Erdbeben.
Heidelberg, 9. Sept. Heute nacht verzeichnete der Seis^ mograph der Königstuhlwarte ein ziemlich starkes F e r il b e b e n, dessen Vorbeben um 2,26 Uhr und dessen Hauptbeben um 2,46 Ufa einsetzte.
Straßburg i. Els., 9. Sept. Heute Morgen 2 Uhr 25 Mm. 26 Sek. begann an den Instrumenten der Kaiserlichen Haupt- statürn für Erdbebenforschung in Straßburg die Aufzeichnung eines recht starken Fernbebens, dessen Herd etwa 9300 Kilometer entfernt vermutet wird und wahrscheinlich in Japan zu suchen ist, der zweite Vorläufer setzte um 2 Uhr 35 Min 35 Sek., die lange Welle des Hauptbebens gegen 2 Uhr 46 Min. ein
Deutsches Reich.
. Jrn Gefolge des Kronprinzen aus seiner Ostasien- reise befinden sich der Generaladjutant des Kaisers General- Leutnant ti. Schenk, Major Gras zu Solms-Wildenfels, persän- llicher Adjutant des Kronprinzen, Ordonnanzoffizier o. Zabeltitz, Leibarzt Oberstabsarzt Dr. Widemann, Gesandter von Treutler, Oberleutnant der Reserve Graf Finck von Finckenstein, Bureauvorsteher des kronprinzlichen Hofmarschallamts Sommer.
Wie die „Bayer. Verkehrsblätter" melden, hat Oberpostassistent IZollitsch seine Entlassung aus dem Reichspost- d ienst genommen. Zollitsch wurde, wie bekannt, wegen verschiedener Veröffentlichungen in dem Verbandsblatt, für has er als Vorsitzender verantwortlich gemacht wurde, durch Strafversetzung und Gehaltsminderung diszipliniert. Bei seinem Ausscheiden aus dem Dienste haben nun seine Kollegen einen schönen und rühmlichen Beweis ihres Zusammengehörigk^tsgefühls gegeben, indem sie eine Subskription unter sich eröffneten, die rund 50000 Mark eintrug. Diese Abschiedsgabe wird dem zum politischen Märtyrer gestempelten Kollegen demnächst ausgehändigt werden.
Der eine ber beiden Engländer, die unter dem Verdachte der Spionage auf Borkum verhaftet worden sind, wurde durch zwei Leipziger Gerichtsdiener nach Leipzig gebracht, um dem Reichsgericht übergeben zu werden; der andere wird ebenfalls dorthin transportiert.
Eine Verfügung des württembergischen Minister riums des Aeußern ordnet an, daß alle ermäßigten Frachttarife für die Einfuhr von Fleisch, frisch geschlachtetem Vieh 'und von Pferden im inneren Verkehr und im Verkehr mit anderen deutschen Bahnen bis zum 31. Dezember 1910 verlängert wird. Der Beirat der Verkehrsanstalten hatte die Einfuhr von Fleisch nach Württemberg als dringend notwendig bezeichnet.
. Wie aus Dresden verlautet, gedenkt der sächsische Finanz Minister D r. v. Krüger am Ende dieses Jahres in den Ruhe st and zu treten.
Der Verband mittlerer Reichs-Post - und Tcle-
** Automobile aus Landstraßen. Zu den Ge- und Verboten über das Autowesen auf der Landstraße teilt ein Landwirt mit: Es ist vielfach gar nicht möglich, vorschriftsmäßig ausKuweichen; gar oft hat der Bauer bei 1 Mei Pferden auf einer Seite eins, das die Autos nicht ' vertragen kann, bei einem ist ein solches Pferd links, beim andern rechts gespannt. Da läßt sich eine Seite zum Ausweichen gar nicht vorschreiben. Wenn die Autos rechtzeitig in größerer Entfernung das Signal geben, dann ist der Landwirt in der Lage, bei sein scheues Pferd zu gehen oder das Auto auf der andern Seite vorbei zu lassen. Der Wagen des Bauern hat sein eigenes Geräusch, oft größer als das der Autos; wenn der Autolenker nicht rechtzeitig das Signal gibt, ist das Auto eher als man es bemerkt an dem Bauernwagen (wenn das Auto von hinten kommt), an ein richtiges Ausweichen ist da gar nicht zu denken. Es liegt also viel am Autolenker, durch frühzeitiges Signal- gebenundlangsamesFahren Unfälle zu verhindern.
