen 2,8, Eisenblech 1,7, Oberleder 1,2, eiserne Pflüge 1,0.

Der Edelmetallverkehr belief sich auf 2,2 Millionen Mark in der Ein- und 5,8 Millionen Marck in der Ausfuhr gegen ,4,9. bezw. 2,1 im Jahre 1908.

2. Serbien. Im Spezialhandel ohne Edelmetalle hat in Millionen Mark betragen: Die Einfuhr 1909: 15,4 (1908: 15,4)/ die Ausfuhr 1909: 16,5 (1908: 16,2).

Die Werte der hauptsächlichsten Einfuhrwaren im Spezial­handel des Jahres 1909 sind in Millionen Mark folgende: Mais 4, getrocknete Zwetschen 3,2, Futtergerste 1,7, Weiznt 1,5, Schweine­schmalz 1,3, Eier 1,1. Die Werte der bedeutendsten Ausfuhrwaren betrugen im Jahre 1909 im Spezialhandel: Wollene Kleiderstoffe 1,5, Eisenbahnschienen 1,3, gefärbte, bedruckte usw. Baumwoll­gewebe 1,0, schmiedbares Stab- und Bandeisen 0,8, Maschinen: 0,7, Rindshäute 0,6 Millionen Mark.

Ein Edelmetallverkehr fand 1909 nur in der Einfuhr statt. Er belief sich auf 208 000 Mark gegen 65 000 Mark im Jahre 1908.

Die Wunderdoktoren von Hartenrod.

(Nachdruck verboten.)

II.

h. Marburg, 31. Aug.

Heute wurde mit her Beweisaufnahme fortgefahren. Einü Frsu C l o o s aus Wilsbach, begab sich auch in die Behandlung der Heilkünstler. Diese stellten Lungen- und Magenmunderwei­terung, sowie Dünndarmverschleimung fest. Der Sachverständige Prof. Dr. Hildebrand hat nur das letztere Uebel festgestellt, eine Magenmunderweiterung kennt er nicht. Dikomeit weigertL sich heute, eine Diagnose festzustellen und gab auch sonst keine Auskunft. Beim Landwirt Cloos aus Wilsbach stellte Dikomeit^ Magen- und Brustrheumatismus fest, als er ihn wegen eines Kopfaus schlag es besuchte. Dikomeit habe ihn völlig kuriert und ihm nur 2 Mark abgenontmen, well er ein alter Kriegs Veteran sei. Landwirt Koch aus Endbach rief Dikomeit zu Hilfe, als sein kleiner Junge Leibschmerzen bekam. Bei der Augenunber- suchung wurde Blinddarmentzündung festgestellt und bei Zimmer­mann Arznei und Pulver geholt. Es ist das der Fall, bei dem Dikomeit eine Typhus-Erkrankung nicht angemeldet haben solü Ter Kreisarzt, der damals Typhuserkrankungen kontrollierte, hatte den Verdacht ausgesprochen, daß es sich um diese Krankheit handelte. Prof. Hildebrand und Dr. Tennbaum stellen fest, daß es sich um Typhus gehandelt habe. In Endbach habe damals eine ziemlich starke Typhus-Epidemie geherrscht; außerdem habe die Untersuchung von Blutkörperchen des Kindes in Wiesbaden den Verdacht bestätigt. Tie Mutter des Kindes, Ehefrau Koch aus Endbach, hielt mehr zu Dikomeit wie zum Kreisarzt, was diesen zu der Bemerkung veranlaßte, daß sie wohl schlauer sei wie er.So sehe ich doch gar nicht aus," meinte sie unter all­gemeiner Heiterkeit.

Eine Frau Becker aus Endbach, die von Dikomell mittels Baunscheidtscher Methode behandelt worden war, bekundete groß« Befriedigung über die Kur. Früher sei Gallenstein bei ihr ver­mutet worden. Dikomeit habe Leberkrankheit festgestellt. Prof,

Stunde der Ring der Umklammerung um die französische Armee, die sich wacker wehrte und kein Mittel unversucht ließ, an irgend einer Stelle durchzubrechen. Noch ein zweites Mal versuche die Kavallerie in aufopfernder Weise und wiederum unter Generah Gallifets Leitung, die andrängenden Deutschen zurückzun^rfen> aber vergebens; ganze Strecken weit war das Feld mit toten, und verwundeten Reitern und gefallenen Pferden bedeckt; jedoch das Schicksal des Tages war nicht mehr zu wenden.

Schon am Morgen um 6 Uhr war Marschall Mac Mahon durch einen Granatsplitter verwundet worden, und an seiner Stelle hatten nacheinander General Ducrot und dann Generali Wimpfsen die Führung übernommen. Für den Marschall und seinen militärischen Ruf war diese Verwundung ein Glück, denn sonst wäre er, obwohl er nur die ihm aus Paris zugegangensv Weisungen befolgt hatte, sicher der Unterzeichner der von ganz Frankreich mit einem Sturm der Entrüstung Begleiteten Hu»- tulation geworden und sein Name untrennbar mit dieser verknüpft gewesen. In den Nachmittagsstunden erlahmte der Widerstand, die Tatkraft der Gegner war erschöpft und der Dirchbruchsversnch^ der zuerst von Duerot in der Richtung auf Msziöres angesetzt, dann von Wimpffen nach der entgegengesetzten Seite unternommen! wurde, um die Bayern und^Sachsen zu überrennen und Anschluß nach Metz hin zu gewinnen', endgültig als gescheitert anzusehewi In regellosen Massen drängten die Franzosen von allen Seiten nach Sedan hin, verfolgt von den Granaten der deutschen Batterien, die in mächtigen Linien an beiden Ufern der Maas auf gefahren waren. Bald stiegen die Feuersäulen aus der Stadt auf, und ulm Vsd Uhr nachmittags wurden weiße Fahnen, das Zeichen der Ergebung, auf den Türmen sichtbar, womll der Kampf sein Ende sand. Kaiser Napoleon hatte den General Wimpffen auf- gefordert, in Unterhandlungen mit dem deutschen Hauptquartier zu treten, und hatte für seine Person an König Wilhelm seinen Generaladjutarllen mit einem eigenhändigen Schreiben gesandt> durch das er seinen Degen in die Hand des Königs legte. Vlm nächsten Morgen, Freitag dem 2. September, wurde dann die Kapitulation abgeschlossen, nachdem die Vcrl-andlungen während der Nacht abgebrochen worden waren,weil die französischen Be- vollmächtigten erfiärt hatten, die geforderten Bedingungen als zu hart nicht annehmen zu können. General Moltke aber blieb fest, er forderte Waffenstreckung der ganzen Armee und bran^ durch; die Franzosen sahen wohl auch das Aussichtslose eines weiteren Kampfes ein, der ihnen am 1. September 17 000 Mann gekostet hatte, ein Verlust, der auf die volle Entwicklung der deutschen Artillerie zurückzufül)ren ist. Die Einbuße der Deut- ichen belief sich etwa auf die Hälfte. Schon während de§ Kampfes waren 21 000 Franzosen in Gefangenschaft geraten, denen bind) die Waffenstreckuna noch 83 000 Mann hinzutraten, so daß ins' gefamt 104 000 Mann ifl feie Hände den Deutschen fielen, welche