Ausgabe 
1.3.1910 Zweites Blatt
 
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Nr. 50 Zweites Blatt

160. Jahrgang

Dienstag 1. März 1910

Erscheint täglich mit Ausnahme dcS Sonntags.

TreSiehener Zamilienblätter" werden dem .Sinniger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwcrsitätS - Buch- und Sleindruckerei.

R. Lange. Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: Redaktion: Test-AdruAnzeigerGießen.

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Tibet und die Machte.

Aus Äafhitta kam die Meldung, das; der Dalai Lama, der fetzige Inhaber der höchsten geistlichen Würde für alle An­hänger Buddhas, aus Lhassa nach Indien geflohen fei, da chinesische Truppen buddhistische Nt*.öfter beraubt haben sollen. Diese Flucht rollt ein religiös-politisches neues Problem auf, das den Engländern voraussichtlich mehr Zorge bereiten wird, als den Chinesen. Bekanntlich haben die Engländer unter "Aounahusband im Jahre 1904 Tibet erschlössen" und die Macht des Dalai Lama gebrochen. Zwei Jahre später erkannte England die Souveränität Chinas über Tiber ausdrücklich an und beging damit einen nicht wieder gut zu machenden Fehler, der wohl der Rück­sichtnahme auf die zahlreichen Buddhisten Indiens ent- wrang. DasDach der Welt" hätte tatsächlich die beste Borpostenstellung gegenüber China abgegeben, und un­zweifelhaft hatten damals die Politiker Recht, die die Be­setzung des jetzt zur chinesischen Provinz gewordenen Reiches als strategische Position start bc|üriuorieten. Da­mals wurde den Chinesen, die außerordentlich geschickt ope­rierten, auch versprochen, das; weder wissenschaftliche noch sonstige Expeditionen nach Tibet seitens der Engländer ge­macht werden würden. Die Chine,en, deren schlaue Diplo­matie sich hier außerordentlich be.vährt hat, zwangen den Dalai Lama übrigens auch zur Au,gäbe seiner Herrschergc- walt und bewilligten chm ein Jahresgehalt von 10000 Taöls.

Lei den erwähnten Ausschreitungen hat es sich ver­mutlich um Nebergrisfe von Soldaten, die Anhänger des Kosucius find, gehandelt, und weshalb die Chinesen nicht gleich von vornherein buddhistische Truppen nach Tibet gesandt haben, ist nicht recht erklärlich, denn man kann doch nicht annehmen, daß es ihnen nach Ab Muß des diplo­matischen Feldzugs darum zu tun sein tonnte, in Tibet neue Aufregungen hervorzurufen. Unter den gegebenen Verhältnifsen gewinnt die Flucht des buddhistischen Ober­hauptes besondere Bedeutung, die sich in erster Linie in einer empfindlichen Spannung zwischen England und China äußern muß. Wie gemeldet wird, finden denn nun schon Verhandlungen zwischen Petersburg und London statt, die entsprechende Schritte in Peting be-mecken. Angeblich hatte der Dalai Lama vor seiner Flucht sich um Hilfe an Ruß­land gewandt, das aber mit Rücksicht auf das englisch- ruf fische Abkommen icoe Einmischung aolehnle. Es handelt sich bei den Uebergriffen der chinesischen Soldaten und der Flucht des buddhistischen Oberhauptes dann auch vornehm­lich darum, vb und inlüteiueit die Buddhisten in China und Indien se.bst gegen die Tatsachen protestieren werden, denn genau genommen bat man das Heiligste, was chr Glauben kennt, beschimpsi. Hält man sich an die Ereig­nisse in Marokko, wo man auch an eine allgemeine Er­hebung derGläubigen" glauben machen wollre, was aber trg getauscht wurde, so hätte man auch einen allgemeinen tu]stand der Buddhisten kaum zu erwarten. Ge,chähe es trotzdem bis jetzt liegen keine Anzeichen vor so stände man allerdings vor schweren Ausgaben.