** WaS ist ein Wechsel? Bei allen Prüfungen kommen Antworten vor, die, trotzdem man sie für das praktische Leben als richtig anerkennen muß, doch für den Fragefall nicht stimmen. Bei den Meisterprüfungen in unserem Gewerbehause, die jetzt stattfanden, wurde ein angehender Meister gefragt, was er vom Wechsel wisse. Lange überlegte der junge Mann und mit lveiser Miene erklärte er dann: Ein Wechsel sei ein böses Ding, man müsse sich hüten, sich damit abzugeben. Die dabei sitzenden Meister nickten zustimmend, der Prüfende aber war mit der Antwort weniger zufrieden.
•• Verhaftet. Auf Requisition einer auswärtigen Behörde wurde gestern abend hier ein junger Kaufmann aus Laasphe wegen Wechselfälschung verhaftet.
** Die Maul- und Klauenseuche ist üius- gebrochen in Gembitz, Kreis Czarmkau, Regierungsbezirk Bromberg, bei Händlervieh; Walentinowo, Kr. Hohensalza, Regierungsbezirk Bromberg; Rehden, Kreis Graudenz, Regierungsbezirk Marienwerder; B e e l k o w, Eveutiu, Rügenwaide, Kreis Schlave, Regierungsbezirk Köslin, bei Händlervieh; Neuhütten, Station Großtuchen, Kreis Bütow, Regierungsbezirk Köslin, bei Händlervieh, am 7. September 1910.
A Büdingen, 9. Sept. Unser neues Gaswerk soll noch im Herbst eröffnet werden. Das Hauptrohrnetz ist in sömer Gesamtlänge von 7800 Meter verlegt, gegenwärtig werden die Haus- und Laternenzuleitungen hergestellt und die Lichtmasten aufgerichtet. Die Rentabilität des Gaswerks erscheint gesichert, da sich etwa 300 Hauseigentümer angemeldet haben; 400 Gasuhren sind erforderlich. Die hiesigen Handwerksmeister haben jetzt tüchtig zu tun.
# Bad-Nauheim, 9. Sept. Sonst hört man wohl von Unstimmigkeiten bei der Eisenbahn hinsichtlich der Fahrkartenpreise zwischen einzelnen Stationen, daß solche Fälle aber auch bei den Telephongebühren vorkommen, dürste neu sein. Während überall Telephongespräche zwischen Orten bis zu 5 km Entfernung nur 10 Pfg. kosten, muß man zwischen hier und Friedberg dafür 20 Pfg. bezahlen. Wie dieser AuSnahmetaris sich rechtfertigen läßt, ist schwer einzusehen.
L. Friedberg, 9. Sept. Zum Zarenbesuche. Bon unterrichteter Seite können wir die Mitteilung machen, daß das Leiden der Zarin nicht organischer, sondern nur rein nervöser Natur ist, daß Ruhe, Luftveränderung und die heilkräftigen Bäder Nauheims dasselbe beseitigen werden. Heute mittag fuhren die Zarin, die Großherzogin und die Prinzessin Heinrich von Preußen in offenem Wagen über die Kaiserstraße zur Burg hinein. — Gegen Wend bestiegen der Zar, der Großherzig und ber Prinz von Battenberg den hohen Adolfsturm, von beut aus man eine prächtige Aussicht über die ganze Wetterau bis zu den Bergen des Vogelsbergs und des Spessarts genießt.
A Echzell, 9. Sept. Unter Mitwirkung ber Land- wirtschastSkammer wird hier am 29. und 30. Oktober eine Provinzial-Geflügel-Ausstellung abgehalten.
Ausland.
Der s p a n i s ch e M i u i st e r p r ä s i d e n t C a n v l e j a s gab dem Madrider Korrespondenten des „Matin" gegenüber folgende Erklärung ab: „Der G e s a m t a n s sta nd ist überall gescheitert. Man bebauptet jetzt, daß der Sozialistenführer Pablo Iglesias, der aus Kopenhagen zurückkehrt, im Auslande den Auftrag erhalten habe, bon neuem einen Generalstreik ins Werk zu setzen. Ich glaube das nicht, denn es liegt kein Grund vor, einer Re gierung, die die jüngsten Arbeiterzwiste ohne Blutvergießen beigelegt hat und im Oktober den Cortes Gesetze zum Schutze der Arbeiterklasse vorlegen wird, Schwierigkeiten zu bereiten. Das Ministerium will sich mit der klerikalen und der sozialen Frage beschäftigen und alle seine Vorschläge werden von einem ehrlich fortschrittlichen Geiste durchdrungen sein. Ich sehe weder in Afrika, noch im Innern einen Konflikt voraus und bin sicher, daß die Majorität der Cyrtez mithelfen wird, mein Werk zu vollenden."
Das türkische Unterrichtsministerium richtete an den ökumenischen Patriarchen eine Note, in welcher diesem das Verbot, die auf den 14. September einberufene Nationalversammlung abzuhalten, zur Kenntnis gebracht und im Falle der Znwiderhatrdlung mit der Anwendung des Strafgesetzes gedroht wird. Das Verbot wird damit begründet, daß die Nationalversammlung in den Reichsgesetzen und in den Privilegien des Patriarchats nicht vorgesehen sei und außerdem die Ordnung gefährden könnte.
. Unter dem griechischen Militär setzte eine leichte Agitation ein, die die Absendung einer Ergebenheitsadressq an den König zum Zwecke haben soll. Um der Agitation entgegenzutreten, ordnete der Kriegsminister die Versetzung des Obersten des dritten Kavallerieregiments an und ließ einen Unteroffizier, der der Anstifter der Bewegung ist, festnehmen. Man mißt der Bedeutung nur eine örtliche Bedeutung bet
Venizelos hat den Vorsitz der provisorischen Regierung von Srreta, sowie sein Mandat für die kretische Abgeordnetenkammer niedergelegt. Den Konsuln ist von diesem Entschluß Venizelos Mitteilung gern ad) t worden.
Der Vertreter des P a p ft e s und fein Sekretär verließen die in der Kathedrale für den verstorbenen chilenischen Vizepräsidenten Albano abgehaltene Trauerfeier und beschwerten sich darüber, daß die zur Hundertjahrfeier der Unabhängigkeit der Republik hier weilenden ftemden Gesandten den Vortritt erhielten.
rv. Pfungstadt, 9. Sept. Bei der hiesigen De- meinderatSwahl erhielten die bürgerlichen Kandidaten 659 bis 594, die sozialdemokratischen 595 bis 576 Stimmen. Es wurden vier Bürgerliche und ein Sozialdemokrat gewählt. Die Sozialdemokratie zählt nunmehr vier Vertreter im Gemeinderat.
Worms, 9. Sept. Ein bedauerliches Eisenbahn« 'unglück ereignete sich heute früh auf ber Strecke Worms — Gundheim. Durch einen äußerst selten vorkommenden Defekt der Maschine schlugen kurz vor Gundheim die Flammen der Feuerung aus dem Kessel. Lokomotivführer Wenzel und Heizer Ortstadt sprangen sofort ab und wurden betäubt. Ortstadt fiel jo unglücklich, daß ihm das rechte Bein oberhalb ber Wade vollständig abgefahren wurde, während der Führer nur leichte Verbrühungen an der Hand erlitt. Durch das aus ström ende Wasser wurde das Feuer gelöscht und so die Lokomotive kurze Zeit daraus zum Stehen gebracht. Es handelte sich um den 4,15 Uhr hier abgehenden Leerzug. Eine Ersatzmaschine Ivar bald zur Stelü. Allgemeine Teilnahme wendet sich dem verunglückten Heizer Ortstadt zu, der am Samstag erst seine Hochzeit gefeiert hat.
-z- Salzböden, 9. Sept. Die hiesige Feldmark ist im Zusammenlegen begriffen. Die Gemarkung ist 589,2 Hektar groß; davon sind 153 Hektar Wald. Bis jetzt ist in 17 Kreisgemeinden mit einer Flächengröße von zusammen 6564 Hektar bie Zusammenlegung durchgeführt. Im Verfahren befinben sich 12 Kreisgememben mit einer Flachen- grüße von rnnb 7156 Hektar.
= Wetzlar, 9. Sept. Hier hat sich eine Vereini.- gunb ehemaliger Angehöriger des Füsilier« Regiments v. Gersdorff (Kur'hefs. Nr. 80) gebildet. In unserem Kreise befindet sich eine große Anzahl Veteranen und jüngere gediente Soldaten des Regiments und es wurde in den abgehaltenen Versammlungen beschlossen, an der im Jahre 1913 stattfindenden 100-Jahrfeier des Regiments teilzunehmen. Ai diesem Zwecke wurde eine Reisespar^ kasse und Unterstützungskasse gegründet. Durch letztere soll ermöglicht werden, daß auch unbemittelte Kameraden der Feier mit beiwohnen können. Man hofft, daß auch die in Gießen wohnenden früheren Angehörigen des Regiments sich der Vereinigung anschließen werden. Gelegenheit hierzu ist am Sonntag, 11. September, gegeben, an welchem Tage die Wetzlarer Vereinigung einen Familien-iMsflug nach Wißmar unternimmt.