Die Lage, in der sich England befindet, ist insofern leine behagliche, als es großer Vorsicht bedarf, um die Gefühle der indischen Buddhisten nicht zu verletzen und andererseits auch die Chinesen nicht zu sehr zu reizen. Es gibt genug Stimmen im englischen Lager, die für Indien mehr von China furchten als von Rußland. Dieses ist noch weit davon entferne, seine Riesenträfte auch richtig benutzen zu können, aber es macht nicht zu verkennende An­strengungen, vorwärts zu kommen, was sich auch in der Ausbringung moderner Truppen äußert, ivas fetzt wieder in Tibet heirortritt. An der Südivestgrenze des himm­lischen Reiches werden seit langem umfassende militärische Vorbereitungen getroffen, die auf alle Fälle beweisen, oaß man gegebenenfalls ein Wort mitzusprechen wünscht. Dies ivürbc dann am Platze sein, wenn die Engländer von Indien aus einen Vorstoß nach Tibet unternähmen. Indexen er­scheint es glaubhafter, daß. dies mit Truppen nicht ge> ichehen wird, da hierdurch weiter Str en und die Ansicht ent­stehen könnte, England beabsichtige Tibet zu annektieren. Es wird vielmehr Sache der britischen StaatSk'unst sein, ihre Macht int Sinne englischen Einflusses auszunützen, ohne daß äußere Geschehnisse militärischen Gepräges dabei mitsprechen. Durch Wiedereinführung des Dalai Lama in Lhäjfa Aann sich England ein unvergängliches Verdienst um die buddhistische Sache erwerben.

Rewyorr, 28. Febr. Rach einem aus Peking ein- getroflenen Telegramm erklärte die chinesische Regierung dem britischen auswärtigen Amte auf dessen Frage nach den Intentionen der chinesischen Regierung in Tibet, dal; die innere Verwaltung Tibets unverändert bleiben werde.

Der BerlinerLok.-Anz." will Einzelheiten über die Entthronung des Dalai Lama durch die Chinesen wissen. Er meldet: ,, .

London, 26. Febr. Zugleich mit der Absetzung des Dalai Lamas ist die Neuwahl eines Nach­folger-' angeordnet worden. Der Dalai Lama wird tn dem kaiserlichen Erlaß des Ungehorsams und des Intri­gierens beschuldigt. Er sei tatsächlich der schlechteste Lama, der je in Tibet regierte, gewesen, und f}abc die Abgaben an iS hin a v cr weigert. Aus Kalkutta wird gemeldet, daß der Dalai Lama nur von fünfzig Chinesen bis zur inbifdjeu Grenze verfolgt wurde, wahrend er 300 Mann zu seiner Verteidigung hatte. An der Grenze wurde der Flüchtling von dem Radia von Sikkim empfangen, der ihm bis nach .Mlimpong das Geleite gab. Großes Aussehen hat des Dalai Lama Flucht in Nepal gemacht, wo inan ihn noch immer für die Wiedergeburt Buddhas halt, x-ie Nepaler verlangen, daß ihre Regierung dem Kirchensursten zu Hilfe komme, falls die indische Regierung )td) dessen weigern sollte.

Aus Stabt iiiiO Land.

Gießen, 1. März 1910.

** Die Erhöhung der Schlachthofgebüh­ren. Tie von der allgemeinen Metzgerveriammlung ge­wählten drei Meister sind vom Oberbürgermeister empchngen worden und haben ihm eingehend ihren .Standpunkt dar­