FC. Wiesbaden, 9. Sept. Gestern mittag ver« haftete die Kriminalpolizei aus dem Hauptpostamt den 20 Jahre alten Schlosser Friedr. Sauer aus Frankfurt am Main. Sauer hatte vor einiger Zeit in Gießen auf der Arbeitsstelle einen jungen Mann aus Jugenheim a. d. Bergstraße kennen gelernt. Sauer kam kurz darnach nach Wiesbaden und schrieb von hier aus fortgesetzt Brandbriefe im Namen des Arbeitskollegen an dessen Eltern nach Jugenheim, in denen er um Zusendung von Geldbeträgen postlagernd Mainz und Wiesbaden bat. Der Vater, oer seinen Sohn in Schwierigkeiten wähnte, sandte Geldbettäge von insgesamt 105 Mk. Als der Schwindler gestern auf der Post wieder 45 Mark erheben wollte, wurde er festgenommen.
araphen-Beamtcn hält vorn 12. bis 14. September zu Berlin seinen 2 0. Verbandstag ab. Der vorliegende Geschäftsbericht für 1909 läßt erkennen, daß der für die Organisationsbewegung der Beansteuschast bahnbrechend gewesene und auf dem Gebiete der sozialen Selbsthilfe vorbildlich tätige Verband sich auch im Berichtsjahre günstig weiterentwickelt hat. Der Mitgliederbestand ist um 2511 gestiegen und betrug Ende 1909 über 38 000. Dementsprechend haben sich auch die Vermögensverhältnisse vorteilhaft entwickelt; das Gesamtvermögen des Verbandes betrug am Schlüsse des Berichtsjahres über 1,6 Millionen Mark. Hiervon entfielen u. a. auf den Reservefonds 72 074 Mark, auf den Fürsorgefonds für Lungen^--und Nervenkranke 59 000 Mark, auf die Fürsorgekasse und auf die Sterbekasse 1 204 461 Mark.
Aus StaOt nnd Land.
Gießen, 10. Sept. 1910.
Born Manöver.
Das Gefecht bei Münzen berg wurde heute ausge- fochtrn. Die Heere rückten sich, aus dem Lahntal bezw. aus dem Vogelsberg kommend, entgegen, und es galt, um die lieber* gange ber Wetter zu kämpfen. Die blaue Armee verließ früh um V26 und 6 Uhr ihre Quartiere in Gießen und dessen östlicher Umgebung; sie wurde befehligt von Oberstleutnant von Scher - vening und war verftärkt durch ein Bataillon, das aus den Unteroffiziersschülern von Biebrich und den 21er Pionieren gebildet wurde. „Blau" hatte einen ziemlich starken Anmarsch von GarVenteich über Watzenborn; bei $rÜttingen am Wartberg standen die Vorposten. Kavallerie-Patrouillen der 6er Dragoner hatten die rote Armee, die ihre Duartiere um Berstadt, Södel und Wölfersheim hatte, im Anmarsch gegen Muuzettberg auf 'der Straße Bellersheim Treis - Münzenberg gemeldet. Blau mar- schiette über Gröningen, Holzheim, Gambach überschritt die Wetter und umging den feiitdlichen linken Flügel am Okilgcnberg bei Rockenfang. Hier nahm auch die blaue Artillerie Aufstellung. Rot lag am Tellerberg bis gegen die Halteftelle Münzenberg. Um 10 Uhr begann das Gefecht. Rot ging unter dem Befehl des Oberstleutnants von Welrns schließlich zunt Angriff über und Blau mußte sich über die Wetter zurückziehen. Um 1 Uhr wurde das Gefeckft abgebrochen und die Regimenter rückten in die Quartiere. Blau bezog am Ausgang von (fairbenteidf nach Dors-Gill zu Vorpo stett-Biwack, Rot bei Müschen heim und Münzenberg. Heute findet der Kamps feine Fortsetzung, er dürfte sich über Birklar, Lich nach Ettingslwusen zu ziehen.
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Goldenes Doktorjubikaum. Der bekannte und beliebte Schriftsteller Dr. Wilhelm Jensen in München begeht heute sein goldenes Doktorjubilänm. Aus diesem Anlaß hat ihm die hiesige philosophische Fakultät, bei der er pro- movterte, das Diplom erneuert, das folgenden Wortlaut hat: theosophische Fakultät der Großherzvglich Hessischen ^andesumversttat sendet dem Herrn Wilhelm Jenstn in München
taben Besestltzungswerke, die fein Svhn seziert haben soll, KüntzLch veraltet und jeden strategischen Wertes fair seien, bezweifelt aber zunächst noch stark, daß man bei seinem Vohne überhaupt irgendwelche Planskizzen gefunden habe. Cfri au s wär tigen A m t erklärt man, keinerleiamt- liche Nachrichten über die Angelegenheit zu habe^i. Die gleiche Auskunft wurde dem Oberstleutnant Helm auf der hiesigen englischen Botschaft gegeben.
ihren Glückwunsch zum Gedächtnis des Tages, an dem ihn ine Fakultät vor sünfzig Jahren zum Doktor der Philosophie ernannt hat und erneuert ihm nach altern) Brauche das Diplom, dem Manne, der mit prüfendem Messer wie ftüher den Körper, so dann die Seele des Menschen zerlegte, dem die Erforschung der Natur das Knnstlerauge geschärft hat für die Farben und Formen der blühenden Welt, der mit Dichterblick gelesen hat in den Büchern der Gefchichte, ber, was er schaute, gestaltet hat zu Bildern des reichsten Lebens, bald nordisch düster und leidem'chaftlich, bald nut süddeutsch behaglichem Lächeln, stets aber nachhallende (Stimmung zeugend und eigenster Wirkung sicher. Gegeben zu Gießen unter dem Rettorat des Professors der Anatomie Dr. rned. Hans ^ttaht und dem Dekanat des Professors der Geographie Dr. phtt. Wilhelm Sievers am 10. September 1910.
Wilhelm Jensen wurde am 15. Februar 1837 zu Heiligenhofen in Holstein geboren uud war nach Absolvierung seiner Studien zunächst Redakteur der „Schwäb. Volkszeitung", dann der ^Norddeutschen Zeitung" in Flensburg. Er wohnte dann^ abwechselnd in Kiel, Freiburg und München. Als Schriftsteller trat er zuerst mit seinem „Magister Timotheus" im Jahre 1866 hervor und entwickelte seitdem eine außerordentliche Fruchtbarkeit. Von den nahezu 100 Bänden, die er im Laufe der Jahre veröffentlicht hat, sind am bekanntesten: Der braune Erieo (68), Die Gesellen des Meisters Matthias (70), Im Zwing und Bann (92), Luv und Lee (97), Die Rose von Hildeshetm (00), Der Schleier der Maya.
** In den Reichs dien ft im Namen des Deutschen Kaisers mit Ermächtigung des Großherzogs und nach Vernehmung des Ausschusses des Bundesrats für Zoll- und Steuerwesen wurde der Großh. Revisionskontrollenr Finanzassessor Phil. Steinmann zu Mainz den Königlich Preußischen Hauptzollämtern zu Kleve, Kiefeld, Duisburg, Emmerich, Kaldenkirchen, Neuß und Wesel als Skations- kontrolleur mit dem Wohnsitz in Krefeld beigeordnet. Der Großherzog verlieh ihm den Titel Mnanzamtmann.
** Die Hauptversammlung des Gewerbe- Vereins für das Großherzogtum Hessen findet am Sonntag' den 25. September, IO1/2 Uhr vorm., in Grünberg statt. Am Abend vorher gedenkt der Ge- werbeverein in der Turnhalle einen Empfangsabend zu veranstalten. Die Tagesordnung der Hauptversammlung ist vorläufig wie folgt festgesetzt: 1. Begrüßungen, Ge- chästliche Mitteilungen, Tättgkeitsbericht des Landesgewerbevereins 2. Bestimmung des Ortes für die nächste Hauptversammlung in der Provinz Starkenburg. 3. Die Mitarbeit der Gewerbe- und Handwerkervereine an der Lehrlingsfürsorge. 4. Bericht über den derzeitigen Stand der Frage der Reichsversicherungsordnung. 5. Das Vortragswesen in den Gewerbe vereinen. 6. Anträge. 7. Verschiedenes.
Vermischte».