gelegt. Der Oberbürgermeister bedauerte, an dem Taiis für die -Lchlachtgebühren sesthalten zu müssen, die Metzger imen sich, wenn sie meinten, daß der Be.rag von 120000 Ml. für Geländeerwerb zu hoch sei. Dieser Betrag reiche nach einer nochmaligen Prüfung nicht hin, es sei vergessen wor­den, das für den Schlachthof erworbene Wohnhaus an der Rodheimer Straße in Rechnung zu stellen. Tat,ächlich koste der Grunderwerb, der für die Schlachthofsneubauten, die Kühlhalle usw. bereitgestellt sei, 159 000 Mk., wobei man das Gelände zu einem Preise in Ansatz gebracht habe, wie ihn die .uommist'ion zum Zwecke der Veranlagung bei einer eüent Wertzuwachssteuer taxiert hat. Der Oberbürger­meister ließ durchblicken, daß bie städtische Verwaltung nach Betriebnahme der Kühlanlage, bis zu welchem Zeitpunkt man das Ergebnis des neuen Schlachtgebührentarifs über­blicken könne, den Metzgern n. 11. ein gewi.ses Entgegen­kommen nicht versagen würde. Er erklärte weiter, daß weder er noch die Mitglieder der Stadtverordnetenver­sammlung die Absicht haben, den hier ansässigen Metzgern oas Leben sauer zu machen. Man crtennC gern an, daß bie Konkurrenten der Metzger auf dem Lande, auch wenn sie Fleisch nach Gießen liefern, im Vorteil sind. Aus diesem Grunde sei man bereit, die Polizeiverordnung über die Nachuntersuchung des von auswärts eingeführten Fleisches dahin abzuändern, daß die Gebühren entsprechend erhöht werden. Auch versprach der Oberbürgermeister, die An­regungen der Metzger wegen einer be,seren Kontrolle dieser Fleischeinfuhr in Erwägung ziehen und nach Möglichkeit berückfichligen zu wollen. Die Deputation der Metzger schied mit oem Bewußtsein, durch die Aus,prache mit dem Leiter unserer städtischen Verwaltung dem Handwerk einen guten Dienst geleistet zu haben.

Studentische Unt erricht«kurse für Arbeiter und Unterbeamte. Nächsten Freitag (4. März), abends, wird Prof. Dr. König im Physikalischen Institut (Kepplerslr. 24) einen Vortrag nut Demonstrationen überDas Sehen und die Farben- halten. Die Teilnehmer an den Unterrichts- lürsen mit ihren Angehörigen, aber auch alle anderen Ar­beiter und Unterbeainle sind freundlichst emgeladen. Karten für das Konzert, das der Konzertverem nächsten Sonntag ver­anstaltet, können nach dem Vortrag in Empfang genommen werden.

l. A u l e n d i e b a ch, 27. Febr. Es regnete heute bloß einmal, aber jedenfalls waren es Tränen der Freude, die der Himmel weinte. Nachdem gestern durch Kreisrat Böckmann von Büdingen un;cfc ruugewsthlter Bürgermeister Otto Bolitsch in fein Amt ein gewiesen wurde, setzten ihm heute seine Am-änger einen Ehrenbaum. Die Mehr­heit des Dorfes, die Schulrnaben der schwarzen Partei, Ehrenreiter usw. brachten den Maienbaum an Ort und Stelle. Unter den KAingen einer MusiikapellcHeil dir im Sieg en ranz" unbO Tannenbaum" hob sich der präch­tige Baum. Nachdem er stand, hielt Herr Hensel fen. eine maßvoll gehaltene Festrede. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß er vor 27 Jahren, als der Vater des New- gewählten den bürgermei,^erlichen Thron einnahm, auch die Ehre halte, zu reden und daß nun doch der neue Baum ins alte Loch komme. Brausender Jubel begleitete den Schluß der Rede. Herr Bolitsch baiute dem Redner und versprach, feilt neues Amt in Gewissenhaftigkeit, Gerech­tigkeit und ohne seinen Gegnern etwas nachzutragen, zu führen. Ein Festejsen und bann einFest"triinelt folgte, bas ziemlich lang gebauert haben soll. Herr Bolitsch wurde in zwei heftigen Wahlkämpfen mit 42 gegen 40 Stimmen gewählt.

bm. Bingenheim, 28. Febr. Gestern fand im Münchschen Saale ein außerordentlich gut besuchter Fa- milieitabend des Mengen Zweigoereins des Eoang. Bundes statt. Der Vor,itzenbe, Forstmeister Lang, er­öffnete ihn mit einer Ansprache. Der Vorsitzende der Be­zirksvereinigung Nidda, Oberst z. D. Weimer, hielt einen Vortrag:Unser deutsches Vatenand und wir Protestanten". Reichen Bet,all loyuie die von echt deutsch-protestantischem Geiste getragenen Ausführungen. Nach einer kurzen An­sprache von Pfarrer Hermann aus Nidda, der seinerzeit beit Anstoß zur Gründung bes hiesigen Zweigoeretns ge­geben Hatte, folgten kleine theatralische Aufsührungen, lebenbe Bilber, ge,teilt vom Turnverein, und Vorträge des Gesangvereins unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer Fischer. In allen Darbietungen Hangen patriotische und evangelische Gedanken, wie sie der Hauptvortrag ange- jd'lagen hatte, wieder. Wohlverdient Ivar daher der Dank, den Pfarrer Wiegel zum Schluß allen aussprach, die bei der schönen Veranstaltung mitgewirkt hatten.

0 Gladenbach, 27. Febr. Heute hatten sich hier tu der Wirtschaft von Vallbrechr die Vertreter der Krieg er vereine des Kreises Biedenkopf zur F r ü h j a h r s v e r s a m m l u n g vereinigt. Ter Verbanos- vorsitzende, Landrat Dr. Daniels, eröffnete die Ver­handlungen mit einer Begrüßungsansprache, die in ein Hoch aus den obersten Kriegsherrn ausklang. Es waren 69 stimmberechtigte Delegiere erschienen, außerdem nahmen nock) viele Kameraden von hier uno aus der Umgegend teil. Tie Wal)len hatten folgendes Ergebnis' Weigel- Biedenkopf wird. 1. Schriftführer, da der feitherige Be- kleider dieses Amtes Jacobi versetzt ist. Kommerzienrat Jung-Mlhelmshutte wird 2. Vorsitzender an Stelle des Manier al) en Spieß-Gladenbach, der eine Wiederwahl ablehnt. Zur Bezirlsversammlung nach Braubad) wird Ziger-Nieder- eisenhausen belegiert Aus dem Jahresbericht geben wir einige Zahlen wieder: Einnahmen 2893 Mk., Ausgaben 2847 Mk., Mitgliederbestand 2333, Vereine 81. Ter nächste Verbandstag ist in R o d h e i m.

Vorteile öes elektrischen Lichter für Licht- u. Kraftjtoede.

. Der Vortrag, den Ticeltor Stolle über diese wichtige Z-rage am Sonntag in Krofdorf hielt, enthielt in der Haupt­sache folgende Ausführungen:

Sckon lange Zeit verwendet man die Eletirizitöt für Be- leuchtuna, und Strait Übertragung. *))taii verwendet jie so ausgiebig, tut, man wohl behaupten lann, ba'ß lein Geout ohne Eiewizitat auswimnen könnte. Ter heutige Stand der Elektrizität ist von fo außerordentlich weckgehender Bedeutung, daß es an der Zeil | ist, auf die Vorteile bcrfelben aufmeru'am zu machen. xte

Eleltrizitat hat in den lebten tarnen emen Hegte-, en WoÄ zurückgclegt, und bente wird wohl fauni bic Jocrnmltung einer Gemeinde, die bisher ohne allgemeine Bclencl)tungsquelle war, gegenüber den Vorzügen des elektrischen Lichtes, bie Einführung einer anderen Bcleuct.tungsart befürworten wollen ^enn nun trotzdem,in vielen Gern, inten jahrelang schrvebende Belcurhtungs' fragen nur langsam zur Erledigung gelangen, io liegt dies meistens Daran, daß die Einwohner mit ihren Ent)ä msien zur uckhaltm, a-reil sie vielfach nickt wissen, was sie von der clcfrri|a)tn Etn-- richtung zu erwarten haben, und ob sie auch den Verhsltnmen oer einzelnen entspricht unb wie hoch sich die Kosten bc laut en.

Wenn wir die vorhandenen Lichtquellen, wie PLr?^um, Gas, 9LcfDien sowie Elektrizitäi betradi.c.t, so steht bic Elektrizität nur nut dem Gas allein int Wetioewero, Lenn ade uorigen mnltluben Beliuchtungsarten, Ivie Tenzin, Spiritus usw. sind uiiicrgcordnele Beleuatuilgsiiiittet und sind durch Gas unb Elektrizität weit übertroffen. Tie Vorzüge technischer Art, die die Eletlrr- 5ität gegenüber dem Gas besitzt, sind imüccrtrofienc Reinlicheit, siete Betriets^ereckldMst, größte^ Einfadcheit in der ^oeoienung!, oequeme Handhabung und äußerst geringe tveuergesahrlichieit. Elektrizität ist überall da zu verwenden, wo andereZBeienchtungs-- mittel den Ticnst versagen, denn mit einer merkbaren Abgabe von Wärme, mit einer Verunreinigung von Luft ist nicht zu redmen, w.shalb wir Eleltrizitat in Palästen, Villen, in einfachen ArbciterWrohnmigen, in Bahnhöfen und Spitälern finden.