* Ein neues Biwaks euer im Ka i sc r m a n ö der. Im diesjährigen Kaisermanöver wird versucht werden, das Biwaks feuer modernen Ansprüchen anzupassen. Wenn es auch einen poetischen Anblick gewährt, so sind doch die bisherigen Biwa^ feuer durch ihren kräftigen Rauch und durch ihren hellen Flammen» fchein sehr verräterisch. Schönheit und Poesie müssen aber vor den Forderungen des Krieges weichen. Aus diesem Grunde ist für das diesjährige Kaifermanövcr Weisung gegeben worden, daß für die Biwakfeuer nicht mehr wie bisher Holz verwendet werden darf. Anstelle dessen werden K 0 h l e n b r 1 k e t t s verwendet, die auf Lastzügen ins Manöverfeld mitgeführt werden. Zum Entzünden der Feuer werden petroleumgetränkte Anzünder verwendet werden. Die Biwakfeuer mit Briketts geben nur eine kleine Flamme, die in weiter Ferne unsichtbar bleibt und darum nicht zum Verräter werden kann.
* Die „harmlose" M il 1 ionärsg attin. Ein ahnungsloses .Kindergemüt muß Mrs. Broesel, die Gattin des Millionärs imb Präsidenten dec Newyorker Bank Herman Broesel, ihr eigen nennen, denn sie ließ sich nicht etwa aus Furcht vor den l>ohen Zöllen zuni Schmuggel verleiten, sondern^ nur aus zarter Rücksichtnahme auf ihren Gatten, dem sie, um seine Nerven zu schonen, die Fülle der von Paris mitgebrachteu Toiletten erst nach und nach eingestehen wollte. Als sie vorigen Freitag auf der „Lusitania" von einer Vergnügungsreise nach; Patts zurückkehrte, verschwieg sie eine Anzahl kostbarer Pariser Toiletten, die in ihren Koffern ruhten, nicht nur dem liebenden Ehgemahl, sondern auch der gefttengen Zollbehörde. Der Gatte hatte eine ganz genaue Steuerdeklaration ausgeftellt, von der er mit gutem Gewissen sagen konnte, es fehle auch nicht das Ge- ttngste. Aber er hatte eben nicht mit den Geheimnissen seiner Frau gerechnet. Die Steuerbeamten nahmen ttotzdcm eine strenge Durchsicht unter seinem Gepäck vor, und nun kamen Toiletten über Toiletten zum Vorschein, eine immer herrlicher, geschmackvoller und teurer als die andere. Vor dem Zollinspektor gestalt Mrs. Broesel unter Tränen, daß sie nicht beabsichtigt stabe, die Behörde zu betrugen, sondern die Toilette nur "bor ?yrem Mann geheim gehalten habe, um ihm erst von ihrem DasttÄ Mitteilung zu machen, wenn sie ihn durch den versührerischeN Anblick überzeugen könne, wie notwendig diese Gewänder zu fcen Juwelen, die er gekauft hatte, gehötten.
* Eine Engländerin über die „Psychologie des Eroberers". Eine englische Dame, die sich aus einer Reise durch Deutschland befindet und gegenwärtig in Baden-Baden wellt, teilt einem englischen Blatt ihre Eindrücke über den deutschen Nationalcharakter mit, den sie als das „Temperament des Eroberers" charakterisiett. „Deutschland ist vollkommen männ- lich, männlicher als irgend ein anderes Land von heute. Und, diefe starke Pkännlichkeit ist die wirkliche Kraft des modernen Deutschland." Der Deutsche von heute ist noch immer der Sohn des Krieges von 1870; er hat das Wissen von der Bedeuttms der Macht und den Stolz des Sieges mit der Muttermilch ttn- gefogen, auf des Vaters Knien gelernt, und er erzieht seinen Sohn in demselben Geiste. „Nichts ergreift den englischen Geist stärker," meint sie an einer anderen Stelle, „als das beständige GefüK- von einer großen unsichtbaren Macht, die alles und jeden lenkt, das man m Deutschland hat. Stets ist sie da, schweigend, wachsam und bereit. Jeder Mensch ist wie ein Hund an einer langen Kette: bellt er ent bischen zu laut, ist er ein bischen zu übermütig, gicid) wird die Kette ihn mit schaftem Ruck zur Wirtlichkeit zurückrusen. Aber diese Macht ist ebenso wohltätig wie allmächtig. Sic ivachl über leben, schützt ihn in einer Weise, die jemandem, bei lange in romanischen Ländern gelebt hat, unglaublich erfebeint. Eine Frau kann allein, mit reifem Schmuck an ihrer Toilette, durch