Wenn man als Abnehmer von clektrifcheni Strom auftritt, bekommt man gcUirbnlich einen Zähler ausgestellt. Dieser Zahler zäh.t die elcftri|djie Energie, die man in seinem WirtschMstsoetruioe rerbraucht Hot nach sogenannten Kilowattstunden. Tas ist eine elektriscl-e Einheit, die ein bestimmtes Quantum elektrr scl-cr Energie darstellt. Es ist wesentlich, daß man sich über diese elektrische Größe ein klares Bild macht. Tas Kilowatts berechnet sich aus anderen cleltr. Ata stein heilen, aus Volt u. Ainpöre. Diese Qi löten wiederum lann man sich einigermaßen an einer Wasser­leitung versinnbildlichen. Wenn mau gegen die Oefsnuug des Leitungsl-ahncs bei der Wasserleitung den Daumen drückt, suhlt man buixl) das hereintrelende Wasser einen Truck. Durch diesen Truck wird die ÜJienge des gelieferten Wassers bestimmt. Ebenso bei der Elektrizität, Volt nennt man bie Größe, bie gewissermaßen! ben Truck bezeichnet. Wenn ich nun bei der Wasserleitung den! Taumen loslasse, so daß bas Wasser abfließen kann, erhalte ich eine bestimmte Menge Wasser, sagen wir mal einen Liter; diesen Begriff der Menge brückt man bei dec Elektrizitütsmeffung durch das Wort Ampöre aus. Wie nun bei einer Wasserleitung bie Menge des ab fließenden Wassers durch den T ruck, die Svannunai durch den Querschnitl des äiohres bestimmt wird, bestimmt sich die Menge der gelieferten Elektrizität durch bie Multiplikatvoni von Bolt (Truck) mit Ampsre. 2aburd) erhalten wir eine britte Gröhe, das Watt. Tas Kilowatt sind 1000 Watt. Ich will den Angcwcn über bie Vorteile der Elektrizität den Strompreis von 50 Pfennig für das Kilowatt für Lid)tzwecke und von 20 Pfennig für Kraftzwecke zu Grunde legen. Ter Preis für Krasd- iwerfe ist Niedriger gehalten als iür Lichtzwecke, weil, wenn das Elekkrizitalsiverk ben Strom nur für Belcu,cl)tungszw«le zu liefern Hütte, die Alaschmen nur abends unb nachts gebraucht werbet könnten, tagsüber müßten sie still liegen.

Ich komme zunächst auf bas Licht zu sprechen. Wenn wir dos Petroleum mit elektrischer Beleuästimg vergleichen, so müssen wir von der Einheit der Llchtstürle ausgehen, von der Helligkeit der Beleucl)tungsart. Man mißt jene Helligkeit wiederum nach einem bestimmten Maß, der )og. Nornrall^rze. Das ist eine bestimmte Zeitig feit, mit der man alle übrigen Beleuckstungsarten vergleich«!. TiC gewöhnliche Petroleumlampe, technisch die Normal- rischlanrpe, hat ungefähr 20 Normalkerzen Beleuchtung. Die Kück-eulampe etwa 10 und eine gut geputzte Stallalerne 5 Normal­kerzen. Sie haben wohl schon alle bie elektrischen Birnen gesehen. In den Handel kommen Llohlensaden- und Aietallsabenglühlampcn. Durch bie Einführung der Metallfabenglühlampen ist bie elektrische Beleuchtung in den allerletzten Jahren auf ein Triftet oer früheren Kosten verbilligt worben, so daß man mit Recht vehauptcn Eattn, baß die elektr ische Beleuchtung bil­liger als Petroleumbeleurfjitung ist. Eine Petroleum­lampe von 20 Normalkerzen und bei einem Preis von 20 Pfennig für das Lller verbraucht für 2st_> Psemrig Petroleum in der Stunde und eine elettrisae Atclallfabcnglühlampe von 25 Normal­kerzen Helligkeit Konsumiert für 1,37 Pfg. elektrische Energie,, eine solche von 16 Normalkerzen Helligkeit 0,88 Pfennig, also noch nicht ganz 1 Pfg. Ich muß hierbei vorcmsschirfen, daß bei den Metallfadenglühtampen ein Energieverbrauch von 1,1 Watt sür die Normalkerze, um bie Rechnung nicht etwa günstig zu stellen, zugrunde gelegt ist. Tie Fabrikanten der Metallfadew- lampen geben einen Energieverbrauch von zirka 1 Wall für die Kerze an, und ich habe während meiner Praxis feststellen tönnett, daß bie von ben Glühlampensabrilen angegebenen mittleren Vei> braucksziffern, von ganz Heinen Abirrichuilgen abgesehen, in der Praxis immer eingetroffen sind Besonders günstig stellt sich bei diesen Lampen der äußerst geringe Helligreits- a b f a l l während der logenannten ^tutzbrennbauer, der meistens mit nur 2 Proz. sestgestellt werben- konnte, also mit Rücksicht auf eine solche von 1000 Stunden als sehr vorteilhaft be- zeicl-net werden muh Rerfä häufig trifft man auch die Kohlenfaden­lampe an. Tie Kohlenfadenlampe gebraucht 70 Proz. mehr an Strom als die Melalliabenglühlampe, ist also teurer als die Peti'vleumbeleuchlung. Warum man noch immer die Kohlenfaden lampe benutzt, so liegt bas daran,, daß die Metallfadenlamve teurer ist. Tie Anfchaffungskosten stellen sich bei der Metall- ladenlampc auf zirka 2 Mark, hierzu kommt noch die Steuer mit 40 Pfg., also 2,40 Mk., während eine Kiohlensabenlampe von 16 St'j. einjchlleßstich Steuer 78 Pfg. lpstet. Deshalb sagt man sici. gewöhnlich, du nimmst eine Kohlmfadenlampc^ jvyu* hast du 1,62 übrig. Diese Rechnung ist gründ st sich, beitn-zfeoe Art der Lampen hat eine Nutzbrenndauer v^n 1000 ^Ftniiben, das macht bei dec 16 Kz.-Kohlensad en lampe bei hinein Preise von 2,6 Pfg. für die Stunde 26 Btt., dazu die Zßosteii der Anfäraffung mit 78 Pfg. = 26,78 Mk. Tie 25-ferzige Metallsadenlampo verbraucl/t bei 1000 BrennsMnden für 1000 X 1,37 Pfg. 13,70 Mk., dazu die Kosten der Anschaffung mit 2,40 = 16,10 Mk. Man bat also bei mal größerer 5oelligkeik (16:25 Kerzen! immer noch 10,68 Mr. Ersparnis innerhalb 1000 Brennslnnden erzielt. Dieses sollte Dorf) dazu führen, daß man überl)aupt nur noch die Metallfadenlampe verwendet.

Tie Vorteile der Elektrizität habe ich bereits erwähnt. Es ist vor allem bie außerordentliche Bequemlichkeit bei der Beleuchtung; durch einfaches Einschalten, durch einmaliges Herum drehen ors Schalters brennt bie Lampe. Man ist dabei ohne weiteres zum Sparen angehalten. Wenn man für brrzc Zcr! das Zimmer verlaßt, wirb man bie Lampe ausdrehen, was man sonst bei der umftänblid er en Entzündungsart z. B. bei Petra leum ober Gaslicht unterlassen mürb.. Eine elektrische Glüh lampe wirb nie sehr heiß, sie leuchtet nur handwarm, man kamt bie Lampe ruhig auf Heu ober Stroh legen, ohne daß cs Feuer fängt. Sollte durch irgendwelchen Zuiali eine Lampe zertrümmert werden, so kann auä> da nichts pas)ieren. Denn naturgemäß tritt in bem Augenblirf, in bem diese Lampc zerspringt, Lust in den leeren Raum, und die äto.chen- oder Metallfäden, die als Lebensbedingung haoen, ohne Lust zu leben, zerfallen in ganz kleine Teile, p daß eine Entzündung vollkommen ausge- ichlosfen ist. Sie haben schon sicher viel gehört von dem Kur--